neuer und gemütlicher Saal entstehen, eine große Terrasse geschaffen werden, ferner an der Front nach dem Trieb zu eine Geländeabtragung vor sich gehen, um dadurch das Haus frei zu stellen und eine gute Blickmöglichkeit über den Tneb bis hinüber zu den Straßen zu schaffen. Das Gelände zwischen Dolkshalle und Trieb soll zu einem guten Aufmarschgelände gestaltet werden.
Für die Sanierung der Altstadt, über die Bürgermeister Dr. Hamm berichtete, sind 45 000 Ttt vorgesehen. Die alten Gebäude zwischen Schloßgasse, Lindenplatz und Stadtkirche, in denen unglaubliche Wohnungszustande bestehen, sollen beseitigt werden. Bei dieser Gelegenheit soll auch der etztige Straßen-Engpaß am Linden platz verschwinden, da die Hausfront um mehrere Meter zurückgelegt und eine gradlinige Straße vom Lindenplatz zum Marktplatz geschaffen werden soll. Das Reich wird bei der Finanzierung dieser Arbeiten behilflich sein. Oberbürgermeister Ritter bemerkte noch, daß diese Maßnahme ein Anfang sei dem weitere Straßen-Sanierungen nach Maß- gäbe der finanziellen Möglichkeiten folgen würden.
Zur Betriebsverwaltung teilte der Oberbürgermeister mit, daß auf dem Viehmarktplatz eine große Viehauktionshalle errichtet werden
Wohin geht jeder?
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soll, da der Reichsnährstand die Absicht hat, in Gießen die ganzen Viehauktionen von Oberhessen zu veranstalten, wobei die neue Viehauktionshalle, die bis zum 1. Juli geschaffen werden soll, erforderlich ist. Die Auktionen des Reichsnährstandes werden nach Gießen gelegt, weil nicht nur der Gießener Viehmarkt groß ist, sondern die zentrale Lage der Stadt Gießen dabei entscheidend ins Gewicht fällt. Der Reichsnährstand wird zu den Baukosten einen gewissen Zuschuß leisten, um dadurch sein Interesse an dieser Einrichtung zu bekunden.
Ferner teilte der Oberbürgermeister mit, daß beabsichtigt ist, einen Flughafen für Zivil- und Sportflieger mit Schulungsmoglich- keiten auf städtischem Gelände zu errichten, wobei auch die Provinz eine gewisse Mithilfe bieten wird. Dieser Zivilflughafen soll etwa nach dem Darmstädter Vorbild gestaltet werden.
Für den Bau einer Universitätssporthalle, die 150 000 Mark kosten wird, werden vom Reich 60 000 Mk., vom Land Hessen 30 000 Mk. und von der Stadt Gießen 60 000 Mark gegeben. Die städtische Beihilfe wir in sechs Jahresraten zu je 10 000 Mark gewährt. ; v
Zur Haushaltssatzung für 193 3, in der alle städtischen Aufbaumaßnahmen grundlegend 311- sammengefaßt sind, kam der Oberbürgermeister auch auf das Verhältnis zwischen der Bevölkerung und der Garnison zu sprechen, wobei er ganz im Sinne der Bevölkerung mit außerordentlich herzlichen Worten die guten Beziehungen zu unseren Soldaten hervorhob und unserer innigen Verbundenheit mit der Wehrmacht treffenden Ausdruck gab. Ferner betonte er, daß sich unser Gießener Stadttheater weithin über unsere Stadt hinaus der besten künstlerischen Geltung und Wertschätzung erfreut und dieses Kunstinstitut unter seinem jetzigen Leiter bedeutsame Fortschritte gemacht hat.
Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurde von einer Anzahl Ratsherren eine Reihe von Anfragen gestellt, die vom Oberbürgermeister mit der erbetenen Aufklärung beantwortet wurden, ferner gaben die Ratsherren eine Reihe von bemerkenswerten Anregungen, zu denen sich der Oberbürgermeister als Leiter der Stadtverwaltung entgegenkommend äußerte. Dabei ist besonders hervorzuheben, daß die Stadtverwaltung, wie bisher schon immer, in vollem Maße bereit ist, innerhalb des Bereiches ihrer Steuerhoheit auf die wirtschaftliche Leistungsmöglichkeit der Steuerpflichtigen in gebührender und gerechter Weise Rücksicht zu nehmen daß sie anderseits die erforderliche Strenge aber nicht vermissen lassen wird, wenn es sich um Böswilligkeit oder um Sabotage bei der Erfüllung der steuerlichen Verpflichtungen handelt. In diesen Fällen ist auf irgendwelche Nachsicht nicht zu rechnen.
Nach etwa zweistündiger gemeinsamer Arbeit und nachdem der Oberbürgermeister den Voranschlag für 1936 in Kraft gesetzt hatte, wurde die Sitzung mit dem Treuegruß an den Führer geschlossen.
Amtlicher Feuerwehrtag für den Kreis Gießen und Frühjahrsverbandsiag der Freiwilligen Feuerwehren.
Gestern fand im Katholischen Vereinshaus der amtliche Kreisfeuerwehrtag und im Anschluß daran der Frühjahrsverbandstag der Freiwilligen Feuerwehren im Kreis Gießen statt. Regierungsrat Grein eröffnete den amtlichen Feuerwehrtag und begrüßte die erschienenen Bürgermeister und Kommandanten sowie den Vertreter der Kreisleitung der NSDAP., der NSV., den Bezirksgruppenleiter des Reichsluftschutzbundes, den Kreisverbandsführer der Freiwilligen Feuerwehren im Kreise Gießen, die Vertreter der beiden Gießener Freiwilligen Feuerwehren und der Presse. Er teilte mit, daß dies
der erste amtliche Feuerwehrtag seit 11 Jahren sei
und hierdurch bezweckt werden solle, mit den Führern der Freiwilligen sowie Pflichtfeuerwehren enger in Fühlung zu kommen. Bürgermeister Michel (Großen-Linden) als Vertreter der Kreisleitung, stellte heraus, daß er bei der Feuerwehr nur eine Aufgabe sehe: Deutschland, dem Vaterland zu dienen!
Hierauf erstattete Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier den Jahresbericht. Es fanden in 47 Gemeinden Besichtigungen der Feüerlöscheinrichtungen verbunden mit Hebungen statt; 14 Gemeinden erhielten die Note „sehr gut", 27 „gut" und 6 „im ganzen gut".
Nach diesem Befund ist das Feuerlöschwesen im allgemeinen mit „gut“ bis „sehr gut“ zu bezeichnen.
Er ging dann auf verschiedene Verbesserungen ein, die im Laufe des Berichtsjahres von einzelnen Gemeinden erfolgten und empfahl die Nachahmung. Er sprach ferner noch über die Ursachen eines Teiles der Brände und forderte Abhilfe. Mit der Kreismotorspritze wurden einige Vorführung s- und Uebungsfahrten gemacht und die hierbei gewonnenen Erfahrungen zur Kenntnis der Anwesenden gebracht. Bei vorkommendem Wechsel in der Führung der Feuerwehren ist dem Kreisamt sofort Meldung zu erstatten.
Der Wasserversorgung ist größte Beachtung zu
Längere Ausführungen gelten der Gründung Freiwilliger Feuerwehren.
Das Jahr 1935 hat wieder eine auf steigende Lnlwicklung gebracht.
Wenn auch zur Zeit mit Hilfe der Brandversicherung nicht in dem früheren Ausmaß gerechnet werden kann, so darf deshalb die Arbeit nicht ruhen. Es geht die Aufforderung an alle, dem Feuerlöschwesen das nötige Interesse zu zeigen.
Nach einem Rückblick auf das im Jahr 1935 Ge- chehene und mit dem Dank an die Brandversicherungskammer für die Bewilligung der Zuschüsse an die Gemeinden schloß Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier seine Ausführungen.
Regierungsrat Grein wies nochmals auf die Notwendigkeiten hin, die im Interesse des Aufbaues guter Feuerwehren erledigt werden müssen. Die Feuerwehren müssen allen Anforderungen gerecht werden. Besonders machte er noch auf die Anerkennung der Freiwilligen Feuerwehren als Hilfsoraane der Ortspolizeibehörde aufmerksam. Seine Worte des Dankes galten dem Kreisfeuer- wehrinfpektor und den Bürgermeistern.
