Ausgabe 
13.8.1936
 
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Der Reichsjugendführer erklärte: Was die Gäste hier zu sehen bekämen, sei nichts anderes als ein Ausschnitt aus dem Leben, wie es sich in allen HI.-Lagern in Deutschland abspiele, in denen etwa eine Million deutscher Jungen ertüchtigt werde. Das Gesetz, nach dem die deutsche Jugend lebe, sei hart und einfach. Diese Jugend ver­folge nie das Ideal eines Miniatursoldaten und werde auch nicht auf einer Wache ausgebildet. Wir wollen nichts anderes als das Gück der Jugend und die Ertüchtigung und damit den Dienst an der olympischen Idee.

Ein Gartenfest

bei Botschafter von Ribbentrop.

Generaloberst G ö r i n g im Gespräch mit Frau von Ribbentrop. (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)

Berlin, 12. Aug. (DNB.) Im Rahmen der Empfänge aus Anlaß der XI. Olympischen Spiele in Berlin gab Botschafter v. Ribbentrop in sei­nem Garten in Berlin-Dahlem ein Abendessen zu Ehren des Internationalen Olympi­schen Komitees und ausländischer Olympiagäste. Bon ausländischer Seite waren u. a. erschienen die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komi­tees mit ihrem Präsidenten Graf Baillet-La- tour, die Botschafter Großbritanniens, Frank­reichs, Italiens, Japans, Polens, der USA., der Türkei, Argentiniens, Chiles und Brasiliens, die Gesandten Belgiens, Schwedens, Finnlands, Ungarns, Oesterreichs, Rumäniens, Südafrikas, der Schweiz und Afghanistans. Ferner bemerkte man den ständigen Unterstaatssekretär im britischen Außenamt Sir Robert Bansittart und Lady Bansittart, Lord und Lady Rennell of Rodd, Lady Chamberlain, Herrn B o n v o i s o n und Frau, Staatssekretär Graf Scembek, General­major O s h i m a, Minister a. D Pomaret, Graf B o n o c a s s a , General Renondeau, Lord B a r n b y , Lord und Lady Aberdare, Prinz und Prinzessin Lubomirski, Marques de P o l i g n a c, Lord und Lady K e m s l e y, Lord und Lady C a m r o f e, Fernand de B r i n o n und Frau de Brinon, Mr. Ward Price. Bon deutscher Seite sah man u. a. den Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, die Reichsministcr von Blomberg, Göring, Dr. Frick, Graf Schwerin-Krosigk, Dr. Gürt- ner, Dr. Frank, Seldte und R u st. General­admiral Dr. h. c. Raeder, Reichssportführer von Tschammer und Osten, Reichsleiter B o u h l e r, Reichsführer SS. Himmler, den Stabschef der SA. Lutze, Reichsjugendführer von S ch i r a ch , Reichsarbeitsführer H i e r l, Korps­führer Hühnlein, Reichsfrauenführerin Scholtz- Klink.

Deutsch-österreichische

Reise- und Wirtschaftsabkommen.

Reisebeschränkungen aufgehoben.Erste Etappe zum weiteren Ausbau des Handelsverkehrs.

Berlin, 12. Aug. (DNB.) Die Verhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich, die am 27. Juli in Berlin begonnen haben und deren Zweck es war, verschiedene mit der Durchführung der deutsch - österreichischen Vereinbarung vom 11. Juli zusammenhängende Fragen zu regeln, haben am Mittwoch ihren Abschluß gefunden. Der österreichische Delegationsführer Gesandter Dr. Wildner und der deutsche Delegationsführer Vortragender Legationsrat Dr. C l o d i u s haben eine Reihe von Abkommen und Vereinbarungen paraphiert, durch welche die bisher auf dem Gebiete des Reiseverkehrs bestehen­den Einschränkungen beseitigt und ge­wisse Maßnahmen zur S t eig e r u n g des ge­genseitigen Warenaustausches vor­gesehen werden. Im einzelnen ist aus dem Inhalt dieser Vereinbarungen, die nach Zustimmung der beiderseitigen Regierungen alsbald unterzeichnet und in Kraft gesetzt werden sollen, folgendes heroorzuheben:

Die Ge bühr von 1000 Rei chsmark bei der Ausreise nach Oesterreich wird aufgehoben werden. Dementsprechend werden in O e st e r - reich die Beschränkungen für die Ausreise in das Deutsche Reich beseitigt werden. Zwischen den beiden Regierungen wird ein Reiseverkehrs­abkommen abgeschlossen, das den Reiseverkehr aus dem Reich nach Oesterreich in Anpassung an die deutsche Devisenlage regelt und die Bereitstellung der erforderlichen Zahlungsmittel zunächst für einige Zeit sicherstellt. Der Abschluß eines Abkommens zur Regelung des klei­

nen Grenz Verkehrs ist für einen nahen Zeitpunkt in Aussicht genommen.

