Ausgabe 
13.8.1936
 
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Nr. 188 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Donnerstag, 13. August 1956

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Auch Deutschlands Turnerinnen in Krönt.

Amerika gewinnt drei Medaillen im Krauen-Kunstspringen.Der amerikanische Schwimmer Lack Medica erzielt olympischen Rekord im 4VO-Meter-Kreistilschwimmen vor den Japanern.

Dem 11. Wettkampftag der XI. Olympischen Spiele war wieder schönstes Sommerwetter beschie- den. Dom frühen Morgen bis zum späten Abend tummelten sich auf den Kampffeldern und -stätten wieder die jungen Athleten der ganzen Welt und sie hatten dabei überall auch eine große und begeisterte Zuschauermenge. Für Deutschland gestaltete sich auch dieser Mittwoch wieder sehr erfolgreich, gelang es doch unseren Turnerinnen ebenfalls, die Goldmedaille im Kampf mit den besten Tur­nerinnen von acht Nationen für Deutschland zu er­obern und es damit den Männern gleichzutun, die am Vortage so überragende Erfolge erzielt hatten. Außerdem fiel Deutschland noch eine Bronze- medaille im Segeln der 8-Meter-N-Klasse zu.

lieber 20 000 Zuschauer verfolgten in dem Schwimm - Stadion wieder mit größter Spannung die hervorragenden Kämpfe im Sprin­gen, Schwimmen und Wasserball. Das Kunst- springen der Frauen wurde ebenso wie das Kunstspringen der Männer eine sichere Beute von USA., das alle drei Medaillen holte. Majorie G e st r i n g , die erst 13jährige und noch nicht ein­mal auf der Höhe ihres Könnens stehende Amerika­nerin, wurde mit 89,27 Punkten Olympia-Siegerin vor Katherine R a w l s (83,35) und der Siegerin von Los Angeles Dorothy Hill-Poynton. Der vierte und fünfte Platz fiel an die beiden Deutschen Gerda Daumerlang (Nürnberg) und Olga Jensch-Jorban (Berlin), die beide ebenfalls ausgezeichnet sprangen und nur in Geringfügig­keiten der Ausführung hinter den Amerikanerinnen zurückstanden. Den siebenten Platz belegte Suse Heinze (Deutschland) hinter der zierlichen Japa­nerin Osawa. Zn der 400 - M e te r - Fr e i st i l- Entscheidung feierte der Amerikaner Jack Medica in der olympischen Rekordzeit von 4:44,5 Minuten einen großen Sieg über die beiden Japaner Uto und Makino, die 4:45,6 bzw. 4:48,1 Minuten benötigten.

'Aus den Dorläufen zum 10 0-Meter-Rücken­schwimmen der Männer konnten sich erfreu­licherweise alle drei deutschen Schwimmer Hans Schwarz, Heinz Schlauch und Erwin S i - mon für die Zwischenläufe qualifizieren. Da­gegen kam Anni Stolte im 100-Meter- Rückenschwimmen der Frauen nicht wei­ter. Sie schied als fünfte des ersten Zwischenlaufes aus. Dafür ist Deutschland im Endlauf der 4-mal- 100-Meter-Frauen staffel vertreten. Die Staffel Halbsguth-Lohmar-Schmitz-Pollack wurde hinter Hollands großer Staffel, die in 4.38,1 den zweiten Vorlauf gewann, in 4:40,5 Minuten Zweite. Im Endlauf stehen neben Holland und Deutschland die Staffeln von USA., England, Kanada, Däne­mark und Ungarn.

Im Wafserball wurden am Mittwoch die Teilnehmer an der Endrunde ermittelt. Deutsch­land besiegte Schweden mit 4:1 (2:0) und trifft nun in der Endrunde gleich auf den Favori­ten Ungarn. Weiter qualifizierten sich noch Frankreich (mit 4:2 über Oesterreich) und Bel­gien (mit 8:0 über England) für die Endspiele.

Auf dem Maifeld begannen am Mittwoch die olympischen Reiterkämpfe mit dem Ein­zelreiten zur Großen Dressurprüfung, an der 11 Nationen teilnehmen. Dor mehr als 20 000 Zu­schauern gab es großartige Ritte, bei denen sich noch besonders Major Gerhard auf Absinth (Deutsch­land) und Rittmeister Jensen auf His Ex (Däne­mark) hervortaten.

