Ur. 216 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, 15. September 1936
Aus der Provinzialhauptstadt.
Herman Hirt f.
Im Anschluß an unseren gestrigen Artikel zum Tode des Prof. Dr. Herman Hirt wird uns aus den Kreisen der Universität noch folgendes geschrieben:
Am 12. September ist mit Herman Hirt einer der besten von allen Gelehrten dahingeschieden, die unsere Universität zu den ihren zählen durfte. Der anspruchslose Mann, der in Gießen seit vierundzwanzig Jahren vor wenig Hörern las und es nicht liebte, irgendwie hervorzutreten, war in der gelehrten Welt angesehen, wie wenig andere. Wenn die Linguisten der Erde zu ihren Tagungen zusammentraten, wählten sie ihn zum Vorsitzenden. Die Gelehrten Gesellschaften von Budapest, Helsingfors, Prag und Washington ernannten ihn zum Mitglied. Die Wirkung seiner Bücher umspannt alle fünf Erdteile. Seine Schüler vertreten die vergleichende Sprachforschung weit über die deutschen Grenzen hinaus. Sein siebzigster Geburtstag am 19. Dezember 1935 wurde der gern ergriffene Anlaß zu einer Festschrift „Germanen und Jndogermanen", die in zwei starken Bänden eine wahre Gesamtschau aller der wissenschaftlichen Fragen bietet, die im neuen Deutschland zur Tagesordnung aufgerufen sind.
Diesen verdienten Ruhm dankt Herman Hirt der umfassenden Kraft und der unbekümmert mutigen Geradheit seiner gedankenstarken Lehre. Der hoch- begabte Sohn des Magdeburger Zimmermeisters hat schon im Gymnasium „Zum Kloster unserer lieben Frauen", von dem er gern erzählte, den Grund zu der umfassenden Sprachbeherrschung gelegt, die er später auf entbehrungsreichen Fahrten durch Litauen, Bosnien und Serbien erweitern und vertiefen konnte. Die auf seinem Gebiet führende Leipziger Universität ließ ihn unter Friedrich Zarncke, August Leskin, Karl Brugmann und Eduard Sievers zum Glied der junggrammatischen Schule werden, deren Lehre er nachmals ausgebaut hat, wie kein anderer. In Leipzig habilitierte er sich 1891; 1896 wurde er außerordentlicher Professor, 1912 erreichte ihn der Ruf an die Hessische Landes-Universität, an der er, der gern lehrte und immer bereit war, den Mitforschenden mit gutem Rat zu helfen, über seine Emeritierung 1933 hinaus, gewirkt hat bis zu seinem Ende. Die Titel seiner Hauptwerke: „Indogermanischer Accent" 1895, „Der indogermanische Ablaut" 1900, „Die Jndogermanen, ihre Verbreitung, ihre Urheimat und ihre Kultur" 1905/07, „Indogermanische Grammatik" 1921/36 und „Handbuch des Urgermanischen" 1931/34 zeigen den kraftvoll klaren Entwicklungsgang eines Gelehrten, der von den meisterhaft beherrschten Einzelheiten zu den höchsten Fragen der Sprachwissenschaft aufstieg, ausgezeichnet durch einen unbestechlich klaren Sinn für das Wesentliche. Er ist es, der ihn berühmt gemacht hat. A. G.
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Kaiser von Kalifornien". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Männer vor der Ehe".
Ortsgruppe Gießen-Nord.
Hilfskassenbeiträge für SA.-lNanner.
Die im Bereiche der Ortsgruppe Gießen-Rord wohnenden Angehörigen der SA., SS., Marine-SA., Reiter-SA. und RSKK. zahlen den Beitrag zur Hilfskasse für die Monate Oktober, November, Dezember am heutigen Dienstag, 15. September, abends zwischen 20 und 22 Uhr im Cafe Leib.
