Ausgabe 
16.5.1936
 
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schuhes zu symbolisieren. Die Zeil der Rivaliläk zwischen den verschiedenen Organisationen müsse seht zu Ende sein. Bei allen Veranstaltungen der Vaterländischen Front werde künftig im Anschluß an die bisherige Bundeshymne das Dollfuß-Lied gesungen werden müssen, das somit zur zweiten Nationalhymne erhoben wird.

Schuschnigg erklärte, innenpolitisch und außen­politisch werde sich nichts ändern. Die rö­mischen Protokolle seien nach wie vor die Grundlage der österreichischen Politik. Oesterreich wolle aber darüber hinaus mit allen in Frieden und Freundschaft leben, die seine Freund­schaft wollten und zu achten bereit seien. Um Starhembergs Verdienste um die Vaterlän­dische Front zu würdigen, werde er ihm das Pro­tektorat über das Mutterschutzwerk der Vaterländischen Front anbieten.

Der Heimatschutz zum Ausscheiden Starhembergs.

Wien, 15. Mai. (DNV.) Das Blatt des öster­reichischen HeimatschutzesDer H e i m a t schützer" bringt einen Leitartikel unter dem TitelD e r Führer wieder b ei un 5", in dem u. a. ge­sagt wird:Es wird begeistert begrüßt, daß Fürst Starhemberg die staatliche Würde abge­legt hat, um sich voll und ganz der Führung des österreichischen Heimatschutzes widmen zu können. Gerade in einer Zeit, in der entscheidende Maß­nahmen für den Aufbau des neuen autoritären und ständischen Oesterreichs notwendig sind, ist der geistige Motor für die Aktionen, den der Heimatschutz darstellt, unentbehrlich und die ungebundene Kraft des Führers eine Voraussetzung für das Gelingen des Werkes. Der Heimatschutz hat noch wichtige Aufgaben vor sich, die in der Durchführung des Dollfuß-Pro­gramms gegeben sind. Darüber zu wachen, daß die Entwicklung rechtzeitig und hundertprozentig vor sich gehe, ist die Aufgabe des Heimatschutzes."

Man könne es begreifen, erklärt das Blatt wei­ter, daß es für den Bundesführer unter Umständen eine Belastung dargestellt habe, an 0 e r - antwortlicher^Stelle 1 m Staate zu stehen, wenn der Kurs nicht immer die notwendige Klarheit aufgewiesen habe. Dadurch sei es möglich geworden, daß sich demokratische Tenden­zen im alten Parteisinne breitmachen konnten, die im neuen Oesterreich und in der Verfassung keine Grundlage hätten. Auch der Dualismus in der Führung des Landes habe manche Schwie­rigkeiten zur Folge gehabt., da es sich um zwei Persönlichkeiten handele, deren Prägung und Cha­rakter ein abgeschlossenes Ganzes bildeten.

Oer neue Landwirtschastsminister.

Wien, 15. Mai. (DNB.) Wie amtlich bekannt­gegeben wird, wurde der Präsident der oberösterrei- chischen Landes - Landwirtschaftskammer, Peter Mandorfer, zum Bundesminister für Land - und For st wirtschaft ernannt.

Das Recht sichert die Kultur.

Auftakt zum Deutschen Juristentag.

Leipzig, 16. Mai. (DNB.) Am Vorabend des Deutschen Juristentages veranstaltete die Stadt Leipzig in der Wandelhalle des Rathauses einen Empfang. Der Thomaner-Chor unter Leitung seines Cantors Prof. D. Dr. Straube gab der Feierstunde mit dem Pater Rosier für zwei Chöre von Hans Leo Haßler den festlichen Aufklang. Oberbürgermeister Dr. Gördeler wies auf die vielfachen Beziehungen hin, die die Stadt Leipzig mit dem deutschen Recht verbinde.

