das Rheinland wieder In die volle Souveränität des Reiches zurückkehrte, da hofften wir, daß auch das Regiment Rr. 116 wiederkehren werde. Und nun ist diese Hoffnung in Erfüllung gegangen. Wir haben kein Verständnis für die Leute, die sagen: „Das bedeutet schon so eine Regimenls-Rummer?" Wir, die wir selbst draußen an der Front waren, denen das Regiment die Heimat, die Familie und alles ersetzte, was uns zu Hause lieb und wert war, wir wissen, was uns das Regiment Rr. 116 bedeutet. Das Regiment R r. 116 i ft auferstandenl Dicte freudige Nachricht eilt heute nicht nur durch Gießen, sondern durch ganz Oberhessen, wo so viele alte Soldaten des Regiments Nr. 116 in den Orten unserer Provinz wohnen.
Mit tiefer Freude sprechen wir alle, die wir hier» her gekommen sind, unseren Glückwunsch zur Wiederkehr der Regiments-Nummer 116 aus. Und mir ist es eine besondere Ehre, namens der Provinz Oberhessen und des Kreises Gießen den Glückwunsch und die Freude unserer engeren Heimat über diese 116er unserer Garnison aussprechen zu dürfen.
Kreisdirektor Dr. Lotz wandte sich hierauf an die Soldaten der III. Abt. Art - Regt. N r. 9, die er gleichfalls herzlich begrüßte mit der Versicherung, daß die Oberhessen immer alles gerne tun werden, um auch mit den Gießenern Artilleristen die herzlichsten Beziehungen zu unterhalten und zu vertiefen, damit es immer heißen kann:
Inf.-Regt. Rr. 116 und Arl.-Reg. Nr. 9 — Gießen und Oberhessen, sie gehören alle zusammen itfr alle Ewigkeit!
Oberbürgermeister Mer
als Vertreter der Gießener Bevölkerung brachte zu Beginn seiner Ansprache seine besondere Freude darüber zum Ausdruck, daß die Gießener Infanteristen nunmehr wieder die Regiments-Nummer 116 tragen. Er sagte dann u. a.:
Wie das deutsche Volk stolz ist auf seine Vergangenheit und stolz auf seine alte rhumreiche Armee, so ist die Stadt Gießen allezeit stolz auf ihr Jnf.-Rgt. 116, und sie fühlt sich glücklich, die Tradition des früheren Regiments TVc. 116 in der Gießener Garnison fortgeführl zu sehen.
Der Oberbürgermeister brachte auch den Artille- r i st e n gegenüber mit warmen Worten zum Ausdruck, wie eng und herzlich sich die Gießener Bevölkerung mit ihnen verbunden weiß und wie sehr sie neben unseren Infanteristen von der Gießener Bevölkerung hochgeschätzt werden. Er sagte dann weiter zu den Offizieren und Unteroffizieren:
Sie haben die hohe und heilige Aufgabe, das fortzusehen, was die Partei begonnen hat: die Erziehung und Ausbildung der jungen deutschen Menschen.
Wir wissen, daß das die Voraussetzung war für den Erfolg der alten Armee und für den siegreichen Kampf des Führers und seiner Getreuen. Der Mut zu Wahrheit und zur Wahrhaftigkeit, Opser- und Einsatzbereitschaft müssen für unser Leben so bestimmend sein, daß jeder in sich das Gefühl der Anständigkeit und der Sauberkeit hat. Dieses Gefühl der Anständigkeit und der Sauberkeit war immer die Voraussetzung für den Erfolg des Führers, und diese Eigenschaften und den Willen dazu müssen die Offiziere und Unteroffiziere im Heer in die Herzen unserer deutschen Jugend pflanzen, damit das ganze deutsche Volk immer stark ist und sein wird auch in schweren Zeiten.
In diesem Geiste wird das deutsche Heer auch immer ein hort des Friedens und der Sicherung des deutschen Volkes fein.
