Tag des deutschen Sports beim Reichsparteitag
MG. siegt im Städte-Achter
Der vierte Fußball-Länderkampf zwischen Deutschland und Polen, der am Sonntag vor 45 000 Zuschauern im Warschauer Militär-Stadion ausgetragen wurde, brachte der deutschen Mannschaft nur ein 1:1 (1:0) Unentschieden ein, nachdem die deutschen Vertretungen in den voraufgegangenen drei Spielen jedesmal gewonnen hatten. Die deutsche Mannschaft, in der sechs „neue" Leute standen, besaß nicht die Durchschlagskraft, um die starke polnische Hintermannschaft mehr als einmal überwinden zu können. Die Neulinge spielten im allgemeinen recht gut, besaßen aber doch nicht das Können und die Erfahrung, die für einen so schweren Länderkampf notwendig sind. Neben der Abwehr Buchloh-Münzenberg-Ianes stachen nur noch Mehl und Kitzinger in der Läuferreihe sowie Karl Hohmann im Sturm hervor. Bei den Polen war eben»
Das Kugel st oßen war dem Olympia-Sieger Woellke nicht zu nehmen. Er braucht nur 15,62 Meter, um sich den ersten Platz zu sichern vor Stöck, der auf 15,09 Meter kam. Lutz L o n g sicherte sich erwartungsgemäß den Sieg im W e i t s p r u n g. Allerdings kam er an seinen Rekordsprung nicht heran, er erzielte 7,39 Meter. Nur 7 Zentimeter schlechter war der Stettiner Leichum. Eine Neuauflage des Olympischen Kampfes gab es im Hammerwerfen, das unser Meister Hein von B l a s k gewann. Eine großartige Leistungssteigerung zeigte vor allem Hein, der zunächst 52,73 Meter, dann 55,64 Meter und zum Schluß 55,67 Meter warf. Ihm am nächsten kam Blask. Unter großem Jubel hielten dann unsere Olympia- Sieger im Turnen ihren Einzug. Während die Frauen ihr Können am Schwebebalken zeigten, ernteten die Männer immer neue Beifallsstürme am Hochreck. Stöck kam wieder über 70 Meter im Speerwerfen. Erstaunlich ist die beständige Form dieses Gewinners der Goldmedaille. Sein schwächster Wurf lag bei 68 Meter, sein bester war 70,28 Meter, den er beim letzten Versuch erreichte. Zweiter wurde Weimann-Wittenberg. Das Speerwerfen der Frauen wurde eine Beute der Münchnerin G e l i u s mit einer Weite von 42,26 Meter. Die Stuttgarterin Eberhardt kam nur auf 41,97 Meter und mußte sich mit dem zweiten Platz begnügen. Das Diskuswerfen der Frauen war selbstverständlich der Olympia-Siegerin Gisela Mauermeyer nicht zu nehmen. Die Münchnerin sicherte sich mit einem Wurf von 44,45 Meter überlegen den ersten Platz vor Paula Mollenhauer- Hamburg (41,80 Meter) und Frl. Hagemann-Ham- burg (37,01 Meter). Der Erfolg Gieselas löste beim Publikum großen Jubel aus.
Handball- und FußbaM'mpse.
Handball: Olympia-Elf knapp geschlagen.
Zu einem gewaltigen Werbe-Erfolg für den schönen Handballsport gestaltete sich das Spiel der Olympia-Els gegen eine starke süddeutsche Auswahl. Wohl besaßen die Olympioniken das technisch reifere Können, aber- ihr Sturm verlor sich unnötigerweise in Einzelaktionen. Der Süden dagegen zeigte ein planvolles Spiel, in dem Zimmermann, Herzog und Spengler überragten, und siegte schließlich knapp aber verdient mit 12:10 (4:5). In der Olympia- Mannschaft lieferte Mittelläufer Brinkmann ein zu offensiv eingestelltes Spiel, so daß in der Hintermannschaft gefährliche Lücken entstanden.
„Club" schlägt Schalke 5:3 (3:1).
Die Kampfe der Leichtathleten.