Ferner ist zwischen den beiden Delegationen eine Vereinbarung zur Steigerung des Umfanges des Warenaustausches getroffen worden. Das Verhand­lungsprogramm betraf zunächst insbesondere nach der Jahreszeit dringliche Ein- und Ausfuhrfragen. Hierbei wurde neben der Behandlung die indu­strielle Ausfuhr betreffender Fragen Ein­verständnis über die Festsetzung von zusätz­lichen Kontingenten für die Abschlüsse auf den nächsten Messen von Leipzig und Wien sowie über die Ermöglichung der Ausfuhr einer ge­wissen Anzahl von Nutz - und Zuchtrindern sowie von Pferden aus Oesterreich nach dem Reich erzielt. Außerdem wurde im Rahmen von Austauschgeschäften die Regelung der Ausfuhr einer gewissen Menge von Holz, Käse und Rahm behandelt. Ferner wurde ein Programm für die Abwickelung sowohl der normalen als auch zusätzlichen Kohlenlieferungen aus dem Reich nach Oesterreich bis zum Ende des laufenden Jahres aufgestellt. Die im August 1934 abgeschlos­sene Vereinbarung zwischen den beiden Notenbanken zur Regelung der Zahlungen im Waren­verkehr wird durch ein staatliches Verrech­nungsabkommen ersetzt.

Die am Mittwoch paraphierten Vereinbarungen stellen eine erste Etappe dar. Zu einem spä­teren Zeitpunkt werden die Besprechungen wieder aufgenomen werden, um zu prüfen, in welcher Weise die Entwickelung der wirtschaftlichen Be­ziehungen zwischen den beiden Ländern auch weiter­hin gefördert werden kann.

200 km neue Reichsautobahnstrecke.

Vier neue Teilstrecken sind fertiggestellt und werden am Montag dem Verkehr übergeben.

Magdeburg, 12. Aug. (DNB.) Am kommen­den Montag, also unmittelbar nach dem Abschluß der Olympischen Spiele, wird das gigantische Werk der deutschen Reichsautobahnen durch die Eröff­nung von vier weiteren Teil st recken mit zusammen 20 0 Kilometer um ein beträchtliches Stück vorwärts gebracht sein. Zu diesen Teilstrecken gehört einmal die 50 Kilometer lange Teilstrecke Braunschweig Helm- steot der Autobahn Berlin Hannover, von, der bereits die 40 Kilometer-Strecke Braun­schweigLehrte im Betrieb ist. Weiter wird ein 30Kilometer langes Teilstück der Linie Berlin München eröffnet, nämlich der Abschnitt Wei­ßenfels Eisenberg. Die dritte neue Strecke ist als vorläufig letztes Stück der Reichsautobahn­linie München Reichsgrenze die Strecke von Samerberg zu Siegs darf mit 35 Kilometer Länge, durch die von Montag an die gesamte Linie MünchenSiegsdorf mit Anschluß an die deutsche Alpenstraße Siegdorf - Manthäusel - Berchtesgaden befahren wird. Das bedeutet für den Fremdenverkehr des gesamten Chiemgaues und das Berchtesgadener Land einen außerordentlichen Fort­schritt, einen Markstein in der Verkehrsentwicklung des deutschen Alpenlandes überhaupt. Die vierte neue Autobahn, die vom Berliner Ring westlich von Werder bis zur Kreuzung mit der Reichsstraße nördlich von Magdeburg am kom­menden Montag in Betrieb genommen wird, ist mit 80 Kilometer die größte Autobahnstrecke, die je eröffnet worden ist. Es fehlt dann an der durch­gehenden Gesamtverbindung BerlinHannover nur noch das kurze Zwischenstück zwischen Magdeburg und Helmstedt mit dem großen Elbübergang. Aber auch diesen Abschnitt hofft man noch bis Ende des Jahres dem Verkehr übergeben zu können.