In seinen weiteren Ausführungen ging Kreis- euerwehrinspektor Bouffier auf die feuer- löschtechnischen Ergänzungen ein, die unbedingt notwendig sind. So wurden die Wasser- verhältmsse in den Gemeinden, die Geräte, die Beschaffung der Uniformen, die Anschaffung von Motorspritzen für abgängige Saug- und Druckspritzen, die Scylauchbeschaffung, die Brandhilfe, das unentschuldigte Fehlen bei Hebungen und anderes mehr besprochen. Regierungsrat Grein beantwortete noch einige an ihn gerichtete Fragen und bat, die von Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier geäußerten Wünsche zu beachten und schloß damit die amtliche Tagung.
Ser Frühjahrsverbandstag der Freiwilligen Feuerwehren.
Im Anschluß an die amtliche Tagung fand der Frühjahrsverbandstag der freiwilligen Feuerwehren statt. Anwesend waren 35 Wehren mit 58 Vertre
tern. Der Verband zählt 37 Wehren mit über 2000 aktiven Feuerwehrleuten. Derbandsführer Wenzel begrüßte die Vertreter, besonders Regierungsrat Grein, Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier und Altbürgermeister Fendt (Hungen) und gab die Tagesordnung bekannt.
Von einem Jahresbericht in üblichem Sinn wurde abgesehen, weil dieser einer späteren Tagung vorenthalten bleiben soll, jedoch gab er einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der Gießener Feuerwehren und über die Berufswehr.
Die Feuerwehr wurde In 94 Fällen in Anspruch genommen.
dazu einmal bei einem großen Brand in Nidda.
Den Kassenbericht erstattete Kassenführer Rohrbach (Lollar). Die Kasse wurde von den Kameraden Köhler, Harbach und Schäfer geprüft und in Ordnung befunden. Dem Kassenführer wukde Entlastung erteilt.
Der Führerrat wurde erneut bestätigt.
Die neugegründete Freiwillige Feuerwehr Alten- Buseck wurde in den Verband ausgenommen. Um den Herbstverbandstag 1937 hatten sich die Wehren Watzenborn-Steinberg und Nieder- Bessingen beworben. Der Verbandstag wurde der Freiwilligen Feuerwehr Nieder-Bessingen übertragen, da sie zugleich ihr 40jähriges Be - st e h e n feiert Der Herbstverbandstag 1936 findet am 2. und 3. August in Lollar statt. Es wurde allen Wehren zur Pflicht gemacht, vollzählig zu erscheinen. Der Landesverbandstag findet In Nieder-Olm statt.
Kamerad Klein (Gießen) berichtete über eine Reichstagung in Kiel und teilte hierbei mit, daß in diesem Jahre noch mit dem Erlaß eines neuen Feuerwehrgesetzes zu rechnen sei. Auch über die neue Feuerweyruniform wurde berichtet. Kamerad Wenzel gab Kenntnis von einer Besprechung mit dem Brigadeführer Schmidt von der Brigade 147 der SA. über die Dienstabmachungen zwischen Feuerwehr und SA. Weiter kam er noch auf die Gründung freiwilliger Feuerwehren zu sprechen, wobei Regierungsrat Grein volle Unterstützung zusagte, jedoch auf die zur Zeit bestehenden Schwierigkeiten bei den Gemeinden hinwies. Es folgten noch einige Anregungen über Ausbildung, Anfragen über Bekleidung, über das Tragen von Abzeichen usw. Zum Schluß gedachte der Verbandsführer des Führers Adolf Hitler mit einem dreifachen „Sieg- Heil".
schenken.
Mängel sind schnellstens zu beseitigen. Auf Grund von örtlichen Festellungen wurden die betreffenden Gemeinden zur Abhilfe aufgefordert. Ein Nachtalarm kann nur mit Genehmigung des Kreisamtes durchgeführt werden. Die Hebungen sind am Spritzenhaus bekanntzugeben. Andere Bekanntmachungen und das Ankleben von Plakaten an Spritzenhäusern ist verboten.