Im Handball-Turnier erfocht Deutsch­land einen klaren 16:6 - (9:3-) Sieg über die Schweiz und bestreitet nun gegen Oest er­reich, das Ungarn mit 11:7 (5:2) abfertigte, am Freitag das entscheidende Spiel um den Olympia- Sieg. Auch im Hockey qualifizierte sich D e u t s ck- land durch einen feinen 3:0-(l:0-)Sieg über Hol­land vor 25 000 begeisterten Zuschauern im Hockey-Stadion zum Endspiel gegen Indien, das ebenfalls am Freitag ausgetragen wird. Indien war Frankreich haushoch überlegen und siegte zweistellig mit 10:0 (4:0). Um den dritten und vierten Platz tragen Frankreich und Holland em Entscheidungsspiel aus. Im Basketball- Tur­nier fanden am Mittwoch nur drei Spiele der Endrunde statt, da Peru auch hier seine Mann­schaft zurückgezogen hatte und Polen daher kampf­los unter dieLetzten Vier" kam. In der Vor­schlußrunde stehen außer Polen noch USA. (56:-3- Sieg über Philippinen), Mexiko (34:17-Sieg gegen Italien) und Kanada (41:21-Sieg gegen Uruguay). Kanada - Polen und USA. - Mexiko heißen die Spiele der Vorschlußrunde, deren Gewinner am Freitag das Endspiel bestreiten. Beim olympischen B o x - T u r n l e r in der Deutschlandhalle stand am Mittwochnachmittag nur ein deutscher Vertreter im Kampf, und zwar der Fliegengewichtler Kai - f er, der den Chilenen Lopez m der dritten Runde durch Kampfabbruch besiegte.

Auch auf der Regatta-Bahn i n (B r ü n au herrschte am Mittwoch wieder reger Bettueb Es wurden die Vorläufe zum Zweiermi. , Vierer ohne", Doppelzweier und Achter sowie die Hoff­nungsläufe zum Einer entschieden. Dabei gari «s wieder schöne deutsche Erfolge. Im Zweier gewannen Gustmann-Ada m s k i von «ber Fach- amtszelle G^ünau ihren Dorlauf vor Italien und

Ungarn, im Viererohne" siegte die Würzbur­ger Mannschaft vor Oesterreich und Dänemark und im Doppelzweier waren Kaidel-Pirsch (Zelle Grünau) gegen England und die Schweiz erfolg­reich. Lediglich im dritten Achter-Dorrennen mußte sich die Deutschland vertretende Berliner Wiking-Mannschaft mit dem zweiten Platz hinter der Schweiz begnügen. Der Abstand im Ziel betrug jedoch nur eine Zehntelsekunde und es besteht daher alle Hoffnung, daß sich der deutsche Achter noch in den Hoffnungsläufen für die Ent­scheidung durchringt. In den vier Hoffnungsläufen zum Einer befand sich kein Deutscher, da ja Gustav Schäferseinen" Dorlauf am Dienstag sicher ge­wonnen hatte. Hasenöhrl - Oesterreich, Nar­row- USA., Giorgio- Argentinien und C a m p- bell» USA. holten sich durch ihre Siege die Be­rechtigung, in die Entscheidung eingreifen zu können.

Im Mannschaftsturnen der Frauen (hier werden die Einzelsiege an den verschiedenen

Geräten nicht mit Medaillen ausgezeichnet) errangen Deutschlands Turnerinnen einen großen Olympischen Sieg vor der Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien und Polen. USA., Italien und Großbritannien belegten in dieser Reihenfolge die nächsten Plätze. Deutschlands Punktzahl betrug nach Abschluß der Hebungen 506,50 Punkte gegen 503,60 der tschecho­slowakischen Turnerinnen und 499 der Ungarinnen.

Die deutschen Säbelfechter konnten einen schönen Erfolg buchen. In der Zwischenrunde des Mannschafts-Wettbewerbs siegten sie mit 11:5 über Frankreich, nachdem sie vorher knapp 7:9 gegen Belgien verloren hatten.

Nach dem 11. Wettkampftag hat Deutschland be­reits den Gewinn von insgesamt 62 Olympischen Medaillen aufzuweisen. 19 Goldene, 18 Silberne und 25 Bronzene Medaillen wurden von unseren Olympiakämpfern und Kämpferinnen errungen. Ein Erfolg, den sich vor Beginn der Spiele keiner zu erträumen gewagt hatte und der deshalb um so schöner und wertvoller ist!

dem Führer Adolf Hitler.Indem wir sei­ner gedenken", so schloß Oberbürgermeister Beh­rens,begrüßen wir die Nationen der Welt." Noch einmal präsentierten die Ehrenkompanien, und schon brauste ein dreifaches Sieg-Heil zum nächtlichen Himmel empor. Die Klänge der Nationalhymnen beendeten den Schluhtag der olympischen Segel­wettkämpfe.

