Ausgabe 
16.5.1936
 
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wie

Die chinesischen Geezölle

Aus aller Welt

mit

die aus

Am einem boot führt.

Neues Dornier-Flugzeug für den Transozeanluflverkehr.

dürfte jedoch das Scheitern der Bemühungen des Völkerbundes im italienisch-abessinischen Streitfall gegeben haben.

Der Führer besuchte in der Universitäts-Ohren­klinik München seinen alten Fahrer SS.-Brigade- führer Julius Schreck, der an den Folgen einer Kieferhöhlenentzündung schwer erkrankt ist.

Sängertag

des Deutschen Sängerbundes in Hamburg.

Der diesjährige Sängertag des Deut­schen Sängerbundes, der Tausende deutscher Sänger in Hamburg vereint, nahm mit einem Empfang der führenden Persönlichkeiten des Bun­des beim hamburgischen Senat seinen Anfang. Bei dem Empfang hieß Senator v. A l l w o e r d e n die Gäste willkommen. Der Bundesführer des Deut­schen Sängerbundes, Oberbürgermeister M e i st e r (Herne) unterstrich die gewaltige nationale und kul­turelle Aufgabe, die von den deutschen Sängern erfüllt werde. Reichskultursenator Pg. Jhlert überbrachte die Grüße und Wünsche des Präsiden­ten der Reichsmusikkammer. Die Aufgabe des Deut­schen Sängerbundes sei es, für die deutsche Kultur, das deutsche Lied und für das Deutschtum über­haupt im In- und Auslande die Sprache zu pfle­gen, die allen Völkern unseren Geist der Friedens­liebe vermittle. Der Deutsche Sängerbund wird im nächsten Jahre 75 Jahre bestehen und dieses Gedenkjahr mit einem großen Sängerbundstag in Breslau feierlich begehen. Der Vorbereitung dieses

Ereigniffes gelten insbesondere die mit dem Ham­burger Sängertag verbundenen Beratungen.

Jlcuer Goldfchmiede-Dettbewerb.

Die Deutsche Gesellschaft für Goldschmiedekunst, Berlin, schreibt in Gemeinschaft mit der Kunstschau der Böttcherstraße zu Bremen einen Wettbe­werb für schaffende Goldschmiede aus. Als Aufgabe ist die Schaffung eines goldenen Lie- des- oder Hochzeitsringes gestellt. Die Verwendung

Bodensee wurden in den letzten Tagen neuen Dornier-Lang st reckenflug- Boot 18" erfolgreiche Probeflüge durchge- Das Flugboot ist in seinem Aufbau unter

Die Jubiläums-Aus st elluna, die Preußische Akademie der Kun sie ___

Anlaß des 150jährigen Bestehens ihrer Ausstellung veranstaltet, wurde in Berlin feierlich eröffnet. Die Ausstellung umfaßt beinahe 350 Bilder, darunter

Kunst und Wissenschaft.

Jubiläumsausstellung der Preußischen Akademie der Künste.

Deutschland und die Weltwirtschaft Ein Vortrag des Reichsfinanzministers.

Oie Narrenkappe.

Der zweitbeste Verkäufer der Wett.

In seinem Bewerbungsschreiben hatte er sich für den besten Verkäufer der Welt ausgegeben. Darauf- hin entschloß man sich, ihn einzustellen und schickte ihn bald darauf zu den Kunden, um einen neuen Artikel einzuführen. Ein Monat verging, und der gewiß nicht müßige Reisende hatte noch nicht ein Stück verkauft. Endlich entschied er sich schweren Herzens zur Rückkehr.Run", fragte der Geschäfts- führer,was haben Sie ausgerichtet?"Ich muß Sie um Verzeihung bitten, in meinem Be- Werbungsbrief damals habe ich übertrieben", er- widerte der Reisende bekümmert,ich bin nur der zweitbeste Verkäufer der Welt, der beste ist der ge- rifsene Bursche, der Ihnen den Artikel angedreht hat, mit dem Sie mich dann auf die Tour geschickt haben."

Der Vielbegehrte.