Letzte Zahlungsmöglichkeit Freitag, 18. 9., auf der Geschäftsstelle, Walltorstraße, für diejenigen, die am 14. und 15. September dringend verhindert sind.
Es ist Pflicht eines jeden SA.-Mannes, den Hilfskassenbeitrag bis 18. September zu zahlen, da sonst Abmeldung aus der Hilfskasse erfolgen muß und dadurch empfindliche Folgen entstehen können.
Ortsgruppe Gießen-Ost.
Befr.: Hilfskasse für das 4. Vierteljahr 1936.
Die im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Ost wohnenden SA.-, SS.- und NSKK.-Mitglieder werden aufgefordert, die Hilfskassenbeiträge für die Monate Oktober, November, Dezember 1936 am heutigen Dienstag, 15. September, in der Zeit zwischen 20 und 21.30 Uhr in der „Germania", Kaiserallee 141, zu entrichten.
NG.-Kulturgemeinde
Landfchaflsbund Volkstum und Heimat. Ortsring Gießen.
Die für 20. September vorgesehene Kraftwagenfahrt nach Bad Hersfeld muß wegen zu geringer Beteiligung ausfallen.
Deutsche Arbeitsfront.
Abt. für Berufserziehung und Betriebsführung. Arbeitswoche für Bilanzbuchhalter.
Die Gaubetriebsgemeinschaft „Handel" der Deutschen Arbeitsfront, Abt. Berufserziehung, führt in der Zeit vom 11. bis 17. Oktober eine Arbeits
ttatt). Die Fahrt geht dann weiter nach Wiesbaden, vortselbst Besichtigung der Stadt, Kochbrunnen, Kurhaus, Kurkonzert, Neroberg. Nach diesem größeren Aufenthalt in Wiesbaden geht die Fahrt weiter über Eppstein, Oberursel, Bad Homburg nach Gießen. Der Fahrpreis beträgt 4,40 Mark je Teilnehmer. Anmeldungen müssen bis spätestens Mittwoch, 16. dieses Monats, auf der Kreisdienststelle Gießen, Schanzenstraße 18, abgegeben sein.
Fußwanderung.
Am Sonntag, 20. September, findet wieder eine Fußwanderung statt. Die Wanderung ist wie folgt angesetzt: Gießen, Badenburg, Hangelstein, Lollarer Kopf, Staufenberg, Gießen. Treffpunkt 7.30 Uhr am Oswaldsgarten. Rucksackverpflegung.
Urlaubsfahrten.
Die Fahrtunterlagen für die Urlaubsfahrt 65/36 Allgäu-Pfronten können auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, gegen Vorzeigen der Quittung abgeholt werden.
Im Monat Oktober finden noch folgende U r - laubsfahrten statt:
Dom 1. bis 6. Oktober Oktoberfest in München.
Die SA. derGruppe Sessen grüßt dieLustwaffe
Der jüngste Wehrmachtsteil des neuen Heeres wird im Gruppenbereich eine Konzertreise veranstalten. 2Nit Freude werden wir die Männer der Luftwaffe grüßen, in dem Gefühl enger Verbundenheit, das die SA. gerade mit unseren Fliegern verbindet, und das schon einmal seinen schönsten Ausdruck fand, als die SA. am Geburtstage des Führers das Kampfgeschwader „horst Wessel" übergab. Während die SA. in den Zeiten der schwersten deutschen Schmach die Tradition der alten Armee hochhielt, dokumentiert heute die neue Wehrmacht, daß es der Einsatz der SA. im Geiste horst Wessels war, der die Schaffung des neuen Heeres ermöglichte.
heute hat die Luftwaffe die Ausgabe übernommen, unser Volk vor jedem Angriff zu schützen. Gerade sie ist in erster Linie berufen, Frauen und Kindern Sicherheit vor der Bedrohung aus der Lust zu geben.
Freudigen Herzens wünscht die SA. der Gruppe Hessen daher der Luftwaffe für die Kunstveranstaltung innerhalb des Gruppenbereiches den besten Erfolg.
