Ausgabe 
15.12.1936
 
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Europa und die Nichteinmischung

Eden wünscht Deutschlands Mitarbeit

Italiens Antwort überreicht

7795 V

druck

Hnig

Schauspiel des Sowjetkrieges in Spanien zusam­men, wenn Herr Blum behauptet, der Pa kt MoskauParis sei einer der großen Boll- werke für den europäischen Frieden und deshalb unentbehrlich? Wir wissen, daß wir auf diese Fra­gen aus dem Frankreich der internationalen Volks­front keine zureichende Antwort erwarten dürfen. Es muß uns die eigene Einsicht und Ueberzeugung genügen, daß das Bollwerk, von dem Blum sprach, in Wahrheit zu einem Bollwerk der Drit­ten Internationale, zu einer Bastion der Komintern in Westeuropa geworden ist. Die Sprache, die L6on Blum gegenüber seinem Freunde de los Rios gebrauchte, war allzu deutlich... Ev.

Rom, 14. Dez. (DNB.) Die Antwort der ita­lienischen Regierung auf die englisch-französifchen Vorschläge vom 5. d. M. lautet:

1. Die italienische Regierung teilt den von den Regierungen Englands und Frankreichs zum Aus-

Schutz vor Ansteckung durch __

des Wirtschaftlichen hat nur Bismarck durch den leidenschaftlichen Einsatz seiner selbst möglich ge­macht.Er hat seinem Volke die Lösung dieser Auf­gabe ins Blut hineingetrieben ... für den Mann und fein Volk einer der großen Ruhmestitel ihrer Geschichte, ... eine fortwirkende, noch gegenwarts- volle, eine späte Zukunft allfühlbar mitgestaltende, fordernde Kraft." Die nationale Einheit des Bis- marckreiches ist nach den Schlußworten dieses,Buches für alle Lebensmöglichkeiten der Nachzeit die Vor­bedingung geblieben, unwegdenkbar auch aus allen weiterftrömenden Fortsetzungen der deutschen Ent­wicklung. Sie, ihre Schöpfer und Träger uns leben­dig gemacht zu haben in der uns zeitgemäßen Form, die Klarheit der Deutung mit dem Schwung edler Begeisterung zu einem echten Kunstwerk großer Geschichtsschreibung verbindet, das ist das Verdienst dieses Buches Fr. W. Lange.

Kunst und Wissenschaft.

Deutsche Albrecht-Dürer-Stiftung.

Am 6. April 1937, gelegentlich her Wiederkehr des Todestages Albrecht Dürers, wird die von der Stadt Nürnberg errichtete Deutsche Albrecht- Dürer-Stiftung zum 9. Male ausgerichtet. Sie dient der Förderung deutscher bildender Künst­ler. Zur Erfüllung dieses Stiftungszweckes kön­nen aus dem Jahreserträgnis der Stiftung an hervorragend begabte Maler und Graphiker zur Förderung ihrer künstlerischen Entwicklung wie z. B. zum Besuch von Schulen, für Studienreisen, zur Beschaffung von Werkstoffen und Arbeitsgerä­ten, Stipendien gewährt werden. Die Stiftung kann auch an hervorragend begabte Künstler zur Aus­führung bedeutsamer Werke auf Grund vorgelegter Entwürfe Zuschüsse leisten oder einzelne ausgezeic^ nete Kunstwerke solcher Künstler erwerben oder sich an der Erwerbung beteiligen. Bewerbungen

____gebrachten Wunsch, jede politische Erwägung dem höheren Interesse der Zivilisation und des Friedens unterzuordnen, jeden Anlaß auszuschal­ten, der dazu beitragen könnte, die Gefahren der gegenwärtigen Krise auszudehnen und in Spanien normale Zustände und die Ordnung endlich wieder

* Erich Marck 1871/78.

Reiches. Deutsche n" Kunden 24 Mark.