In seiner Erwiderung betonte der Reichsjuristen- führer Reichsminister Dr. Frank, Leipzig als Sitz des höchsten deutschen Gerichtshofes biete den zweck­mäßigen äußeren Rahmen für die Veranstaltungen der Juristentage.Diese Verbindung ist zugleich ein Ausdruck dafür, daß wir Nationalsozialisten in unserem stürmischen Dorwärtsdrang zu neuen Formen des deutschen Gemeinschaftslebens, des Volks- und Staatslebens die überkommenen Werte der besten deutschen Tradition im Auswachsen-Las­sen einer neuen Tradition als in weitem Bereiche zweckmäßiger Fundamentierung anerkennen. Sodann dankte der Minister dem Thomas-Cantor und seinen jungen Sängern im Namen der Reichsregierung und der NSDAP, dafür, daß sie das hohe K u l t u r s ch a f f e n des deutschen Volkes in so würdiger Weise zum Ausdruck bringen. Das Recht sei nur wahr, wenn es imstande sei, einem Volke seine Kulturwerte sicherzustellen.Mehr kön­nen wir als Nechtswahrer niemals erreichen, als daß ein Volk diese Kultursicherung findet. Daß wir aber, schloß Dr. Frank unter stürmischem Beifall, in einer solchen Feierstunde a u f einer Insel des Friedens inmitten einer Welt des Hasses und des Aufruhrs den hohen Kulturwerten unseres deutschen Menschtums dienen dürfen, das ist das Geschenk, das uns der Ewige durch un­seren Führer gegeben hat."

Ehrung des ersten Blutzeugen der deutschen Rechtswahrer.

München, 15. Mai. (DNB.) Der Deutsche Ju­ristentag 1936 wurden in der Hauptstadt der Be­wegung feierlich eingeleitet mit einem Gedächtnis­akt für den nationalsozialistischen Freiheitskämpfer Th odor von der Pfordten, der anläßlich der letzten Gautagung vom Reichsminister Dr. Frank zum Heros der deutschen Rechts- front erklärt wurde und dessen Gedenktafel im Lichthof des Justizpalastes in München auch den künftigen Generationen der deutschen Rechtswahrer ewiger Mahner sein wird. Am Donnerstag legte eine Abordnung des Bundes NS.-Juriften Mün­chen-Oberbayern an der Gedenktafel einen großen Lorbeerkranz nieder. Dem Gedächtnisakt folgte am Freitagvormittag ein Heldengedenken in dem Ehrentempel. Reichsminister Dr. Frank legte einen Kranz nieder und wies dabei darauf hin, daß ohne das Opfer dieser Männer das neue Reich nicht hätte aufgebaut werden können.

Ernennungen beim Volksgerichtshof.

Berlin, 15. Mai. (DNB.) Der Volksgerichts­hof ist durch das jüngst erlassene Gesetz ordent­liches Gericht geworden. Der Führer und Reichskanzler hat nun auf Vorschlag des Reichs­ministers der Justiz, Dr. Gürtner, ernannt: Zum Präsidenten des Volksgerichtshofes den Vize­präsidenten des Reichsgerichts, Staatsminister.- Oberführer Dr. Thierack; zu Senatspräsi­denten beim Volksgerichtshof den Ministerialrat im Reichsjustizministerium SS.-Sturmbannführer Engert und den Senatspräsidenten beim Ober-

SA.-Oberführer Dr. Thierack

Präsident des Volksgerichtshofes. (Scherl-M.) landesgericht Dr. Springmann; zu Volks­gerichtsräten: die Landgerichtsdirektoren Schauwecker, Lämmle, Hartmann, Dr. Koehler, Dr. Albrecht und Jenne; zum Reichsanwalt beim Volksgerichtshof den Reichsanwalt Jorns; zu Oberstaatsanwälten beim Volksgerichtshof die Oberstaatsanwälte Eichler und Parifius. Ferner hat der Führer und Reichskanzler auf Vor­schlag des Reichsministers der Justiz, Dr. Gürtner, den Senatspräsidenten beim Oberlandesgericht, B r u n e r, der feit längerer Zeit vertretungsweise

die Geschäfte des Präsidenten des Volksgerichtshofes führt, zum Vizepräsidenten des Reichs- g e r i cy t s ernannt.

Oer Reichsbauernrat in Heilbronn.

