Nr. 2(7 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 16. September 1936
Aus dem Reiche der Krau.
Llnser Nachkömmling.
Von Or. Eva Wendorff
Zunächst: Was ist eigentlich ein Nachkömmling? Unter einem Nachkömmling versteht man gewöhnlich ein in einer Ehe, in der bereits größere Kinder vorhanden sind, spät geborenes Kindchen. Es ist also ein Kind, das verhältnismäßig alte Eltern und keine gleichaltrigen Geschwister hat und das dadurch von vorn herein in eine etwas schwierige Situation hineingeboren wird.
In einem Kreis von Müttern interessiert nun vor allem die Frage: Was bedeutet ein solcher Nachkömmling für die Mutter, — und wie wird sie mit ihm fertig? — Es ist nicht das erste Kind — folglich hat die Mutter vor einer Erstgebärenden den Vorteil der körperlichen Vorbereitung voraus. Mag auch die letzte Geburt lange Jahre zurückliegen, die Organe waren schon einmal auf die Mutterschaft eingerichtet, die Geburtswege sind vorbereitet. Das späte Kind braucht also vor und während seiner Geburt keine größeren Schwierigkeiten zu verursachen, als sie sonst bei einem zweiten oder dritten Kinde vorliegen. Natürlich spielt es eine Rolle, ob die Mutter körperlich elastisch geblieben ist. Aber in unserer' Zeit ist ein Frau von 40 Jahren in den meisten Fällen noch genügend beweglich und widerstandskräftig. Körperliche Schwierigkeiten sind also normalerweise nicht zu befürchten.
Die weitere Frage ist die, wie die Mutter mit der Säuglingspflege fertig wird. Ihre früheren Erfahrungen hat sie meist verlernt oder vergessen; außerdem ist gerade in den letzten zehn Jahren so vieles anders geworden, daß man das einmal Gelernte kaum noch verwerten kann. Es heißt also: ganz neu lernen! Denn unvorbereitet und leichtsinnig kann gerade die ältere Mutter nicht an ihre verantwortungsvolle Aufgabe Herangehen. Sie kann es um so weniger, als sie diese Aufgabe im Gegensatz zu mancher jungen Mutter in ihrer vollen Bedeutung und Schwere erfaßt. Und in dieser seelischen Einstellung liegt wiederum eine der Schwierigkeiten, die der Mutter gerade mit der Geburt eines Nachkömmlings erwachsen, und die für gewöhnlich vorher unterschätzt werden. Die Mutter ist gegenüber ihrem Spätgeborenen vielfach überängstlich! Einmal hat wohl meist das Erlebnis der späten Mutterschaft stark auf ihre Nerven eingewirkt, infolge dieser Labilität ist sie unsicher und voller Sorge; sie sieht für ihren Liebling tausend Gefahren, die für die jüngere Mutter gar nicht -existieren. Ist sie auch körperlich noch elastisch, so ist sie seelisch bestimmt nicht mehr so widerstandsfähig wie die junge Frau; sie bringt es z. B. nicht fertig, ruhig weiter zu schlafen, wenn das Kind im Nebenzimmer schreit; sie kann auch nicht mehr des Nachts aufstehen und sich sofort wieder zu ruhigem Schlaf niederlegen. Sie kann auch nicht einfach auf diese oder jene als notwendig erkannte Pflegemaßnahme verzichten, nur weil diese im Augenblick sehr unbequem ist.
Die ältere Mutter muß also auf alle Fälle mit einem weit größeren Nervenverbrauch rechnen als die junge Frau. Um so mehr muß sie aber darauf bedacht sein, daß ihre Nervosität und Aengstlichkeit nicht schädlich auf das Kind wirken. Der kleine Erdenbürger darf nicht verzärtelt und verweichlicht werden; er soll wohl liebevoll umsorgt werden, darf aber nie. das Gefühl haben, daß sich alles im Hause um seine kleine Persönlichkeit dreht. Wenn er heranwächst, so muß. die Mutter sich weiter überwinden und das Kind an den Unternehmungen seiner Altersgenossen teilnehmen lassen, — auch wenn sie vielleicht überall Gefahren sieht, die für eine junge Mutter nicht existieren. So ist es für die Mutter keinesfalls leicht, einen Nachkömmling aufzuziehen: dafür erlebt sie aber vielleicht auch die Freuden der Mutterschaft intensiver als manche junge Frau. .
