Ausgabe 
14.1.1936
 
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Moskau rüstet die Armee -er Weltrevolution.

Molotoff vor dem Hauptvollzugsausschuß über die Außenpolitik der Sowjetunion.

Man hat sich daran gewähnt, daß sowjetrussische Politiker Reden halten, die zu den wahren Absichten der bolschewistischen Weltanschauung in schroffem Widerspruch stehen. Der Vorsitzende des Rats der Volkskommissare hat es für notwendig gehalten, sich mit den angeblichen Richtlinien der deutschen Außenpolitik auseinanderzusetzen. Seine Rede war, ein Musterbeispiel der politischen Verschlagenheit, eine einzige rhetorische Bemühung, den wahren Sach­verhalt zu verschleiern, die Probleme zu verdunkeln und einen Frieden zu propagieren, hinter dem die ewige Gefahr der Weltrevolution lauert.

Wenn man Molotoff über die außenpolitischen Verdienste der Sowjetunion plaudern hört, könnte man allen Ernstes glauben, er sei ein überzeugter und fanatischen Anhänger des Weltfriedens, ein Mann, der die Auswüchse des Kapitalismus aus idealistischen Beweggründen haßt und die armen Abessinier aus rein humanen Motiven unter die Fittiche seines Mitleids nimmt. Wer aber zwischen den Zeilen zu lesen versteht, wird klar erkennen, daß auch diese Rede nichts anderes gewesen ist als ein getarntes Bekenntnis zum Gedanken der Welt­revolution. Da der Angriff die beste Verteidigung ist, hat sich Molotoff dazu hinreißen lassen, dem neuen Deutschland außenpolitische Motive unterzu­schieben, die völlig aus der Luft gegriffen sind.

Molotoff behauptet, daß die deutsche Regierung aggressive Absichten und Eroberungspläne" habe, die sich gegen die Sowjetunion richten. Er ist im Irrtum, wenn er glaubt,daß die Machthaber Deutschlands die Augen naiver Leute von gewissen Eroberungsplänen dadurch abzulenken versuchen, daß sie sich auf das Fehlen einer gemeinsamen Grenze zwischen Deutschland und der Sowjetunion berufen/' Solche Ablenkungsmanöver sind in Deutschland aus dem einfachen Grunde überflüssig, weil hierzulande niemand auch nur im Traum dar­an denkt, in Rußland einmarschieren zu wollen, um vielleicht die sowjetrussische Bevölkerung zum Gedanken des Nationalsozialismus zu bekehren. Die Annahme des Herrn Molotoff ist so absurd und an den Haaren herbeigezogen, daß es sich gar nicht lohnen würde, sich mit ihr zu beschäftigen, wenn sie nicht ein plumper psychologischer Trick wäre. Ruß­land will der Welt suggerieren, daß es vom natio­nalsozialistischen Deutschland schwer bedroht ist, um die tatsächlichen Beweggründe für feine unge­heuren Ausrüstungsbestrebungen zu verschleiern.

Um demWeltfrieden" dienen zu können, sind die owjetrussischen Machthaber unermüdlich an der Ar­beit, die Rote Armee zu einem internationalen Kampfinstrument erster Ordnung auszubilden. Die ungeheuerliche Steigerung der bolschewistischen Rüstung wird auf Kosten der Untertanen der Sowjetrepublik erzielt. Die Regierung läßt Millionen verhungern, während sie Ge­treide der russischen Muschiks enteignet, um dieses Gtreide auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Die ge­waltige Steigerung der Getreideausfuhr müssen die Bolschewisten mit Hunger, Elend und Tod bezahlen. Ueber die Zustände im Sowjetparadies ist so viel bekanntgeworden, daß sogar die Sowjetregierung nicht die Stirn hat, die Tatsachen abzuleugnen. Sie rüstet auf, während sie überall, z. B. in Paris, um Anleihen bettelt. Sie weiß deshalb. Denn die Sowjetarmee wird für ben Angriff bereit» gemacht, und im Angriff liegt die Zielsetzung der