Für 51jährige Dienstzeit wurde Kamerad Södel (Grünberg) und für 50jährige Dienstzeit Kamerad Otto M i ck e 1 (Lollar) vom Führer und Reichskanzler mit je einem Dank- und Anerkennungsschreiben ausgezeichnet.
Das Ehrenkreuz des Landesverbandes Hessischer Freiwilliger Feuerwehren haben im Jahre 1935 erhalten: Wilh. Schomber (Grünberg); Ludwig V o l k m a n n VII. (Heuchelheim), Heinrich Seitz (Birklar), Karl Jung (Klein-Linden), Christ. Phil. A1 b o h n (Lich).
Vom Kreisamt wurden verschiedene Nachtalarme durchgeführt, die alle gut klappten. Durch Runderlaß des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern wurde bestimmt, daß der Reichsluftschutzbund zur Durchführung der ihm gestellten Aufgaben der Erfahrung und Sachkunde der Feuerwehren nicht entbehren könne. Durch Zusammenarbeit mit dem RLB. haben sich Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren insbesondere geeignete Führer auf Antrag der genannten Stelle zur Verfügung gestellt. Ein vereinbartes Abkommen hatte zur Folae, daß Feuerwehrführer an einem breitägigen Kursus teilnahmen. Die Feuerwehrfachschule in Mainz wurde von verschiedenen Feuerwehrführern und Hnterführern mit Erfolg besucht. Die Ausstellung in Dresden „Der Rote Hahn" wurde vom Kreisfeuerwehrinspektor und von verschiedenen Wehrführern besucht.
Der Kreisverbandstag in Klein-Linden wurde ein Ruhmestag für die heimische Wehr und den Kreisverband. da alles so vorgefunden wurde, wie es fein muß.
SJL-tfpoit
Schützen im Dienste des WHW.
Volksschiehen zugunsten des WHW.
Für den gestrigen Sonntag hatten sich die Schützen überall im Reich zum Einsatz für das Winterhilsswerk zur Verfügung gestellt. Aus den Ständen konnte jedermann seine Kunst im Schießen prüfen und dabei noch einem guten Zwecke dienen. Auch die beiden hiesigen Gießener Schützenvereine hatten alle Vorbereitungen getroffen, um allen Volksgenossen Gelegenheit zu geben, einmal das Gewehr in die Hand zu nehmen.
So herrschte besonders am Vormittag auf den Ständen des Schützenpereins Gießen viel Betrieb und ein Schütze gab dem anderen das Gewehr in die Hand. Es wurden, da sich selbstverständlich die Mitglieder der Schützenvereine selbst beteiligten, sehr gute Ergebnisse geschossen. Für bestimmte erzielte Ringzahlen wurden Auszeichnungen, ansprechende kleine Plaketten, vergeben, außerdem aber auch Diplome, so daß sich bei diesem Winterhilfeschießen ein richtiger Wettkampf entwickeln konnte. Leider war am Nachmittag die Beteiligung nicht mehr so sehr gut. Das etwas unfreundliche Wetter am Nachmittag hatte nicht allzuviele Spaziergänger hinausgelockt, von denen sonst sicher mancher einmal einen Blick in die Schießstände geworfen und sicherlich auch geschossen gälte.
Vom Schützenverein Gießen liegt uns das Ergebnis vor. Dem Winterhilfswerk kann die Gesamteinnahme von 1 2 5,85 Mark überwiesen werden. Die Unfoften, insbesondere die Kosten der Munition, trägt der Verein aus eigener Kasse. Mit Diplomen wurden beim Schützenverein Gießen folgende Schützen ausgezeichnet: Kleinkaliber (liegend freihändig): 1. Schilling 35 Ringe, 2. Hein- bach W. 35 R., 3. Schilling W. 35 R., 4. Frey G.
