nach ihrer Einnahme sei ein weiterer Vormarsch an der Küste entlang auf Marbella und dann a u f Malaga möglich.
Polen feiert -en Sieg über -en Bolschewismus.
Der Jahrestag des „Wunders an der Weichsel".
Warschau, 15. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Jahrestag des „Wunders an der Weichsel", der polnischen Entscheidungsschlacht über die Rote Armee im Iayre 1920 wird heute in ganz Polen als das Fest der Armee feierlich begangen. In allen Kundgebungen und Veranstaltungen ist die Wehrmacht eingeschaltet worden, um der Feier den Charakter eines Festes der gesamten Nation zu geben. Die nationaldemokratische Partei hat in den größeren Städten etwa 20 Großkundgebungen einberufen, die als antikommuni st ische Manifestationen gedacht sind. An den Gräbern der Helden, die in der Entscheidungsschlacht gegen die Rote Armee vor 16 Jahren fielen, werden Kränze niedergelegt. Den Höhepunkt werden die Militärparaden bilden. Für den Abend sind F e st s p i e l e und Volksbelustigungen geplant, die unter dem Motto „Es lebe die Armee" stattfinden werden. In Warschau ist ein unbedingtes Alkoholverbot bis Samstag-Mitternacht angeordnet worden. Die Presse veröffentlicht Leitartikel über die Einzelheiten der Entscheidungsschlacht, wobei insbesondere auch die hervorragende Rolle unterstrichen wird, die der Generalinspekteur Rydz - Smigly neben dem Marschall Pilsudsti bei den strategischen Entscheidungen spielte.
GamelinsBefnch »«Warschau
Französisch-polnische Generalstabsbesprechungen.
Warschau, 14. Aug. (DNB.) Wie die polnische Regierungspresse meldet, fand am Donnerstagnachmittag eine zweistündige Konferenz im polnischen Generalinspektorat der Armee statt, an der von französischer Seite General G a - m e l i n, der Militärattache bei der Warschauer französischen Botschaft General d'Arbonneau und die französischen Offiziere, die General Game- lin nach Warschau begleiteten, teilnahmen, während von polnischer Seite neben dem Generalinspektor der Armee General Rydz-Smigly, der Chef des Generalstabes General Stach iewicz sowie die Offiziere des Generalinspektorats und des Generalstabes erschienen waren. Freitag früh begab sich General Gamelin in Begleitung zahlreicher Offiziere nach Rembertow, um die Zentrale der polnischen Jnfanterieausbildung zu besichtigen. Am Abend nahm der französische Gast an einem Essen teil, das Außenminister Beck gab und zu dem nur ein kleiner Kreis von Gästen geladen worden war.
OieTrotzki-Ginowjew-Gruppe vor einem Gowjeigerichi.
Moskau, 14. Aug. (DNB.) Die Telegraphenagentur der Sowjetunion meldet u. a.: Vom Volkskommissariat für innere Angelegenheiten wurde im Jahre 1936 eine Reihe terroristischer Trotz- ki-Sinowjew-Gruppen aufgedeckt, die auf direkte Anweisung des im Auslande weilenden Trotzki und unter unmittelbarer Leitung des sogenannten Vereinigten Zentrums, Trotzki-Sinowjew- Block, terroristische Akte gegen Leiter der Kommunistischen Partei vorbereiteten. Weiter konnte festgestellt werden, daß die Ermordung Kirows am 1. Dezember 1934 gleichfalls auf unmittelbare Weisungen Trotzkis und Sinowjews vorbereitet und ausgeführt wurde. Die Untersuchung ergab schließlich, daß Trotzki eine Anzahl von Terroristen aus dem Auslande nach der Sowjetunion geschickt bat, um Terrorakte gegen Leiter der Kommunistischen Partei und der Sowjetunion zu verüben. Es handelt sich dabei um: Olberg, Berrnan-Jurin, Fritz David, Nachan Lurje, Moises Lurje und andere.
Der Anklagebefund ist vom Staatsanwalt der Sowjetunion bestätigt und dem Militärkollegium des Obersten Gerichtshofes zur Behandlung in offener Gerichtssitzung überwiesen worden. Dem Gericht übergeben werden: Sinowjew, Kamenew, Jewdokimow, Iwan Smirnow, Bakajew, Mratsch- kowski, ter Waaajan, Dreize, Golzman, Reinaold, Pikel, Olberg, Berman-Jurin, Fritz David (Kru- glanski), Moises Lurje, Nathan Lurje. Die Verhandlung wird am 19. August beginnen.
