Schulung der Geräteturner im Gau XII (Hessen).
Der Gaumännerturnwart des Fachamtes Turnen im Gau XII Hessen hatte letzten Sonntag eine Anzahl bester hessischer Gerät-Turner der Meisterklasse nach Limburg (Lahn) zu einem Lehrgang einberufen, der der Grundschulung galt und als Auftakt für die Winterarbeit anzusprechen ist. Dem Leiter des Lehrgangs standen in W. Sinn» well (Bad-Nauheim), Karl Reuter (Gießen), Hahn (Esch) und Adolf Fink (Kassel), erfahrene und bewährte Lehrkräfte zur Seite.
Nach der von Gaumännerturnwart Dahms gestellten Morgenfeier begann die Schulungsarbeit am Reck, Barren, Pferd, an den Ringen und in den Freiübungen. An allen Geräten wurde besonderer Wert darauf gelegt, daß alle Abgänge zum sicheren Stand führen. Die Kürübungen der Turner erfuhren noch manche Feilung, vor allem konnte, wo es noch nötig erschien, auf geschicktere Verbindungen der Uebungsteile hingewiesen werden, damit die Gesamtübung immer mehr das wird, was man „vollendet" nennt. Sehr zu begrüßen war es, daß sich die Lehrgangsteilnehmer am Vorabend des Lehrgangs in den Dienst eines Werbe- und Schauturnens gestellt hatten, das von der Turnerschaft Limburg veranstaltet wurde.
Winterkampfspiele
in den hessischen Schulen.
Um die körperliche Ertüchtigung der Schuljugend.
LPD. Die im Vorjahr eingeführten Winterkampfspiele in den hessischen Schulen werden auch in diesem Jahr durchgeführt. Für die männliche Äugend in den höheren Schulen und in den vier- und mehrklassigen Volksschulen stehen wieder das Fuß- oder Handballspiel zur Wahl. Um die Zahl der seither von der Teilnahme an den Pflichtspielen befreiten Schulen möglichst restlos zu erfassen, wird für die ein- bis dreiklassigen Schulen Las Korbballspiel von der zuständigen Stelle Lestimmt. Die geringere Zahl der hierzu erforderlichen Spieler und die kleinere Spielfläche geben dazu weitgehende Möglichkeiten. Den wenig gegliederten Schulen steht es jedoch frei, bei entsprechenden örtlichen Verhältnissen auch Fußball »der Handball zu wählen; sie müssen aber dann Den Spielreihen der mehrklassigen Schulen eingereiht werden.
Erstmals in diesem Jahre erhalten auch die Mädchen ihre Kampfspiel-Aufgabe für die Winter- ononate. Alle Schulen werden verpflichtet, das Korbballspiel im Unterricht zu erarbeiten mnd zu pflegen. Verpflichtende Spielreihen werden mach nicht eingerichtet, es wird aber erwartet, daß in Freundschaftsspielen innerhalb der Klassen und «auch der Schulen untereinander Leistungsvergleiche «angestellt werden.^
In einem Erlaß des Reichsstatthalters in Hessen — Landesregierung — werden weitere Einzelheiten mitaeteilt bzw ergänzende Anordnungen demnächst in Aussicht gestellt. Es wird betont, „daß mit diesen für alle Schulen des Landes verbindlichen Aufgaben hohe Anforderungen gestellt werden. Sie werden überall dort besonders schwer zu lösen sein, wo die Verhältnisse bzw. Schülerzahl, Spielplatz usw. unbefriedigend sind Wenn wir uns aber trotz örtlicher Schwierigkeiten zu starkem, gemeinsamem Wollen zusammenfinden, dann wird sich von Spielreihe zu Spielreihe der Weg körperlicher Arbeit imD Erziehung immer breiter, gangbarer und erfolgreicher gestalten."
Neumann-Gießen beim „Großen Straßenpre s der Meinpfalz-'.
