Ausgabe 
14.5.1936
 
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pilsudskis Sm W Füßen seiner Mutter beigesetzl

Danzig und die polnische Devisenbewirischasiung

den

+ 42 840

19 476

1935

284 604

638 881

658 357

1934

298 142

677 365

634 525

Eheschließungen Lebendgeburten Todesfälle Geburten-Unterschuß bzw. -Ueberschuß

solle.

Verlängerung der Amtszeit des Danziger OberkommiffarS.

auch hier wurde ihr Angriff abgeschlagen. Die Tsche­chen konnten 2889 Stimmen erreichen, während die Deutschen 3880 Stimmen auf ihre Listen vereinig­ten. Damit ist auch die hart umstrittene Stadt Dux mit einem Stimmenvorsprung von 1000 deutschen Stimmen weiterhin eine unbestritten deutsche Stadt, während die Tschechen glaubten, sie bereits bei dieser Wahl erobern zu können.

Der Wahlsieg der deutschen Volksgenossen in den nordwestböhmischen Grenzbezirken ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil es sich hier um ein seit Jahrzehnten von den Tschechen angegriffenes und mit allen erdenklichen Mitteln bestürmtes In­dustriegebiet handelt, in dem der Bergbau, die Glasindustrie und auch die chemische Industrie ihre wichtigsten Sitze haben. Diese Industrien haben in der Vorkriegszeit zahlreiche tschechische Arbeiter angezogen und aus den einst rein deutschen Kleinstädten und Bauerndör­fern gemischtsprachige, zum Teil national stark bedrohte Posten des Deutschtums in Böhmen gemacht. In der Nachkriegszeit haben die Tschechen unter Zuhilfenahme der Staatsgewalt neben der Industriearbeiterschaft eine tschechische Beam­tenschaft groß gezogen, das deutsche Element immer mehr zurückgcdrängt und durch Entlassungen oder zwangsweise Versetzungen zu schwächen ver­sucht. Die Uebcrnahme der Aussig-Teplitzer

Am vergangenen Sonntag fanden in den beiden nordwestböhmischen Städten und Sprachgrenzbezir­ken Dux und B i l i n Bezirksvertretungswahlen tatt, deren wichtigstes Ergebnis die Zuna h m e der deutschen Stimmen in diesen beiden hartumstrittenen Grenzbezirkcn ist. Die Tsche­chen. die alle Anstrengungen machten, nicht nur in den Städten Dux und Bikin, Klostergrab und Osseg, sondern auch in den Landgemeinden ihre Position zu verstärken, haben an bem' geschlossenen Wider­stand der Sudetendeutschen eine Grenze ihres Vor­marsches gefunden. Die tschechischen Stimmen sind sogar nicht unwesentlich zurückgeqan- g e n. Während die deutschen Parteien z. B. im Duxer Bezirk ihre Stimmenzahl um 290 vermehren und auf 17 137 hinauftreiben konnten, sank die Zahl der tschechischen Stimmen von 9341 auf 8853, also um nahezu 500 Stimmen. Das gleiche Bild zeigte sich in dem Grenzbezirk Bilin, in dem die Deutschen 13 836 Stimmen erhalten konnten, während die tsche­chische Stimmenzahl von 7058 auf 6670 zurückging. In einzelnen Bergarbeiterdörfern ist die deutsche Mehrheit, die vor einigen Jahren verloren ge­gangen war, sogar wieder zurückgewonnen werden, wie das z. B. im Bergarbeiterdorf Hosto- mitz an der Biela der Fall war. Die Anstrengungen der Tschechen, in der alten Bergarbeiterstadt Dux die Mehrheit zu erlangen, waren vergebens. Denn

In Wilna wurde das Herz Pilsudskis inmitten von 164 gefallenen Kameraden zu Fußen seiner Mutter beigesetzt. Unser Bild zeigt den Trauerzug auf dem Wege zum Friedhof. Im Vordergrund tue Urne mit dem Herzen des Marschalls auf einer Sänfte. Im Hintergrund sieht man den Sarg der Mutter des Marschalls. (Scherl-Bilderdienft-M.)