Ein wundervoller Herbsttag mit hellstem Sonnenschein und leichtem, etwas kühlem Wind lag über der Stadt der Reichsparteitage, als im Zabo, dem Platz des 1. FC. Nürnberg, das große .Sportfest begann. Jugendwettbewerbe, die manche gute Leistung erkennen ließen, leiteten die Vorläufe für die Staffelmeisterschaften ein. Im allgemeinen brachten die Vorläufe die erwarteten Ergebnisse.
Die neuen Staffelmeister.
4X100 Meter: Eintracht Frankfurt. 4X1500 Meter: KTV. Wittenberg.
4X100 Meter, Frauen: Dresdener SE.
4X400 Meter: Stuttgarter Kickers.
(lieber die Läufe berichten wir noch.)
SeiiWand-polen 1:1 (1:0).
Fußball-Länderkampf in Warschau vor 45000 Zuschauern.
den Abschluß des großen sportlichen Reigens auf der Zeppelinwiese. Im Bantamgewicht kam der Stuttgarter Herbert zu einem knappen Punktsieg über Len Nürnberger Jakob Brendel. Der Olympiazweite im Mittelgewicht Schweickert (Berlin) legte Lehner (Nürnberg) nach fünf Minuten auf beide Schultern. Hornfischer (Nürnberg) hatte mit dem Stuttgarter Lägerle im Schwergewicht sehr trief Mühe; erst im zweiten Gang schaffte der Nürnberger nach 13 Minuten den entscheidenden Sieg.
Reiter und Motorradfahrer.
Die höchste Zuschauerzahl bei den sportlichen Wett- kämpfen des KdF.-Volksfestes wurde wohl auf dem Reiterfeld der Zeppelinwiese sestgestellt. Rittmeister Polley von der Kavallerieschule Hannover ritt zunächst auf „Kronos" die Große Dressurprüfung der Olympischen Spiele und erntete damit großen Bei- fall. Anschließend wurde das Schwere Jagdspringen durchgeführt, bei dem die Reiter die Originalhinder- nisse bewältigen mußten, die bei den Olympischen Spielen in Berlin aufgebaut waren. SS.-Unter- sturmführer Bruhn beendete auf „Jäger" das Rennen als Sieger. Die Siegerehrung wurde vom Reichssportführer vorgenommen.
Halsbrecherisch waren die Vorführungen der Mo- torstasfel 1/M78 Nürnberg im Motorrad-Kunstfah- ren. Immer wieder brach der Beifall aus bei den geradezu artistischen Leistungen der mutigen NSKK.- Männer. Stehend freihändig wurde gefahren, im Seitenwagen auf dem Kopfe stehend die Maschine gelenkt. Das Fernlenken einer Maschine mit Seitenwagen wurde gezeigt. Zehn NSKK.-Männer stellten eine Pyramide auf fahrenden Maschinen auf. Schließlich erkletterte ein NSKK.-Mann eine auf einer Maschine stehende 5,20 Meter hohe Leiter und lenkte von dieser aus sein Kraftrad.
Gestern nachmittag wurde in der seit Jahren üblichen Weise — diesmal ausgerichtet durch die (Siebener Rudergesellschaft — der Achter um den Wanderpreis der Städte Gießen und Wetzlar ausgefahren. Das prächtige spätsommerliche Wetter hatte sehr viel Freunde des Rudersports an die Ufer der Lahn gelockt. Sie sahen zunächst ein Paddelrennen im Einer, von zwei Mannen der Paddelabteilung der Gießener Rudergesellschaft gefahren, anschließend zeigten zwei Damen-Mannschaften im Doppel- Vierer einen Wettkampf über 600 Meter, die beide Mannschaften in gutem Stil hinter sich brachten und dafür starken Beifall ernteten.
Mit besonderer Spannung sah man dem Hauptkampf des Nachmittags entgegen, der die Achter- Mannschaften des Wetzlarer Ruderklubs und der Gießener Rudergesellschaft im Wettbewerb sah, entgegen. Leider war es dem Gießener Ruderklub „fjaffia" nicht möglich, seine Mannschaften für diesen Wettkampf einzufetzen, da sie zu einem Teil aus Schülern besteht. Die Begegnung der beiden Boote
zuviel „Kreiselspiel", außerdem verriet die Hintermannschaft Schwächen.