♦
Es ist recht bemerkenswert, daß die TASS, mit dieser Meldung gerade jetzt aufwartet, nachdem die gefährlichen bolschewistischen Umtriebe Trotzkis von antikommunistischen Kreisen außerhalb der Sowjetunion eben aufgedeckt und nachgewiesen werden konnten. Die Eile, mit der man in Moskau nunmehr aufs neue von der Trotzki-Sinowjew-Gruppe abzurücken versucht, erscheint genau so verdächtig wie der Lärm, mit dem dies geschieht.
„Hinaus mit Trotzki!"
Oslo, 14. Aug. (DNB.) In Oslo fand eine von „Nasjonal-Samling" einberufene Versammlung unter freiem Himmel statt, in der Advokat Hjort über das Thema sprach: „U t me t Trotzki!" („hinaus mit Trotzki!"). Die Versammlung, die von etwa 3000 Personen besucht war, verlief ruhig. Die Polizei war in Alarmbereitschaft, da die Regierung angesichts der etwas gespannten Stimmung mit Zwischenfällen rechnete. Die bürgerliche Presse gibt unter dem Eindruck des in den letzten Tagen zutage geförderten Materials, aus dem wohl ziemlich einwandfrei hervorgeht, daß Trotzki sich in Norwegen politisch betätigt hat, chre Zurückhaltung mehr und mehr auf und warnt vor den Gefahren, die derartige Umtriebe heraufbeschwören.
Die Themse wird untertunnelt.
In den ersten Septemberwochen wird mit dem Bau eines Tunnels unter der Themse begonnen werden, für dessen Ausführung drei Millionen Pfund veranschlagt und genehmigt worden sind. Die Untertunnelung wird etwa 35 Kilometer von der Themsemündung bei Dartford durchgeführt werden und eine schon seit langer Zeit dringend geforderte Verbesserung der Verbindungsmöglich, keit zwischen den Grafschaften Essex und Kent vrin- gen. Der einzige feste Uebergang der unteren Themse liegt nämlich etwa 20 Kilometer stromaufwärts von Dartford. Zunächst soll ein Führungstunnel von vier Meter Durchmesser und 800 Meter Länge gebaut werden. Die Anlage, für deren Durch- führung das britische Verkehrsministerium verantwortlich sein wird, soll etwa acht Meter unter dem Flußbett verlaufen.
„Ich hasse den Krieg."
Präsident Roosevelt über die Grundsätze der amerikanischen Außenpolitik.
Washington, 14. Aug. (DNB.) Präsident Roosevelt hielt eine große außenpolitische Rede in Chautauqua im Staate Neuyork. Er erklärte, daß die Vereinigten Staaten keinerlei Raubabsichten hätten, sondern weiterhin unerschütterlich für die Erhaltung des Friedens und die Bei b e h a l t u n g einer gutnachbarlichen Politik einständen. Trotz böser Erfahrungen mit der Nichteinhaltung eingegangener Verträge habe die amerikanische Regierung bis zum bitteren Ende an der Abrüstungskonferenz mitgearbeitet und anschließend vergeblich einen Sondervertrag über die Rüstungsindustrie und den internationalen Waffenhandel angestrebt. Nachdem es klar geworden sei, daß ein* allgemeiner Flottenvertrag an dem Widerstand anderer Nationen scheitern würde, habe die amerikanische Regierung mit England und Frankreich einen bedingten Vertrag über gualitative Begrenzungen abgeschlossen, der leider ebenfalls Anzeichen des Verfalls aufweise. — Roosevelt unterstrich, daß die Vereinigten Staaten zwar Verpflichtungen ablehnten, durch die sie in ausländische Kriege verwickelt werden könnten und auch die Verbindung mit der politischen Tätigkeit des Völkerbundes ver- meiden wollten, daß sie jedoch mit ganzem Herzen an den sozialen und Humanitären Aus- a a b e n der Genfer Einrichtung, wie Rauschgifthandel, Kinderarbeiter, Verbesserung der internatio- nalen Arbeitsbedingungen und Volksgesundheit, mitarbeiteten.
Die Vereinigten Staaten beabsichtigten keineswegs, sich zu isolieren, jedoch dürfe man nicht vergessen, daß, solange der Krieg auf der Wett bestehe, immer die Gefahr vorhanden sei, daß
selbst die friedliebend sleRatlonlu einen Krieg hineingezogen werden könne. Roosevelt versicherte, daß die amerikanische Regierung nichts unternehme, was einen Krieg Hervorrufen oder unterstützen könne, und ries mit größter Betonung aus: „3 d) hasse den Krieg!"