Kolonien stellen würden, fturbie Sowjet­union habe sich im Ostafrikakonflikl auf einen besonderen prinzipiellen Standpunkt gestellt, dem jeglicher Imperialismus und jegliche Poli­tik des Kolonialraubes fremd fei. Diese Politik der Sowjetunion, die sie von anderen V ö l k e r b u n d s m i t g l i e d e r n trenne, werde noch große Früchte tragen. Ls gebe viel Anlaß zur Kritik am Völkerbunde. Man müsse auch zugeben, daß er zur Verhütung des ost­afrikanischen Krieges nichts getan habe. Man könne aber die Tatsache nicht verkennen, daß der Völkerbund in diesem Falle nicht die­jenigen behindert habe, die dem Friedenswerk dienten, sondern diejenigen, die dem Angreifer

Helsen wollten.

Der italienisch-abessinische Krieg zeige, daß die Gefahr des Weltkrieges immer mehr wachse, immer mehr Europa erfasse. Die kapi­talistischen Staaten glaubten selbst nicht an die Möglichkeit eines bedeutenden Wachsens ihrer

Bolschewistische Verschleierungskünste.

Englische Zeitungen berichten von Schwierigkeiten in Südtirol.

Kräfte auf der Grundlage der Entwicklung ihrer inneren Grundkräfte. Japan und Deutsch­land, und jetzt auch Italien seien entweder schon jetzt in den Vordergrund eines, neuen Zusam­menstoßes zwischen denimperialistischen Mächten der ganzen Welt" hinausgetreten oder sie seien bereit, in nächster Zukunft hinauszutreten. Es gebe keinen kapitalistischen Staat, der nicht durch die Aktivität der Außenpolitik der erwähnten drei Mächte be­rührt wäre.In dieser internationalen Situation", erklärte Molotoff im Tone dunkler Drohung,ist die Verantwortung der Sowjetunion besonders groß. Wer sich in einen neuen im­perialistischen Krieg verwickelt, kann sich auch noch vor der Verwirklichung seiner Ursur- pationspläne den Hals brechen. Nicht ausgeschlossen ist, daß die Hoffnung der imperiali­stischen Cliquen auf die Passivität der Volksmassen im unerwartetsten Augenblick zusammenbrechen könnte, wie es auch schon früher zu geschehen pflegte. Uns Bolschewiken ist es nicht schwer, ein derartiges Streben der Dolksmassen zu verstehen."

bolschewistischen Politik schlechthin. Wenn sie in Genf mit Friedensphasen um sich wirft und die anderen Völker daraus hereinfallen, so wird die Teufelsfaust der Weltrevolutionierung sofort zum Vorschein kom­men, wenn die Rote Armee stark genug ist, um zum Angriff auf die bestehende Ordnung schreiten zu können.

Schon heute ist die Rote Armee vielleicht die stärk st e der Welt. Im Kriegsfälle kann schon jetzt Sowjetrußland mindestens zehn Millio­nen Mann, die nicht älter als 32 Jahre sind, auf die Beine stellen. Davon sind 8,5 Millionen aus­gebildete Reserven und 1,5 Millionen bilden das aktive Heer. Hinzu kommen aber noch die ungefähr 200 000 Mann zählenden Angehörigen der GPU., die in Panzerkraftwagen-Abteilungen, Fliegerge­schwadern, Schützen- und Kavallerieregimentern organisiert sind. Mit der Roten Armee ist die Ossoaviachim" vereinigt, dieGesellschaft zur För­derung der Landesverteidigung, des Flug- und Gaswesens". Die Mitglieder dieser Gesellschaft wer­den in allen denkbaren militärischen Waffen aus­gebildet und ihre Zahl wird auf nicht weniger als 13 Millionen angegeben. Das unerschöpfliche Men­schenmaterial der Sowjetrepubliken wird also voll­kommen durchmilitarisiert und nach einem einheit­lichen Willen gelenkt. Da dieser Wille auf den Um­sturz gerichtet ist, sind die Folgerungen für jede nichtbolschewistische Regierung selbstverständlich.

