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Nr. Ab Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, l5. September 1936

Oer Tag der Wehrmacht in Nürnberg.

Der Abschluß der Vorführungen.

Die Gefechtsübung.

Der beschränkte Platz läßt ein einheitliches Bild der Zusammenarbeit der verschiedenen Waffengattungen nicht zu, sodaß die Ent­wicklung eines modernen Gefechtsbildes gewisser - maßen nur in Teilabschnitten möglich ist. Diese aber sind so geschickt ineinandergefügt, daß die Zu­schauer trotzdem einen guten Eindruck von der Not­wendigkeit engster Verbundenheit und Zusammen­arbeit der verschiedenen Verbände erhalten. Die Reiterspähtruppe eines Reiterregiments auf dem Vormarsch stößt auf feindliche <5 p ä h - t r u p p-P anzerwagen und gibt diese Erkun­dung durch rote Leuchtkugeln nach hinten. Pan­zer-Abwehrgeschützen gelingt es, den Geg­ner abzuwehren, worauf der Vormarsch fortgesetzt wird.

Eine motorisierte Aufklärungsabteilung trifft auf eine feindliche S p e r r e aus Schützen, leichten MG. und Panzer-Abwehrgeschützen. Der erste Angriff der Panzer-Spähwagen wird abgewehrt, so daß Ar­tillerieeinsatz erforderlich wird. Inzwischen rücken die Schützen sprungweise gegen die Sperre vor. Kraftwagen bringen als Verstärkung schwere

Fahnen aller an dem Aufmarsch beteiligten Truppenteile mitgeführt.

Der Kommandeur der 17. Division meldet die Paradeaufstellung. Oberbefehlshaber der Wehrmacht

Generalfeldmarschall von Blomberg

wendet sich nun mit folgender Ansprache an die Soldaten:

Soldaten! Am 16. März 1936 hat unser Führer und Reichskanzler der neuerstandenen Wehrmacht Truppenfahnen verliehen. Eine gehei­ligte Tradition ward damit zu neuem Leben er­wacht. Heute wird euch die Ehre zuteil, daß am Tage der Wehrmacht des Reichsparteitages ihr die neuen Fahnen und Standarten zu treuen fänden empfangt. Sie sind ein Kleinod, das ihr zu bewahren und rein zu erhalten habt. In diesen Feldzeichen verkörpert sich für euch die Ehre eurer Truppe. Sie sind zugleich das Symbol aller soldatischen Tugenden. Der Fahne zu folgen im Leben und im Sterben ist von nun an euer höchstes Gesetz.

Währen die Truppen präsentieren, übergeben die Oberbefehlshaber der Wehrmachtsteile unter den Klängen des Präsentiermarsches und dem Donnern der Geschütze den Kommandeuren der Regimenter

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Generaloberst Freiherr v. Fritsch bei der Uebergabe der Truppenfahnen eines Panzerregiments. (Scherl-Bilderdienst-M.)

MG. heran, bis der Gegner die Sperre nicht mehr zu halten vermag. Panzer-Spähwagen und Kraft­radschützen nehmen die Verfolgung auf. Das In­stellunggehen der Batterie zeigt dann die zweite Abteilung des Artillerie-Lehrregiments Jüterbog, die sich unter Fliegerbeobachtung und Einsatz der Funktrupps erst auf den Gegner einschießt und dann Wirkungsschießen vorführt.

Inzwischen sind die Formationen auf dem Vor­marsch an eine ausgebaute Stellung des Verteidigers mit Schützengräben MG - Nestern, Minenfeldern und einer getarnten Feuerstellung der Panzerabwehrgeschütze und Artillerie geraten. Es entwickelt sich das Bild eines Großkampfes, bei dem der Angreifer die Infanteriegeschütze mit in die vordersten Linien zieht. Aber erst dem Einsatz der zweiten Welle der Panzerkraftwagen gelingt der Einbruch in die feindliche Stellung.

Die Uebergabe der neuen Fahnen

Durch fünf Tore ziehen nun die Truppen zur Paradeaufstellung auf die Zeppelmwiese.

Nach dem Aufmarsch ertönt das Kommando Stillgestanden!", Die Truppen präsentieren. Ueber die Straße ziehen mit klingendem Spiel die 112 Fahnen des alten Heeres, unter ihnen die Fahnen der ältesten Regimenter der ehemaligen Armeekorps und vier Fahnen der alten Kriegs­marine, in das gewaltige Rechteck ein. Im mittleren Block des Fahnenbataillons werden die neuen

d i e neuen Feldzeichen. Die Hunderttausend haben sich von ihren Plätzen erhoben und grüßen die Fahnen.

Der Oberbefehlshaber der Wehrmacht, General­feldmarschall von Blomberg, fährt dann fort:

Soldaten! In dieser Stunde gedenken wir des Mannes, der uns die neuenFeld- zeichen gab und dem wir in unerschütterlicher Treue verbunden sind. Adolf Hitler, unser Führer und Reichskanzler, der Oberste Befehlshaber der deutschen Wehrmacht, unser deutsches Volk und Vaterland Sieg-Heil!

