den er ja doch nie in der Schule getragen hat! Photographieren will gelernt fein! Man kommt nicht darum herum, das Technische zu erlernen, wenn man wirklich gute Bilder machen will!
Die stolzen Eltern, die einen Film nach dem anderen „verknipsen", verlieren leicht die Freude am Photographieren, wenn die Bilder dann doch nicht so werden, wie sie sich das vorgestellt haben. Die Technik muß beherrscht werden — das künstlerische Empfinden allein schafft es nicht!
Schon früh kann man dem Kind die Freude am eigenen Bild vermitteln. Den Wunsch nach einem Photoapparat kennt schon der Pimpf, der mit dem Kameraden auf Wanderschaft geht! Diesen Wunsch sollen die Eltern unterstützen, denn das Leben, das man auf der Platte festhält, verwischt sich nicht so leicht in der Erinnerung!
Unser Kind wird photographiert — das heißt heute: wir halten ein Stück Leben fest, ohne Gipsbalustrade und Papierblumen!
Brigitte Lühr.
Der wieder neue Krimmermantel.
Die Helle Wintersonne bescheint nicht nur Veilchen und Gänseblümchen, sondern auch die Schäden unseres doch noch „so neuen" Knmmermantels und bringt sie unerbittlich ans Licht. Mit Schrecken sehen wir die abgestoßenen Kanten und die abgegriffenen Stellen an den Knopflöchern. Dies alles läßt sich schnell und unauffällig ausbessern. Wir trennen ein Stückchen alten wollenen Strumpf in der Farbe des Mantels auf und wickeln lose die Wolle aufs Knäul, damit die „Locken" bleiben. Mit einer Stopfnadel nähen wir Stellchen für Stellchen kleine Schlingen auf die kahlen Stellen, genau so lang wie die Krimmerlöckchen. Die Stiche müssen genau senkrecht nebeneinander liegen. Wer keinen alten Strumpf hat, muß ein Stückchen neu stricken, dies erst naß machen und wieder trocknen, sonst fallen die Kräuseln zu leicht aus. Sehr zu achten ist darauf, ob die Mantelwolle blank oder matt ist, und daß dieselbe Art Wolle verwendet wird. Ein auf diese Weise aufgebefferter zwanzig Jahre alter Mantel macht jetzt stolz die neue Mode wieder mit.
Fr. A.
Tripolitanische Reiseeindrücke.
Von unserem Schm.-Korrespondenien
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) z. Z. Tripolis, Ende März 1936.
Das ist die größere Überraschung, wenn man auf einer Fahrt durch den weiträumigen Hafen von Tripolis zu seinerVerwunderung kein einziges größeres Kriegsschiff gesehen hat: — daß man in einem Luxushotel absteigen kann, dessen sich London, Paris, Berlin oder andere Weltstädte keineswegs zu schämen brauchten.
Auch dieses kürzlich eröffnete Hotel „Mehari" — zu deutsch: „Kamelreiter" —, das am Rande der Stadt mit einem herrlichen Ausblick aufs Meer liegt, ist in dem für alle Bauten des neuen Italiens auf afrikanischem Boden typischen „saschistifch-orien- talischen" Stil errichtet. Ob es, äußerlich betrachtet, „schön" wirkt, — darüber kann man verschiedener Meinung fein. Aber niemand wird bestreiten wollen, daß es mit gepflegter Eleganz ausgestattet ist. In seinen blumengeschmückten Gärten springen farbig beleuchtete Brunnen, und wenn man im lauen Abendwind auf dem Balkon des Zimmers steht, um zu lauschen, wie sich die aus der Araberstadt herübergewehte -eintönige Musik mit dem Rauschen der Wellen am nahen Strand und dem Plätschern der Springbrunnen mischt, wird man nicht glauben wollen, im „dunklen" Afrika zu sein. Das „Mehari" ist im übrigen nicht bas ein» 3 i g e Hotel in Tripolis, das sich durchaus mit solchen vielbesuchter Weltstädte messen kann. Ja, selbst mitten in der Wüste kann man, nach langer Autofahrt auf ausgezeichneten Straßen, im Luxushotel absteigen! Eigenartig in der Tat und geeignet, überlieferte Vorstellungen von Wüstenromantik zu zerstören, eben noch an staubigen Kamelkarawanen und nomadisierenden Zeltbewohnern vorbeigefahren zu sein, um wenige Zeit später nach einem erfrischenden Bad in der marmorgekachelten Wanne im blitzsauberen Federbett zu liegen ...