Der Vater des Nachkömmlings aber ist selbstverständlich stolz und glücklich und beschäftigt sich um so eingehender mit dem Kleinen, als er selbst reifer geworden ist. Wie aber stellen sich die älteren Geschwister zu dem kleinen Erdenbürger? Lehnen sie ab — sind sie vielleicht neidisch — furchten sie, in ihren Rechten verkürzt zu werden? Es ist die Aufgabe der Mutter, die älteren Kinder so zu behandeln, daß sie sich nicht vernachlässigt fühlen können — daß sie aber darüber hinaus zu lebendigem Interesse für den kleinen Erdenbürger gewonnen werden.
Auf jeden Fall: Das ganze Haus steht zunächst einmal Kopf — das ganze Leben ist umgewandelt, wenn der Nachkömmling da ist! Viel Sorge und Mühe, aber unendlich viel Freude bringt so ein Kindchen mit sich, und die wird vielleicht gerade in der älteren Ehe noch bewußter erlebt als bei ganz jungen Eheleuten.
Siadt-undLandfrauimWettstreit
Man redet es sich so gern ein, feiner hätte mehr zu tun als man selbst. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man sich damit selbst etwas bemitleiden kann, wenn es schon kein anderer macht. Ebenso darf keiner kommen, der uns beweisen will, daß seine Arbeit etwa wichtiger und bedeutender wäre als die unsere. So mag man es auch nicht ohne weiteres gelten lassen, wenn einem gesagt wird, d i e Frau a u f dem Lande hätte mehr zu tun, und ihre Arbeit sei besonders umfangreich und wichtig für die Allgemeinheit. Wir haben unseren Haushalt genau so zu führen, wenden wir ein. Zwar haben wir meist keinen Garten mehr zu besorgen auch nicht auf dem Acker mitzuhelfen oder Tiere zu betreuen, besitzen auch manche Vorzüge in der Stadt, unser Haushalt erfordert aber trotzdem viel Arbeit. In der Stadt wie auf dem Lande sind wir Mütter bestrebt, unsere Kinder zu tüchtigen Menschen zu erziehen, damit sie einmal sowohl der eigenen Familie wie der Gesamtheit etwas nützen Und gerade für uns Hausfrauen in der Stadt ist es notwendig, richtig zu wirtschaften, das Einkommen gut zu verwalten und richtige Einkaufs- und Vorratswirtschaft zu treiben. Mit Recht wird immer wieder darauf flirr gewiesen, wie ausschlaggebend auch in der Stadt die Hausfrauentätigkeit ist. Ist es also berechtigt, von der besonderen Wichtigkeit der Arbeit der Landfrau für die Allgemeinheit zu sprechen?
Keinesfalls soll und darf die Arbeit der städtischen Hausfrau herabgemindert werden. Jeder weiß, wie wichtig es ist, daß man sich auf ihre Wirtschaftlichkeit und ihre E i n ka u f sd i sz i p l i n
Eingemachte Herbstfriichte.
Es gibt wohl kaum einen Haushalt, in dem man nicht in den Sommermonaten einiges Obst für den Winter haltbar gemacht hat. „Genug", denkt so manche Hausfrau, wenn sie befriedigt ihre in Reih und Glied aufgestellten Gläser, Flaschen und Büchsen mit Vorräten betrachtet. Wirklich genug? Könnte man nicht noch dieses und jenes für die langen Winter- und Frühjahrsmonate brauchen? Würde sich nicht so mancher spätere Einkauf im Laden vermeiden lassen, wenn man mehr Selbsteingemachtes hätte? Was man in dieser Hinsicht im Sommer versäumt hat, kann man zum Glück noch im Herbst nachholen; auch er bietet uns noch genügend Möglichkeiten, Obst in der verschiedensten Form für den Winter zu konservieren. Vergessen wir dabei die Hauptsache nicht: die "Forderung „Kampf dem Verderb" galt ja nicht nur für die Sommermonate, sie gilt natürlich für das ganze Jahr und daher im gleichen Maße für den Herbst mit seinem reichen Erntesegen.
Zu den Früchten, die wir jetzt noch emkochen können, gehören verschiedene Apfel- und Birnen- sorten, Quitten, Ebereschen (in manchen Gegenden auch Vogelbeeren genannt), Hagebutten, Weintrauben. Selbst Tomaten und Kürbisse lassen sich in der Art von Früchten haltbar machen. Besonders zu empfehlen ist die Herstellung von Gelees und Marmeladen, da man das in dieser Form Eingemachte als Brotaufstrich, also als Butter- und Fettsparer verbraucht. Da die meisten Marmeladen mit gutem Zucker eingekocht werden, kann man sie außerdem als Geschmacksverbesserer fast allen Obstspeisen, -suppen und -tunken hinzufügen. Bei der Zubereitung von süßen Schichtgerichten, Auflaufen, Klößen, Pfannkuchen und anderem mehr find eingekochte Früchte jeder Art gleichfalls recht willkommen. Auch als Nachtisch bieten sich für Herbstfrüchte reiche Verwendungsmöglichkeiten.
