Gute Möbel bei Koos
Giessen Schulstn6
Wr.US Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Zreitag, 15. Mai 1936
Leipziger Löwen für Afrika.
Deutschland führt Wüstenkönige aus.
„Löwen nach Afrika schicken" — hört sich ähnlich an wie „Eulen nach Athen tragen". Es bleibt unbekannt, ob die Handelsbilanz „Eulen in Athen" aktiv oder passiv abschließt — fieber ist aber, daß die deutsche Ausfuhr an Wüstenkönigen die Einfuhr übersteigt und daß man „echte Leipziger Löwen" selbst in Kapstadt und in Kalkutta finden kann.
Ungläubige Gesichter? Mein Wort! Es ist wahr. Die schöne Pleißestadt Leipzig besitzt nicht nur den bedeutendsten Rauchwarenhandel der Welt, hier hat auch die größte Löwenzucht der Welt ihren Sitz. Nun gibt es heute ja Pelztierfarmen, wo Silberfüchse, Waschbären und andere wilde Tiere gezüchtet werden —des schönen Felles wegen. Mit dem Leipziger Zoo steht es aber anders. Er ist weder Lieferant der Pelzhändler, noch liefert er „Jagdtrophäen", die Leipziger Löwen erblicken das Licht der Welt, um die Welt auch wirklich zu sehen, um zu reifen und andere Länder kennenzulernen.
Wenn so ein junger Bursche zusammen mit einem Bruder oder einer Schwester geboren wird, stellt sich häufig heraus, daß die Mama nicht genügend Milch hat, um dieses Paar zu ernähren. Am näch- sten Tage erscheint dann in den Leipziger Zeitungen die dringende Anzeige: „Hundeamme gesucht". Ge- meint ist freilich eine Löwenamme. Aber „Löwen- amme" könnte man mißverstehen; man möchte meinen, der Zoo steche eine nährende Löwin, und die hat nicht jeder im Haus. Die Anzeige ist drin-
vollsten sind die hochrassigen jungen männlichen Tiere, die billigsten die alten Großmütter.
Der Leipziger Zoo genießt in der ganzen Welt einen guten Ruf. Nicht jeder Zoodirektor aber kann es sich leisten, persönlich nach Leipzig zu kommen oder eine Vertrauensperson zu schicken. Da genügt es denn, eine telegraphische Bestellung aufzugeben, mit Angabe des Preises oder des Alters, der Raffe und des Geschlechts — dann wird noch am selben Tage der betreffende Löwe ausgesucht, verpackt und verschickt. Das modernste aller Verkehrsmittel, das Flugzeug, dient auch dem Transport der Löwen. Denn einen Löwen lange allein reifen zu lassen, ist ein großes Risiko, weil ja das Tier richtig gepflegt werden soll. Und sollte ein Zooangestellter den Löwen begleiten, ist der Flugweg doch meist billiger.
Sechzig bis siebzig Löwen werden alljährlich in Leipzig geboren und verkauft, davon kommt etwa die Hälfte nach anderen deutschen Städten, die Hälfte wird ins Ausland ausgeführt. In diesem letzten Falle tragen auch die Tiere dazu bei, die deutsche Außenhandelsbilanz zu verbessern. K. v .P.
Anmeldung aus 18 Ländern für die Reichsnährstands-Ausstellung.
Lpd. Frankfurt a. M., 14. Mai. Zur D r it- t e n Reichsnährstands-Ausstellung in Frankfurt a. M. sind bisher Anmeldungen aus 18 Ländern eingegangen, die das größte Interesse bekunden, das das Ausland der nationalsozialistischen Agrarpolitik entgegenbringt. Vertreter sind bisher benannt worden u. a. von Polen, Jugoslawien, Tschechoslowakei, Ungarn, England, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Holland, Schweiz, Italien, Schweden, Norwegen, Finnland und Lettland, sowie Dänemark. Neben den Bauern und Landwirten werden Beamte der Ministerien, Vorstände der Verbände und Parteien, ober auch namhafte Vertreter des Exporthandels aus dem Auslande anwesend sein. Sie kommen, wie die parteiamtliche ,,NS.-Landpost" berichtet, auch im Interesse der Förderung des zwischenstaatlichen Warenaustausches zu uns. Die ausländischen Gäste werden Gelegenheit finden, sich in zwangloser Weise abseits der offiziellen Veranstaltungen mit ihren Fragen und Zweifeln an die deutschen Vertreter zu wenden. Die Erfahrung habe gelehrt, daß auch diese Art des Verkehrs zwischen den deutschen und den fremden Bauern gute Früchte trage und die Vertiefung der Beziehungen im europäischen Bauerntum fördere.
