Ausgabe 
16.9.1936
 
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Nr. 217 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für OberWen)

Mittwoch, 16. September 1036

Die neuen Truppensahnen der Wehrmacht

An den Gau Hessen-Nassau!

Die neuen Fahnen für Fliegertruppe und Flak. Links die Vorderseite, rechts die Rückseite. Verschiedene Farben für Fliegertruppe und Flak.

(Scherl-Vilderdienst-M. Mit Genehmigung des VerlagesOffene Wortes Berlin.)

Die Fahne der Kriegsmarine (Landformationen). Links die Vorderseite, rechts die Rückseite. (Scherl-Bilderdienst-M. Mit Genehmigung des VerlagesOffene Worte", Berlin.)

Amtlich wird mitgeteilt: Die Truppenfahnen der drei Wehrmachtteile find untereinander verschieden. Innerhalb von Heer und Luftwaffe weichen sie je nach der Waffengattung in ihren Grundfarben von­einander ab. Die Truppenfahnen der Kriegsmarine nur die Landformationen erhalten hier Truppen­fahnen haben nur eine Grundfarbe.

Beim Heer erhalten Fahnen die Bataillone der Infanterie, Jäger und Pioniere, Standar­ten die Abteilungen bzw. Bataillone aller motori­sierten, berittenen oder bespannten Einheiten.

Grundfarben der Fahnen bzw. Standarten des Heeres sind: weiß für Infanterie und M (3. - Bataillone, grün für Jäger- Bataillone, goldgelb für Reiter- Regimenter und R ad- fahr- Bataillone, rot für Artillerie und Be - obachtungs - Abteilungen, schwarz für Pio­nier- Bataillone, rosa für Kraftfahr - Kampf­truppen, zitronengelb für Nachrichten- Abtei­lungen, blau für Kraftfahr - Abteilungen, bor­deaux-rot für Nebel- Abteilungen.

Bei der Kriegsmarine erhalten Fahnen nur die Marine - Artillerie - Abteilungen, Schiffsstamm- Abteilungen, Marine-Unteroffizier-Lehrabteilungen.

Grundfarbe ist einheitlich hellblau. Stan­darten gibt es nicht.

Bei der Luftwaffe erhalten Fahnen die Gruppen bei der Fliegertruppe, Abteilungen bei den Flakregimentern, Abteilungen bei der Nach­richtentruppe. Grundfarben der Truppenfah­nen der Luftwaffe sind: gelb für die Flieger­truppe, rot für die Flakartillerie, goldbraun für die Nachrichtentruppen. Standarten gibt es bei der Luftwaffe ebenfalls nicht.

Das Herz auf dem rechten Fleck

70. Geburtstag eines medizinischen Phänomens.

LPD. Frankfurt a. M., 15. Sept. Am 17. September kann in Frankfurt a. M. ein Mann namens Wilhelm Hahn feinen 7 0. Geburts- t a g feiern, der im wahrsten Sinne des Wortes das Herz auf dem rechten Fleck hat. Von Geburt an ist sein Herz auf der rechten Seite gelagert. Vor 30 Jahren wurde Hahn wegen dieser absonderlichen Lagerung des Herzens im Aerzt- lichen Verein vorgestellt.

Telegramm des Musikkorps der Luftwaffe au die Gauamtsleitung der NSV. zur Konzertreise im Gau Heffen-Naffau.

NSG.Die Stabsmusikkorps der Luftwaffe ein­treffen in Frankfurt a. M. nach Reichsparteitag. Sie sind stolz darauf und freuen sich, im Gau Hessen-Nassau durch ihre in Frankfurt a. M. am 19. September im Stadion beginnende Konzert­reise zu Gunsten des Hilfswerkes des Deutschen Volkes an der Durchführung der vom Führer ge­stellten Aufgaben Mitarbeiten und gleichzeitig der Bevölkerung von Heffen-Naffau, insbesondere der Hauptstadt Frankfurt, durch ihre Konzertreise eine besondere Freude bereiten zu können.

Der Leitungsstab der Wehrpropaganda- Konzertreise im Gau Hessen-Nassau."

Aufruf des Landesbauernführers an die Bauern des Gaues Hessen-Nassau.

