Empfang der Angto-GermanFellowship
Ribbentrop über die deutsch-englischen Beziehungen.
kümnt waren, wurde das Haus des Banditen von den Dächern der Nachbarhäuser und von der Straße aus mit Maschinengewehren beschossen. Auch Tränengasbomben wurden geworfen. Erst nachdem das Haus durch den Bombenabwurf in Branö geraten war, ergab sich der Gangster. Das Feuergefecht zwischen seiner Bande und der Polizei hatte eine volle Stunde gedauert. Während des aufregenden Zwischenfalles sammelten sich auf dem Broadway und den anliegenden Straßen riesige Menschenmassen. Die Feuerwehr unternahm trotz der starken Beschießung des Hauses mutige Löschversuche.
Hinrichtung eines Mörders.
In Nordhausen ist der 1914 geborene Werner Schußmann h i n g e r i ch t e t worden. Schußmann ist durch Urteil des Schwurgerichts in Nordhausen vom 18. Juni 1936 wegen Mordes zum Tode verurteilt worden, weil er am Abend des 31. Dezember 1935 in Sangerhausen den Nachtwächter Helmbold in der dortigen Maschinenfabrik mit einem Beil erschlagen hatte, um die Fabrikkasse zu berauben.
Kleines Kind durch kochendes Wasser verbrüht.
In Koblenz ereignete sich ein trauriger Unfall, dem ein zweieinhalb Jahre altes Kind zum Opfer fiel. Das Kind stürzte in eine in der Küche aufgestellte Wanne mit kochendem Wasser und zog sich so schwere Verbrennungen am ganzen Körper zu, daß es bald nach der Einlieferung ins Kran- kenhaus ft a r b.
Jugendlicher Leichtsinn führt in den Tod.
Eine schon ost gerügte Unsitte hat in der rheinischen Ortschaft Macken ein Todesopfer gefordert. Ein achtjähriger Junge hatte sich auf der Verbindungsstange zwischen einem Lastkraftwagen und Anhänger gesetzt. Beim Abspringen kam er zu Fall und geriet unter die Räder des Anhängers. Der Junge trug so schwere Verletzungen davon, daß er kurz darauf starb.
Internationale Falschmünzerband in Yokohama.
Großes Aussehen erregte die Verhaftung von Mitgliedern einer internationalen Falschmünzerbande in Yokohama. Beteiligt sollen Amerikaner, Franzosen, Dänen, Weißrussen und Japaner sein. Die bisher verhafteten fünf Personen, ein französischer Rechtsanwalt, der bei einer Botschaft in Tokio angestellt sein soll, ferner zwei Dänen und zwei Japaner, frühere Bankdirektoren und Beamte im Hofministerium, sollen nach Angabe der Agentur Domei in Verbindung mit Bank- teitern und politischen Persönlichkeiten in China stehen. Die Hauptbeteiligten sollen in Schanghai tätig sein, unter denen sich ein früherer südamerikanischer Handelsattache namens Omaria befinden soll, der, wie Domei weiter ausführt, der Schwiegersohn des 1925 gestorbenen Zarengenerals Kuross a t k i n ist. Zu den anderen Tätern sollen ein Däne, ein Franzose und ein Amerikaner, die Vertreter bekannter Firmen und Theaterunternehmer sind, zu rechnen sein. Nach Domei sollen bereits Maschinen und Druckereien für die Herstellung von 15 Millionen chinesischen Dollarnoten der chinesischen Zentralbank eingerichtet worden sein. Das Verbrechen sei durch die Verhaftung eines gewissen L u t t a , der dänischer Staatsangehöriger sein soll, aufgedeckt und verhindert worden. Die Polizei habe Lutta bei seinem Eintreffen in Yokohama verhaftet.
Indischer Postzug in Flammen.
Auf der Eisenbahnstrecke zwischen Bombay und Kalkutta ist in einer der vergangenen Nächte ein Postzug in Brand geraten, in dem sich die mit dem englischen Dampfer „Ranpura" eingetroffene englische Brief- und Paketpost befand. Mit Ausnahme der für den Gouverneur von Bengalen bestimmten Scyriftstücke ist die gesamte Post den Flammen zum Opfer gefallen. Die Sendung war im Hinblick auf die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage besonders umfangreich und umfaßte 600 Postsäcke.