Weshalb das so ist? Weil das Mutterland Italien bestrebt ist, durch kräftigen Ausbau aller, einer Steigerung des Fremdenverkehrs dienlichen Einrichtungen den wirtschaftlichen Wert seiner libyschen Kolonie zu heben. Wenn man das weiß, versteht man auch, wieso man auf einer Fahrt in die Wüste, auf der Ausfallstraße nach Leptis Magna, plötzlich an einer modernen Tribüne vorbeirast. „Aus dieser Straße werden", erklärt der Chauffeur, „in jedem Frühjahr die großen internationalen Autorennen gefahren. Das bringt, ebenso wie die alljährlich veranstaltete Tripolis- Messe, viele Fremde ins Land" ...
Tripolis ist eine interessante Stadt. Groteske Zusammenballung mannigfaltiger Gegensätzlichkeiten. Wer in den Hafen einfährt, muß Gefallen finden an dem Zusammenklang der Farben, die das von der Horizontale beherrschte Bild beleben: tiefblau das Meer und unwahrscheinlich blau
darüber auch der Himmel. Dazwischen aber ein blendend weißer Streifen, der nur hier und da auf feiner Oberlinie ausgefranst erscheint. Das ist, von weitem gesehen, die Stadt Tripolis. Die schmucke und saubere Jtalienerstadt, über die — gleich Käse- bröckelchen auf dem unvermeidlichen Makkaronigericht — die Kuppeln der Moscheen und schlanke Minaretts ragen.
Von hier aus gesehen erweckt das Bild den Eindruck absoluter Geschlossenheit. Aber sobald das Schiff festgemacht hat, erkennt man schon, daß man zunächst nur d i e Fassade sah. „Fassade" — nicht im geringschätzigen Sinne gemeint. Hinter prächtigen Palästen und geschmackvollen Bauwerken, die die fortschreitende Konsolidierung der italienischen Macht in feiner 1911 besetzten Kolonie dokumentieren, liegen d i e Araber st adt und der Stadtteil oer Juden. Sie find interessant und sehenswert. Aber sie sind in ihrer orientalischen Unberührtheit mit so unvorstellbar viel Gekreisch und Lärm ungezählter Vertreter bunter Völkerschaften erfüllt und überfüllt, daß bei dem zivilisierten Europäer schwerlich mehr erweckt werden kann als der Wunsch, einmal für kurze Stunden in dieses Wogen und Treiben zwischen maßlos schmutzigen Gassen und lichtlosen Häuserzeilen einzutauchen, um Beobachtungen anzustellen und sich beim Einhandeln einheimischer Reiseandenken schließlich doch Übervorteilen zu lassen ...
Sobald das Schiff im Hafen festgemacht hat, ist der Blick hinter die „Fassade" frei und lassen sich jene Gegensätzlichkeiten erkennen, denen man hier immer wieder begegnet. Da quellen hinter den wartenden Automobilen und Pferde- drvschken ungezählte barfüßige Gepäckträger hervor, die dem Ankommenden mit unangenehmer Aufdringlichkeit seine Koffer und Reisetaschen gerabegu zu entreißen suchen. Sie sind durchaus ehrlich, diese wüst aussehenden, unrasierten Gesellen mit dem dunkelroten Fez auf ihrem wolligen Schopf, und man kann ihnen das Gepäck getrost anvertrauen. Es wird sicher und schnell an jeden angegebenen Platz getragen werden, auch wenn das alles von viel Geschrer und unverständlichem Gesttkulieren begleitet wird. Die dabei stehenden italienischen Offiziere, Soldaten und Zollbeamten stört dieses Lärmen und Hasten nicht. Sie sind es gewohnt und sehen darüber hinweg.
