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Dienstag, (4)uli 1956
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 162 Drittes Blatt
Aus der Provinzialhauptstadi
(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Wir wollen hier nicht aufs geistige Gebiet abschwenken, es genüge zu sagen, daß der Geist Mussolinis über allen Wassern schwebt. Er war es nicht zuletzt, der dem Begriff der neuen Sachlichkeit zum Siege verhalf, als er aus den Pontini- fchen Sümpfen zeitgemäße Städte heroorzauberte.
Nun ist aber jede Mode eine Gefahr, jeder Stil trägt von seiner Geburtsstunde an den Todeskeim in sich, selbst die Kunst als Ausdruck Sterblicher unterliegt dem unerbittlichen Gefetz von Aufstieg und Verfall, wenn wir auch gerne von Ewigkeitswerten sprechen. (Und die milonische Venus wird auch ewig sein, unsterblich; aber warum? Weil sie Natur ist.) Für ein Land von der künstlerischen Eigenart Italiens muß das Novecento doppelt gefährlich fein, wenn es planlos alles Brauchtum überwuchert. Schon heute haben mir das Gefühl, der neuen Sachlichkeit in ihrem Stilauswuchs werde es so gehen wie der Gegenerscheinung des „Jugendstils" mit seinen verrückten Schnörkeln und seiner verlogenen Blumenromantjk. Die Novecentisten treiben Bilderstürmerei, wenn sie Säule und Rundbogen in Acht und Bann tun, um öde Würfel unter Pinien und Zypressen zu stellen. Soll man wirklich das alte Florenz abreißen, um Geschäftshäuser mit Reeling und Promenadendeck am Arno zu errichten? Am großen Kanal in Venedig einen jener Türme erstellen, die beileibe nicht rund sein dürfen, sondern auf der einen Seite oval sein und auf der anderen zwei Kanten haben müssen? Dor der Cestiuspramide in Rom steht nun in der Tat ein unfaßbares Postamt.
Aber der Duce ist gottlob nicht bloß ein kühner Neuerer, er ist auch Wächter. Man ahnt schon sein Halt! Die vierte Stadt in den pontinischen Gefilden, Aprilia, kehrt mit Säulen und Bogen zur Bodenständigkeit zurück. Novecento? Ja, aber alles mit Maß!
Dor der Ernte.
Draußen auf den Flu- < / ren ist es stiller gewor- ßM den. Das Jubilieren und Flöten der Singvögel hat nachgelassen. Nur die Lerche schwingt sich noch unverdrossen von der Erde in die Luft und trillert ihr Lied. Längst ist ihr Nest -im Kornacker, in *
dem sie ihre Brut aufzog, ijj verlassen. Die Jungen sind t'-/' ausLeflogen und trillern | schon mit.
Auf den Getreidefeldern liegt ein goldener Schein. Wohl haben schwere Regen die Halme zum Teil geknickt und die Aehren zur Erde gedrückt, aber die Körnerbildung wurde nicht gehindert. Ueberall wächst das tägliche Brot.
Zwischen den Halmen leuchten roter Mohn und
Rheinfahrl am 2. August.
Am Sonntag, 2. August, findet eine Rheinfahrt von Gießen aus statt. Die Fahrt geht mit der Bahn nach Braubach, von dort mit dem Dampfer nach Rüdesheim und zurück. In Rüdesheim ist ein mehrstündiger Aufenthalt vorgesehen. Abends geht die Fahrt wieder von Braubach aus mit der Bahn zurück. Anmeldungen müssen umgehend auf der Kreisdienststelle Gießen, Schanzenstraße 18, vorgenommen werden. Der Fahrpreis beträgt 4,30 Mk. Arlaubsfahrl: Sächsische Schweiz — Bad Schandau vom 23. bis 31. Juli.
die Wegraine, die im vollsten Schmuck der Sommerblumen prangen: Schafgarben, Wucherblumen, Leinkraut, Kamillen und alle Arten Gräser. Diese farbenprächtigen Naturkinder geben den Getreidefeldern den lebendigen Rahmen.