Zwei Bände. Preis IN L-'«n g-nuiM^ _ Deutsche Derlagscmstalt m Stuttg

Geister wie des feinen diplomatischen Spiels und schließlich des Appells an die Ueberzeugungskraft der Waffen. Meisterhaft wie das Werk des Staats­mannes ist die Erzählung des Historikers: die Ent­schlüsse zum Kriege 1864, 1866 und 1870. Unge- mein spannend b'rängt di- Hand ung zum Hade- punkt der spanischen Thrankandidatur und zur Em- fer Depesche hin, die diplomatisch-polltlsche l^it- Wicklung wird ausführlich geschildert,, die psycho- loaischen Beweggründe Bismarcks, die innere Recht­fertigung des 'Entschlusses, auch vor dem Letzten nickt auszuweichen, lernen mir m ungeheurer Prägnanz und doch in ebenso s^sam abgewoge­nem Urteil kennen. Ebenbürtig neben den Staats­mann tritt auch in der Darstellung von Marcks der Feldherr Moltkes Persönlichkeit die Schlacht ftäniaaräh dann der strategische Aufmarsch 1870, die Schlachten um Metz im Zeichen von Moltkes Idee und Willen, schließlich die Kontroverse zwischen Staatsmann und Feldherr in der Beschießung von Varis werden in Problemstellung und Losung mi meisterhafter Kraft klargelegt. Gerade dies Kapitel mfrh niel eicbt für uns, die wir durch die Erfahrun­gen des Weltkrieges für diese Fragen hellhörig ge­worden sind, von besonderem Reiz fein.

Das Buch klingt dann nach ausführlicher Schil- hM leiden Aktes der Reichsgrundung aus kn KE Fnweis aus die innere Weiterentwicklung der ^deutschen Einheit aus das Zusammenwachsen Deutschlaims zur Nation. In kurzen Strichen wer- hhip ffleaenfräfte angedeutet: Kulturkampf und ^ia ismus Wir sch-n nach die inneren Gesahren für bas 7-utsche Bürgertum, den Berbundeten Bis- mnrrfs im Kampf um die Einigung, sich in hin fflrünberiahren" anmelden und als Auftakt der n-u-n^Evocke ui Abwehr von Manchestertum und L^likmus Schutzzoll und Sozialpolitik als Mit- M^taatüdben Eingriffs in die wirtschaftliche Ent­wicklung- Diesen Uebergang zur staatlichen Leitung

entfernt, daß wir mit anderen Nationen zusammen seine Mitarbeit auf wirtschaftlichem, finanziellem und politischem Gebiet suchen. Wir wünschen weder Blocks noch Schranken in Eu­ropa." England könne sich nicht in diesem oder jenem Teil der Welt für uninteressiert erklären in der vagen Hoffnung, daß dieses Gebiet England nicht berühren meroe. Das Nichteinmischungsab­kommen habe sich nicht so bewährt, wie man ge­wünscht habe. Die spanische Tragödie rufe immer noch internationale Befürchtungen hervor. Daher hatten die französische und die englische Regierung wiederum die Initiative ergriffen, um das Nicht­einmischungsabkommen wirksamer zu gestal- t e n und durch ein Vermittlungsangebot den Feindseligkeiten ein Ende zu setzen. Dadurch habe man andere Nationen, die mehr daran be­teiligt seien und deren Verantwortung weit größer i fei, ein gutes Beispiel gegeben.

land zu erwarten.