Der Zwischenfall peru-FIFA.

Peru hat das größte Gesühl des Dankes gegenüber Deutschland.

Berlin, 12.2Iug. (DNB.) Während der Aus­gleichsoerhandlungen zwischen der Sportmannschaft Perus und der FIFA, der obersten internationalen Behörde für das Fußballspiel über den Streit zwischen Peru und der FIFA., der dadurch ent­standen ist, daß nach einem für Peru mit 4:2 gegen Oesterreich gewonnenen Dorrundenspiel die FIFA, das Spiel für ungültig erklärte und Peru sich wei­gerte, an einem zweiten Spiel teilzunehmen, er­klärte der Londoner Gesandte Perus Benavides in einem Gespräch mit dem Vertreter des Lokal­anzeigers, daß er sich verpflichtet fühle, als Ver­treter Perus im Internationalen Olympischen Ko­mitee vor der ganzen Welt festzustellen, daß keine einzige deutsche Stelle irgend etwas mit der Sache zu tun habe. Die FIFA, habe der peruanischen Fußballmannchaft in den Vorrun­denspielen Sportplätze zur Verfügung gestellt, mit deren technischer Einrichtung die Mannschaft nicht ganz vertraut gewesen sei. Keine deutsche Stelle-sei dafür verantwortlich. Don der Entscheidung der FIFA, gegen Peru sei die Mannschaft völlig überrascht worden. Man habe gefordert, daß Peru auf Grund feines Sieges gegen­über Oesterreich in den weiteren Zwischenrunden spielen würde. Man habe sich bereiterklärt, nach der Entscheidung im Fußballspiel ein Freundschafts­spiel mit Oesterreich durchzuführen.

In Lima sei die Freude über den Sieg Perus im Fußballspiel gegen Finnland und gegen Oester­reich sehr groß gewesen. Die Nachrichten über die Zwistigkeit habe man mit einer gewissen Erregung ausgenommen. Die Demonstrationen in Lima, in die auch die deutsche und die österreichische Gesandtschaft hineingezogen wurden, seien nicht von Peruanern, sondern von fremden Elementen ver­anlaßt.

Ich kann, fo erklärte der Gesandte, Ihnen auf das bestimmteste versichern, daß diese Demon­strationen, die wir fehr bedauern, von fiom- munisten durchgeführt wurden. Dir haben leider mehrfach erleben müssen, daß fremde kommunistische Elemente den versuch machen, mit den Nachbarstaaten und mit gro­ßen europäischen Staaten uns in Konflikt zu bringen. Ich habe meinem Präsidenten mit­geteilt, wie herzlich die peruanische Wannschasl in Berlin ausgenommen wurde und wie glück­lich wir uns hier fühlen. Jeder einzelne der peruanischen Mannschaft ist bereit, die Er­klärung abzugeben, daß wir das größte Gefühl des Dankes gegenüber Deutschland empfinden. Unsere Sympathie gilt nicht nur dem deutschen Volke, sondern auch der deutschen Regierung. Wir sehen gerade in dieser Lage, in die wir wieder durch die kommunistische Agitation gebracht sind, im heutigen Deutschland die entscheidende Wacht gegen den Kommunismus.

©er Führer im Olympia-Stadion.

Berlin, 12. Aug. (DNB.) Auch am Mittwoch wohnte der Führer und Reichskanzler den sportlichen Wettbewerben im Olympia-Stadion bei. Er traf während des Handballfpie- les Oesterreich Ungarn ein, um an­schließend Zeuge des Kampfes der deutschen Handballer gegen b i e Schweiz zu sein. Neben dem Führer sah man u. a. in der Ehren­loge: den Stellvertreter des Führers, Reichsmini- fter Rudolf Heß, die Reichsminister £)r. Frick, Ruft und Graf Schwerin-Krosigk, Ge­neraloberst Freiherrn von Fritsch, die Reichsleiter Bouhler und Dr. Dietrich, Staatssekretär Pfundtner, die Obergruppen­führer Brückner und Sepp Dietrich, Bri­gadeführer Schaub, General D a I u e g e, Reichs­sportführer von Tschammer und Osten sowie zahlreiche weitere hohe Vertreter von Partei und Staat und führende Mitglieber des Olympischen Komitees.

