feierte den Jubilar mit einer herzlichen Ansprache, in der er besonders das Pflichtbewußtsein des Jubilars herausstellte. Die Treue und Verbundenheit, die zwischen dem Jubilar und seiner Verwaltung besteht, sand sichtbaren Ausdruck in dem ansehnlichen Geldgeschenk, sowie einem Anerkennungsschreiben und dem Buch des Führers „Mein Kampf" mit einer Widmung des Herrn Präsidenten der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. Bon seinen Mitarbeitern mit herzlichen Wünschen für sich und die Seinen bedacht, wurde der Jubilar zum festlichen Begehen seines Ehrentages zu feiner Familie entlassen.
** Die Aufteilung von kommunalen Steuer- und Gebührenbescheiden betrifft eine Bekanntmachung des Oberbürgermeisters in unserem heutigen Anzeigenteil. Hausbesitzer und Gewerbetreibende seien auf diese wichtige Veröffentlichung besonders hingewiesen.
** Verwundetenabzeichen auch an Angehörige der Freiwilligen Krankenpflege, des Freiwilligen Automobilkorps und des Freiwilligen Motorboot-Korps! Der Reichs- und Preußische Arbeitsminister hat in einem Ergänzungserlaß zu den Bestimmungen über das Verwundetenabzeichen be-
fttmmf, daß auch die Angehörigen der Freiwilligen Krankenpflege, des Freiwilligen Automobilkorps und des Freiwilligen Motorbootkorps die Verleihung des Verwundetenabzeichens beantragen können, sofern sie während ihrer Tätigkeit im Kriegsgebiet eine Kriegsdienstbeschädigung erlitten haben. Anträge sind an die Versorgungsämter zu richten. Die Äntragsfrist läuft bis zum 31. Dezember 1936.
** Achtet auch a u f kleine Wunden. Wie sehr auch kleine Wunden der Beachtung bedürfen, geht aus einem Fall hervor, der gegenwärtig in der Chirurgischen Klinik behandelt werden muß. Der hiesige landwirtschaftliche Arbeiter Heinrich Jakob erlitt vor einiger Zeit eine unbedeutend erscheinende Wunde an der Hand, die er nicht besonders beachtete, zumal sie auch bald verheilte. Vor etlichen Tagen stellten sich nun die ersten Anzeichen von Starrkrampf ein. Der junge Mann liegt schwer darnieder.
** Straßenbahn-Fahrplan Gießen — Wieseck. Die im Fahrplanheftchen des Gießener Anzeigers angegebenen Straßenbahnwagen Gießen ab 20.22, 20.52, 21.22, 21.52 und Wieseck ab 20.45, 21.15, 21.45, 22.15 verkehren nicht.
Lustschuhhauswart und Entrümpelung.
Zu den Pflichten eines Lustschutzhauswartes gehört die Durchführung der Entrümpelung der Dachböden. Vielen Volksgenossen war dies etwas Neues und Ungewohntes, denn um den Zustand der Dachböden hatte man sich im allgemeinen gar nicht oder nur sehr wenig gekümmert. Man dachte kaum darüber nach, eine wie große Gefahr das Anfüllen derselben mit leicht anzündlichem Material mit sich bringen konnte und ließ sich auch durch die früher häufigen Dachstuhlbrände nicht aus der Ruhe bringen. Seit das nationalsozialistische Deutschland regiert, hat sich auch hier mancherlei geändert.
Millionen Volksgenossen — vom Reichsluft- fchuhbund aufgeklärt und ausgebildet — erkannten angesichts der Bedeutung der Fliegerwaffe im Ernstfall die Rotwendigkeit, hier einen gründlichen Wandel eintreten zu lassen.
Und so hat das deutsche Volk in Stadt und Land in zunehmendem Maß in den letzten Jahren mehr oder weniger umfangreiche Entrümpelungen vorgenommen.