Jrn Rennen um den „Großen Straßenpreis der Rheinpfalz" konnte unser Gießener Fahrer Willi Neumann (Radfahrerverein 1885 Gießen) den Eß. Platz belegen. Das Rennen lief über 150 Kilometer und wurde von 40 Mann der A» und B»
Klaffe bestritten. Die B-Klasse hatte eine Vorgabe von vier Minuten, die aber schon von den A-Fah- rern nach 60 Kilometer aufgeholt waren. Nun setzten unaufhörlich die Vorstöße an, denn die stärksten Fahrer wollten auf der Strecke unbedingt eine Entscheidung herbeiführen. So kam es, daß von den sechs zu fahrenden Runden (1 Runde = 25 km) eine Runde von Reichel (Chemnitz) und Neumann (Gießen), die gemeinsam einen Vorstoß unternommen hatten, 25 Kilometer in 36 Minuten zurückgelegt wurden. Das entspricht einem 47-km- Tempo und einem neuen Straßenrekord. Die Fahrer bewachten sich nun gegenseitig sehr scharf und so kam es, daß keiner der Fahrer mehr vom Felde wegkam. 14 Mann rüsteten zum Endspurt. Schild (Chemnitz), der schon den Sonntag vorher in Frankfurt das Rennen in ganz großem Stile gewinnen konnte, konnte sich auch hier in die Siegerliste ein- tragen, er gewann das Rennen mit zwei Radlängen.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
Iugendspiele.
Im ersten Verbandsspiel traf die 1. Jugend auf Großen-Linden. Das Spiel wurde mit flottem Tempo begonnen. Demzufolge blieb auch der Erfolg nicht aus. Ein schöner Schuß des Halbrechten brachte 1900 in Führung. Aber durch zwei Mißverständnisse des Schlußdreiecks erzielte Großen- Linden Ausgleich und Führung. Als noch 1900 zeitweilig nur mit neun Spielern im Felde stand, schien das Spiel schon verloren zu sein. Bei einem Gedränge vor dem gegnerischen Tor schlug ein Gästeverteidiger plötzlich den Ball mit der Hand ab. Der Elfmeter wurde von dem Mittelstürmer unhaltbar für den guten Tormann Großen-Lindens eingefanbt.
Die 2. Jugend verlor nach einem aufregenden Spiele gegen die gleiche von VfB.-R. Fünf Minuten vor Schluß führte sie noch 1:0. Durch zwei Überraschende Weitschüsse mußten sie sich jedoch ge * schlagen bekennen.
Das Spiel der 3. Jugend fiel aus, da die gleiche des Lokalgegners nicht antrat.
Beide Schülermannfchaften kehrten mit eindeutigen Siegen heim. Die erste gewann nach einem schönen, begeisterten Spiel in Wetzlar. Die zweite Schülerelf, die in veränderter Aufstellung spielte, ließ sich den Sieg gegen die ersten Schüler van Großen-Bufeck nicht nehmen.
Sportverein 1920 Lollar.
Lollar Liga — 1900 Gießen Liga 2:2 (1:0).
Am Sonntag wurden die Derbandsspiele mit obiaem Treffen eröffnet. Dem Schiedsrichter Zitzer stellten sich folgende Mannschaften:
19 0 0: Fischer; Zeiler, Lippert; Ehrhardt, Heilmann, Garth; Schellhaas, Enders, Jäger, Günther, Henkelmann.
Lollar: K. Ziegler; Hörstel, Gabriel; Sommer, A. Ziegler, Naumann; Klinkel, Kreiling, Löhr, Geißler, W. Ziegler.
Nach dem Anstoß ist 1900 zunächst gefährlich. Eine Bombe von Enders kann K. Ziegler gerade nach zur Ecke drehen. Den Eckball fischt er sich mit einem wunderbaren Sprung sicher aus der Luft. Lollar macht sich nun frei und zieht vor des Gegners Tor; aber immer sind es wieder die beiden glänzend spielenden Verteidiger der 1900er, die manchen schon sicher erscheinenden Erfolg des Gastgebers zunichte machen. Plötzlich ist Löhr freigekommen. Sein scharf getretener Ball findet unter dem sich vergeblich werfenden Fischer den Weg ins Netz. Nun kann sich 1900 etwas freimachen; aber nur für kurze Zeit. Bis zum Ende der Halbzeit drängen die Lollarer wieder, aber es reicht nicht mehr zu einem Erfolg.