Wie jedoch die Spanien-Politik Frankreichs und Sowjetrußlands einzuschätzen ist, das geht nicht,pur aus der immer unoerhüllter betriebenen Wafsen- und Menfchenlieferung an die spanischen Kommuni­sten hervor, sondern auch aus solchen Aeußerungen, wie sie der französische Ministerpräsident Blum erst jetzt wieder in einer Unterredung mit der eng­lischen ZeitungNews Chronicle" getan hat. Die Frage des Pressemannes, ob Frankreich immer noch an dem Grundsatz der Nichteinmischung festhalte, obwohl es wisse, daß er praktisch die ganze Zeit über nicht eingehalten worden sei, wurde von Blum nachdrücklick bejaht. Das heißt also mit anderen Worten, daß Frankreich auch künftighin jene indirekte Unterstützung der spanischen Bolschewisten beibehalten wird, die Blum schon vor Monaten dem roten spanischen Minister de los Rios mit den Worten versprach:Ich werde meine Stellungnahme um jeden Preis und trotz aller Risiken beibehalten, wir müssen dem be reunbeten Spanien helfen. Wie? Das werden wir sehen

Auch im weiteren Verlauf seiner Unterredung gab Blum Ansichten kund, die, bei Lichte besehen, von bewußten oder unbewußten Irrtümern nur so strotzen. Großmütig erklärte der französische Regie­rungschef, man sei bereit und bemüht, Deutschland bei der Rückkehr zp einem normalen wirtschaftlichen Leben zu helfen, falls Deutschland durch eine allge­meine Nivellierung der Rüstungen Helsen werde, aber in gleichem Atemzuge machte er dieüberwäl­tigende und untragbare schwere deutsche Wie­deraufrüstung" verantwortlich für das Ent-

um Leistungen aus der Stiftung sind bis zum 15. Januar 1937 bei dem Vorsitzenden des Kurato­riums, Oberbürgermeister Liebel, Nürnberg, Norishalle am Marientorgraben, einzureichen. Bei der Bewerbung find bestimmte Vorschriften zu be- achten, die in "einem Merkblatt enthalten sind, das kostenlos von der Direktion der Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg, Königstraße 93, zu beziehen ist. Bewerbungen, die den Besttmmungen des Merk­blattes nicht entsprechen, werden nicht berücksichtigt.

Festakt zur Aeberreichung dec Nobelpreise, in Stockholm.

Die Festlichkeit anläßlich der Nobelpreis- Verteilung im Großen Saal des Stockholmer Konzerthauses fand unter den herkömmlichen For­men statt. König Gustav V. von Schweden verteilte auch diesmal die Preise, die aus der Fest­urkunde, der goldenen Plakette und dem Scheck bestehen, persönlich an die Nobelpreisempfänger. Außer dem König nahmen an dem Festakt dis Prinzen Gustav Adolf, Wilhelm, Karl der Aelteve und der Jüngere sowie Prinz Eugen und die Hof- begleitung teil. Die Mitglieder der Regierung wur­den von Staatsminister H a n s s o n geführt. Unter den diplomatischen Vertretern sah man den deut­schen Gesandten Prinzen zu Wied. Anschließend wurde ein Festessen im Goldenen Saal des Stadt­hauses gegeben. Anstelle des Nobelpreisträgers für Literatur, des amerikanischen Schriftstellers Eugen O ' N e i l l, der krankheitshalber die Reife nach Stockholm nicht antreten konnte, empfing der Stock- holmer amerikanische Geschäftsträger den Preis aus der Hand des Königs. Unter den diesjährigen Nobelpreisträgern befand sich auch der Chemiefor­scher, Professor am Kaiser-Wilhelm-Jnstitut in Ber­lin Peter D e b y e. Die Würdigung der Forschungs- arbeit des Professors Debye erfolgte durch den schwedischen Professor Arne Westgren. Der Ko-