Es wäre jedoch ein Irrtum zu glauben, alle Volksgenossen hätten den vollen Ernst der Forderung des RLB. erkannt. Allzu oft muß festgestellt werden, daß schon ordnungsgemäß entrümpelte Dachböden in verhältnismäßig kurzer Zeit genau so mit überflüssigen Sachen angefüllt^sind wie in der Vergangenheit. Hier tritt bedauerlicherweise ein Mangel an Einsicht zutage, und es ist nötig, nach
drücklich darauf hinzuweisen, daß es zu den selbstverständlichen Aufgaben des von der Polizei verpflichteten Luftschutzhauswartes gehört, in den erwähnten Fällen den Notwendigkeiten unserer Zeit in taktvoller aber entschiedener Weise Geltung zu verschaffen.
Stets mutz sich die Bevölkerung darüber im klaren sein, datz nicht die Kampfstoffbomben, sondern die Brandbomben die grötzte Gefahr für ein Dorf oder eine Stadt sind. Ihr kann und mutz durch die Entrümpelung begegnet werden.
Es kommt auch vor, daß Volksgenossen unter Entrümpelung die vollkommene Räumung des Dachbodens verstehen: das ist eine grundfalsche Meinung. Es sollen lediglich alle leichtentzündlichen, überflüssigen und wertlosen Gegenstände verschwinden. Dagegen können alle anderen Sachen auf dem Dachboden verbleiben. Freilich müssen sie zweckmäßig geordnet und am besten in der Mitte des Raumes aufgestapelt werden, damit die Hausfeuerwehr bei Luftschutzhausübungen oder im Ernstfall ungehindert ihres verantwortungsvollen Amtes walten können.
Der RLB. wird es sich jedenfalls angelegen fein lassen, ständig auf die Notwendigkeit der Entrümpelung aufmerksam zu machen und von Zeit zu Zeit die erforderlichen Kontrollen durchzuführen.
RLB.
Auftakt zur Weinwerbewoche in Gießen.
Die Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbungsgewerbe des Kreises Gießen hielt gestern Nachmittag im Hotel Hindenburg eine Mitgliederversammlung ab, die sich hauptsächlich mit der diesjährigen Weinwer6ewoche befaßte. Kreisgruxpenleiter Herr eröffnete die gut besuchte Versammlung und hieß besonders den Patenstadt-Organisationsausschuß, an dessen Spitze Oberbürgermeister Pg. Ritter, herzlich willkom- nten. Dann erläuterte er in großen Zügen das, worauf es bei der diesjährigen Werbewoche ankommt, nämlich, sich dafür einzusetzen, dem notleidenden Winzerstande zu helfen. Dann sprach der Oberbürgermeister unserer Stadt Pg. Ritter in seiner Eigenschaft als Leiter des Patenstadt-Organi- sationsausfchusses zu den Gastwirten.
Er führte u. a. aus: Wie im Vorjahre, so fände auch dieses Jahr das Fest der deutschen Traube und des Weines im gesamten Deutschen Reiche statt. Bei der letzten Weinwerbewoche sei Gießen, was den Umsatz anbelange, an e rst e r St e ll e i m Re i ch e marschiert, und die diesjährige Werbung verspräche, dank der guten Organisation noch höheren Umsatz. Besondere Richtlinien seien für diese Wein- woche von feiten des Reichsnährstandes herausgegeben worden, die eine einwandfreie Durchführung für alle beteiligten Kreise gewährleisten würden. Der Ausschuß habe einen guten Tropfen Gauodernheimer und Oppenheimer ausgesucht, der bestimmt vortrefflich munden werde. An den Gastwirten selbst werde es liegen, daß sowohl in der
Weinwerbewoche als auch nachher mehr Wein getrunken werde, denn nur das bedeute Hilfe für den notleidenden Winzer. Man müsse im Lauf der Zeit soweit kommen, daß das Publikum mehr als früher ausgehe und sich auch einmal ein gutes Glas Wein gönne. In echter Volksgemeinschaft müßten alle Stände zusammenstehen, wenn es gilt, einem notleidenden Bruder zu helfen. Groß seien die Mühen und die Arbeiten der Winzer, und sehr schwierig sei heute der Absatz. Allen müsse es jetzt klar werden, und das sei mit ein Ziel der Weinwerbewoche, daß der Wein kein Luxusgetränk, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ein Volksgetränk fei.