Der Führer der Gruppe Hessen:
A. h. Bewerte, Gruppenführer.
woche für Bilanzbuchhalter durch. Ziel dieser Arbeitswoche ist die Ablegung der Bilanzbuchhalter- Prüfung. Voraussetzung zur Teilnahme an dieser Arbeitswoche ist die einwandfreie Beherrschung der doppelten Buchführung einschl. Abschluß. Jeder selbständige und auch jeder leitende Kaufmann hat Gelegenheit, sich in der Arbeitswoche für Bilanzbuchhalter all das zu erarbeiten, was zur Beherrschung einer wirklichen Bilanzsicherheit notwendig ist.
Auskunft und Anmeldung: Kreiswaltung der Deutschen Arbeitsfront, Abt. f. Berufserziehung und Betriebsführung, Gießen, Schanzenftraße 18, Telephon 3275.
In einem Rundschreiben an verschiedene Firmen wurde irrtümlich der Beginn und das Ende der Arbeitswoche in den Monat September verlegt. Wir bitten dies zu beachten.
Die öcutfche Arbeitsfront -•’W A n.9.=6emeinfchaft „Kraft Öurd) freute"
Omnibusfahrt in den Taunus.
Am Sonntag, 20. September, findet eine Omnibusfahrt in den Taunus statt. Die Fahrt verläuft wie folgt: Gießen Abfahrt 8 Uhr über Weilmünster, Rod, Idstein (in Idstein findet eine Besichtigung
Teilnehmerpreis mit voller Verpflegung und Unterkunft 34 Mark.
Vom 10. bis 18. Oktober nach Thüringen-Rennsteig. Doller Teilnehmerpreis 35,50 Mark.
Vom 21. bis 27. Oktober nach Berlin. Fahrt mit voller Verpflegung und Unterkunft 39 Mark.
Ferienwanderungen finden in diesem Jahre noch folgende statt:
Vom 1. bis 10. Oktober in die Bayrischen Alpen. Teilnehmerpreis einschließlich Führung und lieber» nachtung 26 Mark.
Vom 10. bis 18. Oktober Wanderung durch den Thüringer Wald. Der Teilnehmerpreis beträgt 16 Mark.
Zu allen vorgenannten Fahrten und Wanderungen werden täglich Anmeldungen auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, entgegengenommen.
Heute Abend Rückkehr der Gießener NSKK-Männer aus Nürnberg.
Die Nürnberg-Fahrer der Motorstandarte 147 (Gießen) kommen am heutigen Dienstag um 21 Uhr mit dem ihr vom Führer verliehenen und geweihten neuen Feldzeichen (Standarte) auf dem Gießener Bahnhof an. Sie werden dort von den Männern des Standorts Gießen der Motorstandarte 147 und zwei Musikzügen empfangen. Der Einmarsch in die Stadt als Fackelzug geht durch die Bahnhofstraße
Katzen auf dem Lande.
Bon Heinrich Hauser.
In der Nachbarschaft habe ich bisher sechs Katzen gezählt. Sie müssen wohl alle aus der gleichen Familie stammen, sie sind sämtlich gefleckt, einige zweifarbig, andere dreifarbig, schwarz, gelb und weiß, aber das Weiße überwiegt bei allen.
In der ersten Zeit verhielten sie sich abwartend. Abends, wenn der Tau fiel, wenn der Mond auf- ging, sah ich sie auf den frischgemähten Wiesen ringsum mausen. Helle Flecken, lautlos sich bewegend oder still am Boden kauernd. Dann ein Sprung, ein pfeifendes Piepen, ein Knurren und dann ein eiliger Trab der Scheune zu, ein zappelndes, dunkles Etwas vor dem Maul.
