Ausgabe 
14.10.1936
 
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rige Lage des Seiden- und Weinbaus in Italien, I " scheint die Stegerfreigrenze von zehntausend Lire recht eng, denn der heranzuziehende Grund­besitz wird nach folgendem Schema bewertet: Schätzungswert, multipliziert mit einem festen Satz von 3,66 und kapitalisiert zu 5 v. H. Nun ist es heute vielfach schon so, daß der Kleingrundbesitz nur dann noch gehalten werden kann, wenn der Bauer eine zahlreiche Familie und damit billige Arbeitskräfte hat. Ein Weingut, das jede Hand­arbeit sofort bezahlen muß, kann nicht rentieren. Der Auflassung von Rebgärten wird daher schon seit Jahren das Wort geredet. Zahllose Winzer haben in den letzten Jahren zugesetzt, die Seiden­bauern stöhnten vor allem wegen der japanischen Konkurrenz.

Und die großen Villen, die wie in Frankreich längst keinen Ertrag mehr abwerfen? Hier wird es manchen unfreiwilligen Besitzwechsel geben. Besser werden sich die Betriebe landwirtschaftlicher Natur stellen, die für die Ernährung der Bevölkerung von höchster Wichtigkeit sind und deshalb die Segnungen staatlicher Beihilfen und Unterstützungen genießen. Auch gibt es Besitzende, die gänzlich ungeschoren bleiben: Staat, Partei, Gemeinden, wissenschaftliche Institute, das Rote Kreuz, zum Teil auch der Kle­rus usw. Im früheren Italien wäre es unmöglich gewesen, denBesitz" so hart anzufassen, die Diszi­plin des faschistischen Italiens wird auch das dicke Ende des siegreichen Feldzuges zu ertragen wissen.

Oer Ausgleichsfonds der Abwertungsländer.

W a s h i n g t o n, 13. Oft. (DNB.) DerHeber* gang zum neuen Weltstanda r d", wie man in den Vereinigten Staaten die Erklärung des Schatzsekretärs Morgenthau auslegt, wird von der republikanischen Partei als Wahl­manöver bezeichnet, das das amerikanische Volk durch eine Rückkehr zur Goldwährung beeindrucken soll. Tatsächlich hat jedoch, wie Morgenthau auch ausdrücklich unterstrichen hatte, dieser Schritt kaum irgendeine i n n e r p o l i t i s ch e Bedeu­tung. Weder ist der Goldgehalt des Dollars ge­ändert worden, noch wird in der Bewertung des inländischen Papierdollars irgendeine Neuerung eintreten. Nach wie vor darf Gold nicht gehandelt werden, im Gegenteil ist die Verwendung des Gol­des zu internationalen Spekulationen weiter er­schwert worden.

Der amerikanische Schritt hat zur Folge, daß d i e Stabilisierungsfonds von Amerika, Eng­land, Frankreich und der anderen Länder nicht übermäßig angespannt gu werden brau­chen, da Schwankungen künftig durch die Aus­fuhr von Gold oder durch buchmäßige Uebertragun- gen der Goldkonten schnell ausgeglichen werden können. Die Neureglung kommt daher be­sonders den Ländern mit kleinen Stabilisierung:',- fonds zustatten. Man hofft in Washington, daß sie der italienischen Regierung den lieber» gang zu einer neuen Finanz- und Außenhandels­politik erleichtern wird. Eine Abwertung oder eine Kursänderung des gegenwärtigen Dollars ist nach wie vor nicht beabsichtigt.

Oer Wahlkampf in USA.

Scharfer Kampf tim den Mittelwesten.