Seitdem die Feldbereinigungen überall Wege geschaffen haben, ist das deutsche Feld immer abwechslungsreicher geworden. Jetzt kann jeder Bauer von beiden Seiten auf seinen Acker. Er braucht keine Rücksicht mehr auf feinen Nachbarn zu nehmen. Er kann Hackfrüchte, Klee oder Frucht ziehen, ganz wie es ihm beliebt. Früher, als noch einzelne Besitzer dem Nachbarn über das Feld fahren mußten, um auf ihren Acker zu gelangen, da sahen wir mehr geschlossene Felder. Da war es unmöglich, daß ein einzelner mitten in den Getreidefeldern feine Kartoffeln baute. Aber heute bieten die deutschen Felder wundervolle Abwechslung. Lange, schmale Aecker mit Hackfrüchten ziehen sich wie grüne Bänder zwischen den Fruchtfeldern hin. Dann wieder kommen einige Stücke mit Klee, daran anschließend Mais und dann wieder Getreide. Aber wohin man auch schaut: Vorherrschend ist das Meer der Halme.
Es wogt das Korn im Sonnenbrand, darüber die Glocken schallen — Sei mir gegrüßt, mein deutsches Land, du schönstes Land von allen!
(Schönaich-Carolath.)
Dieses schlichte und doch so wundervolle Gedichtchen führt die Ueberschrift „Daheim". Und so stellen wir uns in der Fremde auch unser schönes Vaterland vor: Die Höhen vom grünen Walde betreut, die Abhänge und Flächen mit goldenen Getreidefeldern bedeckt und die Täler im Schmucke der blumenreichen Wiesen. So stand die Heimat vor dem geistigen Auge unserer Soldaten, als sie im Schützengraben ihr Land verteidigen mußten, so steht noch heute, die Heimat im Herzen unserer Auswanderer, die die Not zwang, ihr Vaterland zu verlassen.
Jede Jahreszeit hat ihren tiefen Sinn und ihre Bedeutung, aber es gibt Höhepunkte im Laufe des Jahres. Und wie die ersten Tage des Frühlings an unser Herz rühren, so durchflutet uns jetzt beim Durchschreiten der deutschen Felder ein ungeahntes, beglückendes Gefühl. Die Tage vor der Ernte sind die beste und reifste Zeit des Jahres. Das duftende Heu wurde schon in die Scheunen gefahren, die Ernte begann bereits. Der Sommer geht dem Herbst entgegen, die Blätter werden sich färben und langsam zur Erde fallen. Ganz unwillkürlich schauen wir da zurück aufs Jahr und auf das, was hinter uns liegt.
Erde mußte liegen schwarz und brach, von des Pfluges Eisenfaust zerschnitten Menschen mußten säen und danach himmelhin um das Gedeihen bitten. Regen mußte fallen weitumher, und es mußte lang die Sonne scheinen, eh' das windbewegte, gelbe Meer branden durfte zwischen Wiesenrainen.
(Hilda Bergmann.)
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Peter Ibbetson".
Zahlungsfristen einhalten!
Zwischen Sommer und Herbst ist die Zeit der Besinnung, der Rückschau und der Einkehr. Beim Anblick des reifenden Getreides schöpfen wir Kraft für unsere tägliche Arbeit. Viele von uns sind jetzt zurückgekehrt von dem Urlaub und haben draußen in Wald und Feld Ruhe und Erholung gefunden.
Der große Einschnitt des Jahres beginnt. Sicheln und Sensen werden singen, die Halme werden niedersinken, um den Menschen das tägliche Brot zu geben.
A.
bimmelblaueKornblumen, Rittersporn und Kornraden. Am schönsten aber sind
Auf den Spuren des Obersten Fawcett.
Die Expedition des Engländers Albert de Winton zum Matto Grosso in Brasilien, um das Schicksal des vor fast elf Jähren verschollenen, schon fast sagenhaft gewordenen Forschers Oberst P. H. Fawcett aufzuklären, hat mit dem Untergang auch dieses Forschungsreisenden geendet, wie die Nachrichten zeigen, die in das Dom-Jose-Mu,eum in Sao Paulo gelangt sind. Es ist jetzt zehn Jahre elf Monate her, seit Oberst F a w c e t t von seiner kleinen kühnen Expedition in das Innere Brasiliens die letzte Nachricht sandte. Sie war sehr kurz, wie der Forscher überhaupt sehr zurückhaltend über seine I Pläne war, die auf der Annahme beruhten, daß
Selbstverständlich ist die Truppe dazu erzogen, nach Möglichkeit jeden Flurschaden zu vermeiden.
