Nr. ,88 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Donnerstag, ,5.August ,956
Aus Oer provmzutthauptstaOt.
Urlaubsreifen am Schreibtisch.
Wenn ich ein böser Mensch wäre, dann würde ich mich über das Regenwetter der letzten Wochen freuen, denn in diesem Jahre kann ich keine Urlaubsreise machen. Ich muß zu Hause bleiben und zuschauen, wie Tag für Tag der Himmel seine Schleusen öffnet. Aber ich hoffe doch, daß die Besucher an der See und in den Bergen besseres Wetter haben als wir. Sie wollen sich erholen, sie wollen sonnige Tage und blauen Himmel haben, sonst wäre es ja keine rechte Erholung.
Ich fitze an meinem Schreibtisch und denke zu- rück. Es ist aber nicht so, daß ich mich gräme, weil ich nicht verreisen kann. D nein! Auch zu Hause kann ich mich erholen. Ich habe das schon mehr getan. Es bedarf dazu nur ein wenig Umstellung: möglichst früh aufstehen und sobald man merkt, daß ein schöner Taa heraufzieht, wird der Rucksack gepackt. Das sind kleine Urlaubsreisen, aber nicht minder schön als die andern.
Was soll es aber geben, wenn es immer wieder regnet? Da habe ich auch kleine Zaubermittel; denn ganz links in meinem Schreibtisch ist eine Schublade, die gefüllt ist mit Erinnerungen an meine früheren Reisen. Da kann es auch regnen. Beim Lesen dieser Aufzeichnungen versinkt für mich die Umwelt. Ich bin wieder an der See, ich sitze im Segelboot. Wir turnen in den Sanddünen, wir schwimmen um die Wette. —
Wie war das damals doch in dem kleinen Försterhaus auf Rügen? Zwei Zwillingspaare, ganz hellblonde, blauäugige Kinder, hatten die Försters- leute. Wie oft haben wir in dem schönen Garten gesessen und mit den Kindern gespielt!
Und dann in Tirol! Das kleine Haus am Bergesrand, in dem wir unsere „Jause" einnahmen, das werden wir nie vergessen. Aber das freundliche, schwarzhaarige Mädchen in dem Hause und die Eierpfannkuchen mit dem Obst dazu, das waren Magnete, die uns immer wieder anzogen.
Und die Tage am Bodensee? Da liegt noch ein weißes Steinchen, das ich mir beim Rheinfall von Schaffhausen aufhob, da sind vertrocknete Alpenrosen und Edelweiß. Kleine, nichtige Dinge, aber für mich von unnennbarem Reiz. Köstliche Erinnerungen bergen sie.
Und die Reisebekanntschaften? Wie oft haben wir uns versprochen! fleißig zu schreiben und in steter Verbindung zu bleiben. Aber wie wenig ist daraus geworden! Es ist wohl auch gut so, daß Reisebekanntschaften so schnell vergessen werden. Im Alltag nimmt sich manches ganz anders aus, als in der Sommerfrische.
Auch das dicke Kursbuch vom vorigen Jahre liegt noch auf seinem Platz. Ich blättere ein wenig darin. Kleine Buchzeigen liegen noch auf bestimmten Seiten. Ja, das war im vorigen Jahr! —
Es ist Nacht geworden. Der Regen hat aufgehört. Ich schaue zum Himmel. Ueberall erglänzen die Sterne. Würzige, frische Luft weht mir entgegen. Einzelne Fußgänger wandern vorüber. Drüben der Nachbar hört die Nachtmusik des Rundfunkes. Einzelne Töne dringen zu mir.
Beim Zurücktreten in das Zimmer sehe ich die Reisehefte auf dem Schreibtisch liegen. Ich ordne sie sorgfältig und lege sie wieder in die Schublade zurück. Für heute habe ich meine Urlaubsreise hinter mir. Auch Erinnerungsreisen sind schön.
Vornoiizen.