Gchwarzmann zum Leutnant befördert

Berlin, 12. Aug. (DNB.) Auf Vorschlag des Oberbefehlshabers des Heeres hat der Reichskriegs­minister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht den Feldwebel Schwarzmann wegen seiner hervor­ragenden Leistungen bei den Olympischen Turn- wett k ä m p f e n zum Leutnant befördert. Besuch im olympischenZeltlager derHZ

Berlin, 12. Aug. (DNB.) Auf Einladung des Reichsjugendführers hatten die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees unter Füh­rung ihres Präsidenten Graf de Baillet-Latour, Mitglieder des Diplomatischen Korps und zahlreiche ausländische Jugendführer Gelegenheit, das Leben und Treiben im Olympia-Lager der Hitlerjugend kennen zu lernen. Die sportlichen Vorführungen und das Leben am Lagerfeuer gaben den Gästen einen Einblick in die Erziehungsarbeit an der deut­schen Jugend und ihre gesundheitliche und charak­terliche Ertüchtigung.

Feier des Friedens.

Berlin war die Vollendung des Möglichen. Man darf für später nicht llebermäßiges verlangen.

Sin Gespräch mit dem Grasen Vaillel-Laiour.

Berlin, 12. Aug. (DNB.) Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Graf de Baillet-Latour zog in einem Gespräch mit derNachtausgabe" die Bilanz der XI. Olympischen Spiele zu Berlin, die er als einen nicht mehr zu überbietenden Höhepunkt bezeichnete. 'Couber­tins Ziel ist es immer gewesen, zu erreichen, daß die Massen einer Nation, wenn sie die Olympischen Spiele gestalten, auch wirklich vom olympischen Gei ft erfaßt werden. Dieser Wunsch ist in Deutschland in solchem Maße in Erfüllung gegangen, daß wir darüber alle das tiefste Glück empfinden. Wir haben jetzt 'in Berlin das H ö ch st maß der Möglichkeiten für Olympische Spiele erreicht. Das bedeutet die Mah­nung, nicht für später Uebermäßiges zu ver­langen. Die Organisation der Spiele muß auf die Leistungsfähigkeit aller Nationen Rücksicht nehmen. Ich könnte mir Olympische Spiele vorftellen, bei denen wesentlich weniger Sportler erscheinen als in Berlin, weil nur die Männer und Frauen mit wirklichen Aussichten des Sieges kommen. Dann wäre auch kleineren Ländern die Möglich­keit gegeben, die sportliche Jugend der Welt bei sich zu sehen. Wir dürfen nicht nur die Organisa­tion unter dem Gesichtspunkt der Möglichkeit gro­ßer Nationen ins Auge fassen. Für Tokio können z.B. auch nur die gleichen Maße gelten wie für Berlin. Ein größeres Stadion zu bauen, als es in

Berlin in bewundernswerter Schönheit und tech­nischer Gestaltung uns zur Verfügung gestellt ist, würde eine Gefährdung der Gemeinschaft zwischen Sportlern und Zuschauern bedeuten. Das Berliner Stadion bringt die Vollendung des Möa- l i ch e n, vielleicht wird in Tokio sich nur die Hälfte der Sportler versammeln, die nach Berlin gekom­men sind. Das ist kein Rückschritt. Die Verhältnisse des Landes und die verkehrstechnischen Möglich­keiten müssen jeweils den Rahmen der Spiele beftimmen.

Es geht um den Frieden zwischen den Menschen. Darin liegt der höchste Wert der Spiele, wie ihn Coubertin immer gesehen hat, und wie ihn auch Deutschland begriffen hat. Diese Seite des Friedens ist keine Sache eines Außenministers oder gar eines Kriegsministers. Es ist nur Sache der Menschen. In einem Zeitalter, in dem die einen Staaten demokratisch regiert werden und in anderen Staaten der Volkswille auf anderem Wege zur Geltung kommt, ist es vop größter Wichtigkeit, daß sich die Menschen der oerfchiedenen Nationen untereinander genau kennenlernen. Wenn hier Hunderte von Franzosen wochenlang in Berlin mit Deutschen zusammengelebt haben, bann gehen sie selbstverständlich mit einem besseren und reineren Denken über Deutschland wieder nach Hause. Das mag nur ein Beispiel sein. In diesem Sinne sind die Olympischen Spiele eine Feier des Friedens. Wir haben diese Feier in Berlin täglich erlebt. Das war das Höchste, was uns in den Olympischen Spielen geschenkt werden konnte."

Das Olympische Feuer in Kiel gelöscht.

Schlußfeier der Segelolympiade.