London, 16. Dez. (DNB. Funkspruch.) Zu Ehren des deutschen Botschafters von Ribbentrop veranstaltete die Anglo-German Fellowship im Grosvenor-Hotel unter dem Vorsitz von Lord Mount Temple einen großen Empfang, an dem etwa 700 Personen teilnahmen. Nach den Trinksprüchen auf den König von England uni) den Führer und Reichskanzler hielt der frühere Luftfahrtminister Lord Londonderry eine Rede. Er erklärte, daß im Interesse des Friedens völlig neue Wege beschritten werden müßten und schlägt zu diesem Zweck die Einberufung einer Versammlung her großen Männer der heutigen Welt vor. In Europa könne ein Anfang gemacht werden mit einer Zusammenkunft der führenden Persönlichkeiten Deutschlands, Italiens, Englands und Frankreichs. Er habe Sowjetrußland absichtlich a u s g e l a s s e n , das sich die Unterminierung all der Einrichtungen in anderen Ländern zum Ziele gesetzt habe, die nach Ansicht dieser Staaten ihre eigene Stabilität verbürgten. (Beifall.) Die Gefahr liege darin, daß der Friedenswille eines Tages von den kriegerischen Vorbereitungen überrannt werde. Es werde die Zeit kommen, da alle Nationen stark seien und es für diese großen Nationen kein anderes Ventil gebe als den Krieg. Es liege an den Menschen, den Ausblick zum Kriege schleunigst zu schließen und den herrlichen Ausblick zum Frieden zu öffnen.
Botschafter von Ribbentrop
führte dann u. a. aus: Die Anglo-German Fellowship und ihre Schwesterorganisation die Deutsch- englische Gesellschaft in Berlin wollen fern von der Politik des Tages ein besseres Verstehen zwischen Großbritannien und Deutschland herbeiführen. Es ist ihr Bestreben, einen engeren Kontakt zwischen den führenden Männern des kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Leben der beiden Länder zu schaffen, um eine dauernde Freundschaft zwischen diesen beiden verwandten Völkern herbeizuführen. Erst heute erhielt ich die Mitteilung, daß ein führendes Mitglied der Hamburger Zweigstelle der Gesellschaft 'eine Anzahl von Stipendien für britische Studenten zur Verfügung gestellt hat. Es ist mir ein Vergnügen, Ihnen heute mitzuteilen, daß wir von jetzt an jedes Jahr in der Lage fein werden, vier britische Studenten an die Universitäten von Hamburg und Berlin einzuladen. Der Zweck dieser Stiftung ist, die kulturellen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu fördern und zu vertiefen.
Deutschland war entschlossen, die diskriminierenden Bestimmungen des Versailler Vertrages, die kein großes Volk auf die Dauer ertragen haben würde, zu beseitigen. Um dieses Ziel durch Vereinbarungen zu erreichen, hat der Führer und Reichskanzler seine Angebote an die Welt gemacht. Aber in einer Welt, die noch immer in einer Mentalität befangen war, die wir als den „Geist von Versailles" kannten, blieben diese unbeantwortet. Es ist tief bedauerlich, heute feststellen zu müssen, daß von allen diesen Angeboten zur Abrüstung, Rüstungsbegrenzung, zum Abschluß von Nichtangriffspakten, Garantiepakten und anderen Friedensgarantien, die in diesen vier Jahren vorgeschlagen wurden, nur w e - nige Erfolg hatten. Wenn schließlich doch eine Frage wenigstens geregelt werden konnte, so ist dies auf den traditionellen britischen Weitblick in Flottenfragen zurückzuführen, den der Führer und Reichskanzler teilte. Das deutsch-englische Flottenabkommen erweckte große Hoffnungen, daß weitere Schritte in Richtung auf eine Gesamtregelung der europäischen Probleme möglich sein würden.