Auf ihrer Besichtigungsfahrt durch Württemberg fuhren die Mitglieder des Reichsbauernrates über Ingelfingen nach dem Hof des Landesbauernführers Arnold, dem Bühlhof, wo die Gäste das Mittag­essen einnahmen. Reichsminister Darrs wies auf die harte Arbeit hin, die in den Höfen des hohen- lohefchen Landes geleistet werde. Es wurden dann die aus dem Bauernkrieg bekannten Orte Schön- t a I und Berlichingen besucht. Gegen 19 Uhr traf Reichsbauernführer Darre auf dem festlich ge­schmückten Marktplatz von Heilbronn ein. Im Rathaussaal begrüßte Oberbürgermeister Gültig den Reichsbauernrat. Stabsleiter K i n f e l e n sprach über die Reichsstadt Heilbronn im Bauern­kriege. Anschließend überreichten drei Mädchen dem Reichsbauernführer Darre einen Pokal Heilbronner Weines. Reichsbauernführer Darre dankte für den überaus freundlichen Empfang und führte u. a. aus: In Heilbronn habe die Schulungsfahrt ihr Ende gefunden. Wenn sich der Reichsbauernrat heute in einer Stadt befinde, in der ein Wende- l i n Hipler zum erstenmal glaubte, einen Reichs­bauernrat schaffen zu können, dann sei das ein sicheres Zeichen dafür, daß eine neue Epoche ein­geleitet worden sei. Daß alles dies Wirklichkeit wer­den konnte, sei nur möglich geworden durch den langen Kampf des Nationalsozialismus. Das Bauerntum werde für immer der Kernpunkt des Nationalsozialismus bleiben. Der Mann, der am Anfang des Nationalsozialismus steht, stehe auch am Anfang des deutschen Bauerntums: Adolf Ritter. Das Horst-Wessel-Lied schloß die kurze Feierstunde. Anschließend fand auf dem Marktplatz die Aufführung des FestspielsGötz von Berli­chingen in Heilbronn" statt.

Der neue Kurs in Frankreich kündigt sich an

Paris, 16. Mai. (DNB. Funkspruch.) Zur Feier ihres Wahlsieges veranstaltete die sozialistische Partei eine große Kundgebung, auf der General­sekretär Paul Faure sich gegen eine D e - flationspolitik wandte, die zur Zerstö - rung des Wohlstandes und zu einer allge­meinen Verminderung des Verbrauches führen würde. Die sozialistische These hingegen be­stände darin, den Verbrauch und den Wohlstand im gleichen Maße zu heben, wie der allgemeine Reichtum sich entwickle. Mit der Einschränkung, daß er nicht im Namen der neuen Regierung spreche, führte Paul Faure eine Reihe von neuen Maß­nahmen an, die zur Verminderung der Ar­beitslosigkeit ergriffen werden müßten. Fi­nanziert werden müsse dieser Plan durch einen Aufruf an öie Sparer. Sollte dieser Appell nicht gehört werden,, habe man das Recht, zur allgemeinen Mobilisierung des K a - p i t a l s zu schreiten. Wenn man von den Men­schen verlange, daß sie ihr Leben zur Verteidigung ihres Landes opferten, warum dann nicht die glei­chen Mittel gegen das gefühllose Kapital anwenden! Die außenpolitische Linie der Partei faßte er in den Worten zusammen:Für uns geht der Weg des Friedens über Gen f."

Leon Blum wandte sich gegen die vielen Ge­rüchte über die Zusammensetzung der neuen Re­gierung. Niemand wisse wie die Regierung von morgen aussehen werde, denn er wisse es selber nicht. Die Aufgabe der neuen Regierung werde fein, alles zu tun, was die soziale Gerechtig­keit erfordere. Man dürfe versichert fein, daß es gelingen werde, durch diese Bemühungen zur neuen Gesellschaft zu gelangen. Das Land wolle eine Veränderung. Man könne versichert sein, daß Aen- berungen kommen würden.

Auf einem Essen desAmerican Club" erklärte Leon Blum, Frankreich wolle mit allen Völkern der Welt in Frieden leben, ganz gleich, nach welchen Grundsätzen die Völker ihre Innenpolitik regelten. Frankreich sei bestrebt, in seinem Verhältnis zu allen Nationen die Ursachen von Streitig­keiten zu beseitigen, aus denen eines Tages kriegerische Verwicklungen erwachsen könnten. Wir wollen in Frieden mit allen Völkern, die guten Willens sind, Zusammenarbeiten und wir schließen die Idee eines Propagandakrieges und die Idee eines Nepressivkrieges vollkommen aus. Auf seine jüdische Abstammung eingehend, erklärte er, daß er niemals verheimlicht habe, einer Rasse anzugehören, die der französischen Revolution Freiheit und Gleich­

heit verdanke. Europa müsse von der Besessenheit einer Kriegsmöglichkeit befreit werden. Die inter­nationale Gemeinsamkeit müsse wieder hergestellt werden. Nicht nur auf politischem Gebiet, sondern auch auf dem Gebiet der Wirtschaft müsse die euro­päische Solidarität geschaffen werden. Diese wirt­schaftliche Wiedergeburt Europas und der Welt be­deute erst die wirkliche Sicherheit und damit die Befreiung von dem Kriegsgedanken.