In etwa fünf Wochen, am Gedenktag des ersten Spatenstiches zu den Reichsautobahnen durch den Führer, wird der tausendste Kilometer der Oesfentlichkeit übergeben werden. Außer diesen tausend Kilometer, die dann in Betrieb sind, be­finden sich noch weitere 15 0 0 im Bau. Zur Zeit hat auch die B e l e g s ch a f t s z i f f e r der unmittelbar an den Autobahnen Arbeitenden mit 125 000 ihren bisher höchsten Stand erreicht.

Auf der Strecke Berlin-Magdeburg fand eine Vorbesichtigung statt. An Niederungen und Höhen, Seen und Feldern, Laub- und Nadelwal­dungen vorbeiführend ist die Strecke in ihrem gan­zen Verlauf außerordentlich reizvoll und abwechse­lungsreich. Zur Vermeidung von Kreuzungen mit den Verkehrsstraßen und Landwegen spannen sich 59 Brücken über die Bahn. Das größte Bau­werk ist die Brücke am Nahmitzsee bei Lehnin mit einer Gesamtlänge von 184 Metern. Dieses Bauperk ist in fünf Deffnungen von je 33 Meter Spannweite unterteilt und etwa neun Meter hoch; es überbrückt die Straße nach Nahmitz, die Eisenbahn und das stark moorige Gelände der dortigen See-Enge. Vor der Anschlußstelle Thee- ßen hat die Bahn übrigens mit einer 10,2 Kilo­meter langen schnurgraden Strecke die l ä n g st e Grade aufzuweisen, die es auf den deutschen Autobahnen überhaupt gibt.

Im Mai 1934 haben die Bauarbeiten begonnen. Einen Ueberblick über das gewaltige Stück Arbeit, das geleistet werden mußte, geben folgende Zah­len: Es wurden 350 000 Quadratmeter'Waldfläche gerodet und etwa 400 000 Kubikmeter Mutterboden abgehoben. Es find insgesamt mehr als 1000 000 Tonnen Baustoffe an die einzelnen Baustellen her­angeschafft worden, eine Materialmenge, die 50 000 Eisenbahnwaggons zu je 20 Tonnen ausfüllen

würde. Für die Ausführung aller dieser Arbeiten waren etwa 2 000 000 Tagewerke notwendig. Für die Unterbringung der großstädtischen Arbeitskame­raden wurden fünf Lager mit einer durchschnittlichen Belegschaft von 220 Mann errichtet.

Deutsche Einrichtungen vorbildlich.

Dublin, 13. Aug. (DNB. Funkspruch.)Irish Preß" veröffentlicht einen Bericht über die Deutfch- landfahrt einer irischen Lehrergruppe, in dem besonders die neuen Autobahnen und die Arbeitslager lobende Erwähnung finden. Wir find der Ansicht, so schreibt der Berichterstatter über den Arbeitsdienst, daß Lager dieser Art sich auch für Irland eignen; denn dadurch würden unsere jungen Leute nicht nur der Arbeitslosenfür­sorge enthoben, sondern sie könnten auch in ver­schiedenen Gegenden des Landes arbeiten und dau­ernde Werte leisten. Dr. O'Sullioan, ein Teil­nehmer der Fahrt erklärte:Laßt uns nach Hause gehen, in dem festen Entschluß, für Irland auf dem Gebiete der Wirtschaft und der Erziehung das zu tun, was die Deutschen für ihr Vaterland tun."

Vom Führer empfangen.

Berlin, 12.Aug. (DNB.) Der Führer empfing die zu den Olympischen Spielen in Berlin weilen­den Besitzer desDaily Telegraph", Lord K e m s - le y und Lord C a m r o s e. Anschließend empfing der Führer und Reichskanzler eine aus 20 Herren bestehende Abordnung von Mitgliedern des japanischen Parlaments und der Stadt­verordnetenversammlung von Tokio, die durch den kaiserlich japanischen Botschafter Grafen Mu° s h a k o j i eingeführt wurden und die dem Führer (Erinnerungsgaben japanischen Kunstgewerbes über­brachten. Ferner nahm der Führer den Besuch des Staatssekretärs im polnischen Außenministerium, Grafen Szembeck, entgegen, der vom pol­nischen Botschafter Lipski begleitet war.