Ilm diese Zeit jedoch fand eine unterirdische Wacht, die unser Führer in Deutschland ausgemerzt hatte, erneut Eingang in Europa. Es machte sich bald bemerkbar, daß ihr störender Einfluß und ihre destruktive Lehre eine Konsolidierung Europas verhindern mühten. Die Lehre der Komintern hat Deutschland einmal an den Rand des Abgrundes gebracht. Selbstverständlich hat jedes Land seine eigene Art, mit dieser Seuche, sobald sie aufkritl, fertig zu werden. Ich kann hier nur aus vollem herzen unserem Wunsche Ausdruck geben, daß kein anderes Volk dieser Welt die gleichen Erfahrungen wie wir machen möge. Jedenfalls sollten die Völker auf der Hut sein, und ich bin davon überzeugt, daß die Welt erst dann zur Ordnung und friedlicher Entwicklung zurückkehren kann, wenn diese destruktiven Ideen verschwunden sind.
Aber die Unruhe der Gegenwart ist aus besonderem Grunde zurückzufüyren und diese sind wirtschaftlicher Natur. Als in diesem Jahre bedauerlicherweise klar wurde, daß die Aussichten auf eine baldige politische Lösung nicht günstiger würden, d. h. also, daß auch wirtschaftliche Vereinbarungen in weitem Felde lagen, stellte der Führer den Vierjahresplan auf, um durch ihn den Lebensstandard seines Volkes zu heben. Das deutsche Volk muß leben und wird leben, und der Führer war — um die lebenswichtigen
Bedürfnisse seines Volkes zu befriedigen — mcht gewillt, auf einen allgemeinen wirtschaftlichen Wiederaufschwung zu warten. Er konnte fermer nicht warten, bis Deutschland wieder im Besitze des Nutzens auf feine Kolonialansprüche sein würde, für die, wie ich aufrichtig hoffe, eine Lösung bald gefunden werden möge. Der Führer und Reichskanzler, dessen erster und letzter Gedanke am Tag das Wohlergehen des deutschen Arbeiters ist, mußte handeln, und er hat gehandelt. Sie sehen heute die gesamte deutsche Nation in begeisterter Mitarbeit am 23 i e r- jahresplan. Ader Deutschland wünscht keineswegs vollständige Autarkie. Deutschland will wieder ein Volk sein, das seiner Tagesarbeit ohne ständige wirtschaftliche Sorge nachgehen kann. Der Vierjahresplan ist ein Schritt in dieser Richtung.
Der Führer sieht nach wie vor in dem Besitz von Kolonien für die Versorgung mit Rohstoffen einer- eits und dem Welthandel anderseits die beiden wichtigsten Faktoren für die Erhaltung und Steigerung des Lebensstandards des deutschen Volkes. Eine vernünftige Lösung der Kolonialfrage ist daher äußerst erwünscht und liegt meiner Auffassung nach, auf lange Sicht gesehen, i n unser aller Interessen. In der gegenwärtigen Welt der Besitzenden und der Besitzlosen ist ein freier Güteraustausch notwendiger denn je, damit der Lebensstandard der Länder mit der gleichen Zivilisation auf ein einigermaßen gleichmäßiges Niveau gebracht wird.
Ein Ausgleich ist meiner Ansicht nach mehr als irgend eine andere Maßnahme geeignet, jene Zufriedenheit zu schaffen, die die beste Garantie ür den Weltfrieden und den Wohlstand gibt, und n der Tat, ich glaube, daß dies die beste Lö- ung ist!
Deutschland hat sich nach seinem Wiedereintritt in den Kreis der Großmächte daran gewöhnt, a u f eigenen Füßen zu stehen.
Es wird niemals jemanden gestatten, die Sicherheit seines Volkes zu bedrohen. Aber unabhängig und im Vertrauen auf feine Stärke ist es heute nach wie vor bereit, auf gleichem Fuße mit den anderen Nationen an der Herstellung eines dauerhaften Friedens in der Welt mitzuarbeiten. Deutschland und England haben in ihrer langen Geschichte nur einen Streit gehabt. Dieser Krieg war ein fürchterlicher und tragischer Fehler, der sich niemals wiederholen darf. Keiner würde dabei gewinnen können. Wir alle wissen heute, daß ein zweiter Konflikt zwischen unseren beiden großen Völkern e i n anderer Weltkrieg, nichts anderes als die Weltrevolution, den Bolschewismus und die Zerstörung alles dessen bedeuten würde, was uns seit Generationen teuer ist.
Büchertisch.
