186. Jahrgang
Ur. 112 Erstes Blatt 186. Jahrgang Donnerstag, 14- Rai 1956
ÄrW * ▲< Ä Annahme °on An'°-g-n
Ä:KLL /<▲
Heimat im Bild - Die Scholle M ^R^B B ■ w M B M BH Hf K M MMM JW Grundpreise mm höhe
Monats-Bezugspreis: SM M fM B M^^ B^^ B^r B B B^r B W B B B jfiL «8 B B B B für Anzeigen von mm
Mit 4 Beilagen RM.1.95 M W B B BT BWBr B B B< B X B B B Hr B B B Br B Breite 7 Rpf., für Text- Ohne Illustrierte 1.80 M ^^k, M ^^k , B B B B ^H B VH B ™ B anzeigen von 70 m m Breite
Zustellgebühr,. „ -.25 W W B B W W WB B W I W W W WB 50 Npf.,Platzvorschrift nach
Auch bei Nichterscheinen ” vorh.Dereinbg.25"/„ mehr,
von einzelnen Nummern W\ ■ Aw _ .... x _
infolge höherer Gewalt <F Ermäßigte Grundpreise:
WZM General-Anzeiger für Oberhessen WZ gronffurt am Main 11686 Druck uitö Verlag: vrühl'sche Univerfitäts Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschästsftelle: bchulstrahe 7 Meng^enabWüst/s'taff^l'^
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Wie kann der Abessinienkonslikt liquidiert werden?
Der neue Kurs in Zapan.
Von unserem 3R W.-Äerichterstaiter
Kür und wider die Sanktionen.
Meinungsverschiedenheiten innerhalb der konservativen Partei.
London, 14. Mai. (DNB. Funkspruch.) Folgende drei verschiedene Entschließungsentwurfe sind im Unterhaus zur Aussprache eingebracht worden, die die Meinungsverschiedenheiten unter den Anhängern der Regierung in der Sanktionsfrage klar zum Ausdruck bringen: 27 konservative Abgeordnete werden einen Antrag zugunsten der Aufrechterhaltung der Sanktionen gegen Italien einbringen. Ein Gegenantrag ist von 24 konservativen Abgeordneten unterzeichnet worden, daß es nicht den Interessen des Friedens und des Welthandels dienen würde, die Sanktionen des Völkerbundes als eine Politik der Rache aufrechtzuerhalten, nachdem sie sich als wirkungslos erwiesen hätten, den Angreiserstaat von seinem Vorgehen abzuhalten. Ein dritter Antrag fordert die Regierung aus, an- gesichts der Schwierigkeiten und Gefahren in der gegenwärtigen internationalen Lage keiner Aktion zuzustimmen, die auf eine V e r st r i ck u n g Großbritanniens in einen Krieg hinauslaufen könne.
Für die splendid Isolation.
Scharfe Kritik Beaverbrooks an Baldwin.
London, 14. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der „Daily Expreß" veröffentlicht einen Artikel des Zeitungsmagnaten Lord Beaverbrook, der in die Forderung hinausläuft, daß Großbritannien eine Politik der Isolation verfolgen müsse. Beaverbrook meint, daß die Meinungsverschiedenheit in der Sanktionsfrage, die zur Uneinigkeit und Konfusion in Großbritannien führe, so gefährlich sei, weil Großbritannien keine nationale Führung besitze. Seit Baldwin und Macdonald im Jahre 1931 ihr Amt angetreten hätten, sei ein Fehlschlag nachdem anderen zu verzeichnen. Die Abrüstungskonferenz sei ein hoffnungsloser Fehlschlag gewesen, die Handelsabkommen mit fremden Ländern seien als die „schwarzen Pakte" bekannt und hätten sich für Großbritannien als nachteilig erwiesen, die Welt- wirtsßhaftskonferenz sei schimpflich verunglückt, das kollektive Sicherheitssystem sei tot, die Stresafront sei zerbrochen, die Sühnemaßnahmen gegen Italien hätten Großbritannien die größte Erniedrigung gebracht, das abessinische Kaiserreich sei von der Weltkarte verschwunden. Die britische Nation warte darauf, daß nach all diesen Fehlschlägen die Regierung eine Politik, die sich allein auf den Ausbau des Ueberseereiches beziehe, beginne. Die Politik der Isolation sei eine Notwendigkeit, die sich aus der ganzen Lage ergebe.
Südafrikanische Besorgnisse.