Die ungeheuerliche Frechheit der Anschuldigung' gegen Deutschland wird noch deutlicher, wenn man bedenkt, daß die Sowjetunion das Monopol, sich in die innerpolitischen Verhältnisse anderer Staaten einzumischen, für sich und ihre weltrevolutionären Zwecke gepachtet hat. An allen Ecken und Enden in Europa und Ueberfee kommunistische Versuche, die bestehende Ordnung durch gewalttätige Mittel zu erschüttern, und ein allgemeines Chaos herauf­zubeschwören. An allen Ecken und Enden Unfrie­den, blutiger Hader und unbeschreibliche Verwir­rung, einzig und allein durch das gewissenlose Trei­ben sowjetrussischer Propagandazentralen. Herr Mo­lotoff aber, der diese Vorgänge entweder ignoriert oder als harmlose Bagatellen mit überlegener Ge­bärde beiseite schiebt, spricht mit verlogenem Pathos von der sowjetrussischen Friedensliebe:Wir müs­sen unsere Rote Armee auch fernerhin stärken und im Vereine damit jede Möglichkeit ausnützen, um den Frieden zu unterstützen und die Werktätigen aller Länder über unsere besondere prinzipielle Li­nie in der internationalen Friedenspolitik aufzu­klären." Was würde Herr Molotoff dazu sagen, wenn das neue Deutschland die Absicht hätte,die Werktätigen aller Länder über die prinzipielle Li­nie der nationalsozialistischen Politik aufzuklären"? In schärfstem Gegensatz zu den Propagandametho­den der Sowjetunion hat der Führer immer wie­der betont, daß Deutschland einzig und allein von dem Gedanken geleitet ist, den inneren Aufbau nach Kräften zu fördern und zu allen anderen Staaten friedliche Beziehungen zu unterhalten. Das natio­nalsozialistische Deutschland hat durch fein Verhal­ten praktisch bewiesen, daß dieses Programm kein leeres Gerede ist, während die Sowjetunion trotz ihrer ewigen Friedensbeteuerungen immer wieder von neuem den Versuch unternimmt, die Bevölke­rung fremder Staaten bolschewistisch zu verseuchen.

daß Sie, mein Führer, doch recht bald z« uns t o m m e n mögen. Ihr getreuer Bürckel."

Der Führer und Reichskanzler hat hier­auf mit folgendem Telegramm geantwortet:

Ihre Grüße erwidere ich herzlichst in dank­barer Erinnerung an die vorbildliche Haltung des Saarvolkes während der Jahre der Fremdherrschaft und im treuen G e - denken an das überwältigende Be­kenntnis zum deutschen Volk und Va­terland, das die Saarländer heute vor einem Jahr abgelegt haben. Adolf Hitler."

Saarbrücken wird Hochschulstadi.

Berlin, 13.Jan. (DNB.) Aus Anlaß der Jah­resfeier der Saarlandbefreiung gibt Reichserzie- hungsminister Rust bekannt, daß die Stadt Saarbrücken zum Herbst 1936 eine Hoch­schule für Lehrerbildung erhält. Damit übernimmt das Saaroolk, das sich' vor einem Jahr in einzigartiger Weise zum Deutschtum bekannt hat, die Aufgaben, an der Heranbildung des national­sozialistischen Erziehernachwuchses mitzuwirken. Die neue Hochschule soll ein Mittelpunkt des kulturellen Lebens im Saarlande wer­den und den Geist des neuen Deutschland im äußersten Westen des Reiches verkörpern.