Eden bei Lson Vlnm.

Paris, 15. Mai. (DNB.) Der englische Außen­minister Eden stattete auf der Durchreise dem Außenminister F l a n d i n einen etwa einstündigen Besuch ab. Anschließend begab sich Eden zu dem Sozialistenführer Leon Blum.Daily Telegraph" schreibt, diese Aussprachen bestätigten den Eindruck, daß die Regierung Blum mehr als das gegen­wärtige Kabinett geneigt sein werde, eine starke Völkerbundspolitik zu unterstützen. Blum werde jedoch nicht in der Lage fein, die Initiative dabei zu ergreifen. Blum soll den Führer der briti­schen Arbeiterpartei, A 111 e e, bei seinem Besuch in Paris davon verständigt haben, daß die neue französische Regierung nicht in der Lage sein werde, in irgendeiner Art mit der Regie­rungsopposition in London zusammen zu arbeiten.

Der Pariser Korrespondent derTime s" will jedoch melden können, daß Eden mit Flandin über das abessinische Problem, die Arbeitsweise des Völkerbundes und die Lage im Rheinland gespro­chen habe. Eden sei durchaus befriedigt gewesen. Man halte es für möglich, in den europäischen An­gelegenheiten wenn auch nicht mit Ruhm, so doch ohne Katastrophe in ein ruhigeres Fahr­wasser zu kommen. Insbesondere bestehe kein Grund für das Gerücht einer noch ernsteren Mittel­meerkrise infolge der Aufrechterhaltung der Sank­tionen gegen Italien. Vom englischen Gesichtspunkt aus werde die militärische Lage im Mittelmeer keineswegs als besorgniserregend betrachtet. In Frankreich werde bestritten, daß über einen neuen Mittelpakt, den Großbritannien, Frankreich, Italien und andere Mittelmeermächte angehören sollen, ver­handelt werde. Dieser Vorschlag bilde einen Teil des französischen Friedensplanes, aber der Gedanke, daß er gesondert und sofort besprochen wer­den solle, habe seinen Ursprung in Rom und sei über London nach Paris gelangt.

Umbildung des polnischen Kabinetts.

Keine Veränderung des außen- und finanzpolitischen Kurses.

Warschau, 15. Mai. (DNB.) Die Regierung K 0 s c i a l k 0 w s k i hat dem polnischen Staats­präsidenten ihren Rücktritt erklärt. Staats­präsident Moscicki hat den General S k l a d k 0 w - s k i mit der Neubildung der Regierung beauftragt. Voraussichtlich wird öie neue polnische R e - gierung wie folgt zusammengesetzt fein:

Ministerpräsidium und Inneres: General Sklad- k 0 w s k i (bisher zweiter Staatssekretär im Kriegsministerium),

Aeußeres: Beck,

Finanzen: Kwiatkowski,

Soziale Fürsorge und Arbeit: Koscialkow- s k i (bisher Ministerpräsident),

Handel und Industrie: Roman (bisher zweiter Unterftaatsfefretär im Ministerium für Aeu­ßeres),

Justiz: Staatsanwalt Grabowski.

Die übrigen Ministerposten bleiben voraussichtlich unverändert. General Skladkvwski hat in den Regierungen des Marschalls Pilsudski in sechs Kabinetten in der Zeit von 1926 bis 1933 das Amt des Innenministers geführt. Er gilt als ein Mann der starken Hand und energischen Entscheidungen.

In politischen Kreisen wird darauf hingewiefen, daß der Regierungswechsel der Gepflogenheit ent­spreche, nach Abschluß der Haushaltstagung des Parlaments die Regierung unter Berücksichtigung der jeweils für die nächste Periode, vordring­lichsten Fragen umzubilden. Unter diesem Ge­sichtspunkt darf man also aus der Ernennung des Generals Skladkowfki, der in vielen Kabinetten des Marschalls als energischer Innenminister bekannt geworden ist, folgern, daß als das vordringlichste eine stark e H and im Innern gilt, um allen radikalen Strömungen von links und rechts ent­gegenzutreten. Die Zusammensetzung des neuen Ka­binetts läßt erkennen, daß sowohl die außen- p 01 i t i f ch e wie die f i n a n z p 0 1 i t i s ch e L i n i e

der Regierung unverändert bleiben werde. Die innerpvlitischen Spannungen, zu deren Ueber- windung das neue Kabinett berufen fein wird, sind einerseits in der Entwicklung der Wirtschaftslage begründet, die letzthin zu den Devisen­beschränkungen und entsprechenden Maß­nahmen auf dem Gebiet des Handels geführt haben. Andererseits haben die von kommunistischen Hetzern veranlaßten Arbeitslosenunruhen, welche u. a. in Krakau und Lemberg zu blutigen Zusam­menstößen geführt haben, die Frage energischer Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit in den Vor­dergrund geschoben.