9. A.-Spott
„von-Tschammer-pokal" und „Reichsbund-pokal".
Oberheffen im Gau XII: Hessen des DRL
Jugendherbergen sind stolze Zeugen deutscher helmatliebe vor aller IDelf! Vermehrt sie, spendet am 16. und 17. Mai!
gend, Gefahr ist ja im Verzüge, wenn die kleinen Tiere nicht genügend zu saugen haben.
Eine Hündin erhält also die Löwenkinder zugesetzt. Anfangs sträubt sie sich ein wenig, die struppigen Tiere anzunehmen, die zweimal so groß sind als die eigenen Jungen. Ein bißchen Zureden hilft aber, und die Hündin wird Löwenamme.
In den Büchern des Zoo führt man die jungen Löwen vom Tage ihrer Geburt an. Hübsch aufgereiht stehen hier Geburtsdatum und Geburtsgewicht, der Name des Vaters und der Mutter, der Großväter und der Großmütter. Der ganze Stammbaum, soweit er in Deutschland zurückreicht, ist ausgezeichnet — und dann natürlich auch der Name des Neugeborenen, denn benamst wird jeder Leipziger Löwe. Es gibt hier einen „Hannibal" und einen „Pluto", einen „Ramses" und einen „Mene- lik", dann auch eine „Juno" und eine „Kleopatra".
Mit vier Wochen wird dem kleinen Löwen das Trinken aus der flachen Pfanne beigebracht, vier Kühe liefern die Milch für die jungen Raubtiere. Mit sechs Wochen kann der angehende Wüstenkönig im Wirtschaftshof zwischen Hunden und Hühnern tummeln. Mit sechs Wochen ist er reif zum Verkauf. Aus aller Herren Ländern kommen Zoodirektoren nach Leipzig. Die dortigen Löwen sind nämlich begehrter als die frisch in der Wildnis gefangenen. Ihre Familien leben bereits seit mehreren Generatione-n in gemäßigter Zone und haben sich infolgedessen an unser Klima gewöhnt; sie sind munterer als die wild gefangenen, sie kennen ja die Freiheit nicht, die Gefangenschaft ist ihre gewohnte Umwelt. Im Leipziger Zoo wird eine b e - wußte Auslese bei der Löwenzucht getrieben, die Tiere sind darum alle schön und kerngesund. Weshalb soll man also den Nachwuchs nicht aus Leipzig beziehen?
„Wieviel kostet nun so ein Löwe?" mag mancher fragen. Das ist verschieden. Der Preis hängt von Geschlecht und Rasse, Alter und Gesundheitszustand ab. In Leipzig sind Löwen inden Preislagen von 3 0 0 bis 3 0 0 0 Mark zu haben, die wert-
Dle Wettbewerbe um DFB. Bundespokal und Vereinspokal umbenannt.
Die beiden Pokal-Wettbewerbe im deutschen Fußballsport haben jetzt eine Umbenennung erfahren. Der im Jahre 1908 begründete Wettbewerb um den Bundespokal, um den bis zur Neuordnung des deutschen Sportes die Mannschaften der sieben Landesverbände und seitdem die Mannschaften der 16 deutschen Fußballgaue spielen, wurde im Einverständnis mit dem Reichssportführer insofern geändert, als der zur Ausspielung gelangende Pokal von jetzt ab den Namen „Reichsbund-Pokal" führen wird. Unter diesem Titel findet bereits das am 24. Mai in Leipzig zwischen den Gauen Sachsen und Südwest stattfindende Endspiel des diesjährigen Wettbewerbs statt. Bekanntlich handelt es sich hier um die Wiederholung des am 1. März in Frankfurt nach Verlängerung 2:2 ausgegangenen Endspieles.
