Dienstag, 14. April 1936
schädigen. Weiterhin ist es untersagt, von Maiglöckchen (Scilla), den wilden Hyazinthen, de« Schneeglöckchen, von der Christrose und von Primeln aller Art die unterirdischen Teile zu beschädigen oder auszugraben. Im Handel dürfen von jetzt ab u. a. folgende Arten nicht mehr auftreten: Zweige von Eibe, Wacholder, Hülse (Stechpalme) und Gagelstrauch, große und kleine Schneeglöckchen sowie Leberblümchen. Auch sind bezüglich der Entnahme und des Handels von Schmuckreisig strenge Dor- schriften erlassen. Besonderen Schutz genießen dabei die jetzt blühende Kätzchen tragenden Weidenzweige.
Schließlich ist noch hervorzuheben, daß die Bestimmungen des nunmehr aufgehobenen Reichsvogelschutzgesetzes durch neue Vorschriften ersetzt worden sind. Danach ist das Fangen von Vögeln grundsätzlich verboten. Wichtig für die Frühjahrszeit ist auch noch die Bestimmung, daß es nach dem 15. März nicht mehr erlaubt ist, Hecken, Gebüsche und lebende Zäune zu roden oder abzuschneiden bzw. abzubrennen, die Bodendecke auf Wiesen, Feldrainen, ungenutztem Gelände, an Hängen und Hecken abzuorennen sowie Rohr- und Schilfbestände zu beseitigen.
Aus der neuen Naturschutzverordnung sind hier nur die im gegenwärtigen Zeitpunkt wichtigsten Vorschriften angeführt.
LandschastsbundDolkstum und Heimat.
Volksbildungswerk Ortsgruppe Gießen-Milte.
Morgen, Mittwoch, 15. April, 20.15 Uhr, Natur- fchutzabend in der Aula des Gymnasiums. Lichtbildervortrag von Dr. K. Heidt: „Die geschützten Pflanzen der hessischen Heimat". Der G r 0 ß s ch e Männerchor wirkt mit. Eintritt frei. Gäste willkommen.
Eportamt „Kraft durch Freude".
heute folgende Kurse:
Fröhliche Gymnastik und Spiele, Frauen. Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26.
Kindergymnastik. Von 17.30 bis 18.30 Uhr, Frankfurter Straße 60, Gartenhaus. (Neuanmeldungen werden vor Beginn der Stunde angenommen.)
Schwimmen. Von 20 bis 21 Uhr, Frauen und Männer, Volksbad; von 21 bis 22 Uhr, nur für Frauen.
Reiten. Von 21 bis 22 Uhr, Universitäts-Reitinstitut, Brandplatz.
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** Die D ft e r f e r t e n. Das Kreisschulamt Gießen weist darauf hin, daß der Unterricht in der Volksschule nach Ostern am 15. April in vollem Umfange beginnt, der Unterricht in der B e - rufs schule dagegen erst am 16. April seinen Anfang nimmt und die Aufnahme der Schüler und Schülerinnen der Unterstufe am 15. April stattfindet.
** Gebührenpflichtige Mahngespräche der P 0 st. Fernsprechteilnehmer, die ihre Fern- sprechrechnungen nicht innerhalb der vorgeschriebenen Zahlfrist von sieben Tagen beglichen haben, werden an die Zahlung der Rechnung durch das Amt fernmündlich erinnert. Ebenso wird Teilnehmern, deren Fernsprechanschluß gesperrt werden muß, die Sperre vorher fernmündlich angekündigt. Die fernmündliche Erinnerung der Teilnehmer an die Zahlung der Fernsprechgebühren und die fernmündliche Sperrankündigung wegen Nichtzahlung der Fernsprechgebühren sind Leistungen, die durch das Verhalten des Teilnehmers verursacht werden und lediglich seinen Belangen dienen. Das Reichspostministerium hat daher angeordnet, daß für diese Gespräche vom 1. April ab den Teilnehmern die Gesprächsgebühr von 10 Rpf. anzurechnen sind.
** Seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Motorradfahrer Willi Heyer aus Krofdorf, der am Sonntag vor acht Tagen abends auf der Landstraße nach Krofdorf unmittelbar am Rande der Stadt mit seinem Motorrad gegen einen Baum fuhr und dabei einen schweren Schädelbruch
menschliche Erfindungsgabe ausführen kann." Ar- nolfo di Cambio, der Stadtbaumeister von Florenz, wurde mit dem Entwurf und der ersten Ausführung beauftragt, der Grundstein vom päpstlichen Legaten am 8. September 1296 gelegt. Das ganze Volk half mit.
Die Kirche erhielt an diesem Tage einen neuen Namen, der wie Frühling und Gesang klingt — Maria bei Fiore. Er wurde wohl zu Ehren des Wappenzeichens von Florenz, der Lilie, gegeben, vielleicht aber auch, weil die Stadt der Legende nach auf einem Blumenfeld erbaut ist. Nach Arnolfo di Cambios Tode wurde die Verwaltung des Baues der „Arte della Lana" übergeben, die das Werk finanziell auf jede Weise sicherzustellen suchte, ein „Dombau-Komitee", nach heutigem Sinn, gründete die „Opera del Duomo" Reiche Einkünfte aus den Wäldern von Cosentino wurden diesem Werk zugewandt, Steuern von den Bürgern der Stadt erhoben. Außerdem spendeten die Florentiner noch reichlich in die Opferkästen, denn der neuerstandene Dom war die Angelegenheit aller, auch des ärmsten Bettlers. Im Jahre 1334 stand Giotto an der Spitze der „Opera del Duomo".
Der Glockenturm.
Er war es, der den Neubau des Campanile bestimmte, und zwar an der entgegengesetzten Stelle des alten. So erstand der „Hirtenturm". Außerdem hat wohl Giotto die von Arnolfo entworfenen Pläne der Fassade kurz vor seinem 1337 erfolgten Tode gelindes!. Sein Nachfolger war Pisano, welcher schon die ersten Türen des Baptisteriums begonnen hatte. Aber erst 1350 gestaltete sich der Bau unter Francesco Talentis Leitung in der jetzigen Form. Nicht Alfonso, sondern Talenti sind die größten Schönheiten des Domes, die Weite seines Schiffes, der stolze Schwung seiner Wölbung zuzuschreiben. Talenti erneuerte sogar noch einmal die Fundamente des Baus, und wenig blieb von Alfonsos ursprünglichen Plänen übrig.
Die erste Säule im Kirchenschiff wurde 1357 unter Triumphgesängen beim Klange der Orgel oder der Glocken feierlich eingeweiht. So war nach und nach die ehemalige „Santa Reparata" bis auf den letzten Stein verschwunden. Ein Bild ist aus ihrer Zeit bis in die heutige herübergerettet worden, die „Madonna del Popolo", die am Fest Mariä Lichtmeß alljährlich feierlich gezeigt wird. Ende des 14. Jahrhunderts war der Dom so weit hergestellt, daß die Signoria an die Errichtung würdiger Grabstätten ihrer größten Landsleute in dem Bauwerk dachte. Der größte Sohn der Stadt Florenz, der in der Verbannung gestorben ist, Dante, sollte im Tode heimkehren und neben Petrarca und Boc
caccio ruhen. So plante es die Signoria. Aber Ravenna gab den Toten nicht heraus, dem es zu Lebzeiten Zuflucht und zweite Heimat geworden.
Die Vollendung.
Um 1420 rief ein Preisausschreiben zur Vollendung des Baus auf. Entwürfe für eine Kuppel sollten vorgelegt werden. 200 Florins wurden für den schönsten Plan geboten. Viele Künstler bewarben sich darum, und es wurde über den Modellen und den Plänen beraten. Vasari berichtet uns, wie Brunelleschi alle Bedenken bei Seite schob und die ungeheuren Schwierigkeiten der Konstruktion mit seinem kühnen Plan überwand Welch eine Zeit damals! Ghiberti arbeitete in diesen Jahren an den Türen des Baptisteriums, D 0 n a t e l l 0 , Lucca della Robbia schufen ihre Kunstwerke. Als die Kuppel nahezu vollendet war, forderte ein neues Preisausschreiben zu ihrer letzten Vollendung, mit Türmchen und Kugel, auf. Unter denen, die ihre Entwürfe einreichten, war auch eine Frau, Gaddi mit Namen. Aber wieder kam Brunelleschi allen anderen Bewerbern zuvor. Die Kuppel „una si terri- bile Volta“, war beendet. Michelangelo nahm die Erinnerung daran nach Rom mit.