Oder ich sah sie auf den Querlatten der Zäune balancieren, meist Herr und Dame im Stadium der Annäherung, wie auf der Promenade. Die Dame voller Grazie hingegossen, den Schnurrbart dem Mond zugekehrt, es war die ach so bekannte Haltung völliger Unbewußtheit, als ahne sie nichts von der Nähe des Kavaliers. Und auch der Kater tat, als sei er nur ganz aus Zufall anwesend, wippte mit dem Schwanz, unschlüssig, für welche Marschrichtung er sich eigentlich entscheiden sollte, sah nach dem Mond, blinzelte, tat, als ob der Star auf dem Pflaumenbaum ihn lebhaft interessierte, tastete sich spielerisch Pfote um Pfote von Zaunpfahl zu Pfahl und ach: wie merkwürdig, wie gänzlich unerwartet — da war sie ja, die junge Dame. Man sah sich an — ja, was sollte nun eigentlich geschehen? Die Katzendame wandte den Kopf, vornehm, indigniert durch einen scheinbar unverschämten Blick: „Oh" sagte sie gewissermaßen. Und war da nicht eine Maus? Man konnte jedenfalls so tun, als sei da eine Maus. So raffte sie denn ihr Kleid — genau so sah es aus — sprang ab, der Kater nach: auch er gab vor, er hätte die Maus gehört.
Im nächsten Augenblick aber war man sich ganz einig, es sei keine Maus vorhanden, man könnte statt dessen — sowieso auf der Jagd — sich selbst ein bißchen jagen. Und dann hörte ich ihr Fauchen, hörte das Kratzen der scharfen Krallen an der Rinde der Obstbäume, sah ihre hellen Gestalten durchs dunkle Laub sich winden, sah den Kater still im Mondschein sitzen, die Nase hochgerichtet, und hörte sein melancholisches Liebeslied. Und jetzt war sie es, die ihn umschlich. Ach, wieviel Ausdruck, wieviel Menschliches legten sie nicht in die Bewegungen ihrer Schwanzspitzen.
Ost, wenn ich vom Jäten oder Hacken aufsah, war eine Katze ganz in meiner Nähe. Sie saß oder
lag aus einem der kleinen Wege zwischen den Beeren und starrte mich an. Ich sah, wie ihre Muskeln sich spannten und wie ihre Pupillen sich zusammenzogen. Sie kauerte sich, als sie sich entdeckt sah, legte den Kopf an den Boden, zog die Pfoten unter die Brust, lauerte reglos, nur ihre Schnurrhaare vibrierten. Kühl und bewußt stellte sie mich auf die Probe. Was würde er tun, der neue Mann mit den aufgekrempelten Hemdsärmeln und der verdreckten Gartenhose? Würde er nach einem Erdklumpen greifen? Würde er die Hacke nach ihr schmeißen? Oder würde er ihre Anwesenheit auf sich -beruhen lassen?
Ich wußte nicht, was ich mehr-bewundern sollte, ihre Menschenkenntnis oder ihren Mut. Ein Stein hätte sie leicht treffen können, trotz blitzschneller Flucht. Und sie wußte das, ganz ohne Zweifel.
Jetzt also haben sie mich als harmlos erkannt und schlüpfen unbekümmert in meinen Garten. Ich beobachte sie gern, abends von meinem Altan herab, wenn der Garten unter mir liegt wie ein Bild der Erde vorn Flugzeug aus 2000 Meter Höhe gesehen.
Sie sind ja doch Tiger, nur in verkleinertem Maßstab. Alles, was wir über den Tiger wissen wollen, können wir auch von der Katze erfahren. Wie sie nach den Tauben schielt! Wie der Anblick ihr gewissermaßen in die Knochen fährt, daß sie sich ducken muß. Wie der Schwanz zuckt, wie seine Spitze sich krümmt, genau wie der Stachel eines Skorpions! — Ja, aber da ist nichts zu machen mit den Tauben, die oben in der Dachrinne gurren und spitzig trippeln, daß das Blech leise klirrt. — So tut sie denn, als sei gar nichts gewesen, reibt im Spiel die Schnurrhaare an einer Gansfeder, die zufällig zwischen den Beeten liegt, schlägt mit dem Schwanz einen abschließenden und entschuldigenden Kringel, der die Lage entspannt: „Wir haben halt nur gescherzt!"
