Ausgabe 
16.11.1936
 
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Frau ohne Bedeutung." Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Liebelei." Goethe-Bund und Kauf­männischer Verein: 20 Uhr Filmvortrag von Curt VackeberaKreuz und quer durch Südamerika" in der Neuen Aula der Universität. Oberhessi­scher Kunstoerein, Turmhaus am Brand: 17 bis 18 Uhr Ausstellung von Oelgemälden, Aquarellen und Tempera. Christliche Gemeinde, Zu den Mühlen 2: 20.30 Uhr Evangelisations-Vortrag.

Die christliche Gemeinde Zu den Mühlen 2

veranstaltet in der Zeit vom 16. bis 22. November Eoangelisationsvorträge durch Pred. K. Buße- m e r, Lehrer an der Prediyerscbule in W.-Doh- winkel. Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen.

Sonntagsruhe am Buß- und Bettage.

Die Polizeidirektion Gießen teilt uns folgendes mit:

Für die Heilighaltung des Buß- und Bettages am 18. November ist die Verordnung des Herrn Reichsministers des Innern und des Herrn Reichs­ministers für Volksaufklärung und Propaganda vom 16. März 1934 maßgebend. Hiernach sind verboten alle öffentlich bemerkbaren Arbeiten, die geeignet sind, die äußere Ruhe des Tages zu beeinträtigen, sofern ihre Ausführung nicht nach Reichsrecht be­sonders zugelassen ist. Während der ortsüblichen Zeit

Heute Fliegeralarm!

Gießener, beachlel genau die Anordnungen der Polizei für den heutigen Fliegeralarm. Die richtunggebenden Bestimmungen waren am vorigen Donnerstag in einer Bekannt­machung im Gießener Anzeiger zu lesen. Am Samstag teilte die Polizei wichtige Ergän­zungen mit. Alle Volksgenossen in Gießen be­kunden auch hier die von der Polizei geforderte

größte Disziplin!

des Hauptgottesdienstes find verboten: 1. öffentliche Versammlungen, sofern hierdurch der Gottesdienst unmittelbar gestört wird; 2. alle der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen, sofern nicht ein höheres Interesse der Kunst, Wissenschaft oder Volksbildung, oder ein politisches Interesse vorliegt; 3. Auf- und Umzüge, sportliche und turnerische Ver­anstaltungen sowie Hetz- und Treibjagden auf Wild, sofern hierdurch der Gottesdienst unmittelbar ge­stört wird.

Ueber diese für die anerkannten Feiertage und Sonntage geltenden Bestimmungen hinaus sind für den Buß- und Bettag noch des weiteren verboten: a) sportliche und turnerische Veranstaltungen gewerb­licher Art und ähnliche Darbietungen, sowie turne­rische und sportliche Veranstaltungen nicht gewerb­licher Art, sofern sie mit Auf- oder Umzügen, mit Unterhaltungsmusik oder Festveranstaltungen ver­bunden sind; b) in Räumen mit Schankbetrieb musi­kalische Darbietungen jeder Art (also auch ernste Musik); c) alle anoeren der Unterhaltung dienende öffentliche Veranstaltungen, sofern bei ihnen der diesem Tage entsprechende ernste Charakter nicht gewahrt ist.

Goldenes Dienstjubilöum bei der Reichsbahn.

Das Jubiläum einer 50jährigen Dienstzeit bei der Reichsbahn feierte Obersekretär August Luh aus Klein-Linden. Aus diesem Anlaß fand im Dienst­zimmer des Reichsbahn-Amtmannes Wahl eine schlichte Feier statt, bei der Reichsbahn-Bäurat Wilke vom Betriebsamt 1 dem Jubilar die Glück­wünsche und Ehrendiplome des Generaldirektors der Reichsbahn und der Reichsbahndirektion Frank­furt a. M. überbrachte. Anschließend würdigte der Vorsteher des Bahnhofs, Amtmann Wahl, die Verdienste Luhs während der für einen Eisen­bahner seltenen Dienstdauer von 50 Jahren.

ck führte den KlavierkU mit Schätzer, W&, Vvtz er Ar DhorMrek VM . iS Partie des mitwirken- Format ift Er fuhrt semen^23er^n gewissenhaft

Barbarafeier der Gießener Artilleristen

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Konzerts. Herr Storc guter Anpassung durch. Die Partie des -----------

den Knabenchores liegt so hoch, daß sie kaum von Knabenstimmen bewältigt werden kann. Trotzdem entledigten sich die jungen Sänger, abgesehen von einer sehr exponiert liegenden Stelle, mit viel Eifer und freudiger Anteilnahme ihrer Aufgabe.