NSG.Das Landvolk Hessen-Nassaus begrüßt die Musikkorps unserer Flieger auf das herzlichste, denn es fühlt sich mit unserer Luftwaffe, der jüng­sten Waffengattung der neu geschaffenen deutschen Wehrmacht, eng verbunden. Der Bauer sieht in der deutschen Luftmacht einen zuverlässigen Schutz gegen die Gefahren, die im Falle kriegerischer Verwicklung ihn und sein Werk bedrohen würden. Er dankt der Luftmacht ihre stete Einsatzbereitschaft für Haus und Hof, indem er jederzeit an dem Wohl und Wehe der deutschen Fliegerei Anteil nimmt.

Deshalb bin ich auch überzeugt, daß aus den hessen-nassauischen Dörfern den Musikkorps der Luftwaffe überall herzliche Begeisterung entgegen­schlagen wird.

Dr. Wagner, Landesbauernführer."

Aus der Provinzialhauptstadt.

Der Blinde und sein Hund.

Er begegnet mir oft in den Straßen. Auf seinen Stock gestützt, tastet er sich vorwärts, und sein Ge­sicht mit dem erschütternden Ausdruck des Blinden ist wie in weite Fernen gerichtet. Vor ihm aber trabt sein Hund, und dieser Hund leitet ihn mit Sicherheit durch die belebten Straßen und durch alle Fährnisse der geräuschvollen Stadt.

Vielleicht ist er ein Kriegsblinder, der sein Augen­licht bei einem Sturmangriff auf die feindlichen Linien einbüßte und aus dem hellen Tag seines jun­gen Lebens in die dunkle Nacht einer immerwäh­renden Finsternis gerissen wurde. Alles, was ihm bis dahin das Leben lebenswert machte: der Glanz der Sonne, die strahlende Klarheit des Himmels, das Grün der Bäume, die bunte Pracht der Blu­men, die Gestalt seiner Angehörigen und Kame­raden, es versank hinter einem schwarzen Vorhang, der sich nie wieder auftut. Vielleicht ist er aber auch ohne Augenlicht auf die Welt gekommen und er hat nie die blitzenden Sterne klarer Nächte und die Helligkeit sommerlicher Tage gesehen. Er trägt in beiden Fällen ein bitteres Los, und es ist schwer zu sagen, welcher Fall der bitterste sein wird.

Wir, die wir uns des Augenlichtes erfreuen, können nur entfernt ahnen, was es bedeutet, als Blinder durch das Dasein zu gehen. Uns dünkt es Selbstverständlichkeit, daß wir sehen, und nur sel­ten kommt uns zum Bewußtsein, welche Kostbarkeit ckns damit gegeben ist. Wir gehen unsere Straße sicher und selbstbewußt, wir betrachten die Menschen, die dahinjagenden Fahrzeuge, wir blicken hier in ein Schaufenster, dort in einen Aushang, wir schauen zum Himmel empor und lassen unsere Blicke fortwährend über das bunte Bild des städti­schen Lebens schweifen. Wie muß es dagegen im Innern eines Menschen beschaffen fein, der alle diese Dinge nicht sieht, der nur die Geräusche um ihn her vernimmt, und der bei allem nur einen Weg­begleiter und Kameraden hat: seinen Hund.

Es ist ergreifend, zu sehen, in welcher Weise der Hund seinem blinden Herrn dient. Er paßt sich in jeder Weise seiner Gangart an, er leitet ihn vor­wärts, er setzt sich auf, wenn es aufpaffen heißt, er gibt Laut, wenn Gefahr im Verzüge ist, kurz: er umgibt ihn mit einer Sorgfalt und Aufmerksam­keit, die für den Jntelligenzgrad, die Anpassungs­fähigkeit und vor allem für die Treue eines Hun­des ein prachtvolles Beispiel gibt. Sicher fjat der Blinde auch Freunde und gute Bekannte, aber wahrscheinlich ist sein Hund doch der Kamerad, auf den er sich am besten verlassen kann.

Wenn beide durch die Straßen wandern, streift sie häufig ein teilnahmsvoller Blick. Der Hund achtet in feinem Eifer nicht darauf, und der Blinde sieht ihn nicht. Sie sind beide in ihrer Kamerad­schaft eben nur auf sich und ihre Zusammengehörig­keit eingestellt, und diese treue Kameradschaft ist einer der wenigen Lebensprämien in der sonst so dunklen Welt des Blinden. H. W. Sch.

Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch:

NS.-Lehrerbund, Kreis Gießen, FachschaftKör­perliche Erziehung", Arbeitsgemeinschaft fürMäd­chenturnen": 16 Uhr auf dem Universitätssportplatz (bei Regenwetter an der neuen Pestalozzischule). NS.-Lehrerbund, Gießen-Land: 15.30 Uhr Tagung der Arbeitsgemeinschaft Volksschule im Cafe Ebel. Gloria-Palast (Seltersweg):Kaiser von Kalifor­nien". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Männer vor der Ehe".

Meder 144 Tote!

Der Reichs- und preußische Verkehrsnnnister gibt bekannt, daß in der vergangenen Woche im Reich

144 Tote und 3718 verletzte als Opfer des Straßenverkehrs zu beklagen sind.

NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Süd.

Hilfskasse.

Alle Angehörigen der SA., SS., Marine-SA., Reiter-SA. und des NSKK., die im Bereich der Ortsgruppe Gießen - Süd wohnen, können ihren Beitrag zur Hilfskaffe noch entrichten, und zwar: Mittwoch, 16. September und Freitag, 18. September, in der Zeit von 20 bis 22 Uhr in den Geschäfts­räumen der Ortsgruppe, Frankfurter Straße 29, H.

Es ist Pflicht eines jeden SA.-Mannes, diesen Beitrag zu entrichten. Wer bis dahin nicht bezahlt hat, wird bei der Hilfskasse in München abge-melbet.

Deutsche Arbeitsfront

Abt. für Verufserziehung und Vetriebsführung. Arbeitswoche für Bilanzbuchhalter.

Die GaubetriebsgemeinschaftHandel" der Deut­schen Arbeitsfront, Abt. Berufserziehung, führt in der Zeit vom 11. bis 17. Oktober eine Arbeits-

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Der Kaiser von Kalifornien "

Gloria-Palast.

Nach denBergen in Flammen" und demRe­bellen" stellt derKaiser von Kalifornien" einen neuen Höhepunkt in Luis Trenkers Filmschaf­fen dar: auf der Vierten Internationalen Film­kunstausstellung in Venedig hat dieses Werk, wie bekannt, den Mussolini-Pokal und damit die reprä­sentativste Auszeichnung erhalten, die dort zu ver­geben war. Wir dürfen uns dessen freuen und stolz darauf fein, daß eine deutsche künstlerische Leistung 'so sichtbar vor aller Welt mit den höchsten Ehren gekrönt wurde.

Der Stoff lag, wenn man so sagen darf, feit einigen Jahren in der Luft: die Geschichte des ba­dischen, schon früh nach der Schweiz ausgewander­ten und dort eingebürgerten Buchdruckers Johann August Suter ist bereits mehrfach dramatisiert und auf die Bühne gebracht worden. Wenn man die in jeder Hinsicht merkwürdige, abenteuerliche und im tiefsten Grunde tragische Lebensgeschichte dieses Menschen betrachtet, wird man auf den ersten Blick finden, daß sie eine ungeheuer dramatische Fabel enthält. Wo sie quellenmäßig ausgezeichnet ist, wird nicht angegeben; Trenker hat das Buch jedenfalls ohne literarische Vorlage nach den über­lieferten Tatbeständen als eine freie schöpferische Nachgestaltung selbst geschrieben.

*

Hier fließen zusammen die Geschichte eines unge­wöhnlichen Mannes und die Geschichte eines Lan­des, ein Stück aus der großen, noch jungen und sehr bewegten Geschichte der Vereinigten Staaten. Su­ter flieht, aus politischen und wirtschaftlichen Gründen, im Mai 1836 aus dem schweizerischen Städtchen Burgdorf, Weib und Kinder verlassend, über die Grenze und taucht bald danach als Farmer am Mississippi auf, findet auch hier keine Ruhe, versteigert seine Farm und reitet eines Tages mit wenigen Kameraden nach dem jungfräulichen, ge­lobten Lande Kalifornien, von dem er sagen hörte. Mit diesem Ritt durch die Wüste, der auf Leben und Tod geht, beginnt recht eigentlich der un­erhörte Aufttieg und die amerikanische Tragödie des Auswanderers und Kolonisten Suter.