Da hat ein Rotschwänzchen unter meinem Altan sein Nest gebaut. Die Katze weiß es. Sie weiß auch, daß sie das Nest nicht erreichen kann, aber sie kann es sehen, und es reizt sie, es giftet sie, wenn sie das Piepen der Jungen drinnen hört. Sie kann nicht davon lassen, viele Male am Tage umschleicht sie bas Nest. Sie duckt sich, und während die Rotschwänzchenmutter schimpfend im nahen Erbsenreisig angstvoll von Ast zu Ast tanzt, duckt sich die Katze. Ihre Lefzen ziehen sich zurück, ihre spitzigen Zähne blinken feucht, und unwillkürlich, sicherlich gegen ihren Willen — denn das Geräusch verdirbt die Jagd — entringt sich ihrer Kehle ein böses fauchendes Schnurren. In kurzen, fiebernden Zuckungen schlägt der Schwanz den Boden. Sie will springen, es tobt in ihr der Drang — und die Entfernung ist zu groß.
Gestern abend wäre fast ein Unglück geschehen. Ich hatte mein Gerät unter den Altan geräumt und die lange Harke schräg gegen den Stützbalken gelehnt. Ich dachte mir nichts dabei, aber die Rotschwänzchenmutter erkannte sofort die Gefahr: die schräge Stange bot der Katze den Stützpunkt, von dem aus sie das Nest erreichen konnte. Der winzige Vogel machte einen für seine Verhältnisse unglaublichen Lärm, umflatterte mich, warnte seine Jungen, und schon sah ich, wie die Katze lustvoll ange- schlichen kam.
Erst da begriff ich. Und legte die Harke um.
Ganz große Katastrophen könnten oft verhindert werden, gäbe es jemanden, der „die Harke umlegt".
Zeitschriften.
— Die moderne Zivilisation verdrängt den Tod mehr und mehr aus dem Blickfeld des Menschen. Das ist eine der „Fragen an die Kirche", die Professor D. Dr. Helmuth Schreiner in seiner Betrachtung „Dom Gestaltwandel des Lebens in der modernen Zivilisation" im Septemberheft der „Zeitwende" (Wichern-Verlag Berlin-Spandau) aufwirft. Ein erschreckendes Gegenbild ist die Todeswirklichkeit Sowjetrußlands, in der das von Margarethe Schultheiß eindringlich erzählte Wunder geschieht, daß gerade hier „Das Licht der Welt" hereinbricht. Professor D. Dr. Friedrich Brunstäd deutet „Wahrheit und Recht als göttliche Ordnung" und erlöst dadurch diese Grundbegriffe menschlicher Existenz aus der philosophischen Abstraktion, führt sie in die konkrete Lebendigkeit biblischer Anschauung. Wie sehr sich die evangelische Kirche im 19. Jahrhundert von ihren reformatorischen Grundlagen entfernt hatte, zeigt eine Betrachtung von Professor D. Hermann Sasse über Adolf v. Harnack, den „Theologen des Zweiten Reiches". Wirkt der Kampf zwischen Geschichtswissenschaft und Dogma, in dem Harnack führend war, nicht bis in unsere Tage hinein fort? Daß wir uns freilich heute mit neuer Bereitschaft zu hören der Heiligen Schrift zuwenden, darauf weist Hermann Giese nachdrücklich hin. Im erzählenden Teil wird der niederdeutsche Bauernroman „Die schöne Gesine" von Gerhard fRingeling zum spannungsgeladenen Ende geführt. Das Heft schließt mit einigen Zeitglossen. Eine von ihnen handelt von den ,',Atempausen der Seele", jenen stillen Minuten der Einkehr, die der Mensch braucht wie das tägliche Brot. Wer sie sucht, der greife zu der ebenso gehaltvollen wie lebendig anregenden evangelischen Monatsschrift, die im Oktober ihren neuen Jahrgang beginnt.
