Ausgabe 
13.3.1936
 
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Nr. 62 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Zreltag, 13. Marz 1936

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Deutschland muß leben!

Oes Führers erste große Rede im Wahlkampf vor Zehntausenden von Volksgenossen der deutschen Güdwestmark in Karlsruhe

Karlsruhe, 12. März. (DNB.) Seit Tagen hat die Stadt und mit ihr die ganze Südwestmark eine große Freude beherrscht, die Freude, den Führerdes deutschen Volkes erwarten zu können. Am Donnerstag pulsierte durch die mit Fahnen und mit Tannengrün überreich geschmück­ten Straßen ein Leben, wie es Karlsruhe kaum kennt. Von etwa 16 Uhr ab brachte Sonderzug um Sonderzug unübersehbare Menschenmassen, die in vorbildlicher Organisation vom Bahnhof aus über die östlichen Straßenteile der Mittelstadt zur Hochschul-Kampfbahn geleitet wur­den. Riesigen Schlangen gleich wanden sich die Menschen in ununterbrochener Folge über zwei Stunden durch die Straßen.

Ankunft auf dem Flugplatz.

Auch auf dem festlich ausgeschmückten Flug­platz sammelte sich eine große Menge erwartungs­voller Menschen. Um die fünfte Nachmittags­stunde erschien die badische Regierung, mit Gaulei­ter Reichsstatthalter Robert Wagner an der Spitze. Es versammelten sich die führenden Per­sönlichkeiten der Partei und der Behörden. Kurz vor 18 Uhr erschien das Flugzeug des Füh­rers über der Stadt und landete. Der Führer wurde mit stürmischen Heilrufen von der Menge begrüßt. Ein BDM.-Mädel überreichte dem Führer einen prächtigen Blumenstrauß. Der Führer schritt unter den Klängen des Badenweiler Marsches in Begleitung des Reichsführers SS Himmler die Front der nationalsozialistischen Ehrenformationen ab.

Die Fahrt zur Wohnung des Reichsstatthalters ging durch jubelnde, begeistert grüßende, unüberseh­bare Menschenmassen. Der Führer dankte mit er­hobener Rechten für die aus übervollem Herzen kommenden Beweise der Liebe und Verehrung.

Die Kundgebung.

Eine Stunde vor Beginn der Versammlung war das über 60 000 Menschen fassende Riesenzelt auf der Hochschulkampfbahn überfüllt. Außerhalb des Zeltes wogte eine dichte Menschenmenge. Tau­sende und aber Tausende warteten in den Straßen und auf den Plätzen der Stadt vor den Laut­sprechern. Es ist der Feder nicht gegeben, die un­beschreibliche, aus dem Herzen strömende Freude, ausgedrückt in nicht endenwollendem und immer neu anschwellendem Jubel zu beschreiben, die in Karls­ruhe dem Führer entgegengebracht wurde. Ein einziger Gedanke lag darin: Dank dem Füh­rer, der vom Rheingebiet die Schmach der Ent­rechtung genommen, der ihm die Friedensgarniso- nen wiedergegeben und es mit allen anderen deut­schen Gauen wieder gleichgestellt hat.

Wenige Minuten nach 20 Uhr kündigte im Zelt der Badenweiler Marsch das Erscheinen des Führers an. Durch den langen Mittelgang des Zeltes schritt der Führer, begleitet von Reichsstatt­halter Wagner, umbrandet von den Heilrufen der Zehntausende. Nur langsam ebbten die Heilrufe ab. Nach kurzen Begrüßungsworten des Gauleiters spricht der Führer.

Die Erbschaft: ein Volk vor der Katastrophe.

Lauter Fähnchen und nicht eine einzige deutsche Fahne.

Meine deutschen Volksgenossen und -genossinnen!