Scharf wandte sich der Präsident gegen die „modernen Fanatiker", die glaubten, als einzige die Wahrheit und das Recht gepachtet zu haben, gegen Religionskämpfe, gegen wirtschaftlichen und politischen Fanatismus und gegen „die kleine Schar der großen Kriegsgewinnler", die für die gegenwärtige Depression, indirekt sogar für die Gefährdung der amerikanischen Landwirtschaft durch Raubbau und damit für die Sand- stürme verantwortlich sei. Der Präsident warnte das ganze amerikanische Volk eindringlich, sich nicht von dem „Narrengold" eines eingebildeten Kriegswohlstandes einfangen zu lassen, und forderte seine Zuhörer auf, die Friedensbemühungen des Weißen Hauses durch positive Mitarbeit zu unterstützen.
Zum Schluß sagte Roosevelt: „Wir beabsichtigen nicht, andere Nationen zu beherrschen. Wir wollen keine gebietsmäßige Ausdehnung. Wir bekämpfen den Imperialismus und wünschen eine Herabsetzung der Weltrüstungen. Wir glauben an Demokratie, Freiheit und Friede und bieten jeder Nation den Handschlag eines guten Nachbarn. Laßt diejenigen, die unsere Freundschaft wünschen, uns ins Auge sehen und unsere Hand annehmen."
Englische Eindrücke vom neuen Deutschland.
Oie Notwendigkeit eines neuen Vertragssystems für Westeuropa.
Berlin, 14. Aug. (DNB.) Der Berliner Vertreter des „Hamburger Fremdenblattes" hatte Gelegenheit, sich mit Lord Douglas-Hamilton und dem Mitglied des Unterhauses Mister W e d - derburn über die Beziehungen zwischen Deutschland und England zu unterhalten.
Lord Douglas-Hamilton erklärte u. a.: Die Begeisterung, mit der die Deutschen alle Sieger feierten, erschien mir um so bemerkenswerter, als ich mir sehr wohl bewußt bin, daß das deutsche Volk als Ganzes heute von leidenschaftlichem Patriotismus erfüllt und nicht mehr mit jenen Minderwertigkeitskomplexen behaftet ist, die es in den Jahren nach dem Weltkriege bedrückten. Was sich in Deutschland zugetragen hat, ist nicht bloß ein einfacher Regierungswechsel, sondern eine Revolution in jedem Belange. Im Auslande weiß man nicht zu würdigen, welcher ungeheure Wandel sich unter der nationalsozialistischen Regierung auf allen Gebieten des deutschen Lebens, im geistigen wie im sozialen und politischen, vollzogen hat. Deutschland vertritt heute, was man früher wirklich nicht behaupten konnte, eine starke und festgefügte Weltanschauung. Ohne jeden Zweifel erfreut sich die nationalsozialistische Regierung einer ungewöhnlichen Beliebtheit. Gerade das aber wird im Auslands häufig übersehen. Ich hatte wiederholt Gelegenheit, den Führer und auch den Ministerpräsident Göring in unmittelbarer Berührung mit der Bevölkerung zu erleben. Dabei konnte ich beobachten, daß das Wort Popularität dem Grade von Verehrung, die Adolf Hitler genießt, in keiner Weise entspricht. Es ist mehr als Popularität, es ist eine 21 r t von Gläubigkeit, die dem Führer von den Dolksmassen entgegengebracht wird. Göring, den man sich in England stets als ungeheuer ernst und fanatisch vorstellt, ist mir gleichsam als die deutsche Auflage des John Bull erschienen, also sehr viel freundlicher und gemütlicher, als man wohl im Auslande zu glauben geneigt ist.
Alles in allem: Die Deutschen freuen sich offensichtlich wieder ihres Daseins. Die Erwerbslosigkeit ist auf ein Minimum gesunken und der wirtschaftliche Wohlstand ist unverkennbar. Es fällt einem besonders auf, wenn man aus dem Auslands kommt, daß es kaum einen Bettler in den Sttaßen gibt."