Der Deutsche Dereinspokal, den der 1. FC. Nürnberg zu verteidigen hat und der zur Zeit zum zweiten Male ausgespielt wird, hat den Namen seines Stifters, des Reichssportführers von Tschammer und Osten erhalten und wird künftig „v o n - T s ch a m * mer - Pokal" genannt. Mit Rücksicht auf die Spieltage um die Deutsche Fußball - Meisterschaft werden die im Kampf um den „von-Tschammer- Pokal" angesetzte erste und zweite Schlußrunde vom 7. und 21. Juni auf den 14. bzw. 28. Juni verlegt.
Gaumeisterschast
Die besten Kreisriegen
Aus den Vor- und Zwischenrunden der 12 Kreisriegen sind die Mannschaften der Kreise 1 (Wil- helmshöhe-Reinhardswald), 8 (Lahn-Dill) und 9 (Lahn-Westerwald) als Sieger hervorgegangen; sie werden sich nun am kommenden Sonntag in Kassel im Endkampf um die Gaumeisterschaft gegenüber« stehen.
Der Wettkampf, der im Festsaale des Henschel- Turnvereins stattfindet, erstreckt sich auf folgende Geräte: Reck, Barren, Pferd quer, Pferd lang, Ringe und eine Kürfreiübung.
Die drei Kreise treten mit folgenden Mannschaften an:
Unsere oberhessischen Reichsbund-Kreisführer.
Der Gau XII: Hessen im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen, der die Provinzen Hessen- Nassau und Oberhessen umfaßt (von Hessen-Nassau sind ausgenommen die Stadt Frankfurt mit Main- Taunus-Kreis und die Stadt Wiesbaden mit dem Rheingaukreis) ist in zwölf Turn- und Sportkreise aufgeteilt.
Der Kreis 8: Gießen umfaßt die politischen Kreise Gießen, Alsfeld, Wetzlar, Dillkreis.
An der Spitze des Reichsbundgaues Hessen steht als Gauführer SA.-Brigadeführer Solbrig -Kassel. Nun sind auch die Veichsbund-Kreisführer kommissarisch berufen worden. Kreisführer unseres heimischen Kreises 8: Gießen ist Staffelführer Dr. Schäfer in Gießen.
Andere Teile Oberhessens gehören zum Kreis 11: F r i e d b e r g, der die politischen Kreise Friedberg, Büdingen, Schotten, Usingen und Obertaunus (Bad Homburg) umfaßt. Reichsbund-Kreisführer ist hier Sturmführer O 11 e r b e i n - Friedberg.
Der oberhessische Kreis Lauterbach zählt zum Sportkreis 4: Rhön (Kreise Fulda, Schlüchtern und Lauterbach), mit dessen Führung Sturmbannführer Mayer- Fulda vom Gauführer beauftragt worden ist.
im Gerätturnen.
•den zum Endkampf an.
Lahn-Dill: Karl Seipp, Tv. Großen-Linden; Karl Swoboda, Tv. Sinn; Karl Schick, Tv. Wetzlar- Niedergirmes; Ludwig Herbert, Tv. 1846 Gießen; Herbert Butti, Tv. Sinn; Karl Lettin, Tv. Wieseck; Hans Kreuter, Tv. Sinn; Hch. Herbert, Tv. 1846 Gießen.
Lahn-Westerwald : Albert Kreckel, Tv. Kirberg; Wilh. Lieber, Tv. Mensfelden; Jakob Falk, Tv. Villmar; Otto Heupel, Tv. Montabaur; Rudolf Wenz, Tv. Dauborn; Walter Kimpel, Tv. Dauborn; Franz Bieger, Tv. Limburg; Hans Fluck, Tv. Limburg.
Wilhelmshöhe-Reinhardswald: Es
ist eine ausgesprochene Stadtmannschaft, bestehend aus den bekannten Kasseler Turnern: Wedekind, Beyer, Schmeißing, Metz, Kehrer, Schiebeier, Gergs, Zülch.
Die Kasseler Kreisriege, die von Kreismänner- turnroart R. Becker (Kassel) geführt wird, setzt sich aus geschulten und leistungsfähigen Geräte- turnern der Gauklasse zusammen; sie ist die aus- geglichenfte der drei Mannschaften und hat die ersten Aussichten auf den Sieg und den Titel der besten Kreismannschaft oes Gaues Hessen. Um überzeugend zu siegen, werden die Kasse- laner doch alles aufbieten müssen, besonders im Kampfe mit den Turnern des Kreises 9. In dessen Mannschaft, die von Kreismännerturnwart Schäfer (Dauborn) geführt wird, fehlen leider bewährte Kräfte, wie Busch (Limburg) und Schöneich (Erbach). Die Limburger Fluck und Bieger gehören dafür zur besten Gauklasse. Wie stark Die Mannschaft ist, ergibt sich schon daraus, daß sie in der Zwischenrunde die starke Marburger Kreisriege mit ihrem Olympiaturner Fink mit 30 Punkten Vorsprung sicher schlug.