Der Leiter des Konzerts, Herr Mustklehrer

*» Aufgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf der Reichsstraße Schotten L a u b a ch wird ab 19. November aufgehoben.

und zielbewuht, so daß eine ruhige und stete Weiterentwicklung gewährleistet ist. a

Zu Beginn sang der Verein zwei Chöre von Schubert, dynamisch gut entwickelt, den Eingangs- chor aus der deutschen Messe und dieWehl Dieser Chor, der wegen seiner sehr großen Schwie­rigkeiten nur wenigen Vereinen zugänglich ist, ließ nach der Seite der Reinheit stellenweise noch einige Wünsche offen. Dem Gedenken des großen Roman­tikers Carl Maria von Weber, dessen 150. Geburts-

Es ist eine alte schöne Sitte, daß die Artilleristen einmal im Jahre, und zwar zum 4. Dezember oder einem nahegelegenen Tage, den Gedenktag der heiligen Barbara, der Schutzgöttin der Arttllene, begehen. Dieser Brauch wurde, soweit die Kampf­tage es gestattete, bei den meisten Artilleristen auch im Felde treulich eingehalten. Jene Barbara-Feiern sind daher besonders im Gedächtnis der alten Ar­tilleristen erhalten. M .

Dem Brauche folgend, veranstaltete der Arttllene- verein Gießen am Samstagabend im Caf6 Leib feine Barbarafeier, die zugleich als Gründungs­feier des Vereins durchgeführt wurde. Der große Saal war außerordentlich stark besetzt, insbesondere waren auch die Offiziere, Unteroffiziere und Mann­schaften unserer aktiven Gießener Artilleristen m sehr großer Zahl erschienen. Der Kameradschafts­führer des Artillerieoereins konnte denn auch mit freudiger Genugtuung betonen, daß der Artillerie­verein Gießen tief in der Bevölkerung verwurzelt sei und sich in engster Kameradschaft mit den ak­tiven Jüngeren der heiligen Barbara verbunden fühle.

Der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter Leitung des Musikzugführers Herrmann eröff­nete den in allen Teilen wohlgelungenen Abend mit flotter Marschmusik und ließ dieser dann zwei schöne klassische Kompositionen folgen. Kameradschaftsfüh­rer Müller entbot hierauf den Ehrengästen, ins­besondere den Vertretern der Partei, der Wehr­macht und der Stadt Gießen, ferner den Vertretern der anderen Gießener Soldatenkameradschaft und den Vereinsmitgliedern mit ihren Angehörigen herz­lichen Willkommensgruß. Er verwies dann auf die von den Soldatenkameradschaften stets freudig und in vollem Ausmaß erfüllte Aufgabe, das Erbe der Front und den Kameradschaftsgeist der Feldsolda­ten weiterzutragen und ausstrahlen zu lassen auf das ganze deutsche Volk und mit aller Kraft für die Sache des deutschen Volkes und für die Stär­kung des nattonalen Gedankens einzutreten. Er hob hervor, daß gerade die alten Soldaten in den Sol- datenkameradfchaften den Wiederaufstieg unseres Volkes unter der Führung des Frontkameraden Adolf Hitler besonders freudig begrüßt haben, weil sie in dieser Aufbauarbeit des Führers das verwirklicht sehen, was ihrem innersten Fühlen und ihrem ganzen Denken als alte Soldaten entspricht. Seine Ansprache schloß mit dem fteudigen Treu­gelöbnis und dem herzlichen' Gruß an den Front­soldaten und Führer der Deutschen Adolf H i t - l e r. Dieser Gruß wurde von der großen Feier- gemeinschast mit Begeisterung ausgenommen und fand eine schöne Verkörperung in einem lebenden Bild, das auf der Bühne alte Arttlleristen mit der Fahne des Artillerievereins, aktive Kameraden der Gießener Artillerie und eine Darstellung der Schutzheiligen der Artillerie, der heiligen Barbara, huldigend vor einer Büste des Führers zeigte.

