(Schluß.)
(Nachdruck verboten.)
Ein paar Tage bevor Jens Petersen das Kran- kenhaus für immer verlassen sollte, kam für Bene-
Schwender mit dem Treugruß an den Führer den offiziellen Teil des Abends geschloffen hatte, übernahm Kamerad Ritter die weitere Führung des Abends.
** Starke Bautätigkeit im Eich gärte n g e b i e t. Während für den oberen Teil der Fröbelstraße bis zur Liebigshöhe der Straßenbau zur Ausführung kommt, hat in der Mitte dieser Straße der Bau von Wohnhäusern erneut stark eingesetzt. Seit einigen Tagen hat die Baufirma Frese für mehrere Baugruppen, die hinter den an der Kaiserallee stehenden Studentenhäusern zu stehen kommen, mit den Ausschachtungsarbeiten beginnen lassen. Hier sollen sechs Wohnhausgruppen als Reihenhäuser für 24 Dreizimmerwohnungen nacheinander zur Ausführung kommen, wozu noch ein kleiner Hausgarten und ein 6 m tiefer Vorgarten angelegt werden soll. Außer diesen Bauten hat man diesem Bauvorhaben gegenüber mit dem Bau eines Einfamilienhauses begonnen, während das angrenzende Doppelhaus im Rohbau fertiggestellt ist. Auch das im vergangenen Herbst begonnene Doppelhaus Ecke Fröbel- und Curtmannstraße ist bis zum inne-
Das Volks-preisschießen im Schützenhaus
Ein guter Erfolg für den Volkssport.
Höres den Verlebten nicht sofort nach der Tat, wie er bei seiner richterlichen Vernehmung angab, nach dem Kanal schaffte, sondern erst gegen 22Z0 Uhr des Tat-Tages. Außerdem gab er zu, die Leiche kurz nach dem Vorfall von der Tatstelle in einem erhöht gelegenen Garten hinter den Zaun niedergelegt zu haben, um ein Auffinden zu verhindern. Höres hat sich, um einen Verdacht von sich abzulenken, sogar an den Suchen nach Schwab beteiligt. Er wurde unter Haftbefehl gestellt und in das Amtsgerichts- gefängnis Nidda eingeliefert
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bei der hessischen Vertretung in Berlin.
Jens Petersen schaute vor sich hin, tiefe Erschütterung stand auf seinem Gesicht.
„Ja, er hat wieder gutgemacht, und mehr als das. Ich werde ihn nicht vergessen, und ich werde ihm immer dankbar sein. Wo ist er begraben?"
„Auf Oeoenshöe, auf dem alten Friedhof, Jens." Da nahm Jens Petersen Benediktes Hand, sie schauten sich an. Sie gelobten es sich beide ohne Worte: ihr erster Weg auf Oeoenshöe nach ihrer Rückkehr sollte zu dem stillen Grabe führen.
Auch Kriminalkommissar Schlottmann erschien eines Tages als Besucher. Er berichtete allerlei Interessantes. Man hatte mit einem Schlag die ganze Devisenschieberbande festgenommen.
„Die Kerls arbeiteten ungeheuer raffiniert", erzählte er. „Aber Kriminalrat Rönn ist ihnen schließlich doch hinter ihre Schliche gekommen. Sie setzten sich als harmlose Besucher immer an irgendwelchen Grenzpunkten fest und verschoben Devisen nach fremden Ländern mit den neuzeitlichsten Mitteln, Auto, Flugzeug, Motorjacht, es gab nichts, was sie nicht in den Dienst ihrer Pläne stellten. Sie haben cs ja an dem Devisenschmuggel mit den Bilder- rahmen gesehen. Zum Glück haben wir jetzt aber auch das Haupt der ganzen Gesellschaft, einen Russen, der in Paris saß. Nun können sie alle für ein paar Jahre im Zuchthaus darüber nachdenken, ob es nicht praktischer ist, auf ehrliche Weise sein Brot zu verdienen. Nur eine hat es vorgezogen, sich dem irdischen Richter zu entziehen, ein rotblondes Mädchen: diese Peggy Trilow. Sie hat in einem unbewachten Moment aus ihrer Handtasche ein Präparat herausgeholt und sich vergiftet."
Benedikte schauderte. Welche Kette von Unrecht, aber auch welche Kette von Angst und Gefahr um diese Menschen!