Er findet das Land, siedelt am Sacramento, hat Glück, zeigt sich organisatorisch hervorragend begabt, ist tüchtig, fleißig, energisch und weitblickend, und er schafft sich in Kalifornien, im Suter-Land Neu- Helvetien, ein wahres Paradies. Er wird ein schwer reicher Mann, Kalifornien wird als sein

Land in den Staatenbund ausgenommen, er kann | seine kleine Vergangenheit auslöschen, kann Frau und Kinder in die neue Heimat nachkommen lassen. Aber noch während seine Familie unterwegs ist, beginnt der verhängnisvolle Umschwung, wendet sich ein märchenhafter Aufstieg zur unaufhaltsamen Katastrophe.

Einer von Suters Leuten findet Gold am Sacra­mento. Und die paar Körner oder Nuggets, die der Mann aus der Erde gegraben hat, wachsen un­versehens zu einer Lawine an, die alles verschüt­tet und zerstört, was Suter in Jahren harter Ar­beit aufgebaut und geschaffen hat. Ein Goldrausch bricht aus, und Suter kämpft nun einen langen, zähen, hoffnungslosen Kampf um sein Land, seinen Besitz, sein Paradies, seine Erde und seine Ernten. Aber das Gold ist mächtiger. Das Antlitz des Lan­des verwandelt sich von Tag zu Tag. Abenteurer überschwemmen alle Bezirke, San Franzisko wächst zu einer Riesenstadt, Suters Ländereien und Ernten werden vernichtet und niedergetrampelt, der Gar­ten Eden liegt verwüstet da, feine Leute laufen ihm fort, und fein Reichtum schwindet dahin. Als Frau und Kinder ankommen, droht man bereits das Land zu versteigern. Suter wehrt sich aus allen Kräften um seinen Besitz, um sein gutes Recht.

Aber der Prozeß, den er anstrengt, scheint ebenso aussichtslos, wie er machtlos ist gegen die ent­fesselte menschliche Gemeinheit, der am Ende selbst seine Frau und seine unschuldigen Kinder zum Opfer fallen. Der Zusammenbruch ist nicht mehr aufzuhalten. Obwohl dem Mann nach Jahren for­mell das Recht zuteil wird, das er fordert, ist die Verkündung des Spruches doch nur der Anfang vom Ende. Suter verlangt die Entfernung aller Goldgräber aus feinem Gebiet: das ist das Chaos; das bedeutet den letzten, aussichtslosesten Kampf gegen den Goldrausch. In den Flammen der bren­nenden Stadt San Franzisko und mit den Trüm­mern von Suters Farm brechen die Grundfesten einer märchenhaften Existenz heillos zusammen. Zehn Jahre später stirbt ein alter, müder, verbit­terter Mann auf der riesigen Freitreppe des Capitols zu Washington.

*

Das sind, in groben Umrißlinien, die Grund­bestandteile der Fabel. T r e n f e r hat sie mit seinen Mitteln gestaltet, und es wurde ein Werk ganz aus einem Guß, aus einer Hand; das fühlt man in jedem Bild, in jeder Szene. Dieser Film ist genau so fein eigenes, ihm eigentümliches Werk, wie (um zwei an sich völlig unvergleichbare Dinge nebenein­anderzustellen)Allotria" die charakteristische

Schöpfung von Willi Forst. Trenker schrieb das Drehbuch, er führte auch selbst Regie. So entstand ein wirklicher, echter Film, in dem alle Handlung (und es gibt viel Handlung, viel Bewegung, kon­zentrierte Spannung) in Bilder umgesetzt ist, ohne daß ein Wort zuviel gesprochen würde; das scheint uns sehr wesentlich. Ausgezeichnete Bilder übrigens; Albert Benitz und H. V. Jaworsky an der Kamera haben wunderbar ' klare, weiträumige, schlechthin schöne Aufnahmen geschaffen, in denen man allenthalben die große Linie wiederfindet, die Monumentalität, welche die Handlung und ihre Hauptträger auszeichnet.

Die Gestalt Suters vor allem; Trenker wie­derum spielt auch ihn, er gibt die Hauptrolle und damit dem ganzen Film Charakter und eigentüm­liches Gesicht. Er hat sich diesen Mann vorgestellt und sich in ihn hineingelebt, und man kann sich wohl denken, daß er so ausgesehen t)at. Man be­greift auch, daß es ein männliches Leben, ein hero­isches Schicksal ist, das sich da vor unfern Augen entrollt. Trenkers Suter hat die Energie, die Zähigkeit, den Willen und die Kraft, fein Leben und eine ganze Welt aus dem Nichts aufzubauen; dieser Mensch weiß genau, was er aufs Spiel fetzt, worum es geht, wie das Schicksal gegen ihn ent­scheidet: er steht und kämpft und fällt wie ein Mann; erhat einen guten Kampf gekämpft", und ewig wird fein Herz in den Wäldern und Flüssen Kaliforniens schlagen".