— Egon von Kapherr: „Die Heideleute von Babenhuse n". Roman. Mit vielen Lichtbildern von Hermann Fischer (Braunschweig). Preis geheftet 3,50 Mk., Seinen 4,80 Mk. Brunnen- Verlag, Willi Bischoff, Berlin. — (490) — Das Erscheinen seines letzten Romans hat Egon von Kapherr nicht mehr erlebt Der große Natur- schilderer hat hier noch einmal Schicksale aus einem mecklenburgischen Dorf verwoben mit dem Leben der heimatlichen Tierwelt. Voll vielfältiger Eindrücke stehen Landschaft, Menschen und Tiere vor uns, alles hat seine Geschichte, das Dorf, der Wald, das Haff, der Mensch, das Tier und alles wird ungekünstelt, schlicht und wahr erzählt. Eine Reihe künstlerisch und biologisch wertvoller Naturaufnahmen ergänzt das Werk.
— 21 u g u ft e Supper: Das Mädchen Peter und der Fremde. Roman. Preis in Seinen geb. 4,40 Mark. Verlag C. Bertelsmann in Gütersloh. — (527) — Ein frohes Idyll abseits der Heerstraße. Wenn der Fremde wider Willen auf einem Ackergaul ans Gartentor des fliederumdufte- ten Grünhaus gerät, wenn dieser Gaul selber mit dem Klingelzug den seltsamen Besuch meldet, so umfängt uns gleich zu Anfang unserer Geschichte Humor und Heiterkeit. Da ist der prächtige Großvater, dessen Wille noch nach seinem Tode die eigenwillige Hausgemeinschaft regiert. Da ist vor allem Großvaters Liebling, die muntre Petronella. „Peter" wird sie gerufen, läuft in Jungenhosen und macht beim Sturz vom Kutschbock zugleich mit dem Ackerboden und dem Fremden Bekanntschaft. Doch wie nun ein überreiches Herz eine scheue Mädchenblüte in drei Frühlingstagen erschließt, und wie das mancherlei Frohe und Nachdenkliche in und um Grünhaus zum guten Ende sich fügt, das mag jeder selbst nachlesen.
— Heinrich Schusser: Fritz Haase startet ins Leben. Ein lustiges Buch mit Zeichnungen von Fritz Koch-Gotha. 240 Seiten. Broschiert 3,50 Mark, Seinen 4,80 Mark. Brunnen- Verlag Willi Bischoff, Berlin. — (492) — Als erstes erzählendes Werk legt uns Heinrich Schuster einen Kleinstadtroman vor. Es sind Lausbubenge- lchichten, die manchmal an Sudwig Thoma anklingen, aber doch von ganz anderer Art. Dazu die köstlichen Bilder von Fritz Koch-Gotha. Viele werden an dem Buch ihren Spaß haben.
Lin Bahnbrecher der medizinischen Mffenschast
Zu Ernst von Bergmanns 100. Geburtstage am t6. Dezember.
Ernst von Bergmann stammte aus einer bal-- tischen Pastorenfamilie. Seine Vorfahren waren starke gebietende Persönlichkeiten, gewohnt, in dem großen Kreis ihrer bäuerlichen Gemeinde väterlich zu walten und zu herrschen, zugleich waren sie aber auch Männer von starken wissenschaftlichen Neigungen und Fähigkeiten.
Ernst von Bergmann fühlte als Jüngling keine Neigung zum theologischen Studium, sondern wünschte sich an der Universität Dorpat als Student der Historisch-Philosophischen Fakultät einzuschreiben. Eine scheinbare Zufälligkeit, nämlich der Umstand, daß diese Liste bereits gefüllt war, schenkte der Medizin einen ihrer bahnbrechenden Jünger. Seine Jugend und sein Mannesalter bis zum 40. Lebensjahr waren eng mit seiner Heimatuniversität Dorpat verknüpft, wo er an der chirurgischen Klinik lehrte und schon mit 35 Jahren ordentlicher Professor wurde. Keineswegs aber waren dies stille Gelehrtenjahre, sondern, abgesehen von einer vierzehnmonatigen Studienreise an die deutschen Universitäten, wurde die Zeit von drei Kriegen unterbrochen, dem preußisch-österreichischen von 1866, dem deutsch-französischen von 1870 und dem russisch-türkischen von 1877, in denen Bergmann seine volle Kraft in den Dienst der Kriegslazarette stellte.