Zu einem Filmgewaltigen von Hollywood kam einst einEdelkomparse" und bat in bewegten Worten um Anstellung. Wie so viele war er schon seit langer Zeit ohne Arbeit. Als der Regisseur ihn mit den Worten vertröstete:Ich kann'Sie viel­leicht demnächst einmal brauchen. Sprechen Sie bitte in einem Monat wieder vor", erwiderte der Schauspieler:Wenn Sie mich überhaupt haben wollen, so wäre es besser. Sie würden mich gleich verpflichten. Es ist nämlich eine ganze Reihe von Gesellschaften hinter mir her."So?", fragte der andere ein wenig ungläubig,was sind denn das für Gesellschaften?"Ö", antwortete der Edelkomparse,zum Beispiel die Gasgesellschaft, die Telephongesellschaft, die Lichtgesellschaft ..." Da lrchte der Regisseur und stellte den Vielbegehrten ein.

Der Strafbefehl.

Ein Autofahrer, der eine Tour über Land ge­macht und nach deren Beendigung in der heimischen Garage festgestellt hatte, daß die Beleuchtung des hinteren Nummerschildes nicht brannte, erhielt etwa vier Wochen nach dieser Sünde folgenden Straf- befehl:Der Führer des Kraftfahrzeuges mit dem Kennzeichen ... hat fünf Mark Geldstrafe zu zah- ^n, ^meil er ohne erleuchtetes Hinterteil durch unser

hinsichtlich seiner Sorgen über die Materialliefe- rungen ins Vertrauen gezogen worden. Der Ange­klagte Noth legte die Photokopie einer bei den Akten befindlichen Zeichnung vor, auf der er Be­rechnungen über die endgültige Schachttiefe der Tunnelsohle angestellt hat. Nach diesen Berechnun­gen ist auch der Zettel ausgeschrieben worden, den der tot aus der Grube geborgene Schachtmeister D ü m ck e in der Hand hielt. Der Zettel liefert den Beweis dafür, daß auf Grund einer ausdrücklichen Anweisung tiefer als zulässig ausge­schachtet worden ist. Noth behauptet, daß er die Angaben für den Schachtmeister auf Grund einer am 8. August erfolgten Besprechung mit Reichs­bahnrat Weyher weitergegeben habe, während Welcher auch jetzt noch dabei bleibt, daß er An­weisungen für eine unzulässige Tieferschachtung nicht gegeben habe. Er, Weyher, könne sich einer Besprechung am 8. August oder einem anderen Tage der damaligen Zeit, bei der Anweisungen über eine Tieferschachtung gegeben wurden, nicht entsinnen.

Reiche Adolf Hitlers eine neue Blüte erleben möge. Reichsminister R u st stellte fest, auch auf dem Gebiet der bildenden Kunst sei Neues im Werden. In den Bauwerken des Dritten Reiches sehe man den Ausdruck des Strebens und Sehnens nach mo­numentaler Größe von innerstem seelischen Leben.

Hanns JohstsThomas Paine" als Festvorstellung i i 1'üunchen.

Die Reichstheater fest woche in München brachte als dritte Festaufführung von Werken na­tionalsozialistischer Dramatiker das Schauspiel Thomas Paine" von Hanns I o h st, dem Präsidenten der Reichsschrifttumskammer. Reichs­minister Dr. Goebbels, Reichsstatthalter Ritter von Epp, Ministerpräsident Siebert und Staatsminister Adolf Wagner wohnten mit vie­len anderen bedeutenden Persönlichkeiten der Auf­führung bei, für die Dichter und Darsteller herz­liche unib langanhaltende Dankeskundgebungen ern­teten.

Reichsminister Rust Schuhherr der Gefellfchafl Deutsche Literatur".