— Was ist von Politik, Kunst, Geschichte, von den Grundantrieben und «formen, von dem Lebens
über Horst-Wessel-Wall, Seltersweg, Sonnenstraße, Schulstraße, Walltorstraße zum Caf6 Leib. Dort folgt ein Kameradschaftsabend.
Sämtliche Männer des NSKK. haben heute um 20.30 Uhr im großen Dienstanzug in der Alicen- strahe bei ihren Stürmen anzutreten.
Rückkehr der SA. und p£. von Nürnberg.
Unsere Gießener SA. kehrt am morgigen Mittwoch mit Sonderzug an Bahnhof Gießen 11.06 sth r von Nürnberg zurück. Der Spiel- mannszug und der Musikzug der Standarte 116 sowie ein Ehrensturm werden die Nürnberg-Fahrer der Gießener SA. am Bahnhof empfangen. Der Einmarsch, mit klingendem Spiel an der Spitze, geht durch die Bahnhofstraße, Liebigstraße, Frankfurter Straße, Seltersweg, Kreuzplatz, Sonnenstraße, Landgraf-Philipp-Platz zum Standartengebäude.
Die Politischen Leiter aus Stadt und Kreis Gießen (von Kreis Wetterau der ehm. Kreis Gießen) kehren ebenfalls am morgigen Mittwoch mit einem Sonderzug über Lauterbach—Alsfeld zurück. Dieser Sonderzug hat folgende Ankunftzeiten: Lauterbach 21.10 Uhr, Alsfeld 21.40 Uhr, Burg-Nieder-Gemünden 22.19 Uhr, Mücke 22.36 Uhr, Grünberg 22.47 Uhr, Gießen 23.13 Uhr, Lollar 23,46 Uhr; der Zug fährt dann weiter bis Marburg. Don Grünberg aus fährt im Anschluß an diesen Sonderzug ein Zug durch das L u m data l, der auf allen Stationen hält, ab Grünberg 22.58 Uhr, an Lollar 23.48 Uhr.
Polizeibericht.
Schweres Sittlichkeilsverbrechen „An der Kläranlage".
Am 13. September 1936 kurz nach 9 Uhr wurde in der Nähe der „Kläranlage" hinter einer Hecke in fast bewußtlosem Zustande eine Frauensperson aufgefunden, die durch Schläge in das Gesicht erheblich verletzt war. Alle weiteren Anzeichen, zerrissene Kleider usw. deuteten auf ein Sittlichkeitsoerbrechen hin. Die Persönlichkeitsfeststellungen durch die Kriminalpolizeistelle ergaben alsbald, daß es sich bei der Verletzten um eine 35jährige Patientin der Nervenklinik handelt, die am 9. September 1936 die Klinik heimlich verlassen hatte. Sie wurde nach der Auffindung sofort wieder in die Klinik verbracht. Bei der ärztlichen Untersuchung, bei der außer den Gesichtsverletzungen auch Würgespuren am Halse und Verletzungen am ganzen Körper festgestellt wurden, ergab sich einwandfrei, daß ein schweres Verbrechen an der Person verübt worden ist. Sofort wurden die Ermittelungen nach dem Täter ausgenommen. Es konnten auch alsbald dringende Verdachtsmomente gegen den Ferdinand Klein, geboren am 29. Dezember 1907 zu Marburg, wohnhaft in Gießen, An der Klaränlage, festgestellt werden. Noch bevor dessen Festnahme erfolgen konnte, ging Klein flüchtig. Klein, der mit vielen nach Zigeunerart herumreisenden Händlern bekannt ist, hat sicherlich bei einer solchen Familie Unterschlupf gefunden. Klein ist etwa 1,76 Meter groß, kräftig, hat ovales frisches Gesicht, dunkelblondes Haar und blaue stechende Augen. Seine Stimme ist rauh, beim schnellen Sprechen flotter er ein wenig. Er hat einen schlendernden, nach vorn geneigten Gang. Bekleidet ist Klein mit dunkeler Hose und blauem Rock. Alle Personen werden ersucht, beim Auftauchen des Klein der nächsten Polizeibehörde Nachricht zu geben.