Admiral Behncke ZO Jahre alt.

Heute begeht Admiral a. D. Behncke seinen 70. Geburtstag. Zu Beginn des Krieges war Behncke stellvertretender Admiralstabschef. Im Jahre 1915 wurde ihm als Konteradmiral die Führung des 3. Geschwaders übertragen, das aus den acht neuesten Großkampfschiffen der damaligen Flotte bestand«

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Als Chef dieses Geschwaders nahm er an der See­schlacht am Skagerrak teil. Er wurde damals durch eine feindliche Granate schwer verwundet. Im März 1917 hatte Behncke als Vizeadmiral Anteil an der (Eroberung der baltischen Inseln. Durch sein überraschend schnelles (Eintreffen in Moonsund ver­hinderte er das Ausweichen der russischen Flotte, wobei das russische LinienschiffSlawa" vernich­tet wurde. Für diesen Erfolg wurde er mit dem Pour le m£rite ausgezeichnet. Im September 1920 übernahm er den Posten des Chefs der Marinelei- tung, den er bis 1924 bekleidete. Viel hat Admiral Behncke in jenen trüben Jahren der Inflation für den Neuaufbau der Flotte geleistet. Er gab ihr wieder Disziplin, bemühte sich, die kleine Streit- kraft aus dem politischen Tageskampf herauszulösen

ÄasleiWnnlgeFrciulejnZngnd.

Bon Geno Ohlischlaeger.

(afp) Zu den wenigen, die sich an diesem stür­mischen Tag an den Strand wagten, gehörte auch Ingrid Lehnow. Sie hatte in den ersten Tagen die Ostsee immer nur glatt gesehen und freute sich über ein bißchenNordseebrandung" als Abwechs­lung.

Sie zog sich schnell aus und lief ins Wasser. Den Teil des Meere's vor ihrer Sandburg kannte sie gut; der Boden fiel da erst ganz flach ab, dann wurde er so tief, daß man nicht mehr stehen konnte, und dann erhob er sich zu einer Art Sandbank, auf der man bequem wieder Fuß fassen konnte.

Bis zu dieser Sandbank war sie auch jetzt wieder geschwommen. Sie stellte sich auf den Boden, um sich etwas auszuruhen. Beim Umblicken sah sie, daß so weit draußen sonst niemand war. Nur ein Herr kam jetzt noch hinter ihr über die tiefe Stelle geschwommen, und nun hatte er auch die Sand­bank erreicht.

Großartig, was?" rief er ihr zu. Aber sie schüt­telte den Kopf.

Gefällts Ihnen nicht?"

Sie deutete auf ihre Ohren, daß sie nichts ver­standen hätte; der Wind verschlang seine Worte. Da mußte er schön näher heranwaten, um sich verständlich zu machen. Ingrid fand das Meer heute auch wundervoll; sie wollte noch weiter hin­ausschwimmen.

Da mach ich nicht mit!" sagte er.Ganz auf­richtig gesagt: ich traue mich nicht! Das ist nicht ungefährlich bei dem Wellengang!"

Aber Ingrid beachtete seine Warnung nicht. Eiß bißchen weiblicher Ehrgeiz war es auch, was sie anstachelte, jetzt erst recht nicht umzukehren, wo ein Mann sich nicht weiter hinauswagte. So winkte sie ihm einen Gruß zu und warf sich gegen die Wellen.

Dickkopf!" brummte Herbert Fiedler!Es ist wirklich leichtsinnig von ihr. Ich bin doch gewiß keine ,Bangbüchs', aber das hier ist Leichtsinn." Und damit schwamm er langsam dem Ufer zu.

Ingrid aber schwamm noch ein Stück hinaus. Herrlich war es, sich so seiner Kraft bewußt zu sein und im freien Meer zu schwimmen, so ganz allein mit der Natur. Mal legte sie sich auf den Rücken und ließ sich von der Berg- und Talbahn der Wel­len auf und nieder heben, den Blick in den weiten Himmel gerichtet.

Dann wollte sie umkehren. Aber es war gar nicht so leicht, dorn Lande näher zu kommen; denn

hier draußen hatten die Wellen eher die Neigung, einen ins Meer hinauszuziehen. Daher mußte sie sich mächtig anstrengen, um nicht hinausgetrieben zu werden.