Reichswissenschaftsminister Rust hat die Schutz- Herrschaft über die GesellschaftDeutsche Lite­ratur e. V." übernommen, deren Aufgabe es ist, das im Verlag Reclam erscheinende Monumental­werk des deutschen SchrifttumsDeutsche Literatur, Sammlung literarischer Kunst« und Kulturdenkmä­ler in Entwicklungsreihen" zu fördern und zu be­treuen. An die Spitze des neu zusammengesetz­ten Vorstandes der Gesellschaft treten Ministerial­direktor Dr. von S t a a (Reichswissenschaftsmini­sterium), der Gesamtherausgeber der Sammlung Professor Dr. Kindermann - Danzig und der Verleger Dr. Reclam. Das von Professor Dr. Kindermann in Gemeinschaft mit Professor Dr. Brecht und Professor Dr. von K r a l i k un­ter Mithilfe eines großen Gelehrtenstabes heraus­gegebene SammelwerkDeutsche Literatur" wird dem deutschen Volk in 300 Bänden das für Ver­gangenheit und Zukunft unserer Natton Wesent­liche aus dem tausendjährigen Schatz des deutschen Schrifttums in Text und Deutung als lebendiges Erbe bereitstellen. 64 Bände sind bisher schon er­schienen. Mit Recht konnte jüngst ein amerikanischer Gelehrter erklären, es gäbe wohl keine andere Nation auf der Welt, der solch ein Dom ihres Schrifttums zu Gebote stünde; hier fei von Deutsch­land ein mustergültiges Vorbild geschaffen, dem die anderen Nationen nur bewundernd folgen könnten.

Kammersängerin Lva plaschke-von der Osten f.

In Dresden starb vor einigen Tagen an den Folgen eines Schlaganfalls die Kammersängerin Eva Plaschke-von der Osten, Ehrenmitglied der Sächsischen Staatsoper, eine der bedeutendsten Kräfte der stets hervorragenden Dresdener Oper. Eva von der Osten entstammte einer bekannten Künstlerfamilie und wurde 1884 in Helgoland ge­boren. 1902 begann sie mit einer kleinen Rolle in denHugenotten" ihre glanzvolle Laufbahn an der Dresdener Oper, wo sie 25 Jahre lang als Hoch­dramatische gewirkt und 2500mal in großen Partien auf der Bühne gestanden hat. Ihre Glanzzeit hatte die Osten insbesondere als Wagner-Sängerin unter den Intendanten Schuch und Graf Seebad). Erfolgreiche Gastspiele führte sie u. a. nach Bay­reuth, Wien, Paris, London und Neuyork, wo sie als Kundry und Isolde Triumphe feierte; doch hat sie auch den Oktavian imRosenkaoalier" und den Cherubin inFigaros Hochzeit" gesungen. Die Künstlerin war seit 1911 mit dem bekannten Dres­dener Bassisten Friedrich P l a s ch k e verheiratet; 1927 hat sie sich als Brunhilde vom Theater verab- : schiedet. Mit Eva Plaschke-von der Osten hat die deutsche Oper eine Sängerin von Welt- | geltung verloren.

Werke von Pesne, Schadow, Chodowiecki, Ko bell und Schinkel, Böcklin, Feuer­bach, Leibl und L e n b a ch. Werke von Pi­lo t y , Stuck und Uhde, Sleoogt und C o - rinth schließen sich an; kaum einer scheint zu fehlen, der einmal Mitglied der Akademie gewesen ist. Ein Saal gehört den Lebenden: Ulrich Hüb­ner, Max Z a e p e r, Philipp Franck, Ludwig D e t t m a n n, Willy I a e ck e l. Der stellver­tretende Präsident der Akademie, Prof. Dr. Georg Schumann, hob die Bedeutung dieser Jubi­läumsausstellung hervor, die aus dem Gebiet der Malerei und Graphik die Zeit vom Ausgang des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart umfasse. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß die deutsche Kunst, der die Akademie seit 240 Jahren diene, im

von Platin, Steinen, Email usw. ist gestattet. Jede Goldschmiedetechnik kann angewendet werden. Nä­here Auskunft erteilt die Geschäftsstelle der Deut­schen Gesellschaft für Goldschmiedekunst, Berlin SW 19, Jerusalemer Straße 25. Die Deutsche Gesellschaft für Goldschmiedekunst möchte durch die­sen Wettbewerb zeigen, daß in einer Zeit wie der unserigen nicht der hohe Wert des Materials ent­scheidend ist, sondern die Arbeit und die künstleri­sche Leistung.