Washington, 13. Oft. (DNB.) Mit dem heutigen Tag begann hier der Endkampf für die in drei Wochen zur Entscheidung kommenden Wah­len des Präsidenten, des Vizepräsidenten und für ein Drittel des Bundessenats und für das ganze Abgeordnetenhaus. Präsident Roosevelt und Landon sind jetzt ständig unterwegs und fah­ren von Ort zu Ort, um teils auf Bahnstationen, teils in großen Hallen ihre letzten Wahl­reden zu halten. Beide konzentrieren ihre Haupt­kampftätigkeit auf den Mittelwesten, wo die große Farmerbevölkerung ein unsicherer Faktor ist. Während die Ostküste der Vereinigten Staaten über­wiegend zu Landon neigt, wird die Westküste vor­aussichtlich mit großer Mehrheit für Roosevelt stim­men. Es hängt daher vom Mittelwesten ab, welcher Kandidat als geeigneter für die weitere Entwick­lung der amerikanischen Wirtschaft angesehen wird. Die zwischen dem Mittelwesten und der Ostküste ge­legenen Staaten Pennsylvanien und Neu- york dürften, wenn auch mit knapper Mehrheit, für die Beibehaltung der gegenwärtigen Regierung stimmen.

Frauen und Kinder als Opfer des Bolschewismus in der Sowjetunion und Spanien.

Aufruf des Frauenweltbundes zugunsten der in Zwangsarbeitslagern Inhaftierten.

Genf, 13. Oktober. (DNB.) DerCourier de Geneve" veröffentlicht folgenden Aufruf des F r a u e n w e l t b u n d e s gegen Bolsche­wismus und Krieg zugunsten der in der Sowjetunion in Awangsarbeitslagern fe st gehaltenen Frauen und Kinder:

Die Not und das geistige und materielle Elend, in dem diese Unglücklichen leben, übersteigt alle Vorstellung. Ulan seht alles daran, um das Elend der weiblichenGefangenen aufs Aeußerfte zu steigern. Die Frauen, die oft ihre Kinder bei sich haben, erleiden eine unbeschreibliche Behandlung, sie werden in den Zwangsarbeitslagern zu Arbeiten gezwungen, die weit über Men­sch e n k r ä f t e gehen und unter unerträglichen Bedingungen geleistet werden müssen, wie Hunger, Kälte, Elend und dauerndem Zusammensein mit kriminellen Verbrechern, was zu an st eckenden Krankheiten, Epidemien und völliger Verkommenheit führt. Die Frauen sind völlig schutzlos einer Zwangsarbeilsorganisa- tion ausgeliefert, die keinerlei seelische und materielle Rücksicht kennt. Die Kinder erleiden mitten unter

den Gefangenen dieselbe Behandlung und sind ge­zwungen, in dieser Umgebung und diesem de­moralisierenden und verkommenen Milieu zu leben, und all das ohne die geringste Hilfe ohne irgend eine Hoffnung oder Erleichte­rung."

Der Appell schließt:Die Menschheit darf ange­sichts so empörender Tatsachen, von denen bisher niemand Rotiz genommen zu haben scheint, nicht untätig bleiben. Dieselbe Organisation hat auch einen Ausruf zugunsten der Frauen und Kinder i n Spanien veröffentlicht:Das tragische Schicksal der Frauen und Kinder, die Opfer der marxi­stischen Untaten in Spanien geworden sind, beschäftigt im höchsten Grade die öffentliche Meinung Europas. Unzählige Frauen ebenso wie Kinder sind täglich einer grauenvollen Behandlung ausgesetzt. Die Grausamkeit und Bestialität ihrer Peiniger wetteifern mit ihrem teuflischen Erfindungsgeist. Diese Frauen leiden auf die entsetzlichste Weise. Es ist dringendstes Ge­bot der Stunde, sofort eine Aktion für sie zu unternehmen.

Die Tragödie von Toledo.

Der Verteidiger des Aikazar schildert die Belagerungszeit.

