Ausgabe 
16.4.1936
 
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Feindseligkeiten schnell beenden. Daher bestehe für Italien die Frage der Oelmahnahmen nicht mehr. Es blieben also nur noch die militärischen Sühnemaßnahmen. Diese aber bedeuteten den Krieg, wie die französischen Minister festgestellt hätten. Das habe ihnen genügt. Angesichts dieser Möglichkeiten könne Frankreich nur in seiner Ver­mittlerrolle beharren.

Für Frankreich habe die Rheinfrage eine andere Bedeutung als die abessinische Frage, und Frankreich sei nicht gewillt, jene Frage dieser zu opfern.

Petit Parisien" meint, die Unversöhnlich- feit Edens in der Frage der Sühnemaßnahmen rufe berechtigte Besorgnisse bei allen Friedensfreun­den hervor.

Echo de Paris" fordert England rundweg auf, zu erklären, ob es die Gefahren militäri­scher Sühnemaßnahmen gegen Italien auf sich nehmen, d. h. ob es den Krieg, der in Afrika zu Ende gehe, nach Europa tragen wolle.

Mcttin setzt seinen Kampf gegen die angeblichen englischen Absichten in der Frage der Sühnemaß- nahmen fort.

Die Außenpolitikerin desD e u d r e" will jedoch wissen, daß die französischen Minister beschlossen hätten, sich für den Fall, daß Ed e n im Achtzehner- Ausschuß Oelmahnahmen fordern werde, sich der Stimme zu enthalten, da Frankreich weder Oel erzeuge, noch Oelhcmdelsland sei. Sollte Eden aber schwerwiegendere Sühnemaßnahmen verlangen, so werde Frankreich sich dem wider­setzen.

Pessimismus in Pans.

Oer Blick auf England.

Paris, 16. April. (DNB.) Außenminister F l a n d i n hatte am Mittwochnachmittag vor sei­ner Abreise in seinen Wahlkreis noch Besprechun­gen mit benri talienischen, dem spanischen und dem englischen Botschafter in Paris, lieber den Inhalt der Besprechungen ist bisher amt­lich nichts bekanntgegeben worden, ebenso auch nichts über die Beratung zwischen dem Außen­minister, dem Ministerpräsidenten und dem Staatsminister Paul-Boncour.

In politischen Kreisen ist man nach wie vor skeptisch in der Beurteilung der bevorstehenden Genfer Verhandlungen. IHan erwartet, daß die Beratungen des Dreizehner-Ausschusfes im Zei­chen scharfer Gegensätze zwischen der abessini­schen und der italienifchen Auffassung stehen werden. Dem Präsidenten des Dreizehner-Aus­schusses werde wahrscheinlich nichts anderes übrig bleiben, als dem Ausschuß mitzutellen, daß es ihm unmöglich gewesen fei, eine Annähe­rung zwischen dem italienischen und dem abessi­nischen Standpunkt herbeizuführen.

Abessinien beharre bei der Auffassung, daß die Friedensverhandlungen im Rahmen des Völker­bundes ftattfinden müßten, wobei der Völkerbund sich als Mittler zwischen beiden kriegsführenden Staaten zu betätigen hätte. Italien hingegen

weise darauf hin, daß die Friedensverhandlungen unmittelbar zwischen Addis Abeba und Rom zu führen feien, wobei der Völkerbund sich auf die Rolle eines Beobachters zu beschränken hätte. Die Aufgabe des Dreizehner-Ausschusfes sei lediglich, sich über das Verfahren der Friedensverhandlun­gen schlüssig zu werden. Rach der zusammenfassen­den negativen Feststellung der Lage durch M a - dariaga werde England Stellung zu nehmen haben.