Tagenskolender für Donnerstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Boccaccio". —
Keine Bcfrbäftiquna ohne Arbeitsbuch
Mit dem 31. August 1936 ist die Einführungszeit des Arbeitsbuches beendet. Durch eine Verordnung des Reichsarbeitsministers, die in diesen Tagen zu erwarten ist, wird daher bestimmt werden, daß a b 1. September 1936 kein Arbeiter oder Angestellter des arbeitsbuchpflichtigen Personenkreises mehr beschäftigt werden darf, der nicht im Besitz des Arbeitsbuches ist. Wer diese Vorschrift nicht beachtet,
Bayreuth.
Von Walter Scbwerdtfeger
Dor sechzig Jahren, am 13. August 1876. wurde mit der Aufführung des Musikdramas „Das Rheingold" das Festspielhaus Richard Wagners in Bayreuth eingeweiht.
Der gigantische Kampf eines Menschen für sein Lebenswerk hatte einen vorläufigen Abschluß gefunden, als mit dem harfenumwogten Schlußakkord der „Götterdämmerung" die Bayreuther Bühnenfestspiele von 1876 ausklangen. „Vollendet Wahn- frieb, 21. November 1874. Ich sage nichts weiter", hatte der Einundsechzigjährige hinter die letzten Takte der Partitur geschrieben. Fünfundzwanzig Jahre waren es her, seit ihm der Gedanke aufgetaucht war, der gewaltigen Tetralogie vom „Ring des Nibelungen" ein eigenes Theater zu bauen. Das Jahr, das ihm die Verwirklichung so vieler Träume gebracht hat, schien ihm auch diesen erfüllen zu wollen. Nach den Plänen des Hamburger Architekten Gottfried Semper wollte Ludwig II. in München, am Ostufer der Isar, den Werken Richard Wagners einen prächtigen Renaissancebau errichten. Wenige Monate später mußte der München verlassen und nach Triebschen, an den Vierwaldstätter See, übersiedeln, da die Polizei sich weigerte, die Gewähr für seine Sicherheit zu übernehmen. Nach Jahren stellte ihm der König das kaum noch benutzte schöne Opernhaus in Bayreuth zur Verfügung. Es erwies sich als ungeeignet für Wagners Absichten: aber die Behörden der kleinen Residenz schenkten dem Dichter-Komponisten „ein unvergleichlich schönes und ausgiebiges" Baugelände auf einem Hügel vor der Stadt, und ein Jahr danach, 1872, konnte Wagner in der Oper zu Bayreuth die Aufführung von Beethovens Neunter Symphonie dirigieren, zur Feier der Grundsteinlegung seines Festspielhauses. Nach vielen Schwierigkeiten der Geldbeschaffung, — es war nicht gelungen, genügend Zeichner von „Patronatscheinen" zu finden — ging der Bau endlich seiner Vollendung entgegen.
„Da siehe, was der gewaltige Wille eines Mannes vermag!
Dieses Haus schuf er allein. .
Die Musik, die darin klingt, schuf er allein. Die Worte, die den Hörer ergreifen, er erdachte sie
Nachdem 1875 „vorbereitende Studien" von Wagner angesetzt worden waren, begannen int Juni 1876 die eigentlichen Bühnenproben in Bgyreuth.
Äi>oif-Hitler-Marsch 1936
Jugend am 19. August in SranffurtZDL
Oie Bannfahnen unserer Hitler-
NSG. Während die Augen Deutschlands und der Welt nach Berlin auf das Fest der XL Olympischen Spiele 1936 gerichtet sind, rüstet sich in allen Gebieten des Reiches die Jugend des Führers, um die Fahnen nach Nürnberg zu tragen. Tausend Hit- lerjungen bringen in mehrwöchigem Marsch 380 Feldzeichen zum Reichsparteitag nach Nürnberg als Bekenntnis des Geistes der Gemeinschaft, in dem die nationalsozialistische deutsche Arbeiterjugend einst begonnen hat
Die INarscheinheiten des Gebietes Hessen-Nassau werden in Stärke von 48 TRann mit einem Spielsmannszug am 19. August nach einer Abenfeier auf dem Frankfurter Römerberg aufbrechen.