Ihre Auaen umflorten sich. Sie dachte an Hans- Hermann, der um ein Haar für immer in den Netzen dieser Menschen gefangen gewesen wäre. Sie wollte mit dem Tode nicht hadern, vielleicht war ihm wohl, weil er all diesen wirren Dingen entrückt war.
die unermüdlich ihre Schiebkunst gepslegth°b-n nun dem Volke mit gutem Beispiele und mit prakü,ch-n Anregungen vorangehen können. Auch der Schutzen verein e B. Gießen hat sich sreud.g und bewußt >n den Dienst des Volkes gestellt um ledermann sur das Volksschießen zu gewinnen. Daß em solches Volks schießen aber zustande kommen konnte, das dankte Dereinsfuhrer Frey in erster Linie seinen Schutzen- kameraden, die durch die Stiftung der zahlreichen wertvollen Preise den Anreiz für eme solche Veranstaltung und durch ihre praktische Mithilfe die technischen Vorbedingungen dafür geschaffen Habern
Mit Freude stellte er fest, daß die NnKK. 1/M 147 zum zweiten Male den Wanderpreis für Wehrmann- büchsen erringen konnte und daß sich die neuen Soldaten der Garnison durch den 1. Wanderpreis im Kleinkaliberschießen so gut hier emgefuhrt haben. Mit dem Treuegelöbnis zum Führer beendete er feine Ansprache,'um dann die Preise oudtellen. Zum Schluß wurde auf die Sieger der alte Schutzen- gruß „Gut Ziel!" ausgebracht
Bei Musik und Tanz herrschte sowohl auf dem Schützenhaus wie in den Zelten ein- reges Leben.
Die Ergebnisse:
TNannschaflsschiehen:
Wehrmannbüchsen: 1. 1/M. 147 (NSKK.) Gießen 816 Ringe; 2. Schützenverein Gießen E. V. (gern. Mannschaft) 793 R.; 3. Kriegerverein Annerod 743 R.; 4. 2. Kp. MGB. 2. (mot.) 730 R.; 5. Schützenverein Krofdorf 727 R.; 6. Postsportoerein Gießen 649 R.
Beste Einzelschüßen: 1. Hch. Appel 1/M. 147 (NSKK.) 227 R.; 2. Gg. Schilling 1/M. 147 (NSKK.) 225 R.; 3 Förster Melching, Schützenverein Krofdorf 212 R.; 4. Gefr. Hofmann, 2 Kp., MGB. 2. (mot.) 208 R.; 5. W. Schmidt, Schützenverein Krofdorf 207 R.
Kleinkaliber:
1. MGB. (mot.) 1. Mannschaft 542 R.; 2. Schützenverein Gießen 541 R.; 3. Postsportoerein Gießen 1. Mannschaft 539 R.; 4. Kriegskameradschaft Gießen 1. Mannschaft 534 R.; 5. Kriegerverein Annerod 532 R.; 6. Schützenverein Krofdorf 527 R.; 7. Kleinkaliber Schützenverein Frohnhausen 524 R.; 8. Krieger- und Schützen-Kameradschaft Saubringen 520 R.; 9. Schützenverein Steinbach 519 R.; 10. 16/R 116 SA. Gießen 507 R.; 11. SA. 15/R. 116 Londorf 504 R.; 12. NSKK. 1/M. 147 502 R. (21 Mannschaften waren beteiligt.)
Die besten Einzelschützen: 1. Lumme, Gießen; 2. Formhals, Allendorf; 3. Carl Mootz, Gießen je 33 Ringe; 4. Kurt Strack; 5. Fink; 6. Unteroff. Geck MGB. (mot.); 7. Feldw. Dietz MGB. (mot.), alle aus Gießen; 8. Keil, Gr.-Buseck; 9. Fleck, Gießen; 10. Keudel, Klein-Linden je 32 Ringe.
MeinMWheiWl
Vornan von Marlise Kölling.
Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau.
und jetzigen hessischen Vertretung Oberfinanzrat Schäfer, der in L _ „
ist, bearbeitet wirtschaftliche Fragen, insbesondere Fragen der Auftraasbeschaffung für die hessische Industrie und das hessische Handwerk. Seine Erfahrungen, Beziehungen und Fachkenntnisse haben der hessischen Wirtschaft wertvolle Dienste geleistet. Oberfinanzrat Schäfer ist Mitglied des Hessen-Vereins in Berlin; er genießt in den Kreisen seiner Landsleute in Berlin großes Ansehen.
sonders das Zusammentreffen mit dem Führer des Reichstreubundes und ftellvertr. Führer des Soldatenbundes, Oberpräsident Schwede (Koburg) hervor. Die Beschreibung des Ehrenmales vervollständigte seinen sehr interessanten Bericht. Die damit eingeleitete Aussprache regte zur Hergabe luftiger Erlebnisse während der Dienstzeit an.
Der in der Zwischenzeit eingetroffene Führer der Infanterie-Kameradschaft, Kaufmann Röhr jr., sprach dann über die ersten Arbeiten in der Kameradschaft des neuen Soldatenbundes und über die Erfolge der Zufammenführung der alten 116er Kameraden feiner früheren Kompanie. Er regte zu gleicher Zusammenfassung der alten Kameraden der früheren Kompanien der 116er u. a. Regimenter an, damit durch die Aufzeichnung der Kriegserlebnisse und durch die Sammlung von Kriegserinnerungen wertvolles kriegsgeschichtliches Material gesichert wird.
Der Führer der Vereinigung ehemal. 116er, Kamerad Bill, sprach sich im gleichen Sinne aus und sagte zu, daß auch er versuchen werde, in diesem Sinne zu arbeiten und der großen Sache und dem Vaterlande zu dienen. Nachdem Standortführer
Oberfinanzrat Schäfer ist am 15. Juni d. I. 25 Jahre bei der früheren hessischen Gesandtschaft .......... ~ ' 1 igin Berlin tätig. Gießen geboren
bitte ein Brief aus Köln. Dort lagerten immer noch die beschlagnahmten Bilder Hubert Zedlitz'. In all den Aufregungen hatte Benedikte sich um diese Dinge nicht kümmern können. Nun bekam sie plötzlich em Angebot von einem Kölner Kunsthändler. Eine Summe von zehntausend Mark wurde ihr für die Bilder Hubert Zedlitz' geboten. Zugleich fragte das altbekannte Kunstgeschäft an, ob noch weiterer künstlerischer Nachlaß vorhanden wäre. In diesem Fall würde sich ein Beauftragter der Firma in Oeoenshöe einfinden, um mit Benedikte, als der Erbin, über den Ankauf des gesamten Materials zu verhandeln.
Dieser Brief war gerade eingetroffen, als Frau Agathe Zedlitz, duch die Sensation der jüngsten Ereignisse auf der Insel veranlaßt, nach Stralsund herübergekommen war. Benedikte hatte ihr gleich von ihrer Verlobung mit Jens Petersen geschrieben; Frau Agathe hatte heftig erwidert. Der Gedanke, daß eine Zedlitz einen einfachen Dorfschulmeister heiraten sollte, rief ihren gesamten Ahnenstolz auf den Plan. Energisch hatte sie von Benedikte verlangt, sofort zu ihr zu kommen. Benedikte hatte das mit dem Hinweis auf Jens Petersens Gesundheitszustand abgelehnt.
Nun erschien Frau Agathe plötzlich in Benediktes gemietetem Zimmerchen. Benedikte war gerade für eine halbe Stunde fortgegangen, um ein paar notwendige Besorgungen zu erledigen. Sie fand ihre Mutter bei der Lektüre dieses Briefes aus Köln. Wenn Benedikte gehofft hatte, die Mutter durch Ruhe und gütiges Zureden zur Vernunft zu bringen, so sah sie sich getäuscht. Frau Agathe sprach ungehemmte Vorwürfe gegen Jens Petersen aus:
"Hast du es nötig, dich auf dem Dorf zu vergraben?" fragte sie heftig. „Du könntest eine ganz andre Heirat machen, überhaupt jetzt, wo du zu Vermögen kommst. Ich habe diesen Brief gelesen. Sicherlich ist die ganze Hinterlassenschaft Onkel Huberts noch viel mehr wert. Du mußt den Verkauf in geschickte Hände legen, dann kannst du einen großen Erlös daraus erzielen. Und alles das willst du diesem Petersen zukommen lassen?"
„Alles das, Mutter, und viel, viel mehr, mein Herz und mein Leben", sagte Benedikte mit einem Aufleuchten in den Augen.