England, so meint man in französischen politi­schen Kreisen, könne nicht im Unklaren darüber sein, daß eine Verschärfung der Sühnemaßnah­men und insbesondere die Verhängung eines Ausfuhrverbotes für Petroleum unwirksam wäre. Italien habe umfassende Vorräte an Brennstoff anlegen können, die besonders im Hinblick darauf ausreichend feien, daß die ita­lienifchen Streitkräfte bereits D e f f i e beseht hätten und sich nicht mehr weit von Addis Abeba befänden. Lediglich militärische Maßnahmen könnten Abessinien noch eine wirk­same Hilfe bringen. Aber man könne sich nicht vorstellen, daß England einen derartig gewagten Schritt vorhabe, der den afrikanischen Krieg auf Europa übertragen würde.

Die Italiener in Dessie.

Rom, 15. April. (DRV.) Das neueste Front- telegramm Marschall B a d o g l i o s wird als amt­licher italienischer Heeresbericht Nr. 185 vcröffent- licht und hat folgenden Wortlaut:

Unsere Truppen sind Mittwoch früh in Dessie einmarschiert.

Der Einmarsch der italienischen Truppen in Dessie wird auf Befehl Mussolinis am Donners­tag in a a n z I t a l i e n durch festlichen Flag­ge n f ch m u ck gefeiert.

Augenzeugenberichte.

Asmara, 15. April. (Funkspruch des Kriegs­berichterstatters des DNB.) Die italienischen Trup­pen sind in Dessie eingezogen, ohne auf den ge­ringsten Widerstand zu stoßen. Als erste zogen die Asbo Galla ein, die die Nachhut des Negusheeres in Eilmärschen verfolgt und bereits feit einigen Tagen vor den Toren Defsies gelagert hatten. Ihnen folgten die Askaritruppen, denen sich das 1. Korps anschloh. Sofort nach dem Einzug wurde auf dem Ghibbi und auf dem italienischen Konsulat die Tri­kolore gehißt.

Dessie, die Hauptstadt der Wollo Galla, ist in wirtschaftlicher, politischer und militärischer Hinsicht einer der wichtigsten abessinischen Punkte. Don dort führt eine verhältnismäßig

brauchbare Straße in einer Länge von 350 Kilo­meter nach Addis Abeba. Dessie ist nicht eine typisch abessinische Stadt, die nur aus Eingebore­nenhütten besteht, sondern sie besitzt viele Bauten nach europäischem Muster. Die Stadt hat in der abessinischen Geschichte oft eine bedeutende Rolle gespielt.

Dessie, 16. April. (Funkspruch des Kriegs­berichterstatters des DNB.) In den letzten Tagen war in der Gegend von Dessie das Gerücht ver­breitet, daß der abessinische Thronfolger A s f a ©offen, der sich mit rund 1000 Mann bis zum letzten Augenblick in der Stadt aufgehalten hat, sich den Italienern ergeben wolle. Er hat es jedoch vorgezogen, kurz vor dem Einmarsch der italienischen Truppen in unbekannter Richtung a b - zuziehen. Drei Aerzte des französischen Laza­retts, sowie die Mitglieder der französischen Mis­sions-Gesellschaft stellten sich dem Kommando des Askarikorps. Sie erzählten, daß im Lazarett noch viele in der Schlacht am Aschangi-See verwundete Abessinier lägen. Die französischen Aerzte und Mis­sionare haben volle Bewegungsfreiheit erhalten und arbeiten mit den italienischen Aerzten zusammen. Auf dem Flugplatz Dessie sind bereits die er ft en italienischen Flugzeuge gelan­det. Unaufhörlich treffen in Dessie Vertreter der umwohnenden Bevölkerung ein, um ihre Unter­werfung mitzuteilen.

Sechsmal Bodensee-Tanasee.

Von unserem römischen E -Korrespondenten.

Rom, Mitte April.