Bann des 43. Januar/

Saarbrücken, 13. Jan. (DNB.) Am Jahres­tage des Abstimmungssieges hielt die HI. des Ge­bietes 25 Pfalz-Saar ihre Jahrestagung ab. Reichs­innenminister Dr. Frick richtete dabei an die Ju­gend etwa folgende Worte: Die deutsche Jugend ist unser kostbarstes Gut; denn auf ihr ruht die Zu­kunft der Nation. Ihr als Führer dieser Jugend neben dem Elternhaus, der Schule und der Kirche, habt eine ungeheure Aufgabe und Ver­antwortung. Für diese Aufgabe müssen wir aber in Anspruch nehmen die alleinige Zuständigkeit der HI. Wir müssen hier den absoluten Tota­lität s a n s p r u ch des nationalsoziali­stischen Staates geltend machen. Die neu zu schaffende Staatsjugend wird die Aufgabe haben, die deutschen Jungen und die deutschen Mädel zu guten Reichsbürgern zu erziehen. Nie­mand wird künftig im nationalsozialistischen Staat Beamter werden können, der nicht in die Schule der HI. und der Staats­jugend gegangen ist.

Stabsführer Lauterbacher erklärte bann: Heute und in den kommenden Jahrhunderten wür­den wir uns des Abstimmungstages an der Saar erinnern, denn er sei ein Tag der großen Volksverbundenheit und Kamerad­schaft. Lauterbacher gab im Auftrage des Reichs­jugendführers dem Bann 70 Saarbrücken den Ehren­namenBann des 13. Januar".

Aulobusunglück im Saargebief.

Im Saargebiet fuhr auf dem Wege zum Erinne- rungsmarfch ein mit etwa 40 Teilnehmern in der traditionellen Uniform der Deutschen Front besetzter Autobus infolge Versagens der Bremse in der sog. Spieser-Hohl gegen eine Vorbautreppe. Dabei wur­den die Insassen herausgeschleudert, sieben schwer und zwölf leicht verletzt. Die Verletzten wurden in Neunkirchener Krankenhäusern untergebracht.

Nie Brotversorgung.

Eine Entschließung der Reichsarbeits­gemeinschaft für Brotversorgung.

Berlin, 13. Jan. (DNB.) Die Reichs­arbeitsgemeinschaft für Volksernäh­rung hat folgende Entschließung gefaßt: Das Brot spielt auch heute noch in der Volksernäh­rung eine sehr wichtige Rolle. Gegenüber der Vor­kriegszeit ist der Brotverbrauch nicht un­bedeutend z urücfgegangen. Das hängt zum großen Teil mit der infolge der anders gearte­ten Arbeitsverhältnisse und -zeiten auch ver­änderten Lebensweise zusammen. An die Stelle des Brotes sind teilweise andere Nah­rungsmittel getreten, die aus dem Auslande bezogen werden. Daher ist es notwendig, den Brotverbrauch wieder zu steigern.

Die Reichsarbeitsgemeinsckaft für Volksernährung hat die Fraae der Brotversorgung in v o l k s g e - fundheitlicher Beziehung eingehend er­örtert. Da zuweilen nach Auffassung der Verbrau­cherschaft die Güte des Brotes zu wünschen übrig läßt, hält es die Reichsarbeitsgemeinschaft für erforderlich, der Verbesserung des Brotes erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Eine Werbung zum vermehrten Brotverbrauch kann nur dann von dauerndem Erfolg fein, wenn dem Ver­braucher überall und jederzeit ein schmackhaftes, be­kömmliches, also gutes Brot zur Verfügung steht. Es wird notwendig fein, sowohl in der Müllerei bei der Mehlherstellung als auch in der Bäckerei darauf bedacht zu sein, durch Ausnutzung aller vorhandenen Möglich­keiten zur Qualitätsverbesserung beizu­tragen. Die Reichsarbeitsgemeinschaft ruft die zu­ständigen Fachgewerbe auf, unter Heranziehung aller Kräfte auf wissenschaftlichem und praktischem Gebiet sofort die Arbeit aufzunehmen und dem Volke und der Volksernährung mit dem besten Brot zu dienen.

Richtlinien für die Veranlagung zur Einkommensteuer.