Aber als die Mutter Jens Petersen verdächtigte, es nur auf Benediktes Geld abgesehen zu haben da war es mit Benediktes Geduld und Ruhe vorbei.
„Mutter, ich habe Jahre um Jahre alles von dir geouldig ertragen, weil du mir leid tatest, weil du b,C .veränderten Verhältnisse nicht schicken konntest, weil du immer glaubtest, von Geld, von äußerer Stellung und Reichtum hinge das Glück
dieses Lebens ab. Aber wenn du Jens vor mir herabsetzen willst, dann darf ich dir nicht mehr zuhören."
Frau Agathe war gegangen, ohne den Schwiegersohn gesehen zu haben. Sehr traurig kehrte Benedikte zu Jens Petersen zurück. Sie hatte ihm von der Ankunft der Mutter nichts gesagt, um ihn nicht vorher zu beunruhigen. Sie wollte erst sehen, was die Aussprache mit der Mutter ergeben würde. Aber vor Jens' forschenden Augen konnte sie nichts mehr verbergen. Die kleinste Unwahrheit ihm gegenüber war ihr unerträglich geworden.
So berichtete sie ihm von dem Gespräch mit ihrer Mutter. Aber obwohl sie die schonendsten Worte wählte, Jens Petersen mit seiner feinen Seele führte alles heraus. Sehr traurig sagte er:
„Daß ich der Grund zu einem Zerwürfnis zwischen dir und deiner Mutter sein soll, Liebstes, das ist für mich sehr schwer."
Aber Benedikte schmiegte sich an ihn:
„Du bist nicht der Grund, Jens. Zwischen Mutter und mir bestand schon lange nur eine ganz äußere Bindung. Don klein an war ich immer viel mehr das Kind meines Vaters. Es mußte wohl einmal zu einer Entscheidung kommen, früher oder später; wir können eben auf die Dauer nicht miteinander sein. Ich kann mir überhaupt nur vorstellen, bei einem einzigen Menschen zu sein, und den kennst du —"
*
Der Wind ging sausend über die abgemähten Felder, als oben in der kleinen Holzkirche von Oeoenshöe eine stille Hochzeit gefeiert wurde.
Benedikte stand neben Jens Petersen am Altar.
Fast bas ganze Dorf gab ihnen das Geleit an ihrem Ehrentage. Ein leiser Schmerz war in Benedikte, daß ihre Mutter nun wirklich fehlte. Sie hatte bis zum letzten Augenblick gehofft, die Mutter würde es doch nicht über sich bringen, ihr einziges Kind ohne den mütterlichen Segen zum Traualtar schreiten zu sehen.
Aber Frau Agathe in ihrem verbohrten Eigensinn war nicht umzustimmen gewesen. Dafür war Onkel Friedrich erschienen. Gang überraschend war er heute mit dem Dampfer angekommen und in Benediktes Zimmer getreten.
„Ach will nicht viele Worte machen, mein Kind, Du weißt, wie mir zumute ist. Aber ich glaube' ich handele auch im Sinne meines Jungen, wenn ich heute bei dir bin."
So saß denn Onkel Friedrich mit dem Trauerflor am Arm, hager und eisgrau auf der ersten Bank Und hinter ihm drängten sich die Fischer und ihre Frauen, die Schüler Jens Petersens und alle.
Sammeltag im Dienst derNächstenliebe
Der Samstag und der Sonntag waren dem Sammelwerk für die karitativen Verbände (Rotes Kreuz, Innere Mission, Bahnhofmission) gewidmet, lieber« all auf den Straßen begegnete man den zahlreichen freiwilligen Helfern dieser Verbände. Es dauerte nicht lange, da war jeoermann mit einem, meist auch mit mehreren der Zeichen, die an diesen beiden Tagen verkauft wurden, geschmückt. Der Einsatz der Sammeltätigkeit begann sehr früh. Bereits am Samstag kurz nach 6 Uhr machten sich die ersten Mitglieder der Sanitätskolonne auf den Weg, um mit dem Sammelwerk gu beginnen. Der Samstag war der guten Sache günstig; das prächtige Wetter ließ viele Volksgenossen unterwegs sein. Weniger günstig war der Sonntag, der einen unerwünschten Witterungsumschwung brachte. Trotzdem war das Konzert, das vom Musikkorps des MG.-Batls. in der Anlage im Hindenburgwall gegeben wurde, sehr gut besucht. Mit Freude folgte man den ausgezeichneten musikalischen Darbietungen der Kapelle, die sich bereits mit diesem Konzert viele Sympathien erwarb. Leider beeinträchtigte ein heftiger Gewitterregen die schöne Veranstaltung. Wie wir heute morgen von der Freiwilligen Sanitätskolonne hören, ist das Ergebnis der beiden Sammeltage befriedigend.