Seine Erfahrungen in der antiseptischen und aseptischen Wundbehandlung sind zum größten Teil auf dem Schlachtfelde erworben. Damals war es noch üblich, mit Sonde und Zange in den frischen Wunden nach der Kugel zu suchen, wodurch Infektionen geradezu herausgefordert wurden. Bergmann lehrte dagegen, daß die frische Schußwunde aseptisch sei und am besten heile, wenn sie nur sauber verbunden und das verletzte Glied zur völligen Ruhe gebracht würde. „Wenn meine ganze Tätigkeit auf dem Hauptverbandplatz", so sagte er selbst über seine Erfahrungen im russisch-türkischen Krieg, „in nichts weiterem bestanden hätten, als zu gipsen und den sehr ausgezeichneten und lieben Kollegen in die Arme zu fahren, so oft sie ihre Sonde an den frischen Wunden versuchen wollten, um mit meinem Veto die Schußöffnungen vor dieser neuen metallischen Noxe zu schützen, ich hätte mich großen Verdienstes rühmen können."
Das antiseptische Verfahren zur Bekämpfung der damals noch furchtbar wütenden Wundkrankheiten wie des Wundfiebers, des Wundstarrkrampfes und des H o f p i t a l b r a n d e s war kurz vor Bergmann von Lister in die Chirurgie eingeführt worden und wurde durch Bergmann und feine Schule weiter ausgebaut. Durch feine eigenen Erfahrungen belehrt, ging Bergmann jedoch von der Antifeptik zur Aseptik über und tat damit den entscheidenden Schritt, auf dem die ganze Entwicklung der modernen Chirurgie ruht. Mochte auch anfangs ein Teil der Mediziner Bergmanns Lehre widersprechen, so war ihre Wahrheit dennoch so überzeugend, daß sie sich in kürzester Zeit durchsetzte und heute längft zur selbstverständlichen Voraussetzung jeder chirurr^chen Behandlung geworden ist.
Als Lehrer in Würzburg, wohin er unmittelbar nach der Rückkehr aus dem russisch-türkischen Kriege berufen wurde, wie auch später in Berlin, trug er Generationen von jungen Aerzten feine Erkenntnisse selber vor. Und in besonders glücklicher Weise
verband sich in feiner Persönlichkeit der große Arzt mit dem großen Lehrer, der Mann des praktischen Handelns und Heilens mit dem wissenschaftlichen Forscher. Der hinreißende Schwung seines Temperaments, die reckenhafte Gestalt mit dem scharf geprägten bedeutenden Kopf, der klassische und dabei o unmittelbar frei strömende Stil seines Vortrags vermittelte allen seinen Schülern unvergeßliche Eindrücke.
Bekannt ist die tragische Rolle, die Bergmann bei der tödlichen Erkrankung des Kronprinzen und späteren Kaisers Friedrich spielte. Von Anfang hatte Bergmann wie auch seine Gehilfen das Leiden richtig erkannt, aber mit all ihrer Einsicht und ihrem tatbereiten Willen zu helfen, mußten sie hinter dem Engländer Mackenzie zurückstehen, der das Vertrauen der Kronprinzessin dadurch zu gewinnen wußte, daß er sie bis zuletzt mit trügerischen Hoffnungen hinhielt. Von der erschütternden und oft ins Unwürdige abgleitenden Tragödie, die sich in San Remo rings um den Todkranken abspielte, geben Bergmanns von Arend Buchholtz in seiner Biographie veröffentlichten Briefe ein lebendiges Zeugnis. Als endlich der todgeweihte Kaiser in die Heimat zurückgekehrt war, erhob sich gebieterisch die Frage, wie lange er noch zu leben haben würde. Für die innere und äußere deutsche Politik hing viel davon ab, und so suchte Bismarck Klarheit darüber bei Bergmann.