Berlin, 13. Jan. (DNB.) Der Reichsminister der Finanzen hat eingehende Veranlagungsricht­linien zur Einkommensteuer und Kör­per s ch a f t s ft e u e r für 1935 herausgegeben. Die Frist für die Abgabe der Steuererklärungen ist auf den Zeitraum vom 1. bis 29. Februar 1936 fest­gesetzt. Die Vordrucke für die Steuererklärung gehen den Steuerpflichtigen in der Zeit vom 10. bis 31. Januar 1936 zu. Eine allgemeine Ver­längerung der Erklärungssrist über den 29. Februar 1936 hinaus wird nicht stattfinden. In einzelnen begründeten Ausnahmefällen kann jedoch das Finanzamt die Steuererklärungsfrist verlängern, und zw^r bei der Einkommensteuer bis zum 30. April

Für die Gewerbetreibenden sind von besonderer Bedeutung die Anweisungen über die Behandlung der sogenannten kurzlebigen Wirtschafts­güter des Anlagevermögens. Die Liste der kurzlebigen Wirtschaftsgüter gilt bis auf weite­res fort, sie ist nur in einzelnen Punkten er- gänzt worden. Gleichzeitig ist noch klargestellt worden, daß die Gewerbesteuer bei der Er­mittlung des gewerblichen Gewinns abzugs- f'ä h i g ist. Durchschnittssätze werden für 1935 für nichtbuchführende Gewerbetreibende nicht ausgestellt, sondern, wie bisher, Richtsätze. Dom 1. Januar 1936 ab werden Ledige im Alter von mehr als 65 Jahren für ine Einkommensteuer nicht mehr als ledig behandelt werden. Sie haben die Einkommensteuer nach den Sätzen für kinder­los Verheiratete zu entrichten. Für die Veran­lagung für 1935 gilt ober noch die alte Regelung, wonach sie als ledig gelten.

Moskau, 13. Jan. (DNB.) Vor dem Haupt- vollzugsausschuß erklärte der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare, Molotoff, daß die Be­ziehungen der Sowjetunion zu anderen Ländern im verflossenen Jahre im allgemeinen normal ge­wesen feien. Die Sowjetregierung wie auch die Re­gierungen Frankreichs, der Tschechoslowakei und einiger anderer Staaten haben vom Standpunkt der Sicherung des Friedens in Europa dem Abschluß eines sogenannten Osteuropapaktes befonoere Bedeutung beigemessen, dem nach dem Vorschlag Frankreichs auch Deutschland, Polen, Lettland, Est­land und Litauen beitreten sollten. Wegen des Ent­gegenwirkens Deutschlands und Po­lens hatte aber der Osteuropapakt gegenseitiger Hilfe keinen Erfolg. Dies hinderte jedoch nicht, daß im Mai des vorigen Jahres ein sowjet- russisch-französischer Pakt gegenseitiger Hilfeleistung unterzeichnet wurde. Ferner wurde ein Vertrag gegenseitiger Hilfe zwischen der Sowjet­union und der Tschechoslowakei abgeschlossen. Die Sowjetregierung hat die Beziehungen zu Uruguay abgebrochen, und zwar unter dem Druck brasilianischer, man sagt auch irgendwelcher europäischer Reaktionäre. Wenn man Uruguay Glauben schenkt, so kann man denken, daß die Sow- jetregierueg sich mit nichts anderem als mit den inneren Angelegenheiten Brasiliens und Uruguays beschäftigt hat. Die Sowjetregierung kann aber solche Schritte, mögen sie auch von Uruguay aus­gehen, nicht übersehen, Schritte, die nicht allein in bezug auf die Sowjetunion vollständig unbegründet sind, sondern auch eine unmittelbare Verletzung des Völkerbundspaktes darstellen. Deshalb hat sich das Volkskommissariat des Aeußern an den Völker­bund mit einer Beschwerde über die Handlungs­weise von Uruguay gewandt, das die diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetunion abbrach, oyne vorher den Streitfall an ein Schiedsgericht oder an den Völkerbundsrat zur Entscheidung zu geben, wie dies die Völkerbundssatzungen fordern.

Molotoff wandte sich dann den Beziehungen der Sowjetunion mit Deutschland und Japan zu, die, wie er sich ausdrückte, die besondere Aufmerksam­keit auf sich ziehen.