Aeußerlich verschwenderische Pracht, innen fast ernüchternde Strenge sind das Charakteristikum von Santa Maria del Fiore. Selten sind die Kontraste so plötzlich, so überraschend wie in diesem Bauwerk. Aber beides: verschwenderische Pracht und nüchterne Strenge sind dem Genie der Florentiner eigentümlich. Aus dem Herzen florentinischer Geschichte und Kunst emporgewachsen, steht der Dom vom modernen Leben unserer Tage umflutet, immer noch „unberührt und unbeschädigt da, ein Gedicht und Gebet zugleich, so majestätisch in seiner Kraft und doch von so zarter Schönheit, daß ihm kein anderes Bauwerk vergleichbar ist." C. K.
„Die unmögliche Frau."
Diesen Film schrieb Thea von Harbou nach dem Roman von Mia Fell mann für die Europa; man merkt ihm weniger die literarische Herkunft als die Machart, wenn man so sagen darf, der Frau von Harbou an: das Großzügig- Romantische und das etwas filmhaft Unwahrscheinliche der Fabel, die im Aufbau aber eine leichte und geschickte Hand verrät und auch das richtige Mischungsverhältnis für einen fließend unterhaltsamen, stellenweise sogar richtig spannenden Spielfilm zustande bringt. Die „unmögliche Frau" ist eine noch junge, schöne und ehrgeizige Dame, Besitzerin und Leiterin einer großen, rumänischen
Ölraffinerie. Der mit allen Mitteln eines rücksichtslosen Wirtschaftskrieges geführte Kampf um die Ausbeutung des Werkes geht Hand in Hand mit dem Kampf um die Hand der „unmöglichen" Besitzerin. Auf der Gegenseite stehen ein märchenhaft reicher und mächtiger Oelmagnat und, als sein gefügiges und gewissenloses Werkzeug, der Direktor der Raffinerie, den jener vor dem Zuchthaus gerettet und völlig in der Hand hat. Dieser Direktor sabotiert mit allen Kräften die tüchtige und erfolgreiche Arbeit eines begabten jungen Ingenieurs, den Jleana, die „unmögliche Frau", sich aus Deutschland verschrieben hat. Daß sie gar nicht so unmöglich ist, wie sie tut und geschildert wird, daß sie nicht nur ein sachlicher Chef, sondern auch eine schwache, von uneingestandener Liebe und Eifersucht gequälte Frau ist, ahnt man bald; aber das zeigt sich erst recht, als der Kampf um das Werk schon auf dem Höhepunkt angelangt ist und sich fast gegen Jleana — in doppeltem Sinne — entschieden hat. Erst als der junge Deutsche durch erfolgreiche eigene Ölbohrungen der brutalen Konkurrenz die gefährlichste Waffe entwunden und dann das Werk unter persönlichem Einsatz vor einer Explosionskatastrophe größten Ausmaßes gerettet hat, läßt Jleana die Maske fallen und gibt ihre unnatürliche Zurückhaltung auf. Dorothea Wieck, die wir lange nicht mehr im Film gesehen haben, ist eine überaus geeignete Darstellerin für diese Rolle: sehr gepflegt und apart, sehr kühl und verhalten; aber man spürt bald unter der Maske unpersönlicher, nüchterner Sachlichkeit ein warmes und ganz weibliches Gefühl. Gustav Fröhlich aibt den jungen Ingenieur, wie er schon viele Rollen gegeben hat: draufgängerisch, ehrlich und anständig, mit einem frisch ' zupackenden Temperament. Edwin Jürgensen spielt den unheimlichen Magnaten auf der Gegenseite, eine etwas romanhafte Figur, gemildert durch Eleganz und weltmännische Umgangsformen. Gut auch Harry Hardt als Jleanas „Finanzminister"; allerdings ist er durch zahlreiche ähnlich geartete Aufgaben in seinem Spielstil von vornherein einigermaßen feftgelegt. Gina Falckenberg, Henckels und Schur sind vom Ensemble noch zu nennen. Johannes Meyer unterstreicht in seiner Spielführung die verschiedenartigen, dramatisch wirksamen Elemente und gibt durch eine Reihe cha- rakteristischer Landschaftsaufnahmen dem Stück seine eigentümliche Szenerie. — Der Film lief bei gutem Besuch am zweiten Feiertag im Lichtspielhaus an. Das Beiprogramm bringt ein drastisches Lustspiel „Wenn einer eine Reise tut", interessante Bilder aus Barcelona und die neue Ufa-Wochenschau.