Toledo, 13. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der hel­denhafte Verteidiger des Alkazar, General Jose Maria Moscardo empfing den Sonderbericht­erstatter des DNB. zu einer Unterredung. General Moscardo erzählte u. a.: Als die Erhebung aus­brach, telephonierte mir Madrid, daß ich sofort mehrere Lastwagen mit Munition aus der Mu­nitionsfabrik von Toledo nach Madrid bringen lassen sollte. Ich ging zum Schein auf den Befehl ein. Als aber die Lastkraftwagen an dem Stadttor eintrafen, ließ ich sie von bewaffneten Kadetten anhalten und in den Alkazar schaffen. Auf diese Weise hatten wir während der ganzen Be­lagerung ausreichend Gewehre und Munition. Lei­der fehlten uns Geschütze. Wir hatten nur 16 Ma­schinengewehre. Handgranaten stellten wir selbst her. Aul dem Dach des Alkazar waren Posten, die jeden Artillerie-Abschuß, jede Bombe und jeden Angriff durch Hornsignale ankündigten, so daß die Besatzung stets rechtzeitig in Deckung gehen konnte.

Die ersten vier Wochen stellten die stärkste Ner­venprobe dar, weil wir völlig.von der Außenwelt abgeschnitten waren und auch kein Empfangsgerät besaßen. Ein Ausfall der tapferen Besatzung brachte uns erst mehrere elek­trische Batterien, mit deren Hilfe das Empfangs­gerät dann in Betrieb gefetzt werden konnte. Wir hörten den Sender Burgos und nachts die-spa­nische K u r z w e l l e n s e n d u n g aus Ber­lin, die uns über die wahre Lage aufklärte und unseren Willen zum Durchhalten st ä r k t e.

Die roten Flugzeuge warfen Bomben, schwere Steine und Brennzünder ab. Die rote Artillerie schoß an den ersten Tagen bald zu kurz, bald zu weit. Die Roten vermuteten Sabotage und erschossen darauf ihren Artillerie-Führer. Bei der Befreiung Toledos wurde die gesamte rote Ar­tillerie gefangen genommen und mitsamt ihren aus­ländischen Offizieren erschossen. Die durch Spione unterrichtete rote Artillerie scheute sich nicht, die Untertunftsräume der Frauen und Kinder zu beschießen, so daß eine Umquartierung notwendig wurde. Von den Frauen find nur zwei gestorben, und zwar eines natürlichen Todes. Wir danken dem Himmel, daß sich zufällig 120 Pferde und Maulesel in den Stallungen befanden. Sie waren unsere Hauptnahrung. Bei der Befreiung waren nur noch fünf Maulesel übrig. Der Abwurf von Lebensrnitteln durch unsere heldenhaften Flieger war für uns eine große Erleichterung und vor allem eine starke moralische Stütze.

General Moscardo führte den Berichterstatter dann nach der Schwimmhalle. In ihr steht ein rie­

siger Mauerblock. Der General entblößte sein Haupt und erzählte mit bewegter Stimme: Wochenlang haben wir hier das Wasser getrunken, als es versiegte aus Brunnen und Notbrunnen. Die toten Helden haben wir hier zum letzten Mal in Reih und Glied gelegt und blutenden Herzens mit Kalk und Zement eingemauert. Wir trugen die Toten mit erhobenem Arm.

Der Berichterstatter fragte den General nach dem Schicksal der eigenen Familie. Leise und stok- kend kommt die Antwort:Meine Frau und ein Sohn sind während der ganzen Belage­rung in Toledo bei Wasser und Brot gefangen gehalten worden. Sie sind nun befreit. Ein Sohn ist an der Front, ein Sohn in dem von den Roten besetzten Gebiet verschollen. Und hier die Geschichte meines letzten Sohnes: In den ersten Tagen der Belagerung, als der Fernsprecher noch arbeitete, rief mich die rote Kommandantur an, und forderte m i ch zur Uebergabe auf, andernfalls mein in ihren Händen befindlicher Sohn erschossen würde. Zum Beweis ließ man meinen Sohn an den Apparat kommen und mit mir sprechen. Ich habe ihm gesagt: Du bist der Sohn eines Soldaten, befiehl deine Seele Gott! Wenige Minuten später war mein Sohn er» schossen." Geist von Toledo!