Ganz Luxemburg könnte man in den Tana- f e e hineinstellen. Er ist genau so groß wie das frühere Herzogtum Braunschweig, sechsmal würde der Bodensee darin aufgehen. Selbst der Plattensee oder Balaton samt allen seinen Sumpfgebieten mißt nur 1320 Quadratkilo­meter; der Tanasee dagegen 3630. Um aber auch Vergleiche nach oben zu ziehen: der Victoria- Njansa-See ist wieder zwanzigmal umfangreicher und auch der Tanganjika-See hat seine guten 40 000 Quadratkilometer, die Flächengröße Däne­marks.

Afrikanische Maße! Sie geben einen Begriff von der unermeßlichen Beute, die Italien aus dem afri­kanischen Feldzug nach Hause bringt, von seinem geradezu phantastischen Land- und Bevölkerungs­zuwachs, ganz zu schweigen von den Naturschätzen aller Art. Abessinien soll das reichste Gebiet des schwarzen Erdteils sein, und heute schon sind davon gegen 140 000 Quadratkilometer besetzt, das heißt ein Gebiet halb so groß wie Italien. So wird in wenigen Jahren die Summe amorti­siert sein, die Mussolini, um es geschäftlich auszu­drücken, in das Unternehmen hineingesteckt hat, und es beginnt nicht die Ausbeutung einer Ko­lonie, sondern d i e blühende Verwaltung des neurömischen Reiches in Afrika. Auch unter diesem Gesichtspunkt will dasAben­teuer", wie man so gerne im Herbst sagte, betrach­tet sein. Allerdings enthält die Gleichung noch eine Unbekannte gefährlicher Art: die Sache mit dem Tanasee. Mit britischer Trockenheit formuliert: wird England dieses Geschäft zulassen?

Man kann den See, der plötzlich aus dem Urwelt­schlaf aufgeweckt und ins grelle Licht der politischen Scheinwerfer gerückt wird, mit römischen ober mit britischen Augen betrachten, und je nachdem sieht er etwas anders aus. Interessengegensätze blitzen auf, die an die Achillesferse des britischen Imperiums rühren, an den Seeweg nach Indien und die Sicherheit des Landes, bas ein Geschenk bes Nils ist. Niemanb kann heute voraussagen, wie sich bas Verhältnis in biesem ägyvtisch-englisch-italienischen Dreieck noch gestalten werbe.

Der Tanasee hat Herzform, und in den Einschnitt stieß das Bajonett des Eroberers. Auf der Halb­insel Oeorgera wurde an Ostern die Triko­lore gehißt. Die Italiener vergleichen den See lieber mit einer jener großen Korbflaschen, und auch dann

ist man um symbolische Deutungen nicht verlegen. Denn dem Flaschenhals (die Herzspitze) entströmt der kostbare Inhalt, der Blaue Nil. Bezeichnend, daß gleichzeitig die abessinisch-sudanische Zollgrenze besetzt wurde. Ungefähr 15 Milliarden Kubikmeter soll die Korbflasche bergen.

Die Eingeborenen sprechen vomtiefen Meer", doch hat man noch keine Bodenseetiefe gemessen, nirgends mehr als 70 Meter. In Schilderungen, die in den letzten Tagen durch die Zeitungen gingen, war viel von den Krokodilen die Rede, von denen es hier wimmeln soll; in Wirklichkeit machen sie, wenn sie den Blauen Nil Heraufziehen, am Seeufer halt und wagen sich nie in bas große Wasser. Da­gegen können sie nun zu ihren klassischen Turnie­ren ausziehen, benn im hohen Schilf, in ben dich- ten Papyrusgestrüppen sind, wie die Italiener be­reits erzählen, die Riesenschlangen zu Hause. Um die zahllosen Inseln herum tummeln sich kleine Flußpferde, schreien Schwärme von Wasservögeln, trompeten die Enten. Zwei eigenartig gestaltete Felseninseln haben einen schier europäisch klingen­den Namen: Liebestod. Auch geben die Kirchen und Klöster in dieser Gegend zu denken.