Genf, 13. Mai. (DNB.) Der Völkerbundsrat hat in nichtöffentlicher Sitzung die im Januar 1937 ab­laufende Amtszeit des Oberkommissars in Danzig, Le st er, um ein Jahr ver­längert. Bei dieser Gelegenheit sprachen Eden, Paul-Boncour und der Vertreter Polens ihre B e - friedigung über die Verbesserung der Beziehungen zwischen Danzig und dem Völkerbund aus. Der Danziger Vertreter erklärte, er stelle mit Genugtuung fest, daß die im Januar d'J. vom Außenminister ausgesprochene Hoffnung sich er­füllt habe, daß der Senat der Freien Stadt m i t gutem Willen an der Regelung der heiklen Fragen mitarbeite. Diese Fragen seien auf dem Wege zu einer Regelung im Rahmen des Statuts der Freien Stadt und un­ter Berücksichtigung der berechtigten Interessen der Bevölkerung.

Der englische Versichernnasskandal.

London, 13. Mai. (DNB.) Vor dem richter­lichen Ausschuß zur Untersuchung des Versicherunas- skandals äußerte sich der ständige Sekretär des Schatzamtes, Sir Warren Fisher, über die Ar­beitstechnik im Schatzamt bei der Vorbereitung des Haushalts. Schriftliche Unterlagen über die Er­höhung der Einkommensteuer um 3 Pence hätten vor dem 16. April, als der Sekretärin des Schatz­kanzlers der Entwurf einer Rundfunkrede über den Haushalt diktiert wurde, nicht vorgelegen. (Die erste Versicherung wurde am 15. April getätigt.) Diese Unterlage sei, wie üblich, unter Verschluß gehalten worden. Der Finanzmann Alfred B a t e s, nach seinen geschäftlichen Beziehungen mit dem Kolonial­minister Thomas befragt, bestritt das Vorhan­densein solcher Beziehungen, erklärte aber, daß er Thomas 20 000 Pfund für die Selb st- biographie des Ministers angeboten habe. Ein Anwalt verlas hierauf einen Brief des Mi­ni st e r s , in dem Thomas sich mit dem Vorschlag unter der Voraussetzung einverstanden erklärte, daß Bates ihm ein Haus sichere, das Frau Thomas nern haben möchte. Bates erwarb das Haus zum Preise von 15 000 Pfund, wobei die Selbstbioaraphie verrechnet wurde. Bates führte aus, daß Thomas weder bei der Golfvartie um Ostern, noch bei irgendeiner anderen Gelegenheit Mitteilungen über den Inhalt des Staatshaushaltes gemacht habe. Aus der Vernehmung der Sekretärin von Bates, Fräulein Scott, geht hervor, daß Bates einen Teil seiner Zahlungen über das Konto seiner Sekretärin laufen ließ, ohne eine Notwendig­keit hierfür zu haben.

Bolschewistische Umtriebe in Paraguay.

Die Rädelsführer ausgewiesen.

Asuncion, 13. Mai. (DNB.) Bolschewi­ll i s ch -» Propaganda im Heer veranlaßte das Offizierskorps energische Maßnahmen gegen den Arbeiteroerband zu verlangen. Darauf­hin wurden der Generalsekretär des Verbandes, Francisco Gaona, sein Stellvertreter, Thomas Mayor, und eine große Zahl leitender Bolsche­wisten. die einen Aufstand vorbereiteten, "erhaltet und nach Argentinien abgeschoben. Der Arbeiterband erklärte daraus den General» streik, doch hatte die Streikparole nur teilweise Erfolg. Polizei schützt die zahlreichen Arbeits- w'ls'aen. Es herrscht überall Ruhe.

Staatspräsident Franco veröffentlichte einen Aufruf an das Volk, der feststellt, daß es sich um die schlimmsten Feinde des Vaterlandes handele, die in Einklang mit der Dritten Internationale han­delten. Die Regierung werde ihr Programm durchführen, dessen Reformen weitergreifend sein werden, als es die politische Entwicklung in Südamerika sonst zulasse. Die Regierung werde niemals zugeben, daß das Vaterland der Weide­platz eines alles verneinenden Gesindels und ehr­geiziger Verbrecher werde. Der Oberbefehlshaber des Heeres, Smith, erklärte, er werde alles in

die französischen Vaterlandsverteidiger auf verlore­nem Posten kämpfen. Denn nur ein kleiner Teil der Presse hat den Aufruf an mehr oder weniger versteckter Stelle veröffentlicht, der Rest der Zei­tungen hat von diesem Appell überhaupt keine Notiz genommen. Ist das nicht mehr als bezeich­nend? Wir denken gar nicht daran, das französische Volk mit der französischen Presse auf eine Stufe zu stellen. Aber die Presse in Frankreick) besitzt doch einen unerhörten Einfluß auf die Volksstimmung. Ihr Schweigen ist mehr als Reden.