London, 13. Mai. (DNB.) Der südafrikanische Politiker Sir Abe Bailey erklärte, die auswärtige Politik Mussplinis ziele darauf ab, das Mitte l m e e r, das die große Arterie der Welt sei, zu einem italienischen See zu machen. Dies müsse zwei Rückwirkungen auf Großbritannien und Südafrika haben. Erstens, würde die Verbindung von Großbritannien und Europa nach dem Osten abgeschnitten, zweitens setze sich in Ostafrika auf dem Gebiet von Kenia und dem Sudan eine aktiv kriegerische europäische Macht fest, die die dortigen Eingeborenenstämme rekrutieren und nach modernen militärischen Grundsätzen ausbilden werde, Stämme, die körperlich kräftig seien und kriegerischen Sinn besäßen. Diese Entwicklung ziehe sowohl Großbritannien wie Südafrika in Mitleidenschaft, und es bleibe abzuwarten, ob der Völkerbund eingreifen werde. „Wenn wir fühlen", so fügte Bailey hinzu, „daß der Völkerbund nicht weiterhin fähig ist, uns gegen Kriege zu sichern, so müssen wir unsere Freunde wählen, ohne allzusehr beeinflußt zu sein durch das, was in der geschichtlichen Vergangenheit gewesen ist und durch die Bündnisse, die im Weltkriege bestanden haben." Die wirkliche Frage für das Britische Imperium sei die, w o d i e Sicherheit liege.
Italien wünschtkeineVerschärsung des Konflikts.
L o n d o n , 14. Mai. (DNB. Funkspruch.) „Times" meldet, daß die italienische Regierung versucht, das Dokument, in dem die britische Regierung wegen der angeblichen Herstellungvon Dumdum-Geschossen angeklagt wird, zu- rückzuziehen, weil es klar geworden sei, daß Italien damit einen groben Schnitzer begangen habe. Die Antwort Großbritanniens sei jedoch in der Zwischenzeit dem Generalsekretär des Völkerbundes übergeben worden. Die italienische Regierung hat den Völkerbund gebeten, von der Veröffentlichung der itahs- nischen Note abzusehen. Infolgedessen wird auch die Veröffentlichung der britischen Antwort vorläufig nicht erfolgen.
Wiederaufbau von Addis Abeba.
Asmara, 14. Mai. (DNB.) Wie aus Addis Abeba verlautet, beschäftigen sich die italienischen Behörden eingehend mit der Umwandlung der alten abessinischen Hauptstadt in einen modernen Mittelpunkt ihres neugeschaffenen ostafrikanischen Reiches. Der zum Zivilgouverneur
von Addis Abeba ernannte frühere Gouverneur von Rom, Bottai, hat einen Plan ausgearbeitet, der in erster Linie die Neuordnung des Gesundheitswesens vorsieht. Als zweiter Schritt joll die Indienststellung öffentlicher Verkehrsmittel folgen. Die dritte große Aufgabe liegt in der Schaffung großzügiger Anlagen. Zur Sicherung der Wiederaufbauarbeit wird eine zuverlässige Ortspoli- z e i geschaffen werden, deren erste Abteilung gerade in Bildung begriffen ist.
In Addis Abeba fand am Dienstag eine große Truppenschau statt. Auf dem ehemaligen Kaiserpalast wurde die Fahne gehißt, die von der Gemeinde Dittorio Veneto der Division Sabaudia gestiftet worden ist. Während Flugzeuggeschwader in geringer Höhe über der Stadt kreuzten und die Truppen präsentierten, sprach B a d o g l i o Worte der Anerkennung für sämtliche Truppengattungen, die am Feldzug teilgenommen haben. Dann fand ein Vorbeimarsch statt. Eine Abordnung der Division Teoere, die in Somaliland gekämpft hat, war eigens mit der Bahn aus Diredaua nach Addis Abeba gekommen. Die Bevölkerung nahm das ungewohnte Schauspiel mit Begeisterung auf. Viele abessinische Häuptlinge, die sich unterworfen haben, wohnten der Truppenschau bei.
Aoch eine abessinische Gegen- regierung?
London, 14. Mai. (DNB. Funkspruch.) Wie Reuter aus Khartum meldet, scheint in Gore, der von Addis Abeba etwa 350 Kilometer südwestlich gelegenen Hauptstadt Westabessi- niens, eine Art abessinischer Regierung in Tätigkeit getreten zu sein. Nach der Flucht des Negus hätten sich mehrere abessinische Mini st e r dorthin begeben und auch die Staatsarchive dorthin mitgenommen. Die Stadt Gore zählt etwa 4000 Einwohner. Nach einer Mitteilung des britischen Konsuls in Westabessinien, Kapitän E r sk i n e, ist in diesem Bezirk alles ruhig. Die abessinischen Behörden hätten die Polizei verstärkt, um Ausschreitungen zu verhindern, die durch bewaffnete Flüchtlinge aus dem Osten hervorgerufen werden könnten. Diese Polizei patrouilliere die Straßen und fange bewaffnete Banden ab, die in Addis Abeba hauptsächlich für die Schreckenszustände verantwortlich zu machen wären. Teilweise kehrten die Männer, die in diesen Bezirken beheimatet sind und aus den Kriegsgebieten zurückkommen, zu ihrer Farmarbeit zurück.