Ich spreche es direkt aus, erklärte er,daß die Sowjetregierung die Herstellung besse­rer Beziehungen zu Deutschland wünscht als diejenigen, die jetzt bestehen. Dies erscheint uns vom Standpunkt der Inter­essen beider Völker unbestritten zweckmäßig. Molotoff glaubte der Reichsregierung aggressive Absichten und Lroberungspläne vorwersen zu müssen. Trotz dieser angeblich sowjetfeindlichen Außenpolitik habe jedoch die Reichsregierung der Sowjetunion einen Vertrag über die Ge­währung eines Kredites in Höhe von 200 Millionen Mark für fünf Iahre vorge­schlagen, der am 9. April 1935 unterzeichnet wurde. Dieser Kredit sei im allgemeinen er­folgreich realisiert worden. In den letz­ten Monaten habe die deutsche Regierung die Frage eines neuen großen Kredits auf­geworfen, die Sowjetregierung stehe auf dem Standpunkt, daß sie sich nicht weigern werde, auch diesen sachlichen Vorschlag der deut­schen Regierung zu erwägen, da die Entwick­lung handelswirtschasllicher Beziehungen mit anderen Staaten, unabhängig von den dort herrschenden politischen Kräften, der Politik der Sowjetunion entspreche.

In den Beziehungen zu Japan demonstrierte die Sowjetunion ihre Friedensliebe durch das Ab­kommen über den Verkauf der Ostchinefi­schen Bahn.

Auch hinsichtlich aller übrigen praktischen Fragen fand die Sowjetunion bisher einen Weg zur Ver­ständigung mit Japan. Ungelöst bleibt aber d i e Hauptfrage. Japan ist bisher unserem Vorschlag über den Abschluß eines Nichtangriffs­vertrages ausgewichen. Man kann nicht umhin, ein derartiges Verhalten verdächtig zu finden. Die japanische Regierung habe bisher auch auf diese Vorschläge, die eine Prüfung der Grenzzwi­ch e n f ä l l e zum Ziele haben, nicht geantwortet. £s habe daher den Anschein, daßbestimmte Kreise )er japanischen Militärclique" diese Grenzzwischen- älle brauchen, um die Aufmerksamkeit von den Vorgängen in der Mandschurei und in Nordchina abzulenken. Dieses Spiel mit dem Feuer längs un- erer fernöstlichen Grenze hort nicht auf, die japa­nische Militärclique macht sich sowohl unmittelbar als auch über andere Territorien an unsere Grenzen heran."

Japan und Deutschland seien rechtzeitig aus dem Völkerbund ausgetreten, um sich hie Hände reizumachen. Molotoff behauptete zu wissen, daßDeutschland, aufgemuntert von einigen aus­ländischen Mächten, sich vorbereite, eine Herr- chende Stellung an der Ostsee einzu­nehmen". Deshalb müsse sowohl an den Ost- als auch an den Westgrenzen Sowjetrußlands die Ver­teidigung auf die gebührende Höhe gebracht wer­den. Im Laufe der letzten Jahre fei in militärischer Beziehung nicht wenig getan worden. Wir haben eine ftarfe Rote Armee aufgezogen, jetzt müssen wir noch zäher daran arbeiten, damit un- ere gesamte Armee aus ergebenen und ihre Sache bis aufs Letzte könnenden Kämpfern Fliegern, Artilleristen, Chemikern, Tankführern, Schützen und Kämpfern aller anderen notwendigen Waffengat­tungen bestehe. Wir haben für die Befehlshaber der Roten Armee persönliche Dienstgrade einge­führt, um die Bedeutung des führenden Teiles un­serer Armee noch mehr zu verstärken und zu heben. Wir müssen unsere Rote Armee auch fernerhin stärken und die Werktätigen aller Län­der über unsere besondere prinzipielle Linie in der internationalen Friedenspolitik a u f f I ä r e n.