Der Oberbefehl

im polnischen Heer.

Warschau, 13. Mai. (DNB.) Durch Erlaß des polnischen Staatspräsidenten ist unmittelbar nach dem ersten Jahrestag des Todes des Marschalls Pilsudski eine Neuregelung hinsichtlich der höchsten militärischen Befehlsstellen erfolgt. Der General- i n s p e k t e u r der A r m e e ist der für den Kriegs­fall in Aussicht genommene Oberbefehlshaber der Wehrmacht. Ihm obliegt daher die Vor­bereitung der Armee für den Kriegsfall und die

scheinlich macht. Die öffentliche Meinung glaubt aber annehmen zu können, daß das Hirota-Kabinett den ernsten Willen hat, durch eine starke, aber ausglei­chende Politik Fehler und Unzuträglichkeiten zu be­seitigen, die das Land in ernste innere Schwierig­keiten brachten und außerdem die Gefahr herauf- beschworen, in China entschlossene Widerstandskräfte wachzurufen, deren Neigung zu einer Anlehnung an Sowjetrußland nicht bestritten werden kann.

Die Bevölkerungskurve in Frankreich.

P a r i s , 13. Mai. (DNB.) Vom Büro des Mini­sterpräsidenten wird eine vergleichende Auf- stellung der Beoölkerungsziffern für 1935 und 1934 veröffentlicht. Danach erfolgten

Ein sudetendeutscher Wahlsieg

T3on unserem ss.-Serichterstniter.

Die Initiative der^rontkämpser

Die französischen Frontkämpfer sind mit einem Aufruf zugunsten der Verständigung und Freund­schaft mit Deutschland hervorgetreten. Sie haben sich unmittelbar an die deutschen Frontkämpfer ge­wandt und damit die Aussprache wieder ausge­nommen, die zeitweise unterbrochen schien. Wie sehr die französischen Feldsoldaten dem deutschen Volke aus dem Herzen gesprochen haben, brauchen wir nicht besonders zu betonen. Denn was als er­strebenswert in dem Aufruf hingestellt wird, ist auch unser Ziel, ist bei allen Zusammen­künften mit ausländischen Frontkämpfern wieder­holt betont und vor allem auch in der Denkschrift des Führers sehr klar zum Ausdruck gebracht wor­den. Da eben erst der Völkerbund in einer sehr ernsten Angelegenheit erneut seine völlige Unfähig­keit zur Schau gestellt hat, berührt es doppelt an­genehm, daß die französischen Frontkämpfer die Initiative zur Sicherung des europäischen Friedens ergriffen haben. Wenn man aber in die französische Presse hinein sieht, dann will es scheinen, als ob

ständigen Ausschuß zu ernennen, der während der i Palamentsferien in Verbindung mit der Regierung bleiben und so beweisen soll, daß die Arbeit der i Volksvertreter nicht nur auf die kurze Sitzungsperiode beschränkt bleibt. Der Reichstag tritt nämlich nur einmal im Jahre für drei Monate zusammen (25. Dezember bis etwa 20. März), und hiervon entfallen noch etwa ein Drittel auf Feiertage, die den Beginn der Sitzungen auf das letzte Drittel des Januars hinausschieben.