Mit der Wiedergabe von Richard Wagners Marsch Einzug der Gäste auf der Wartburg" durch den SA.-Musikzug wurde die feierliche Gefallenen­ehrung eingeleitet. Der Kameradfchaftsführer rief dabei in kurzen Worten das große Opfer der Ge­fallenen für Deutschlands Bestand und Freiheit in das Gedächtnis der Zuhörer zurück und wies auf den heldischen Sinn in unserem Volke hin, dessen Söhne immer bereit seien, ihr Höchstes, ihr Leben, einzusetzen für das ganze Volk, und die anständig und tapfer zu sterben wissen im ehrlichen Kampfe für das deutsche Vaterland. Als Beispiel dafür ver­las er eine Stelle aus einem Kriegsbericht des englischen Höchstkommandierenden an der Westfront im Weltkrieg, Marschall H a i g, der den Helden­

Die Kameraden vom Büro des Bahnhofs Gießen ließen Kamerad Luh für seine verständnisvolle Zusammenarbeit und für den kameradschaftlichen Geist danken und ihm ein Ehrengeschenk überrei­chen. Obersekretär Luh, der im nächsten Jahr mit der Erreichung der Dienstaltersgrenze in den Ruhe- tand teten will, dankte ergriffen für die Ehrungen. Konzert des GesangvereinsHeiterkeit"

Es ist außerordentlich erfreulich, wenn die fleißige Jahresarbeit eines Vereins durch so guten Besuch belohnt wird, wie es bei dem Konzert des Gesang­vereinsHeiterkeit" am Samstagabend der Fall war. Ohne Zweifel hat das dazu beigetragen, daß man durch Hinzuziehung eines jugendlichen Geiger­und eines Knabenchores weitere Kreise für die Veranstaltung interessierte. Diese Tatsache sollte für unsere Gesangvereine ein Hinweis sein, die Gren­zen ihrer Aufführungen nie zu eng zu ziehen, wie es oft geschieht, sondern sie durch Verbindungen verschiedenster Art fruchtbringender und anziehen­der zu gestalten.

Den größten Teil der reichhaltigen Folge bestritt der Verein selbst. Wie man von ihm gewohnt ist, stellte er in seiner Gesamtheit eine klangschöne und oynamisch bewegliche Einheit dar, in der besonders der erste Tenor durch Weichheit und Ergiebigkeit der Tongebung auffällt. Die deutliche Sprache konnte zum großen Teil den auf der Folge feh­lenden Text ersetzen. Mit Recht legt der Leiter größten Wert auf geschlossene Atemführung und weichen Tonansatz.

kampf des deutschen Arttllerie-Unterofsiziers Kru­ge r in der Schlacht bei Cambrai schildert, wo der deutsche Unteroffizier als einziger Ueberlebender seiner Batterie sein Geschütz bis zur letzten Granate und Handgranate gegen eine vielfache englische Uebermacht verteidigte, um schließlich im Kampf geqen den übermächtigen Feind zu fallen. Diese Ruhmestat ist in dem Ehrenmal der deutschen Feldarttllerie, das vor einigen Wochen in Köln geweiht wurde, für alle Zeiten festgehalten. Ein lebendes Bild auf der Bühne, das eine getreue Wiedergabe dieses Ehrenmals zeigte und von alten und akttven Gießener Artilleristen zu beiden Seiten flankiert war, vertiefte die Wirkung dieser eindrucks­vollen Heldenehrung, die zugleich all den Toten galt, die im Kampfe für Deutschland an den Fronten des Krieges und im Freiheitskampf der Bewegung ihr Leben Hingaben. Um die schöne Ge­staltung der beiden lebenden Bilder machten sich die Dereinskameräden K n i e l i n g und D a tz be­sonders verdient.