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Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
GiebenbürgerZugend als Gäste der Gießener Hitlerjugend.
Am Ostersonntag kamen Bauern- und Handwerkersöhne und -töchter aus dem rumänischen Siebenbürgen auf ihrer Fahrt durch unser Gaugebiet auch nach Gießen, wo sie am Bahnhof von der HI., dem JV. und dem BDM. empfangen und in ihre Privatquartiere geleitet wurden.
Zum Siebenbürgen-Abend am Ostermontag im CafL Leib hatte sich eine große Zahl von Volksgenossen eingefunden, die den Vorträgen, Liedern und Tänzen der Siebenbürger Gäste reichlichen Beifall spendeten. Erfreulich war die zahlreiche Beteiligung der Jugendorgnisationen. Mit dem Einmarsch der Wimpel gab der BDM. dem Abend den Anstrich des Festes. Unterbannführer Taesler vom DJV. entbot den Gästen einen freundlichen Willkommensgruß.
Der Sprecher der Siebenbürger Jugend sprach von den starken Eindrücken, die das Mutterland auf die drei Wochen im neuen Deutschland weilende Jugend gemacht hat. Mit Freude stellte er fest, daß sie von der Jugend des Führers eingeladen sind. Das Erlebnis für sie im deutschen Mutterlande ist groß, aber es muß es auch sein, weil die Siebenbürger ja gekommen sind, um neue Kraft zu schöpfen; denn der anhaltende Kampf um ihre Eigenart und um ihr Volkstum ist nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen. Aber die Siebenbürger sächsische Jugend ist heute wieder fest entschlossen, ihr Volkstum zu verteidigen, arteigene Kultur zu pflegen und das Blut vor jeder Vermischung zu bewahren. Die Ueberbauerung durch acht Jahrhunderte hat den guten Kern dieser Volksgruppe bewiesen. Für ihre Arbeit wollen sie Kraft holen im Reiche. Wo keine Aufgabe ist, da ist fein Leben. Die Jugend spürt aber noch etwas von dem alten Kolonistengeist der Vorfahren in ihren Adern und wird sich behaupten. Wenn sie auch in einem fremden Lande wohnen müssen, so bleibt aber eins,
die deutsche Seele, die die Siebenbürger mit dem Mutterlande und Volke verbinden.
Mit einigen Liedern brachte die Jugend ihr Sinnen und Trachten, den Willen zum Kampf und die Verachtung für den feigen Frager, aber auch die Sehnsucht zu dem Lande mit dem Gürtel der Karpathen zum Ausdruck.
lieber den Zug aus der Heimat sprach ein anderer Junge, der eine kurze Uebersicht gab über die Auswanderung vor 800 Jahren, bei der Deutsche von der Mosel, aus Flandern, Luxemburg und der Eifel in jene Lande an den Karpathen zogen. Ihr Lebenstrieb und ihr Lebensdrang waren ihnen Leitsterne, und wie die Vorfahren sich zäh gegen die Anstürme der Asiaten behaupteten, so stehen heute ihre Nachkommen fest verwurzelt in ihrem Volkstum auf Vorposten. In erster Linie will die Jugend den großdeutschen Gedanken vertiefen.