35 R., 5. Appel H. 34 R., 6. Mootz K. 34 R., 7. Georg W. 34 R., 8. Peter K. 33 R., Sauer H.
33 R., 10. Merlau E. 33 Ringe. Wehrmann (100 Meter, liegend freihändig): 1. Peter K. 35 Ringe, 2. Winhold W. 34 R., 3. Schilling Gg. 32 R., 4. Georg W. 32 R., 5. Sauer H. 32 R., 6. Schilling H. 32 Ringe. Heber die Ergebnisse bei der Schützengesellschaft 1926 berichten wir noch.
Aufstiegspiel zur Gauliga.
Naunheim — Büdingen 2:1.
Es ist erfreulich, daß der Vertreter unseres Bezirkes in feinem ersten Spiel sich erfolgreich durchsetzen konnte.
(Ergebniffe der Pokalspiele in der Vezirksklasse.
1900 Gießen — SV. 05 Wetzlar 0:2.
Lollar — Frohnhausen 2:1 (nach Verlängerung). Dillenburg — Bissenberg 3:0.
Die 1900er spielten nicht schlecht, konnten aber das Spiel nicht durchsieben. In Lollar kämpften zwei gleichwertige Mannschaften unter Einsatz aller Kräfte um den Sieg. In der 4. Minute nach Verlängerung erzielten die Lollarer das entscheidende Tor. Das Ergebnis in Dillenburg bedeutet eine Sensation.
Gpielvereiniaung 1900 Gießen.
1900 — SpV. wehlar 0:2 (0:0).
Dieses Spiel, das sonst neben dem Lokalspiel das meiste Interesse beansprucht, hatte nur 3—400 Zuschauer zu verzeichnen. Was die 22 Spieler gestern zeigten, war nicht begeisternd.
Der Spielverlauf: Die Wetzlarer beginnen mit der ihnen eigenen Art: Schnelle wuchtige Angriffe, um den Gegner zu überraschen. Dies verfing jedoch
Nachdruck verboten!
13. Fortsetzung.
und von im fuhr
Der
Wagen hin."
Mariella nahm dies Anerbieten dankbar an verabschiedete sich mit einem herzlichen Kuß Lore. Lore versprach, am Abend pünktlich Hause Annina von Gellerns zu sein. Dann Renate mit Mariella fort.
Als Renate zurückkam, war sie sehr ernst.
„Dem können wir abhelfen!" meinte Renate. ,Wissen Sie was, ich bringe Sie in meinem kleinen
Oie Tippgräfin.
Boman von Klothilde v Stegmann
Urheberrechtsschutz: Auswärts-Verlag, Berlin, SW 68.
Eindruck, den Mariella di Bonaglia auf die beiden Mädchen gemacht hatte, war erschütternd gewesen.
„Sie muß schleunigst hier heraus!" war alles, was Lore zu ihrer Kusine beim Aussteigen sagte.
„Mal sehen, ob ich dir dabei helfen kann!" entgegnete diese. „Nun aber mache es dir behaglich. Ich habe noch ein paar Bilder zu entwickeln."
Lore herzlich zunickend, ging Renate in ihre Dunkelkammer, um zu arbeiten. Lore aber, in einen weichen Liegestuhl geschmiegt, schloß die Augen. Das so gänzlich veränderte Wesen Mariellas ging ihr nicht aus dem Kopf. Was war mit Mariella geschehen? Ein Geheimnis lag über ihr, das sie tief bedrückte. Hnd dieses Geheimnis mußte man lösen.
„Es tut mir unendlich leib, daß ich gerade Sie mit dieser Hühnerprinzessin beglücken muß, Kammacher. Aber Sie kennen ja den merkwürdigen Geschmack meiner Pflegetochter, die gerade auf dem Besuch dieser Freundin dringend bestand.
„Aber gnädigste Baronin, vielleicht ist es nur halb so schlimm."
Der junge Kammacher, der etliche Stunden spater neben den anderen Festgästen auf seine Tischdame im Salon Anninas wartete, nahm die Sache nicht weiter tragisch
„Hebrigens eine ausgezeichnete Bezeichnung: Hühnerprinzessin!" näselte er. „Die junge Dame hat doch hoffentlich keinen Geflügelstand in der Markthalle?"