ASv. Nürnberg — Schweinfurt 05 3:3 (0:1).
Dann wurde den 50 000 Menschen auf der Zeppelinwiese ein nicht minder interessantes und fesselndes Fußballspiel geboten. Die beiden guten oayeri- schen Gauliga-Mannschaften des ASV. Nürnberg und von Schweinfurt 05 lieferten sich einen überaus spannenden Kampf. Die Nürnberger, die besonders in der letzten halben Stunde überlegen spielten, erkämpften ein verdientes 3:3 (0:1) Unentschieden. Voxer-Gewichllheber-Rmger.
Fast gleichzeitig mit der Veranstaltung im Stadion begannen die Kämpfe auf der riesenhaften Zeppelinwiese innerhalb des Reichsparteitag-Geländes. Tausende von sportbegeisterten Menschen umstanden den in der Mitte der weiten Fläche aus- gerichteten Boxring, in dem zunächst die deutschen Olympia-Sieger Kaiser (Gladbeck), Runge (Elberfeld), Miner (Breslau), Vogt (Hamburg) und Mur ach (Schalke) in ihren Treffen gegen bayerische Amateure Gelegenheit hatten, ihr großes Können erstrahlen zu lassen. Die Massen verfolgten alle Kämpfe, bei denen oft das Letzte an Einsatz und Kraft verlangt wurde, mit großer Spannung.
Die Gewichtheber Jansen, Essen (Leichtgewicht), Jsmayr, Freising (Mittelgewicht) und Wagner, Essen (Schwergewicht), setzten dann die Menge mit ihren fabelhaften Leistungen in nicht geringes Staunen. Alle Kämpfer verbesserten ihre Olympia-Leistungen beträchtlich und nach jeder Uebung brauste der Beifall über das weite Gelände.
Die Darbietungen der Ringer bildeten
Gießen und Wetzlar gestaltete sich zu einem harten Kamps, dessen Ausgang ungewiß erschien, da die Gießener Rudergesellschaft auf einige Ruderer älterer Jahrgänge zurückgreifen mußte, deren Leistung nicht genau abzumessen war. Für die einheimischen Freunde des Rudersports gab es jedoch insofern eine angenehme Ueberraschung, als es der GRG. gelang, völlig eindeutig, mit klarem Vorsprung das Rennen für sich zu entscheiden. Vom Start weg legten beide Mannschaften in scharfem Tempo los. Der Achter der GRG. hatte dabei bereits auf den ersten hundert Meter einen Vorsprung herausgeholt, den er bis ins Ziel ständig und erheblich vergrößern konnte. Die Wetzlarer, die bis ins Ziel hinein den Kampf nicht verloren gaben, ruderten aufopernd und in schönstem sportlichen Geiste, trotzdem sie keine Möglichkeit des Sieges mehr vor sich sahen. Die Veranstaltung fand ihren Abschluß durch die Auszeichnung der siegreichen Mannschaft, die durch den Beigeordneten Sudheimer als den Vertreter der Stadt Gießen vorgenommen wurde.
Sturm überragte der Linksaußen Wcrirarz. Die beiden Mannschaften stellten sich dem ausgezeichneten schwedischen Schiedsrichter Eklöw in folgender Besetzung:
Deutschland: Buchloh: Janes, Münzenberg: Mehl, Rodzinski, Kitzinger; Elbern, Gauchel, Hohmann, Euler, Günther.
Polen: Albanski; Soczepaniak, Martyna; Kot- larczyk ll, Wasiewicz, Dytko; Piec, Matjas, Scherfke, God, Wodarz.