Nach einem flotten Militärmarsch sprach der Kommandeur unserer Gießener Artillerieabteilung, Oberstleutnant Döring, auch als Vertreter des Standortältesten, zugleich im Namen aller übrigen Ehrengäste. Er gedachte jener freudigen Tage, die uns Gießenern zum ersten Male Arttlleristen in Garnison brachten, erinnerte kurz an den Abmarsch jener Abteilung im März dieses Jahres, konnte aber auch hervorheben, daß der Führer, der seine deutschen Volksgenossen noch niemals enttäuscht hat, auch hier wieder alle Hoffnungen der Gieße­ner erfüllte, indem er wieder Arttlleristen in Gie­ßen in Garnison ziehen ließ. Oberstleutnant Dö­ring versicherte den alten Artilleristen, wie den alten Soldaten unserer Stadt überhaupt, daß seine Abteilung stets gerne und nach jeder Richtung hin gute Kameradschaft mit den alten Soldaten halten und insbesondere die enge Verbundenheit mit jenen Männern pflegen werde, die einst selbst den schwar­zen Kragen getragen haben. Die Offiziere, Unter­offiziere und Mannschaften der Artillerieabteilung grüßten am Schluffe der Ansprache ihres Kom­mandeurs die alten Arttlleristen und ihren Kame­radfchaftsführer mit kräfttgem, dreimaligem Hurra. Kameradschaftsführer Müller sprach dem Korn- mandeur herzlichen Dank der alten Arttlleristen aus und nahm mit freudiger Genugtuung die für beide Teile verpflichtende Versicherung der guten Kame­radschaft auf mit der Feststellung: das soll ein Wort sein!

Im weiteren Verlaufe des Abends wurden die Kameraden Karl Carle, Heinrich Datz, Otto Fischbach und Heinrich Weimar in dank­barer Anerkennung ihrer 25jährigen Mitgliedschaft und Mitarbeit im Verein durch die Verleihung der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Ihnen zu Ehren wurde gemeinsam das Gießener Artilleristen, lied gesungen.

Herzliche Worte des kameradschaftlichen Grußes und der treuen Waffenbrüderschaft, sowie der hin­gebungsvollen Dienstbereitschaft für das deutsche Volk sprach noch Kamerad A l b a ch aus Hatten- rod. Ferner teilte der Kameradschaftsführer einen Gruß des früheren Gießener Arttlleriekommandeurs, Major Welte, mit. Der SA.-Musikzug erfreute noch mit weiteren schönen Darbietungen feiner prächtigen instrumentalen Kunst. Angeregte kame­radschaftliche Unterhaltung nahm daneben weiter­hin das Interesse der alten und der aktiven Sol­daten in Anspruch. Den Abschluß der schönen 23er- anstaltung bildete Tanz, dem sich besonders die junge Welt eifrig widmete.__

tag wir in diesem Jahr feiern, waren drei seiner schönsten Männerchöre gewidmet, von denen be­sonders dasFrühlingslied" durch Differenzierung der einzelnen Stimmgattungen und die dynamische Steigerung zu ausgezeichneter Wirkung kam. An­erkennung verdient auch der sichere Molleinsatz bei dem Schwertlied. Großen Anklang fanden bei den Hörern die beiden derben Soldatenlieder:Der verliebte Fähnrich" undWenn die Soldaten." Das Deutsche Arbeitslied" von Trunk geht durch expo­nierte Stimmlage, sowohl nach der Höhe, als auch nach der Tiefe, stark an die Grenze der Männer­stimme. Der Verein wurde feiner Aufgabe gerecht.

Wir hatten wiederum den Eindruck, daß der Saal des Studentenheimes akkustifch nicht recht geeignet ist, es geht zuviel Klang verloren.

Als Solist war Herr Alfons Forstner (Baß), Mitglied des Gießener Stadttheaters, verpflichtet worden. Der Sänger verfügt über ein von Natur aus ausgiebiges Organ, das den Registern gut ausgeglichen ist, auch die Spr< Vie ist gepflegt und deutlich. Die Atemführung wirkt noch etwas un­ruhig und kurz, was sich bei den beiden Schubert- liedern nicht günstig auswirkte, bei denen die Ge- sangsböaen breiter und ausladender gebracht wer­den müssen. Nicht am Platze war nach den beiden Soldatenchorliedern die auch zu farblos vorge­tragene Schumannsche Frühlingsfahrt. Hier hätte aus inhaltlichen und stilistischen Gründen der Sän­ger ein zu der Lortzing-Arie passendes Lied wählen sollen. Die genannte Arie fang Herr Forstner sehr zu Dank der Hörer, so daß sie wiederholt werden mußte, und er zeigte mit diesem Lied sogar augen­fällig, daß seine Stärke das Theater ist und der Weg zur Konzertbühne nicht eben einfach ist. In anerkennenswerter Weife begleitete ein Vereins­mitglied, Herr Schmitz, den Sänger.