„Das ja nun gerade nicht, lachte Annina spöttisch.
„Fräulein Ankermann besitzt eine Hühnerfarm auf der Geyerburg, die uralter Familienbesitz ist. Da kommt sie schön", fügte sie leise hinzu, als plötzlich ein Diener die Tür aufriß und, zu Mariella gewandt, meldete:
„Fräulein Ankermann!"”
Ein halblautes, entzücktes „Ah!" ertönte von allen Seiten, als die „Hühnerprinzessin" neben Mariella auf die Frau des Hauses zuschritt, um ihr die Hand au küssen. Annina von Gellern war eine Sekunde lang sprachlos vor so viel Schönheit, Grazie und Liebreiz. Sogar Mariellas Anmut überstrahlte Lores Liebreiz nicht. Die herrlichen, ährenblonden Haare und die sprühenden blauen Augen der „Hühnerprinzessin" triumphierten über alle anwesenden Damen Ein ganz einfaches, weißes, aber tadellos sitzendes Seidenmarocainkleid ohne jeden Schmuck hob die Lieblichkeit Lore Ankermanns noch mehr. Nur eine im Raume konnte neben ihr bestehen — Mariella, die in ihrem (Bemäntle aus maisgelbem Chiffon, das von einer Rüsche in die andere überging.
Wie gebannt starrten die Augen der Männer auf die beiden entzückenden Mädchenfiguren.
Auch der Sohn des Bankiers Kammacher war vollkommen hingerissen von diesem Anblick.
„Oh, Sie böse, gnädigste Frau", sagte er leise zu der verlegenen Annina, „was haben Sie mir da erzählt? Ich glaubte eine kleine dumme Landpomeranze zur Tischdame zu bekommen. Hnd nun? Das ist ja eine Feenkönigin, diese bezaubernde, junge Dame von der Hühnerfarm! Sie wissen gar nicht, wie dankbar ich Ihnen dafür bin, gnädigste Frau, daß die Attraktion des Abends meine Tischdame sein wird. Wenn sie so klug ist wie schon, werde ich mich allen Ernstes um ihre Hand bemühen, die ..."
„... sicher bereits vergeben ist, mein Junge!" sagte Hagen, der zu den beiden getreten war und angelegentlichst Anninas Schmuck bewunderte. „Aber glücklich der Mann, der diese Prinzessin einmal heimführen wird!"
Spitz erwiderte Annina:
„Hnd das sagen Sie, Mariellas Verlobter? Nun, vielleicht ist die Kleine noch zu haben. Sie besitzt zwar auch nicht viel mehr als Mariella; aber um Mariellas Güter kümmern Sie sich ja nicht, Graf Hagen — nicht wahr?"
Brüsk wandte er sich ab und ließ Annina, die ihm höhnisch nachsah, stehen.
„Kanaille!" murmelte er zwischen den Zähnen, und die steile Falte zwischen seinen Augenbrauen bildete sich, die Mariella nur allau gut an ihm kannte und stets als „Sturmsignal" bezeichnete.
„Was hast du, Liebster?" flüsterte sie besorgt und legte ihren Arm in den seinen. Gerade hatte der Diener gemeldet, daß angerichtet wäre. Paarweise schritten die Gäste in den großen Speisesaal. Flüsternd setzten Erhard von Hagen und Mariella ihre Unterhaltung fort:
„Furcht für dich, mein Lieb, wenn ich an die dir bevorstehende Nacht denke. Ach, Mariella, wozu das alles? Sieh einmal, deine Freundin Lore" — kann die vielleicht die zwölftausend Mark für uns in bar geben und mich zum Verwalter der Geyerburg machen!, wollte er gerade sagen, als das Wort ihm auf den Lippen erstarb, denn eine frische und unbekümmerte Mädchenstimme, die im ganzen Raum deutlich hörbar war, sagte entschieden:
„Sie scherzen wohl, Herr Kammacher. Ich liebe meine Heimat über alles und dächte gar nicht daran, auf Reisen zu gehen und Die Geyerburg fremden Leuten zu überlassen. Gott, ja, daß meine Freundin Mariella mit ihrem Gatten mein Anwesen vorübergehend übernehmen würde, könnte ich mir sogar vorstellen. Aber weiter reicht meine Phantasie wirklich nicht. Heber Ihre Idee, daß ich schön genug wäre, zum Film zu gehen, muß ich nur lachen, Herr Kammacher. Ich — und Film? Nein, nein! Nie im Leben! Dazu würde ich mich durchaus nicht eignen. Hnd wenn es Millionenschätze zu verdienen gäbe. Wissen Sie, was es heißt, das Stück Grund und Boden zu lieben, das man ererbt hat? Sie sind ein Stadtmensch, Herr Kammacher, und können das nicht begreifen. Aber ich? Ich bin ein erdgebundener Mensch auf eigener Scholle, und jeder Pfennig, den ich mir erarbeitete, kommt auch der Geyerburg wieder zugute. Denn ich bin durchaus nicht die reiche Erbin, für die ich, sehr zu meinem Leidwesen, immer gehalten werde."