Andererseits muß jedoch die kriegsmäßige Geländeausbildung der Truppe im Interesse der Landesverteidigung und der Schlagkraft des Heeres gewährleistet sein. Die Truppe darf erwarten, daß die Bevölkerung Verständnis für die Notwendigkeit der Geländeausbildung aufbringt, und daß unberechtigte Klagen und Beschwerden unterbleiben.
Erwerbslose nehmen an den Lehrgängen der DAF. teil.
In einem Schreiben an die Deutsche Arbeitsfront teilt der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung mit, daß für diejenigen Erwerbslosen, die an einem Lehrgang der DAF. für Erwerbstätige teilnehmen wollen, gewisse Erleichterungen seitens der Reichsanstalt zugestanden werden. Wenn das zuständige Arbeitsamt diese Lehrgänge als fördernd für den Arbeitseinsatz ansieht und ihre Dauer 13 Wochen nicht übersteigt, können die Arbeitsämter die Teilnehmergebühren unter den üblichen Voraussetzungen übernehmen. Der Teilnehmer muß aber während der Dauer dieser Kurse für den Arbeitseinsatz voll zur Verfügung stehen.
Diese Anordnung des Präsidenten der Reichsanstalt bedeutet für viele Erwerbslose, die sich in den Kursen der DAF. weiterbilden wollen, eine wesentliche Erleichterung.
cento heißt also eigentlich neunzehnhundert. Und an unserem Sprachgebrauch gemessen, rechnet man im Süden nicht vorwärts, sondern rückwärts, spricht also für die Zeit bis zum Jahre 2000 vom neunzehnten Jahrhundert, für unser 18. Jahrhundert agt er siebzehntes, Settecento und so weiter. Künstler, die unserer Meinung nach im 15. Jahrhundert gelebt haben find Quattrocentisti, Möbel aus dem Jahre 1350 gehören zum Trecento. Diese verschiedenartige Bezeichnung ist mit schuld daran, wenn es so oft zu Verwechslungen zwischen Früh- und Hochrenaissance kommt. Ein wahres Glück für un- ichere Examenskandidaten, daß sowohl Dante wie Raffael und Michelangelo ihr Leben auf zwei ver- fchiedene Jahrhunderte verteilt haben.
Bis vor einigen Jahren gab es in Italien landauf, landab nur dieselben Speisezimmer im Renaissancestil, Quattrocento; ein Regierungsgebäude sah aus wie das andere, ungefähr wi enoch heute eine Gaststätte in Palermo so aufgemacht ist wie die anderen in Venedig oder Rom, wie es überall die gleichen Gerichte, denselben Espresso, die nämlichen Süßigkeiten in den Kaffeehäusern gibt. Mit einem Schlage aber rückt dann das Novecento auf, und der Italiener stellte sich um. Er pflegt traditionell zu sein, wie wir es uns kaum vorstellen können, und seine Abneigung, etwas anders zu machen, als es die Väter machten, ist oft nur schwer zu brechen, eine Veranlagung, die ihm nicht selten den Ruf der Rückständigkeit einbringt. Aber schwenkt er einmal um, so tut er es gleich gründlich. Wie jetzt in der Wohnkultur — ein gestern noch so gut wie unbekannter Begriff.
Mit der geistigen Umwälzung, die der Faschismus brachte, ging diese andere Revolution Hand in Hand: plötzlich drang das Linoleum oder gar das Parkett in die gepflasterten Zimmer em, der Holzkohlenherd wich der Elektrizität, tue kalte Pracht des „Salotto“ mit seinem goldenen Getue und dem ewig verschossenen Damast wurde durch zweckdienliche Dinge überrumpelt. Mädchen turnen in aller Oeffentlichkeit; junge Herren nehmen eine Stellung an! Man badet gemeinsam am Strand Und noch vor zehn Jahren wußte unter hundert Römern noch nicht einer mit Bestimmtheit zu sagen, wo der Tiber mündet. Heute steigt man dort ins Flugzeug, so um das Mittagessen herum, um seinen Nachmittagskaffee vor der Moschee in Tunis zu trinken.