In der englischen Presse wird darauf verwiesen, durch den Schmuggel japanischer Waren von Mandschukuo aus in die Nordprovinzen Chinas seien die Seezölle die wichtigste Einnahme- quelle Chinas gefährdet und infolgedessen auch der Zinsendienst für die Auslandan­leihen. Japan hat abgestritten, Schmuggel zu treiben. Es hat aber gleichzeitig seine Streitkräfte in Nordchina verstärkt, und beruft sich für diese Maßnahme auf das Boxer-Protokoll von 19 01. Dieses Boxer-Protokoll enthält aber auch die Bestimmungen über die Verwendung der Seezölle, o daß also die japanische Maßnahme militärischer Art doch irgendwie eng mit dem Streitfall zusam­menzuhängen scheint. Jedenfalls haben England und die Vereinigten Staaten in Tokio Vorstellungen wegen der angeblichen Schmuggeleien erhoben.

Das chinesische Riesenreich hat bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts öffentliche Anleihen nicht gekannt. Mit dem Taiping-Aufstand 1850 bis 1865 wurde die Finanzlage Chinas aber derart erschüt­tert, daß es zum erstenmal in seiner Geschichte 1865 in Rußland eine kleine Anleihe aufzunehmen ge­nötigt war. Der chinesisch - japanische Krieg erforderte von China eine Kriegssumme von 15 Millionen Pfund Sterling, die es an Japan 3u zahlen hatte und für die es in England und Amerika Anleihen aufnahm. Dann kam der Boxer-Auf st and. Im Pekinger Protokoll von 1901 ging die chinesische Regierung die Verpflich­tung ein, 450 Millionen Haikwang-Taler den durch den Ausstand geschädigten Ausländern zur Ver­fügung zu stellen. Diese Boxer-Entschädi- g u n g ist eine Schuldverpflichtung, die mit 4 v. H. zu verzinsen und in 39 Jahren zu tilgen ist. A l s Pfand für diese Schuld wurden die Seezölle und das Salzmonopol bestimmt, und zwar wird der Zoll in ganz China bei den meisten Waren in Höhe von 5 v. H., wozu Ergänzungen durch den Zolltarif von 1922 kommen, ad valorem getragen, d. h. vom wirklichen Preis, den der Empfänger zahlt. Der Likin, der chinesische Durchgangszoll, ist seit 1925 in ganze China verschwunden, dafür wur­den aber die Seezölle teilweise recht kräftig erhöht, um den Auslandschuldnern eine größere Garantie zu geben.

die Vereinigten Leichtmetall-Werke, IG. Farben, Bosch, Zeiß u.a.

Amy IHollifon fliegt Rekordzeiten.

Die englische Fliegerin Amy Mollison» Johnson kehrte wohlbehalten von ihrem Süd- a f r i k a f l u g nach London zurück. Sie landete auf dem Flugplatz Croydon, von einer großen Menschenmenge begeistert empfangen. Amy Mol- lison gelang es, mit ihrem Fluge einen drei­fachen Rekord für die Strecke LondonKap­stadt aufzustellen. Zunächst hat sie auf dem Hin- fluge nach Kapstadt eine neue Bestzeit mit drei Tagen sechs Stunden 26 Minuten aufgestellt, eine weitere mit ihrem Rückflug über Ostafrika und Aegypten mit vier Tagen 16 Stunden und 17 Mi- nuten, womit sie den bisherigen Rekord des Flie- gerleutnants Rose um einen Tag 14 Stunden 40 Minuten geschlagen hat. Schließlich hat die Fliegerin auch eine neue Bestzeit für den Hin- und Rückflug erzielt, und zwar mit sieben Tagen 22 Stunden 42 Minuten, während Rose zehn Tage benötigt hatte. Der englische Luftfahrtminister Swinton übermittelte der Fliegerin telegraphisch seine Glückwünsche.