Das ist es ja, was man feststellen muß: die Italiener lassen den Eingeborenen durchaus ihre religiösen Gewohnheiten und engen sie in ihrer primitiven Lebenshaltung nicht ein, sofern sie nicht selbst den Wunsch haben, von den ihnen gebrachten Mitteln der Zivilifation Gebrauch zu machen. Sie werden, zu ihrem eigenen Nutzen schließlich, zu allen Arbeiten herangezogen, die die Kolonisierung eines sonnenüberglühten Landes fordert, zu Kulti
vierungsarbeiten, zum Straßenbau und zu anderen werteschaffenden Arbeiten. Aber darüber hinaus genießen sie alle persönlichen Freiheiten, sofern diese sich in den staatsnotwendigen Grenzen halten.
Stärker noch als in Tripolis selbst merkt man das vielleicht, wenn man einmal ins Land hineinfährt. Was man in der von hohen Mauern umgebenen Araberstadt sieht, wenn man an den Bazaren vorbeischlendert, und was man als wirklich interessantes Erlebnis ins Tagebuch schreibt: dieses Beobachten orientalischen Volkslebens auf der Gaffe und in unvorstellbar primitiven Wvhn- behausungen — das alles könnte man für geschickte Fremdenwerbung halten, wenn es nicht eben mehr wäre. Kurz hinter der Stadt nämlich schon kann man durch Eingeborenendörfer gehen, deren Existenz in unmittelbarer Nähe einer modernen Stadt — ein Prädikat, das man Tripolis schwerlich absprechen darf — den europäischen Besucher überraschen muß. Da sieht man die Araber in schmutzige Burnusse gehüllt und die Frauen tief verschleiert. Sie stehen, hocken oder wiegen sich in einer Gangart, wie sie das Gehen auf bloßen Füßen erforderlich macht. Solange sie unter sich sind, scheint Ruhe und Stillschweigen zu herrschen. Aber sobald ein Fremder naht, kommt Leben in die Gruppen. Dann suchen sie billige Handarbeiten zu verkaufen oder sich — mindestens — ein Trinkgeld einzuhandeln. Aber, und das muß festgestellt werden, sie bleiben stets zurückhaltend und freundlich. Sie achten die Weißen und vornehmlich die Italiener, die ihnen die Zivilisation und die Möglichkeiten zu einem besseren Leben gebracht haben. Aber diese Achtung wird durchaus freiwillig gezollt, sie gründet sich keineswegs auf Machtmittel eines überlegenen Herrschers.
Es fällt einem auf, daß fast alle Eingeborenen an Augenkrankheiten leiden. „Ja, sehen Sie", wird einem auf eine Frage nach dem Grund erklärt, „man kann den Eingeborenen Schreiben und Lesen beibringen, und die Kinder mit den
Schulmappen zeigen Ihnen, daß es geschieht; man kann mit diesen Leuten wirklich einiges anstellen, aber es gehört unglaublich viel Geduld dazu, ihnen das Gefühl für Sauberkeit und Ordnung beizubringen. Diese Augenkrankheiten und manche anderen Krankheiten auch sind nichts ande- res als die Folgen der fortgesetzten Unremlichkeiten. Der zivilisierte Europäer bleibt davon verschont, nur weil er sich — wäscht." Es sei schon manches auch in dieser Beziehung besser geworden, wird einem versichert. Mehr und mehr kämen die (Eingeborenen dahinter, daß die von den Italienern gebauten Krankenhäuser und Institute, und daß auch die großzügige Aufklärungsarbeit der Italiener durch Wort, Schrift und Bild nur ihrem eigenen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Nutzen dienten.
Man wird das erfreulich finden müssen. Aber irgendwie wird man das Gefühl nicht unterdrücken können, sich beeilen zu sollen, wenn man das u n - verfälschte Afrika noch erleben will. Denn das „Mehari" und andere Luxushotels mitten in der Wüste werden bald in den Reisehandbüchern aller europäischen Sprachen verzeichnet sein ...
Schweres Derkehrsunglückbei Marburg
Lin Toter, ein Schwerverletzter.
LPD. Marburg, 14. April. Auf der Land- straße zwischen Groß-Feldern und Sterzhausen ereignete sich in den Nachmittagsstunden des zweiten Ostertages ein schwerer Verkehrsunfall. Ein mit zwei Personen besetztes Motorrad rannte an einer unübersichtlichen Stelle mit großer Wucht gegen einen entgegenkommenden Kraftwagen. Einer der Motorradfahrer erlitt einen Schädelbruch und war auf der Stelle tot. Sein Mitfahrer wurde schwerverletzt in ein Marburger Krankenhaus gebracht, wo ein Wirbelsäulen- bruch festgestellt wurde.
