Deutschland-Italien 2:2.
— Großkampf vor 100000 im Olympia-Stadion.
Ein deutscher Erfolg.
Zum ersten Male nach den Olympischen Spielen war das Olympische Stadion in Berlin wieder der Schauplatz eines Großereignisses. Schon nach drei Monaten erlebten die Berliner wieder das von den Olympischen Spielen her gewohnte Bild. 100 000 Zuschauer standen und saßen um das weite und fahnengeschmückte Oval, auf dem der sechste Fuß- ball-Länderkampf zwischen Deutschland und Italien abrollte. 100 000 Zuschauer gerieten wieder, wie bei den Spielen, in Begeisterung, nahmen lebhaften Anteil an den spannenden und interessanten Geschehnissen auf dem grünen Rasen. Sie erlebten einen spannenden und abwechslungsreichen Kampf. Sie erlebten eine ausgezeichnete Vorstellung der deutschen Mannschaft gegen eine so starke Fußball- Nation wie Italien, die sich eindeutig durch FIFA» Weltmeisterschaft und Olympiasieg empfiehlt.
Auf der Ehrentribüne sah man u. a. Reichsminister Dr. Goebbels, Reichspressechef Dr. Dietrich-, die Staatssekretäre Pfundtner und Ohnesorge, Stabschef Lutze, Reichsfugendführer Baldur von Schirach, den italienischen Botschafter Attolico und viele andere Mitglieder des diplomatischen Korps, den Reichssportführer von Tschammer und Osten und die führenden Männer des Fachamts Fußball.
Festliches Olympia-Stadion.
Wo im August die Fahnen von 50 Nationen wehten, flatterten an diesem cherbstsonntaa Hakenkreuzflaggen, das italienische Banner und — zu Ehren des Schiedsrichters — die schwedische Flagge. Reibungslos vollzogen sich An- und Abmarsch der Massen. Die von den Olympischen Spielen her eingespielte Organisation bewährte sich auch hier glänzend, so daß der äußere Gesamteindruck dieser Veranstaltung sich würdig an die zwei großen Wochen anschließt, die das Reichssportfeld und das Olympiastadion während der olympischen Wochen erlebten.
Der Kampf ist aus! Er brachte Deutschland einen Teilerfolg. Zum ersten Male hat auf deutschem Boden eine deutsche Nationalelf gegen Italien überhaupt Tore geschossen, nachdem die Italiener die bisher gegen Deutschland auf deutschem Boden ausgetragenen Länderspiele (1:0 in Duisburg und 2:0 in Frankfurt) „zu Null" gewonnen hatten. Die Gesamtbilanz der sechs zwischen beiden Nationen ausqetragenen Länderspiele zeigt einen deutschen Sieg und ein Unentschieden gegenüber vier italienischen Siegen. Deutschlands einziger Sieg wurde in jenem denkwürdigen Treffen 1929 in Turin mit 2:1 errungen, wo Heiner Stuhlfauth, Hans Jakobs großer Vorgänger, der Held des Tages war.
Der Musikzug der Leibstandarte Adolf Hitler verkürzte den Massen, die schon ab 12 Uhr die Ränge besetzt hielten und mit Interesse dem Vorspiel der Berliner Iungmannen folgten, die Zeit in den Pausen. Kurz vor Beginn erhoben sich die Zuschauer zu stillem Gedenken an die Opfer der ,Hsis".
Die Mannschaften kommen...
Ungeheuer ist die Spannung, als der Lautsprecher nochmals die beiden Mannschaften bekannt gibt. Pünktlich um 14.15 Uhr betreten die Italiener, geführt von dem Standart-Verteidiger Allemandi, das Spielfeld, gleich hinterher die deutsche Mannschaft mit Szepan an der Spitze. Die SS.-Kapelle spielt die italienische Nationalhymne, den Königsmarsch und die Giovineza, dann das Deutschland- und HorstMessel-Lied. Eklöw ruft Allemandi und Szepan zur Wahl. Italien gewinnt, und Allemandi wäblt den steifen Seitenwind zum Bundesgenossen. Italiens Elf in weißer Hose und azur-blauem Hemd, und die deuffche Vertretung in schwarzer Hose und weißem Hemd mit rotem Kragen stellen sich in folgender Aufftellung zusammen: Italien: Olivieri
Monzeglio Allemandi Serantoni Ändreolo Darglien II Pasinati Perazzolo Piola Ferrari Colaussi. Urban Szepan Siffling Gellesch Elbern Kitzinqer Goldbrunner Janes " Muntert Münzenberg
Deutschland: Jakob
Der Kampf beginnt. — Italien führt!