Nach dem Wechsel wird das Spiel ausgeglichener. Bei einem Geplänkel vor dem Lollarer Tor kommt 1900 durch ein Mißverständnis der Hintermannschaft zum Ausgleich. Jede Partei will nun den Führungstreffer erzielen. Löhr schießt mit Wucht,
jedoch Fischer ist auf dem Posten und hält. Kreiling vergibt noch eine gute Chance. Es gibt dann einen Strafstoß für 1900 ungefähr 25 Meter vor dem Lollarer Tor. Heilmann führt ihn aus. Der Ball kommt hoch vor das Tor der Gastgeber. K. Ziegler wird hart bedrängt und faustet — vorbei. 1900 führt 2:1! Lollar stellt nun um und spielt bis zum Schluß überlegen. Vier Minuten vor Schluß gelingt es endlich Kreiling, einen prächtigen Schuß in Die lange Torecke anzubringen und schafft damit für Lollar den Ausgleich. Der Siegestreffer üecjt in greifbarer Nähe; aber immer ist es wieder die überragende Verteidigung der Gäste, die ihn verhindert. Schiedsrichter Zitzer leitete zufriedenstellend. Lollar Reserve — 1900 Gießen Reserve 1:1 (0:0).
Im Spiel der Reserven konnten die Gäste den Sieg, den sie sicher zu erringen glaubten, nicht erreichen. Sie mußten zufrieden fein, ein 1:1 erzielt zu haben, denn Stahl (früher Aschaffenburg) verschenkte den «Sieg für Lollar.
Lollar 2. Jugend — VfB.-R. 4. Jugend 1:1 (0:1).
Die zweite Jugend (vorjährige komplette Schülerelf) erreichte in Gießen gegen eine kombinierte Jugend vom VfB.-R. ebenfalls ein Unentschieden. Lollar Schüler — Staufenberg Schüler 7:0 (2:0).
Die Schüler schlugen ihre Kameraden aus Staufenberg hoch mit 7:0 Toren.
Spielabteilung Tv.1889 Klein-Linden
Rodheim I — Klein-Linden I 2:6.
Am Sonntag weilte die erste Mannschaft in Rodheim und konnte einen eindeutigen Sieg erringen. Die Turner traten in stärkster Aufstellung an. Mit dieser Mannschaft werden auch die Punktspiele ausgetragen werden.' Es entwickelte sich ein schnelles Spiel, bei dem die Gastgeber leicht im Vorteil waren. Sie konnten auch bald infolge eines Fehlers des Klein-Lindener Hüters die Führung an sich reißen. Klein-Linden kam dann besser ins Spiel und bald war der Ausgleich geschafft und bei Halbzeit lagen die Gäste mit 1:2 in Führung. In der zweiten Halbzeit wurde Rodheim immer mehr in seine Hälfte gedrängt und bald hieß es 1:4 für Klein-Linden. Doch konnte der Rodheimer Rechtsaußen noch einmal auf 2:4 verkürzen. Wenig später stellte der Klein-Lindener Mittelstürmer die alte Tordifferenz wieder her und kurz darauf konnte der Halbrechte durch einen schönen Schuß auf 2:6 erhöhen.
Fußball im Turnverein Großen-Linden Großen-Linden I — VfB.-R. Gießen II 3:2 (1:1). Gr.-Linden 2. Jgd. — Garbenleich 1. Jgd. 3:0 (3:0). Gr. Linden 1. Jgd. — 1900 Gießen 1. Jgd. 2:2 (1:1).
Großen-Linden I und die Reserve des VfB.-R. Gießen lieferten sich am Sonntag ein mäßiges Spiel, das die Platzelf knapp für sich entscheiden konnte. Vorher standen sich die 2. Jugend und die 1. Jugend von Garbenteich im fälligen Pflichtspiel gegenüber. Die 2. Jugend zeigte seit langer Zeit wieder einmal ein ansprechendes Spiel und konnte sich mit einem 3:0-Sieg die ersten Punkte sichern.
Die 1. Jugend kam in Gießen gegen 1900 nur durch die Schußunsicherheit seines Sturmes um den Sieg.
Wieseck Jugend — Staufenberg Jugend.
Die Staufenberger Jugendmannschaft spielte am Sonntag in Wieseck gegen die dortige Jugendmannschaft ihr Pflichtspiel. Zeitweise zeigte das Spiel eine schöne Ausgeglichenheit. Die Wiesecker waren körperlich und technisch überlegen. Wiesecks Jugend siegte überlegen mit 6:0.
Handball im Sportkreis Gießen.
Pohl-Göns Jgd. — Lang-Göns Jgd. 14:9.