Schachspiel mit lebenden Muren in Irankfuri/M.
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Ein eigenartiges Schauspiel entrollte sich auf dem historischen Römerberg in Frankfurt a. M., wo ein Schachspiel mit lebenden Figuren stattfand. Zahlreiche Zuschauer verfolgten mit großer Spannung den Verlauf des interessanten Spiels. — (Scherl-Bilderoienst-M.)
Das Ehrenzeichen.
Von Inh Georg Dietrich.
Der Tisch war abgeräumt worden, die Jagdgesellschaft rückte zum Plaudern zusammen. Es dauerte nicht lange, bis die Runde an den Gast, der zum ersten Male in ihrer Mitte weilte, die Frage richtete, was es mit dem verbogenen Eifenring, den er an einer Schnur aus der Westentasche gezogen hatte, für eine Bewandtnis hätte. „Nur eine Erinnerung an unseren afrikanischen Feldzug", klang es zurück. Man bestürmte ihn um Aufklärung, und die Schilderung seiner Erlebnisse gedieh allmählich bis zu dem Einzelfall, auf den alle so neugierig waren: „Also zum Ring! Ich muß da noch ein wenig Ihre Geduld in Anspruch nehmen. Eines Tages wurde ich eilig nach der Station befohlen. Ich fand hier einen Allerweltskerl, dessen Name Negendank allen Kolonisten geläufig war, wenn er selbst sich auch meist nur Maxe zu nennen pflegte. Wo im weitesten Umkreise ein Gebäude, Gerät, Gewehr oder auch eine Maschine der Reparatur bedurfte, wandte man sich an Maxe, der schnell und sachkundig jeden Schaden zu beheben verstand. Seine Schnoddrigkeit erklärte er lachend damit, daß er Urberliner wäre. Er hatte es in Spanbau bis zum Unteroffizier gebracht und schien es als seine wichtigste Kulturaufgabe aufzufassen, die bewährten heimischen Kasernenhofblüten auf afrikanischem Boden neu ersprießen zu lassen, wozu ihm die Einberufung zur Reserveübung reichlich Gelegenheit bot. Hier gewann er sich die Herzen unserer Askaris damit, daß er deren schwer zu merkende Namen durch ihm geläufigere deutschen Klanges ersetzte, wie Schulze, Lehmann, Pietsch und dergleichen. Ein Verfahren, das die Umgetauften als besondere Ehrung empfanden. Der Ungeschickteste seiner Abteilung war der neuangeworbene Ura Ibn, von Negendank in „Urian" verdeutscht. Taufpate war hierzu der Höllenfürst Urian, der sich vermutlich gehütet haben würde, mit Jbns teuflischem Grinsen in Wettbewerb treten zu wollen... Mein Dienst rief mich landeinwärts. Untrügliche Anzeichen drohender Feindseligkeiten spornten unsere Vorbereitungen an. Endlich kam der ersehnte Befehl, xum nächsten Sammelplatz vorzurücken. Als wir dort eintrafen, überraschte mich meine Beförderung zum Hauptmann, und ungeachtet meiner Jugend wurde ich mit der Führung des hier vereinten Truppenkörpers beauftragt. Auch Sergeant Negendank stieß mit seiner Abteilung zu uns. Der luftige Drill- meister hatte sich inzwischen trefflich bewährt, und sogar aus Urian war, wovon ich mich bald überzeugen konnte, ein strammer Soldat und bewunderungswürdiger Majchinenschütze geworden.