Machtvoll brausen die Heilrufe über das weite Feld. Die Lieder der Nation beschließen die feier­liche Fahnenweihe.

Die Wehrmacht vor dem Führer

Der Tag der Wehrmacht erreichte am Nachmittag mit der Anwesenheit des Führers bei den Vorführungen auf der Zeppelinwiese seinen Höhepunkt. Auf der Ehrentribüne waren neben der Generalität und Admiralität das gesamte Führer­korps der Bewegung, die ausländischen Diplomaten, zahlreiche ausländische Militärattaches und die füh­renden Persönlichkeiten der Reichs- und Staats­behörden anwesend. Die weiten Ränge waren dicht besetzt. An den Toren des Zeppelinfeldes wehten an den schlanken Masten die Reichskriegs­flaggen. In südlicher Richtung kreuzte in der Ferne das LuftschiffHindenburg" am Himmel.

Mit militärischer Pünktlichkeit brausten um 14 Uhr die schweren Kampfflugzeuge über das Zeppelin­feld und gaben damit das Zeichen für den Beginn. In pausenloser Folge wickelt sich nun das viel­seitige Programm der Wehrmachtvorführungen ab, das ebenso wie am Vormittag auch jetzt die Massen immer wieder zu stürmischen Beifallskundgebungen hinreißt.

Und dann entfaltet sich nochmals das wunder­volle Bild des Aufmarsches aller an den Vorfüh­rungen beteiligten Truppenteile und der Kriegs­marine, die zum ersten Male die ihnen am Vor­mittag verliehenen neuen Fahne n mitführen und bei dem Anmarsch mit Beifall überschüttet werden. Nach kaum 30 Minuten steht die Parade­aufstellung angetreten vor ihrem obersten Befehls­haber. Nachdem die Fahnenkompanie mit den ruhmreichen Fahnen des alten Heeres vor der Ehrentribüne mit Front zum Führer und Obersten Befehlshaber Aufstellung genommen und der Kom­mandeur der 17. Division, Generalmajor Haase, dem Führer die Paradeaufstellung gemeldet hat, nimmt der Führer das Wort.

DerFührerspnchfzurWehrmachf

Soldaten!

Zum drittenmal seid ihr auf diesem Platz hier in Nürnberg angetreten! Zum erstenmal flattern vor euch d i e Kriegsfahnen des neuen Reiches! Zum erstenmal haltet ihr in euren Fäusten die neuen Fahnen eurer Regimenter! So zeigt sich schon in diesem äußeren.Bild der Wandel, den Deutschland, unser, euer Deutschland durch­gemacht hat. Dieser Wandel aber ist das Ergebnis einer sehr großen Erziehungsarbeit an unserem Volke und einer nicht weniger großen Arbeit auf allen Gebieten unseres nationalen Lebens.

Daß wir heute so hier stehen können und diese Tage so zu feiern vermögen, verdanken wir der unendlichen Tatkraft, dem unendlichen Fleiß, der unendlichen Arbeit unseres Volkes. Aber all diese Arbeit würde vergeblich sein, wenn es dem Reiche nicht möglich gewesen wäre, sich seinen inne­ren und seinen äußeren Frieden zu sichern. Was uns heute mit so großem Stolz erfüllt, sind die Lei st ungen unserer Frie­densarbeit. Was uns als höchste Aufgabe ge­stellt ist, das ist die Sicherung und damit Erhal­tung dieser Leistung und dieser Ar­beit. Und wenn Millionen Menschen jahraus jahrein für diese Arbeit ihr Leben einsetzen, in Fabrik und Werkstatt, in Betrieb und Kontor, dann ist es verständlich und vernünftig,, wenn auch alle genau so bereit sind, ih r Leben einzusetzen für die Erhaltung dessen, was so ge­schaffen wurde.

Deshalb, meine Soldaten, seid ihr von der Nation gerufen worden! Nicht um irgendeinem frivolen Versuch eines Überspannten Chauvi­nismus zu dienen sondern um Dache zu stehen vor unserer Arbeit! wache zu stehen vor unserem Volk! Wache zu stehen vor unserem Deutschland! Wenn ich euch so vor mir sehe, dann fühle ich, und ich weih es, daß diese Wache allen Gefahren und allen Drohungen gegenüber slandhalten wird. Der Deutsche war stets ein guter Soldat. Das Heer, aus dem ihr gewachsen seid, trägt die stolzeste Uebedieferung aller Zeilen. Wenn Deutschland einst zerbrach, dann war das die Folge seines inneren politischen Zerbrechens, heute steht die Nation so gerade ausgerichtet, wie ihr, meine jungen Kameraden, hier vor mir steht. Deutsch­land ist heute wieder seiner Soldaten würdig, und ihr, das weih ich, werdet dieses Reiches würdige Soldaten sein! Wir bilden in Volk, Partei und Wehrmacht eine unlösbar ver­schworene Gemeinschaft! Es mögen Zeiten kommen, die ernst sind. Sie werden uns niemals schwankend, niemals mui- los und niemals feige antreffen! Denn wir alle wissen: Das Himmelreich erringen keine halben! Die Freiheit bewahren keine Feigen! Und die Zukunst gehört nur dem

Mutigen allein!