Die von dem bekannten Kölner Tumfestfieger Kreismännerturnwart Karl Reuter (Gießen) geführte Mannschaft Lahn-Dill hat in der Zwischenrunde, die in Alsfeld zum Austrag gekommen ist, den Kreis Rhön-Vogelsberg (Fulda) hoch mit 612Vr:550 Punkten geschlagen. Für den Kasseler Kampf ist die Riege durch den Ausfall ihrer besten Kräfte (R. Seth, Großen-Linden, und Schöff- mann, Wieseck) stark geschwächt. Doch weist die Mannschaft mit Hch. Herbert, Kreuter und Lettin noch Turner auf, die zur Gauklasse zu zählen sind, und die alles daran setzen werden, den beiden anderen Kreisen den Sieg nicht leicht zu machen.
Das Kampfgericht besteht aus Gaumännerturn- roart Otto Dahms (Bad Wildungen) als Obmann und den Kampfrichtern H. Bornemann (Helsen, Waldeck) und Adolf Fink (Marburg).
Gportamt „Krass durch ftreuöe".
Heute folgende Kurse:
Allgemeine Körperschule, Frau en und Männer. Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26. Von 19.45 bis 21 Uhr, Großen- Buseck, Neue Schule.
Fröhliche Gymnastik und Spiele, Frauen. Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lollar, Kantine der Firma Buderus.
Schwimmen, Anfänger und Fortgeschrittene. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Frauen und Männer, Dolksbad. Von 21.30 bis 22.15 Uhr, Frauen und Männer, Volksbad.
Reiten. Von 21 bis 22 Uhr, Universitäts-Reitinstitut, Brandplatz.
Achtung! Reichssportabzeichen.
Morgen, Samstag, 16. Mai, begint um 17.30 Uhr auf dem Universitäts-Sportplatz am Kugelberg ein Vorbereitungskursus für den Erwerb des Reichssportabzeichens. Der sechsstündige Kursus (jeweils eine Doppelstunde) kostet für Mitglieder der DAF. 1,80, für Nichtmitglieder 3,— RM. Anmeldungen an die Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, oder vor Beginn der Uebungsftunbe auf dem Sportplatz.
Tenniskurse.
In den Tenniskursen Sonntagvormittag von 8 bis 10 Uhr und Montagnachmittag von 18 bis 20 Uhr sind noch einige Plätze frei. Der sechsstündige Kursus kostet für Mitglieder der DAF 4,80, für Nichtmitglieder 6,— RM. einschl. Platzbenutzung, Schläger, Bälle, Balljungengebühr. Baldige Anmeldungen an die Geschäftsstelle erbeten.
Reiten.
An dem Reitkursus Montagabends können noch drei Volksgenossen teilnehmen. Die Kosten betragen 6,— bzw. 9,— RM. für sechs Stunden.
Rettungsschwimmen.
Wer den Grund oder Leistungsschein der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft erwerben will,
„Oer (Student von Prag."
Lichtspielhaus.