Oberbürgermeister Ritter gab dann noch, den Wirten einige Richtlinien bekannt und kam dann nochmals kurz auf die Werbung für die Weinwoche zu sprechen. Er schloß seine mit großem Interesse und Beifall aufgenommenen Ausführungen mit dem Geleitworte, das über der diesjährigen Weinwoche steht:
Laß den Glauben dir nicht rauben an die Wunderkraft der Trauben, wer vom Wein des Rheines tranf, zollt der Allmacht ewig Dank.
Kreisgruppenleiter Herr dankte dem Oberbürgermeister für seine Ansprache und erteilte dem Kreiswalter der Deutschen Arbeitsfront Pg. Wagner das Wort. Auch in diesem Jahre werde, so führte der Redner u. a. aus, wieder durch die Organisation „Kraft durch Freude" in Gie
ßen in der Volkshalle ein Winzerfest, das ja schon zu einer Tradition geworden sei, stattfinden. Ganz bewußt würde man solch gemeinsame Feste aufziehen, weil dadurch der Begriff „Gemeinfchaft" immer mehr im Volke vorangetragen werde. Pg. W a a n e r erinnerte dann ebenfalls noch an die Not der Winzer, denen durch diese Gemeinschaftswerbung geholfen werden müsse.
Im weiteren Verlauf der Versammlung wurden dann noch einzelne Fragen besprochen und geklärt,
und manche gute Anregung für die diesjährig- Weinwerbewoche gegeben. Die während der Ver« sammlung ausgeschenkten Proben des Patenweins fanden lebhaften Anklang. Der Auftakt zur dies, jährigen Weinwerbewoche war damit gegeben. Kreisgruppenleiter Herr schloß die Versammlung, indem er des Mannes gedachte, der den Weg zur wahren Volksgemeinschaft dem deutschen Volke gezeigt hat — mit eifern dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer.
Die Ertüchtigung derIugend.
Eine Anordnung des Reichsjugendführers.
Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach hat eine Anordnung erlassen, in der es heißt:
Das höchste Gut, das die Führer der Hitler- Jugend und des Deutschen Jungvolks zu wahren haben, ist die Gesundheit der ihnen anoertrauten Jungen. Der Führer will keine weichlichen Müttersöhnchen, sondern eine kraftvolle und sportlich durchtrainierte Jugend. Diese Erziehung zu Kraft, Ausdauer und Härte darf aber nicht dazu führen, daß HI.- und DJ.-Führer von einem Jungen Leistungen verlangen, die dem Alter der Jungen nicht entsprechen, über deren Kraft gehen und gesundheitliche Schäden zur Folge haben.
Im Jahr des Deutschen Jungvolks sind alle im Alter von 10 bis 14 Jahren stehenden Jungen zur Parteijugend gekommen. Die Eltern, die damit dem Deutschen Jungvolk ihr kostbarstes Gut anoertraut haben, müssen die Gewähr haben, daß die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihrer Jungen im Jung- oolkdienst nicht beschädigt oder herabgesetzt, sondern planmäßig gefördert wird. Das Vertrauen der Elternschaft zur Führerschaft der HI. und des DJ. ist die Grundlage unserer Erziehungsarbeit. Ich erwarte und verlange von jedem HI.- und DJ.- Führer, daß er dieses Vertrauen rechtfertigt.
Um in Zukunft Ueberanftrengungen und gesundheitliche Schäden jeder Art zu vermeiden, gebe ich zu meinen bisherigen Anordnungen folgende A u s- führungsbestlmmungen für den Jungvolk d i e n st:
1. Heimabend:
Der Heimabend bzw. der Heimnachmittag darf die Dauer von zwei Stunden nicht überschreiten. Er muß, sofern er am Spätnachmittag durchgeführt wird, bis spätestens 19 Uhr beendet sein.