In dem Glauben an das Gelingen der großen Aufgabe des deutschen Heeres wollen wir zusammen kameradschaftlich an die Arbeit gehen, im Glauben an unser Volk und an unseren Führer Adolf Hitler!
Generalmajor a. D Mohr-Gießen als Vorsitzender der Offiziersvereinigung ehem. 116er sprach als letzter Redner zu den aktiven Kameraden im Namen aller alten 116er. Er sagte unter anderem:
Im Namen sämtlicher Angehörigen des alten Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 rufe ich ihnen allen ein herzliches „Willkommen" zu.
18 lange, schwere Jahre haben wir auf diesen Tag der Freude und des Stolzes gewartet, der unsere Sehnsucht erfüllen und unsere geliebte alte Regimentsnummer neu erstehen lassen würde.
heißer Dank erfüllt uns nun, wo unsere Wünsche zur Wahrheit geworden, für den Wann, der unsere Wehrmacht und mit ihr das Regiment wieder zum Leben erweckte, den Führer und Reichskanzler.
Kein Tag, keine Erinnerungsfeier ist seit den schrecklichen Novembertagen 1918 vergangen, ohne daß
krieg. Dort hat es treu seinem Eide bis zum letzten Tage gekämpft und geblutet, und ist wiedergekvrn- men, zerfetzt und zerstückelt, aber mit reinem Schild und dem stolzen Bewußtsein des Siegers.
10 645 Mann betrugen die Gesamtverluste des Regiments, darunter fast 2000 tote Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, die heute aus dem Soldatenhimmel auf uns herniederschauen, mit heißem Dank dafür, daß sie nicht umsonst gestorben sind.
Rechts von euch stehen Abordnungen der kriegs- und schlachterprobten alten 116er, Offiziere und Kameradschaften aus Gießen und bei ihnen der Vertreter aller Regiments-Kameradschaften, die euch sagen wollen, daß ihre Arme weit geöffnet sind und daß wir alle hoffen, daß uns bald ein enges Band des Verständnisses und guter Kameradschaft vereinen wird.
Unten vor der alten Zeughauskaserne ist das Ehrenmal für die gefallenen 116er und ihre Tochter
Kameraden der deutschen Arbeit!
Deutsche Volksgenossen! parteigenoffen!
Am Samskag, 17. und Sonntag, 18. Oktober 1936, sammelt die Deutsche Arbeitsfront im gesamten Reich für das Winterhilfswerk. Damit ist der Deutschen Arbeitsfront der Auftakt für das gesamte große Werk übertragen worden.
Ihr Kameraden der deutschen Arbeit seid unbestritten heute die treuesten und besten Garanten des Staates und Volkes.
Denn am kommenden Samstag und Sonntag die gesamten Amtswalter der Deutschen Arbeitsfront, alle Vetriebsführer vom ersten bis zum letzten Dann sich der Sammelaktion zur Verfügung stellen, so weiß ich, daß Ihr Eure persönliche Ehre darein seht, von keiner weiteren Sammlung übertroffen zu werden.
Der Führer schuf den Grundsatz: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz-, und er stellt damit die Belange des gesamten Volkes vor das Wohl des Einzelwesens.
Im Staate Adolf Hitlers darf kein Volksgenosse den Winter über hungern und frieren, feine deutsche Mutter Sorge um Kleidung und Ernährung ihrer Kinder haben. Dieses Ziel erfordert aber Bereitschaft und Einsatz eines jeden, der unserem Blute und Volke angehört.
Die Anweisungen über die Sammelaktion sind in den Zeitungen ersichtlich und den einzelnen Betriebsführern und Betriebswaltern gegeben worden. Wir sammeln am Sonntag gemeinsam Schulter an Schulter. Wir opfern gemeinsam an diesem Tage und tragen den Appell in die Herzen aller Menschen.
Ein Volk istnurdurchOpser groß geworden!
Decker,
Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront
Gau Hessen-Rassau.
wir alten 116er sehnsüchtig den Wunsch ausgesprochen hätten: Wenn doch erst das Regiment wieder käme!