Dor den Toren der Stadt wird zunächst das selbst- gebaute Zeltlager bezogen, und in der Frühe des 20. August unter Führung von Unterbannführer Scheffauer der Abmarsch vollzogen. Es werden berührt die Orte Darmstadt — wo eine Gedenkstunde am Grobe des gefallenen Hitlerjungen Peter F r i e ß ftattfinbet — Brensbach — Erbach —
Amorbach — Miltenberg — Freudenberg — Wertheim — Distelhausen — Markelsheim -- Tauberzell — Geßlau — Neuses — Bonnhof — Oberroßbach und Fürth.
hier treffen die 18 Bannfahnen nach einem Marsch von 19 lagen, wobei 281 Kilometer zurückgelegt wurden, am 7. September ein.
Ruhetage m Darmstadt, Markelsheim und Neuses geben den Teilnehmern neben der Möglichkeit der Erholung Gelegenheit zu gemeinsamen Heimabenden mit der örtlichen HI., die das Erlebnis einer sich über das ganze Reich erstreckenden Kameradschaft vermitteln. Sie gestatten gleichzeitig die Schulung und Ausbildung zur Erringung des HI.- Leistungsabzeichens. Der Marsch selbst bedeutet ja schon eine ungeheure Leistung und stellt manche Anforderung. Doch das Bewußtsein, als eine Gruppe von 25 die Symbole der Hitlerjugend am Führer vorbeizutragen und damit im Namen von 200 000 Kameraden des Gebietes ein Bekenntnis abjulegen, überwindet alle Strapazen. Sie werden marschieren und ihren Glauben weiterleiten.
Stadtkinder erholen sich auf dem Lande.
Dank der Kinderlandoerschickung der NSV. und der umfassenden Vorsorge der Kreisamtsleitung Gießen der NSV. war es auch in diesem Jahre im Verlaufe der bisherigen Sommermonate möglich, einer großen Zahl von Stadtkindern mehrwöchige Erholungsaufenthalte bei den Volksgenossen in den Dörfern des Kreises Wetterau zugänglich zu machen. Von Anfang Mai bis jetzt konnten rd. 960 Kinder diese schöne Sommererholung genießen, und zwar waren 493 Kinder aus Orten des Kreises Westfalen-Süd, 250 aus Essen, 148 aus Schleswig-Holstein, 40 aus Offenbach a. M., 19 aus Bingen und Alzey, 10 aus Düsseldorf gekommen. Ueberall wurde den erholungsbedürftigen Kindern eine herzliche und bis zum letzten Tage ihres Aufenthaltes außerordentlich fürsprgliche Aufnahme bereitet, so daß die Buben und Mädels nach dem Ablauf ihrer Besuchszeit sehr schön erholt zu ihren Eltern zurückkehren konnten. Den Pflegeeltern in unseren Dörfern des Kreises Wetterau, die sich in vorbildlicher Weise dieser Kinder annahmen und ihnen dadurch ein auf Jahre hinaus denkwürdiges Sommererlebnis bereiteten, gebührt für ihre Opferfreudigkeit die volle Anerkennung aller Volksgenossen. Das gute Werk an diesen Kindern wurde dadurch gefördert, daß der Kreisamtsleitung Gießen der NSV. bisher rund 1000 Pflegestellen für Kinder zur Verfügung gestellt wurden. Da aber noch weitere Kinder den dringend notwendigen Erholungsurlaub auf dem Lande genießen sollen und für die ganze Kinderlandoerschickung nach dem Kreis Wetterau insgesamt rund 1600 Pflegestellen gebraucht werden, so fehlen mithin immer noch
rund 600 Stellen, um deren Gewährung für die erholungsbedürftigen Kinder die Kreisamtsleitung Gießen der NSV. dringend bittet. Eine Nachwerbung, die zu diesem Zwecke von der NSV. gerade in diesen Tagen durchgeführt wird, soll der Beschaffung dieser Freistellen dienen. Möchte das gute Werk einen vollen Erfolg haben, damit alle für diese Kinderlandverschickung vorgesehenen Buben und Mädels den dringend notwendigen Landaufenthalt erhalten können.