Versuchtes Sittlichkeitsverbrechen auf der Straße Gießen—Steinberg.
Am 13. September 1936 gegen 11 Uhr wurde eine Dame, die auf ihrem Fahrrad die Prooinzialstraße Gießen—Steinöerg befuhr, in der Nähe der Abzweigung zum Schiffenberg von einem Radfahrer zum Absteigen gezwungen und in der unsittlichsten Weise belästigt. Aus die Hilseruse der Dame ließ der Täter einen Augenblick von ihr ab, lies aber der Davonlaufenden nach und faßte sie wieder. In diesem Augenblick kam ein Radfahrer von Steinberg gefühl, den Lebensordnungen des Hellenentums noch lebendig? Auf diese Frage geben die Beiträge des Septemberhefts der Süddeutschen Monatshefte (München) Antwort. Helmut Verve (Leipzig) gibt die richtungweisende Methode an, wenn er sagt: „Nicht private Fragen einzelner ober eines gleichgesinnten Kreises sind es mehr, um die es sich heute handelt, sondern die großen Fragen, die das deutsche Volk bewegen: Rasse, Volkstum, Staat, Idee und Macht, Behauptung in der Welt. Mit ihnen nahen wir uns der Geschichte der Hellenen, ohne ihr bestimmte, uns genehme Antworten in den Mund zu legen, vielmehr überzeugt, daß sie selbst sprechen muß, so wie sie wirklich war, und daß des Geschichtsforschers Aufgabe nur sein kann, sie in ihrer wahren Eigenart zum Worte kommen zu lassen." Carl Weickert (München) handelt von der „Griechischen Plastik". „Epos und Lyrik der Hellenen und die Gegenwart" ist der Gegenstand der Untersuchung, die Hans Bogner (München) anstellt. Ein kühner Wurf ist Werner Deubels Arbeit: „Deutschland und die antike Tragödie". Wilhelm Wunderer (München) sieht den „Sinn der Olympischen Spiele" in der Verbindung der nationalen Idee mit der Wettkampfidee, die beide auf religiöser Grundlage ruhen. Mit diesem letzten Heft des Jahrgangs 33 haben die Süddeutschen Monatshefte ihr Erscheinen eingestellt. Wer, wie wir, ihre Arbeit im Kampf unseres Volkes um politische und kulturelle Selbstbehauptung durch viele Jahre verfolgt hat, wird die Mitteilung des Verlags nur mit Bedauern entgegennehmen. Ihre Eigenart, den Inhalt eines jeden Monatsheftes auf ein besonderes kulturelles Problem auszurichten, bat ihren Lesern geholfen, auch dem eigenen Interesse fernerliegende Gebiete in sorgfältig redigierten Darstellungen kennenzulernen.
Sochschuinackrichten.
Professor Dr. Hermann Dold, Ordinarius für Hygiene an der Universität Tübingen, hat einen Ruf an die Universität Freiburg i. Br. erhalten.
Professor Dr. Erwin Reichenbach, Extraordinarius für Zahnheilkunde an der Universität München, ist zum ordentlichen Professor an der Universität Leipzig ernannt worden.
Professor Dr. Gustav Hoennicke, Ordinariu» für neutestamentliche Exegese in der Evang.-Theol. Fakultät der Universität Breslau, wurde von den amtlichen Verpflichtungen entbunden.
Professor Dr. Helmuth Kulenkampff, Extraordinarius für Physik an der Technischen Hochschule München, ist zum ordentlichen Professor an dec Universität Jena ernannt worden.