Von den Hörern wurde es als eine angenehme Abwechslung empfunden, daß neben dem Gesang­lichen auch die Instrumentalmusik zu Worte kam. Mit einer Sarabande von Bach und Moment musical von Schubert, das besonderen Beifall er­hielt, zeigte Herr Schüttler wieder einmal, daß die ihm anvertrauten Schüler in guten Händen sind, und das Concerto grosse von Vivaldi, in dem der Meister neben seinen fortgeschrittenen Schülern wirkte, war einer der Höhepunkte des

Gießener Gtadtiheater.

V. Morgenveranstaltung: Virtuose Musik von G.F. Händel.

Auf dem Programm der gestrigen Sonntag­morgenveranstaltung stand im wesentlichen Orchester- und Vokalmusik von G. F. Händel, und zwar hör­ten wir zuerst das Concerto grosse Nr. 10 in g-moll für Solo-Oboe und Streicher mit Continuo. Ueber dem vom Cembalo geführten, verhältnis­mäßig kleinen, aber geschloffen wirkenden Klang­körper des Streichorchesters erhebt sich die Oboen­stimme folistisch und spielerisch, in schnörkliger Figu­ration über der dunkleren Grundierung des harmo­nischen Unterbaus. Im Wechsel der kurzen Sätze Allegro, Largo, Allegro äußert sich ein über­wiegender Kammerspielcharakter des Werkes; Hän­del, der Theatraliker und Melodramatiker, läßt sich von hier aus nur ahnen. Aus der reinen und einfachen Linienführung des Konzertes ist zu emp­finden, daß hier nicht mit großer, leidenschaftlicher Gebärde, sondern ganz aus innigem Gefühl heraus musiziert wird, wobei die Cembalo-Stimme dem Konzert ein eigenartiges, altertümliches Gepräge gibt. Unter der Leitung von Kapellmeister Bräuer wurde das Concerto von den Streichern des Städtt- schen Orchesters sauber und klangvoll vorgetragen; Willi Weber (Oboe) führte den Solopart technisch einwandfrei mit feiner Klangwirkung.

Den Schluß des Programms bildete das Konzert in B-dur für Harfe und Streicher, gespielt von Luise Frank (Harfe) mit den Streichern des Städtischen Orchesters unter Leitung van Ernst Bräuer. Der eigentümliche Charakter dieses Stückes geht von dem Umstand aus, daß die Harfe hier in großen Partien als Solo-Instrument mit selbständiger Wirkung behandelt ist, während man sie sonst fast nur als Stimme im Gesamtorchester (und auch da meist nur ein paar Takte lang) her­auszuhören gewohnt ist. Der klangliche Gesamtein­druck ist auch hier ein wenig altertümlich, ein wenig spielerisch und doch feierlich zugleich, wobei der Jn- strumentalton der Harfe irgendwie mit der Cembalo­stimme des Concerto grosso korrespondiert. Luise Frank behandelte die schwierige Solopartie mit großer Einfühlung in einer Form, welche die Be­zeichnung als ,virtuose Musik" durchaus recht­fertigte.

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Gustav Bley (Bariton) sang, von Herrn Bräuer am Cembalo begleitet, zunächst eine ArietteAlma mia" ausFloridante", eine sanfte und lyrisch getönte Weise, mit fülligem, schwellen­dem Organ warm und ausdrucksvoll, in der Wir­

kung weder vom fremden Text noch von der etwas spitzen Begleitung beeinträchtigt. Auch die Canzonetta Ch* io mal vi possa" gab dem umfänglichen und geschulten Organ des Solisten dankbare Möglich­keiten der Entfaltung. Wir hörten ferner zwei Arien des Manoah ausSamson",Willig trägt mein Vaterherz" undDein Heldenarm war stets mein Sang", mit schönem Ausdruck, zart ausklingend; in der letzten Arie war, sowohl für den Sänger als auch für die Begleitung, der im modernen Sinne virtuose Sttl der Musik am ausgeprägtesten zu empfinden.