Arn Sonntag weilten zwei Mannschaften des Turnvereins Lang-Göns in Pohl-Göns, um dort Freundschaftsspiele auszutragen. Die beiden Jugendmannschaften lieferten sich ein schönes und faires Spiel, das die Pohl-Gönfer mit 14:9 Toren gewinnen konnten. Die Elf von Lang-Göns fiel gegen Schluß des Kampfes etwas ab und mußte die entscheidenden Tore hinnehmen.
pohl-Göns I — Lang-Göns I 17:7.
Zwischen den beiden ersten Mannschaften kam es zu einem jederzeit schönen und spannenden
Spiel, das Pohl-Göns verdien! 17:7 gewann. In der ersten Halbzeit war das Spiel noch ausgeglichen, und das 6:4 für die Einheimischen entsprach dem Spielverlauf. Im zweiten Spielabschnitt fiel die junge Gästemannschaft dem Tempo zum Opfer und mußte innerhalb kurzer Zeit 11 Tore hinnehmen. Zum Schluß drehte sie aber doch noch einmal auf, und es gelang ihr, drei Tore aufzuholen. Pohl-Göns wurde im vorigen Jahr Meister der Bezirksklaffe, während Lang-Göns in der letzten Spielzeit noch als Jugend spielte. Daher' ist das Ergebnis für die junge Lang-Gönfer Elf sehr ehrenvoll, und sie geht mit Zuversicht in die Verbandsspiele der zweiten Kreisklasse.
Vordeck Jgd. — Vlainzlar Jgd. 0:7.
Die Handball-Jugendmannschaft von Mainzlar trug am Sonntag in Nordeck ein Freundschaftsspiel gegen die gortige Jugendmannschaft aus und konnte mit einem sicheren 7:0-Sieg nach Hause zurückkehren.
Abturnen in Kberstadt.
Arn vorigen Sonntag fand auf dem Turnplatz des hiesigen Turnvereins „Gut Heil" das diesjährige Abturnen statt. Die Leitung hatte Oberturnwart W. Reitschmidt. Bei herrlichem Sommerwetter traten die Turner nach einem Werbeumzug durch das Dorf zu den Wettkämpfen an. Zahlreiche Zuschauer hatten sich schon frühzeitig auf dem Turnplätze eingefunden, um den Wettkämpfen und Spielen der Jugend beizuwohnen. Mit dem Liede „Turner auf zum Streite" marschierten die einzelnen Riegen an die Geräte. Geturnt wurde ein Zwölf- und ein Fünfkampf. Die Wettkämpfe endeten mit anspornenden Worten des Vereinsdietwartes und dem Liede „Getreu alle Zeit". Aus der Siegerliste ist folgendes zu entnehmen: Die Turner Willi Schäfer (220 Punkte) und Alfred v. Diemar (195 Punkte) turnten außer Konkurrenz. Ehrensieger wurde mit 196 Punkten Hans Görlach. Den 1. Sieg errang mit 179 Punkten Richard Holler; den 2. Sieg mit 175 Punkte Adolf Koch, den 3. Sieg Karl Schneider, den 4. Sieg Heinrich Fey, den 5. Sieg Karl F e l s i n g. In der zweiten Riege: 1. Otto Reitschmidt, 2. Richard Schneider, 3. Otto Schneider, 4. Helmut Kiefer, 5. Robert Bender. In der Dritten Riege erhielt Erwin Vorbach den 1., Alfred Reitschmidt den 2., Kurt Biehl den 3., Robert Alles und Karl Schneider den 4. und Otto Alles den 5. Sieg.
Gordon-Bennett-Weitfahrt.
Das genaue Endergebnis.
Nach der Auffindung des polnischen Freiballons „Lopp" wird nunmehr auch das genaue Endergebnis des diesjährigen Gordon-Bennett-Wettbewerdes der Freiballone bekannt. Sieger wurde der belgische Ballon „Belgica" mit den bekannten Fahrern Ernst Demuyter und Pierre Hofmann. Den zweiten Platz belegte „Lopp" (Capt. Janusz und Lt. Brenk) und den dritten Rang sicherte sich „Zürich III" (Dr. Erich Tilgenkamp und Friedrich Michel). Der neue deutsche Rennballon „Deutschland" mit der Mannschaft Carl Götze jr. und Werner Lohmann erreichte mit einer zurückgelegten Strecke von 1500 Kilometer den vierten Platz.
