durchführt, liegen über 100 Meldungen vor. Das Erfreuliche an diesem hohen Meldeergebnis ist noch, daß sich mit zwei Ausnahmen sämtliche Klassen- tahrer unseres Gaues beteiligen und auch die übrigen Fahrer fast ausnahmslos gute Könner sind, 10 daß es in allen Klassen einen erbitterten Kampf um Sieg und Plätze geben wird.
Von den Kraftradklassen ist die große Klasse für Maschinen über 350 Kubikzentimeter am stärksten besetzt. Die Seitenwagenmaschinen sind diesmal alle in einer Klasse zusammengefaßt, die dadurch nahezu zwei Dutzend Nennungen aufweist. Bei den Kraftwagen hat die meisten Meldungen die Klasse der kleinen Wagen bis 1175 Kubikzentimeter erhalten. Bemerkenswert stark ist die Beteiligung der Reichswehr, die nicht allein in den Kraftradklassen vertreten ist, sondern bei den Personenwagen neben normalen Typen noch insgesamt neun Kübelsitzwagen gemeldet hat.
Die Abnahme der Fahrzeuge beginnt am nächsten Samstag um 16 Uhr am Ooerforsthaus Frankfurt am Main. Die Startprüfung beginnt am gleichen Ort um 20 Uhr und nach Erledigung der Beleuchtungsprüfung werden die Teilnehmer auf die erste Teilstrecke der Zuverlässigkeitsfahrt geschickt.
Kurze Sportnotizen
Japans Kabinett befaßte sich in einer Sitzung am Dienstag mit der Absicht des Japanischen Olympischen Komitees, sich um die Durchführung der Olympischen Spiele 1940 zu bewerben. Die Regierung versprach, die Pläne des Komitees weitgehendst zu unterstützen, die notwendigen Anlagen zu schaffen und die Spiele auch finanziell zu sichern.
Englischer Fußballmeister der 1. Liga wurde am Ostermontag Sunderland, das in Birmingham hoch mit 7:2 gewann und jetzt von keinem anderen Klub mehr einzuholen ist. Der Titelverteidiger Arsenal fiel auf den siebten Platz in der Tabelle zurück.
Albert Richter kam bei den Osterrennen in Den Haag zu einem schönen Erfolge. Im Haupt- fahren blieb er ohne Niederlage und ließ Weltmeister Scherens, den Franzosen Gsrardin und den Holländer Leene hinter sich.
42 Bahn-Radfahrer wurden noch den ersten Olympia-Prüfungsrennen in Forst und Halle aus den rund 80 Bewerbern ausgewählt und zur Olympia-Kernmannschaft zufammengestellt. Die Rennen haben bewiesen, daß es um den Nachwuchs nicht sonderlich bestellt ist, denn in den beiden Rennen zeigten sich die „Alten" noch durchweg überlegen.
Frostschaden an der Obstbaumblüte?
Bisher glimpflich abgegangen.
LPD. Frankfurt a. M., 14. April. Ueberall stehen die Obstbäume in schönster Blüte und nicht nur die Obstzüchter hatten um den Blütenverlauf und den Fruchtansatz höchste Besorgnisse, als es Ostern schneite und in den folgenden Nächten star- ster Frost eintrat, der das Wasser in den Pfützen gefrieren ließ. Haben Schnee und Frost der Blüte nun geschadet? Diese Frage läßt sich im Augenblick noch nicht ganz einwandfrei beantworten, vielmehr wird sich erst in den nächsten Tagen klarer Herausstellen, welche Bäume von dem Frost stärker betroffen wurden. Erheblich mitgenommen wurden die Pfirsiche, deren früheste Sorten schon abgeblüht hatten, während die mittleren und späten Sorten in der Blüte standen. Diese haben sowohl den Schnee wie den Frost schlecht vertragen. Der Fruchtknoten ist schwarz geworden, zum Teil sind die Blüten auch schon abgefallen, so daß in der Pstr- sichernte bestimmt mit starken Ausfällen gerechnet werden muß. Unterschiedlich hat der Wettersturz auf den Verlauf der Kirschblüte gewirkt. So gibt es Orte an der Bergstraße, die kaum betroffen wurden, während in anderen die Blüten braun und unansehnlich geworden sind, ein Zeichen, daß sie der Frost vernichtet hat. Auch in der Frankfurter und Mainzer Gegend stehen neben völlig unbeschädigten Kirschbäumen andere, die kaum einen nennenswerten Ertrag bringen können. Die Birnen, die gegen Fröste etwas widerstandsfähiger sind, haben sich im allgemeinen gut gehalten, und auch die Pflaumen und Z w e t s ch e n wurden nur stellenweise vom Frost und dem Schnee schärfer angegriffen. Kaum betroffen wurden die vielen hunderttausend Apfelbäume, die in Südwestdeutschland zu finden sind, denn von einigen wenigen ganz frühen Sorten abgesehen, stecken die Apfelblüten noch in der Knospe, der der Frost nur wenig anhaben kann. Gefährlich wäre es allerdings, wenn in den nächsten Tagen abermals Nachtfröste' folgen würden, denn eine oder zwei kalte Nächte halten die Blüten aus; wiederholen sich die Fröste aber, dann werden auch die härteren Sorten in Mitleidenschaft gezogen.