Vierzehn Flößer in Nordfchweden ertrunken.

Vierzehn Flößer im Alter von 25 bis 30 Jahren, die von ihrer Arbeit zurückkehrten, ertranken in einem See in Nordschweden. Als das mit 23 Holzarbeitern besetzte Fährschiff vom Ufer abstieß, kenterte es. Vermutlich ist das Unglück auf das Vorhandensein starken Treibeises zurückzuführen. Nur neun Insassen konnten sich retten.

Ein Autobus mit spanischen Syndikalisten verungtückt.

In der Nähe von Carinena (span. Provinz Sara­gossa) ereignete sich ein schweres Verkehrsun­glück, bei dem vier Personen getötet und 24 Ichwer verletzt wurden. Ein Autobus, der mit Teilnehmern an einer Massenkundgebung des syn- dikalistischen Gewerkschaftsoerbandes in Saragossa doU besetzt war, geriet infolge Steuerbruchs ins Schleudern und stürzte einenAbhanghinun- t e r. Das Fahrzeug wurde vollständig zertrümmert. Zwei Insassen waren auf der Stelle tot. 26 trugen schwere Verletzungen davon, von ihnen starben zwei auf dem Transport ins Krankenhaus. Es wird damit gerechnet, daß sich die Zahl der Todesopfer noch weiter erhöht.

Auftriebskräfte zu einer nachhaltigen Belebung der Weltwirtschaft zu verwenden. Die Rohstoffver- teilung in der Welt sei ein Problem, von dessen gerechter Lösung der Wiederaufbau der Weltwirt­schaft abhänge. Das deutsche Volk erwarte, daß bei einer Erörterung dieses Problems nicht etwa die alte Kolonialschuldlüge aus der Mottenkiste hervor­geholt würde. Es werde sich auch in den Zielen seiner Bevölkerungspolitik nicht durch den Einwand beirren lassen, daß diese Ziele einen er­höhten Rohstoffbedarf zur Folge haben würden. Die Entscheidung über Leben ober Sterben eines Volkes könne nicht von Rohstoff- und Devisenfragen ab­hängig gemacht werden. Das Kvlonialproblem Deutschlands könne auch nicht mit dem Argument abgetan werden, daß bei Durchführung der Politik der offenen Tür Deutschland ja die Möglichkeit ausreichender Rohstoffversorgung gesichert werden könne. Hierbei werde das entscheidende Moment übersehen, daß nur die Möglichkeit, Rohstoffe in ge­wissem Umfang in eigener Währung einzu­kaufen, die notroenbige Entlastung der deutschen Devisenbilanz herbeifüyre.

China kann seine Anleihen nur verzinsen durch die Seezvlleinnahmen und die Einnahmen aus dem Salzmonopol. Die Boxer-Entschädigungen gehen jetzt an Großbritannien, Japan, die USA., Italien und Holland, während Deutschland und die Sowjet­union ausgefallen sind. Die gemischten chinesisch- ausländischen Kommissionen, die die Seezölle ver­walten, überweisen einen Teil des Betrages für die Tilgung der Schuld aus der Boxerzeit, einen ande­ren für die verschiedenen Anleihen, die Amerika z. B. im Jahre 1919, England ebenfalls und die Skodawerke, die berühmte tschechische Waffenfabrik, im Jahre 1925 der chinesischen Regierung in Nan­king gewährten. Den Hauptanteil an diesen See­zöllen aber trug der industrielle Norden Chinas, also die fünf Provinzen, die jetzt, wenn auch nicht offiziell, so doch tatsächlich sich unter japanischer Vormundschaft befinden. Wie groß der Ausfall dieser Seezölle geworden ist, wird nicht angegeben, aber er muß immerhin erheblich sein, denn sonst würden sich England und die USA. nicht dazu verstanden haben, in Tokio Abhilfe zu fordern.