Italiens europäische Ausgabe.
Ein Mittelmeerpatt soll nach sranzösilchen Wünschen den Anfang eines neuen Sicherheitssystems machen.
Die Ratstagung unterbrochen
Genf, 13. Mai. (DNB.) Der Völkerbundsrat hat die noch auf der Tagesordnung stehenden Fragen erledigt und. hierauf seine 92. Tagung bis zum 16. Juni unterbrochen. Eine Aussprache entwickelte sich bei dem Bericht über die Zusammensetzung des Völkerbundsrates, wonach für die keiner ?e g i o n a I e n Gruppe angeh'ö- renden Staaten ein nichtständiger Ratsfitz geschaffen werden soll. Der portugiesische Vertreter Vasconcellos wies darauf hin, daß es sich dabei um 1 4 S t a a t e n handele, von denen jeder nach diesem System nur einmal in 42 Jahren auf drei Jahre im Rat vertreten fein könne. Eine Anregung Litwinows, eine häufigere Vertretung im Rat durch Verkürzung der Mandatsdauer auf ein Jahr zu schaffen, wurde abgelehnt. Der Rat beschloß, die Frage des Locarno-Vertrages auf seine Juni-Tagung zu verschieben.
pariser ptfne.
Paris, 14. Mai. (DNB. Funkspruch.) In den Betrachtungen der Pariser Presse zur soeben beendeten Ratssitzung kommt fast übereinstimmend die Auffassung zum Ausdruck, daß die von allen Seiten als notwendig erkannte Reform des Völkerbundes am besten durch den Abschluß regionaler Pakte gegenseitigen Beistandes erfolgen könne, die in einem allgemeinen Sicherheitspakt ihre Krönung finden könnten. Es gebe eben keine bessere Sicherheit als Bündnisse, welchen Namen man ihnen auch geben möge. Für den' französischen Plan der Regionalpakte hat das „Oeuvre" schon den er st en Pakt bereit, der Italien wieder in die europäische Zusammenarbeit hineinziehen soll, nämlich den Mittel
meerpakt, zu dessen Abschluß Frankreich die Initiative ergreifen solle. Frankreich, England, Spanien, Italien, Jugoslawien, Griechenland und die Türkei sollten sich sämtlich zum gegenseitigen Beistand im Falle eines nicht herausgeforderten Angriffes verpflichten. Sie würden dadurch praktisch die Aufrechterhaltung des Status quo gewährleisten. Dieser Gedanke gebe eine Möglichkeit, den italienisch-abessinischen Streitfall zu beenden und Italien wieder mit Europa zu verbünden. Das „Journal" hingegen sieht Italien noch nicht wieder nach Genf zurückgekehrt. Man könne nicht einsehen, daß Italien bei einer derartigen Initiative gewinnen könne. Denn alle die Staaten, die bisher den Völkerbund verlassen hätten, könnten sich nur dazu beglückwünschen. Trotzdem aber müsse man zu einer internationalen Zusammenarbeit kommen, denn es fei Italiens große Aufgabe, ein Ordnungsfaktor in Europa zu fein, der alle feine Stresa-Aufgaben im Donauraum wieder aufnehme.
Erneuerter britischer Schlachtkreuzer geht ins Mittelmeer.
London, 14. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der große Schlachtkreuzer „R e p u l s e", der in den vergangenen 3% Jahren vollständig umgebaut und nun fertiggestellt worden ist, wird am 8. Juni zur Verstärkung der britischen Flotte nach dem Mittelmeer in See gehen. Die „Repulse", die vor 20 Jahren vom Stapel gelaufen ist und nach dem jetzigen Umbau statt 25 000 eine Wasserverdrängung von 32 000 Tonnen hat, ist besonders für den Kampf mit Flugzeugen ausgerüstet worden. Außer einer besonders starken Flugabwehr hat das Kriegsschiff vier Kampfflugzeuge an Bord.
Regierungsumbildung in Wien.