Novecento! Es ist wie ein Aufschrei, ein Durchbruch, ein wahrer Fanatismus für das Neue. Der Rausch hat alle Bevölkerungsschichten gleichzeitig ergriffen, nur die Aristokratie scheint sich noch in ihren gestrigen Empfangsräumen wohl zu fühlen.
Nie geheimnisvolle Zahl 900.
Von unserem römischen E.-Korrespondenten.
Rom, im Juli.
Der Fremdling, der einmal von Zahlenfimmel oder Zahlenkomplexen gehört hat und nun in dem Lande herumreist, wo alles anders ist, hält Italien für davon besessen. Nicht daß ihn die 13 lange stören würde, die würdige Männer in Gold an der Uhrkette baumeln haben, die im Blusenausschnitt junger Mädchen ruhen darf und bei der Wahrsagerin die Stelle des Hausspruches vertritt, denn er erfährt bald, daß unsere Unglückszahl hierzulande als Glückszahl gilt. Aber die oder dieses ominöse 900!
In keinem Wörterbuch findet man Rat, man kann den Führer vor- und rückwärts durchstöbern, selbst das dutzendbändige „Handbuch" des Wissens versagt da, aber auf dem nächstbesten eingewickelten Bonbon steht totsicher: 900. Nichts weiter.
Jemand hat wegen nichtzustandegekommener Hochzeit ein Schlafzimmer billig abzugeben, 900. Ist das der Preis? Aber das intime Badezimmer- gerät da im Schaufenster kann doch nicht auch 900 Lire kosten? Ein Pappschild hängt ihm um den Porzellanhals: 900! Basta.
Allmählich lernt der Neuling Italienisch und kann nun laut und richtig nachsagen: Nowetschento. Novecento! Neunhundert. Er hört das Sejamwort auf der Versteigerung des Trödlers 9epau 1° triumphieren wie auf der Ausstellung der Moderne, der Triennale in Mailand, der Dreijahresausstel- lung. Hier prunken vor allem die Hauser damit, dann allerdings auch alles das, was darinnen ist, bis zu dem Akt des Futuristen über dem lackierten Holztor, das ein Schreibtisch ist.
Um dem Kopfschütteln ein Ende zu machen: 900 bedeutet so viel wie hochmodern. Also em Stil, wie der Louis XV. oder das Empire. Alles, was glatt, grat) und kantig ist, der Wasserhahn wie das Wochenendhaus, nennt sich Novecento; alles, was rund, gewunden oder gebogen ist, gehört in Die Rumpelkammer — altmodisch. Denn wir leben im neunzehnten Jahrhundert und damit nocheinmal basta. ' v .
Wer nun in der Kunstgeschichte etwas bewandert ist, denkt: Aha! Darum. Die anderen Sterblichen, und sie brauchen sich deswegen gar nicht zu schämen, schütteln weiter den Kopf m der ^eftmng: Nanu? Wir leben doch im zwanzigsten Jahrhundert! Die Sache ist die, daß der Italiener erstens seinen Privatkalender hat und zweitens das Tausend vor den Iahrhundertzahlen weglaßt. Nove-
Jn diesen Tagen wurde am Selterstor als eine oerkehrstechnische Neuerung ein Wegweiser aufgestellt, der zur Nachtzeit, bzw. bei Einbruch der Dunkelheit, transparent leuchten wird und in schwarzer Schrift auf gelbem Grund die Hauptverkehrsstraßen kennzeichnet. Wie wir hören, wurde dieser Wegweiser vorerst versuchsweise aufgestellt.
(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Gießener Dochenmarktpreise.