2. Fahri:
Jungvolk-Emheiten von Jungzug-Stärke an aufwärts, die starke Größenunterschiede in ihren Reihen auszuweisen haben, lassen die kleinsten Pimpfe in einer Gruppe von 4 mal 3 Pimpfen an der Spitze marschieren. Der Abstand zwischen dieser Spitzengruppe und der nachfolgenden Einheit muß mindestens 3 Meter betragen. Die erste Reihe der nachfolgenden Einheit ist für das Einhalten dieses Abstandes verantwortlich. Am Schluß der Einheit marschiert ein von dem Führer der Einheit bestimmter DJ.-Führer, der für die Marschordnung der marschierenden Abteilung verantwortlich ist und eintretende Ermüdungs- oder Schwächeerscheinungen rechtzeitig erkennt und dem Führer zur Meldung bringt.
3. Marschleistung:
10- und 11jährige Pimpfe nicht mehr als 10 Kilometer Tagesleistung: 12- bis 14jährige Pimpfe nicht mehr als 15 Kilometer Tagesleistung.
(Durch eine besondere Verfügung wird die in den Bedingungen für das DJ.-Leistungsabzeichen verlangte Tagesfahrt von 20 Kilometer auf 15 Kilometer herabgesetzt.)
4. Marschtempo:
10- und 11jährige Pimpfe nicht mehr als 4 Kilometer pro Stunde; 12- und 14jährige Pimpfe nicht mehr als 4,5 Kilometer pro Stunde.
5. Marschpause:
Nach jeder Stunde Marsch ist mindestens eine Viertelstunde Pause einzulegen. Diese dient der Erholung und darf nicht mit Spiel oder Unterricht ausgefüllt werden.
6. Uebernachtung:
Für 10- und 11jährige Pimpfe sind Fahrten mit Uebernachten im Zelt grundsätzlich verboten. Sie dürfen an mehrtägigen Fahrten nur teilnehmen, wenn ihre Unterkunft in Jugendherbergen gesichert ist.
12- bis 14jährige Pimpfe dürfen mehrtägige Fahrten mit Uebernachtungen in Zelten nur durchführen, wenn
a) ein trockener Lagerplatz vorher ausgesucht, b) genügend Stroh sichergestellt ist (für ein Zwölfer-
Zelt ist etwa 1 bis 1,5 Zentner Stroh erforderlich).
7. Rachtruhe:
Die Fahrten sind von den DJ.-Führern so an- zusetzen, daß das Tagesziel bis spätestens 19 Uhr erreicht wird. Lageraufbau und Abendverpflegung müssen bis spätestens 21 Uhr beendet sein. Jeder Pimpf muß mindestens neun Stunden Nachtruhe haben. Wird das Tagesziel in Ausnahmefällen (durch Witterungsunbilden, unvorhergesehenen Aufenthalt usw.) später erreicht, so ist auch in diesem Fall die Zeit der Nachtruhe von neun Stunden unbedingt einzühalten.
8. Gepäck:
Das Gepäck für zehn- und elfjährige Pimpfe, das Waschzeug, Wäsche und Mundvorrat enthält, darf ein Gewicht von fünf Pfund nicht überschreiten. Zeltbahn und Decke dürfen nicht mitgenommen werden.
Das Gepäck für 12- bis 14jährige Pimpfe darf ein Gewicht von zehn Pfund nicht überschreiten.
Beträgt die Ausrüstung des 12- bis 14jährigen Pimpfs bei mehrtägigen Fahrten mehr als zehn Pfund pro Junge, so ist das überzählige Gepäck auf sogenannten Gepäckwagen unterzubringen. (Näheres über den Gepäckwagen vgl. Anordnung des Amtes für körperliche Schulung.)
9. Eager.
In den Zeltlagern von längerer Dauer ist den Jungvolkjungen, ebenso wie in den Fahrtenlagern, eine Nachtruhe von mindestens neun Stunden zu gewähren. In der Mittagszeit ist für die Pimpfe neben dem Mittagessen eine Erholungspause von mindestens zwei Stunden anzusetzen. Im übrigen gelten für den Dienst im Zeltlager sinngemäß meine Anordnungen über Fahrt, Marsch, Leibesübungen, Geländesport und Dienst bei Nacht.