Ihre helle Stimme hatte zuletzt ganz allein durch den weiten Raum geklungen. Nun hielt Lore verlegen inne:
„Ach du lieber Gott!" sagte sie erschrocken. „Da ist mein Temperament einmal mit mir durchgegangen. Da habe ich junges Kücken ganz allein geredet.
„Und schön haben Sie geredet, mein gnädiges Fräulein!" rief der alte General Ultebeck. „Sie
brauchen sich nicht zu schämen. Solange wir Frauen haben wie Sie, denen unsere Heimaterde so heilig ist, können wir stolz sein. Ich werde dann ein Glas auf Ihr ganz besonderes Wohl trinken, wenn Sie mir gestatten!"
Er verbeugte sich ritterlich gegen die errötende Lore.
11. Kapitel.
Ins dunkle Land.
Doktor Walter Heßling war inzwischen mit dem Herzog und dem jungen Ingenieur Pepito Arlesi in Afrika gelandet. Auf der langen Schiffsreise hatte er genügend Gelegenheit gehabt, die früheren Erlebnisse des Herzogs und Pepito Arlesis, der von einer deutschen Mutter abstammte, auf ihren afrikanischen Expeditionen zu erfahren. Er ahnte nun die Schwierigkeiten, die ihnen bevorstanden. Aber er hatte sich vorgenommen, nur zu Mariella zurückzukehren, wenn er über den Verbleib oder den Tod ihres Vaters völlig Klarheit hätte. Diesmal sollte ihre Expedition nicht scheitern. Sie waren glänzend ausgerüstet. Ihr Schiff beherbergte ein zusammen» gelegtes Flugzeug. Außerdem folgte ihnen das kleine Luftschiff, die „Stella Maris".
Endlich näherte sich ihnen die buschumstandene Küste Afrikas. Tanga, der Haupthafen des früheren Deutsch-Ostafrika, tauchte auf, mit seinen europäischen Häusern, seinen Eingeborenenhütten, seinen Palmenwäldern und Pflanzungen. Zum ersten Male betrat Walter Heßling afrikanischen Boden. Die Eindrücke wollten ihn beinah verwirren. Die Schwarzen an der Landungsbrücke sahen mit Neugier dem schmucken europäischen Motorschiff entgegen.
Ein ohrenbetäubendes Freudengeschrei brach aus, als man den Herzog und Pepito Arlesi erkannte. Besonders Pepito Arlesi wurde von den Schwarzen jubelnd begrüßt. Er hatte jahrelang vor dem Kriege im Lande gelebt, kannte alle afrikanischen Dialekte und war bei den Negern „der große weiße Freund" geworden, wie sie ihn nannten. Besonders die As- raris, der tapferste Negerstamm, hatten den großen weißen Freund nicht vergessen. Hnd auch der Herzog war von seiner ersten Forschungsreise her allen als ein gütiger, freigebiger und gerechter Herr in Erinnerung. Als erster begrüßte sie Bata, ein alter Elefantenjäger aus Mvschi, der sie bereits einmal auf einer Expedition begleitet hatte.
(Fortsetzung folgt!)