„Höhenflüge" und „Höhenlustkuren" in der Klimakammer.
Ein Besuch im Kerckhoff-Institut in Bad-Nauheim.
Oben: Die große Klimakammer des Kerckhoff-Jnstituts in Bad-Nauheim. Unten: Das Innere der Kammer. Ein Fliegeranwärter während der Eignungsprüfung.
(DNB.-Heimatbilderdienst. Photo: Burk [1], Werkphoto [1|.)
Lpd. Bad - Nauheinz, 14. April. Große Anforderungen werden heute an den Flieger gestellt. Für ihn genügt es nicht, allgemein für tauglich befunden zu sein, sondern er muß u. a. auch die Eignung seines Körpers, rasch aufeinanderfolgenden Luftdruckveränderungen standzuhalten, nachweisen. Die Frage nun, ob sich jemand für die Fliegerei eignet, kann man heute dank der fortschreitenden Technik und besonders auf Grund einer Erfindung des Frankfurter Ingenieurs Z e u z e m in der Weife beantworten, daß man den Prüfling, ohne ihn erst mit einem Flugzeug aufsteigen zu lassen, in einer sogenannten Klimakammer den dort künstlich hergestellten Luftverhältnissen großer Höhen aus- setzt.
In Bad - Nauheim ist seit einiger Zeit in der G. William - Kerckhosf- Stiftung, eine der größten bioklimatischen Stationen der Welt, eine unter Leitung von Prof. Koch stehende Flieger - Untersuchungsstelle eingerichtet, in der sich die bisher größte Klimakammer befindet. Als mir ber Unter» juchungsftelle einen Besuch abstatteten, fand gerade eine Flieger- Eignungsprüfung statt. In der großen Kammer, die ein Gewicht von 100 Zentner hat und bis zu einer Luftverdünnung auf 16 000 Meter Höhe jedem Luftdruck gewachsen ist, hat der Prüfling auf einem Liegestuhl Platz genommen, lieber ihm an der Decke sind die Kühlapparate angebracht, die den Temperaturunterschied herbeiführen sollen, in der Ecke stehen ein paar Sauerstoff-Flaschen und wissenschaftliche Apparate. Zwei Aerzte setzen sich neben den Untersuchungs-Kandidaten, die Tür wird von außen ver
schlossen, und bann beginnt ber „Höhenflug". Ein Assistent breht braußen an einen Hebel, und halb verkünbet ein surrendes Geräusch das Arbeiten einer Vakuumpumpe, die die Lust aus der Kammer laugt. Vier Minuten sind verstrichen. Eine Quecksilbersäule zeigt 1000 Meter Höhe an. Die Pumpe wird nun abgestellt und eine kurze Pause eingelegt, während der, wie uns ein Blick durch das Fenster- chen in das Innere ber Kammer zeigt, bie Aerzte ben Puls und Blutdruck messen. Weiter gehts, und bald sind 5000 Meter Höhe erreicht. Der zukünftige Flieger, der vorhin eine noch lächelnde Mine zeigt, wird etwas blasser im Gesicht. Die beiden Aerzte haben es schon besser, sie können, wenn ihnen die Lust zu dünn wird, ein wenig von dem mitgeführ- ten Sauerstoff durch kleine Schläuche einatmen. 6000 Meter, 7000 Meter, wieder wird gemessen und alles genau ausgezeichnet. Dann geht es wieder langsam herunter. Von außen strömt jetzt durch eine Deffnung zischend die Luft herein, die Quecksilbersäule fällt. 4000 Meter, 3000 Meter, 2000 Meter ... und bald hat auch der Prüfling feine frische Gesichtsfarbe wieder. Die während des „Höhenflugs" gesammelten Untersuchungsergebnisse dienen dem Tauglichkeitsbefunb.