Die Leistung des Sieger-Ballons von 1710 Kilometer wurde bisher noch in keinem der 23 stattgefundenen Gordon-Bennett-Ballon-Wettfährten erzielt. Nach der Bestimmung, wonach der Start zum nächsten Gordon-Bennett-Wettbewerb jeweils vom Lande des siegreichen Ballons aus erfolgt, wird also Belgien im Jahre 1937 die Gordon-Bennett- Wettsahrt ausrichten.
putzen Sie ein Klavier mit Sand? Das würde seinem Glanz wohl schlecht bekommen. Genau so ist es mit Ihren Zähnen. Das Feinste ist gerade gut genug. Versuchen Sie mal den feinen Putzkörper der Nivea-Zahnpasta. Der erhält die Zähne blitzblank und schont den Zahnschmelz.
Unbekannte Fracht.
Vornan von Krank z.vrann.
(Schluß.)
(Nachdruck verboten.)
„Aus dem Staub?" Sie lachten. John Schnaken- Leck kam nach kurzer Zeit zurück und winkte den Leiden Freunden. „Wir können das Boot haben. Kommt. Ich rudere euch hinüber." Da liefen sie gu ihm hin und brachten das Boot zu Wasser.
Der wachthabende Matrose fiel beinahe die Fall- lireppe hinunter, als er das Boot herankommen, unlegen fah und die drei Männer erkannte.
Kapitän Durham war an Bord. Der Matrose I rief vorweg und sie betraten die Kabine, die sie gut n Erinnerung hatten. Durham stand hinter dem Tisch; er hatte beide Fäuste aufgestemmt und ! ehnte vornüber. Er starrte die drei Deutschen an, nls sei ihm eine Erscheinung geworden. Sie grüß- ! i:en ihn. Ihre Stimmen klangen , heiter, auch ein vißchen überlegen. Der dort war ja nicht mehr ihr | Kapitän; außerdem befand er sich in ihrer Schuld. Da faßte sich Durham. „Also wirklich", stieß er vervor, und das klang erfreut, „Sie sind glücklich ourchgekommen!" Mit diesen Worten streckte er chnen Die HanD hin. Von Den Dreien sah feiner Veranlassung, sie auszuschlagen. UnD Dann bog Durham geschickt einen etwa geplanten Vorwurf 1U5 ihrem MunDe ab unb — obgleich er Schotte rar — schnitt als erster Die GelDfrage an. „Welch in guter Zufall, Daß wir uns hier begegnen, ehe Sie "an LanD gehen. Ich schulDe Ihnen noch Die Heuer. SelbstverstänDlich zahle ich sie Ihnen voll aus. Sie sinD ja nicht freiwillig an BorD gegangen, damals, vor Macao." Er lächelte Hans Lorenzen an. „Mein Zahlmeister bin ich jetzt selber. Ober röchten Sie Ihren Posten gleich wieDer übernehmen?" Hans Lorenzen wollte etwas sagen, aber Durham war von einem Einfall gepackt unD sprach gleich weiter: „Eigentlich haben Sie ja alle drei noch nicht abgemustert. Wie wäre es? Ich fahre von hier nachEnglanD." r£ ...
„Flinten für DunDee?" lachte RuDolf Terbrügge.
„Unsinn. Baumwolle geht nach London. Er iählte Geld auf den Tisch, eine ganze Menge; drei Teile machte er. „Es lag schon lange abgezahlt bei Ihren Papieren", erklärte er. „Hier Bestätigen Sie °en Empfang bitte auf dieser Liste."
„Zu welchen Bedingungen könnte man wieder inmuftern?'' fragte John Schnakenbeck; er erkun- ■•igte sich im gleichgültigen Gesprächston.
Durham schaute ihm ins Gesicht. „Zu den gehabten", sagte er. „Wollten Sie zu mir herüber
wechseln? Ich kann gut noch einen Mann gebrauchen."
„Sie sind uns einen kleinen Ausgleich schuldig, Mr. Durham. Haben Sie nicht auch das Empfinden," John Schnakenbeck wehrte des Kapitäns Bewegung ab. „Kein Geld, lassen Sie nur stecken. Mit einem Trinkgeld ist das wohl sowieso nicht abzutun."
„Wollen Sie alle drei wieder zu mir?" fragte Durham, und er war ein wenig verlegen. Daß jemand Geld zurückwies, machte ihn unsicher.
„Nein." John Schnakenbeck machte jetzt den Sprecher, als fei Das selbstverständlich. „Es würde sich nur um meine Person handeln."