Kameradschastsabend des Michstrenbundes.
Nach dem harmonisch verlaufenen Ausflug an die Edertalsperre hielt jetzt der Reichstreubund auch einen Kameradschaftsabend in Gemeinschaft mit den Kameradenfrauen ab, der wiederum gut besucht war. Der Standortführer, Kamerad Schwender, gab eine Reihe organisatorischer Bekanntmachungen zur Kenntnis und wies besonders auf die vorliegenden Stellenangebote für ausscheidende Kameraden des aktiven Dienstes hin. Mit besonderer Freude tonnte er feststellen, daß der unter der Obhut des Reichs- treubundes auch hier in Gießen gebildete Soldatenbund sich vielversprechend entwickelt. Führer der ersten Infanterie-Kameradschaft ist Leutnant Röhr jun., Geldoerwalter der Reichsbundkamerad Hirt. Von dem ersten, in der letzten Woche stattgefundenen Abend des Soldatenbundes kannte er einen erfolgreichen Auftakt berichten.
Nach einer durch musikalische Darbietungen ausgefüllten Pause berichtete Kamerad L. Friedrich, der als ehemaliger Deckoffizier der Marine an den Einweihungsfeierlichkeiten in Laboe teilgenommen hat, über feine Reife und über das Marine-Ehrenmal. Einleitend sprach er über die englische Seestrategie während des Weltkrieges. Er machte daran den Erfolg des deutschen Sieges am Skagerrak klar. Sehr ausführlich berichtete er von der Ausfahrt zur Flottenparade und besprach besonders die moderne Technik bei den Flottenübungen, die auch für den Landsoldaten sehr interessant waren. Aus den persönlichen Erlebnissen des Redners ragte be-
Wie sehr der Schützenverein e. D. Gießen mit seinen Bestrebungen der Pflege des Kleinkaliber- chießsportes im Volke auf dem rechten Wege ist, bewies erneut das große Volks-Preisschießen am letzten Sonntag. Obwohl der Tag nicht sehr verheißungsvoll anbrach, hatten sich bereits am Morgen zahlreiche auswärtige Schützen eingefunden, so daß sich ein sehr reges Schießen entwickelte.
In erster Linie war wieder das Mannschaftsfchie- ßen mit der Wehrmannbüchse auf größere Entfernung gut besetzt. Zum ersten Male beteiligte sich hierbei auch eine Abteilung des neuen motorisierten Maschinengewehr-Bataillons.
Am Kleinkaliber-Mannschaftsschleßen waren 21 Mannschaften gemeldet, deren Wettschießen sich eine geraume Zeit hinzog. Auch hierbei waren die schon bekannten Mannschaften der Gießener Umgebung anzutreffen, die in Gemeinschaft mit oem Gießener Schützenverein treue Anhänger des Schießsportes sind. , , ...
Von den Vormittagsstunden bis m den fpaten Nachmittag hinein herrschte reges Leben auf allen Schießständen. Obwohl das Regenwetter nicht den Erwartungen für einen solchen Tag entsprach, zeigte es sich doch, daß diese Veranstaltung m weiten Volkskreisen Beachtung gefunden hatte; denn es waren nicht nur die alten Schützen und ehemaligen Soldaten, die man hier antraf, sondern auch viele Jugend, selbst aus der weiteren Umgebung, war gekommen, um ihre Künste zu erproben unb auch einmal erwartungsvoll vor der Zielscheibe zu stehen, die automatisch gleich die Anzahl der Ringe anzeigt.