Starhemberg und Berger-Waldenegg der Regierungsgewalt in den
Wien, 14. Wai. (DRV. Funkspruch.) Am Donnerstag um 4 Uhr früh wurde eine amtliche Verlautbarung ausgegeben, in der es u. a. heißt:
heute hat Bundeskanzler Dr. Schuschnigg dem Bundespräsidenten seine Demission gegeben und gleichzeitig die Enthebung der Regierung vom Amte beantragt. Bundespräsident INiklas hat dem Antrag Folge gegeben, den Bundeskanzler mitder Bildung einer neuen Regierung beauftragt und ihn mit der Führung des Bundeskanzleramtes einschließlich der auswärligenAngelegenheiten sowie mit der Leitung des Bundesministeriums für £ a n bester fei bigung betraut. Ls würben ferner zu Ministern ernannt.
von Baar-Barenfels (Heimatschuh) Vizekanzler, Minister für Inneres unb Minister für Sicherheit;
Hammer st ein-Lquorb (Christlich-Sozial) Minister für Justiz;
Br. B er n ter (Christlich-Sozial) Minister für Unterricht;
Stockinger (Christlich-Sozial) Minister für hcmbel unb Verkehr;
Dr. Draxler (Heimatschuh) Minister für Finanzen;
Resch (Christlich-Sozial) soziale Fürsorge.
Ferner würben zwei Staatssekretäre ernannt, unb zwar General bet Infanterie Zehner, £anbesver-
ausgeschifft. — Starke Konzentration Händen des Bundeskanzlers.
feibigung, unb Zernatto, Staatssekretär zur be- sonberen Verwenbung. Der Vorschlag für ble Ernennung bes Bunbesminiffers für £ a n b - unb For st wirtschaft würbe Vorbehalten. Die £eifung bes Ressorts führt bis zur Ernennung bes künftigen Ministers ber Bunbeskanzler. hierauf erfolgte bie Bereibigung bet Mitglieber ber neuen Regierung unb ber Staatssekretäre burch ben Bunbespräfibenten.
Der bisherige Vizekanzler Ern ft Rübiger Für ft Starhembergift infolge sachlicher Mei- nungsvetschiebenheiten mit bem Bunbeskanzler aus ber Regierung a u s g e s ch i e b e n. Die Regierung hat sich bie Ausgabe ber Konzentrierung alter vaterlänbischen Kräfte gestellt. Diese Konzentration erforberf auch bie vollkommene Vereinheitlichung bet politischen Führung unb bie Klarstellung bes Verhältnisses ber vaterlänbischen Front z u ben staatlichen Einrichtungen. Aus biesem Grunbe übernimmt ber Bunbeskanz- lerbieFührungber vaterlänbischen Front. Der Bunbessührer bes Heimatschuhes Ernst Rübiger Für st Starhemberg hat auch ben Wunsch bes Bunbeskanzlers ben Mitgtiebern bes neuen Kabinetts, bie Angehörige bes he 1 matschut - Zes sinb, ben Auftrag erteilt, ber an sie ergangenen Berufung Folge zu leisten.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Tokio, Mai 1936.
Nach Artikel 5 der japanischen Verfassung soll „der Kaiser die Legislative in Ueberein ft immun g mit dem Kaiserlichen Reichstag ausüben". Gegen diesen Artikel, der den Kampf um die so heiß umstrittene Organtheorie Prof. Mi- nobes („der Kaiser ist ein Organ des Staa- t e s") auslöste, richteten sich die nationalistischen Kreise Japans, die laut Artikel 3 der Verfassung („der Kaiser ist heilig und unverletzli ch") das ewige und uneingeschränkte Gottesgnadentum als unabänderliches Staatsgrundgesetz für Javan erneuert und befestigt wissen wollen Auch dem ersten Kommentator der Verfassung, dem Fürsten Ito, mögen hinsichtlich der Fassung des Artikels 5 Bedenken gekommen sein, denn er schränkte ihn dahin ein: „die Legislative steht ausschließlich unter ber Kontrolle des Kaisers, während es die Aufgabe des Reichstages ist, Rat und Zustimmung zu geben."
Dieser Hinweis ist gerade in dem Augenblick notwendig, wo der im Februar neugewählte Reichstag sich versammelt und, wie man gleich sehen wird, durch die nach den Februarvorgängen erfolgten innerpolitischen Veränderungen praktisch auf Rat und Zustimmung beschränkt bleibt. Die großen Parteien, die über die absolute Mehrheit verfügen, haben sich nämlich dem Hirota-Kabinett bedingungslos zur Verfügung gestellt, und sind durch Minister, parlamentarische Vizeminister und Räte im Kabinett selbst vertreten. Wie ferner aus der ersten Regierungserklärung und den Ansprachen Hirotas und seiner Minister an die Oberpräsidenten ganz Japans hervorgeht, sind sich Kabinett und Parteivertreter über die neue Staatspolitik und die durch den Reichstag zu erfüllenden Aufgaben einig. Man wird also in diesem Reichstag wenig mehr hören, als die Reden des Ministerpräsidenten Hirota, des Außenministers Arita, der Kriegs- und Marineminister Terauchi und Nagano und des Finanzministers Baba, ferner die zustimmenden Erklärungen der Parteiführer.