Das musikalische Programm der Morgenfeier wurde durch Rezitationen von Herrn Kühne un­terbrochen und variiert. Der Vortragende kennzeich­nete Händels Musik als Höhepunkt und Ausklang des Barock, als an einen musikgeschichtlichen Wende­punkt stehend, und bemühte sich, mit Proben zeit­genössischer Dichtung den Uebergang vom barocken Pathos zu persönlicherem Ausdruck auch vom Literarischen her zu beleuchten. Dies gelang, wie wir fanden, am überzeugendsten mit zwei Gedich­ten des berühmten und unglücklichen Christian Gün­ther:Der Seelen Unsterblichkeit" und dem Abendlied", das den Lesern der Familienblätter vielleicht erinnerlich ist. Auch Gerhard T e r st e e - g e n sAndacht" darf in diesem Zusammenhang herangezogen werden, während Neukirch und Haller für un§ heute doch wohl nur noch histo­risches Interesse haben. Recht amüsant wirkten teil­weise die Gedichte Voltaires (in der Ueber- setzung von Hermann Bürte), doch schien es uns nicht ganz leicht, von hier aus eine mehr als chronologische Beziehung zur Händelschen Musik her­zustellen.

Die Morgenfeier war erfreulich gut besucht; die Hörer dankten mit reichem Beifall. hth.

Frühling im November.

Ein grauer nebelschwerer Novembertag. Mit einer Schar arbeitsmüder Menschen schiebe ich mich in ein Abteil der Berliner Stadtbahn. Es ist ein Abteil fürTraglasten und Hunde", aus dem uns schwere, feuchtwarme Luft entgegenschlägt. Auch die, die hier ohne Tragkörbe und Zeitungsballen ein­steigen, sehen aus, als trügen sie eine Last an ble­iern Herbsttag. Es ist nichts Frohes um uns her. Selbst der große Wolfshund sieht griesgrämig in dieser Enge aus. Ein Maulkorb muß ihm umge­bunden werden, denn er scheint Lust zu haben, den Umstehenden an die Beine zu fahren.

Ich werde an die Wand neben einen Mann ge­preßt, der die frischen Farben eines Gärtners hat

und einen jungen Baum mit sich führt, dessen blätterlose Krone schräg über meinem Kopf zur Decke strebt und meinen Hut bedenklich bedroht. Ich bin diesem reisenden Laumchen nicht wohl geson­nen und starre mißmutig in das dürre Geäst über mir. Da haftet mein Blick auf einmal an den grün­lichen, geschwellten Blattknospen, und plötzlich rührt eine freundlich Vision an mein Herz. Ich sehe dieses Apfelbäumchen in einem Garten stehen von Licht und Luft umspielt. Ich sehe, wie diese Vlattknospen sich unter einem heiteren Frühlingshimmel entfal­ten. Und eines Tages wird es blühen! Dieser dürre Stecken wird in einer Schönheit dastehen, die nichts Irdisches mehr hat und in feinen rosig angetönten Blüten werden die Bienen summen.

Und auf einmal weicht die Last des Taaes von mir. Ich fühle es inmitten der Nebelschwaden des Herbstes, in diesem trüben dunstigen Abteil fahren wir mit dem Frühling, mit dem Leben. Die dunk­len Tage werden vorübergehen ... Leicht rühre ich an den jungen Stamm und dankbar: Wachse und gedeihe. Segen über dich! M. v. O.

Die Hochzeitsreise als Abenteuer.

Zu einer eigenartigen Hochzeitsreise brach jetzt ein englisches Ehepaar auf. Beide sind leidenschaft­liche Segler, und statt wie andere Brautpaare in Möbelgeschäften verbrachten sie ihre Verlobungszeit auf Schiffswerften, bis sie eine Segeljacht gefun­den hatten, die allen ihren Bedürfnissen vollkommen entsprach. Eine Wohnung brauchten sie für ihr junges Glück nicht zu mieten, denn die Hochzeits­reise auf der Jacht ist auf zwei Jahre berechnet und soll um die Welt führen. Die Jacht ist ein großes 300-Tonnen-Boot, mit allen nur erdenklichen Bequemlichkeiten für die Eigner wie auch für die 12 Mann Besatzung ausgestattet.