Trenker umreißt Suters Persönlichkeit so klar, so eindeutig, so sparsam und verhalten in den Mitteln, wie wir das aus feinen besten Filmen ge­wohnt sind; und er weiß nicht nur die hochdrama­tischen, die bewegten, die heroischen Elemente die­ses Lebens zu zeigen, sondern auch die inneren, leise­ren und gefühlsmäßigen Züge so knapp und schlicht, daß man erschüttert ist.

Aus einer Fülle von Gestalten, von Darstellern heben sich neben der Suters einige mit schärferer Profilierung heraus: Viktoria von Ballasko, still und beseelt als Suters Frau; Minetti (früher in Darmstadt,Der Fremde"); Gerold und Verhoeven; Walter Franck, in einer Episodenrolle, prägnant wie immer; Reginald Pasch, Berta D r e w s und Alexander G o l l i n g.

Niemand sollte versäumen, sich diesen Film an­zusehen, der zu den erklärten Spitzenleistungen der neuen deutschen Produktion gehört. (Tobis-Rota.) Im Beiprogramm gibt es außer der Wochenschau einen interessanten Kulturfilm vom Buche- der Deutschen,Mein Kampf". r

Pinguine reifen zum Nordpol.

Eine besondere Art von Auswanderer-Passagieren hatte ein norwegischer Frachtdampfer an Bord. Es handelt sich um 9 Pinguine, die vom Südpol zum Nordpol reiften. Die Tiere waren von der norwegischen Regierungeingeladen" worden, mit öer Absicht, durch sie neue Pinguin-Kolonien zu gründen. 4 von ihnen sollen auf einer der Lofoten ausgesetzt werden und die 5 anderen im nördlichen Norwegen. Dank der liebevollen Pflege der Schiffs­mannschaft haben die Reisenden die Fahrt von Süd nach Nord gut überstanden. Die kritischsten Tage für ihre Gesundheit bildete die Durchquerung der Tropen.. Die Matrosen sahen sich genötigt, die Vogelkäfige ständig mit geeistem Wasser zu übergießen. Norwegen will durch diese Ansiedlung von Pinguinen eine neue Anziehungskraft für die Nordkap-Reisenden bilden. Hoffentlich werden die 9 Pinguine, diese liebenswerten und zugleich un­widerstehlich komischen Vögel, die Stammeltern vie­ler fruchtbarer Pinguingeschlechter.

Märchenhafter Maharadscha.

Einer der seltsamsten Gäste, die je eine euro­päische Hauptstadt besucht haben, weilt augenblick- lich in einem Londoner Hotel. Der Maharadscha von Mysore kam mit vierzig Sekretären, hundert- sechzig Koffern und einem kleinen Teil feiner acht­zig Autos. Diesem sagenhaften Gast werden zu Tisch nur Gemüse aufgetragen. Das scheint eine leicht zu erfüllende Forderung, aber es gibt noch eine seltsame Bedingung, die den Dienst bei diesem Herrn erschwert: kein menschlicher Schatten darf auf feine Speise fallen, während sie zubereitet wird. So oerläßr der Koch, sobald er die Speisen aufs Feuer gesetzt hat, die Küche und betritt sie er ft wie- öer, wenn alles fertig ist. Der Wein ist von dieser Tafel verbannt und wird durch heiliges Wasser vom Ganges ersetzt, wovon unzählige Flaschen den Reisenden begleitet haben. Wenn der Maharadscha von Mysore den Wunsch hat, etwa einmal Mine­ralwasser zu trinken, so muß dieses Getränk vorher von emem Priester seiner Umgebung geweiht wer- öen. Der Herrscher darf nicht rauchen, auch kein Theater besuchen. In den von ihm bewohnten Raumen, wo goldgekleidete Hindus vor den Türen Wache halten, ist ein kleiner Tempel aufgebaut morben. Schwere Vorhänge verdunkeln den geheim­nisvollen Raum, wahrend Wände und Fußboden» ^ahl sind, ein geweihter Leuchter hängt von der Decke. In einer Nische schimmert die Statue der Göttin Chamundi, deren letzter unmittelbarer Nachkomme der Maharadscha selber ist..