Nie haben wir die Hoffnung aufgegeben, selbst nicht in den rötesten Zeiten der Bedrückung, in denen die alten Soldaten nur mit Mißtrauen und Haß betrachtet wurden, daß einmal bessere Zeiten kommen würden.
Treu haben wir die große, fast 200 Jahre alte Tradition des ruhmgekrönten Regiments bewahrt, und heute endlich ist es so weit, daß wir sagen können: Wir haben recht gehandelt, denn wir haben sie wieder, die liebe alte Nummer.
Kameraden! Es ist eine große, stolze Erbschaft, die ihr antretet. Das alte Regiment war anerkannt als eines der besten der alten Armee.
Es wurde vorzugsweise dazu bestimmt, das neue Exerzierreglement auszuprobieren und es dem Kaiser, seinem hohen Regimentschef, vorzuführen; es schoß am besten von allen Regimentern, was die vielen Schießpreise und Auszeichnungen im Offiziersheim beweisen, und es zog in vollendeter Ausbildung und glühender Begeisterung in den Welt
formationen errichtet, ein Denkmal, das in schwerer Nachkriegszeit entstanden ist und den durch übermächtigen feindlichen Druck in die Knie gezwungenen Deutschen darstellt. Heute hat.diese Deutung ihren Sinn verloren.
Richt mehr soll das Denkmal einen zusommen- gebrochenen Krieger bedeuten, sondern die steinerne Gestalt soll ein Symbol des wiedererstandenen 1 Ibers sein, der niedergekniet ist, um Gott und dem Führer für die Rettung des Vaterlandes aus Rot und Gefahr zu danken. 116! Gestern, heute und immerdar! heil Hiller!
Mit dieser Ansprache schloß die Feierstunde ab. Der Divisionskommandeur ließ nunmehr die Truppen in ihre Unterkünfte abrücken, während die Gliederungen der Partei und die übrigen Formationen gleichzeitig abmarschierten.
KeineMeisterprufungskommission mehr
LPD. Die Bekanntmachung betr. die Errichtung von Prüfungskommissionen zur Abnahme der Meisterprüfungen vom 10. Dezember 1901 ist von der Landesregierung aufgehoben worden.
Nichts Neues von Hase!
Er sitzt noch immer hinter schwedischen Gardinen, weil man sein Elbe-Foto erst entwickeln muß. Sofern eS harmlos, wird er bloß verwarnt und dann als „lästig" gleich nach Deutschland „abgeschoben". Eine bittere Lehre für unseren Hase ..- Jaja -
So kann es allen Leuten geh'«, die nicht in die Zeitung seh'«!
Aus Der provmzmlhauptstaDt.
Bon der llniversitöt.
Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:
Die Dozenten in der Medizinischen Fakultät der Ludwigs-Universität Gießen Dr. med. habil. Erwin Schliephake und Dr. med. habil. Werner Schopper sind durch Entschließung des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Berlin zu nichtbeamteten außerordentlichen Professoren ernannt worden.
WHW -Abzeichen und Sammler.
Aus der Erfahrung der bisherigen Winterhilfswerke des deutschen Volkes ist festgestellt worden, daß weite Kreise unserer Volksgenossen die Abzeichen sammeln.
Da die einzelnen Abzeichen nunmehr in verschiedener Ausführung herauskommen, wird es dem einen oder anderen Volksgenossen schwer fallen, diese Abzeichen auf der Straße vollständig zusam- menzuberommen.
Um für diese Volksgenossen eine Erleichterung zu schaffen, hat die Kreisamtsleitung von dem Webabzeichen für den kommenden Sonntag einen kleinen Bestand zurückbehalten, die als vollständige Serie (12 verschiedene Abzeichen) auf der Kreis- amtsleitung Wetterau, Gießen, Löber- straße 9, Telephon Nr. 2297, erhältlich find.
Um nicht Gefahr zu laufen, daß dieser Bestand evtl, liegen bleibt, hat bindende Bestellung auf diese Abzeichen bis zum Samstag, 17. Oktober, 13 Uhr, bei der oben genannten Dienststelle vorzuliegen.