Auch diese außerordentliche Sitzung wird nur von kurzer Dauer sein. Sie hat am 6. Mai begon­nen und endet am 25. Mai. Der Reichstag wird an praktischer Arbeit nur den Haushalt für 1936 zu verabschieden haben, und dann einige bereits vor längerer Zeit eingebrachte kleinere Gesetzesvor­lagen über Reis- und Seidenkontrolle, über einen Unterstützungsfonds für notleidende Gebiete usw. Der Haushaltsplan steht in seinen Grundzügen fest und lehnt sich an den Voranschlag des früheren Finanzministers Takahashi in Höhe von 2,25 Milliarden Pen an, zu dem noch etwa 70 Millionen als Ergänzungssorderung hinzutreten. Was die Ministerien darüber hinaus für den Etat 1937 ver­langen, wird im kommenden Sommer innerhalb des Kabinettes entschieden werden. Man wird anneh­men können, daß die nächsten Haushalte eine stär­kere Belastung auf der Ausgabenseite für Heer und Marine vorsehen, also ein Rüstungspro- gramm in sich schließen, das eine der wichtigsten Forderungen des Militärs und damit gleichzeitig der entscheidende Programmpunkt für das Kabinett Hirota ist. Das Kabinett hat sich bisher auf Er­klärungen allgemeiner Art beschränkt. Daneben hat es aber auch den Willen zu ernster Arbeit erken­nen lassen, als es in kürzester Zeit eine gewaltige Personalerneuerung durchführte, von der alle Mi­nisterien betroffen sind.

Besonders steht eine vollkommene Erneue­rung des Erziehungswesens und der Landesverwaltung in den einzelnen Pro­vinzen bevor. Ueberrascht hat der Personalwechsel in der Armee, der zu einer Neubesetzung der meisten führenden Stellen im Generalstab, im Kriegsministe­rium und in der Truppe führte. Die personellen Voraussetzungen für die sog. inneren Reformen sind also gegeben.' Als wichtigste Programmpunkte wer­den hier genannt: eine Vereinfachung und klarere Durcharbeitung des gesamten Regierungs- und Ver­waltungsapparates, dem sich eine grundsätzliche Um­stellung des Finanzwesens, des Handels, der Wirt­schaft und der Agrarfragen anpassen soll. Ferner ist eine Verbesserung der Sozialordnung, oder besser gesagt die Einführung einer Sozialgesetz­gebung beabsichtigt.

Die Außenpolitik soll in Führung und Zielsetzung einheitlicher und klarer gestaltet werden, wobei als Richtsatz eine entschiedene, dabei aber verständi­gungsbereite Haltung zu allen Ländern, insbe­sondere aber zu den Nachbarstaaten, aufgestellt wird. Es wird für die weitere Entwicklung der japanischen Festlandspolitik von entscheidender Be­deutung sein, welche Möglichkeiten sich hierbei für einen Ausgleich mit China ergeben, da die japanisch-chinesischen Beziehungen viel zu wünschen übrig lassen, und ferner, welche diplomatisch-mili­tärischen Maßnahmen für eine Sicherung der Grenz läge Mandschukuos und damit für eine Entspannung der Beziehungen zu Sowjet­rußland ohne Prestigeoerlust für Japan in An­griff genommen werden. Es erhebt sich deshalb die Frage, ob die Regierung arbeitsfähig und stark genug ist, den gesamten Staatsapparat einheitlich auf die neuen inneren und äußeren Ziele umzu­stellen. Der Ministerpräsident wird sich, wenn man die Pressestimmen richtig beurteilt, darüber im klaren sein müssen, daß bas gesamte Militär und seine Anhänger im Lande starke Kräfte einsetzen werden, um ein neues Japan zu schaffen, das zu­mindest im Kern die geistigen Merkmale der Showa- Restauration trägt.

Ob der Ministerpräsident Hirota und seine Mitar­beiter dieser Aufgabe gewachsen sind, läßt sich heute noch nicht sagen. Es wird davon abhängen, ob der innere Friede, getragen von der Disziplin des Hee­res, wiederhergestell't, und eine Lage nach außen geschaffen werden kann, die Verwicklungen irgend­welcher Art mit Sowjetrußland oder China unwahr-

Danzig, 13. Mai. (DNB.) Der diplomatische Vertreter der Republik Polen in Danzig hat auf die Danziger Note vom 29. April der Danziger Re­gierung versichert, daß die polnische Negierung d i e Interessen der Freien Stadt Danzig im Rahmen der polnischen Devisenbewirtschaftung mit vollem Wohlwollen" behandeln werde und möglichst baldige Aufnahme der notwendigen Besprechungen vorgeschla­gen. Die Verhandlungen sollen auf polnischer Seite von Unterstaatssekretär Roman geleitet werden, der als ausgezeichneter Kenner der Danziger Wirt- schaOsfragen anzusehen ist. Bereits vor dem Ein­treffen Romans sollen Besprechungen in die Wege geleitet werden, die Schwierigkeiten und Härten zu beseitigen, die sich aus den verschiedenen polnischen Devisen- und Einfuhrmaßnahmen für die Danziger Wirtschaft ergeben könnten.