Drei Jahre geht der Kampf der nationalsozialisti- fchen Bewegung jetzt in Deutschland. Ein beispiel­loses Ringen ging diesem Kampf voraus. Wir haben damals keine reiche Erbschaft übernommen, sondern einen vollkommen zerfallenen Staat und eine zerfallene Wirtschaft. Auf allen Gebieten ein Zusammenbruch. Niemand hatte mehr den Glauben, daß es noch einmal ge­lingen würde, die deutsche Wirtschaft wieder in Gang zu setzen. Allein schlimmer noch als dies war der Verfall der deutschen Arbeits­kraft. Fast sieben Millionen Erwerbslose! Und noch schlimmer als das: Millionen Deutsche, die ihren Beruf nicht mehr ausüben konnten und Mil­lionen junger Deutscher, die heranwuchsen, ohne einen ordentlichen Beruf zu lernen. Es war die Zeit, in der das deutsche Volk aufhörte, ein Volk von gelernten Arbeitern zu sein und begann, e i n Volk von Hilfsarbeitern zu werden. Jeder Mensch konnte voraussehen, daß diese Entwicklung, durch drei, vier, fünf Jahre fortgesetzt, zu einer Katastrophe führen mußte.

Dieser wirtschaftlichen Entwicklung entsprach auch unser innerpolitischer Zerfall. 46 Par­teien versuchten damals, das deutsche Volk zu ver­treten. Lauter Fähnchen und nicht eine einzige deutsche Fahne! Deutschland befand sich im Zustand vollkommener Auflösung! Keine großen politischen Gedanken, keine großen Ideale,

keine Triebkraft außer bei einer einzigen Be­wegung bei unserer Nationalsozialistischen Par­tei! Wir sehen weiter in dieser Zeit nicht nur den Parteienzerfall, sondern den Zerfall des Vol­kes an sich in zahllose Gruppen, in Stadt und Land, in Arbeiter und Bauern, in Angestellte und Beamte, in Proletarier und Akademiker, in Katholiken, Protestanten, in Monarchisten, Republi­kaner usw. Deutschland hatte damals aufgehört, von einem Volk bewohnt zu sein, und war statt dessen Heimstätte geworden für einander widerstrebende und widerstreitendeJnteressentengruppen.

Und dem entsprach dann auch die Stellung Deutschlands in der Welt. Das Jahr 1918 war nicht nur ein Zusammenbruch, der die deutsche Nation in ihrem inneren Leben traf, nein, ein Zu­sammenbruch, der ihre Stellung auf viele Jahre der Außenwelt gegenüber festlegte. Deutschlands Fall war aber nicht der Fall eines Volkes allein oder eines Staates, er war auch der Fall Eu­ropas, denn seit diesem deutschen Fall sehen wir in Europa eine Periode ewiger Krisen, fortgesetz­ter Spannungen und laufender Katastrophen. Die­ses Europa und die ganze Welt, sie sind seitdem nicht ruhiger. Die Gegensätze sind nicht geringer geworden, im Gegenteil: sie sind stärker und krasser als je zuvor. Mißtrauen erfüllt heute die Völker, auf der einen Seite Haß, auf der an­deren Seite Neid oder Furcht. So wie unser deut­sches Volk im Innern zerfallen war, erlebten wir es nun auch bei den andern.

Der Kamps für ein neues Deutschland.

Für deutsche Ehre und gleiches Hecht auf der Grundlage eigener Kraft.

In diesem Zustand traten wir am 30. Januar 1933 d i e Macht an. Damals hatte ich nichts hinter mir als diese eine Bewegung, aber auf sie stützte ich mich, denn auf sie konnte ich mich blind verlassen und a u f meinen Glauben, der mich selbst nie verlassen hat!

Mit dieser Kruft begann ich den Kampf um mein neues Deutschland. Ich habe mir damals einige Punkte vorgenommen und mir heilig geschworen, von diesen Punkten nie zu lassen.

1. Ich bin eingetreten für die deutsche Ehre in der Ueberzeugung, daß, wie ein einzelner Mensch nicht ohne Ehre zu bestehen vermag, auch ein Volk nicht ohne Ehre leben kann. (Hier setzt tosender Beifall ein). Nur charakterlose Menschen können glauben, daß solche Ehrbegriffe für das Vaterland nicht nötig sind. Ich bin überzeugt, daß, wenn das deutsche Volk nicht bewußt zu dieser Ehre erzogen wird und gewillt ist, für sie einzustehen, ihm auch auf die Dauer das tägliche Brot auf die­ser Welt nicht gesichert sein wird.