Das Einmachen von Birnen und Aepfeln in der Form von Marmelade, Gelee oder haltbarem Kvmpött wird den meisten Hausfrauen bekannt fein.
verlassen kann. Daß aber die Arbeit der Landfrau gerade für die Allgemeinheit von so besonders großer Bedeutung ist, liegt in der Natur der Sache. Es ist nämlich nicht damit getan, daß die Landfrau em paar Gemüsebeete bepflanzt vdr das Viehzeug füttert, es geht vielmehr darum, daß sie durch ihre Arbeit mithilft, unsere Erzeugung an Nahrungsmitteln zu steigern, die uns allen zugute kommen. Nur durch ihre Mitarbeit war es möglich, in den letzten drei Jahren eine ganze Reihe entscheidender Erzeugungs st eigerungen zu erreichen und nur mit ihrer Hilfe wird es möglich fein, die noch vorhandenen Lücken auszugleichen. In ihre Hand ist es gegeben, die Erträge des Gartens, also des Gemüses und des Obstes, zu steigern, in ihren Händen liegt oft nicht nur die Geflügelzucht, die Grundlage unserer Eierwirtschaft, sondern auch die Ueberwachung des Kuh- und Schweinestalles. Von
ihr hängt es also mit ab, ob wir den für unsere Fett- und Fleischversorgung notwendigen leistungsfähigen und vergrößerten Viehbestand erreichen. Eine große Verantwortung aber ruht auf ihr auch als Kameradin und Mitarbeiterin des Mannes. Hier gilt es für sie, nicht abzuraten, nicht sich dagegen zu wehren, wenn er in seinem Betriebe manche Umstellung, manche Neuerung vornimmt, sich manche Arbeit aufbürdet, um die Erträge des Bodens und die Leistungen der Tiere zu steigern. An ihr ist es vielmehr, ihm dabei zu helfen, ja, wo er noch zögert, ihn mit Rat und Tat da zu bestimmen. Hinter ihrem gcmzen Tun muß immer der Gedanke stehen: Wir schaffen nicht nur für uns selbst, nicht nur für unsere Kinder, sondern für unser ganzes Volk. Das ist es, was der Tätigkeit der Landfrau ihren besonderen Sinn und ihre besondere Verantwortung gibt. H. O.
Mas sollen wir tragen?
PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS
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Für den H e r b st ist das dreiteilige Corn- p l e t aus dicker, haselnußbrauner Wolle gedacht.
Das Kleid mit Rollkragen, schrägen Taschen und dem angedeuteten Keulenärmel hat einen leicht glockigen Rock. Es wird im Rücken durch drei mittelgroße, mit Stoff bezogene Knöpfe geschlossen, die gleichen Knöpfe schließen auch auf einer schmalen Knopfleiste den Aermel.
An der I a ck e und am C a p e ist das kleine, ge
schweifte Stehbündchen angeschnitten. Schlingen und Knöpfe aus dem Kleidmaterial bilden den Verschluß.
Das hinten längere C a p e hat ebenfalls wie Kleid und Jacke leicht betonte Schultern.
Schuhe, Handschuhe, Tasche und die flache Mütze (rechts) sind aus dunkelgrünem Wildleder, der modische kleine Hut (Mitte) ist aus grünem Haar- filz. H.
Quitten verarbeitet man hauptsächlich zu Gelee, man-bereitet es auf die gleiche Art wie Apfelgelee zu. Man kann jedoch auch die ganzen ober geteilten Früchte einmachen, sowie Saft und Marmelade daraus Herstellen. Zur Marmelade rechnet man auf 500 Gramm gekochtes, durchgeschlagenes Fruchtmus 375 Gramm Zucker und einen Teelöffel Zitronensaft.
Auch aus Ebereschen läßt sich wohlschmeckendes Gelee kochen; man darf die Früchte jedoch erst im Spätherbst, nach dem ersten Frost ernten.