Bürgertum die lebensvollere gewesen, bis es . der Genius des großen Staatsmannes überschattete, j So liegt auch im ersten Band der Marcksschen Dar- ( stellung die Betonung auf der Entfaltung der , Neichsidee im deutschen Bürgertum in den über- , großen Mannigfaltigkeiten der Prägung durch Per­sönlichkeit, geschichtliche Tradition, landschaftliche Eigenart. Weit mehr noch wird dieser erste Teil des Buches, der den beträchtlich längeren Zeitraum der Gelamtepocke umfaßt, aufgelockert durch das bunte vielfältige Nebeneinander der politifchn, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung in den einzelnen deutschen Ländern, ein Nebeneinander, das schließ­lich zusammenströmt in dem gewaltigen Bett des Problems der deutschen Einheit, der Drehpunkt allen geistigen und politischen Strebens und Han­delns, der sich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt be­stimmender vorschiebt. Kräfte und Gegenkräfte m diesem Kampfe für und wider ein einiges Reich erstehen in scharfen Konturen. Das ungemein far­bige Bild der Paulskirche, ein Spiegel deutschen Geistes und deutschen politischen Wollens dieser Zeit, weiß Marcks in wenigen, markanten Strichen lebensvoll vor uns aufzurollen. Und schließlich zwischen den Mühlsteinen europäischer Großmacht­interessen das Versickern im Jahrzehnt der Reaktion in Gesellschaft und Staat, ein letztes Aufslackern mittelstaatlichen Machtbewußtseins, aber auch neue Bewegungen ankündigend in allen Zweigen der Kultur und über die wirtschaftliche Entfaltung ge­rade in diesem Jahrzehnt mit seinem Kampf um den Zollverein als Vorläufer deutscher Einheit doch wieder hinüberschwingend zu dem großen zeitbestim- menden politischen Problem.

Nun tritt immer entschiedener der Staatsmann an die Rampe, der der hier behandelten Epoche deutscher Geschichte seinen Namen gegeben hat und auf den bann auch im zweiten Bande dieses Bu­ches alle Fäden der Darstellung mehr und mehr zu laufen: der Aufstieg des Reiches wird zur Geschichte Bismarcks Dessen Stellung zum deutschen Pro- klem ^während de'i Spanne seines Wirkens aum wesentlich verändert in der wechselnden Betonung des einen oder anderen Schatten-, °"d bestimm von Vreußentum und europäischer Politik.JJie SM-M-SL nach außen hm, im Kampfe u u Mnaen mit

Preußens und Deutschlands, Die Heros

Konfliktsminister der MM6 mit Kl des deutschen Volkes erhob. n9 Königin und Kronprinz dem liberal n

'SSn.,;-£ einzelnen Phasen dieses gewaltigen ju u

hergestellt zu sehen.

2. Hinsichtlich des Vorschlages der beiden Regie­rungen zu einer neuen förmlichen Erklärung der Nichteinmischung in die spanischen Angelegenheiten und der Verstärkung der Maßnahmen, die zu diesem Zweck vom Londoner Komitee zu treffen wären, liegt der italienischen Regierung ganz besonders daran, darauf hinzuweisen, daß sie von Anfang an die Notwendigkeit unter ft ridjen hat, die Verpflichtung der Nichteinmischung, um wirksam zu sein, möglichst vollständig zu gestalten. Außer dem Verbot der Einfuhr von Kriegsmaterial nach Spanien müßte sie die Verpflichtung enthalten, die Entsendung von Freiwilligen und politischen Agitatoren zu verhindern und die Sammlungen von Geld sowie jede Form der Propaganda für oder gegen eine der beiden im Streit liegenden Parteien zu untersagen. Die italienische Regierung zweifelt nicht baran, baß die Lage in Spanien heute anders aussehen würde, wenn ihr Standpunkt von Anfang an angenommen

stehen des französisch-sowjetrussifcken Paktes. Diese Behauptung steht mit den historischen Tatsachen in schroffstem Widerspruch, denn bekanntlich wurde die f r a n z ö s i s ch - s o w j e t r u s s i f ch e Mili­tärallianz bereits vorbereitet und abgeschlossen, als sich Deutschland erst in den allerersten Anfängen seiner Wiederwehrhaftmachung befand. Außerdem stellt die Erringung der deutschen Wehrfreiheit nicht eine Aufrüstung, sondern eine Nachrüstung dar, die dem westlichen Nachbarn um so weniger Sorge bereiten sollte, als ja die berufensten Mitglieder der französischen wie der Moskauer Regierung erst jüngst erklärt haben, ihre Militärmacht sei die stärkste der Welt.