Die ersten Minuten zeigen beide Mannschaften angesichts der ungeheuer großen und kontinentalen Rekord darstellenden Zuschauermenge befangen.
Aber schon in der dritten Minute ist der Bann gebrochen. Nach einer Flanke von rechts verläßt Jakob sein Tor, die Verteidiger kamen nicht zurück, und der Linksaußen Colaussi köpfte ins ungedeckte Tor. Die italienische Kolonie bejubelte be- aeistert diesen für Deutschland überraschenden Anfang.
Aber Siffling gleicht aus!
Der Kampf wird nun spannend und interessant. Vorerst haben die Italiener mehr davon, aber langsam kommt auch die deutsche Elf auf und zeigt, daß sie nicht gewillt ist, sich bedingungslos dem Weltmeister zu beugen. In der 39. Minute
Deutschland führt 2:1.
Aber schon zwei Minuten später führt Deutschland 2:1. Wieder ist es Siffling, der gut stehend, von Kitzinger den Ball erhält und zum zweiten Male unhaltbar einsendet. Nun ist der Jubel der Massen nicht mehr zu beschreiben. Noch lange nach diesem Erfolg, als Italien längst verbissen um den Ausgleich kämpft, haben sich die Massen nicht beruhigt. Dann aber erlöst der Pausenpfiff die bangenden Zuschauer.
Nach der Pause.
In der Pause erscheint, lebhaft von den Zuschauern begrüßt, Reichsminister Dr. Goebbels. Dann geht es weiter, der Kampf wird härter, und Italien kämpft mit Rieseneinsatz um den Ausgleich, der den Südländern auch nach sechs Minuten gelingt. Ferrari schießt aus kurzer Entfernung unter dem sich werfenden Jakob ins Netz. Italien har ausgeglichen! Nun erleben die Zuschauer fast 40 Min. lang einen spannenden und immer wieder reizvollen Kampf, in dessen Verlauf die Italiener längere Zeit den deutschen Strafraum beherrschen, an der eisenharten Hintermannschaft und Deckung aber ein unüberwindliches Hindernis finden. Auch die deutschen Angriffe scheitern, wenn nicht Pech
aussichtsreiche Gelegenheiten verdirbt, an der guten und aufmerksamen Hintermannschaft der Italiener.
Der Kampf geht zu Ende. Die Massen bejubeln den deutschen Teilerfolg und zollen auch in sportlich einwandfreier Weise dem Weltmeister, der auch in Berlin seinem Ruf durchaus gerecht wurde, Anerkennung und Achtung. Einer der größten kontinentalen Länderkämpfe war vorüber.
Die Mannschaften in kritischer Würdigung.
Die italienische Mannschaft setzte sich aus Spielern zusammen, die durchweg etwas kleiner waren als ihre Gegner. Aber doch waren sie ihrem südlichen Temperament und ihrer Schnellkraft ent
sprechend im Kovfballspiel eine Klasse für ftd). Verblüffend war der entschlossene Einsatz im Naykampf. Ändreolo war der Punkt, von dem aus sich das raumgreifende betont hohe Flügelspiel als erfolgreichste Angriffswaffe entwickelte. Seine Vorlagen nützten die beiden Außen Pasenati und Colaussi zu wiederholten gefährlichen Angriffen aus. Beide Flügelstürmer sind klein und flink, so daß die wuchtige deutsche Verteidigung einen schweren Stand hatte. Im Jnnensturm entwickelte sich Ferrari zur treibenden Kraft. Von den Außenläufern war Varglien II auf der linken Seite der erfolgreichere Spieler. Schlagsicherheit kennzeichnete die beiden Verteidiger. Olivieri im Tor arbeitete stets zuverlässig.