In der ersten Halbzeit war her Kampf meist gleichverteilt. Die Polen laaen zu Beginn etwas mehr im Angriff, die deutsche Verteidigung und Buchloh machten aber alle Angriffe unschädlich. Nach 20 Minuten kam dann Deutschland zum ersten Treffer. Hohmann hatte sich durchgespielt und sandte einen unhaltbaren Schuß zum 1:0 ein. Bis zur Pause boten sich dann nach beiden Mannschaften
Die beiden Meistermannschaften' des 1. FC. Nürnberg und von Schalke 04, also der deutsche Fußball- und Pokalmeister 1935/36 und der Meister der Jahre 1933/34 und 1934/35, führten den weit über 50 000 Zuschauern in der Hauptkampfbahn einen Fußballkampf vor, der durch seine fabelhaften technischen Leistungen begeisterte und zu einem wahren Pra- pagandaspiel für diesen schönen deutschen Volkssport wurde. Der 1. FC. Nürnberg feierte über feinen großen Widersacher einen verdienten 5:3 (3:1)- Sieg. Bei den „Knappen" fehlte allerdings Ernst Kuzorra. Den Ausschlag für den Nürnberger Sieg gaben das zweckmäßigere Stürmerfpiel und die un- ............. - ~ q
bedingt sichere Abwehrarbeit. Schalke trieb wieder I falls die Hintermannschaft der beste Teil. Im
aute Torgelegenheiten, We aber feine Verwertung fanden.
Nach dem Wechsel gingen die Polen mit schneidigen Angriffen auf den Ausgleich aus. Es dauerte aber immeryin 25 Minuten, bis Wodarz das 1:1 Herstellen konnte. Janes hatte eine hohe Flanke verfehlt und Polens Linksaußen fetzte aus 16 Meter einen Bombenschuß ins Netz. Buchloh konnte an diesem Ball nichts machen. Die polnischen Zuschauer feuerten nun ihre Mannschaft begeistert an. In den letzten zwanzig Minuten sah es recht oft nach dem Siegestreffer der Polen aus, die deutsche Deckung bannte aber schließlich die Gefahr. Auch der deutsche Sturm bekam noch einmal günstige Torgelegenheiten, aber auch hier war die polnische Hintermannschaft stärker als unser Angriff. Mit 1:1, ein Ergebnis, das dem Spielverlauf vollauf entspricht, trennten sich die beiden Mannschaften.
Fußball der heimischen Mannschaften.
Vezirksklasse:
Sportverein Lollar — Spielvereinigung 1900 2:2. Naunheim — Dillenburg 4:0.
Sinn — Wetzlar 4:5.
1. Kreisklasse:
Sportverein Garbenteich — FC. ,/Teutonia* Watzenborn-Steinberg 0:5; VfB.-R. II — Großen- Linden I 2:3.
Jugend- und Schülerspiele:
VfB.-R. 1. Jugend — Leihgestern 1. Jugend 1:2; DfB.-R. 2. Jugend — 1900 2. Jugend 2:1; VfB.-R. 4. Jugend — Lollar 2. Jugend 1:1. Die Schüler des DfB.-R. konnten ihre Spiele gegen die drei Schülermannschaften von Wetzlar mit 1:0, 3:1 und 2:0 gewinnen.
Fußball-Ergebnisse der Gauliga-Mannschasten.
Gau Hessen: 1. FC. 93 Hanau — Germania Fulda 5:0; Borussia Fulda — Spielv. Kassel 0:2; VfB. Friedberg — Hessen Bad Hersfeld 2:2; SC. 03 Kassel — Kcwa Wächenbuchen 1:1; Kurhessen Marburg — Spvgg. Niederzwehren 2:1.
Gau Südwest : FSV. Frankfurt — FD. Saarbrücken 4:1; SV. Wiesbaden — Eintracht Frankfurt 4:0; Wormatia Worms — Union Niederrad 4:2; FK. 03 Pirmasens — Borussia Neunkirchen 2:0; Sportfr. Saarbrücken — Kickers Offenbach 3:4. _
Gau Bayern: Wacker München — 1860 München 4:5; VfB. Koburg — Bayern München 2:2; BC. Augsburg — VfB. Jngolstadt-Ringfee 1:2.
Deutschland schlägt Luxemburg.
Lelchtathletik-Länderkampf in Alain;.