Noch niemals soll ein Segel- ober gar ein Motor­boot bas riesige natürliche Staubecken burchfurcht haben, nur auf gebrechlichen Schilffahrzeugen ver­kehren bie Eingeborenen im seichten Küstengewässer, wo ber sprichwörtliche Fischreichtum in einem Flossengewühl unb einem ftänbigen Durchdieluft- fpringen zum Ausbruck kommt, als sei nicht für alle Leckerbissen Platz.

Natürlich fehlen auch alle übrigen Dinge nicht, bie wir mit ber Vorstellung bes schwarzen Erbteils oerbinben: bie Schachtelhalme Scheffels unb bie Sykomoren Freiligraths, samt ber zugehörigen Menagerie. Wolken von Moskitos sorgen für bie nächtliche Unterhaltung ber Forschungsreisenben. Aber bafür behnen sich auch am Dftufer bie Baum­wollkulturen, bie keiner künstlichen Bewässerung be- bürfen unb Baumwolle ist ja gerabe bas, was Italien so notwenbig braucht, wie ber Mensch ein hemb. Im Gebiet von Corata, wo noch bie Trüm­mer bes alten Kaiserschlosses, bas ber Negus Jesus bewohnte, burch bas üppige Urwalbgrün schimmern, herrscht bie Kaffeestaube souverän. In Kaffeegärten tauchen bie Tukuls unter, bie kärglichen Menschen­hütten, so dicht wuchert bie erfreuliche Pflanze, daß nur ein Wiberschein ber Sonne burch bas grüne Meer bringt.

Welche Aussichten, wenn man bedenkt, daß der Kaffee, der hier seine Heimat hat, eines der Haupt­ausfuhrerzeugnisse Abessiniens bildet, trotzdem die Kultur noch mit den urwüchsigsten Mitteln be­trieben wird! Noch ritzen die Sklaven kaum mit dem Holzpflug die überfruchtbare Erde, selbst das Rad war vielen Stämmen noch unbekannt und nun sollen die Traktoren Mussolinis kommen! Was werden sie aus den Gerstenfeldern machen, die jetzt die Ebene von Nischia am Westufer bedecken, be- wässert vom kleinen Abbai!

Bewässerung, das ift die Aufgabe von Gonbar bis Kairo. Die in ben Tanasee einmünbenben Hauptflüsse sinb ber Gumara, ber Reb unb ber kleine Abbai; als großer Abbai ober Blauer Nil tritt er wieber heraus, wie ber Rhein bei Konstanz aus bem Bobensee, um sich mit dem Weißen Nil bei Chartum zu vereinigen. Man hat die Nutzmenge des Blauen Nils auf 62 Kubikkilometer im Jahres­durchschnitt berechnet, während der Weiße Nil bei Faschoda nur 23 erbringt heute geht der Segen noch größtenteils verloren, denn wenn der Blaue Nil während der Regenzeit anschwillt, öffnen sie in Aegypten bie Schleusen, um ben Ueberschuß ins Mittelmeer abzuleiten. Man sollte ihn aber für bie Trockenzeit aufbewahren bas bekannte Kon- Mionsproblem für bie Errichtung von Stau- bämmen, eine Frage, bie nun nicht mehr zwischen Englanb unb Abessinien entschieben werben muß,

sondern England in Rom vorzubringen hat. lieber« flüssig, noch länger zu fragen, warum ber Duce gerabe ben Weg nach Gonoar gewählt hat. Von Gonbar aus führt bie natürliche Straße an den See, jetzt rattern dort bereits die Lastwagen.

*

Obwohl nur 12 Grad vom Aequator entfernt, zeichnet sich das Gebiet des Tanasees dank seiner Höhenlage von rund 1800 Metern durch gleichmä­ßige Milde aus. Von ben Bergen unb Hügeln geht es sanft über in fruchtbare Weibevlätze, in einen ewigen Frühling, hier bilden die Lilien, bie nicht säen und nicht ernten und dennoch von ihrem himmlischen Vater ernährt werden, wahre Blumen­reiche. Noch majestätischer als von Gorgora aus öffnet sich der See am Ufer von Debra Tabor, so­weit nicht dem Beschauer Klippen, Inseln unb Vorberge ins Blickfeld springen. Immer kommen die Wellen mit dem Wind von Westen. Wogen von großen schwarzen Möwen, bie auf ben Felsen nisten, stürzen ihnen entgegen.