Dies ist eine neue, wenn wir uns nicht irren, sogar schon die dritte Fassung eines sehr dankbaren ober fügen wir vorsichtiger: eines filmisch brauchbaren und wirksamen Stoffes. Er stammt von Hanns Heinz Ewers — Hans Kyser und Artur R o - bison schrieben das Drehbuch — aber man fühlt sich immerfort unabweisbar an E. T. A. Hoffmann, an seine romantische Vorstellungswelt und seine Lieblings- und Leitmotive erinnert: was hier wie eine harmlos-fröhliche, taghelle und unkomplizierte Studentenliebesgeschichte beginnt, verspinnt sich immer mehr in das geheimnisvolle Halbdunkel, in das mittelalterlich-mystische Dämmerlicht der engen Gassen und Gärten, der Dachstuben und Kne<pkeller der Alchymistenstadt Prag; es ist schade, daß die so oft beschworene Atmosphäre, der eigentümliche Zauber des Ortes nicht stärker ins Bild eingegangen und im wesentlichen durch Atelier- Aufnahmen ersetzt worden ist. Denn vielleicht nur in einer Stadt wie Prag konnte eine solche Geschichte sich so ins ungewisse Zwielicht zwischen Tag und Traum verlieren. Die Liebe eines armen Studenten zu einer schönen und verwöhnten Sängerin — das wäre an sich trotz den durch reiche ober geheimnisvoll-mächtige Verehrer mit älteren Ansprüchen schnell heraufbeschworenen Komplikationen kaum mehr als ein Novellenmotiv, aus dem sich möglicherweise eine brauchbare Fabel entwickeln ließe. Auch die Einkleidung ins Kostüm der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, Requisiten wie Spieluhr und Kutsche, Szenen wie die Studentenkneipe, der Mas- tenball in der Oper, das Duell in der Frühe ergäben nur erst von außen her die romantische Tönung und Bewegung des Vorganges. Aber das Motiv Dom verlorenen Spiegelbild (das der Regisseur R o b i s o n zu einem der bildhaft eindringlichsten Elemente des Spieles entwickelt), das Motiv vom anderen Ich, das gleichsam abgelöst aus dem Spiegel heraustritt und ein gespenstiges, selbständiges Leben zu führen beginnt als die Doppel- aänger-Erscheinung, welche den von seiner Leiden» schäft umgetriebenen Studenten verfolgt und narrt und in eine wahnwitzige Gefühls- und Sinnesoer- wirrung hineinhetzt —, das erst macht die im innersten Wesen romantischen Züge dieser Alt- Prager Liebesgeschichte aus; daß eben solche Züge auch gerade zur filmischen Gestaltung anreizen mußten, liegt auf der Hand: wie sehr beispielsweise das Doppelgänger-Motiv die Zauberkünste
der Kamera-Technik herauszufordern geeignet ist — mit ost gefährlicher Verlockung —, das haben wir in der letzten Zeit mehr als einmal erlebt. Und an solchen ins Unwirkliche und Visionäre oor- stoßenden Szenen entzündet sich die gestaltende Phantasie des Regisseurs R o b i s o n bildkräftig und mit abenteuerlich spannender Eindringlichkeit. In Adolf W o h 1 b r ü ck hat er übrigens einen Dar-
Dorothea Wieck als Julia.
steiler für den Studenten Balduin gefunden, der alle Züge des unruhig umgetriebenen, von seinem Gefühl beschwingten und unheilvoll verwirrten jungen Menschen auf sich vereinigt und gleichsam zwiespältig wieder ausstrahlt: eine bedeutende Leitung, die aller Anerkennung wert ist, selbst wenn man kaum leugnen kann, Wohlbrück früher schon, in „Regine" und „Jack Mortimer", stärker und innerlich reicher erlebt zu haben. (Das liegt wahr- cheinlich nicht so sehr an einer gewissen seelischen Passivität wie an der im innersten Wesensgrunde romantischen Unwirklichkeit der Gestalt, die mehr von der Phantasie genährt, als vom realen Leben gebildet wurde.) Eine sehr zarte, zärtliche und
liebenswerte Erscheinung: die Julia der Dorothea Wieck; die herrliche „Figaro"-Arie, entzückend gesungen — wir wußten gar nicht, daß sie das kann — macht eine der schönsten Szenen dieses Films aus. Zwischen beiden: Theodor Loos als Dr. Carpis; er formt die in den Händen eines geringeren und minder erfahrenen Darstellers gefährliche, mit mephistophelischen Zügen ausgestattete Figur durchaus nobel, ohne ihr Gewicht zu beeinträchtigen. In kleineren Aufgaben: Erich Fiedler und Edna G r e y f f. Die Musik von Theo M a ck e b e n unterstreicht und begleitet die Fabel geschmeidig und feinfühlig. — (Europa.)
Im Beiprogramm erscheint u. a. ein interessanter Kulturfilm „Java im Alltag." —r—
Höhere Vorgesetzte.
Von Wols Neumeister.