Das Einmachen von Hagebutten nimmt zwar wegen der Vorarbeiten, dem Entkernen der Früchte, viel Zeit in Anspruch, lohnt sich jedoch wegen der guten Haltbarkeit und des herb-würzigen Geschmackes dieser Früchte. Man kann Hagebuttenmarmelade Herstellen oder die geteilten und von den Kernen befreiten Früchte in der lauwarmen Ofenröhre trocknen lassen, um sie dann später zum Würzen von Suppen und Soßen zu verwenden.
Wenig bekannt ist bei uns, daß man auch Weintraub e n zu Gelee und haltbarem Kompott verarbeiten kann. Bei der Geleebereitung rechnet man, ebenso wie bei vielen anderen Gelees, die gleiche Gewichtsmenge Saft und Zucker. Zur Marmelade eignen sich besonders die blauen Trauben. Man gibt die Beeren (zwei Teile Beeren, ein Teil Zucker) in den geläuterten Zucker und läßt sie dick einkochen. Die auf der Oberfläche schwimmenden Kerne werden während des Kochens entfernt. In der aus»
Kürbis ist gleichfalls vorzüglich zum Einmachen geeignet. Da Kürbis etwas weichlich schmeckt, macht man ihn zweckmäßig mit Essig ein. Zur Marmeladebereitung läßt man die fertig geschnittenen Kürbisstücke vor der weiteren Verarbeitung vierundzwanzig Stunden mit Essigwasser übergossen stehen. Auch bei Kürbismarmelade rechtnet man die gleiche Menge Zucker und Fruchtstücke. Es lohnt sich auch einmal die Herstellung von Gelee oder Marmelade aus T o m a t e n zu versuchen. Während man für die Geleebereitung reife, aber nicht zu weiche Früchte nimmt, kann man zum Kochen von Marmelade auch die weichen Früchte verwenden.
Frau und Wohnung.
Von Gertrud Burath.
In wessen Erinnerung lebt er nicht, der Dust, der einen umfing, wenn man zum alten Onkel und zu der alten Tante oder zu Großvater und Großmutter zu Besuch kam? Konnte man sich die alten Leutchen vorstellen ohne diesen unbestimmten Duft? War es nun Lavendel, der dem Wäscheschrank entströmte, war es der Duft von Großvaters Tabak, der an Backpflaumen erinnerte, oder war es der Duft der in der Ofenröhre schmorenden Aepfel. Was kam es darauf an! Es war eben der Duft aus Großvaters und Großmutters Wohnung. Und es war nicht bloß der Duft, der sich uns so eingeprägt hat, es war ein gewisses Etwas, das wir nicht zu bezeichnen vermöchten, es war etwas Unerklärbares, ein Hauch, ein Dunstkreis, ja eine Atmosphäre, die es nirgends anders gab, als eben nur bei ihnen. Und das war schön so; es sollte sie nirgends geben, als nur bei den Großeltern, sonst wäre es ja nur eine Luft gewesen wie jede andere und keine besondere und einzigartige. Es war nicht nur ein Duft, eine Atmosphäre, es war schlechthin ein Zauber, der uns in Bann schlug, daß wir ihn unser Leben lang nicht vergessen werden. — Und glücklich die Kinder und Kindeskinder, die diesen Zauber zu spüren bekamen, die von ihm gefangen genommen worden sind! —
Keineswegs gehört aber solch ein Zauber nur der Vergangenheit an, ist er nur den Großeltern eigen; er lebt noch heute in unserer schnellebigen Zeit, nur ist er anders geworden, wie wir ja selbst auch anders geworden sind. Die fortschreitende Erkenntnis auf hygienischem Gebiet hat uns gelehrt, Licht und Luft als wichtige Lebensfaktoren anzusehen; wir sperren sie nicht mehr ab, sondern gönnen ihnen vollen Zutritt zu unseren Räumen, so daß von einem „Duft" der Wohnung im Sinne der großelterlichen Zeit kaum noch die Rede sein kann. Aber trotz dieses Mangels, der ja doch kein Manges sondern eher ein Vorzug ist, bleibt ein Zauber, ein einzigartiger Zauber in jeder Wohnung, die nicht nur eine seelenlose Zusammenstellung von Möbeln ist, sondern, wie ihr Anblick verrät, ein belebtes Ganzes, das eine Aufgabe, einen Zweck erfüllt, wie ein denkendes Wesen. Solch eine Wohnung trägt auch heute noch den besonderen Stempel, den ihr die Menschen aufdrücken, die in ihr wohnen und werken. Und das tut in erster Linie d i e Frau. In ihrer Wohnung ist