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Giessen Schulstn6
Die Moldau-Marken.
Kriminalgeschichie von Edmund Finte.
Mayfair ist das langweiligste Viertel Londons. Literaten, die es zu einem Bankkonto und einer Berühmtheit gebracht haben, die spät aufsteht und früh schlafengeht, schildern Mayfair als den Inbegriff der Vornehmheit Old Englands, während es sich doch nur um ein verzerrtes Spiegelbild dieser Vornehmheit handelt, die an den Jndustrie- beteiligungen und Bankkrachs der beteiligten Hocharistokratie längst zu Grunde gegangen ist.
Harry Lytton Paine, der technische Dezernent New Scotland Yards, saß im Spielzimmer Mr. Pottletons (kaukasische Eiche — das Spielzimmer selbstverständlich; Mrs Pottleton glich eher kühn geschweiftem Ahorn) und sagte soeben drei Sans- atout an, als die Zofe hereinstürzte und Mr. Paine zum Fernsprecher rief. Er wurde durch diesen Anruf d5s Aergers enthoben, wieder einmal Mrs. Pottletons irreführende Ansagerei tadeln zu müssen, die mit König, Zehner und drei Kleinen „Ein Pik" angesagt hatte, was die drei Sansatout Paines glattweg zum Einsturz gebracht hätte.
Paine hob den Hörer ab. Inspektor Borden, sein Chef vom C. I. D. (Criminal Investigation Department) teilte ihm mit, daß in Queens Gate, Ecke Elvaston Place, während eines Herren-Dinners ein frecher Raub verübt worden war. „Nehmen Sie sich 'n Taxi. Wir sind in zehn Minuten dort."
Als Paine in Queens Gate eintraf und versonnen die fade klassizistische Fassade des kleinen Palais Sir Arthur Peabodys, das gegenüber vom Natural History Museum liegt, anschaute, die Fassade und die zwei Bobbies, die wie leidtragende Karyatiden davor standen, verwünschte er seinen Berus, den Beruf des Menschenjägers, der unentwegt auf dem Anstand steht, der von all den schweren und leichten Jungens, trotz häufiger Abmahnungen, nicht gewahrt wird, und er beschloß, es diesmal kurz zu machen.
Borden, der mit Inspektor Donooan und Dr. Crew, dem Arzt des C. I. D., bereits vor ihm angelangt war, stellte ihn den anwesenden Gästen vor und gab ihm eine kurze Schilderung des Falles. Das Dinner hatte um halb Sechs begonnen (es war jetzt sieben Uhr vorbei) und es waren nur Herren anwesend, acht Herren, durchweg bekannte Philatelisten, deren Namen gelegentlich aller Veranstaltungen genannt wurden, die mit dem Sammeln von Briefmarken zusammenhingen. Sir Arthur war es gelungen, aus der aufgelösten Rothschild-Sammlung einen prächtigen Satz ungebrauchter Parale-Marken
des Fürstentums Moldau aus dem Jahre 1858 um 3100 Pfund Sterling zu erwerben, ein Gelegenheitskauf, der entsprechend gefeiert werden mußte.
Die Marken waren nach dem Essen rund um den Tisch herumgereicht worden. Jeder der Gäste: Scott, Moris, Locke, Hutchinson, Wren, Walsh, Bradley und Howard hatte die vier kostbaren Marken, die sich in einer Zellophanhülle befanden, in der Hand gehabt. Als Mr. Howard die Marken unversehrt an Sir Arthur zurückreichte, war plötzlich das elektrische Licht erloschen, ein dumpfer, undeutlicher Lärm wurde vernehmbar, ein Fluch, das Geräusch eines Schlages, es klang, sagte Mr. Aribert Scott aus, als ob jemand mit 'nem Stock auf einen hohlen Kürbis geklopft hätte — eine Aussage, die in Anbetracht des durch einen Hieb auf den Schädel betäubten Sir Arthur einen unangenehm zynischen Eindruck machte —, worauf nach ein, zwei Minuten völliger Dunkelheit der Butler, Jacob Tribble, auf die glorreiche Idee kam, das Licht wieder anzudrehen; es wurde festgestellt, daß Sir Arthur unter dem runden Tisch lag und die Moldau-Marken verschwunden waren. Neben dem Hausherrn lag eine leere Champagnerflasche, und es konnte auch ohne weiteres angenommen werden, daß der Räuber dem guten Peabody mit der Flasche ein bißchen grob auf den grauen, harten, angelsächischen Kopf geklopft hatte. Zur Beruhigung aller konstatierte Dr. Crew sofort, daß kein Schädelgrundbruch vorlag und daß Sir Arthur, der jetzt in seinem Schlafzimmer lag, wahrscheinlich sehr bald aus seiner Ohnmacht erwachen werde.