Wie reimen sich alle diese Widerspräche zusam­men? Wie reimt es sich auch mit dem furchtbaren

M irrt V um....

^5 u * I $ e n t m o r t auf den aus Paris np.^ Än edÄ^ösischen Vorschlag, eine neue Aktton zur Verschärfung der Nichteinmischungs- bef mmungen und zur Vermittlung im spanischen «riege zu unternehmen, ist im Auslande sehr ver- beurteilt worden. Die Zeitungen in den lDeststaaten tun dabei so, als ob es von der deut- chen Haltung abhinge, was nun zur Lösung der panischen Frage geschehen könne. Sie versuchen Jren Lejern weiszumachen, daß Deutschland dafür 9.ie *5ejantmortung trage, wenn sich das Feuer über die Grenzen der Iberischen Halbinsel hinaus ausbreitet. Wir kennen diese Methode zur Genüge, mit der gewisse Staatsmänner die Schuld an einer internationalen Katastrophe noch vor ihrem Aus­bruch von der eigenen auf eine fremde Schulter a un)a^en bemüht sind. Die Verdrehung histori- mar. ichon immer ein geläufiger Xritf der diplomatischen Zauberer jenseits des Rheins. So ist es gut und richtig, auch jetzt wieder Logik und Reihenfolge der Ereignisse im Auge zu behalten, damit keineMißverständnisse" entstehen. Das deutsche Memorandum ist nicht im geringsten unklar oder zweifelhaft. Es unterstreicht noch ein­mal sehr nachdrücklich unseren Wunsch, an einer Lokalisierung bzw. Beendigung des spanischen Kon- liktes mitzuarbeiten. Wenn es darüber hin­aus Zweifel an dem Gelingen einer sol­chen Aktion ausdrückt, so ist das nicht auf unseren mangelnden Willen, sondern auf die leichtfertige und unehrliche Handlungsweise anderer Mächte zurückzuführen, die gleichfalls in dem Londoner Nichteinmischungsausschuß vertreten und oft ton­angebend sind.

Uebrigens steht ja Deutschland mit dieser Auf­fassung und Beurteilung der spanischen Dinge nicht allein. Die Noten der italienischen und der portugiesischen Regierung machen genau dieselben Bedenken geltend. Auch sie weisen darauf hin, daß die gegenwärtige Lage in Spanien nicht so besorgniserregend wäre, wenn man sich von Anfang an zu einer strikten Neutralität im Sinne der ersten deutsch-italienischen Vorschläge verpflichtet hätte. Deutschland, Italien und Por­tugal haben also alles Mögliche getan, um den spanischen Krieg nicht in eine europäische Krise ausarten zu lassen, während Sowjetrußland und Frankreich durch eine großzügige Umgehung aller Nichteinmischungsvorschriften erst den jetzigen ge­fährlichen Zustand herbeiführten.

Das Schicksal der englisch-französischen Befrie­digungsaktion hängt in erster Linie davon ab, ob vor allem Sowjetrußland bereit ist, in Zukunft eine echte und wahre Neutralitätspolitik zu treiben. Die bisherigen Geschehnisse gestatten uns jedoch leider nicht an dessen guten Willen zu glauben. Es müßte schon eine tatsächliche Garantie gegeben sein, daß die laufende Unterstützung der spanischen Bolschewisten aus Frankreich aufhört und daß Sowjetrußland seine Truppen, Offiziere, Mann­schaften und Waffen aus Spanien zurückzieht, be­vor an eine Beilegung des spanischen Konflikts überhaupt zu denken ist. Eine solche Garantie auf­richtiger Neutralität ist jedoch bisher nur von Eng-

9er Ausstieg des Reiches.