Die iparabeauW der Wehrmacht auf der

Während der Luftparade erschien das Luftschiff Hindenburg" über dem Zeppelinfeld. Hoch über den in langer Reihe fliegenden Geschwadern stand herrlich am Himmel das stolze Luftschiff. (Scherl-M.)

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Was von euch gefordert wird, ist nur ein kleiner Teil von dem, was die Vergangenheit von uns ver­langte. Wir haben damals unsere Pflicht erfüllt, ihr werdet sie heute erfüllen. Die zwei Jahre aber, die ich für Deutschland von euch fordere, gebe ich euch mit 10 Jahren wieder zurück! Denn jeder von euch wird durch diese Zucht gesünder als er es jemals vorher war. Was ihr in eurer Jugend dem Vaterlande gebt, wird euch im Al- t e r wieder zurückerstattet! Ihr werdet ein gesundes Geschlecht fein, nicht erstickt in Büros und in Fabnkräumen, sondern erzogen in Sonne und Licht, gestählt durch Bewegung und vor allem erhärtet in eurem Charakter.

Und glaubt mir: Deutschland hat euch als seine Soldaten lieb! Die Verehrung, die Bewunde­rung und die Liebe zur einstigen grohen Armee, sie hat sich auf euch übertragen. Und ihr werdet dessen würdig sein! Die Nation erwartet von euch kein Opfer, das ihr nicht erfüllen werdet! Dann wird Deutschland niemals mehr den traurigen Zeiten entgegengehen, die wir durch­leben muhten!

Unser Vaterland, euer Deutschland, eure Heimat und die Heimat eurer Kinder wird stark und groß und glücklich sein. Es wird sich jenen Frieden be­wahren können, der unser Leben sichert! In dieser Stunde vereinen wir uns alle in dem Bekenntnis zu diesem unseren deutschen Volk und zu den Mil­lionen arbeitenden Menschen in Stadt und Land, in dem Bekenntnis zum Deutschen Reich. Unser Deutschland: Sieg-Heil! Sieg-Heil! Sieg-Heil!

Die Hunderttausende, die das Feld umsäumen, stimmen in einer ungeheuren Welle der Begeiste­rung in den Ruf ein und bereiten den Soldaten und ihrem Obersten Befehlshaber jubelnde Kund­gebungen.

Der Vorbeimarsch vor dem Führer.

Der Führer begab sich, begleitet von dem Ober­befehlshaber der Wehrmacht, Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg, dem Ober­befehlshaber des Heeres, Generaloberst Frhr. von Fritsch, dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Generaladmiral Raed er und dem Oberbefehls­haber der Luftwaffe, Generaloberst Göring, zu einem Podium vor der Ehrentribüne, um dort den Vorbeimarsch der Truppen abzunehmen.

Und wieder bietet sich ein Bild von unerhörter Eindringlichkeit, als das Jnfanterie-Lehrbataillon Döberitz als F a h n e n b a t a i l l o n mit den Feldzeichen des alten Heeres den Parademarsch vor dem Führer eröffnet und im gleichen Augenblick 21 Flugzeuge der Luftwaffe in Haken­kreuzformation über dem Felde heranbrau­sen. Wenige Minuten später erscheint auch das LuftschiffHindenburg" nochmals über dem Feld, und während die Hunderttausende die alten Feldzeichen mit erhobener Rechten grüßen, verharrt es fast unbeweglich über dem Platz, an dem der Führer steht.

Dann ziehen in Kompagniefront die Truppen vor ihrem obersten Befehlshaber in Parade vor­über. Immer wieder fliegen die Arme empor, um die neuen Fahnen, die Feldzeichen des neuen Deutschlands zu grüßen, die nun ihren Truppen­teilen beim Vorbeimarsch vor dem Führer voran­flattern. Im strammen Paradeschritt zieht Trup­penteil um Truppenteil zu den Klängen seines Parademarsches vor seinem Obersten Befehlshaber vorüber. Das herrliche Bild des Einschwenkens der berittenen Musikkorps mit ihren Kesselpaukern löst immer wieder jubelnden Beifall aus. Dann kom­men die motorisierten Verbände Mannschaften, Fahrzeuge und Geschütze schnurgerade ausgerichtet, immer wieder dankt Beifall für die Exaktheit, mit der die Soldaten vor ihrem Obersten Befehlshaber vorbeiziehen. Den Abschluß des prachtvollen mili-