2. Ich trat daher von diesem Augenblick an ein für das gleiche Recht des deutschen Volkes. So wie ich im Innern des Reiches den Standpunkt vertrete, daß es nicht zwei- und dreier­lei Recht gibt, so konnte ich mich auch nicht abfin- den mit einer Stellung Deutschlands, die zweiten oder dritten Rechtes ist. (Wieder geradezu endloser Beifall.) Ich habe mir damals geschworen, für die­ses gleiche Recht Deutschlands einzutreten, mutig und tapfer bis zum äußersten. (Erneute Berfalls- fturme).

Unb ich mir drittens überzeugt, daß die natio­

nale Ehre und das gleiche Recht nur bestehen können auf der Grundlage der eigenen Kraft. So wie ich im Einzelleben des Menschen sagen muß, daß seine Existenz abhängig ist von seiner Tatkraft, von seiner Entschlossenheit, von seinem Mut, von seinem Fleiß und nicht von der Hilfe anderer, so bin ich auch überzeugt, daß zuerst jedes Volk nur bauen darf auf seine eigene Kraft! (Die Massen jubeln dem Führer zu.)

Und viertens war ich entschlossen, dafür zu sor­gen. daß diese Kraft sich äußert durch einen willen und eine Tat! Ich habe das gegen diejenigen durchgeseht, die in der Vielzahl des Lebensausdrucks eine Bereicherung des Lebens sehen wollten. Ich habe mich gegen die gewendet, die dem Volk einreden wollen, daß die sogenannte ..Freizügigkeit der Mei­nungsäußerung" eine Stärkung der Lebens­kraft fei. Ich habe demgegenüber die heilige Ueberzeugung verfochten, daß die Kraft eines Volkes in der Zusammenfassung fei­nes Willens in seinem Interesse lie­gen muh. in seiner Entschlossenheit zu einem Entschluß und in der Zusammenfassung seines handelns zu einer Tat! (Brausende Zu­stimmung.)

5. Ich war damals entschlossen, im Innern Deutschlands den Frieden herzustellen, einen Frieden gegen die, die glauben, durch Partei- und ewige Wirtschaftskämpfe ihre Interessen.wahrneh­

men zu können. Ich habe mich in diesen Jahren unentwegt zu dem Glauben bekannt, daß ein Volk nur dann zu gedeihen vermag, wenn es seine inneren Differenzen soweit meistert und überwindet, daß nicht durch diese Diffe­renzen sein gemeinsamer Lebenskampf gelähmt und am Ende gehindert wird. Auch ich sehe natürlich und sah die verschiedenen Interessen, die in einem Volke bestehen. Auch ich sehe den Städter, den Handwerker, den Bauern, den Ange­stellten, den Unternehmer, und ich verstehe, daß sie alle glauben, ihre besonderen Interessen auch beson­ders vertreten zu müssen. Allein ich weiß, daß, wenn diese Interessenvertretungen in Zügellosigkeit aus­arten, sie alle am Ende doch nicht ihre Interessen finden können, sondern nur gemeinsam ihre Inter­essen vernichten werden. (Tosende Zustimmung.)

Ich habe mich demgegenüber auf den Standpunkt gestellt, daß ein Regime unabhängig sein muß von solchen Interessen. Es muß vor uno entgeaen den Interessen der einzelnen das Interesse der Gesamtheit im Auge behalten. Ich kenne kein Regime der Bürger und kein Regime J)er Arbeiter, kein Regime der Städter, des Handwerks oder des Handels, ich kenne auch kein Regime der Industrie, sondern nur ein Regime des deutschen Volkes. (Brausende Zustimmungs­