Sie alle kennen den bitteren Verlauf des Feldzugs. Was unfern schwarzen Jungen an Kriegsauszeichnungen zuteil wurde, war bei Gott redlich verdient. Keiner konnte diese aber auch mit größerem Stolze tragen als unsere unverwüstlichen Askaris. Der von brennendem Ehrgeiz gepeinigte Ibn zählte nicht zu diesen Auserwähtten, Denn trotz vieler Vorzüge war es noch nicht gelungen, seiner Einfalt die Verantwortung und Sorgfalt für die ihm anvertrauten Waffen beizubringen. Leider war unser Vorrat an Ehrenzeichen bald aufgebraucht, so daß ich auch die Tapfersten mit einem mündlichen Lob vor der Front begnügen mußten. Unter dem Umstand, nicht dekoriert zu fein, litt niemand offensichtlicher als Ura Ibn, schlug er doch bei jeder Kampfhandlung an Negendanks Seite tollkühn sein Leben in die Schanze. Die Notwendigkeit, uns immer wieder zurückziehen zu müssen, versetzte ihn in wahre Raserei. In unserer bedrängten Lage meldete er sich eines Abends freiwillig zu dem Trupp, der unter Führung seines Maxe mit Maschinengewehren im Buschwerk verborgen unfern Rückzug decken sollte. Ein verlorener Posten, dem nur die Wahl zwischen Tod und Gefangenschaft blieb. Der Mangel an Nahrung und Heeresgut zwang das Gros zu anstrengenden Eilmärschen, so daß wir darauf verzichten mußten, für die Nacht Zelte aufzuschlagen.
Es war am dritten Morgen nach der Trennung von unferm urwüchsigen Sergeanten, als ich aus meinem bleiernen Schlafe aufgeschreckt wurde. Neben mir kniete Ura Ibn in zersetzter Kleidung, Stirn und Arm notdürftig verbunden, mit fiebernden Augen. Doch fest an seine Brust gepreßt hielt er sein unbrauchbar gewordenes kleines Ma chinen- gewehr, das er durch alle Gefahren hindurch geschleppt hatte. „Hauptmann, zur Stelle", keuchte er und setzte triumphierend hinzu: „Waffe mit!" Völlig entkräftet brach er zusammen. Seitdem weiß ich, daß uns auch eine Teufelsfratze schön und edel anmuten kann. Beim Aufbruch befahl ich, den schwerverwundeten Urian auf einem unserer wenigen Wagen zu betten und hielt mich während des Marsches in seiner Nähe. Krampfhaft umkrallte seine Hand einen Gegenstand, den er an einer Schnur auf der Brust trug. Nach langer Fahrt erwachte Ibn, ich trat zu ihm, und pflichtgemäß erstattete er mit schwacher Stimme die Meldung, daß jein Maxe und alle anderen gefallen und er als einziger Ueberlebender sich zu uns durchgehungert hätte. „Und Waffe mitgebracht!" hauchte er. Beglückt streichelte er während meines Lobes das umgehängte Kleinod, in dem ich jetzt einen stählernen Ring erkannte, dem der Reichsadler und einige Zeichen eingestanzt waren, er schien von einem zertrümmerten Maschinengewehr herzurühren. Auf meine erstaunte Frage ermannte sich Ura noch ein
mal zu her stolzen Antwort, daß der Ring der höchste Orden wäre, den der Kaiser für die tapfersten Askaris eigens geschickt habe. Schon sterbend hätte ihm das der Maxe erzählt und ihm die Schnur um den Hals gehängt. Lächelnd wies der Kranke die ihm gereichte Stärkung zurück und streckte sich zum letzten Schlummer. Am Abend begruben wir unfern braven Kameraden Urian.
Meine Herren, Hut ab, vor diesen beiden Deutschen, dem weißen, der im Augenblick der Ewigkeit feinem schwarzen Bruder, den er verloren weiß, durch eine gütige Lüge das heißeste Sehnen erfüllt, und auch vor Dem armen Teufel, Der belogen, aber in höchster Glückseligkeit, zu seinen Vätern einging.
Zum Gedächtnis an diese beiden bewahre ich den Ring, der von einem Helden verliehen. Das letzte Schlagen eines Heldenherzens vernahm."
Buch und Leser.
Aus der Arbeit der Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums im Gau Hessen-Nassau berichtet der Kulturoienst des NSG. Hessen-Nassau folgendes:
Die Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums nimmt im Rahmen der kulturpolitischen Aufgaben des nationalsozialistischen Staates einen bedeutenden Platz ein. Sie hat in planvoller, gründlicher Arbeit in allen deutschen Gauen Landes- und Kreisdienststellen ins Leben gerufen, Die in ihrem Auftrag für ein gutes und weltanschaulich vertretbares Schrifttum Sorge tragen.