* Gießen, 14. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, XA kg 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse B 10, Klasse C 9^, Wirsing, kg 10, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12 bis 15, gelbe Rüben 15, rote Rüben 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen, grün 25 bis 30, gelb 30, Erbsen 15 bis 18, Tomaten 30 bis 45, Zwiebeln 14 bis 15, Pilze 30, Kartoffeln, H kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,95 Mark, neue, % kg 9 bis 10 Pf., 50 kg 7,50 bis 8 Mark, Pfirsiche, % kg 35 bis 50 Pf., Himbeeren 25 bis 30, Birnen 35 bis 40, Kirschen 20 bis 35, Heidelbeeren 28 bis 33, Stachelbeeren 15 bis 30, Johannisbeeren 18 bis 20, Erdbeeren 40, Hähne 90 Pf. bis 1 Maxk, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 60, Salat 5 bis 8, Salatgurken 20 bis 40, Einmachgurken 5 bis 10, Oberkohlrabi 5 bis 8, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 10 Pf.
*
** Dienstjubiläum b e i der Reichsbahn. Hilfsschrankenwärter Wilhelm W a l t h e r II. von Daubringen, im Dienste beim Bahnhof Gießen, konnte am gestrigen Montag auf sein 25jähriges Dienstjubiläum bei der Eisenbahn zurückblicken. Der Betriebsführer, Reichsbahn-Amtmann Wahl,
Der Reichsfinanzminister hat sich auf Grund von Klagen aus der Wirtschaft genötigt gesehen, an die obersten Reichsbehörden, die Landesregierungen, den Deutschen Gemeindetag, die Reichsleitung der NSDAP., die Deutsche Arbeitsfront und andere Stellen einen Erlaß zu richten, in dem dafür eingetreten wird, daß die betreffende Stelle ihrerseits auf die beschleunigte Abwicklung des Zahlungsverkehrs hinwirkt. Der Minister betont, es sei für ein geregeltes Wirtschaftsleben unerläßlich, die vereinbarten oder üblichen Zahlungsfristen einzuhalten. Sofern Meinungsverschiedenheiten über die Höhe einer Rechnung bestünden, könne auf den unbestrittenen Teil der Forderung zumindest eine entsprechende Abschlagszahlung geleistet werden. Damit weist eine berufene Stelle erneut auf einen Mißstand hin, der sich trotz unbestrittener Besserung bisher noch nicht endgültig hat beseitigen lassen. Obwohl Zahlungsmoral und Zahlungssitten in den letzten Jahren eine erfreuliche Wandlung erfahren haben, gibt es doch noch immer zahlreiche Auftraggeber, denen es mit der Begleichung ihrer Rechnungen nicht besonders eilt. In vielen derartigen Fällen könnte mühelos dadurch für eine beschleunigte Abwicklung von Zahlungen gesorgt werden, daß der Auftraggeber die erforderlichen Summen recht- _ zeitig, etwa durch Ansammlung auf einem Spar-1 laubsort Bad Schandau
kassenbuch oder einem Spargirokonto, bereitstellt. Dadurch wird er in die Lage versetzt, seinen Verpflichtungen pünktlich nachzukommen. Außerdem erleichtert ihm die ständige Verfügung über ein Sparkassenguthaben, seinen wirtschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen.
Flurschäden und Wehrmacht.
Bei den militärischen Dienststellen gehen in der letzten Zeit in steigendem Maße Beschwerden und Klagen aus den Kreisen der Zivilbevölkerung über Flurschäden — verursacht durch übende Truppen — ein. Die Prüfung dieser Beschwerden ergibt in den meisten Fällen, daß die Klagen unberechtigt sind. Es erscheint daher notwendig, auf die gesetzlichen Bestimmungen hinzuweisen.
Nach dem Naturalleistungsgesetz darf Die Wehrmacht zu Truppenübungen alle im Privat, und im öffentlichen Besitz befindlichen Grundstücke benutzen. Ausgenommen sind hiervon nur Gebäude, Wirtschafts- und Hofräume, Gärten, Parkanlagen, Holzschonungen, Dünenanpflanzungen, Hopfengärten und Weinberge sowie Versuchsfelder land- und forstwirtschaftlicher Lehranstalten und Versuchsstationen. Die Truppe ist nur verpflichtet, vor Benutzung kultivierter Grundstücke die betreffenden Ortsvorstände zu benachrichtigen; desgleichen sind etwaige entstandene Schäden zu vergüten.