kundgebung.) Wie auch diese Menschen sich im ein­zelnen stellen zu müssen glauben, sie sind unlösbar miteinander verbunden, und e i n Schicksal hebt sie alle empor, schweißt sie zusammen oder zerbricht sie. Ich habe daher versucht, diesen inneren Frieden Deutschlands wiederherzustellen. Es ging nicht immer leicht, und die heilige Einfalt und Unver­nunft hat sich mit allen Mitteln dagegen gewendet. Jetzt nach drei Jahren werden Sie zugeben: Lang­sam sind alle deutschen Interessen dabei nun gut vertreten worden und zu ihrem Recht gekommen! Nicht einzelnen in der deutschen Wirtschaft ist das zugute gekommen, sondern dem ganzen deut­schen Volke. Und wenn der eine oder andere glaubt, daß er zu kurz gekommen ist, so sage ich ihm: Mein lieber Freund, ich habe in drei Jahren so viel getan, wie Überhaupt ein Mensch nur tun konnte! (Minutenlanger Beifallssturm.) Wenn meine Vorgänger alle in all den Jahren genau so viel geleistet hätten wie ich in diesen letzten dreieinhalb Jahren, so stände ich gar nicht hier. Im allgemeinen sagt man, daß das Einreißen viel schneller geht als der Aufbau. In diesem Fall, glaube ich, ging der Aufbau schneller vor sich, als früher sogar der Abbruch sich vollziehen konnte. (Tosende Zustim­mung.)

Ich habe an mein Ideal aeglanbl, weil ich an mein Volk glauben wollte.

Ich habe mich bemüht, dem deutschen Volke den inneren Frieden zu bringen, heule nach drei Jahren darf ich sagen: Das deutsche Volk ist das innerlich zufriedenste Volk der Welt. Daß es heute dem deut­schen Volk weit besser geht als damals, daran wird dos kopfschütleln derer nichts ändern, die immer glauben, alles kritisieren zu müssen. Diese Leute können sich selber gar nicht ein­mal vorslellen. wie es denn heute anders fein sollte. Denn es kann sich heute doch keiner ein­bilden, daß es in Deutschland noch denkbar wäre, wieder die 46 Parteien aufzumachen ober wieder den Klassenkampf zu beginnen oder die einzelnen Gruppen und Stände gegeneinander auszuspielen. Nein, das i ft vorbei! (Tosende Zustimmung.)

Diese Neuordnung im besten Sinne nimmt von Jahr zu Jahr zu im Dienste unseres Volkes und seiner Interessen. Wir sind noch im Aufbau begriffen, die Zeit aber wird weiterschreiten. D i e Bewegung wird bleiben! Je mehr aber diese Zeit fortschreitet, um so stärker wird die Ar­beit fortgesetzt, und am Ende wird es doch noch gelingen, das ganze Volk in eine große Familie zu verwandeln. (Brausender Beifall.)

Wenn gesagt wird, das seien blasse Ideale, so antworte ich: Mein Herr, wenn ich nicht ein gren­zenloses Ideal gehabt hätte, dann stände ich jetzt nicht hier! (Jubelnde Zustimmungskundgebungen). Ich habe an mein Ideal geglaubt, weil ich an mein Volk glauben wollte! Ich kann mich in Zukunft nicht von diesen Idealen lösen und mich nicht von ihnen trennen. Sie wer­

den bleiben, weil nur so der Lebensweg unseres Volkes zum Nutzen des ganzen Volkes gefunden werden kann, und weil ich nur so, von diesen Idea­len ausgehend, die richtige Beantwortung finde der großen Fragen, die uns außerhalb des deutschen Volkes berühren.

Denn so, wie im Innern alle meine Entschei­dungen getragen wurden von der lleberzeu- gung, für den Frieden der Nation, für die innere Verständigung, für eine gegenseitige Rücksichtnahme und damit für die praktische Er­ziehung zum Nationalsozialismus zu wirken, so habe ich mich auch bemüht, das deutsche Volk der Umwelt gegenüber einzustellen. Auch dort ging ich von dem großen Ideal des Friedens in der Ueberzeugung aus, daß nur in und unter diesem Ideal auf die Dauer die europäischen Völker und darüber hinaus die Welt glücklich fein können. Es ist mein Wunsch, auch die großen Gegensätze im Völkerleben genau so wie im Innern des Landes nach den Gesichtspunk­ten des Rechtes, der Billigkeit und damit der Vernunft zu lösen. (Beifalls­stürme.) Wan könnte ja auch sagen, das fei nicht möglich, das fei phantastisch, das seien Ideologien. Nun, ich glaube an diese Ideolo­gien, und es ist schon Wunderbares auf diesem Gebiet gelungen! Ich trete ja nicht an das deutsche Volk als ein Schwäher heran. Ich kann sagen: diese Gedanken haben mich drei Iahre lang geleitet, und sie haben mich gut geleitet.