sie Herrscherin und Dienerin zugleich; sie ist es, die die Wohnung bequem, zweckentsprechend, behaglich gestaltet oder sie zu Kälte und Ungemütlichkeit verdammt, je nach Größe oder Kleinheit des eigenen Gefühlslebens. Es ist nicht gleichgültig, ob ein Stuhl auf diesem oder jenem Fleck steht, ob ein Kissen so oder anders liegt, es ist nicht gleichgültig, ob ein Gegenstand einen erfreulichen Farbtupfen ins Ganze trägt oder ob er sozusagen aus dem Rahmen springt in seiner eigenwilligen Besonderheit. Eines muß zum andern passen, es muß sich einfügen zu einem geschlossenen Ganzen, dann wird es ein harmonisches Bild geben, das keineswegs gestört wird, wenn da und dort Spuren der Arbeit zu finden sind, die in der Wohnung verrichtet wird. Eine vffenstehende Näh- oder Schreibmaschine, Schere und Fingerhut am Fensterplatz, ein aufgeschlagenes Buch auf der Chaiselongue, eine stehengebliebene Tasse, sie sind nicht immer Unordnung; es schadet durchaus nicht, wenn das Mienenspiel der Wohnung durch solche Kleinigkeiten etwas lebhafter wird, die Atmosphäre bleibt dessen ungeachtet die gleiche. Glücklich die Familie, die in einer Wohnung zu Hause ist, die Frieden, Ruhe und Freundlichkeit atmet und die verrät, daß in ihr eine Frau schaltet und waltet, die ihre Aufgabe mit Verständnis und freudigem Herzen erfüllt
Seid gut zu den Tieren!
Von Genta Neckel.
Der Schutz des Tieres, das als stumme Kreatur sich nicht gegen die Quälereien der Menschen wehren kann, ist im Dritten Reich erheblich verstärkt worden. Immer weiter greift der Gedanke um sich, daß der Mensch verantwortlich ist für das Wohlergehen, für die Pflege und Hege der Tiere. Das Reichstierschutzgesetz wird immer weiter ausgebaut und vervollkommnet. Aber was nutzt das Gesetz, wenn es, ach so oft, aus Gleichgültigkeit nicht beachtet wird? Die Tiere können nicht selber kommen und anklagen, das Auge des Gesetzes aber kann, bei bester Organisation, nicht überall in jedem Augenblick dabei sein! Immer und immer wieder ruft der Reichstierschutzbund, der seine Zentrale in Berlin, Großbeerenstraße 68, hat, alle Volksgenossen zur Mitarbeit auf.
Dar allen Dingen wollen wir uns heute an die Frau wenden, denn mindestens zu 50 v. H. ist die Pflege der Tiere der Frau anvertraut. Nicht nur die Pflege der Tiere, auch die Verantwortung in vielen anderen Fragen, die mit dem Tier Zusammenhängen, ist in Frauenhand gelegt.
Frauen haben ein mütterliches Herz, sie haben das Bedürfnis, zu hegen und zu pflegen. Empört würde sich wohl jede Frau gegen denjenigen wenden, der vor ihren Augen ein Kind mißhandelt. Aber wie oft geht sie achtlos vorbei, wenn ein Pferd geschlagen wird, wenn einen Hund das zu enge Halsband würgt oder ein Vögelchen sich die Flügel im zu kleinen Käfig wund stößt. „Mir gehört das Tier ja nicht — ich kann mich nicht um alles kümmern!" Da hat eine Siedlersfrau gehört, daß auf dem Nachbargrundstück die Kaninchen in finsteren, feuchten Ställen untergebracht sind. „Ich mische mich nicht in die Dinge meiner Nachbarn — ich verbitte mir ja auch, daß sie sich in meine Sachen mischen!" Bei dieser Ausrede bleibt es — und die armen Kaninchen können zu Grunde gehen! Sv darf es nicht sein! Die Gleichgültigkeit ist der schlimmste Feind des Tierschutzgesetzes. Die Frau, die vielleicht zu Hause ihren Hund liebevoll betreut, die es nie vergißt, dem Vögelchen frisches Wasser zu geben und es vor Zugwind zu schützen, sieht es ruhig mit an, daß der Vogelkäfig der Nachbarn im eisigen Zugwind steht! Es ist ja nicht immer böse Absicht, sehr oft ist es nur Unachtsamkeit, und die gefürchtete „Einmischung" wird dann sogar dankbar begrüßt. Wer ein Tier hält, hat die Pflicht, es sachgemäß zu pflegen — und nicht so, wie es ihm gerade paßt.
Die Frau ist die Herrscherin in der Küch e. Auch hier sollte sich bie( gewissenhafte Hausfrau das