Ein bißchen ängstlich verfolgte sie, von Zeit zu Zeit an einem Baum in den Dünen ihren Stand­ort vergleichend, ihr Dorwärtskommen. Manchmal fürchtete sie, daß sie sich überhaupt nicht dem User nähere, sondern immer noch gleich weit davon ent­fernt sei. Kräftig die Arme ins Wasser stoßend, und nach hinten drückend, kämpfte sie sich sehr langsam aus der gefährlichen Zone. Endlich konnte sie fest­stellen, daß sie doch ihrem Ziel näher gekommen war; jetzt packte sie auch die Strömung nicht mehr so stark. Es war aber auch höchste Zeit, denn sie fühlte ihre Kräfte erlahmen.

Ein Glück, daß sie jetzt den seichteren Teil er­reicht haben mußte, in welchem die Sandbank ein Ausruhen ermöglichte. Aber vergebens suchten ihre Füße Grund. Sie konnte nirgends stehen und mußte weiterschwimmen. Was bedeutete das? Der Seegang konnte doch nicht die ganze Sandbank weggeschwemmt haben? Nein, jetzt bemerkte sie, was los war; sie war durch die Wellen ein großes Stück von ihrem sonstigen Badeplatz abgetrieben worden, und hier schien es eben keine Sandbank zu geben.

So war sie gezwungen, das Ufer schwimmend zu erreichen, ohne sich ausruhen zu können. Doch sie war so erschöpft, daß sie ihre Glieder wie Blei am Leibe hängen fühlte. Vor allem hatte sie in den Händen, in den Fingern gar keine Kraft mehr. Da packte sie plötzlich eine schreckliche Angst, wie sie noch gefährlicher ist als die Gefahr selbst, weil sie die Bewegungen noch mehr lähmt als die Müdig­keit. Mein Gott, es schien zu unmöglich, daß sie es noch bis zum Strand aushielte! Jeder Meter war eine Qual und so viele lagen noch vor ihr.

Ruhe! Nur Ruhe!" rief sie sich selbst zu,nur jetzt nicht die Nerven verlieren!" Aber was half das, da ihr Arme und Beine kaum noch gehorch­ten?

Verzweifelt hörte sie einen Augenblick auf zu schwimmen, um den Gliedern eine kurze Ruhe­pause zu gönnen; aber da brauste ein Wellenkamm von hinten über ihren Kopf und duckte sie unter Wasser. Als sie wieder auftauchte, schoß schon die nächste Welle heran. In Todesangst schrie sie auf; denn sie fühlte sich diesem Kampf nicht mehr ge­wachsen. Da packten sie zwei starke Arme an den Handgelenken und zogen ihren Körper hoch, in einen schwankenden, tanzenden Kahn hinein, und ehe ihr in völliger Erschöpfung die Lider zufielen, sah sie noch in die freudig erregten Augen des

Herrn, über dessen mangelnden Mut sie vor einer halben Stunde gelächelt hatte. Er hatte mit dem Glas eines Strandkorbverleihers erkannt, daß sie in höchster Gefahr war, und die beiden hatten, so schnell es ging, einen Kahn vom Steg losgemacht und sie eben noch rechtzeitig erreicht.

Nach einem Tag Schonung war Ingrid wieder ganz erholt. Aber sie schwor, sich nie mehr so weit hinauszuwagen.

Eigentlich waren Sie der Tapfere von uns beiden!" sagte sie, als sie mit Herbert nochmals über ihr erstes Zusammentreffen sprach.

Wieso?" meinte er.Sie sind doch weiter hin­ausgeschwommen, während ich ..."

Während Sie umkehrten, ganz richtig. Aber vielleicht gehört mehr Mut dazu, einer Frau zu gestehen, daß man nicht mitmachen wolle!" lachte Ingrid. Am Nachmittag trennten sie sich.