Nicht allzu glücklich war der Auftakt für Deutschland. Die Niedergeschlagenheit Münzenbergs nach dem ersten Tor der Italiener wirkte sich noch einige Zeit aus. Der Sturm spielte ver- kramptft, zu oft wurde in die Deckung hineingelaufen, ungenau zugespielt und ungenau geschossen. Das Ausgleichstor brachte den Umschwung. Die Mannschaft gewann jetzt mehr Sicherheit, spielte kraftvoller und zielstrebiger und zeigte vor allem im Angriff eine gute Kombinationsarbeit. Der Sturm wurde von den beiden Außenläufern Janes und Kitzinger wirksam unterstützt. Besonders der Düsseldorfer betätigte sich als großer Aufbauspieler. Von der besten Seite zeigte sich Goldbrunner, der Piola kalfftellte. Im Sturm war Gellesch technisch und im Zuspiel gut. Elbern und Urban gefielen durch gute Flanken. Der deutsche Mannschaftsführer
Szepan hinterließ nicht den Eindruck von Prag. Vorbildlich aber waren seine Ballbehandlung und das Zuspiel. Siffling zeigte immer dann, wenn er mit dem Ball spielte, seine technischen Fähigkeiten. Sein größtes Verdienst war es, durch zwei schöne Tore den äußeren Erfolg dieses Kampfes sicher» gestellt zu haben. Jakov gefiel durch sein entschlossenes Dazwischensahren. Die deutsche Verteidigung wurde nach der ersten Viertelstunde sicherer, erreichte aber bei weitem nicht ihre Form von Glasgow.
Werbeabend des Reichsbundes für Leibesübungen.
Die Ortsgruppe Gießen des Reichsbundes für Leibesübungen veranstaltete am Samstagabend in der Neuen Aula der Universität einen gehaltvollen Werbeabend, der leider — wohl veranlaßt durch die vielen Veranstaltung Sen am gleichen Abend — wenig gut besucht war. 'ameraden des Musikzuges der Standarte 116 leiteten mit musikalischen Darbietungen den Abend ein. Der Leiter der Ortsgruppe Gießen des RfL., Dr. König, hielt eine kurze Begrüßungsansprache, in der er besonders die Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, der Wehrmacht, des Arbeitsdienstes, sowie der städtischen und staatlichen Behörden herzlich willkommen hieß. Dr. König umriß dann in kurzen Zügen die großen Aufgaben des Reichsbundes für Leibesübungen, er rief im Zusammenhang damit Erinnerungen wach, an die Zersplitterung der Kräfte im deutschen Sport vor der Machtergreifung durch den Führer und wies hin auf die Breitenarbeit, die für die Zukunft im RfL. geleistet werden solle, ohne jedoch die Ausbildung der Spitzenkönner zu vernachlässigen. Der RfL. solle ein Erziehungsverband sein, um deutsche Jugend für die Gegenwartsaufgaben vom Leibe her zu stärken und zu kraftvollem Einsatz bereit zu machen. Ein Anfang für diese Arbeit sei der Vertrag zwischen dem Reichsjugendführer und dem Reichssportfuhrer.
Im weiteren Verlauf des Abends hielt der 93er» tretet der Gauführung des Reichsbundes für Leibes- Übung, Sportkamerad Beuermann» Kassel, einen anregenden Lichtbildervortrag über das Wesen, Ziele und Aufgaben der deutschen Sporthilfe. Er kennzeichnete den hohen ethischen Sinn der Hilfsbereitschaft aller Sportfreunde, die in der Erlegung des Sportgroschens beim Besuch jeglicher Veranstaltung zum Ausdruck komme. Das Geld, das durch diesen Sportgroschen aufkomme, ermögliche eine segensreiche Arbeit auf dem Gebiete der Wiederherstellung verunglückter Sportkameraden und darüber hinaus die Förderung mancher großen Sache. An Hand vieler Lichtbilder schilderte der Redner die Einrichtungen und das Leben im deutschen Sportsanatorium Hohenlychen, in dem während des dreijährigen Bestehens bisher schon über 1500 Sportkameraden Heilung finden konnten. Der Vortrag wurde dankbar und mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.