„Ich kann Sie gebrauchen, Schnakenbeck, sogar als Vollmatrose."
„Sehr schön, Kapitän. Aber ich habe mein Steuermannsexamen, ich habe das Patent für große Fahrt. Ist Der Posten eines Dritten nicht frei?"
„Ich habe Drei Offiziere, wirklich, Schnakenbeck."
„Schön, Kapitän. Sie konnten ja nicht ahnen, Daß Sie mich treffen roürDen. Aber wenn Sie nun jetzt wissen, Daß ich gerne Den Dritten auf Der „Mary D." spielen möchte, roürDen Sie für Die nächste Reise an mich Denken? Es ist nämlich bei mir so: ich bin nicht sehr scharf, jetzt schon nach Hause zu kommen. Noch nicht, verstehen Sie. Ich muß erst mehr GelD haben. Ich will mir nämlich ein kleines Hotel in Hamburg kaufen. An Den Vorsetzen. Jetzt ist meine Frau Die Besitzerin, aber Der Zustano ist unerträglich. Ich werde ihr Den Betrieb abkaufen." Seine Augen leuchteten. Die JDee schien ihn zu entzücken..
RuDolf Terbrügge lachte; er Dachte an Frau Beate. John hatte recht. Wenn er nicht Herr im Hause rourDe, konnte aus Der Ehe nichts roerDen.
UnD John Schnakenbeck fuhr fort, er reDete Den Kapitän einfach munDtot: „Ich mache Ihnen einen Vorschlag, Mr. Durham. Nehmen Sie mich so, wie ich bin, bis DunDee als Matrose mit. Dort mustern Sie mich ab, unb ich bin für Die nächste neue Fahrt als Dritter angenommen. Wollen Sie?"
Durham zögerte. „Sie sinD Deutscher, sagte er. „Man roirD es mir verübeln. Daß ich einen Deutschen als Offizier einstelle."
Schnakenbeck krauste Die Stirn. „Man hat es Ihnen aber nicht verübelt, Kapitän, verzeihen Sie, daß mir Deutschen Ihnen sozusagen die Kastanien aus dem Feuer holen sollten. Wissen Sie, was wir Durchgemacht haben? Wir waren am Verhungern, mir bluteten, unb es ist ein Glückszufall, baß wir burchkamen." Er übertrieb, aber hatte Erfolg. Durham gab sich einen Ruck. „Ich will es tun, Schnakenbeck", sagte er. „Mein Wort barauf. Die nächste Fahrt sollen Sie als Dritter mitmachen."
John Schnakenbeck legte Den Kopf schief als horche er Dem Klang Der Worte nach. „Sagen Sie: Die nächste große Fahrt. Mr. Durham. Cinmal von DunDee bis LonDon Den Dritten auf Der „Mary D." zu machen. Daran kann mir nichts liegen."
„Die nächste Fahrt geht nach HollänDisch-JnDien unD Australien, Schnakenbeck. Ist Ihnen Das weit genug?"
„Dann will ich meine Sachen herüberholen", sagte John Schnakenbeck entschlossen. Er ging zur Tür, auch RuDolf Terbrügge verabschieDete sich von Durham. Als Hans Lorenzen gehen wollte, hielt ihn Der Kapitän zurück. „Kann ich Sie eine Weile allein sprechen? Schnakenbeck kommt ja mit Dem Boot noch einmal zurück."
„Gewiß, ich bleibe, Mr. Durham."
Sie saßen sich gegenüber roie schon einige Male in Der Kabine. Aber Die Lage war anDers gewor- Den. Wie ein Schachspiel, dachte Hans Lorenzen, damals spielte Durham aussichtsvoll auf Sieg, jetzt ist er unerwartet matt. Mary hat ihn schachmatt gesetzt. Aber ich gedenke nicht, das auszunutzen.
Durham knackte mit den Fingern. „Sie haben inzwischen von meiner Tochter gehört, Mr. Lorenzen?" begann er vorsichtig.
„Ja. Ich bekam ein Telegramm in Kanton, daß sie gar nicht mehr in Dundee sei. Sie war nach Berlin gefahren, um mit meinem Bruder Nachforschungen anzustellen, wo ich geblieben fein könnte. Ich danke Ihnen sehr, daß Sie großzügig diese Erlaubnis gaben." Er nickte Durham zu unZ tat, als bemerke er dessen Verlegenheit keineswegs. „Leider erlag mein armer Bruder einem Unglücksfall, und Mary mußte auf eigene Faust vorgehen. Sie tat das so geschickt, daß sie mich hier schon auf dem Heimweg trifft. „Nächste Woche werde ich in Southampton fein."
