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im fünfzehnten Jahrhundert durch die Portugiesen anaesiedelten Negersklaven durch teilweise Ver­mischung mit der Herrenrasse entstanden und be­steht heute ausschließlich aus Negern und Misch­lingen. Die Stadt soll einschließlich der auf den umliegenden Bergplateaus lebenden Neger etwa 20 000 Einwohner zählen. Bedürfnislos, aber ar­beitsunlustig, ein Hauptgrund für den geringen Er­trag der Inseln, die im Inneren, wo der heiße Passat nicht alles ausdörren kann, eine überraschend reiche Vegetation aufweisen. In erster Linie wird Mais gebaut, Bananen und Südfrüchte, Kaffee und Zucker. Alles wird nur in geringer Menge aus­geführt. Der Haupterwerb ist der reiche Fischfang.

Der wichtigere Hafen und Umschlageplatz ist Porto Grande auf der Insel St. Vincent. Die Inseln, nach dem westlichsten Punkt der benachbar­ten afrikanischen Küste, dem nur 570 Kilometer entfernten Cap Verde benannt, besteht aus zehn größeren bewohnten und mehreren kleinen Inseln und weisen mit insgesamt 4000 Quadratkilometer rund 150 000 Einwohner auf. Reinrassige Euro­päer und Portuaiesen gibt es nur verschwindend wenige, die als Beamte, Arzt usw. ihren nicht be­neidenswerten Dienst versehen; auf der Insel ins­gesamt höchstens 5000 Weiße. Ihre Hauptbedeutung haben die Inseln als Kabelstation und Koblen- station, da sie auf dem Dampferweg nach Süd­amerika bzw. Westafrika liegen. Es gibt auch ein Hotel, einem alten, zahnlosen Portugiesen gehörig, wo man von freundlich grinsenden Negermädchen bedient wird und für lächerlich wenig Geld ein schmackhaftes Menü bekommt, von der Suppe an­gefangen über zarte Fischlein, die unvermeidlichen Inselhühner und Schweinefleisch zu saftiaen Apfel­sinen und Bananen und vorzüglichem Kaffee als Abschluß. Diesen Luxus leisten wir uns denn auch verschiedentlich, einmal wird sogar ein Geburtstags­dinera la Praia dort in fröhlichem Kameraden­kreise verzehrt.

Das verlockende Baden In der Brandung darf nur an einem nach dem Leuchtturm zu in einer kleinen Bucht angelegten haisicheren Badestrand be­trieben werden, der durch ein großes verankertes Netz gegen die gefährlichen Gesellen gesichert ist. Einzeln werden die Divisionen hier zum Buden ge­führt, und es herrscht ein ausgelassenes munteres Treiben. Reichlich salzig ist das Wasser, aber herr­lich die Brandung und die Sonne auf der nassen Haut. Ueberall verfolgen uns die Negerknaben mit ihren hübsch geflochtenen, bloß meistens furchtbar dreckigen Bastkörben und bieten Obst und Kokos­nüsse feil. Bald haben wir einen Einheitspreis heraus, über den keiner zahlt: 5 Eskudos 55 Pf. für einen Korb mit zirka 15 bis 20 Apfelsinen, möglichst noch zwei Kokosnüsse obendrauf!

Der Wind weht stetig aus Nordost und nimmt nach zwei Tagen an Heftigkeit zu, so daß mit der beabsichtigten Segelausbildung in den Booten zu-, nächst noch nicht begonnen werden kann. Dafür wird um so eifriger gepullt und der letzte Tag vor dem Auslaufen am 17. November, nach einem schö­nen Sonntag im Hafen, bringt als Krönung dieses wichtigen Ausbildungsganges das 1. Wettpul- l e n um den Wanderpreis des Komman­danten. Meine braven BB.-Kuttergäste enttäu­schen mich nicht und holen sich die Trophäe mit gut zwei Bootlängen Vorsprung vor den St.B.-Kutter- rivalen; dicht gefolgt von den sich wacker haltenden beiden Kadettenkuttern, die für diese Leistung nach der kurzen Ausbildungszeit ein verdientes Lob bei der Preisverteilung erhalten. Sie haben unter Be­weis gestellt, daß sie jetzt unbedenklich als Ret­tungsbootsmannschaft eingesetzt und auf hoher See für den Ernstfall weitergeschult werden können.

Und wieder gehts in See, auf dem Wege nach Pernambuco, dem Aequator und der Li­nie n t a u f e entgegen.

3m Reich des weißen Goldes.

Don unserem römischen G -Korrespondenten.

Rom, Anfang Dezember.

Auf ihrem unaufhaltsamen Vormarsch im Reich desEx-Löwen von Juda", wie die Italiener sa­gen, haben die weißen Eroberer nun das sagen­hafte Schatzland der Königin von Saba be­treten. Wenn sie nur ein Bruchteil von all den Kostbarkeiten der Erde finden, die nach den ur­alten Ueberlieferungen hier aufgespeichert sind, machen sich nicht nur die Kriegsausgaben buch­stäblich im Handumdrehen bezahlt, sondern es fällt den Unternehmern auch das Kapital in den Schoß, das sie für die Ausbeutung des noch un­erschlossenen riesigen Imperiums zunächst einmal hineinstecken müßten.