Die Sächsische Schweiz mit ihren Bergen ist für viele die Vorschule so mancher Bergbesteigung in den Alpen. Immer wieder ragen aus den bewaldeten Uferbergen die mächtigen Felsberge heraus und umrahmen in einer für den Rheinländer neuen Form das Tal der Elbe. Schöne Ausflüge vom Ur- I laubsort Bad Schandau in diese neue Welt wech-
irgendwo mitten in dem urwaldbedeckten Plateau des Matto Grosso eine „verschollene Welt", Ruinen von Städten, fabelhafte Schätze und die Spuren einer bisher unbekannten Menschenrasse vorhanden wären. Es war ein wissenschaftlicher Traum, für den Dokumente in den Archiven von Rio de Janeiro nur eine schmale Unterlage boten, der aber das Temperament des Forschers augenscheinlich bis zu feinem Tode verlockt hat. Nur von feinem Sohn und einem anderen jungen Engländer begleitet, war er von Cuyaba nach Süden in das wenig bekannte und sehr gefährliche Gebiet der Quellflüsse des lingu aufgebrochen, und nach seiner letzten Botschaft hat man nie wieder etwas von ihnen gehört. Ob sie von Indianern ermordet wurden oder ob sie verhungerten, ist heute noch ein Geheimnis. Aber immer wieder kamen Gerüchte, daß sie als Gefangene in den Händen der Indianer noch lebten, und sie würben geglaubt, obgleich es unwahrscheinlich ist, daß Oberst Fawcett es in dem mörderischen Klima des Matto Grosso so lange aushalten konnte. Es wurden aber einige ernsthafte Versuche unternommen, das Geheimnis zu lösen.
Im Jahre 1928 folgte eine Rettungsexpedition des Commander D y o t t den Spuren des Obersten Fawcett, aber sie mußte den Versuch ebenso aufgeben wie die anderen Unternehmungen, die den dunklen, in Südamerika umlaufenden Gerüchten über das Schicksal Fawcetts nachgingen. Ende Februar 1934 brach Albert d e Winton vom Rio de Janeiro auf, obwohl die Vertreter der Regierung ihn dringend gewarnt hatten und suchte mit einem paar Campolos-Jndianern als Führern in das ge» heimnisvolle Gebiet vorzudringen. Seine Reise vollzog sich zum Teil in Kanus, und in seinem letzten Brief teilte er mit, daß er bereits sieben Dörfer besucht habe, die auf den Karten des Obersten Fawcett eingetragen waren. Hier kehrten seine zwei indianischen Führer mit seinen letzten Briefen zurück, da sie sich weigerten, ihn in das Gebiet des feindlichen Jndianerstammes Suyas, zu begleiten, von denen auch angenommen wird, daß sie Fawcett ermordet haben. Als man weiter nichts von den Reisenden hörte, sandte man einige amerikanische Missionare auf die Suche nach ihm aus, und diese kehrten nach einer sehr schwierigen Reise mit der Nachricht von dem Tode Wintons zurück. Sie hatten von Indianern erfahren, daß er in einem Dorfe der Calapolos mit einem aus Pequi-Früchten bereiteten Getränk vergiftet worden sei, woraus die Indianer, damit der Tote nicht in ihrem Dorfe gefunden würbe, ihn schnell im Kanu zu den Camayuros- Jndianern brachten, wo er starb. Gegenstände, die aus seinem Gepäck geplündert waren, wurden fast in jedem Ort gefunden, den er besucht hatte.
fein mit einer Dampferfahrt auf der Elbe und einer Fahrt nach Dresden. Der Abschluß der Fahrt wirv die Teilnehmer nach Leipzig führen, von wo aus die Fahrt in die Heimat geht. Der Fahrpreis beträgt 35,50 Mark. Anmeldungen können noch auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, abgegeben werden.
Urlaubsfahrt nach Hamburg.
In der Zeit vom 22. bis 27. Juli fährt ein Sonderzug nach Hamburg zum Weltkongreß für Frei- zeit und Erholung. Anmeldungen müssen ebenfalls auf der Kreisdienststelle KdF. erfolgen. Der Fahrpreis mit Verpflegung und Eintritt zu den verschiedenen Veranstaltungen beträgt 27,50 Mark.
Leuchtender Verkehrs-Wegweiser am Setterstor.
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