Am gestrigen Mittwochnachmittag kehrten 56 Buben und Mädels aus Westfalen-Süd, die feit dem 8. Juli in den Orten des Kreises Wetterau zur Erholung weilten, unter sorgsamer Betreuung vom Bahnhof Gießen aus nach ihren Heimatorten zurück. Das Aussehen der Kinder zeigte, daß ihnen der etwa fünfwöchige Aufenthalt auf dem Lande sehr gut bekommen war und daß die Pflegeeltern der Kinder alles getan haben, was Elternpflicht gerade an erholungsbedürftigen Kindern zu tun gebietet. Viele dieser Kinder hatten eine Zunahme ihres Gewichts im Verlaufe der fünf Wochen von 4 bis 9 Pfund zu verzeichnen. Etwa 20 Minuten nach der Abfahrt dieser Kinder kam ein neuer Transport von 82 Kindern aus Westfalen in Gießen an, die von hier aus die Fahrt nach ihren Pflegestellen in 26 Ortsgruppen des Kreises Wetterau ungesäumt antraten. Auch diesen Buben und Mädels wird der mehrwöchige Erholungsaufenthalt in Oberhessen zweifellos sehr gut tun.
Die Kreisamtsleitung Gießen der NSV. hatte auch hier wieder in umfassender Weise gute Vorsorge für die Kinder getroffen.
ob Unternehmer ober Betriebsführer, Arbeiter ober Angestellter, setzt sich ber Gefahr ber Bestrafung aus. Deshalb werben Arbeiter unb Angestellte, bie bas Arbeitsbuch ungeachtet ber wieberholten Bekanntmachungen unb Hinweise noch immer nicht beantragt haben, letztmalig aufgeforbert, ben Antrag b e - schleunigt bei bem zustänbigen Arbeitsamt zu stellen. Wer Zweifel hat, ob er arbeitsbuchpflichtig ist, hole sich Auskunft beim Arbeitsamt.
Neue Lehrgänge der Arbeitsschule der OAr
Die Arbeitsschule ber Deutschen Arbeitsfront, die Ausbildungsstätte aller Schaffenden, eröffnete am Dienstag, 18. August, neue Lehrgänge in Deutscher Kurzschrift und Maschinenschreiben.
Tausende von Arbeitskameraden haben durch die Schreibmaschine wieder Beschäftigung gefunden. Die Schreibmaschine ist im heutigen Wirtschaftsleben ein unentbehrlicher Faktor, der mit dem Tempo unserer Zeit Schritt halten und dem Arbeitskameraden die Schreibarbeit wesentlich erleichtern soll. Leider muß aber die Feststellung gemacht werden, daß etwa 95 Prozent aller Arbeitskameraden, die Tag für Tag mit der Maschine zu tun haben, sich immer noch mit zwei Fingern abquälen, während ihnen doch zehn Finger zur Verfügung stehen. Warum nicht alle Finger ausnutzen? Warum nicht die Arbeit gleichmäßig verteilen, die gesamte Arbeit erleichtern und dadurch die Leistung steigern?
Durch das Tippen wird der Schreiber genötigt, immer wieder von der Maschine auf die Vorlage
und von der Vorlage auf die Maschine zu sehen. Es ist keineswegs verwunderlich, daß hierdurch die Augen und besonders die Nerven sehr in Mittel» denschaft gezogen werden. Wieviel leichter, bequemer und fortschrittlicher ist dagegen das Zehnfinger-Blindschreiben! Alle Finger müssen mitarbeiten, jeder Finger hat seine ihm zugeteilten Zeichen, daher ist es auch möglich, daß die Zeichen vollkommen blind angeschlagen werden können Beide Hände werden zunächst in die Grundhaltung gebracht, und schon kann die Arbeit beginnen. Während die Augen immer auf die Vorlage gerichtet sind, bedienen die Finger vollkommen blind die Maschine. Sv sollte es überall fein; alle sollten sich des Blindschreibens bedienen, alle sollten endlich zu der Erkenntnis kommen, daß sie durch die bisher angewandte Schreibweise ihre Gesundheit gefährden.