Marcks:

Deutsche Geschichte von 1MKF -Ls 1571/78

Don der älteren Generation deutscher Historiker die mit ihrer Jugend noch im Zeitalter der Reicks- arünbung wurzeln, sind nur wenige noch am Leben, von ihnen niemand, der mit Aufbruch und Ausstieg des Bismarck-Reiches sich enger verwachsen fühlte .als E r i ch M a r ck s , der heute Fünfund- siebzlgjahrlge, dessen Leistung als Forscher, Ge­schichtsschreiber und Lehrer vor wenigen Wochen erst vom Führer durch die Verleihung des Adler- schildes besonders geehrt wurde. Forscher und Lehrer war Erich Marcks, aber vor diesen doch zu allererst der begnadete Geschichtsschreiber, der große Erzähler, dessen künstlerische GestaltungskraftTempe- rament und Pathos in eine klar gegliederte alle Schattierungen sorgsam abwiegende Form bändigt Erich Marcks nimmt in der modernen deutschen Geschichtsschreibung eine gewisse Sonderstellung ein als Meister des historischen Essays, als der uner­reichte Porträtist, dessen Griffel mit souveräner Be­herrschung des Materials aus subtilster künstlerischer Intuition die großen Gestalten ber neueren europä­ischen Geschichte vornehmlich des Zeitalters der Religionskriege: Elisabeth, Coliany, Philipp von Spanien, dann aber immer wieder in neuen Ab­wandlungen Bismarck und seinen Kreis, den Alten Kaiser, Moltke und Roon, Friedrich von Baden au dem Bilde unnachahmlich formte, wie wir es zu sehen uns schon gewöhnt haben. Diese Begabung für das Porträt, die Neigung, eine historische Epoche im Spiegel der Persönlichkeit zu erfassen, ist auch ein charakteristischer Zug des neuen, bisher viel­leicht umfangreichsten Werks, das uns Erich Marcks noch in feinem hohen Alter geschenkt hat, der älteren Generation abschließende Darstellung noch eines guten Teils eigenen Erlebens, uns Jungen Vermächtnis und Verpflichtung zugleich. *

DiesBuch persönlicher Liebe und persönlichen Erlebens" will, wie sein Verfasser im Vorwort sagt, Vorgeschichte und Werden des Reiches darstellen, bas als Grunblage alles nationalbeutschen Staats- kbens erwuchs und das dessen Grunblage, ja, ber feste Turm allen Deutschtums geblieben ist, in ver- änberter Zeit mit verändertem Streben und eigenen Maßstäben doch auch für dieses Streben der not­wendige lebendige Kern, und über die Zeiten hin­aus ein wirkendes Stück alles deutschen Daseins". Es liegt in der Natur ber Sache, baß bie Dar­stellung bie kleindeutsche Reichsgründung zum Gegenstand hat als notwenidge Stufe ber Entwick­lung zu einer gefamtbeutschen Zukunft. Der Gang der Dinge In Oesterreich ist in die Schilde­rung wenigstens bis 1867 mit einbezogen, später erscheint es nur angebeutet im Zusammenhang ber außenpolitischen Seite ber Bismarckschen Reichs- grünbung und Reichssicherung. Das Buch setzt ein mit bem Prolog der Erhebung Preußens unb Deutfchlanbs vom Sturz in den napoleonischen Kriegen. Die großen preußischen Reformen erfahren eine lichtvolle Darstellung, aber auch Staatsmänner des Südens wie Montgelas, der Revolutionär von oben, und Metternich erhalten eine gerecht ab* wägende Würdigung, wie auch Marcks sich vor Uebertreibungen hütet in ber Kritik bes Restaura­rationswerkes bes Wiener Kongresses unb bas im Deutschen Bunb Erreichte als Fortschritt in ber Entwicklung zur beutschen Einheit gegenüber dem tatsächlichen Zustand des alten Reiches vor feiner Auslösung anerkennt. Von den beiden schöpferischen Gewalten bes Bismarckreiches war bis 1860 bas