In ber Klimakammer können aber nicht nur Flieger-Prüfungen vorgenpmmen werben, sonbern
es ist auch innerhalb weniger Minuten möglich, bas Klima von Davos, von Aegypten, vom Norbpol, wie überhaupt bas Klima irgenbeines Ortes ber Welt, herzustellen. Auf biefe Weise können bei Kranken, ohne baß erst weite und teuere Reisen erforberlich finb, durch Klimakuren in einer solchen Kammer gute Ergebnisse erzielt werben.
Kunst und Wistenschast.
Der Soziologe Professor Ferdinand Tönnies f.
Geheimer Regierungsrat Professor Dr. phil. Dr. jur. et rer. pol. h. c. Ferdinand Tönnies, ber über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Be- grünber ber mobernen Soziologie, ist im 81. Lebensjahr nach kurzer Krankheit in Kiel gestorben. Geboren 1855 auf dem Hofe seines Vaters in Schleswig, studierte er Philologie, Geschichte und Philosophie in Jena, Leipzig, Bonn, Berlin, Tübingen und Kiel, wo er sich 1881 habilitierte und 1913 zum Ordinarius für Nationalökonomie ernannt wurde. Sein klassisches Werk „Gemeinschaft und Gesellschaft" erschien 1887 und wurde grundlegend für die Entwicklung der soziologischen Wissenschaft. Von feinen übrigen Arbeiten seien genannt „Kritik der öffentlichen Meinung" (1922), „Soziologische Studien und Kritiken" (1925/29), „Einführung in
die Soziologie" (1931) und „Geist der Neuzeit", ein großes Werk, das der 80jährige 1935 vollendete.
Die deutsche Amazonas-Iary-Expedition.
In Rio be Janeiro ist von ber deutschen Amazonas-Jary-Expebitiondie vom 27. Januar batierte Nachricht eingetroffen, baß ber deutsche Expebitionsteilnehmer Josef Greiner im Urroalb einem schweren Fieberanfall erlegen ist. Josef Greiner hatte sich in Rio aus Jbealismus unb Begeisterung ber Expebition ange- schloffen, ber er als Transportleiter ber Post- unb Nachschubboote wertvolle Dienste leistete. Gleichzeitig mit biefer Nachricht teilte Schulz-Kampf- Henkel mit, baß er mit feinem Kameraben Gerb Kahle unb ber eingeborenen Mannschaft bei ben Aparai-Jnbianern überwintern werbe. Durch bie Regenzeit und bie Hochwasser des Jary wird bie Expebition lange Zeit von ber Außenwelt abge- schnitten fein.
Aus aller Welt.
Das Winterhilfswerk der Deutschen Jägerschafk.
Das zweite Winterhilfswerk ber Deut- scheu Iägerschaft hat insgesamt 235 859 Stück Wild mit 1290 000 Kilogramm Gesamtgewicht im Werte von 1 262 000 Mark und Barspenden in Höhe von 35 554 Mark ergeben. Die Deutsche Jägerschaft hat damit dem Winterhilfswerk Werte von 1 297 554 Mark übergeben gegenüber 1 080 000 Mark im Vorjahre.
„21lein Kampf" als Geschenk an die Gefolgschaft.