Mister W e d d e r b u r n, der der Konservativen Partei angehört, erklärte u. a.: Für uns in England ist es, wie Sie verstehen werden, stets sehr schwer gewesen, das Ausmaß der kommun i- stischen Gefahr in Deutschland zu erkennen. Soweit es überhaupt Kommunisten in England gibt, werden sie mehr als eine humoristische Beigabe des öffentlichen Lebens betrachtet. Dennoch verschließe ich mich persönlich keineswegs dem gewaltigen innerpolitischen Risiko, dem beispielsweise Frankreich ausgesetzt ist. Als konservativer Engländer muß ich auch alles begrüßen, was geeignet erscheint, die kommunistische Gefahr in der Welt einzudämmen. Aus dem gleichen Grunde hat der Militärvertrag zwischen der Sowjetunion und Frankreich mich und andere ähnlich denkende Mitglieder des Unterhauses bedenklich gestimmt. Wir hatten das Gefühl, daß Frankreich sich auf diese Weise Bindungen an Moskau auferlegte, die vielleicht einmal eine Belastung seiner ganzen Politik werden können.
Was die Beziehungen zwischen Deutschland und England anbelangt, so bin ich ehrlicher Anhänger einer freundschaftlichen und aufrichtigen Verständigung, deren derzeitige Schwierigkeiten ich natürlich nicht verkenne. Ich kann mich nicht ohne weiteres der deuffchen Beweisführung anschließen, wonach der Locarno-Vertrag durch den Sowjetpakt gebrochen wurde. Wohl aber steht es auch für mich außer Zweifel, daß der Abschluß des Sowjetpaktes die fernere Wirksamkeit des Locarno-Systemes zum mindesten problemattsch mache. Heute stehen wir vor der Ausgabe, e i n neues Vertragssystem im europäischen Westen auszurichten. Es muß ein Ersatz für L o - carno gesunden werden, und deshalb sehen wir in England den kommenden Verhandlungen mit der größten Spannung entgegen. Hierbei darf ich ohne Einschränkung bemerken, daß England sich bei aller Bereiffchaft, die es im Westen zeigt, i m Osten nicht zu binden gedenkt. Unser Standpunkt ist es, daß wir im Osten nicht noch weitere Verpflichtungen übernehmen können. Hier werden die Ost Mächte unter sich eine Formel für die Sicherung ihrer Grenzen finden müssen."
Oie briiisch-ägyptz'sche Verständigung.
Der Zaasaran-Vertrag.
Man wird künftighin mit einem neuen Vertragswert, dem Zaasaran-Vertrag rechnen müssen, das das staatsrechtliche Verhältnis Aegyptens grundsätzlich umändert, den Staat selbständig macht und in ein Bündnisverhältnis zu England überführt. Der Vertrag führt den Namen nach einem Palast in der Nähe Kairos, wo die Verhandlungen zwischen dem englischen Kommissar Sir Miles Lampson und den Aegyptern stattsanden. Nahas Pascha, der Führer der Wasd-Partei, bisher einer der schroffsten Gegner Englands, wird sich nach London begeben, um das Friedenswerk, das paraphiert vorliegt, endgültig im Namen des ägyptischen Volkes zu unterzeichnen.
Damit ist eine Entwicklung in ihr Gegenteil verkehrt worden, die vor 60 Jahren zur Besetzung Alexandriens durch die Briten führte und in deren Verlauf England im Sudan nach der Ermordung Gordons in Karthum feine Truppen allmählich oorfchob, um durch Lord Kitchener, der später den Beinamen of Carthum führte, die wilden Horden des Mahdi bei Omdurman zu vernichten. An und für sich hatte England ohne ägypttsche Beihilfe den Mahdi geschlagen, es hat daher immer wieder die ägyptischen Ansprüche auf den Sudan abgelehnt und das ganze Gebiet durch die Stauseen am Zusammenfluß des Weißen und des Blauen Nils für die Baumwollkultur reif gemacht. Aegypten, das erst durch den Weltkrieg seinen Kolomalcharakter verlor und in ein Protektorats- verbältnis zu Großbritannien geriet, erhob zwar Ansprüche auf den Sudan, aber diese Ansprüche wurden von London aus abgelehnt, und als der ägyptische Nationalismus im Jahre 1924 im Sudan einen Aufstand entfachte und der britische Generalgouverneur Sir Lee Stack ermordet wurde, schlug die englische Pranke zu. Alle ägyptischen Beamten und ägyptischen Ansiedler mußten den Sudan verlassen. Der Sudan unterstand unmittelbar der britischen Kolonialverwaltung. Im Rahmen des neuen Vertragswerkes ist nun auch ein Ab
kommen mit Aegypten über den Sudan geschlossen worden, wonach England die Zustände vor 1924 wiederherstellt und ägyptischen Beamten die Teilnahme an der Verwaltung der übrigens sonst durchaus britischen Kolonie Sudan gestattet und ferner den Aegyptern wirffchaftliche Zugeständnisse macht.