Panitfiimiw in Madrid

Burgos, 14. Okt. (DNB.) Das letzte Bom­bardement von Madrid durch drei nationalistische Bombengeschwader und zwei Jagdstaffeln war von ungewöhnlicher Heftigkeit. Die Angreifer belegten besonders die roten Kasernen und Muni­tionsfabriken und verschiedene Ansammlun­gen roter Milizen mit Bomben. Man konnte deut­lich beobachten, daß die Bombardierung eine große Panik verursacht hat. Flüchtlinge aus Madrid berichten, daß das Herannahen der Natio­nalisten zu einem deutlich erkennbaren Stimmungs­umschwung geführt hat. Man sähe in letzter Zeit viel weniger rote Abzeichen und Fah­nen. Zahlreiche Angehörige der roten Miliz ver­steckten s i ch und wollten nicht an die Front gehen, weil es dochzwecklos" sei. Auf sämtlichen Baustellen seien die Arbeitsgeräte für die B e - feftigungsarbeiten beschlagnahmt worden. Außerdem seien für solche Arbeiten auch Sonder­trupps gebildet worden. Der Innenminister habe einen Spionageausschuß eingesetzt, der aus übel beleumdeten Weibern und gemeinen Ver­brechern bestehe. Die Lebensrnittel würden immer knapper. Man müsse viele Stunden

Zwei Freunde spielen Schach.

Don Mare Stahl.

Ein Freund kommt zu dem andern zum Schach­abend. Er begrüßt den Hausherrn, verbeugt sich zerstreut vor der Hausfrau, sieht mit umseitigen Blicken um sich und fragt:Wo spielen wir Schach?"

Wollen Sie nicht erst ein Täßchen Tee trinken oder ein Gläschen Wein?" fragt die besorgte Haus­frau.

Nein, nein, ich danke fehr", ruft der Schach­spieler und sieht die Dame gequält an, als sei sie die Parze persönlich, die tpit erhobener Schere be­reitest, ihm feilten Lebens fad en abzuschneiden. Die Hausfrau erschrickt etwas und zieht sich zurück. Das Freundespaar stürzt gierig ins Zimmer an den Schachtisch.

Der Hausherr hält die Hände auf dem Rücken wie als Kind, als er sagte:Rate mal, was ich da habe?" und dann einen molschen Apfel vor­wies:Links oder rechts?" fragte er lauernd und drückte die Figuren in den Händen so fest, daß sie am liebsten schreien würden, wenn sie nicht aus Holz wären.

Der andere windet sich hin und her. Er versucht gleichsam hinter den Rücken des Gegners zu schauen.Rechts!", sagt er endlich unter Qualen.

Schwarz!", ruft der Hausherr und hält ihm die gewählte Figur entgegen.Ich fange an!", ruft er triumphierend und beginnt ohne alle Achtung der Gastfreundschaft seine weißen Steine liebreich aus­zubauen.

Der Freund schießt mürrische Blicke und fetzt bum, bum, bum die Figuren auf das Brett.

Das Spiel beginnt Mit angelegentlichen tiefen Überlegungen wird jeder Zug getan. Es ist so still im Zimmer, daß man eine Maus hinter der Wand rascheln hören könnte, wenn eine vorhanden wäre. Ab und zu stöhnt einer dumpf auf, als fei er tief verwundet rootöen. Jeder setzt ungeheuer vorsichtig, denn er kennt den andern als raffiniert und gerissen. Wenigstens sagen sie sich das ab­wechselnd ins Gesicht

Endlich ist einer so weit in die Falle gegangen, daß er arglos und heiter, wie das Lämmlein auf der Wiese, über einige Felder hüpft und dem an­

dern sein bestes Pferd im Stall als fetten Happen hinhält.