Kiel, 12. Aug. (DNB.) Arn Mittwochabend fand am Hindenburgufer eine erhebende A b - schlußfeier für bie Segelolyrnpiabe statt, bei ber nach einem feierlichen Akt bas Olym­pische Feuer auf ber Hansekogge, bas seit neun Tagen loberte, gelöscht unb bie Olympische Flagge eingeholt würbe. Am Hinbenburgufer leuch­teten von brei weißen Säulen mit golbenen Oel- zweigen bie fünf olympischen Ringe im hellen Scheinwerferlicht. Die Flaggen der 26 an den Se- gelwettkämpfen beteiligten Nationen flatterten im Äbendwinb. In großem Halbkreis hatten bie For­mationen ber Partei unb ber Kriegsmarine mit Fackeln Aufstellung genommen. Vor ihnen ftanben bie Ehrenkompanien ber Luftwaffe unb ber Kriegs­marine. Unter den Klängen ber Musikkapellen er­folgte der Anmarsch ber Segler ber 26 Na­tionen.

Oer Führer des Deutschen Segler- verbandeS/Oberstleutnanta.O.Ketvisch/ verlas bann bie siegreichen Nationen. An sechs Masten stiegen babei nadjeinanber unter ben Klän­gen der Nationalhymnen der Siegerländer die Flaggen dieser Länder, Deutschland, Großbritan­nien, Holland, Norwegen, Schweden und Italien empor, während bie Ehrenkompanie präsentierte und die Zehntausende in jubelnde Beifallsrufe aus­brachen. Mädels des BDM. schmückten daraufhin die Sieger mit Lorbeerkränzen. Unter den Klängen eines Fanfarenmarfches schossen Raketen von den im Hafen liegenden Kriegsschiffen empor. Der Hafen wurde in ein buntes Lampionmeer verwan­delt, von den Kriegsschiffen leuchteten bie bläu­lichen Scheinwerferkegel zum nächtlichen Himmel; bas Scheinwerferspiel der Flotte begann.

Der Führer des Deutschen Seglerverbandes er­klärte: Die Segelwettkämpfe der Olympischen Spiele sind im Geiste des olympischen Gedan­kens geführt worden. Nicht jeder konnte Sieger werden, das wißen alle, aber jeder hat trotzdem

den Kampf um des Kampfes willen bis zum äußersten durchgeführt. Für diesen Einsatz banke ich Ihnen, meine Kameraben aller Nationen. Der Rebner wies weiter auf die Tatsache hin, daß bie 26 Nationen sich in ber Zeit gemeinsamen Kampfes unb Zusammenlebens in Kiel kennen und schätzen gelernt hätten als Kameraden unb Menschen. Diese innere Verbunbenheit möge jeber in feine Heimat mitnehmen unb im olympi­schen Geist bem Frieben ber Welt dienen. Das Olympische Feuer werbe gelöscht, aber in jedem werde es weiterglühen.Wir holen die olympische Flagge nieder, aber sie wird immer, ewig jung, über ben künftigen Geschlechtern leuchten."

Unter bem Donner ber Böller und den Klängen der Olympischen Hymne wurde die Flagge niederaeholt und die Olympische Flamme auf der Hansekogge gelöscht. Die Ehrenkompanie präfentierte erneut, die Menge grüßte die nieder- gehende Flagge mit erhobener Rechten. Das nieder­geholte Flaggentuch wurde von Fackelträgern der Kriegsmarine über die Bellevue-Landungsbrücke getragen und Oberstleutnant a. D. Kewisch über­geben, der die Flagge mit den olympischen Ringen mit den Worten in Empfang nahm:Ich nehme diese Flagge zu treuen Händen in Verwahrung, bis wir ste in vier Jahren an Japan für die Olympischen Spiele 1940 aushändigen werden."

Ein Trompetensignal schmetterte über den Hafen. Auf den Kriegsschiffen erschienen plötzlich die Be­satzungen mit Fackeln und umkränzten mit strah­lendem Fackelschein die Decks in chrer ganzen Länge. Auf ein rotes Leuchtsignal verlöschten die Fackeln mit einem Schlage.

Oberbürgermeister Behrens sprach den Dank Kiels an das Internationale Olympische Komitee dafür aus, daß Kiel Kampfplatz der olympischen Regatten sein konnte. Sein Dank für das muster­gültige Gelingen ber olympischen Segelwettkämpfe galt bem Schirmherrn ber Olympischen Spiele, bem Künder unb Vollstrecker des deutschen Willens,