Einige Volkstänze, die durch die in ihrer Heimattracht erschienenen Mädels und Jungen verständlich wurden, leiteten über zu einem neuen Hinweis auf das fruchtbare und ertragreiche Land, die Eigenart der Bauweise, die in erster Linie eine fränkische ist, und auf die Sitten und Gebräuche, die die Pflanzstätten des reinen Volkstums blieben. Einige Volkstänze, kurze Anekdoten, die tiefen Humor der Siebenbürger kennzeichneten, und Mundartlieder füllten den Abend, der mit einem Hinweis auf die ernste Lage der Siebenbürger aus Menschenbergers Buch „Die Stadt im Osten" und des Siebenbürger Heimatdichters Arnold Roth trutzigem Lied von der Wacht im Osten beschlossen wurde.
Noch einmal dankte der Sprecher und sprach von der Aufgabe, die die Jugend sich gesetzt hat und die beherrscht wird von der Volksdeutschen Idee.
Bannführer Schreiber gab den Gästen Grüße an ihre Heimat mit. Mit dem Liede der Hitlerjugend wurde die Volksdeutsche Feierstunde beendet.
W.87 Drittes Blatt
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Bericht
Aus der Provinzialhauptstadt.
Oie Schlüsselblume.
Wenn die linden Frühlingslüfte wehen, die Lerche ihr hoffnungsfrohes Lenzlied ertönen läßt und die Wiesen und Saatfelder sich lichtgrün zu färben beginnen, erscheinen auch die ersten Boten des Frühlings aus der Pflanzenwelt. Da sie den ersten Schmuck in der Natur bilden, werden diese ersten Kinder Floras mit ihrem Weiß und Rot und Gelb und Blau von jung und alt mit besonderer Freude begrüßt.
All diesen ersten Frühlingsblühern werden feit alten Zeiten wirksame Kräfte zugeschrieben. Insbesondere ist es die Schlüsselblume, die Krankheiten bannen und Wunderdinge verrichten kann. Sagt doch ein alter Spruch von ihr:
„Die Schlüsselblume wärmt, sie trocknet und erweicht, stillt Schmerzen, in dem Schlag sie bald ein Mittel reicht,
vertreibt die laufende Gicht, zu böser Tiere Biß hält man die Schlüsselblume für köstlich und gewiß!"
Auch heute noch finden ihre Wurzeln, Blätter und Blüten in der Volksheilkunde Verwendung. Der Tee aus ihnen ist schwachreizend und schweißtreibend und leistet gute Dienste gegen Gicht, Rheuma- tismus, Schwindel, Migräne und Brustbeschwerden. Er wirkt schmerzstillend und beruhigend und ist auch als Dorbeugungsmittel bei Anlagen zu den genannten Krankheiten zu empfehlen. In manchen Gegenden wird die Schlüsselblume auch Schlagkraut genannt, weil ein Absud aus den Wurzeln heilsame Säfte gegen Schlaganfälle enthalten soll.
Ein Pulver aus den Blüten, die in der Nackt vom 30. Ostermond zum 1. Wonnet zu pflücken sind, gilt im Osten unseres Vaterlandes als gutes Mittel gegen Viehkrankheiten aller Art. Auch als Schatz- fraut findet sie Verwendung. Junge Mädchen lassen drei Blütenschäfte aus fließendem Wasser schwimmen. Je nachdem sie bald oder später oder aar nicht beieinander kommen, tritt der Bund fürs Leben ein. Im Mittelfränkischen schließt man aus der Länge der Blütenstiele auf den Wuchs und Sommerfrucht.
Vereinzelt werden indes der Schlüsselblume auch böse Kräfte nachgesagt. So sollen junge Gänse schon durch den Geruch der Blüten leiden und beim Fressen zugrunde gehen.
lieber die Herkunft des „Himmelsschlüssels" weiß die Volkssage nach Reichard folgendes zu berichten: „Als einst vor der hohen Himmelstür der Pförtner Petrus vernahm, daß man sich Nachschlüssel gemacht habe, um ein Hinterpförtchen am Himmelsdome zu erschließen, entfiel ihm vor Schrecken der ganze Schlüsselbund und sank von Stern zu Stern bis tief hinab in die Erde. Schnell sandte er ihm einen Engel nach, daß er ihn aufhob und zurückbringe. Doch ehe dieser den Befehl auszuführen vermochte, hatten die goldenen Schlüssel bereits den Erdboden erreicht und sich eingedrückt, und aus ihnen empor war eine goldene Blume gewachsen, die der Erde bereits den Frühlingshimmel erschlossen hatte. Zwar nahm der Engel wieder die Schlüssel mit fort, doch ein zarter Abdruck blieb zurück, und iji jedem Jahre sprossen die Schlüsselblumen von neuem empor und erschließen uns den Blumenhimmel des Frühlings."
i Dornoiizen.