Auch Die Landesdienststelle Hessen-Nassau konnte die Betreuung der Leserschaft in ihren Bezirken erfolgreich betreiben. Die Büchereien unseres Gaues wurden von Schmutz und Schund sowie von marxistischer Literatur gereinigt. Ihre Arbeit geschieht in enger Fühlungnahme mit der Partei und ihren Gliederungen sowie in ständiger Verbindung mit Presse, Buchhandel und Rundfunk. Eine Reihe von Buchausstellungen, Dichterabenden und Vortragsveranstaltungen in Frankfurt und den übrigen größeren Städten unseres Gaues machte die Volksgenossen wirkungsvoll mit der Tätigkeit der Landesdienststelle bekannt. Ein besonderer Erfolg stellt die von der Landesdienststelle durchgeführte Büchersammlung zugunsten Der Lager Des deutschen Arbeitsdienstes, Die in zwei Jahren 9000 Bände einbrachte, dar.
Die Buchberatung nimmt einen immer größeren Raum in der Arbeit Der Reichsstelle 3ur Förderung des deutschen Schrifttums ein. Mit der „Bücherkunde", Der monatlich erscheinenden Zeitschrift Der Reichsstelle, war Dar, Organ geschaffen, das die wichtigsten Ergebnisie des deutschen Schrift
tums auf Grund sorgfältiger parteiamtticher Prüfung laufend bespricht. Die Landesdienststelle Hessen- Nassau hat das ihrige dazu beigetragen, bas Verständnis für ein arteigenes, würdiges deutsches Schrifttum im Gau zu vertiefen und Den Forderungen unserer Weltanschauung entsprechend Das Bekenntnis zum guten deutschen Buch in immer weitere Volkskreise hineinzutragen.
Zeitschristen.
— „Der Naturforscher" vereint mit „Natur und Technik". Preis vierteljährlich 2,50 Mark, Einzelheft 1 Mark. Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. Die von uns wiederholt schon als eine Der bedeutsamsten naturkundlichen Veröffentlichungen gekennzeichnete Zeitschrift beginnt mit Dem April-Heft ihren 13. Jahrgang. Bei Der Ueberfüüe Des Stoffes ist es heute kaum möglich, mit Der rasch fortschreitenDen Entwicklung Der naturwissenschaftlichen Erkenntnis Schritt zu halten. Hier helfend einzuspringen und einen Querschnitt durch die Forschungsergebnisse aller naturwissenschaftlichen Gebiete zu geben, ist die kulturelle Aufgabe, die der „Naturforscher" hervorragend erfüllt. Prof. Dr. Reiner Müller gibt einen ausgezeichneten Ueberblirf über Die Wirkung von Lichtstrahlen auf Die Gesundheit, Der geraDe jetzt vor Beginn Des Sommers befonbere Beachtung oer- Dient. Eine in manchen Kreisen immer roieDer auf- tauchende Besorgnis, daß die künstliche Düngung Einfluß auf Güte und Bekömmlichkeit Der Nahrungsmittel hat, kann Dr A. Jacob auf Grund einwandfreier Versuchsergebnisse beseitigen. — In die Welt Der Tropfsteine führt an HanD von eindrucksvollen Aufnahmen Helmut Cramer. Die Frage nach Dem GrunDe des Vogelzuges im Frühjahr und Herbst beschäftigt die Menschen schon von altersher; wie Dr. H. Schildmacher von der Vogelwarte Helgoland berichtet, hängen Vogelzug und Hormone eng miteinander zusammen. Der Rhythmus in Der Abscheidung Der Hormone veranlaßt Den Rhythmus im Leben Der Zugvogel. — Prof. Dr. H. Dohrer hat Den Geburtsakt Der Stab- Heuschrecke im Lichtbild natururkunDenmäßig fest- gehalten. — Was Sage unD was naturwissenschaftliche Wahrheit bei Den im Laufe Der Weltgeschichte aufgetauchten und versunkenen Inseln ist, weist Prof. Dr. R. Hennig an auffälligen Beispielen nach. — Ein mit seltenen und schönen Aufnahmen bebilderter Aufsatz über Wolfe und Wildhunde aus der Feder der Gräfin Hagen wird viel Beachtung finden. Anregungen zur Naturbeobachtung im Frühjahr, kleine Beiträge und Forschungsergebnisse aus den verschiedensten Gebieten, die Bücherschau und die beliebte Preisfrage beschließen das erste Heft des neuen Jahrgangs.