*

Er sei kein Wüstensammler, hat Mussolini auf die Zumutung, sich mit den brennenden Oeden vor ben Bergen zu begnügen, geantwortet. Nun hat sein eiserner Wille bas Paradies von Norden her über bie englische Einflußzone hinweg, erreicht, und schon holt Graziani zum Vorstoß von Süden her aus, wo eine Kette von Seen nach Addis Abebn führt.

Reichsakademie für Leibesübungen.

Oie Aufgabe: Einheit der deutschen Leibeserziehung.

Berlin, 15. April. (DNB.) Das Kuratorium ber Reichsakademie für Leibesübun­gen, bestehend aus dem Reichsminister des In­nern Dr. Frick, dem Reichsminister für Wissen­schaft, Erziehung unb Volksbildung Dr. Rust und dem Reichssportführer von Tschammer und Osten gibt folgendes bekannt:

In dem gemeinsamen Streben, eine einheitliche Stätte ber Lehrer- unb Führerausbildung auf bem Gebiete ber Leibesübungen unb ber körperlichen Er­ziehung zu schaffen und dadurch die vom National­sozialismus geforberte Einheit ber beutfchen Leibeserziehung herbeizuführen, ist mit so­fortiger Wirkung bie Reichsakabemie für Leibesübungen errichtet worben. Sitz der An­stalt ist das Reichssportfeld in Berlin- Charlottenburg, das nach dem Willen des Führers und Reichskanzlers nicht nur den würdi­gen Rahmen der XI. Olympischen Spiele bilden, sondern gleichzeitig auch zur führenden Stätte der deutschen Leibeserziehung gestaltet werden soll.

Die Reichsakabemie für Leibesübungen Hal neben allgemeiner Lrziehungs-, Lehr- unb Forschungs­arbeit auf dem Gebiete der Leibesübungen die Aufgabe:

a) besonders geeigneten Studienassessoren, die die Lehrbefähigung für Turnen besitzen, und ande­ren 2Hännern, deren berufliche Tätigkeit in enger Verbindung mit der Pflege der Leibes­übungen steht, eine reichseinheitliche Führer­ausbildung auf dem Gebiete der körperlichen Erziehung zu vermitteln,

b) den außerhalb der Schule tätigen Turn- und Sportlehrern eine praktisch und wissenschaftlich vertiefte Berufsausbildung zu gewähren,

c) Fortbildungslehrgänge für die auf dem Gebiete der Leibesübungen und körperlichen Erziehung leitend tätigen Männer durchzuführen.

Die Ausschreibungen für bie Ausbildungsgruppen unb Lehrgänge ber Reichsakabemie für Leibes­übungen werben demnächst erlassen. Hierzu wirb erläuternd mitgeteilt:

Es war eine der ersten Arbeiten der nattvnal- sozialistischen Revolution aus bem Gebiete ber Er­ziehung, baß sie bas Ganze ber Leibeserziehung aus ber Randstellung an ben Mittelpunkt ber schulischen Erziehung heranrückte.

Der Turn- unb Sportlehrer erhielt in dieser Welt ber neuen Leibeserziehung einen neuen ausgezeich­neten Platz; nicht nur, baß er innerhalb ber Schule überhaupt zu einer neuen Stellung emporrückte, er ging auch in ber Art seiner Erziehung unb Aus­bildung revolutionär allen anderen Lehrergattun­gen voran. Die Hochschulsportordnung, die vom Reichserziehungsrninister im Jahre 1934 verkündet wurde, ist eine in der Geschichte der Leibeserziehung entscheidende Tat. Der Reichsinnenminister übergab

bie private Einrichtung der Deutschen Hochschule für Leibesübungen dem Reichssportführer zur Füh­rung mit der Weisung, für die Ausbildung der Turn- unb Svvrtlehrer außerhalb ber Schule neue unb ber Einheit ber Leibesübungen entsprechende Wege zu gehen.