Der zweite Teil des Abends war der Aufführung eines Filmes gewidmet, der im Auftrag des Reichssportführers hergestellt worden war und in straffer Zusammenfassung einen Ueberblick über die großen Ereignisse während der Olympischen Spiele in Berlin gab. Vom Fackelstaffellauf bis zur erhebenden Schlußfeier wurden die Besucher des Abends Zeugen großartigen Geschehens der Olympischen Spiele. Mit Worten des Dankes an den Führer, den Erneuerer des deutschen Sportlebens fand der Werbeabend seinen Abschluß.
Gauliga-Handball-Ergebnisse
Der Tabellenführer des Gaues Hessen und Gaumeister Kurhessen Kassel verteidigte die ungeschlagene Spitzenposition erfolgreich. Mit 12:10 (3:6) fiel der Sieg der Kurhessen gegen den Spielverein recht knapp aus. Der Spieloerein rechtfertigte mit diesem Ergebnis seinen guten Platz in der Tabelle. Da der Tv. Wetzlar in Bettenhausen 8:3 (4:2) geschlagen wurde, steht der Spielverein hinter Kurhessen allein an zweiter Stelle. Die Kasseler Turngemeinde suchte und fand Anschluß nach oben durch einen klaren Sieg mit 16:3 (7:2) über Kurhessen Marburg. Das zwischen dem Tv. Kirchbauna und Tuspo. Kassel angesetzte Spiel wurde verlegt.
SB. Kaffel an der Spitze.
Fußball-Meisterschaftsspiele in Hessen.
Nach den Meisterschaftsspielen am 15. November liegt im Fußballgau Hessen der Spieloerein Kassel, der diesmal Kurhessen Marburg mit 4:0 (4:0) klar bezwang, an der Spitze der Tabelle. Die Kasseler
8MM
Jubelnde Begeisterung erhob sich im ganzen Stadion, als bereits in der ersten Halbzeit das zweite Tor für Deutschland eingesandt werden konnte. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
läuft Siffling gut in Stellung, Szepan schiebt ihm den Ball zu, und unhaltbar zischt das Leder in die untere Ecke. Deutschland hatte ausgeglichen. Großer Jubel brach aus. Die Massen gerieten in helle Begeisterung. Italien dreht mächtig auf.
Wege im Nebel.
Vornan von Käthe Mehner.
(Copyright by Auftvärts-Verlag, Berlin SW 68.)
9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Wenn es sie so sehr interessiert, Fräulein Will- nof... Warum sollte ich es Ihnen als der Toch- ter meines alten Rechtsanwaltes nicht sagen? Rammelt steht im Mittelpunkt meines Interesses, weil er als Sachverständiger und Bevollmächtigter der „Vereinigten Zuckerwerke" ein Gutachten über die zu meinem Konzern gehörige Grube „Mar- arer zu machen hat, also mein nicht zu unter- schätzender Gegner ist!"
„Ja, ich weiß davon! Mem Vater hat mir bereits einiges drüber angedeutet. Da wird also mein Vater als Sachwalter der Brand AG. wohl die Verhandlung mit Rammelt führen müssen, soweit es um die Untersuchung der Grube und die Material- kenntnisse geht? Oder werden Sie selbst mit Rammelt verhandeln?" m £ ...
„Leider eben beides nicht! Ihr Herr Vater ist für Fragen der geologischen Untersuchung ja leider nicht zuständig. Vielleicht ist er hier auch nicht ganz der richtige Mann!"
„Und Ihr Herr Bruder?"
„Mein Bruder Gerhard ist leider seit seiner Rückkehr noch gar nicht im Werk gewesen. Er ist letzt zu seiner Erholung noch in Oberhof! Außerdem lehnt er es unoerständlicherweise ab, in dieser Angelegenheit für mich einzuspringen. Und ich selbst..
„Und Sie selbst, Herr Generaldirektor? Warum sprechen Sie nicht weiter?"