Das Hirota-Kabinett ist ein Kompromiß zwischen Außenpolitik, Landesverteidigung, Erziehung, Wirtschaft und Finanz, wobei der Landesverteidigung die führende Rolle züfällt. Die Verteilung der Ministerposten ist nach einem Schlüssel erfolgt, der zwangsläufig die innere Geschlossenheit der Regierung zur Voraussetzung hatte. Im Kabinett sind vertreten: 6 Mitglieder des Oberhauses und je 2 Mitglieder der Seiyukai und der Minseito. Außerdem sind die Parteien des Ober- und Unterhauses durch 22 parlamentarische Vizeminister oder Räte vertreten. Zu erwähnen bleibt noch, daß die dem Kabinett über- oder nebengeordneten Negierungsinstanzen im Sinne des Hirota-Kabinsttes umgebildet wurden. Die wichtigste Person bleibt nach wie vor der Genro, Prinz Saionji, auf dessen Vorschlag oder mit dessen Billigung die neuen Berater der Krone (P u a f a als Lordsiegelbewahrer, Matsudaira als Hofminister), ferner Hiranuma, Präsident des Geheimen Staatsrats, und endlich Ministerpräsident Hirota ernannt wurden. Allerdings bleibt die Frage offen, ob die Ernennung Hiranumas wirklich im Sinne des Genro gewesen ist, da Hiranuma ein entschiedener Verfechter der Forderungen der jungen Offiziere ist und als sogenannter Faschist gilt. Der Staatspolitische Beirat, dem bekanntlich Mitglieder der Seiyukai nicht angehörten, wird aufgelöst, während der Prüfungsausschuß als beratende Körperschaft des Kabinetts mit Fachleuten aus allen Kreisen des öffentlichen Lebens, Vertretern von Heer und Marine und beiden Häusern des Parlaments besetzt werden soll.
So trat das Kabinett vor einen Reichstag, ber praktisch auf Opposition verzichtet hat und sich mehr auf eine rein repräsentative Rolle beschränkt. Gegen diese Art von Parlament hat auch das sonst parlamentarischen Dingen wenig geneigte Militär nichts einzuwenden. Die Parteien haben im übrigen selbst dafür gesorgt, daß ihr Ansehen im Volke nicht eben groß ist, denn von 466 gewählten Abgeordneten wird jedenfalls 60 das Mandat wegen Wahloergehen (Stimmenkauf usw.) entzogen.
Die Mandate der einzelnen Parteien verteilen sich nach den letzten Februarwahlen wie folgt: Minseito 205, Seiyukai 174, Showakai 20, Arbeiterpartei 18, Kokumin-Domei 15, Unabhängige 25 unb Verschiebens 9. Minseito und Seiyukai verfügen also schon allein über die absolute Mehrheit (312) mit 379 Stimmen. Hinzutreten Kokumin-Domei und Showakai, die der Regierung zugerechnet werden können. Aber auch die übrigen Parteien können nicht als Opvosition gelten, da in ihnen die Vaterländischen Arbeitergruppen, Nationalisten und Erneuerungs- bünde vertreten sind. Besonders die Arbeiterpartei wird einem nationalen Kabinett niemals Opposition machen, wenn sie auch für soziale Reformen eintritt, die sich durchaus mit den Forderungen weiter Kreise der Armee decken, wie sie in der bekannten Denkschrift vom November 1934 niedergelegt sind. Außerdem ist hervorzuheben, daß gerade jetzt in die- em Augenblick eine Zusammenfassung aller derjenigen Arbeitergruppen erfolgt ist, die einen deutlichen Trenungsstrich gegen die radikal gerichteten Organ!- ationen ziehen wollen.
lieber die Reformen von Ober- unb Unterhaus ist chon viel gesprochen worden. Aber es mag auch ein Zeichen für die mangelnde Anteilnahme an parlamentarischen Einrichtungen ober ein Zweifel an ber Arbeitsfähigkeit ber Volksvertreter st in, wenn viele Reformpläne in ben Aktenschränken verschwanken. Jetzt ist wieder der alte Vorschlag aufgetaucht, einen