Wie erwartet, endete der zwischen Deutschland und Luxemburg am Sonntag in Mainz ausgetragene Leichtathletik-Länderkampf mit einem ganz überlegenen Siege der Deutschen, deren Vertretung in der Hauptsache dem Gau Südwest übertragen worden war. Zahlenmäßig ausgedrückt, betrug die Ueberlegenheit der deutschen Vertretung 87:42 Punkte. Mit rund 5000 Zuschauern mies das reick geschmückte Mainzer Stadion einen guten Besuch auf. Deutscher Jiadsieq Berlin - Warschau.
Fünfte Etappe.
Die fünfte Etappe der Radfernfahrt Berlin— Warschau wurde nach vier Siegen von Fritz Scheller nun von Schulze (Chemnitz) gewonnen. Schulze legte die 115 Kilometer von Kalisch nach Lodz in 3:56:34 Stunden zurück und verwies damit Kapiak (Polen), Ruland (Deutschland) auf die Plätze. In der Länderwertung ist der Sieg Deutschland mit 83:57:49.8 Stunden gegen 85:20:50 Stunden von Polen nicht mehr zu nehmen.
Der Abschluß.
Mit einem großen Sieg der deutschen Straßenamateure endete am Sonntag der Länderkampf gegen Polen, der in Gestalt der Sechs-Etappenfahrt von Berlin nach Warschau durchgeführt wurde. Die Deutschen, die auf allen Etappen ihre Ueberlegenheit bewiesen hatten, stellten auch am Schlußtag in Meister Scheller den Sieger und gewannen in der Gesamtwertung mit 102:21:44.6 Stunden gegen Polen mit 104:00:38.8 Stunden. Scheller, der sich
Unbekannte Fracht.
Homan von Krank K.vrann.
40. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Meinen Sie den Schiffsmakler und Vertreter der Sheffield-Werke?"
„Ja, den meinen wir wohl, wenn es nur den einen gibt."
„Das ist ein großer Mann, eine führende Persönlichkeit der britischen Kolonie in Hongkong. Big James ist sein Spitzname, aber er ist von Figur mager." Der Konsul verzog das Gesicht zu einem Lächeln. Sie sahen sich bedeutungsvoll an; Che Wong schien wirklich gute Beziehungen zu haben. Dann verabschiedeten sie sich von dem liebenswürdigen alten Herrn. „Wir fahren nach Victoria, Herr Konsul, und zwar mit dem Schiff, weil wir noch ungenützte Rückfahrkarten besitzen. Lassen Sie Nachricht für uns bitte postlagernd nach Victoria gehen. Wir wissen noch nicht, wo wir bleiben. Dieser Brief hier verweist uns an den Mr. Farnes King; vielleicht kann er etwas für uns vermitteln. Sie schieden in Herzlichkeit.
Am Abend ging das Nachtboot nach Hongkong hinunter. Sie waren rechtzeitig an Bord. ®s war ein anderes Fahrzeua, nicht die „Weiße Wolke . „Fährt wieder ein chinesischer General mit, dessen Dorha,Estin bic Fahrt unsicher macht?' Sie vermochten zu lachen, aber als der Dampfer Anfuhr, legten sie sich in die bequemen Deckstühle und nahmen sich vor, zu schlafen, um am andern Tag frisch ZU sein. ,
Der Mond kam auf und tauchte alles in Silber. Ser Himmel selber war aluminiumgrau, matt- leuchtend. Die Ufer standen wie mit bem Tuschpinsel hingestrichelt, schwarz gegen Silber. Eine chinesische oder japanische Postkarte...
Sie lagen still und redeten nicht mehr. Aber sie schliefen nicht richtig. Da war zuviel, was in den letzten Stunden auf sie eingestürmt war und noch nicht hatte verwunden werden können. Niemand störte sie. Das Schiff war diesmal nicht sehr besetzt. Vom Oberdeck herab kam eine weiche melodische Frauenstimme. Eine Engländerin sang. Man konnte verstehen, daß sie singen mußte in dieser Mondnacht. Sie sang: Jsn't it romantic... Man vrrzieh ihr.
Aber dann mußten sie doch eingeschlafen sein. Ein aufräumender Chinese weckte sie unbeabsich
tigt, und da war bereits Heller Tag. Das Schiff steuerte schon der Küste zu, wo sich eben das terrassenförmig aufgebaute Victoria abzuzeichnen begann.