Tageskalender für Dienstag.
NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.45 Uhr fröhliche Gymnastik und Spiele im Lyzeum; 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr (nur für Frauen) Schwimmen im Volksbad. — Stadttheater: 20 bis 23 Uhr „Tiefland". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Favorit der Kaiserin". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die unmögliche Frau".
Stadttheaker Gießen.
Heute, von 20 bis 23 Uhr, erste Wiederholung von „Tiefland", Oper von Eugen d'Albert. Musikalische Leitung: Paul Walter; Spielleitung: Paul , Wrede. 26. Dienstag-Abonnement.
Der Nom von Florenz.
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Zur Fünfhundertjahrfeier seiner Einweihung.
In diesen Tagen feiert Florenz den fünfhundert- jährigen Gedenktag der Einweihung seines Domes durch Papst Eugen IV. Alle, die dieses stolzeste Denkmal Florentiner Renaissance kennen, werden sich in diesen Tagen sein Bild vergegenwärtigen, werden ich, rückblickend, des Tages erinnern, da sie zum ersten Male feine Kuppel in ihrem köstlich lichten 3raun, in unvergleich harmonischer Wölbung über Florenz stehen sahen, das Stadtbild zu wundervoller Geschlossenheit krönend. Sie werden sich der Stunde zinnern, da sie, durch das Gewirr der Gassen zu ihm gelangend, den Dom zum ersten Male betraten Vielleicht war es damals gerade Abendzeit. Dämmerung und Kühle im Raum, der durch seine Weite and Strenge überrascht — ein „gefrorener See" nennt ihn Ruskin. Kerzen sind eben gelöscht, und ter Dunst des Weihrauchs steht in der Wölbung les Schiffes wie ein blauer Schleier. Auf dem Mar- norboben spielt ein letzter tiefgoldener Sonnenstrahl. Der Fuß des Eintretenden zögert am Portal des Domes, wenn man zum ersten Male mit einem großen Kunstwerk in Berührung kommen soll. Und in diesen Minuten des Zögerns vergegenwärtigt man sich noch einmal feine Geschichte.
Die alte Kirche.
An dieser Stelle erhob sich einst ein viel älteres Heiligtum, Santa Reparata. Seine Geschichte geht in los frühe Mittelalter zurück. Die Legende erzählt con einer syrischen Heiligen, der zu Ehren die Kirche errichtet worden ist. Die ersten Dokumente stammen ous dem achten Jahrhundert. In diese Zeit fällt der besuch eines hohen Gastes aus dem Norden: Karl d?r Große hat hier eine Weihnacht gefeiert. Dante trat für die Freilegung der bürd) ein Hospital beengten Santa Reparata und des Baptisteriums, des cd« ihm gepriesenen „Bel San Giovanni", ein.
Das Siegesmal.
Santa Reparata muß nach allen Berichten eine frjöne Kirche gewesen sein. Ende des dreizehnten Jahrhunderts wurde sie baufällig, eine gründliche Jteftauration hätte sie wohl wieder in alter Schön- I jieit hergestellt. Die Guelfen aber, nach dem Sieg Dom Campeldino Herren der Stadt und von Stolz a, schwellt über den am Boden liegenden ghibellini- fdten Feind, beschlossen, diesem Sieg ein unsterbliches Dsnkmal zu setzen. Sie wollten eine neue Kirche errichten, die alte Reparata genügte ihrem Triumph- glfühl nicht mehr. Es sollte an ihrer Stelle das „erhabenste, prächtigste Gebäude entstehen, das
Oster-Enttäuschung.