Der Auftrag des Führers, das Reichssportfeld nicht nur zur Stätte der Olympischen Spiele, sondern zugleich zum Mittelpunkt der Führer­ausbildung in der deutschen Leibeserziehung zu gestalten, gab den gemeinsamen Bemühun­gen den geeigneten Ort für eine gemeinsame Ausbildungs- und Erziehungsarbeit.

So schön ber (Bebanfe fein mag, allen beutschen Turn- unb Sportlehrern bie Gelegenheit zu geben, an einer Stelle, wenn auch nur für einige Zeit, gemeinsam zu leben und gemeinsam erzogen zu werden, er würde scheitern an ber Wirklichkeit. Es war baher von Anfang an klar, daß nur eine Auslese, die besten jeder Gruppe, an dieser neuen Erziehungsstätte eine zusätzliche ober ab­schließende Ausbildung erhalten kann. So wirb die Zahl der Bewerber danach bemessen, daß ber Bebarf an Lehrkräften ber Hochschulinstitute für Leibesübungen unb ber Hochschulen für Lehrer« bilbung gebecft werden kann unb barüber hinaus auch bie höheren Schulen mit Turn- unb Sport­lehrern versehen werben, bie bie vertiefte Ausbil« bung in ber Reichsakabemie für Leibesübungen genossen haben. In ähnlicher Weise ist ber Zahlen­anteil ber im freien Beruf arbeitenben Turn- und Sportlehrer bemessen.

Ls ist selbstverständlich, daß die Auswahl der Bewerber nach ganz bestimmten und strengen Gesichtspunkten erfolgen muß. Die Zugehörig­keit zur Ausbildungsgruppe I, die eine er­gänzende Ausbildung für Studienassessoren mit Lehrbefähigung im Turnen und für andere Männer vorsieht, deren abgeschlossene Ausbildung in lebendiger Verbindung mit der Leibes­erziehung steht, seht praktische und methodische Fähigkeiten in reichem Maße voraus. Die Teil­nehmer der Ausbildungsgruppe II, die Sport­lehrer im freien Beruf, haben ihre Fähigkeiten als politische Erzieher, sportliche Uebungsleiter und sportpraktische Könner nachzuwetsen.

Darüber hinaus aber muß ber Bedarf, ben die ©üeberungen ber Partei unb ber Reichsbund für Leibesübungen an Schulung ber ehrenamtlichen Führer unb Leiter ber Leibesbungen haben, von ber Reichsakabemie befriebigt werben. Die Reichs­akabemie hält sich bereit, ben in solchen Stellen stehenben Männern von Zeit zu Zeit eine lieber« holung unb Ergänzung ihres Wissens unb Kön­nens nach bem neuesten Stanb von Lehre und Praxis zu vermitteln.

Aus aller Well.

Englische Bewunderung unserer Zeppeline.

Die Deutschen und nur die Deutschen."

London, 15. April. (DNB.) DerManchester Guardian" bespricht in einem Leitartikel ben großen Erfolg unb bie weiteren Aussichten ber beut- scheu Luftschiffahrt.