Am Nachmittag spielte eine Kapelle Krengel zum Tanz auf, der bei einem solchen Schützenfest nicht fehlen darf. Leider setzte zu früh am Nachmittag ein neuer anhaltender Regen em, der nicht nur die Leistungen an den Schießständen beeinträchtigte, sondern auch die Stimmung etwas drückte. Als mit der einbrechenden Dunkelheit das Schießen eingestellt werden mußte, hatten die Mitglieder des Schützenvereins eine ganz beträchtliche Arbeit im Dienste des Volkes geleistet. Mehr als 3000 Schuß waren abgegeben. Außer den etwa 30 Mannschaften waren die Schießstande unter dauernder Kontrolle gehalten. — Am Abend fand dann auf dem vollbesetzten Schützenhaus
die preisverieilunq
statt. Eine große Anzahl schöner und wertvoller Preise, die von dem Schützenverein und dessen Mitgliedern gestiftet worden waren, konnten zur Verteilung kommen. Auch die Stadt Gießen hatte wieder einige Preise zur Verfügung gestellt. Dereinsführer Gust. Frey stellte anschließend an feine Begrüßung die zunehmende Beteiligung von jung und alt in diesem Dolksschießen fest. Er betonte den Wert solcher Veranstaltung, bei denen die Schützenvereine,
ren Ausbau gediehen. Rechnet man die bis wm nächsten Monat bezugsfähig werdenden Zweifamilien- Häuser in der unteren Fröbelstraße den obenerwähnten Bauten hinzu, so kann hier bis Jahresfrist mit einem Zugang von 50 Wohnungen gerechnet werden. „ , . ,
** Glockenüberprufung der Jo h an - neskirche. Am heutigen Montag wird das Geläute der Johanneskirche durch die Firma Jt in cf e r in Sinn einer Revision unterzogen werden. Zu Die» fern Zwecke werden die Glocken ab und zu erklingen müssen. .... z
** D i e Erdbeermarkte unter den Markt- tauben haben wieder eingesetzt. Nach erst svärlich^n Anfall sind am heutigen Montag gana beträchtliche Mengen angefahren worden. Die Ober-Rosbacher sind nun wieder jeden Tag da. Die Spitzenpreise betrugen heute 55 Pfg. für die beste Qualität. Bei warmem Wetter dürfte eine reiche Erdbeerernte zu erwarten sein.
** Sonntags-Rückfahrkarten zum Reichsbahn-Turn- und Sportfest in H e r s f e l d. Zu dem am 20. und 21. Juni in Hers- fcld stattfindenden Reichsbahn-Turn- und Sportfest werden von der Fahrkartenausgabe Gießen Sonntagsrückfahrkarten nach Hersfeld mit folgender Geltungsdauer ausgegeben: Zur Hinfahrt vom 20. Juni 0 Uhr bis 21 Juni. Zur Rückfahrt vom 20. Juni bis 22. Juni, 12 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt).
♦* Auszeichnung von Kriegspferden. Die Fachschaft „Tierschutz" im Landschaftsbund Volkstum und Heimat hat den Auftrag erhalten, die in Gießen noch vorhandenen Kriegspferde auszu- zeichnen. Die Feierlichkeit findet am Sonntag, 21. Juni, 11.30 Uhr, in der Univerfitätsreitbahn am Brandplatz statt.
** Schlägerei. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag kam es im hiesigen Bahnhof zwischen einigen Männern zu einer Schlägerei, in deren Verlauf ein 30jähriger Arbeiter namens Albert Gath schwer verletzt wurde. Er erhielt mit einem Bierglas einen Schlag auf den Kopf und mußte mit Gehirnerschütterung und schweren Kopfverletzungen in die Chirurgische Klinik gebracht werden. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.
** Ausbruch der Rotlaufseuche. Dis Polizeidirektion Gießen teilt mit: In dem Schweinebestand des Heinrich Neuling in Gießen, Asterweg 65, ist Schweinerotlauf festgestellt worden. Gehöftsperre ist angeordnet.
Don schwerem Verdacht befreit.