Wer an dem herrlichen Karfreitag mit seinem prächtigen Frühlingswetter die Hoffnung gehegt hatte, zu Ostern werde uns vom Wettergott ein gleiches schönes Festtagswetter beschert werden, der erlebte bereits am Ostersamstag eine arge Enttäuschung. Statt Sonnenschein und linder Frühjahrsluft erlebten wir an diesem Tage bei zeitweisem Schneeregen und Graupeln ein Wetter, das mehr nach Winter, als nach Ostern aussah, einen gut geheizten Ofen zur besonderen Annehmlichkeit machte und vielen Männern und Frauen Anlaß gab, beim Gang in den Straßen wieder den Wintermantel zu Ehren kommen zu lassen. N'cht viel besser zeiate sich der erste Osterfeiertag. Wenn er auch in Gießen und in der nächsten Umgegend keine Neuauflage des Schneeregen- und Graupelwetters vom Tage vorher brachte, so wartete er doch, wie fein Vorgänger, auch mit einer Temperatur auf, die das Verweilen in der schön geheizten Stube entschieden angenehmer machte, als einen Gang ins Freie. Und so kam es denn auch, daß am ersten Feiertag der Spaziergängerverkehr und die Zahl der Eisenbahn- ober Kraftpostaus- flügler nach ber Umgegenb verhältnismäßig gering waren unb manche Ausflugs-Gastwirte eine arge Enttäuschung erlebten; vom Morgen bis zum Abenb erwies sich ber ganze erste Feiertag als eine Niete. Etwas besser ließ sich ber gestrige zweite Feiertag an, ber am Vormittag unb am Nachmittag einige Stunden lang von Hellem Sonnenschein erfüllt war unb infolgebessen stärkeren Verkehr ber Spaziergänger unb ber Eisenbahnausflügler brachte, aber hinsichtlich seiner Temperatur auch noch mancherlei Wünsche unerfüllt ließ. So haben wir benn an ber Feiertagsbescherung bes Wettergottes mit gutem Grunb allerlei Mängel festzustellen unb zu
registrieren, baß bie Dfterfeiertage als Ganzes gesehen uns eine Enttäuschung gebracht haben.
Die Reichsbahn hatte schon von Mitte voriger Woche ab im Fernverkehr großen Betrieb zu verzeichnen. Von Mittwoch ab bis zum Samstag, wo ber Fernreiseverkehr seinen Höhepunkt erreichte, mußten sogar mehrere Sonberzüge gefahren werben, ba ber planmäßige Zugverkehr ben Anbrang ber Reisenden nicht vollständig aufnehmen konnte. Der Rückreiseverkehr hat seit gestern abenb roieber lebhaft eingesetzt. Im Ausflugsverkehr nach ber näheren Umgebung war bagegen ber Betrieb an beiben Feiertagen sehr gering’ eine natürliche Folge bes ungünstigen Wetters. Die Polizei unb bie Sanitätskolonne vom Roten Kreuz berichten gleichfalls von fast völliger Feiertagsruhe, ba auch bei ihnen fast keinerlei Inanspruchnahme auftrat. Die Gottes- bienfte in unseren Kirchen waren an beiben Feiertagen gut besucht.
Neue Naturschutzverordnung zum Schuhe der wild wachsenden Pflanzen und der nicht jagdbaren wild lebenden Tiere.
Die Naturschutzbewegung hat in diesen Tagen einen neuen, bemerkenswerten Fortschritt erzielt. Nachdem im Juni vergangenen Jahres das Reichs- naturfchutzgesetz erlassen wurde, ist nunmehr eine Naturschutzverordnung ergangen, die sich mit dem Schutz der wild wachsenden Pflanzen und der nicht jagdbaren wild lebenden Tiere, insbesondere den Angehörigen der Dogelwelt, beschäftigt. Die Verordnung erschien gerade zur rechten Zeit, um unserer Frühlingsflora den ihr so notwendigen Schutz zu sichern.
So ist es beispielsweise für jedermann verboten, Schachblumen, die gelbe Narzisse, Küchenschellen aller Art und Seidelbast zu pflücken oder zu be-