Schauen wir uns um: Es ist das Gebietder Galla, das sich hier, südlich vom Blauen Nil, in einer gewaltigen Landschaft auftut, das Strom­gebiet des Bir-Bir und des Ghibie, auf den man wegen seines gewundenen Laufes immer wieder stößt. Es ist das alte Sultanat des Gimma, schon immer die Perle des Kaiserreichs genannt, das Land C a f f a, von dem sich der Kaffee herschreibt, das Bergland Uollega, überragt von demHerrn von Uollega", dem 3890 Meter hohen Walel, dem Stammland der Galla, wo sie noch immer ihren Göttern opfern, obwohl sich in der Nähe, in Aira, eine deutsche evangelische Mission niedergelassen hat. Und wir sind vor allem im Minengebiet von Jubdo, im Reich des weißen Goldes, wie die Eingeborenen das Platin nennen. Im wilden Alaska Aethiopiens.

Um die Wahrheit zu sagen, wild ist nur die Na­tur und der weiße Abenteurer, die Gimmastämme hingegen, die zur großen Gallafamilie gehören, hal­ten es lieber mit dem häuslichen Frieden und dem einträglichen Handel, als mit dem blutigen Waf­fenhandwerk. Sonderbar, daß der Negus gerade in denwilden Westen" eine zum Aeußersten ent­schlossene Gegenregierung hineinphantasierte.

Selbst in Kriegszeiten legte der dortige König nicht eine furchterregende Bemalung an, er übertrug viel­mehr alle Ehren auf sein Pferd und nahm den Namen von dieser Sitte: Abba d. h. Herr wurde dem Namen seines Streitrosses vorausgesetzt, so daß Abba Gifar zum Beispiel nichts anderes hieß als Herr des Apfelschimmels".

Alles ist im Kaffeelande die aromatische braune Bohne, und dem bedeutsamen Handel damit muß es zugeschrieben werden, wenn nun die Englän­der gewisse Vorrechte in G a m b e l a , dem Fluß­hafen, der in den nächsten Tagen besetzt werden wird, geltend machen. DieWilden" hier sind übri­gens überzeugt davon, daß die Weißen aus dem Kaffee den Sprengstoff für ihre fürchterlichen Ka­nonen machen. Eine Einschätzung, die traurig stim­men kann. Die Schwarzen bringen halt alles durch­einander. Sie haben eine Göttin Atete, die Göttin der Fruchtbarkeit. Durch Missionare sind sie auch mit Maria bekannt geworden und nicht wenige nen­nen sich infolgedessen Christen. Da verschmolzen nun Atete und die Himmelsjungftau zur Marem. Das sollte vielleicht nicht sein, der Priester wird böse darüber werden, wer aber möchte es diesen ein­fachen Menschen nicht verzeihen, wenn ei vernimmt, wie sehr sie Dichter sein können? Ein Preislied auf jene wunderbare Marem klingt so:

Nicht alle kennen dich, o Marem, keiner weiß um dich, o Marem! Aber der Jüngling ruft dich, der in den Krieg zieht, und es kennt dich die werdende Mutter, wenn der Schmerz über sie kommt!

Auch ohne Kaffee und Edelmetalle wäre das Land noch als reich anzusprechen, denn es ist un­gemein fruchtbar. Da gibt es neben den Baum­wollfeldern Kulturen für Hülsenfrüchte aller Art, Dagussa (eine Getreideart), Mais, Gemüse, Süd-

der Ausbildung, doch die ersten Grundlagen festigen sich und dieSeebeine" wachsen von Tag zu Tag! Und wieder ist Sonntag in See.

Derbunte Nachmittag" der Fähnrichsmesse, durchs Mikrophon auf alle Räume des Schiffes übertragen, löst Stürme der Heiterkeit aus, und manch einer wird gewaltigdurch den Kakao ge­holt". Auch der gestrenge Erste Offizier wird nicht geschont! Nach diesem ersten Erfolg wird der bunte Nachmittag zur ständigen Einrichtung erklärt. Das B a d e s e g e l ist feit Tagen auf der Back ausge- bracht und erfreut sich von früh beim Wecken bis spät abends in der Freizeit größter Beliebtheit. Ueberall liegen und sitzen die Seeleute an Deck, ein zünftiger Skat wird gedroschen und Seemanns­lieder gesungen, in der Kantine versiegt der Bier­hahn nicht. Jungs, so ein Sonntag up See und die armen Lüt an Land!

Und wieder geht's am Montag früh mit frischen Kräften an den Gefechtsdienst. Der Schweiß rinnt in Strömen, an den Ge­schützen und in den Munitionskammern und Be­laderäumen der Türme, wo die Temperatur trotz Kühlung und Lüftung nicht unter 30 Grad zu hal­ten ist. Da bringt ein Sprung ins Badesegel vor dem Mittagessen' noch schnell die ersehnte Erfri­schung, und im Schatten der Sonnensegel kühlt der Wind während der Mittagspause herrlich durch.