Schon feit längerer Zeit wird von Chinesen und den nichtjapanischen Kaufmannskreisen Chinas be­klagt, daß der japanische Schmuggel gerade in Nordchina die chinesischen Seezölle erheblich zurück­gehen ließ, mit anderen Worten: Japan soll diese Maßnahme künstlich herbeigeführt haben, um China, dessen finanzielle Schwierigkeiten dadurch gewaltig wachsen, unter Kuratell zu stellen und somit zu zwingen, die chinesische Währung der japanischen anzugleichen, seine Wirtschaft unter japanische Ober­hoheit zu stellen und die Ausländer aus China zu entfernen. Das sind Ziele, die Japan schon während des Krieges in feinen berühmten 21 Punkten von China forderte. Die japanische Regierung hat sich begnügt, scharfen Protest gegen die Unterstellung dieser Handlungsweise zu erheben. Sie schiebt alle Schuld auf andere Schultern, aber nach Lage der Dinge ist es doch nicht unwahrscheinlich, daß der' Schmuggel von Mandschukuo aus in Japan gern gesehen wird, weil er China reif macht für Japans erstrebte Führung in allen politischen und wirtschaft­lichen Angelegenheiten des Reiches der Mitte.

Berlin, 15. Mai. (DNB.) Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk sprach vor der deutschen weltwirtschaftlichen Gesellschaft über Deutsche Finanzpolitik". Er führte dabei u. a. aus: Deutschland habe die aus dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft gewonnene Erkenntnis, daß eine Weltwirtschaft sich nur auf d e r Grundlage gesunder Volkswirtschaften wieder auf­bauen lasse, in die Tat umgesetzt. Wenn es Deutsch­land gelungen sei, in erstaunlich kurzer Zeit feiner durch Kriea, Versailler Diktat, Reparationen, Infla­tion und Krise völlig ausgebluteten Volkswirtschaft Leben und Kraft wiederzugeben, so habe es allein dadurch einen wertvollen Beitrag zur Neubelebung der Weltwirtschaft geleistet. Wenn gerade die Wiedereinstellung von Millionen Arbeitsloser in den Arbeitsprozeß zu einer verstärkten Einfuhr von Roh st offen geführt hätte, so sei das der beste Beweis für die Richtigkeit der These. Und wenn sich aus dieser verstärkten Einfuhr Deutsch­lands Devisen-Schwierigkeiten ergeben hätten, so spräche das lediglich für das noch immer außerhalb Deutschlands vorhandene Unvermögen,

Der Kreislauf des Geldes.

Marcel Proust, der große französische Roman- dichter, zeichnete sich durch ein aristokatisches Auf­treten und erlesene Gewohnheiten aus. Um so schiech- ter stand es häufig mit seinen Finanzen. Eines Tags fragte der Dichter den Portier des Hotels, in dem er Wohnung genommen hatte:Können Sie mir 50 Franken leihen?"Aber gewiß", erwiderte dieser gefällig.Behalten Sie den kleinen Betrag", erklärte Proust daraus mit unnachahmlicher Würde. Er war für Sie bestimmt."

Weiterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeork Frankfurt.

Das skandinavische Hochdruckgebiet hat sich weiter verstärkt und verlagert sich gleichzeitig nach Ost­europa hin. Die von dem Ostatlantikwirbel sich südwärts erstreckende Tiefdruckrinne entwickelt sich nach Frankreich hin, verstärkt jedoch vorerst nur die über Deutschland schon im Gang befindliche Ost« strömung. Im Bereich der letzteren können wir noch auf Fortdauer der überwiegend heiteren Witterung rechnen.

Aussichten für Sonntag: Meist heiter und trocken, tagsüber recht warm, östliche Winde.

Aussichten für Montag: Noch vielfach aufheiternd, aber nicht störungsfrei.

Lufttemperaturen am 15. Mai: mittags 21,3 Grad Celsius, abends 12,9 Grad; am 16. Mai: morgens 12,4 Grad. Maximum 22,3 Grad, Minimum heute nacht 7,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. Mai: abends 19,9 Grad; am 16. Mai: mor­gens 14 Grad. Sonnenscheindauer 11,5 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwort­lich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 36: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R.Lange,K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehL Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

Das Berliner Baugrubenunglück vor Gericht.