(Die Massen jubeln dem Führer zu.)

Die europäische Vöikersamilie.

Als ich vor drei Jahren die Regierung übernahm, war das deutsche Volk in Europa nur von Feind­seligkeiten umgeben. Und das schlimmste war hier­bei, daß dieser Mentalität so wenig Ueberlegung auf allen Seiten zugrunde zu liegen schien. Weder hier noch anderswo wurden die Probleme mit der genügenden Nüchternheit durchdacht. Man ließ sich hineintreiben in Haß, Mißgunst, in Furcht und Eifersucht. Ich habe mich bemüht, in die Beziehun­gen Deutschlands zur Umwelt die Vernunft zu bringen. Ich habe mit bemüht, die Beziehungen aufzubauen auf ewig als richtig erwiesenen Grund­sätzen menschlicher Zusammengehörig­keit und menschlicher Gemeinschafts­arbeit. Ich habe versucht, der Welt und dem deutschen Volke klarzumachen, daß Euröpe ein klei­ner Begriff ist, daß in diesem kleinen Europa seit Jahrhunderten tiefe Verschiebungen nicht mehr statt­gefunden haben, daß es sich hier in Europa u m eine Völkerfamilie handelt, daß die einzel­nen Mitglieder dieser Familie in sich aber unendlich gehärtet sind, daß sie Nationen darstellen, er­füllt von Tradition, zurückblickend auf eine große Vergangenheit, eine eigene Kultur ihr eigen nen­nen und mit Stolz auf die Zukunft hoffen.

Ich habe mich bemüht, unserem Volk und dar­über hinaus auch den anderen begreiflich zu ma­chen, daß jede haßerfüllte Auseinandersetzung nur vorübergehend kleine Erfolge zeitigt. Die europäischen Grenzen der Staaten können wech­seln ihre Völker bleiben stabil! Staats­grenzen kann man verändern, Volksgrenzen sind Zeradczu unveränderlich geworden! Es gibt

keine leeren Räume in Europa, in die die Massen eines Volkes hineinströmen können. Es gibt keine Völker in Europa, die ohne weiteres ihrem Wesen entfremdet werden könnten. Es gibt aber auch keine Notwendigkeit, und es ist daher ohne Sinn, zu versuchen, Völker ihrer Eigenart zu entkleiden, um ihnen eine fremde aufzuzwingen.

Ich habe mich bemüht, von dieser ganz nüchter­nen Erwägung aus das Verhältnis Deutschlands zu seiner Umgebung zu bessern, und es war nicht er­folglos.

Vor drei Jahren, als Deutschland im tiefsten Gegensatz zu Polen stand, gelang es mir, diese Spannungen allmählich zu mildern, und dank des tiefen Verständnisses eines anderen großen Führers und Staatsmannes ist es gelungen, langsam zwei Völker einander zu nähern. Aus dieser Annäherung kam allmählich eine Verstän- digung und aus der Verständigung die lieber- zeugung der Notwendigkeit eines freundschaft­lichen Nebeneinanderlebens und daraus wieder langsam eine gegenseitige Rücksicht­nahme. Ich bin der Ueberzeugung, daß man einmal nach einer gewissen Zeit nicht mehr ver­stehen wird, wieso zwei Völker in der Sphäre einer sich bildenden sogenanntentraditionellen Erbfeind­schaft" leben konnten! Ich habe mich bemüht, dieses Verhältnis zwischen den beiden Völkern, soweit es Deutschland betrifft, zu normalisieren! (Lebhafter Beifall.) Es ist zum Nutzen beider Völker gelungen und nur zum Schaden vielleicht von einigen kommunistischen Unruhestiftern. Daß aus dieser Verständigung der Wirtschaft