Die Jungfernreise besHinbenburg", so heißt es in Dem Artikel, hat bie Erörterungen über bie Aussichten bes Luftschiffes als Trans­portmittel für weite Entfernungen wieber aufleben lassen. Zwar haben bie vielen früheren Luftschiffunglücke bazu beigetragen, baß noch kein allgemeines Vertrauen in dieses Trans­portmittel besteht, aber bie Deutschen und nur bie Deutschen sind jetzt in der Lage, zu beweisen, daß die Fehlschläge auf konstruktive Feh­ler, stümperhafte Ausführung oder Unerfahrenheit in der Luftschiffnavigation zurückzuführen sind. Man wird sich selten darüber klar, daß die erfolgreiche Handhabung des Luftschiffes eine K u n st ist, die gelernt sein will. Die technischen Erfolge der Zep­pelin-Luftschiffe stehen fest. Die Gegner des Luft­schiffes haben seit vielen Jahren immer wieder ge­sagt, daß Flugzeugebald" regelmäßig ben Atlan­tik überfliegen wurden. Wir warten noch immer auf diese Wunderflugzeuge. Niemand kann der Hoffnung Ausdruck geben, daß sie in diesem oder in den nächsten Jahren kommen werden. In der Zwischenzeit wird derHindenburg" in diesem Sommer eine Reihe von Versuchsfahrten zwischen Frankfurt und Neuyork mit Fluggästen ausführen.

Der Artikel weist weiter darauf hin, daß die Reise mit demHindenburg" noch etwas billiger sein werde, als mit dem neuen englischen Luxusoampfer Queen Mary". Aus der. nördlichen Verkehrsstrecke über ben Atlantischen Ozean müsse notwenbiger- weise ein Wettbewerb zwischen bem ßuft« schifsbienst unb ben schnellsten Luxus - bampfern ber Welt eintreten. DerHinbenburg" bürste bie Reise zwischen Englanb unb Amerika in etwa ber halben Zeit eines Dampfers

machen. Vom Stanbpunkt ber Sicherheit könne man in ber Wahl zwischen Flugzeug unb Luftschiff nicht im Zweifel sein. Kein Flugzeug sei bisher gebaut worben, bas auch nur eine halbe Stunbe in einem Sturm über bem Atlantischen Ozean sich auf­halten könnte, wenn ber Motor versagt. Das Luft­schiff bagegen könne sicher, wie bie Fahrt bes Hinbenburg" wieber gezeigt habe, wenn auch lang­samer, seine Reise fortsetzen, selbst wenn mehrere Motoren versagten.

Oer Prozeß um das Berliner Baugrubenunglück.

Im Prozeß um bas Baugrubenunglück in der Hermann-Goring-Straße wurde die Vernehmung ber beiden leitenden Angestellten der Berlinischen Ballgesellschaft, bes Direktors Hoffmann unb seines Bauleiters, Diplom­ingenieur Fritz Noth, fortgesetzt. N o t h , ber am 13. Dezember 1934 mit ben Rammarbeiten begann, betonte, daß die ihm vorgelegten Rammpläne erst nach Beginn der Arbeiten angefertigt worden seien. Er habe nach Skizzen gearbeitet, auf denen jeweils nur Teilabschnitte eingezeichnet waren. Auch Hoffmann will diese Pläne erst nach Beginn der Arbeiten gesehen haben. An den Besprechungen über die Projektänderungen hat er seit dem 1. April 1935 teilgenommen. Keiner habe in ber Projekt- änberung eine Gefährbung bes Bauwerkes gesehen.

Hoffmann ist in ber Zeit vom 16. August bis zum Einsturz am 20. August nicht mehr aus ber Baustelle gewesen. Er wies barauf hin, baß er zu gleicher Zeit bie Oberaufsicht über 14 oerschiebene Baustellen seiner Firma auszuüben gehabt habe. Bei bieser Arbeitsbelastung sei es ihm unmöglich gewesen, sich auf ber einzelnen Baustelle um alle Einzelheiten zu kümmern. In ber Her­mann-Göring-Straße habe er sich barauf verlassen müssen, baß von seinem Bauleiter Noth alle für bie Sicherheit ber Baugrube erforberlichen Vor­kehrungen getroffen würben.

Das allgemeine Interesse am Verhandlungsver­lauf steigerte sich, als ber Zustand des verwendeten Steifenmaterials erörtert wurde. Noth gab zu.