Das eigentliche Vertragswert über Aegypten zerfällt in Abmachungen militärischer Art und in solche, die das staatsrechtliche Verhält- n i s Aegyptens neu bestimmen. Im Verlaufe des Abessinien-Konfliktes erhoben die ägyptischen Nationalisten Forderungen, die darauf hinauslaufen, daß das kleine englische Heer sich lediglich auf die Deschützung des Suezkanals beschränkt, Kairo usw., also das Innere des Landes, räumt und für Alexandria, das England zu einem Flotten st ützpunkt ausbaut, an die ägyptische Regierung eine Pacht zahlt. Die neuerstehende ägyptische Armee soll von britischen Offizieren instruiert werden. Das war ein Zurückweichen der Engländer, mit dem der ägyptische Nationalismus zufrieden sein kann. England behält die strategischen Linien, Aegypten dagegen erhält eine verhältnismäßig große Souveränität, auch im staatsrechtlichen Verhältnis. Aegypten ist nunmehr vollständig unabhängig, allerdings unter der Voraussetzung, daß es mit England verbün- d e t bleibt, und England hat sich auch verpflichtet, Aegypten in den Völkerbund zu bringen.
Aber schließlich sind da noch die Kapitulationen, über die England nicht allein zu befinden vermag. In Aegypten bestehen, wie in den meisten orientalischen Ländern, sogenannte gemischte Gerichte, also internationale Gerichte, vor denen die Weißen sich im Falle der Kriminalität oder wegen Streites mit den Eingeborenen zu verantworten haben. Im Grunde spricht sich darin das Mißtrauen der Weißen gegen die Rechtspflege und Rechtssitten der betreffenden Länder aus, während die einheimischen nationalistischen Führer die Abschaffung dieser Sonderrechte für die Europäer verlangen. Diese internationalen Kapitulationen sind aber fein zweiseitiges Vertragswert zwischen Aegyp
ten und Großbritannien, sondern von den meisten weißen Nationen unterzeichnet worden. England hat dem Drängen der Aegypter auf Aufhebung der Kapitulationen nachgegeben, aber anscheinend macht Italien in diesem Punkte Schwierigkeiten.
Aegyptens Bevölkerung setzt sich aus 12 Millionen Fellachen, also den Nachkommen der alten Aegypter, aus etwa 1 Million Kopten, 750 000 Arabern, 250 000 Nubiern und 100 000 Negern zusammen, denen gegenüberstehen etwa 85 000 Griechen, 70 000 Italiener, rund 36 000 Engländer und rund 30 000 Türken sowie fast die gleiche Zahl Franzosen. Die Italiener sind also bedeutend stärker als die Engländer und sie befürchten nun, daß die Aufhebung der Kapitulationen, denen Griechenland sicherlich zustimmen wird, einseitig gegen sie gerichtet sein könnte, weil die Engländer schon durch ihren Bündnisvertrag mit den Aegyptern Mittel und Wege haben, um ihre Interessen zu wahren, während Italien z. B. bei Gerichtsverfahren vor ägyptischen Gerichten diese Druckmittel nicht besitze. Während des Krieges um Abessinien hat sich die italienische englandfeindliche Propaganda in Aegypten stark bemerkbar gemacht. Die Italiener versicherten, sie seien für die Abschaffung der Kapitulationen und für die Selbständigkeit Aegyptens. Jetzt, da England für die italienischen Ziele eintritt, meldet sich der englisch-italienische Gegen- satz und wenn auch die italienische Presse nicht direkt sagt, daß sie gegen die Abschaffung der Kapi- tulationen sei, die in einem internationalen Vertrag erfolgen muß, so läßt sich doch eine gewisse Mißstimmung in Italien nicht verkennen.
Aufhebung -er hessischen Provinzial- un- Kreistage.