Mit dieser Besatzung hat es ebenfalls seine eigene Bewandtnis. Sie sind keine Berufsmatrosen, son­dern entstammen den verschiedensten Berufen, ein Arzt, ein Professor, ein Rechtsanwalt, ein Mecha­niker, ein Koch und andere. Wie haben sie sich alle an Bord dieses Schiffes zusammengefunden? Auf die einfachste und' nüchternste Art von der Welt. Durch eine Zeitungsanzeige. Der Bräutigam ließ eine unscheinbare kleine Anzeige in derTimes" erscheinen:Suche junge gesunde Männer, die für mindestens 2 Jahre frei sind und über eine Summe von 100 Pfund Sterling verfügen können". Es meldeten sich 600, von denen er sich die aussuchte, die ihm am besten gefielen, und die er ein paar Wochen auf einer Segelschule ausbilden ließ.

Und nun sind also diese 14 Menschen hier zu­sammen, für zwei Jahre einander auf Gedeih und

Verderb verbunden, unterwegs nach unbekannten Küsten und Meeren, am Beginn eines Abenteuers, dessen Verlauf und Ausgang niemand voraussagen kann. Der Steuermann ist ein alter Freund des Kapitäns und ein erprobter Seemann. Die anderen sind einander alle unbekannt und mehr oder we­niger Neulinge auf hoher See. Wie wird ihnen nach einigen Monaten das Abenteuer gefallen? Wochenlange Einsamkeit und Eintönigkeit des Ozeans, lange Sturm- und Schlechtwetterzeichen? Werden sich alle sachlich bewähren? Und wird es keine Reibungen untereinander geben, menschlich unvermeidliche Spannungen, die sich unter den ge­gebenen Umständen bis zur Unerträglichkeit steigern können? Und die junge Frau? Das einzige weib­liche Wesen unter 13 Männern? Wird sie nicht nach ein paar Monaten das Schiff und die ganze Be­satzung verwünschen? Jedenfalls werden nach zwei Jahren alle Beteiligten um allerhand Erlebnisse und Erfahrungen reicher sein.

Zeitschristen.

D e r Naturforscher", vereint mitNa­tur und Technik" (Vierteljährlich 2,50 Mark, Ein­zelheft 1 Mark, Hugo Bermühler Verlag, Berlin- Lichterfelde N) bringt im November-Heft u. a. einen Aufsatz über die Möglichkeiten und Grenzen tier- seclenkundlicher Forschung von Dr. Werner Fischel. Dieser Aufsatz geht alle an, die mit Tieren zu tun haben. Der Forscher brachte soeben eine sehr aus­führliche Heine TierseelenkundeTiere mit Gefühl und Verstand im Hugo Bermühler Verlag heraus. Professor Dr. Werner Schmidt veröffentlicht seine Forschungsergebnisse über die rassenbiologischen Fragen bei unseren Waldbäumen. An Hano von Aufnahmen seiner Versuchsanordnungen und an­dern Walde zeigt er, daß die Erträgnisse des deut­schen Waldes wirtschaftlicher gestaltet werden kön­nen. Dr. Münchberg schildert die Wassermilben­larven als Libellenschmarotzer. Prof. Dr. Thiene­mann hat am Tobasee auf Sumatra die merkwür­digen Kannenpflanzen, die uns in Deutschland nur aus den Gewächshäusern bekannt sind, untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß in dem Saft ihrer Kannen nicht alle Insekten verdaut wer­den, sondern daß es eine ganz artenreiche Tierwelt gibt, die in dieser Derdauungsflüssigkeit sehr wohl leben kann. Professor Dr. Krejci- Graf, Berlin, teilt Ergebnisse seiner Forschungen über die Bildung von Erdöl mit. Mit ausgezeichneten Aufnahmen be­richtet Dr. Rein über die Hege- und Zuchterfolge imeiszeitlichen Wildgehege". Kleine Beiträge und Forschungsergebnisse, Anregungen zur Naturbeob­achtung, Bücherschau und Preisaufgabe schließen das vielsettige, reich bebilderte Heft ab.