Er hat die Figur schon niedergesetzt, als er plötz­lich den gierig glitzernden Freundesblick bemerkt. Halt", schreit er und nimmt die Figur zurück, es war ein Irrtum, ich wollte den Stein anders­wo hinsetzen", und reißt fein Rößlein am Zaum rückwärts.

Nein, nein, nein", protestiert der andere, dem der leckere Braten schon auf der Zunge zerging, gesetzt ist gesetzt", und angelt nach dem sisich bäu­menden Pferd, das vor seiner zugreifenden Hand eilig verschwindet.

Große Auseinandersetzung. Anrufung aller be­kannten Kapazitäten. Zitate aus der Schachlite­ratur, wo irgendwo ein Passus Vorkommen soll, das zu einem Zurücknehmen der Figuren berechtigt. Das Zimmer ist so laut, daß die imaginäre Maus längst verschwunden wäre. Die Hausfrau tritt be­unruhigt ins Zimmer, und der Fall wird ihr vor­getragen.

Sie kennt ihre Pflicht als Gastgeberin und gibt dem Freund recht, was ihr einen wütenden Blick des Ehegefponfes einträgt. Dann bringt sie Tee, der hastig heruntergegoffen wird, gleichsam auf den erhitzten Gemütern zischend verdampft. Dann ist wieder Ruhe eingekehrt.

Während sie im Nebenzimmer liest, bringen hin und wieder Jammerlaute an ihr Ohr. Ihr treuer Gatte behauptet, das größte Kamel des Jahrhun­derts zu fein, während der Freund der festen Mei­nung ist, daß nie ein größeres Rindvieh als er auf Gottes Erdboden gewandelt ist.

Unter solchen Selbsterkenntnissen, wilden Be­hauptungen und lauten Klagen wird die erste Par­tie beendet. Ohne erst Luft zu schöpfen, beginnen sie sofort die zweite, ihr folgt die dritte und vierte. Ab und zu sieht die Frau des Hauses zur Tür her­ein, erblickt in einer Art Nebelbank zwei Gestalten, die bleich und mit wirren Haaren vor sich nieder auf den Tisch starren, als stiege von dort dieser seltsame Hexendampf auf, aber er quoll nur aus Zigaretten, Zigarren und Pfeifen, die bunt durch­einander geraucht worden sind. Manchmal schreit der Hausherr nach neuem Tee, so als ob er sagte: Neue Reserven her!"

Die Chancen sind gleich, zwei zu zwei. Eigent­

lich könnte man nun aushören, das wäre in der Ordnung. Ader keiner denkt daran. Jeder hat es sich heute eifern in den Kops gesetzt, dell andern in die Knie zu zwingen. Sie spielen also noch eine Entscheidungspartie.

Jeder ist so voll Weisheit, daß er bersten möchte, verbirgt sie aber sorgfältig vor dem anderen. Je­der bewegt sich auf den vierundsechzig Feldern des Schachbretts so harmlos, wie nach dem LiedIch ging im Walde so für mich hin" und einer und der andere pfeift zur Irreführung mal ganz sorg­los und der andere summt dazu. Beiden steht der Schweiß auf der Stirn und der Rauch ist jetzt so dick, daß beide husten müssen.

Plötzlich springt der Hausherr auf, rauft sich bas Haar und stürzt sinnlos im Zimmer auf und ab. Ich werde verrückt ich werde verrückt", schreit er dabei und trommelt sich mit den Fäusten auf den Sitz seiner reinsten und zartesten Gedanken­fäden, und der Haushund, schon lange beunruhigt, beginnt dazu ein wütendes Gebell und weiß nicht, ob er laut aus Mitgefühl mit feinem Herrchen heu­len ober den bösen Gast beißen soll.

Der Freund schlägt sich roh auf die Schenkel, wiegt sich kichernd auf den Stuhlbeinen und be­müht sich dann mit allen Kräften, feine Vergnügt­heit zu verbergen.