10. Geländefporl.
a) Ordnungsübungen sind Mittel zum Zweck, kein Selbstzweck. Im Jungvolkdienst werden nur soviel Ordnungsübungen angesetzt, um ordnungsmäßiges Antreten, Melden und Marschieren der Jungvolkeinheiten zu gewährleisten. Einzelausbildung rft daher mit Ausnahme des liebens des Grußes verboten. Grundsätzlich sind an einem Tage Ordnungsübungen nicht über die Zeitdauer von einer Viertelstunde auszudehnen.
b) Den Begriff von Strafordnungsübungen oder Strafgelände dien st gibt es weder in der Hitler-Jugend, noch im Jungvolkdienst. HI. - und DJ. - Führer, die zu solchen Mitteln zur Aufrechterhaltung ihrer Autorität greifen, beweisen damitihre Unfähigkeit und werden von mir rücksichtslos entfernt.
c) Der Geländedienst soll an einem llebungstap im allgemeinen die Gesamtdauer von drei Stunden, einschließlich An- und Rückmarsch, nicht überleiten. In diesen drei Stunden ist mindestens eine Pause von einer halben Stunde enthalten, die nicht mit Unterricht oder dergleichen ausgefüllt werden darf.
Bei Regenwetter darf kein prakttscher Geländedienst durchgeführt werden.
Bei überraschendem Regenwetter hat der Führer seine Jungen so schnell als möglich in eine trockene Unterkunft zu bringen.
d) Geländespiele, die im Rahmen des Jungvolkdienstes durchgeführt werden, werden nicht immer in einem Zeitraum von drei Stunden abgewickelt werden können. Sie dürfen aber die Höchstdauer von fünf Stunden nicht überschreiten.
Innerhalb dieser Zeit muß den Jungen genügend Zeit zur Erholung gewährleistet werden, die insgesamt eine Stunde betragen muß.
11. Leibesübungen.
Die Gesamtdauer einer Turn- und Sportstunde darf zwei Stunden nicht überschreiten. Innerhalb
Verfluchtes Gold!
Vornan von Z. Gchneider-Zoerstl.
Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
24 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Er bekam auch eins zugeschoben und mußte mit anstoßen. „Daß Sie mir mein Glück gut behüten", sagte Amselmann und konnte es nicht verhindern, daß ihm dabei ein dunkles Rot in die Wangen hinaufstieg. Auch Marias Gesicht färbte sich dunkec.
„Da fehlt sich nix", lachte Hornester. I tu, was i kann. Wann's mir aber daoonlauft, das Freiln — was nachher?"
,Zch werde nicht davonlaufen", sagte Maria, ungewollt zusammenschauernd. ,Zch bin ja so froh, daß ich hier sein kann."
Mittlerweile war es auch in der Bauernstube mollig warm geworden, und man siedelte dort hinüber. Es gab nicht mehr viel zu besprechen. Die wenigen Ratschläge, die Wolfgang noch zu geben hatte, bezogen sich auf ihren Briefwechsel und die mögliche Vermeidung des Zusammentreffens mit Bekannten. Er versprach einmal in der Woche zu kommen. Wenn es mit dem Wagen nicht ging, mit der Bahn bis Garmisch und von dorther mit dem Schlitten. Wahrscheinlich würde auch Hylmar einmal nachsehen kommen. Man mußte ihn unbedingt emweihen.
Ein wenig später fuhr Amselmann wieder weg. Der Schneepflug hatte inzwischen die Straße frei gemacht. Maria ging bis ans Gartentor mit. „Sej tausendmal bedankt'/
„Keine Ursache! Auf Wiedersehen, Maria. Und keine Angst mehr. Wenn irgendwelche Gefahr drohen sollte, telegraphiere ich an den Lois."
„Bitte!"
Als sie ins Haus zurückkam, zankte Hornester: „Jetzt haben S' Ihnen gewiß nasse Füß' geholt, mit bene dünnen Hausschucherl. Das Schlafzimmer oben hab i auch schon gheizt. Die Koffer stehen droben. Mögn S' zu Mittag einen Griehschmarrn?"