Der Eintritt Sowjetrußlands in den Völker­bund habe keineswegs zu bedeuten, daß fortan kein radikaler grundsätzlicher Unter­schied zwischen der internationalen Politik der Sowjetunion und der Politik der kapitali­stischen Mächte bestehe. Der ltalienisch-abessi- nische Krieg sei ein typisch imperialistischer Krieg. Italien trete als Vorkämpfer für die neue Aufteilung der Welt aus. Unter den kapitalistischen Mächten gibt es keine Mächte, die die Unabhängigkeit Abessiniens oder jeden anderen Landes über die Interessen ihrer eigennützigen Teilnahme an der Austeilung der

London, 13. Jan. (DNB.) Trotz der scharfen italienischen Zementierung der englischen Meldungen über angebliche Vorkommnisse in Südtirol veröffent­licht derE v e n i n g Standard" in großer Auf­machung einen Bericht seines Sonderkorresponden­ten Grice aus Innsbruck, in dem u. a. gesagt wird, daß die Zahl der Männer, die sich der Dienst­leistung in Abessinien durch d i e Flucht nach Oe st erreich entziehen, wachse. Der Bericht­erstatter will viele in der Nähe der italienischen Grenze gelegene Dörfer und Städte von Nordtirol besucht haben und veröffentlicht Aussagen der De­serteure, die unter schwierigen Umständen über d i e schneebedeckte Alpenkette aeflüch- t e t sind. Die Grenzdörfer seien mit Soloaten und bewaffneter Polizei gefüllt. In vielen Teilen würden neue Kasernen errichtet. Besonders scharf sei die Kontrolle am Brennerpaß. Seit dem Aus­bruch des Krieges hätten sich insgesamt mehr als 10000 Deserteure bei den Nothilfe-Verbänden gemeldet, was aus den Listen der Verbände klar yervorgehe.

In der Kaserne in Meran hätten in der Nacht vor ihrem Transport die Leute ihren Offizieren den Gehorsam verweigert und den größten Teil der Einrichtung der Kaserne zertrümmert. Nach Unterdrückung der Revolte seien drei Mann in Haft behalten worden, deren Schicksal nicht bekannt sei; die anderen seien entwaffnet und ohne Gewehre oder Munition zum Zuge befördert worden.

Professor Dr. Reut-Nicolusfi von der Uni­versität Innsbruck habe an den Arbeiten der Not­

hilfe-Verbände hervorragend teilgenommen und u. a. erklärt, daß seit Kriegsbeginn 1700 deutschsprechende Deserteure b i e Grenze überschritten hätten. Kürzlich sei eine vollständige italienische Abtei­lung mit Maschinegnewehren und Gewehren in einem Dorf in Nordtirol eingetroffen, wo sie sich bei der Polizei gemeldet hätte. Dr. Reut habe sich seiner­zeit in Rom gegen die Aushebung von Wehrpflich­tigen in Südtirol gewandt mit dem Vorschlag, sie für Polizeizwecke zu verwenden. Auf die ablehnende Ant­wort des Kriegsministers hin habe Reut erklärt, daß es dann zwar nicht zu einer offenen Revolte oder zu Blutvergießen kommen würde, daß aber viele Leute desertieren würden. Bei dem Abtransport der eingezogenen Reserveoffiziere sei es auf allen Sta­tionen zu Störungen gekommen, in deren Verlauf viele Verhaftungen oorgenommen worden feien.

Die Darstellung desEvening Standard" wird von italienischer Seite entschieden bestritten. Dem Blatt muß daher die volle Verantwortung für feine Ausführungen überlassen bleiben.

Keine Konzentrationslager in Oesterreich.

Wien, 14. Jan. (DNB.) Die in der Ausland- presse mehrfach aufgetaudjte Nachricht, wonach in Oesterreich für italienische Militärflücht­linge Konzentrationslager errichtet worden wären, entbehren, wie diePolitische Korrespondenz" mel­det, jeder Grundlage. Die Bewegungsfreiheit der übrigens nichtzahlreichen militärischen Flücht­linge aus Italien wird in keiner Weise unterbunben