Warschauer preffesiimmeu.

Warschau, 16. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Wechsel in der Regierung hat in der polnischen Oeffentlichkeit überrascht. Die Presse des Re­gierungslagers begrüßt durchweg die Bildung der Regierung Skladowskis als Zeichen dafür, daß man sich zu energischen Maßnahmen auf dem Gebiet der inneren Politik entschlossen habe, um Ruhe und Ordnung im Lande zu sichern, als wichtigste Voraussetzung für eine günstige wirt­schaftliche Entwicklung und für die von allen Seiten im Hinblick auf die internationale Lage geforderte Stärke der Wehrfähigkeit des Staates. Bei der Opposition der Rechten und der Linken stößt das neue Kabinett auf schärfste Ablehnung. Gazeta Polfka" schreibt, die innerpolitische Lage habe in den letzten Monaten Beunruhigung er­wecken müssen. Die soldatische und politische Ver­gangenheit des neuen Ministerpräsidenten berech­tige zu der Ueberzeugung, daß er die undankbare Ausgabe auf diesem schwierigen Gebiet meistern werde.Expreß Poranny" begrüßt in General Skladkowski den Mann der Tat, dem Marschall Pilsudski immer die schwierigsten Aufgaben über­tragen habe. Kühne Entscheidungen,

starke Taten und feste Hand seien das, was Polen in der jetzigen wirtschaftlichen und innen­politischen Lage brauche.

DerKurjer Poranny" lehnt alle Vermutungen ab, daß der Grund des Regierungswechsels in Per­sonalfragen zu suchen sei. Der Grund für die Neu­bildung des Kabinettes fei in dett inneren Verhält­nissen des Landes zu suchen, auf dem Hintergrund der europäischen Entwicklung. Die polnische Oeffent­lichkeit sei sich darüber klar, daß die Welt einen aus­gesprochen kriegerisch gestimmten Zeit- ab schnitt durchlebe, in dem Gewalt vor Recht gehe. Der Volksinstinkt dränge von dieser Lage aus auf eine Stärkung der Wehrhaf- tigkeitPolens und auf eine innere P 0 Ioni­sierung. Das wesentliche des Regierungswechsels liege nicht im Wechsel der Namen, sondern in der Tatsache, daß ein Soldat in Uniform an öie Spitze öer Regierung gestellt rooröen sei. Die Uniform öes Ministerpräsidenten zeige öas Programm öer neuen Regierung. Das national» öemokratische Hauptorgan, öerD z i e n n i k N a - r 0 d 0 w y" beöauert, öaß öas bisherige System auch jetzt unoeränöert bleibe und gibt zugleich der Mei­nung Ausdruck, daß General Skladowfki die na­tionale Opposition bekämpfen werde. Vielleicht sei dieser Gedanke das Motiv des Regie­rungswechsels.

Wo Amerika feinen Goldschatz hütet.

FortKnox.dicBurg ausStahl undCiscnbcton

Neuyork, 15. Mai. Der Bau des Fort Knox im Staate Kentucky nähert sich der Vollen­dung. In diesem Fort soll mehr als öie Hälfte öes amerikanischen Goldschatzes über sechs Milliarden Dollar untergebracht wer­den. Schon seit Jahr und Tag haben die großen Federal-Reservebanken begonnen, Teile ihres Gold­schatzes aus den Küsten st ädten in das Innere des Landes zu bringen. Dann be­gann die amerikanische Regierung eine Anlage zu bauen, die gegen eventuelle Ueberfälle der stärksten Gangsterbanden und sogar feindlicher Armeen ge­sichert sein soll.