Von zuständiger Danziger Seite wird hierzu u. a. noch folgendes mitgeteilt:Der Senat hat die Auswirkungen der Devisenbewirtschaftung auf die Danziger Wirtschaft verfolgt und ist bereits wegen der Beseitigung einer Reihe von schädlichen Auswirkungen an Polen herangetreten. Es sind auch schon einzelne Mißstände abgestellt worden. Die sich zeigenden Schwierigkeiten werden durch persönliche Erörterungen erledigt werden. Darüber hinaus wird es Aufgabe her Verhand­lungen fein müssen, die z u r Erhaltung der Lebensfähigkeit Danzigs und seines Hafens, insbesondere im Hinblick auf die Kon­kurrenz Gdingens, notwendigen Bedingun­gen sicherzustellen."

Das Bestreben Polens, in Danzig kein D e - v i s e n l o ch stehen zu lassen, wird von Danzig durchaus gewürdigt. Eine Sicherung ^scheint schon dadurch gegeben, daß Polen die Gesamtein­fuhr in das gemeinsame Danzig-polnische Wirt­

schaftsgebiet genehmigungspflichtig ge­macht hat. Danzig wird von Polen erwarten, daß Wege gefunden werden, schädliche Auswir­kungen der polnischen Maßnahmen auf die Dan­ziger Wirtschaft und den Danziger Handel aus- z u s ch a 11 e n. Insbesondere muß nicht nur formal, sondern vor allem praktisch jede Benachteiligung Danzigs zugunsten des polni­schen Hafens Gdingen verhindert werden.

In Danziger Wirtschaftskreisen sind ferner ge­wisse Besorgnisse entstanden, weil Polen die Wie­dereinführung einer Warenkontrolle an der Danzig-polnischen Grenze vorgesehen hat. Es ist zugesichert worden, daß Danzig auch in dieser Beziehung in keiner Weise benachteiligt wer-

Eisenbahn in den tschechischen Staatsbesitz war ebenso von dem Geiste der Eroberung dieser Grenz­bezirke getragen, wie dies bei der Verstaa11i» chung einer Reihe von Kohlengruben oder der Durchführung der Bodenreform der Fall war, mit der man neuerdings zahllose tsche- chische Dolksangehörige in dieses dichtbesiedelte Industriegebiet preßte. Zu allen diesen Bedräng­nissen des Deutschtums im nordwestböhmischen Kohlengebiet kam noch die seit einigen Jahren in immer stärkerem Maße fühlbare wirtschaft­liche Not, die sich besonders auf die sudeten- deutsche Kleinindustrie verheerend auswirkte. Wenn alle diese Erscheinungen es nicht vermochten, elbft in diesen national am meisten bedrängten Gebieten die deutsche Mehrheit zu erschüttern, ja, wenn in beiden Bezirken auch heute noch nahezu 70 v.H. der gesamten Bevölkerung Deutsche sind, bann ist dies ein Beweis für die unüberwindliche Kraft des Sudetendeutschtums, seine innere Ge- schlossenheit und feine aufrechte national-deutsche Gesinnung.