,Lch mag alles, Lois, ober besser gesagt, ich mag eigentlich nichts."
„Na, na", meinte er beschwichtigend, ,gar nix ist zu wenig. Da kommt man von Kräftn, und wann nacha der Wind von der Zugspitzn abablaft, wirft's Ihnen um. I mach also einen Grießschmarrn und dünste Aepfel dazu. Aepsel sind noch gnua da vom Sommer her. I muß doch bas Geld anbringn, bas mir der Herr Amselmann gehn hat."
„Wofür?" fragte sie.
„Für's Essen", erwiderte er prompt. „A Abwechslung soll i schafsn, hat er gsagt. Wird net leicht sein, die Abwechslung. Aber wenn S' a Wild mögn, Freiln Maria, und Kartoffelknödel ober a gfurrtes Fleisch und a Kraut bazu und Bauch- stecherl und Reinstritzln und einen Zwirl?"
lieber diese Bezeichnungen mußte sie lachen. „Bauchstecheri und Reinstritzln habe ich noch nie gehört, Lois."
„Das glaub i schon", meinte er, ohne sich zu verwundern. „Da werden S' schaun, Freiln Maria, was das gut’s is. Und am Freitag geh i zum Eibsee ’nauf, da gibt’s Fisch aus dem Kalter. Er soll sich net beschwern können, der Herr Amselmann, daß i Ihnen keine Abwechslung schass."
,Hch bin ja mit allem zufrieden", sagte sie und sah sich den Lois Hornester eigentlich jetzt erst so richtig an. Ein hübscher Bursch! Schlank gewachsen, mit einem schmalen, ausdrucksfähigen Gesicht, in dem die grauen Augen ohne Falsch in die Welt blickten. „Sie sind noch gar nicht lange hier, sagte mir Herr — sagte mir Wolfgang."
„Na, no gar net lang." Er nahm die Gläser vom Tisch und trug sie nach der Anrichte hinüber. „A so an die sechs Wochen oder acht. Aber i hab mich scho eingwöhnt. Is gar net schwer gewesen. Is a guter Herr, der Herr Wolfgang und der Herr Hylmar auch. Is a fein’s machen mit bene zwei. I hab mei Essn und mei Dach übern Kops und meine Pseifn zum Feierabend und meine zwei Stubn und a schönes Trinkgeld dazu. Und früher hab i nix ghabt und's hat a gehn müffn."
„Was waren Sie denn früher?" fragte Maria, ihre Tasche von dem grünbezogenen Ripssofa aufnehmend.
„Früher? — Mein Gott, da bin i halt gwesen, was sich grab gschickt hat. Drittelsknecht bei die Bauern, Straßenarbeiter, Wagenputzer in einem Autogesckäft. So oft auszahlt wordn ist, hab i Angst gyabt, ob's noch weitergeht, ober ob i am
End schon wieder auf der Straßn steh. Eines Tages is’s a wirkli so weit gwesen. Net ums Sterbn hab i mehr a Arbeit kriegt. Da is mir der Herr Amselmann begegnet, grab so im Oktober hinaus war's, und i bin ganz verzweifelt im Straßengraben glegn."
Maria schüttelte bedauernd den Kops.
„9a", sagte er ernst, „so dreckig is mir's gangen. Kein ganzn Schuh mehr, fein Hemd zum Wechsln, die Hosen zerrissn. Im Janker a Loch am andern, den Hut hat mir aner gstohln. Der Wirt hat fan Kredit mehr gehn, und der Magn hat doch in der Früh was wolln und am Mittag wieder und zu Abend noch amal. Da fimmt ma nachher ins Spintisieren und bringt 'raus, daß's am beftn is, wann man Schluß macht."
„Mein Gott", sagte Maria, „ein Glück, daß der Wolfgang zur rechten Zeit gekommen ist."
„Dös wohl", gestand der Hornester. „Er hat mi mitgnommen und hat mir das Haus zeigt und gfragt, ob i bleibn möcht und schaun, daß nix gstohln wird im Winter, und daß im Sommer alles in Ordnung is, im Garten und so. Na — und jetzt bin i halt da. — Jessas, wie die Zeit lauft! Jetzt is schon alei Mittag, und wir habn no nix zum Essen. Uno i werd schon schaun auf Ihnen, daß i dem Herrn Wolfgang seine Guttat wieder auf gleich bring."