Die Arbeitsschule der Deutschen Arbeitsfront ist bemüht, alle Arbeitskameraden in der Blindschreibe» methode auszubilden, und sie hat daher für alle Wochentage Anfängerlehrgänge angesetzt. Der Unterricht wird in dem großen Schreibmaschinensaal der Oeffentlichen Handelslehranstalt Gießen, Liebig« straße, abgehalten. Auskunft und Anmeldung: Deutsche Arbeitsfront, Abt. für Berufserziehung und Betriebsführung, Gießen, Schanzenstraße 18, Zimmer 5, Telephon 3275.
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Schöne Urlaubsreifen mit „Kraft durch Freude".
Das Reiseprogramm der NSG. „Kraft durch Freude" bietet für den Monat August noch eine Fülle der schönsten und preiswertesten Urlaubs- reifen.
Die nächste Fahrt geht vom 19. bis 2 8. August an die schone Ostküste Schleswig-Holsteins. Weite Waldungen, herrlicher Strand und frische, gesunde Seeluft erwarten die Urlauber in Flensburger-Forde. Diese Fahrt, die für den geringen Preis von 41,50 Mark zur nördlichsten Badestadt Deutschlands und zur Flensburger Förde mit ihren reizvollen Ufern geht, wird jeden Teilnehmer erfreuen:
Ebenfalls vom 19. bis 28. August führt eine Reise unmittelbar an die Elbmündung in das von KdF.-Urlaubern bevorzugte Nordseebad Cuxhaven. Herrliches Klima, gepflegter Strand, schone Promenaden machen diesen Hafen zum Erholungsort ersten Ranges. Viel Abwechslung bietet der rege Schiffs- und Hasenverkehr, Besichtigung der Ozeanriesen und vieles mehr. Nur 38 Mark kostet diese 8-Tage-Reise, die dem Urlauber Erholung durch Freude, neues Erleben und Erweiterung des Blickfeldes bringen wird.
Zehn Tage Urlaub an einem der herrlichsten Fleckchen deutscher Erde, vom 2 0. bis 30. August, bringt die nächste Fahrt ins romantische Tauber- tal — Rotenburg. In diesem stillen Winkel, mit den mannigfaltigen Eindrücken, erholt man sich so recht von dem Tempo der Zeit. Für 36,50 Mark verbringt der Teilnehmer einen herrlichen Urlaub in froher Gemeinschaft.
Zwei weitere Züge nach Schwäbisch-Alb- Lichtenstein und Schwarzwald-Sigmaringen bringen „KdF."-Urlauber vom 2 9. 21 u g u ft bis 6. September in den herrlichen Schwarzwald. Zahllos sind die Möglichkeiten, in der abwechslungsreichen Landschaft zu wandern unb Erholung zu finden. Wer sich in feinem Urlaub richtig erholen und dabei gleichzeitig viel Schönes
Mutti, diese — die schmeckt so gut.
Mutti lächelt, denn Zahnpasta ißt man ja nicht Aber die Zunge ist dennoch stark beteiligt und da ist das milde und wunderbar schöne Aroma der Nivea-Zahnpaste eine gute Hilfe, um auch die Kinder zur Zahnpflege anzuhalten.
In der Nacht zum 7. August traf Ludwig II. in Bayreuth ein. In der Nähe des Jean-Paul-Wirts- hauses „Zur Rollwenzelin", draußen vor der Stadt, hielt der Hofzug auf freier Strecke, und in Begleitung Richard Wagners begab sich der König nach dem Schlößchen Eremitage. Auf Umwegen fuhr er am Abend zum Festspielhaus, um der Generalprobe zum „Rheingold" beizuwohnen. — Allein sitzt er nun in der Loge neben dem Freund. Am- phitheatralisch senken sich die Sitzreihen zur Bühne, die in gleicher Höhe mit dem Boden des Zuschauerraumes liegt. Dazwischen liegt der „mystische Abgrund", der Traumwelt und Wirklichkeit trennt. In einer Vertiefung, durch Schalldecken den Augen der Zuschauer verborgen, ist das Orchester untergebracht.