„Wenn ich die Wahrheit sagen soll — — ich selbst suhle mich einer Verhandlung über diese Dinge mit einem Mann wie Rammelt einfach nicht gewachsen! Es ist vielleicht schlimmt, es ein§ugestehen, aber es ist trotzdem wahr! Ich bin nun einmal kein Diplomat,--es liegt mir einfach nicht..."
„Wie wäre es denn, Herr Generaldirektor, wenn ich mein Heil bei Rammelt versuchte? Gewisser- maßen als Bevollmächtigte meines Vaters? Viel- leicht läge mir dergleichen mehr? Sie wissen, daß
ich viel für meinen Vater gearbeitet habe, ich weiß also mit dergleichen Sachen Bescheid! Natürlich verstehe ich von den geologischen Befunden ebenso wenig wie mein Vater. Aber in bezug auf die Einstellung Rarnmelts, feine vorläufigen Ergebnisse, auf denen Sie bann aufbauen konnten, — — könnte ich Ihnen vielleicht doch etwas nützen!"
Mit steigender Bewunderung hatte Walter Brand den Worten Olgas gelauscht.
„Das würden Sie wirklich tun, Fräulein Will- noff?"
Stürmisch fast rief er es aus, ergriff impulsiv ihre Hand?
„Wie sollte ich Ihnen nur jemals dafür danken, wenn Sie mir diesen Dienst erweisen wollen!"
„Aber das ist doch kaum der Rede wert!" gab Olga zurück. „Es kostet mich ja weiter gar keine Mühe. Wenn Sie einverstanden sind, werde ich meine Freundin Fräulein Heller sofort anrufen, ob mein Besuch ihr angenehm ist. So läßt sich dann eine Unterredung zwischen Rammelt und mir am zwanglosesten bewerkstelligen!"
Damit erhob sie sich auch schon, lächelte dem Generaldirektor zu, — ein verschlossenes, undurchdringliches Lächeln — und begab sich hinaus, das Nachtgespräch mit Janna Heller unmittelbar anzumelden.
Ein langer, bewundernder Blick Walter Brands folgte ihr.
Olga sagte sich, daß Nachtgespräche gewöhnlich schnell kamen, so zog sie es vor, am Apparat zu warten.
Mit heißen Händen legte sie den Hörer auf die Gabel, nahm dann erregt und erwartungsvoll auf dem niedrigen Sessel neben dem Apparat Platz.
Was sollte sie eigentlich sagen, als Grund für die Anmeldung ihres Besuches angeben? Janna in die Angelegenheit einzuweihen, schien nicht ratsam, ganz und gar nicht! Etwas peinlich war es außerdem auch, nach diesem Vorfall im Caf6 „Central"! Daran hatte sie vorhin gar nicht mehr gedacht...
Das schrille Signal des Fernamts zerriß ihre Betrachtungen.
Hastig erhob sie sich, ergriff den Hörer.
Eine fremde Stimme schallte ihr zu ihrer lieber» raschung entgegen.
„Ist Fräulein Heller zu sprechen? Hier Olga Willnoff."
„Nein, das gnädige Fräulein ist leider nicht anwesend."
„Nicht anwesend? Wer ist denn am Apparat?"
„Hier spricht das Mädchen von Frau von Bergmann. Fräulein Heller ist nämlich verreist!"
„Verreist? Ja, wohin denn? Vielleicht zusammen mit Herrn Dr. Rammelt?"
„Nein, das gnädige Fräulein ist allein gefahren. Nach Oberhof! Wenn Sie die Adresse wissen wollen: „Hotel Thüringer Hof"!"
„Oberhof!!"
Knackend ließ Olaa den Hörer fallen. Keinen Dank, keine Entschuldigung an das Mädchen! Zu heftig hatte diese Entdeckung sie getroffen! Die wildesten Gedanken jagten sich in ihrem Hirn.
Also Janna und Gerhard waren beide in Oberhof! Alle Vorsicht, die beiden auseinanderzuhalten, hatte nichts genützt! Janna hatte alle Hemmungen einfach über Bord geworfen, ihrer Verlobung mit Rammelt zum Trotz!