Eine große Speditionsfirma stattete ihren Dank für bie Wiederbelebung des Verkehrs und damit auch für die Sicherung des Arbeitsplatzes ihrer Gefolgschaft am Tage ber Führerrebe aus ben Kruppwerken wie folgt ab: sie verteilte im Anschluß an einen Betriebsappell an jedes Gefolg- schaftsrnitglieb das Buch des Führers „M e i n Kamp f". In insgesamt 5000 Exemplaren wurde dieses Standardwerk des Nationalsozialismus an die Gefolgschaftsmitglieder verteilt. Ein Beispiel, das ber Nachahmung wert ist.
„Graf Zeppelin" begegnet der „kdF."-Flotte.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" begegnete auf feiner Südamerika-Fahrt am Dienstagvormittag in ber Südbiskaya dem „K d F." -Schiff „St. Louis". Etwas später überflog das Luftschiff bis beiben anberen „KdF."-Schiffe. Die Begegnung, bei der bas Luftschiff bei schönstem Sonnenschein in etwa 100 Meter Höhe die Schiffe ber Madeira- Fcchrer Überflog, rief bei allen „KdF."-Urlaubern stürmische Begeisterung hervor. Von allen Decks würben bem Luftschiff bonnernbe Heilrufe zuge» fanbt. Die Begegnung wird allen Urlaubern ein unvergeßliches Erlebnis bleiben. Die Urlauber auf der „St. Louis" und bie Besatzung sanbten bem Luftschiff telegraphisch ihre Grüße unb wünschten gute Fahrt und gute Heimkehr. Vom Luftschiff wurden bie Funkgrüße dankend erwidert unb ber Freude über die Begegnung Ausdruck gegeben mit den gleichen Wünschen für gute Heimfahrt.
Das Luftschiff stand um 18 Uhr etwa 400 Kilo-" meter westlich von Lissabon. Während des ganzen Tages war es über der Biskaya unb vor ber portugiesischen Küste von Rückenwinben begünstigt. Englischer Oslasienbampser mit wertvoller Labung aufgelaufen.
Aus Gibraltar kommt bie auffe^enerregenbe Nachricht, daß ber 16 700 Tonnen große englische Dftafienbampfer „Ranpura" auf ber Höhe von Mallorca (Balearen) auf einen Felsen auf» gelaufen ist. Die „Ranpura" soll bie Gegenstände einer Londoner Kunstausstellung, die die chinesische Regierung leihweise zur Verfügung gestellt hatte, wieder nach China zurückbringen. Bisher ist es trotz aller Bemühungen nicht gelungen, den Dampfer wieder flott zu machen. Versuchs der Marineschlepper, das Schiff aus feiner Lage zu befreien, scheiterten. Unter der ungeheuren Beanspruchung rissen die Schlepptaue. Weitere Flott» machungsversuche werden unternommen. Die Fahrgäste sind bereits mit Zubringerbooten an Land gebracht worden. Der englische Dampfer „Barra- boot", ber sich auf dem Wege nach Australien befindet und bereits Gibraltar passiert hatte, ist angewiesen worden, nach der Unfallstelle zurückzukehren, um einen Teil der Fahrgäste zu übernehmen. Die Ausladung der chinesischen Kunstschätze wirb vorläufig nicht für nötig erachtet, da sich das Schiff in keiner unmittelbaren Gefahr befinden soll. Die Gegenstände, deren Wert auf rund 200 Millionen Mark geschätzt wird, sind nicht versichert.
Mexikanische Kirche mit wertvollen Kunst- schähen in Brand gesteckt.
Die berühmte San Francisco-Kirche in Guadalajara (Jalisco) wurde von Verbrecherhänden in Brand gesteckt. Wertvolle Kunstschätze sind ver- nichtet worden.
Danksagung.
Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen, sowie für die herzlichen Worte des Trostes am Grabe durch den Herrn Pfarrer und durch die Vertreter des Artillerievereins, der Altersvereinigung 1872-1922, des Lokomotivführervereins und des Eisenbahnvereins sagen wir unseren herzlichsten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Margarethe Schweitzer, geb. Kopp.
Gießen (Wetzlarer Weg 63), den 15. April 1936.
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