LPD. Wetzlar, 12. Juni. Unter dem Verdacht des Mordes an einer polnischen Landarbeiterin, die am 6. April 1923 bei der Altenberger Schleuse tot aus der Lahn geborgen worden war, wurden am 29. November v. I. "bet 46 Jahre alte Karl Befort in Wetzlar und der 41 Jahre alte Johannes Ermentraut von Kloster Altenberg von der Wetzlarer Kriminalpolizei in Untersuchungshaft genommen. Die Verhaftung erfolgte auf Grund einer Anzeige der Tochter des Karl Befort, die ihren Vater ausdrücklich des Mordes bezichtigte. Als Zeugin hatte sie ihre Mutter angegeben, die mit Befort in Scheidung lebt. Auch Frau Befort hatte die Angaben ihrer Tochter bestätigt und bemerkt, daß ihr Mann in der Nacht, als die Polin verschwand, abend um 7 Uhr aus seiner Wohnung fortgegangen und erst am andern Morgen um 5 Uhr wiedergekommen sei. An der Leiche der Polin waren Spuren eines Verbrechens nach § 218 festgestellt worden. Frau Befort hatte weiter erklärt, daß ihr Mann Instrumente für den verbotenen Eingriff mitgenommen habe.
Durch Beschluß der Strafkammer beim Landgericht Limburg sind Befort und Ermentraut außer Verfolgung gesetzt und am 29. Mai aus der Untersuchungshaft entlassen worden.
Kreis IDehiar
CD Wißmar, 15. Juni. Am Sonntag begingen die Eheleute Landwirt Georg Todt und Frau Margarethe, geborene Stroh (Hausnummer 106), das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar steht im 75. und die Jubilarin im 70. Lebensjahr. Beide erfreuen sich noch bester Gesundheit. Georg Todt gehörte lange Jahre der Verwaltung, zuletzt als Direktor, der Spar- und Darlehenskasse an.
alle, mit denen Jens und auch Benedikte verwachsen waren.
Die alte Orgel, von Kantor Mathes gespielt, klang feierlich durch den Raum, die goldene Dorherbst- sonne schien durch die bunten Altarfenster, und draußen rauschte sanft und gleichmäßig in erhabener Majestät das Meer. Benedikte stand mit Jens Petersen vor dem Altar. Sie mußte an jenen ersten Tag hier in dem kleinen alten Gotteshause denken. Welch ein Weg von damals bis heute, welch ein Schicksal, welche Fügung! —
Wieviel Irrwege waren sie gegangen — wieviel Schweres hatte sich aufgetürmt. Aber nun war alles gut. Wie sie jetzt nebeneinander standen, so würden sie weiter nebeneinander sein in guten und bösen Tagen. Und der Boden der Heimat, er würde der sichere Grund ihres irdischen Lebens sein, wie die göttliche Macht über ihnen der Grund ihrer vertrauenden Zuversicht.
Als die Kirchentüren sich öffneten, schritten sie hinaus vor dem Zuge der andern — über die Wiesen her grüßte das Schulmeisterhaus und daneben winkte das trauliche Häuschen „Endlich allein"^ Aber nun sollte es einen anderen Namen bekommen. „Uns' Hüsung", wollten sie es taufen. Malte Schluck, der Maler, hatte den neuen Namen auf ein blaues Schild so recht bunt und luftig aufgemalt
Und als Jens und Benedikte mit dem Hochzeitszuge auf dem Wege zum Krug, wo man fröhlich feiern wollte, an ihrem Hause vorüberkamen, da grüßte sie das neue Schild schon mit seinen fröhlichen Lettern, umspielt von gemalten Herzen und bunten Bauernblumen.
„Uns' Hüsun.g", sagte Jens Petersen leise zu Benedikte, „ob Onkel Hubert uns böse fein würde, daß wir sein Haus umgetauft haben?"
Benedikte schüttelte den Kopf:
„Nein, Jens, das glaube ich nicht. Wenn er für sich auch durch schwere Erfahrungen menschenscheu geworden sein mochte, im Grunde war doch Glauben in ihm und Vertrauen. Sonst wäre er nicht in die Heimat zurückgekehrt — und sonst hätte er nicht gerade darauf bestanden, daß ich hier eine Heimat finden sollte. Freilich, wie tief mir dies alles Heimat werden sollte, das hat auch er nicht geahnt. Er wußte ja nicht, daß es nicht nur mein Stückchen Erde werden würde, sondern das Stückchen Erde für dich und mich!"
Während aus dem „Krug" schon die Willkommensmusik scholl, während der geordnete Zug schon gelockerter vorwärts drängte, hielten sie beide eine» Augenblick still.
Im Wehen des herben Windes, im Rauschen bei Meeres, im Schlag ihrer beider Herzen tönte eint heilige, eine starke Melodie: Heimat!