Die Poststreet war wirklich nicht zu verfehlen, und da es noch Vormittag war, als sie vor dem Haus Nummer 83 anlangten, würde Mr. James King wohl in feinem Büro anzutreffen fein. Sie gaben Che Wongs Schreiben ab und ließen sich nicht auf Erklärungen ein. Sie wußten, nur James King selber konnte ihnen helfen. In einem Vorzimmer warteten sie. Dauernd schlug eine Tür, Leute wehten herein und heraus, es ging wie in einem Taubenschlag. Ihre Hoffnung, daß dieser vielbeschäftigte Mann sie empfangen werde, sank erheblich. Aber dann kam plötzlich ein junger Engländer und bat sie in das Allerheiligste. „Mr. King läßt Sie bitten, hereinzukommen", sagte er und ging voran, wies den Weg, öffnete die Tür und blieb draußen.
Mr. James King war gerade dabei, sich eine Zigarre anzuzünden. Er stand vor einem niedrigen Rauchtisch, drehte sich um und grüßte kollegial. „Hallo, da sind Sie ja." Er empfing sie wie uralte Bekannte. „Eine Zigarre? Nehmen Sie Platz." Er selber setzte sich nur einen Augenblick und sprang dann wieder auf, um eine Wanderung durchs Zimmer vorzunehmen. „Mein Freund Che Wong" — er mußte den Brief ansehen, um den Namen zu kennen — teilt mir hier mit, daß Sie ihm einen großen Dienst geleistet haben. Ich bin nicht in der Lage zu übersehen, warum er solchen Dienst nicht selber zu belohnen weiß." Er blieb vor ihnen stehen. „Sagen Sie mir bitte, was Sie von mir erwarten."
Hans Lorenzen stand auf. Es sind nur ein paar Worte, Mr. King", sagte er, „aber sie wiegen schwer. Wir sind Deutsche und von unserem Dampfer hier in Hongkong vergessen worden. Mar. kann es so ausdrücken. Die Angelegenheit hängt mit dem Dienst zusammen, den wir Mr. Che Wong leisten konnten."
„Hm", machte James King. „Ich beginne zu ver- stehen. Che Wong möchte Ihnen gern von hier wegverhelfen. Und da begegnen sich die Interessen, nicht wahr?"
„So ist es haargenau, Mr. King."
James King faßte sich an die Stirn. Auf feinem mageren Gesicht spielten die Muskeln der Kiefer. Das Gesicht war bemerkenswert; es schien aus gelbem Sand geformt, uneben scheinbar porös, er mußte die Pocken gehabt haben. „Sie können mit der /Jlormannia' fahren", sagte er ohne zu zögern.
„Sie kommt von Japan und hat etliche Kabinen frei. Ist es Ihnen recht, wenn ich für Sie drei eine Viererkabine belegen lasse? Ja, dann ist alles in Ordnung. Die „Normannia" legt in Southampton an." Er nickte ihnen zu. „Sie holen sich am besten morgen die Karten hier ab. Die „Normannia" trifft morgen abend ein und fahrt übermorgen voraussichtlich weiter." Er gab ihnen die Hand. „Nein, bitte, nichts zu danken. Das mache ich mit Herrn — wie hieß er doch — Herrn Che Wong, richtig — also mit ihm mache ich das ab. Gute Fahrt, meine Herren."
Sie waren hinauskomplimentiert, ehe sie es sich versehen hatten. Aber sie strahlten. „Das ist ein Mann!" rief Schnakenbeck, „man sieht doch, Geld verdirbt nicht immer den Charakter." Die beiden andern lachten sich an. „Es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn wir von Southampton aus nicht nach Haufe kämen."
Als sie am Spätnachmittag am Postamt vorbei- kamen, ging Hans Lorenzen hinein und fragte nach postlagernden Sendungen. Er glaubte selber nicht, daß schon etwas für ihn oder die Freunde da sei. Aber der englische Beamte gab ihm ein Telegramm. Hans Lorenzen riß es auf. Seine Augen weiteten sich, er brauchte Sekunden, den Sinn dieser Worte und Zahlen zu erfassen. „Berlin D 4 1245 anrufen, stop Mary."