Abseits von den großen Verkehrsstraßen liegt das Fort von einer Garnison bewacht, die aus Infan­terie-, Kavallerie- und Artillerieabteilungen zusam­mengesetzt ist. Es ist mit den modern st en" technischen Sicherungen ausgerüstet. Da­zu gehörte eine Vorrichtung, die es erlaubt, den Goldschatz unter Wasser zu setzen, wie dies in ähnlicher Weise bei öer Bank von Frankreich öer Fall ist. lieber den unterirdischen Gewölben er­heben sich als sichtbarer Teil der Festung zwei in­einandergeschachtete Türme aus Stahl und Eisenbeton. Der äußere Turm hat einen Um-, fang von etwa 30 Meter im Quadrat; der innere, doppelt so hoch wie der äußere, mißt 15 Meter im Quadrat. An den Ecken sind kleine Geschütz- türme angebracht. Die Festung gleicht nach außen hin einer mittelalterlichen Burg. Der Goldschatz soll in zwei Monaten in fünfzig . schwer bewachten Panzerzügen nach dem Fort Knox gebracht werden.

Neugliederung des Auswärtigen Amtes.

Berlin, 15. Mai. (DNB.) Die schon seit länge­rer Zeit geplante Reorganisation des Auswärtigen Amtes wird im Laufe des Monats Mai durchgeführt. Die neue Gliederung des Auswärtigen Amtes wird äußerlich der Vorkriegsorgani­sation der Behörden insofern ähneln, als die Bearbeitung der politischen Angelegenheit in einer geschlossenen politischen Abteilung und die der gesamten wirtschaftlichen Fragen in einer Wirtschaftsabteilung erfolgen wird. Der Ausgangspunkt der Reorganifatton ist in der in Öen Nachkriegsjahren eingetretenen Verschie­bung öes Aufgabenkreises öes Außen­ministeriums zu suchen. Die bisher bestehenöen Dreilänöer-Abteilungen, in denen so­wohl die politischen, wie auch ein Teil der wirt­schaftlichen Angelegenheiten öer betreffenden Län­dergruppen bearbeitet wurden, werden nun in eine einzige unter einem Ministerialdirektor stehende politische Abteilung zusammengefaßt. Die Abteilung, die künftighin nur öie politischen Fragen zu bearbeiten haben roirö, gliedert sich in eine europäische und eine außereuro­päische Gruppe, an deren Spitze je ein Ge­sandter fleht. Durch diese Neuregelung wird u. a. erreicht, daß die Bearbeitung der die großen euro­päischen Länder England, Frankreich und Italien betreffenden politischen Fragen künftighin in einer Hand sind.

Besonders bervorzuheben ist entsprechend den veränderten Ausgaben die Schaffung einer stark ausgebauten Wirtschaftsabteilung, bei der die Bearbeitung der gesamten wirtschaftlichen Fragen zusammengefaßt ist, die den gesteigerten Anforderungen der Gegenwart entspricht und als Mittler zwischen den deutschen Wirtschaftsressorts und den fremden Regierungen und Interessenten zu dienen hat.

Der Mörder des Truppführers Ehrenbera zum Tode verurteilt.

Halle, 15. Mai. (DNB.) Das mitteldeutsche Sondergericht verurteilte den mehrfach vorbestraf­ten Walter Gelbke zum Tode. Gelbke batte am Abend des 3. Mai in Staßsurt-Leopoldsball den SA.-Rottenführer Felix Ehrenberg durch einen Pistolenschuß in die Bauchhöhle getötet. Gelbke und imei Komplizen waren am Sonntag im Begriff, Diebesgut, das aus einem Einbruch herrührte, meg- zufchaffen. Dabei trat ihnen ein Volizeibeam- t e r in den Weg. Da G"lbke den Beamten hart be­drängte und mit einer Pistole bedrohte, rief ö i e- feröen S A. - M a n n Ehrenberg zu Hilfe. Ahrenberg ging w't d"m Beamten sofort auf den Nerbrecher zu. Plötzlich schoß Gelbke und Ehrenberg brach schwer verletzt zusammen. Gelbke konnte sväter festgenommen werden. Ehrenbera ist nach einigen Tagen im Staßfurter Krankenhaus, nachdem ihn kurz vorher Gruppenführer Kob noch auf dem Krankenlager wegen seiner mutigen und entschlossenen Haltung zum Truppführer befördert hatte, der schweren Verletzung erlegen.

kleine politische Nachrichten

Der Außenminister von Guatemala hat dem Generalsekretär des Völkerbundes mitgeteilt, daß feine Regierung beschlossen habe, aus dem Völ­te r b u n d e auszutreten. Der Austritt wird mit wirtschaftlichen Rücksichten und mit der geringen Anpassungsfähigkeit des Bundes gegenüber ameri­kanischen Angelegenheiten begründet. Den Ausschlag