Lpd. Darmstadt, 14. Aug. Mit Zustimmung der Reichsregierung hat der R e i ch s st a 11 h al- ter in Hessen als Führer der Landesregierung das folgende Gesetz im Namen des Reichs verkündet:
„Die Provinzialtage und die Kreistage werden aufgehoben und ihre Zuständigkeiten auf die Prooinzialausfchüsse und die Kreis- ausschüsse übertragen. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — beruft und entläßt die Mitglieder der Provinzialausschüsse und der Kreisausschüsse und ihrer Stellvertreter unter entsprechender Anwendung der Vorschriften der Deutschen Gemeindeordnung. Soweit Beschlüsse der Provinzialtage und der Kreistage nach den bisherigen Vorschriften einer Genehmigung bedürfen, gilt dies auch für die von den Provinzialausschüssen und Kreisausschüssen gefaßten Beschlüsse gleicher Art. Beschlüsse, die ein Provinzialausschuß oder Kreis« ausschuß vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes in Angelegenheiten gefaßt hat, die zur Zuständigkeit des Provinzialtages ober Kreistages gehören, gelten als Beschlüsse des Provinzialtages ober Kreistages. Dieses Gesetz tritt mit bem auf bie Derkünbung folgerten Tage — 22. Juli — in Kraft. Zur Durchführung und Ergänzung bieses Gesetzes kann ber Reichsstatthalter in Hessen — Lanbesregierung — Rechtsverordnungen und allgemeine Verwaltungs- Verordnungen erlassen."
Das Programm für die O ympisthe Schlußseier.
Berlin, 14. Aug. (DNB.) Die Schlußseier ber XI. Olympischen Spiele wirb in dem gleichen festlichen Rahmen gehalten wie der Eröffnungstag. Um 18.00 Uhr leiten die „Olympia-Fanfa- r e n" von Paul Winter die Feier ein. Unter den Klängen, des Möllendorfer Parademarsches erfolgt der Einmarsch der Nationen mit den Fahnen. Darauf hält der Präsident des IOK., Graf de Baillet-Latour, die Schlußansprache. Gleichzeitig erscheinen auf der Anzeigetafel bie Worte Coubertins: „Möge die Olympische Flamme leuchten durch alle Geschlechter zum Wohle einer immer höher strebenden, mutigeren und reineren Menschheit."
Das „Opferlied" von Beethoven, ausgeführt vom Olympischen Sinfonieorchester und dem Reichsverband der gemischten Chöre Deutschlands leitet Zur Niederholung der Olympischen Flagge über. Mädchen bekränzen bie Fahnen ber Nationen und befestigen baran bas olympische Erinnerungszeichen. Der „Fahnenabschied" von Häffner erklingt von Chor und Orchester und unter Salutschüssen einer Artillerieabteilung wird die Olympische Flagge eingehüllt. Nach einer Minute stillen Gedenkens läutet d i e Olympische Glocke. Auf ein Fanfarensignal wird die Olympische Flagge in die Ob Hut ber Stabt Ser- (in gegeben. Es sprechen der Bürgermeister von Los Angeles, der Präsident des IOK. und der Staatskommissar der Stadt Berlin.
Zum Abschluß spielt das Olympische Symphonieorchester den „O l y m p i a - A u s k l a n g" von Fechner. An der Anzeigetafel erscheinen die Ländernamen Deutschlands, Griechenlands und Japans als Träger der XL, I. und XII. Olympischen Spiele. Zugleich gehen an den Siegermasten die Fahnen dieser Länder hoch und eine Stimme erklingt: „I cd rufe die Jugend der Welt nach Tokio. Ein Chorgesang, der in gemeinsamen Gesang übergeht, schließt sich an. Während ber letzten Strophe läutet bie Olympia-Glocke zum Einholen der Fahnen aller Nationen.
Englische Anerkennung.
London, 15. Aug. (DNB. Funkspruch.) Zum bevorstehenden Abschluß der Olympiade schreibt ber „Daily Telegraph" u. a.: Nach Beenbigung ber Spiele bleibt uns nur noch übrig, allen denjenigen, die für die vollkommene Organisation verantwortlich waren, herzlichen Beifall zu zollen. Der Berliner Organisation gleich zu kommen oder sie gar zu übertreffen wird in Zukunft anderen Hauptstädten schwierig sein. Den deutschen Behörden war es eine Frage der nationalen Ehre, nichts ungeschehen zu lassen, was zum Erfolg der Festlichkeit beitragen konnte. Die Tatsache, daß Hitler nicht nur bei der Eröffnungsfeier, sondern auch später während der wichtigsten Wettbewerbe als höchstinteressierter Zuschauer zugegen war, hat erheblich zu dem Ruhm eines Treffens beigetragen, bas sich durch feinen hervorragenden sportlichen Geist sowohl unter den Zuschauern als auch unter den Teilnehmern auszeichnet. Von diesem Gesichtspunkt aus muß die Berliner Olympiade als eine der glänzendsten in der Reihe der neuzeitlichen Olympiaden gelten.