Dieser schreibt darüber: „Ich hatte ein einstündiges Gespräch mit diesem wunderbaren Manne. In demselben setzte er mir auseinander, wie er es für Gewissens- und Ueber^eugungssache halte, seinem Kaiser nachzugehen, und wie viel er bei der Betrachtung des schwer leidenden Mannes selbst mitfühle. Er habe nach beiden Richtungen sich feste Grenzen gezogen. Im Nachgeben wolle er bis an das Aeußerfte gehen, denn er sehe in dem Kaiser seinen von Gott ihm gegebenen Herrn, dessen Wünsche er, soweit sein Gewissen und seine deutsche Gesinnung ihm erlaubten, erfüllen wolle, anderseits möchte er seine Kräfte nicht ganz erschöpfen, weil er glaube, daß sie dem Nachfolger nützlich fein könnten. Er fühle aber sich erschöpft in dem täglichen Ringen, den Kaiser zurückzuhalten. Folglich müsse er wissen, wie lange er das zu ertragen haben werde. Mackenzie hätte anderen gegenüber — er spräche nicht mehr mit ihm — gesagt: noch ein Jahr. Das sei für ihn Grund, jetzt abzutreten, denn das übersteige die Kräfte seiner 73 Jahre. Ich blieb in meiner Antwort auf dem Termin, den ich am 11. März, also vor drei Monaten, ihm genannt. Ich hatte die Freude, daß er mir in großen Zügen ein Bild seiner Tätigkeit gab, seiner echt deutschen Ueberzeugung. Er war dazwischen tief bewegt, namentlich wenn er davon sprach, wie so gern er dem Kaiser ein langes Leben wünschen würde. Wenn die Wahlen unter dem jetzigen Regiment geschehen, so fürchte er sehr viel: der Krieg wäre dann noch das geringste. Du kannst Dir denken, wie mir zu Mute war, aber ich dachte: du mußt ihn erhalten, und du erhältst ihn, wenn du sagst: es dauert nicht länger, als du im März prophezeit. „Es ist bis jetzt alles so eingetroffen, wie Sie ge-
Das £> e i m a < t> tt rf>
t> odeutsch en Walde!
3ungfud)d
«5larf verkleinerte Abb. aus Waldweben)
WNwWKhO«
Die Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes in Bildern
iso Naturaufnahmen aus dem Tierrundpflanzen- leben des heimatlich en Waldes auf 128 Kupfertief, brurftafeln, mit lebendigem und aufschlußreichem Einführunostext von K.GerhardundG. Wolff
preis i n Leinen R M. 4.80
»Das ist eine herrliche Well! Die beiden Kameramänner sind chr bis in köstliche Verschwiegenheiten nahe gekommen. — Köstlich ist alles und zauberhaft schön." Dresdner Anzeiger
Verlangen Sie das bebilderte Derbeblatt
Zu beziehen durch jede Gießener Buchhandlung oder direkt vom
Hugo Benuühlcr »erlag, Berlin-Lichlerselde
Klavierunterricht
Natalie Hoos, staatl. geprüft
Danziger Straße 5. Telefon 3839
<xut gerüstet wird derWintersport zur Freude.
Ob Schneeschuhe, Stöcke, Rodelschlitten oder Schlittschuhe — fachmännisch und preiswert werden Sie immer bedient bei
J.B. Häuser
Gießen 7626 a am Oswaldsgarten Fernruf Nr. 2145/^6
M
JB
vicugciii.
Klein- Pianos entzückende neue Modelle sind ein- getroff. Zwang- lose Besichtigung erbeten. sosqD
Pianohaus R.Schönau Bahnhofstr. 76 kein Schaufenstr.
HflCbläffttwnsMe 20 v. 6. erhalten Sie bei wiederholten Auf« nahmen einer Ameise
lonuen-’“ MwMch abzugeb. Bestell. erb.wirv.Postl. od.and.B.erver- agMichel.W..ll- forftr .71,5/2479 öamplsänewerk Lollar ß. Nuhn A. Ö., Lollar
- UlflGENER&SCHLOTEL
Das große Fachgeschäf t für Damen- und
Pelzkleidung Frankfurt am Main, Zeil 10d
Zentral-Heizungen, Sanitäre Anlagen, Reparaturen
OolöJ.IOörnerlw.
Ludwigstrake 40 Fernruf 3355 ii/CDRE DRUCKSACHEN WEKDE Brühl. OieQen
Vermählungs-Anzeigen
liefert BrühTsche Druckerei
A89O8