Leise beginnen die heruntergestimmten Kontrabässe das tiefe Es zu streichen. Sanfte Fagotte kommen hinzu. Dann fährt in den graugrünen Quintenzusammenklang das Wellenspiel der Horner. Tuba und Posaunen treten nun in der Tiefe hinzu; die Fagotte nehmen das Wellenmotiv in zweistimmiger Führung auf, von Violincelli umspielt. Flöten geleiten den Sang weiter empor, Bratschen und Violinen überspülen ihn in glitzernden Läufen, während die Hörner kanonartig aus der Höhe herabsinken. Immer gewaltiger schwillt der Strom der Töne. Breite Wogen, die versinkend wieder geboren werden, so rollt durch vier Oktaven majestätisch die Es-ckur-Skala heran. Der Vorhang teilt sich. Und mit dem „Weia! Waga! Woge, du Welle!" erklingt der Sang der Rheintöchter. In ihr Spiel mit dem plumpen, lüsternen Alben tritt der feierliche Rhythmus der Daßtrompete, von Pauken um= dröhnt. Wiegend beginnen die Geigen zu flirren; in immer neuen Stimmen, zu blendender Polyphonie anschwellend, treten die Hörner hinzu. Harfen ertönen. Hell schmettert jetzt die C-dur-^anfare der Trompete. In den Strahlen der aufgehenden Sonne leuchtet auf einem Fels das Rheingold auf.
Taufende von Fremden hatten die Festspiele nach Bayreuth gelockt. Ludwig II. war nach Beendigung der Generalproben in der Stille wieder nach Hohenschwangau abgereift. Mit großem Gefolge war der alte Kaiser in Bayreuth eingetroffen. Aus Gastein u,rvr der Kaiser von Brasilien gekommen. Die Fürsten des Bundes füllten mit ihrer glänzenden Begleitung die Logen. Orden, Atlasschärpen über Gala-Uniformen, Brillantdiademe leuchteten über der Brüstung. Die Elite von Kunst und Wissenschaft war versammelt. Neben Makarts kühnem Malerkopf war das kluge Gesicht des Wagnergegners Hanslick aus Wien zu sehen. Die führenden Zeitungen Europas hatten ihre Berichterstatter ent
sandt. Und doch: es war kein Sieg, es war nur ein gesellschaftliches Ereignis. Ein Karikaturist zeichnete den Meister, wie er über die Regenbogenbrücke des Rheingolds aus dem Festspielhaus ins Irrenhaus schreitet, von seinen Marionetten gefolgt. In den Salons lief das Witzwort vom „Ring der nie gelungen" von Richard Trommelfell. Mit einem Fehlbetrag von 160 000 Mark schloffen die ersten Festspiele. Im Dezember schrieb er den erschütternden Bries an seinen Freund Heckel: „Mein bisher durchgeführtes Unternehmen war eine Frage an das deutsche Publikum: „Wollt Ihr?" — Nun nehme ich an, daß man nicht will, und bin demnach am Ende."
Als Richard Wagner am 13. Februar 1883 im Palazzo Vendramin zu Venedig die Augen schloß, war fein Werk noch nicht gesichert. Es war ein Vermächtnis an Deutschland.
Germanische olympische Wettkämpfe.
Von Hellmuth Merzdorf.
Die Lieder des Pindar künden den Ruhm der Olympischen Spiele, der reiche Schatz des antiken Schrifttums gibt Klarheit über die griechischen Wettkämpfe. Uns sind solche Quellen über germanische Wettkämpfe nahezu versiegt. Immerhin zeigt ein kurzer Streifzug durch die Sagas und die römischen Schilderungen des Germanentums, daß auch unsere Vorfahren ihre Kräfte in regelmäßigen feierlichen Wettkämpfen maßen.