Paine sah sich aufmerksam die Anwesenden an. Da waren zuerst einmal die acht Herren, die zur Moldaumarkenfeier eingeladen waren. Sie standen aufgeregt wispernd im Speisesaal herum (Sir Arthur war Junggeselle), rauchten und schütteten reinen Whisky in die Kehle, offenbar zu dem einzigen Zwecke, um die aufgeregten Gemüter zu beruhigen. Der Butler und zwei Lohndiener, welch letztere nur für den heutigen Abend aufgenommen worden waren, James Flates und George Weymouth, standen an der Wand bei dem gewaltigen Buffet aus schwarzer Eiche.
Paine wies auf die ominöse Flasche, die noch immer hinter dem Sessel des Hausherrn auf dem Boden lag; der Beamte des Fingerabdruck-Büros, der im Stabe Inspektor Bordens mit in die Queens Gate gekommen war, nahm an Ort und Stelle die üblichen Manipulationen vor; es fand sich jedoch auf dem Glase, dessen glatte Fläche Fingerabdrücke am allerdeutlichsten aufbewahrt, nicht die geringste Spur eines Abdrucks vor. Paine nickte zufrieden mit dem Kopfe, wandte sich sehr höflich an die An
wesenden und sagte kurz: „Meine Herren, Sie können nach Hause gehen."
Die Gäste starrten Paine einen Augenblick lang verblüfft ins Gesicht, um sodann laut aufatmend zur Tür zu drängen, die hinaus in die Halle führte. Der Butler und Weymouth, der ältere Lohndiener, schlossen sich den Herren an, um ihnen die Mäntel anzulegen. Flates hingegen nahm ein Servierbrett mit Flaschen und Gläsern auf* unb stellte es in den kleinen elektrischen Aufzug, der die Küche mit dem Speisezimmer verband.
Paine hob nachlässig die Hand und zeigte auf Flates: „Los, Donooan, schnappen Sie den Burschen! Was doch die Menschen manchmal für einen Narren aus sich machen! Sie werden die Zellophan- hülse mit den Marken in einer der leeren Flaschen auf dem Servierbrett finden, Denovan. In der schwarzen Magenbitterflasche? Ja? Sehr gut! Den Rest des Getränkes hat er wahrscheinlich schon früher in einen Champagnerkübel gegossen.
Eine einfache Sache, Borden; da keine Fingerabdrücke an der Champagnerflasche, mit der Peabody niedergeschlagen wurde, zu finden waren, mußte es ein Diener gewesen sein. Denn nur die Diener trugen während des Dinners Handschuhe. Und es war anzunehmen, daß der Kerl sobald wie möglich trachten würde, seinen Raub in Sicherheit zu bringen."
Flates murmelte ein paar Worte vor sich hin, aus denen zu entnehmen war, daß er sich zum Teufel wünschte, weil er so dumm gewesen war, das Servierbrett mit der Magenbitterflasche unter anderem Geschirr sofort in den Speiseaufzug zu stellen: „Wenn ich gewartet hätte... Sie hätten mir nichts nachweisen können. Tribble und Weymouth trugen ja auch Handschuhe an den Händen."