Im Prozeß um das B e r l i n e r Baugruben­unglück wurde der 30jährige Bautechniker Br. vernommen, der unter Noth auf der Baustelle ge­arbeitet hat. Sein Name wurde bereits früher ein­mal genannt im Zusammenhang mit dem bei dem getöteten Schachtmeister Dümcke gefundenen Zettel über die Tiefe der Ausschachtung. Der Zeuge will diesen Zettel am 8. August 1935 nach Angaben geschrieben haben, die ihm Noth an Hand von Zeichnungen machte. Näheres weiß er aber nicht. Ueberhaupt zeigte er sich auffallend wenig unter­richtet, was nicht wundernimmt, wenn man be­rücksichtigt, daß er nach feiner eigenen Erklärung über keinerlei Erfahrung auf dem Gebiet des U-Bahnbaues verfügt. Die gleiche Erklärung gab er für einenKollegen" ab, der gleichfalls als Bau- techniker der Berlinischen Baugesellschaft in der Hermann-Goring-Straße arbeitete. Der Vorsitzende bemerkte darauf treffend:Null plus Null gleich Null". Der Zeuge Br. ist offenbar nicht mit verant­wortungsvollen Aufgaben innerhalb der Bauleitung betraut und von dem Angeklagten Noth auch nicht

In der Presse ist mehrfach die Meldung ver­breitet worden, daß die katholischen Geist- l i ch e n bei der Berechnung ihrer Einkommen- ft e u e r (Lohnsteuer) nicht als ledig behandelt werden. Diese Meldung ist falsch. Auf öem Gebiet der Einkommensteuer (Lohnsteuer) gelten für katho­lische Geistliche d i e gleichen Grundsätze für alle anderen ledigen Steuerpflichtigen.

Auswertung der mit Dornier - Walen gemachten Erfahrungen aerodynamisch durchgebildet. Der An­trieb erfolgt durch zwei Junkers-Jumo-Diesel-Mo- toren, die hintereinander angeordnet sind. Das Flugboot soll im Postdienst auf der Strecke über den Südatlantik, die seit 2% Jahren im regel­mäßigen Dienst von der Deutschen Lufthansa mit Dornier - Walen beflogen wird, eingesetzt werden. Das neue Dornier-Flugboot ist infolge des großen Flugbereichs in der Lage, alle in Frage kommen­den Ozeanlinien zu befliegen. Das Flugboot ist die­ser Tage von der Deutschen Lufthansa übernom­men worden.

Internationale Luftfahrt-Ausstellung in Stockholm.

Die Internationale Luftfahrt-Aus- ft e 11 u n g in Stockholm, die 100 Firmen aus 13 Nationen beschickt haben, wurde von König Gustaf V. eröffnet. An der Feier nahmen auch Mitglieder des königlichen Hauses, der Regierung und des diplomatischen Korps teil. Unter den Diplo­maten sah man den deutschen Geschäftsträger Dr. M e y n e n. Die Ausstellung ist die dritte und größte dieser Art, die bis jetzt in Stockholm ver­anstaltet wurde. Sie ist besonders infolge der gro­ßen Beteiligung Deutschlands bemer­kenswert. Don den drei großen Ausstellungshallen hat die deutsche Abteilung die größte ausschließlich belegt. Sie zeigt auf 23 Ständen acht Flugzeug­typen und verschiedene Modelle. Die königlichen Gäste hielten sich bei dem Rundgang in der deut­schen Halle am längsten auf. Allgemein fand der JunkersFlugexpreß Ju86" größte Beachtung und Bewunderung, desgleichen der leichte Viersitzer Taifun" von den Bayerischen Flugzeugwerken so- wie der neue Mercedes-Motor und Junkers Roh­ölmotor für Flugmaschinenbetrieb. Große An­ziehungskraft übte der Dornier-Stand mit dem schönen neuen Modell Do 20 aus. Außer den großen Werken der deutschen Flugzeugindustrie waren auch die wichtigsten Industriezweige vertreten, die mit dem Flugzeugbau in Verbindung stehen, wie z. B.