Von der Ordnung und Disziplin dieser Spiele spricht die „Geschichte vom Goden Snorri": „Bei den Leuten in Breitfjord war es im Herbst Brauch, zu Beginn des Winters unterhalb Achsel südlich vom Schiff Ballspiele abzuhalten, und dahin kamen die Männer aus der ganzen Gegend. Dort errichtete man eine große Spielbude. In diesen Buden hielt man sich auf und verweilte dort zur Spielzeit einen halben Monat ober länger. Es war da eine auserlesene Schar Männer aus dem Bezirk zusammen und ein gewaltiger Andrang. Fast alle bei dem Spiel waren jüngere Männer außer Thord Stierauge. Dieser konnte sich wegen seiner allzu- großen Heftigkeit nicht am Spiele beteiligen. Er war nicht etwa allzustark, daß er aus diesem Grunde nicht hätte teilnehmen dürfen."
Ebenso berichtet die „Geschichte vom starken Gretir": „Die Jünglinge spielten gewöhnlich zusammen Ball auf dem Eise des Midsjardar- sees. Dahin kamen Leute aus dem Midfjördr und Dididalr: dahin kamen auch Leute von Vestthop
und Vatnses, ebenso aus Hrutsfjördr. Die von weither kamen, blieben dort, solange die Spiele dauerten; die gleich stark waren, wurden einander aegenübergeftellt; und hieran hatte man die schönste Freude lange Zeit im Herbst."
Aus der Unterhaltung zwischen den beiden Königen Sigurd und Eystein in „Snorris K ö - nigsbuch" erfahren wir näheres über die einzelnen Sportarten: König Eystein erwiderte: „Ich erinnere mich, daß du kein Spiel ausführen konntest, zu dem Gewandtheit gehört." Da sagte König Sigurd: „Denkst du daran, wie wir beide beim Schwimmen abschnitten? Ich konnte dich untertauchen, wenn ich wollte." König Eystein sagte: „Ich schwamm nicht kürzer als du, auch war ich kein schlechterer Tauchschwimmer. Ich verstand mich auf den Eislauf, so daß ich keinen kannte, der es darin mit mir aufnahm, aber du verstandest nicht mehr davon als ein Rind." König Sigurd versetzte: „Eine Häuptlingen gemäßere und nützlichere Kunst deucht mir, mit dem Bogen gut umgehen zu können. Ich glaube, du kannst meinen Bogen nicht spannen, auch wenn du den Fuß dagegen stemmst." Eystein erwiderte: „So bogenstark wie du bin ich nicht, doch weniger unterscheiden wir uns in der Treffsicherheit, aber auf die Schneeschuhe erst verstehe ich mich besser als du, und das galt früher doch als eine gute Kunst."
Tacitus spricht davon, daß sich nackte Jünglinge im Sprunge zwischen Schwerter und drohende Speere werfen. Diese Hebung habe ihi-e Geschicklichkeit geschaffen, diese ihre 2Inmut, doch nicht zum Zwecke des Erwerbs ober für Gelb. Der Lohn ihrer Ausgelassenheit, möge sie noch so verwegen sein, sei bas Ergötzen der Zuschauer. Bei ber Verfolgung der Romer benutzten bie Kimbern zum Erstaunen ihre Schilbe als Schlitten, so daß sie rodeln können mußten.
So sind es viele Sportarten, die wir bei den Germanen vorfinden, Ballspiele, Schlittschuhlauf, Schneeschuhlauf, Rodeln, Ringen, Schwimmen. Von manchen Sportarten mag die Kunde verloren gegangen sein. So sind wohl Pferde- und Wagen- rennen schon vor 3000 Jahren in Germanien üb» lich gewesen, ein Schneeschuh, der in Finnland gefunden wurde, weist ein Alter von etwa 4000 Jahren auf. Die neuere vorgeschichtliche Forschung hat in diese Fragen Klarheit gebracht unb nachgewiesen, daß auch in dieser Beziehung Klarheit notroenbig war. Wenn jetzt ber olympische Gebaute im Mittelpunkt unseres Erlebens steht, bann können wir uns auch mit Freude baran erinnern, baß auch bei uns sportliche Wettkämpfe im Rahmen ber germanischen Kulturarbeit durchgeführt wurden.