Besuchen von höheren Vorgesetzten mußte man als Soldat mit Ruhe begegnen. Mehr als einen fressen konnten sie ja nicht. Die hohen Herren liebten es bei Besuchen in der Stellung, sich irgendeinen Mann herauszugreifen und ihn so lange zu fragen, bis er etwas falsch sagte, dann wandte sich der Vorgesetzte triumphierend an den Kompanieführer und ermahnte ihn mehr oder weniger milde, seine Leute besser zu instruieren. Dann war er zufrieden.
Mit der Zeit hatte man es schon im Gefühl, welchen Posten die Exzellenz ansprechen würde, und da stellte man in der Zeit des Besuches die schlausten Jungen hin, die man hatte, oder die doofsten, dann gab es wenigstens etwas zu lachen.
Wir hatten im Frühjahr 1916 die sogenannte „Lisette-Stellung" genommen, das war an der Aisne in der Gegend von Berry au Bac, und der Franzmann lag in dem ziemlich verworrenen Grabensystem dieser Waldstellung an manchen Stellen nur 20 bis 40 Meter von unserem Graben entfernt. Er wollte die Stellung brennend gern wiederhaben und bepflasterte uns dauernd mit Minen und Gewehrgranaten. Kurz, es war dicke Luft in der Gegend, und wir hatten natürlich zu unserer Sicherung alles getan, was irgend zu machen war.
Aber Generale glauben sowas ja nicht.
Unser Kommandierender, ein famoser, drahtiger, alter Herr, kroch gern in den Gräben herum, und als wir diese besagte „Lisette" hatten, mußte er sie
sich ansehen. Sein Besuch war für früh im Morgengrauen angesagt, und der Kompanieführer hatte für die kritische Zeit ein paar ganz ruhige Oberlausitzer auf die „gefährdeten" Posten gestellt. „Ge- gefährdet" waren die Stellen, die den hohen Herrn zum Examinieren reizen würden.
Im großen und ganzen ging alles recht gut. Der General fand die Anlagen richtig, die Leute ordentlich instruiert. Aber da es nicht gut ist, wenn ein junger Kompanieführer denkt, bei ihm sei alles fehlerfrei, fing die Exzellenz plötzlich in Sappe II an, den Posten vorzunehmen. Er zeigte also durch den Sehschlitz nach halbrechts, wo sich der feindliche Graben in etwa 40 Meter Entfernung in unsere Stellung vorbog. „Was tun Sie, wenn jetzt plötzlich von dort drüben her der Gegner angreift?" fragte er den Grenadier.
Der antwortete in seinem rollenden Oberlausitzer Dialekt stramm und bieder: ,Zch alarmiere, Euer Exzellenz!"
„Und was tun Sie dann?"
„Dann schieße ich, Euer Exzellenz!"
„Jetzt kommt der Gegner aber schon ins Drahtverhau, und Ihre Kameraden kommen nicht raus?"
„Die kommen schon. Euer Exzellenz!" Der Mann sagte das mit felsenfestem Vertrauen und grinste. Auch der General lächelte, aber er ließ nicht locker. Die Sache war nämlich so: Der Mann durfte um keinen Preis seinen Posten verlassen, der hohe Herr hätte ihn durch seine Fragen aber gar zu gern dazu gebracht, daß er gesagt hätte: „Ich gehe und hole die Kompanie aus den Unterständen . Dann hätte er sich wohlwollend an den Kompanieführer wenden und ihm sagen können, daß seine Leute doch nicht so einwandfrei instruiert seien, wie der junge Mann sich anscheinend einbildete.
Aber die Exzellenz hatte nicht mit der oberlau- sitzer Ruhe gerechnet. Denn als sie nun sagte: „Also angenommen, jetzt sind die vordersten schon durchs erste Drahthindernis durch", antwortete der Grenadier eisern: „Da schmeiß ich Handgranaten, Euer Exzellenz!"
„Aber es werden immer mehr und mehr...!"
Da huschte ein beruhigendes Lächeln über die biederen Züge des Oberlausitzers: „Das ist ooch egal, Euer Exzellenz", meinte er treuherzig, „je mehr, daß es sind, desto mehr, daß ich treffe!"
Darauf sah der General den jungen Kompanie- führer prüfend an, der keine Miene verzog, kniff schmunzelnd ein Auge zu, zuckte bedauernd die Achsel, klopfte dem Posten freundlich auf die Schulter und ging befriedigt von bannen.