Die beiden Bezirke Dux und Bilin sind eit mehr als 30 Jahren der Brennpunkt der nationalen und politischen Kämpfe zwischen Deutschen und Tschechen in Böhmen. In diesem Gebiet sind auch die Anfänge der nationalsozialisti- schen Arbeiterpartei in denSubeten- ländern zu finden. Dux war nicht nur der Wohnsitz des langjährigen Führers der sudeten­deutschen Nationalsozialisten, des verstorbenen Ab­geordneten Hans Knirsch, sondern auch sein Wahlkreis, in dem er trotz aller heftigen Kämpfe immer wieder von der treuen deutschen Bergarbei- terschaft in das Abgeordnetenhaus gewählt wurde. Er vertrat diesen Wahlkreis als Abgeordneter der Deutschen Arbeiterpartei Oesterreichs bereits im Jahre 1911, als er zum ersten Male in den Wiener Reichstag gewählt wurde. Wenige Wochen nach dem Zusammenbruch der österreichisch-unga­rischen Monarchie erhielt die sudentendeutsche Stadt Dux durch freie Wahl einen nationalsozialistischen Bürgermeister in der Person Adolf H a r t i g s , der bis zur Auflösung der Partei im Jahre 1933 Bür­germeister dieser Stadt gewesen ist. Auch die Städte Bilin, Klostergrab und Össeg hatten seit vielen Jah­ren nationalsozialistische Bürgermeister. In diesen Gebieten hat die jahrzehntelange Erziehungsarbeit der Nationalsozialisten in den breiten Massen der Bevölkerung eine volkstreue Haltung erzeugt, die sich auch in diesen Wahlen auf das beste bewährte.

Von den deutschen Parteien marschiert auch dies­mal wie in allen übrigen sudetendeutschen Gebieten bie Sudetendeutsche Partei an erster Stelle. Sie hat 75 v. H. aller deutschen Stimmen in beiden Bezirken, und in der Stadt Dux sogar 81 v. H. aller deutschen Stimmen auf sich vereini­gen können. Die Kommuni st ische Parier hat in einigen Orten unerheblich zugenommen, während die Sozialdemokraten ihre Stel­lungen fast nirgends behaupten konnten. Der Pro­zeß des Absinkens der regierungstreuen Parteien scheint auch weiterhin im Gange zu fein. Wichtiger aber als diese parteipolitischen Feststellungen ist die überaus erfreuliche Tatsache, daß das Sudeten- deutschtum auch in den am schwersten bedrängten deutschen Grenzbezirken sich nicht nur erfolgreich zu halten verstanden hat, sondern eine bedeutende Stärkung der deutschen Mehrheit zu erreichen vermochte. Das ist insbesondere mit Rück­sicht auf die schwere wirtschaftliche Not und den harten nationalen Kampf eine nicht hoch genug an­zuerkennende Leistung, auf die die Deutschen in Böhmen wahrhaftig mit stolzer Zuversicht hinwei- sen dürfen.

Oberleitung bei allen mit einem solchen Falle zu­sammenhängenden Maßnahmen. Der Kriegs- m i n i ft e r dagegen hat in Friedenszeiten in Uebereinftimmung mit bem Generalinspekteur die Führung der Armee, er leitet bie militärische Ver­waltung unb vertritt bie Belange der Armee in der Regierung. Der K r i e g s m i n i st e r ist als Mit­glied des Kabinetts dem Staatsoberhaupt und dem Parlament verantwortlich und würde bei einem Kabinettswechsel gleichfalls zurücktreten. Dagegen ist der G e n e r a I i n f p e f t e u r vom Schicksal des Kabinetts vollständig unabhängig unb einzig unb allein bem Staatspräsiden­ten verantwortlich.

ImKomitee zur Verteidigung der Republik" fuhrt den Vorsitz der Staatspräsident. Sein Ver­treter ist der G e n e r a l i n f p e f t e u r , nicht mehr wie bisher der Ministerpräsident. Mitglieder des Komitees sind: der Ministerpräsident, der Innen­minister, der Außenminister, der Kriegsminister, der Finanzminister und der Handelsminister. Als nicht stimmberechtigte Mitglieder ferner der Generalstabs­chef, der Chef der Armeeverwaltung sowie der Ver­treter des Generalstabschefs.

Die Zahl der durchschnittlichen Eheschließun­gen auf 10 000 Einwohner berechnet ist von 142 im Jahre 1934 auf 136 im Jahre 1935, die der (Sc­hürten von 161 auf 152 zurückgegangen, die Zahl der Todesfälle dagegen von 151 auf 157 gestiegen. Aus dem Geburtenüber­schuß von 10 Kindern auf 10 000 Einwohner ist 1935 ein Unterschuß von 5 Kindern geworben.