Die Hausfrau steht wieder in der Tür. Der Hausherr faßt sich.Ich habe ihn gewinnen lassen", sagt er gravitätisch und bringt den treulosen Freud, diese Schlange, die er am Busen nährte, zur Tür, durch die er morgen zum neuen Kampf wieder eintreten wird.

Prinzessin Julianas Ausstattung.

Königin Wilhelmina und Prinzessin Juliana von Holland bleiben diesmal länger als gewöhnlich in ihrer SommerresidenzHet Loo", da sie die Hoch- zeitsvorbereitungen stark in Anspruch nehmen. Das Datum der Hochzeit ist noch nicht festgesetzt. Viel Kopfzerbrechen machen noch ine Ueberlegungen, wer als Brautjungfer und wer als Gefolge des Bräuti­gams auserwählt werden wird. Die Königin und ihre Tochter widmen der Kleiberfrage bei bei­der emo nie viel Zeit; es mutz dabei auch bedacht

anstehen, um irgend etwas Eßbares zu erhalten. Die Anarchisten hätten gedroht, daß sie, wenn die Truppen General Francos vor Madrid erschienen, Zehntausende von Geiseln in den verschiedenen Gefängnissen der Stadt umbringen und die wichtigsten Gebäude mit Dynamit in die Luft sprengen würden.

Neue Note Moskaus an den Nichteinmischungsausschuß.

London, 13. Okt. (DNB.) Der sowjetrusstsche Geschäftsträger in London Kagan hat am Mon­tagnachmittag dem Vorsitzenden des Nichteinmi­schungsausschusses Lord Plymouth eine Note überreicht, in der die Sowjetregierung den Protest gegen d i e angebliche Verletzung des Nichteinmischungsabkommens erneuert, Vorschläge zur Durchführung der Nichteinmischung macht und den W i ed e r z u s a m m e n t r i t t des Nichteinmischungsausschusses zu einem möglichst bal­digen Zeitpunkt verlangt. Der Schwerpunkt der Note soll in den sogenanntenpraktischen Vorschlägen" liegen, über deren Charakter allerdings noch nichts bekannt ist. Lord Plymouth hatte eine längere Besprcheung mit dem französi­schen Botschafter C o r b i n.

Wiederkehrende Ruhe in Palästina.

Freude inJerusalernüberdenStreikabbruch

London, 14. Okt. (DNB. Fernspruch.) Die Straßen Jerusalems boten am Dienstagabend ein Bild der Freude der Bevölkerung darüber, daß der Streik ein Ende gefunden hat. Große Menschenmassen wanderten die Straßen auf und ab, besahen sich die wiederbeleuchteten Schau­fenster und trafen sich in den überfüllten Kaffee­häusern. Vereinzelt kam es allerdings in einigen Teilen des Landes noch zu kleineren Schießereien. Der Terror scheint überall bemerkenswert schnell zusammengebrochen zu sein. Es ergeben sich neue Hoffnungen, daß die Unruhen nun enbgültg ihrem Ende entgegengehen. Neun Personen, die wegen Agitation festgenommen waren, wurden bereits wieder freigelassen.

Am Dienstag traf in Jerusalem das III. B a taillon der Goldstream-Guard ein. Die Mannschaften zogen in voller Truppenausrüstung mit den motorisierten Abteilungen durch die Stra­ßen. Generalleutnant Dill, der Oberkomman­dierende in Palästina, besichtigte die Division Gaza in Südpalästina. Er flog dann verschiedene Mili­tärposten ab, und kehrte Dienstagnachmittag nach Jerusalem zurück. Das ist die erste Besichtigung im Süden Palästinas, die Dill seit Uebernahme des Kommandos der britischen Streitkräfte durchgeführt hat.

Aus aller Wett.

Or. Ley sammelt in Zwickau für das WHW.