worden wäre. Es scheint in der Tat einleuchtend, daß die heute von den beiden Regierungen vor­gebrachten Vorschläge damals bei ihrer Verwirk­lichung auf viel weniger ernste und gewichtige Schwierigkeiten gestoßen wären, als das unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Fall sein wird. Wenn alle anderen Staaten darin übereinstimmen, sieht jedoch die italienische Regierung auch heute keine Schwierigkeit, im Londoner Komitee alle Maßnahmen zu prüfen, die am geeignetsten erscheinen mögen, eine vollkommene Durch­führung und Kontrolle der Nichteinmischung sicherzustellen unter der Voraussetzung, daß die Maßnahmen gleichzeitig in ihrer Gesamtheit an­genommen werden.

3. Die englische Regierung und die französische Regierung regen eine Vermittlungsaktion der am meisten interessierten Staaten an, um den bewaffneten Kampf unb bem Blutvergießen in Spanien ein Enbe zu setzen unb dem Lande zu er­möglichen, seinen nationalen Willen zum Aus­druck zu bringen. Diese Anregung kann natürlich von der italienischen Regierung nur günstig ausgenommen werden. Die italienische Regie­rung stellt sich jedoch die Frage, ob unter den heutigen Verhältnissen die Verwirklichung einer georbneten Volksabstimmung in Spanien in ben Bereich ber praktischen Möglich­keiten gehören mag. Außerbem muß bie italienische Regierung barauf Hinweisen, baß bei objektiver Betrachtung der Tatsachen es schwierig erscheint, zu leugnen, daß das spanische Volk bereits in hinreichenberWeisefeinenWillenzu- gunsten ber 91 a t i o na I r e g i e r u n g zum Ausdruck gebracht hat, die es verstand, mehr und mehr die Zustimmung ber Mehrheit ber Be­völkerung zu gewinnen und in ben Besitz des größ­ten Teiles des spanischen Gebietes zu gelangen. Ebenso muß sie daraus Hinweisen, daß die Aus­söhnung zwischen den beiden im Streit liegen­den Parteien heute ungemein schwierig erscheint, sowohl wegen der a n a r ch i st i s ch e n Tendenz, die unbestreitbar in den Reihen der Gegner ber nationalen Regierung vorherrscht, als auch wegen ber Roheiten, beren sie sich schuldig ge­macht haben. Trotzdem ist die italienische Regie­rung, in bem Wunsche, nichts zu unterlassen, was ben höheren Zielen bes Friebens dienlich fein könnte, bereit, in einem Geist freundschaftlicher Zusammenarbeit fen-e Vorschläge zu prü­fen, die die übrigen Regierungen glauben machen zu können, und an ihrer möglichen Verwirklichung teilzunehmen.

London, 14. Dez. (DNB.) Außenminister Eden lehnte in einer Rede in Bradford Doktrinen ab, durch bie bie Welt in Diktaturen der Rechten und der Linken geschieden werden könne. Für die Zusammenarbeit in außenpolitischen Fragen sei nicht bie Regierungsform ausschlaggebend, sondern die Bereitschaft, ehrlich für den internationalen Frieden mitzuarbeiten.Weder die Erklärung Del- bos noch meine eigene enthalten irgendeine ver­borgene Absicht, ein ausschließliches Bündnis zu bilden, noch bedeuten sie die Absicht, eine Block­politik zu treiben. Es liegt nicht in unserer Absicht, zu irgendeiner ausschließlichen Reaelung zu kom­men. Wir wünschen vielmehr bie Mit­arbeit Deutschlands, die wir herzlich be­grüßen würben, nicht nur an einem Westabkommen, fonbern in europäischen Angelegenheiten ganz all­gemein. England hat das in den Nachkriegsjahren oftmals durch Taten bewiesen. Wir sind von dem Wunsche einer Einkreisung Deutschlands so weit I