„Wo Mary Sie gewiß erwartet?"
„Jawohl, Mr. Durham. Und wenn Sie Sinn für das Einmalige und Außerordentliche dieser Situation haben, daß wir uns hier in Port Said begegnen" — er holte nun doch etwas tiefer Luft —, „möchte ich Sie um Die HanD Ihrer Tochter bitten. Sie wissen, Daß Mary unD ich einander lieben. Ich bin zwar ohne wesentlichen Besitz, aber gesund unb kräftig, leidlich intelligent, ich Denke, Daß ich so gut roie hunDert anDere junge Kollegen in Der Deutschen ReichshauptstaDt meine Praxis finDen roerDe."
„Sie wollen in Berlin leben?"
„Ganz gewiß. Als praktischer Arzt. Der Hinauswurf Der schottischen Kollegen macht für mich im Reich gar nichts aus." Er lächelte Durham an. „Vielleicht könnte ich mich allerdings, fo ähnlich wie unser Freund John Schnakenbeck, bei Ihnen
Vorwerken lassen für ein paar Sommermonate als Schiffsarzt auf der „Mary D.". Freilich würde ich nicht ohne meine Frau Mary kommen..."
„Dann muß auch meine Frau mit", erklärte Durham und lachte. „Ich werde also sehen, daß ich Sommers gute Fahrten bekomme."
Hatte er eigentlich auf Die Frage Hans Lorenzens geantwortet? Er gab ihm Die HanD. „Verflixter Kerl", meinte er unD strahlte, „fo haben Sie es Doch noch geschafft." Dabei hieb er seinem nun anerkannten Schwiegersohn auf Die Schulter. „Wir müssen einen Trunk tun, kommen Sie!" Er schänkte Die Gläser hoch voll Whisky. Hans Lorenzen hatte noch nie erlebt, Daß man mit Diesem Stoff eine Verlobung besiegelt. Aber er tat Bescheid.
„Werden Sie mit Der Hochzeit warten, bis ich Daran teilnehmen kann? Auch meine Frau möchte gern Berlin kennenlernen... Die Mary ist unser einziges KinD...." Er reDete ein bißchen Durch- einanDer.
Hans Lorenzen erlöste ihn. „Wir warten", verhieß er. „Ich bringe Ihnen Mary bis zur Hochzeit wieder nach Dundee. Verlassen Sie sich auf wich."
„Dann können Sie sich auch auf wich verlassen, Mr. Lorenzen. Ich danke Ihnen." Dieser Händedruck brachte sie einander wirklich zuw erstenmal näher.
Nach einer Weile kam John Schnakenbeck. „Ich will nicht stören, Kapitän, aber ich wollte mich von meinem Freund verabschieden." Er sah Hans Lorenzen mit leuchtenden Augen an. „Ist Das nicht ein wunDerschönes Happy end, Junge, beinahe roie in Romanen, was? Du kriegst die Braut, der Rudolf findet endlich seine Antje, und ich mache noch ein paar Fahrten mit Deinem Schwiegervater unD setze mich Dann auch fest. Aber wir wollen uns nicht verlieren, hörst Du! Ich schreibe Dir regelmäßig. Dir und Dem RuDolf, und ihr müßt antworten. Wenn ich dann eines Tages Die Wirtschaft in Hamburg in eigener Hand habe, besucht ihr mich einmal. Versprich es mir! Du sollst sehen, Beate kann sehr nett sein."
„Freundschaft ist selten im Leben, John. Wir wollen uns wahrhaftig nicht verlieren."
Dann war auch Das vorbei.
Als Hans Lorenzen mit Dem kleinen Boot, diesmal allein wieder zur „Normannia" zurückruderte, standen zwei Männer an der Reling Der „Mary D.". Sie standen nebeneinander und winkten gleichzeitig. Kapitän Durham und der kommende Dritte Der „Mary D ".
Auf Der „Normannia" ftanD RuDolf Terbrüggä unD warf ihm Das Fallreepseil entgegen. „Komm, Du bist Der Letzte. Sie warten auf Dich. Es geht los; heimwärts, Hans!"