Er zeigte es feinen Freunden. „Kinder", sagte er, „wenn wir all unser Geld Zusammenlegen, können wir vielleicht das Gespäch bezahlen. Wollen wir das?"
John Schnakenbeck, obgleich an sich ganz un - interessiert, nickte sofort. Und Rudolf Terbrügge sagte: „Rule an, Hans. Mit oder ohne Geld, wir kommen nach Haufe, das habe ich jetzt ganz fest im Gefühl."
Der Beamte beugte sich vor. „Wann wollen Sie anrufen?" erkundigte er sich. „Das Gespräch ist bezahlt."
Die gute Mary, sie hatte an alles gedacht. Hans Lorenzen bat, das Gespräch sofort zu bestellen. Sie saßen in der geräumigen Halle und warteten. Es dauerte lange, aber ihre Erregung ließ die Zeit vergessen. Dann kam ein Beamter und bat: „Der Herr, der mit Berlin sprechen will, muß sich jetzt in die Telephonzelle begeben. Berlin hat sich schon gemeldet; es kann sehr rasch gehen."
Hans Lorenzen wartete allein in dem heißen, kleinen Raum. Er hatte den Hörer am Ohr, einen Kopfhörer auf der andern Seite angeschnallt. Wenn nur das Herz nicht so laut klopfen wollte; es störte geradezu, er würde gar nicht verstehen können.
Ein feines Summen war in den Drähten. Stimmen sprangen hinein, ferne Stimmen, englifche Worte. Dann war es einen Augenblick still und plötzlich sagte jemand: „Bitte sprechen Sie jetzt, Berlin. Hongkong ist da." Jemand sprach deutsch; ein Fräulein vom Amt in Berlin. Sprach deutsch, und hier tausende Kilometer gen Osten stand ein Mann, und die Rührung ober die Spannung, das Gemisch aus beiden und mancherlei andern Gemütsbewegungen schoß ihm heiß in die Augen. Er mußte sich räuspern. Er wollte etwas sagen, sich seinerseits melden. Da schlug es ihm mitten aufs Herz. Eine Stimme, die er unter vielen herausgekannt hätte, Marys Stimme sagte leise, sehr weit weg, aber deutlich vernehmbar: „Bist du da Hans?"
Er nickte, aber das war ja Unsinn. „Jak" rief er. „Ich bin es, Mary, Liebste! Wie kommst du nach Berlin?"
„Ich wollte dich suchen gehen", sagte sie, „ich dachte, daß dein Bruder Fred mir helfen sollte, dich zu finden. Aber Fred ist verunglückt. Weißt du es schon?"
„Ja, ich weiß es, Mary."
Ihre Stimme klang wie durch eine Wand, aber plötzlich fiel diese Wand und Mary schrie ihm förmlich in die Obren, zwei, drei Worte, dann war sie wieder leise wie zuvor. „Kommst du nun heim, Hans? Ich warte auf dich, das weißt du doch. f)aft du Geld, sonst schicke ich für dich und deine beiden Freunde das Reisegeld."
„Hast du denn Geld?"
„Ja, Großmutters Geld. Ich bin mündig geworden. Soll ich schicken?"
„Nein, Mary. Wir haben schon Pasiage auf der /Normannia'; morgen ab Hongkong. Ich komme. Wo finde ich dich?"
„Ich bleibe in Berlin. Schreibe, depeschiere und rufe an im Hotel Imperial: ich komme dir entgegen. Wo läuft die „Normania" zuerst Festland an.
„Ich schreibe es dir, Mary. Ich bin }a so froh, daß ich deine Stimme hören durfte. Hast du mich noch lieb?"
„Ich habe dich immer lieb. Du bist mein Leben."
„Auf Wiedersehen, Mary, in kurzer Zeit."
„Warte, Hans. Bestelle deinem Freund Rudolf viele liebe Grüße von Antje Oelkens. Sie ist meine gute Freundin geworden. Rudolf soll heimkommen. Er kann den Hof seines Vaters wieder zurück» kaufen. Die Deutfchen haben eine neue Regierung.
(Fortsetzung folgt!)