„Ach, Sie armseliger Dummkopf, ich hätte doch nur nachforschen lassen müssen, wer von Ihnen dreien Briefmarken sammelt. Sie, Flates, sammeln, — nicht wahr? Menschen, die niemals Briefmarken gesammelt haben, verstehen gar nicht, wie man sich für diese buntyi Papierfetzchen überhaupt interessieren kann. Nur leidenschaftliche Sammler können darüber zu Narren und Verbrechern werden. Ab mit dem Jungen, Donooan!""
Inspektor Borden und Paine betrachteten sich eine Minute lang die vier Marken unter dem durchsichtigen Zellophan. 27, 54, 81 und 108 Parale. Rosa, blau, grün, schwarz in der Farbe. 3100 Pfund Sterling! Die Zeichnung: ein Posthorn, darüber ein Ochsenkopf! Inspektor Borden strich seinen grauen, buschigen Schnurrbart. Seine respektlose Rand- und Schlußbemerkung zur Affäre Peabody zeugte von gänzlichem Unverständnis für die Reize, Freuden und Leiden der Philatelie.
Die Rettung des Elchbestandes für die deutsche Wildbahn.
Nach dem Elchabschußplan 1936, den der Reichsjägermeister Hermann Göring nunmehr genehmigt hat, dürfen in Ostpreußen 259 Elche in diesem Jahr abgeschossen werden, davon 23 Schauster und 112 Stangenelche. Was diese Ziffern bedeuten, kann nur der ermessen, der weiß, daß der gesamte ost- preußische Elchbestand nach der Novemberrevolution nicht viel höher war! Die Novemberrevolution gab dunklen Elementen die weittragenden Militärgewehre in die Hand, und mit diesen wurde rücksichtslos „Fleisch gemacht". Im Jahre 1923 waren sich die ostpreutzischen waidgerechten Jäger darüber Hat, daß in kurzer Zeit der Elch aus der freien Wildbahn verschwinden würde, wenn nicht ganz besondere Maßnahmen zu seiner Errettung getroffen wurden. In Zusammenarbeit der ostpreußischen Jägerschaft mit den damaligen Regierungsstellen wurde eine für jene Zeit ungewöhnliche Maßnahme getroffen: es wurde für die Dauer von fünf Jahr der Abschuß von Elchen völlig verboten! Dadurch allein war es möglich, auch die Wilddieberei einzuschränken, weil jedes irgendwo auftauchende Elchfleisch gewildert sein mußte. Ohne das damalige fünfjährige Abschußverbot wäre fraglos der Elch aus Deutschland verschwunden. Dazu kam, daß die nur noch sehr schwachen Bestände an Elchwild der Degeneration ausgeliefert waren, weil rücksichtslos alles gute männliche Elchwild der Kugel zum Opfer fiel. Für die ostpreußische Jägerschaft war es daher ein stolzes Bewußtsein, a?s nach fünfjähriger Schonzeit im Jahre 1927 ganze 12 Elche zum Abschuß freigegeben wurden. Ein Erfordernis war es von nun an, daß nur solche männliche Elche abgeschossen werden durften, die für die Vererbung wertlos waren. Die Genehmigung zum Abschuß wurde jeweils nur für ganz bestimmte Stücke erteilt. Als Reichsjägermeister General Göring fein Amt übernahm, war es eine Selbstverständlichkeit, daß nunmehr versucht wurde, das Verbreitungsgebiet des Elches zu erweitern. Welchen Erfolg die getroffenen Maßnahmen haben, geht am besten daraus hervor, daß der winzige Elchbestand nach dem Kriege wieder auf mehr als 1500 Stück gestiegen ist und, was die Hauptsache ist, daß eine offensichtliche Ausartung dieses Wildes erreicht wurde, yjunmehr ist auch die Zeit gekommen, den Elch zahlenmäßig zu bekrönten und durch den verstärkten Abschuß minderwertigerer Tiere die Ausartung zu beschleunigen. Die Rettung des Elches für die deutsche Wildbahn ist eine leudjtertbe Tat der Jägerei, nicht zuletzt aber der Forstoerwaltung.