Er nahm sich vor, am Abend mit ihr auszu­gehen und bei einer Flasche Wein die Rettung zu feiern. Er war enttäuscht, als er sie abends nicht beim Promenadenkonzert sah, wo sich sonst alle Welt im Badeort trifft. Das Konzert war zu Ende, ohne daß er sie gefunden hätte. Da fiel ihm ein, daß sie vielleicht auf die Seebrücke gegangen fein könnte. Er eilte auf die Brücke, doch weder unter den darauf Spazierenden noch unter den Gästen des Restaurants am Brückenkopf entdeckte er In­grid.

lieber die Brücke wieder dem Land zuschlendernd, sah er von dem Kreuzer, der am Abend draußen in der Bucht vor Anker gegangen war und dessen Besatzung das bunte Bild auf der abendlichen Pro­menade noch bereichert hatte, eine Barkasse kom­men. Er blieb stehen, um zu beobachten, wie sie an einem der Landeplätze der Brücke unter ihm anlegte. Plötzlich sah er unter den Aussteigenden eine Dame, und, kein Zweifel, es war Ingrid! Also dort hatte sie gesteckt? Sie hatte es anscheinend eilig gehabt, das Schiff zu besichtigen, während die allgemeine Besichtigung doch erst für morgen vorgesehen war.

(Eben wollte er ihr winken und sie anrufen, da bemerkte er, daß Ingrid sich angelegentlich mit einem der Urlauber unterhielt. Da hielt er sich zu­rück und folgte ihnen unauffällig. Auch am Land verlor er sie nicht aus den Augen, bis er sie in einem Lokal an der Strandpromenade einkehren sah.

Und als er später noch einmal an dem Lokal vorbeistrich und einen Blick in die Terrasse warf, sah er sie eben miteinander anstoßen.

So schnell vergessen! dachte Herbert. Aerger und Schmerz über diese Enttäuschung zeigten ihm, daß ihm doch sehr an ihr gelegen gewesen war. Sie ist eben doch leichtsinnig, nicht nur beim Schwimmen,

versuchte er sich zu trösten, und er beschloß, sie mit Verachtung zu strafen.

Am nächsten Tag kümmerte er sich überhaupt nicht um sie. Er grüßte sie nur kühl und beteiligte sich an den ausgelassenen Späßen einer Gesellschaft anderer Burgnachbarn, um ihr zu zeigen, daß er nicht auf sie angewiesen sei. Im übrigen miet) er es, ihr zu begegnen.

Drei Tage später standen sie sich plötzlich mitten im Wald an einer Weggabelung gegenüber. Nun konnte er ihr nicht ausweichen.

Aus reiner weiblicher Neugier wollte ich Sie schon längst etwas fragen!" sagte Ingrid.Warum sind Sie eigentlich auf einmal so verändert mir gegenüber gewesen? Aufrichtig gesagt: ich habe es nicht begriffen; aber ich hege einen Verdacht."

Das fragen Sie noch?" antwortete Herbert. Aufrichtig gesagt: ich liebe es nicht, wenn eine Dame an Herzerweiterung leidet! Eigentlich wollte ich Sie an dem Abend einladen; aber ich muhte feststellen, daß ..."

Mein Verdacht!" unterbrach Ingrid.Na, bann lesen Sie, bitte, mal das hier!" Sie reichte ihm eine Postkarte.

Liebe Ingrid! Wir legen morgen dort für drei Tage an. Erwarte Dich um halb neun an der See­brücke. Bis dahin herzlichst Dein Walter", las Herbert und sagte:Ich wüßte nicht, warum mich das interessieren sollte!^

Den Absender sollen Sie lesen, meinte ich!"

Absender: Fähnrich z. S. Walter Lehnow", las Herbert.Lehnow? Lehnow? Dann war es ja..."

Mein Bruder!" lachte Ingrid.Ja, das war ein überraschendes Wiedersehen!^

Herbert schwieg eine ganze Weile nachdenklich.

Jetzt habe ich auch eine Frage", sagte er dann sie fest ansehend.Aus reiner weiblicher Neugier wollten Sie wissen, warum ich mich so benommen hätte nur aus reiner weiblicher Neugier?"

Aber als er jetzt ihre Augen sah, brauchte er die Antwort nicht abzuwarten.

Zeitschriften.

Manche Leute glauben, das flache Land sei bei Luftangriffen kaum ober wenig gefährdet, weil die Häuser kleiner und weniger eng gebaut seien, und weil diese Zielesich auch gar nicht lohnten". Wie steht es mit dieser Logik aber wirklich? Welche Wirkungen können entstehen, wenn doch einmal auf Dörfer Bomben fallen? Darüber unterrichtet ein großer Bildbericht im neuen Heft derSirene", der deutlich die Gefahren eines Luftangriffs auf bas offene Land und die große Bedeutung rechtzeitiger Schutzmaßnahmen zeiK.