„Ich werde es Ihnen sicher nicht zu schwer machen und recht folgsam fein", versprach Maria lächelnd.
„Ja, ja, da möcht i schon recht schön drum bittn, Freiln Maria. I hab ja a net den ganzen Tag zum Hinterdreinlaufn. Und wann S' fortgehn, ohne daß i was weih, nachher wirft mich der Herr Amselmann wieder aussi. Und das werden S' doch net wolln, gell, Freiln Maria?"
„Um Gottes willen, nein!" rief sie und streckte ihm die Rechte entgegen. ,Hch laufe bestimmt nicht fort, zum mindesten nicht weiter, als Sie mich im Auge behalten können. Wolfgang hat Ihnen doch sicher gesagt, daß niemand wissen soll, daß ich hier bin."
„Ja, ja. Dos hat er mir schon gsagt. Von mir erfahrt keiner was. Geht niemand was an. Bloß das eine, wann i fragn dürfte, Freiln Maria — warum versteckt er Ihnen denn?"
Sie sah seinen ehrlichen Blick auf sich gerichtet und senkte die Lider. „Wir haben alles verloren,
Lois. — Und im Geschäft sind Unregelmäßigkeiten vorgekommen, für die mein Vater verantwortlich ist. Nun sucht das Gericht nach ihm. Ich weiß, wo Vater sich aufhält und damit ich das nicht sagen muß, halte ich mich hier verborgen."
,Lesus Maria!" rief der Hornester. „Teufel, bös is aber schlimm, bös mit dem Gricht, mein i. Da berf i scho gut auspassn, daß keiner z' nah ans Haus fimmt. Sind Spürhund, die von der Polizei, grab wie die Zöllner a. Die lassn nimmer aus, wann s' einmal was in die Nasn kriegt habn. Da kann sich aner noch so gut versteckn, finbn f ihn."
Er glaubte einen ängstlichen Ausdruck in Marias Gesicht zu bemerken und ftteß die geballte Rechte in die Luft. „Tun's Ihnen nur net fürchtn! I bin schon da! I paß schon auf. Grad hergehn soll mir aner. Wann's pressiert, sind S' halt mein Gschpusi, mei Schatz, oerstehns schon, gell? Da sollt sich aner herschleichn und Ihnen unters Gsicht schaun. Dem helsert i auf d' Füß. Der fimmt a zweites Mal nimmer. I bin net umsonst der Hornester Lois."
„Ich habe alles Vertrauen zu Ihnen", sagte sie^ „Vielleicht wird es gar nicht so schlimm."
„Gwiß net", versicherte er. „Und wie i schon gsagt hab: i bin ja da! Tun S' Ihnen nur net fürchtn, Freiln Maria! — Jetzt schaun S' in die Stubn nauf und tun S' den Koffer auspackn. Derweil richt i bas Essen."
„Kann ich nicht etwas helfen?" fragte sie flein- laut. „Grießschmarrn" hatte er gesagt. Sie hatte feine Ahnung, wie man den machte. Es war peinlich, sich als Mädchen einem Mann gegenüber eine Bloße zu geben.
Als durchschaute er ihre Gebanfen, machte er einen Hieb durch die Luft. „3a, na, da brauch i niemand dazu. Wann t fertig bin, ruf i Ihnen schon."
Er horchte chr nach, wie sie die Treppe hinaufging und schüttelte ein paarmal den Kopf. Was sie etwa sagen würde, wenn er fragte: Wie geht's denn dem Steffn? Haben S' schon lang nix mehr von ihm ghort? Aber das würde er nicht tun. Keinen Schnaufer ließ er verlauten. Leicht, daß sie ihm dann davon lief. Und der Herr Wolfgang hatte ihm so ans Herz gelegt, daß er auf sie acht geben sollte.
(Fortsetzung folgt k)