Berlin, 13. Okt. (DNB.) Anläßlich der am kommenden Samstag und Sonntag stattfindenden 15-Jahr-Feier der NSDAP. Zwickau weilen Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und Reichsinspekteur S ch m e e r in Zwickau und wohnen den Fieerlichkeiten bei. Pg. Dr. Ley und Pg. Schmeer werden daher im Rahmen der ersten Reichs- straßensammlung für das Winterhilfswerk 1936/37, die am 17. und 18. Oktober von der Deut­schen Arbeitsfront durchgeführt wird, ihre Sammeltätigkeit auch in Zwickau ausüben.

Eisenbahnunglück in helsingfors.

Bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof von Hel­singfors entgleiste ein Zug. 14 Personen, von denen mehrere kaum mit dem Leben davonkommen dürften, wurden schwer verletzt.

Starker Frost im Mofeltal.

Sie Hoinungen der Moselwinzer auf einen guten Herbst haben sich leider verschlechtert. In der Nacht 3um Montag trat Frost weiter ein, wie man es seit Jahrzehnten um diese Jahreszeit im Moseltal noch nicht erlebt hat. Unmittelbar über dem Boden wurden 5 Grad unter Null, zwei Meter über der Erde 3,6 Grad unter Null gemessen. Hierdurch ist das Laub an den Reben erfroren, so daß mit einer weiteren Entwicklung der Trauben kaum noch zu rechnen ist. Die Trauben selbst haben keinen ober nur ganz wenig Schaden genommen, doch

werden, wie die Brautjungfern gekleidet sein sollen. Man sieht die verschiedensten Muster und Stoff­proben in den Wohnzimmern des Schlosses aus­gebreitet umherliegen. Die Berater der Königin bringen barauf, daß in erster Linie holländische Firmen bei der Anfertigung all dieser Kleider her­angezogen werden, ebenso wie für alle Einzelheiten ber Ausstattung, bie zum größten Teil von hollän- bischen Schneiderinnen unb Näherinnen gearbeitet werben wirb. Die Stickerei des Brautkleides wirb wahrscheinlich der Amsterbamer Schule für Nadel­arbeit übertragen werben, wie es auch zu Königin Wilhelminas Hochzeit geschah.

Die wibersprechenbsten Nachrichten waren ver­breitet, wo bas junge Paar Wohnung nehmen wirb. Man sprach befonbers von ben Schlössern ber verstorbenen Königin Emma im Haag unb in Soesterburg, nahe bei Utrecht. Der Berichterstatter berDaily Mail" erfährt jeboch, daß die Prinzessin unb ihr Gemahl in bem kleinenPalast bes Prinzen ber Niederlanbe" leben werden, der ber Prinzessin schon seit langem als ihr offizieller Wohnsitz im Haag gehört, unb daß sie außerdem eine behagliche Villa mit schöner geräumiger Umgebung suchen. Don beiden Verlobten ist bekannt, daß sie besorgt sind, ein ganz einfaches privates Leben zu führen.

Jungen lernen in der Schule kochen.

In England hat eine Gemeindeschule für Knaben im letzten Schuljahr den Haushaltunterricht in ben Lehrplan eingesetzt. Die Knaben lernen dort kochen, nähen, ausbessern, waschen, kurz alles, was zu einem ordentlichen Haushalt gehört. Die Jungen sollen über die neuen Stunden sehr begeistert sein, und der Schuldirektor versichert, daß sie jedes Lob verdienen: sie sollen sehr aufmerksam und durchaus nicht ungeschickt in den Künsten bes Haushalts sein. Die englischen Erzieher nehmen an, baß sie auf biese Weise bie jungen Leute besser in ben Stand setzen, sich selbst zu helfen, wenn es einmal nötig ist; vor allem aber wollen sie auch erreichen, daß sie ein besseres Verstänbnis dafür bekommen, welche Mühen und Sorgfalt ein guter Haushalt erfordert, und daß sie so die Arbeit ihrer Mütter und in Zukunft ihrer Frauen besser schätzen lernen.