Glühende Eifersucht, lodernder, ungezügelter Haß gegen beide kochte in Olga Willnoff auf. Nur noch ein Wunsch lebte in ihr: Janna und Gerhard auseinanderzutreiben, sich an Janna zu rächen, die ihr Gerhard zum zweitenmal weggenommen ... Daß Gerhard ihr niemals Hoffnung auf sich gemacht, ihr nie ein Recht gegeben hatte, ihn als zugehörig zu ihr anzufehen, gestand sie sich nicht ein!
Grau und verzerrt erschien in diesem Augenblick ihr Gesicht. In grenzenloser Wut verzogen sich ihre Mundwinkel. Zusammengeballt lagen ihre Hände noch immer auf dem kleinen Tisch, auf dem der Apparat stand, der ihr die Nachricht vermittelt hatte.
Sicher wußte Ralf Rammelt von alledem nichts! Und sicher auch hatte Janna den ersten Schritt getan, sich Gerhard wieder zu nähern! O, wie sie sie haßte!
Lange saß sie so.
Dann endlich sprang sie mit einem gewaltsamen Ruck auf. Grübeln half nichts, handeln mußte sie jetzt, handeln!
Forschend betrachtete sie ihr Bild im Spiegel, glättete ihr Gesicht, bis das alte, undurchsichtige Lächeln wieder darauf stand. Dann endlich begab sie sich zurück in den Salon, wo Walter Brand bereits eifrig sprechend mit ihrem Vater zusammen- saß.
„Doch keine Absage?" fragte der Justizrat seine Tochter, der von dem Generaldirektor inzwischen über Olgas Plan unterrichtet war.
„Das nicht! Aber auch keine Zusage: Ich habe meine Freundin gar nicht sprechen können. Sie ist mit ihrem Verlobten in Oberhof! Wenn ich also mit Rammelt sprechen will, müßte ich schon dorthin fahren!"
Keiner der Herren ahnte etwas von ihrer Lüge, als Olga ihnen ihren Plan entwickelte, gleich am folgenden Morgen abzureisen, Rammelt in zwanglosem Gespräch zu einer Besprechung über das Gutachten zu veranlassen. Immer von neuem versicherte Walter Brand sie seiner Bewunderung, seiner großen Dankbarkeit für den Dienst, den sie der Brand AG., den sie ihm selber leisten wollte.
Olga hörte indessen schon kaum mehr zu. Die Vorstellung, daß sie unangemeldet, heimlich in Oberhof auftauchen, Janna und Gerhard bei ihren verborgenen Zusammenkünften beobachten könnte, trieb ihr das Blut schneller durch die Adern. Ein grausames Lächeln spielte um ihre Lippen, während sie sich die Vorstellung ausmalte, wie sie erst Beweise sammeln, dann die Ahnungslosen um so sicherer auseinanderbringen würde?
Der bewundernde Blick Walters, den sie plötzlich auf sich ruhen fühlte, gab ihr einen neuen Gedanken ein: Würde es nicht ein leichtes fein, den Eindruck, den sie auf den Generaldirektor zu machen schien, zu vertiefen, Walter Brand an sich zu fetten? Neben der Angelegenheit mit dem Gutachten bekam sie dann vielleicht sogar doppelten Einfluß auf die Angelegenheiten der Brand AG., konnte dann diesen Einfluß verwenden, wie es ihr besagte, vielleicht sogar gerade gegen Gerhard Brand, gegen den Bruder des Generaldirektors der Brand AG.! Wie das geschehen sollte, wußte sie freilich jetzt noch nicht. Aber das würde sich schon finden! Vorläufig galt es nur, Walter Brand sich gefügig zu machen, ihn in ihren Bann zu ziehen und nicht mehr loszulasien ...
Sie wurde plötzlich von sprühender Lebhaftigkeit, und es gelang ihr auch, Walter Brand mit liebenswürdigen Phrasen und Einfällen dazu zu bringen, ebenfalls ganz aus sich herauszugehen.
Und in Der Tat war Walter Brand auch bereit» völlig in ihrem Bann!
(Fortsetzung folgt!)