12. November Nachdem wir bereits in der Nacht die nördlicher Insel Boa Vista angelotet haben, steht das Schiff pünktlich um 9 Uhr vor der Bucht des Hafens von Porto da Praia im Süden der Insel Sao Thiago. Donnernd rollt der erste Landessalut unserer Reise über die kahlen braunen Bergkegel, erwidert von der Salutstation an Land. Schon rauscht der Anker in den Grund, auf Horn- signal werden die Backsspieren ausgeschwenkt und alle Boote ausgesetzt. Schon wimmelt es um das Schift von Booten mit schreienden und gestikulieren­den Negern in zerlumpter Gewandung, die die bil­ligen Früchte des Landes, Apfelsinen, Bananen und Kokosnüsse feilbieten, ewig das gleiche Bild, nur mit verschiedenen Menschen, auf den Inseln. Don Land nähern sich mit raschen Schlägen zwei weiße Ruderboote mit portugiesischer Flagge, sie bringen den Stellvertreter des Gouverneurs, den Quaran­tänearzt und einen der beiden einzigen Deutschen Praias zur Begrüßung an Bord. Der Hafen stellt keinerlei repräsentative Anforderungen an das Kommando und soll in erster Linie als Ausbil­dungsstation der seemännisch praktischen Weiter­bildung der Kadetten im Hafen dienen. Es wird an den folgenden Tagen eifrig gepullt und Boots­fahrkunde getrieben, die Ingenieurkadetten machen in den ruhigen Hafentagen Unterricht an Oberdeck nach dem anstrengenden Dienst in den heißen Be­triebsräumen der Maschine.

Die Freiwache wird nach Klardeck mit den Ver­kehrsbooten an Land gesetzt. Auch wir entschließen uns zu einem Rundgang'durch dieStadt". Sie liegt auf einem 40 Meter hohen Plateau, dessen Sudkante steil nach der See zu abfällt. Eine ge­wundene Straße führt empor und schon ist man mitten in dem bunten Treiben dieser Neger st ad t. Einige stattliche Gebäude der Gou­vernementsverwaltung, Post, Krankenhaus und einige Geschäfte gruppieren sich um einen hübsch an­gelegten Platz. Im übrigen gibt es nur grob ge­pflasterte Straßen von primitiven Negerhäusern flankiert. Aber sagen Sie nichts! Autos gibt es, von verwegen hochbeinigen Klapperungetümen, die ein Negergent würdevoll treibt, bis zum modernsten Kabriolet der Honoratioren. Elektrisches Licht, eine wenn auch nur dürftige Straßenbeleuchtung und auch hier ein durchaus trinkbarer Landwein, der allerdings nicht auf der Insel gewachsen ist.

Immer wieder fesselnd das bunte Bild der farben­prächtigauf europäisch" gekleideten Neger und Mischlinge. Mit erstaunlicher Geschicklichkeit tragen die barfüßigen trauen Körbe, Flaschen, Früchte zu Pyramiden getürmt auf dem Kopf. Die Säuglinge werden in einem um den Leib gebundenen Tuch auf dem Rücken getragen man wird seekrank beim Zusehen! Die Bevölkerung ist aus den bereits

Gießener Giadiiheaier.

Hjalmar Bergman: Seiner Gnaden Testament".

Der schwedische Dichter Hjalmar Bergman ist vor einigen Jahren in Berlin gestorben. Erst nach seinem Tode wurde man auf die ungewöhnlicy reiche literarische Hinterlassenschaft aufmerksam; in 47 Jahren hat er 24 Romane, hundert Novellen, 9 Dramen, 22 Filme, zwei Märchenbücher und zahlreiche Übersetzungen geschaffen, wie der ein­führende Abriß im Programmheft aufzählt. Ein beachtliches Werk, in der Tat. Bei uns in Deutsch­land wurde die KomödieDer Nobelpreis" ein erster großer Erfolg. Wir haben dieses Stück seiner­zeit auch in Gießen gespielt.

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Es war unsere erste Bekanntschaft mit Bergman, und wir sanden in dieser wetterleuchtenden Komödie, die mehr als einmal nahe daran ist, gefährlich ins Gegenteil urnzufchlagen, wo es schlechterdings nichts mehr zu lachen gibt, merkwürdige Anklänge an das Werk der bei uns in Deutschland bekanntesten Repräsentanten der skandinavischen Dramatik: ein Eindruck, der sich auch in diesem zweiten Stück, der Komödie von Seiner Gnaden Testament, wieder­holt.

Bergman nimmt kein Blatt vor den Mund, er fleht die Menschen, wie sie sind, und er nennt die Dinge bei dem Namen, der ihnen zukommt; und der Humor, mit dem er uns den 65. Geburtstag Seiner Gnaden des Barons Roger Barnhusen de Sars, Obersten a. D. und Kammerherrn in Un­gnaden, miterleben läßt aus nächster Nähe, rft ein grimmiger, ein scharfer und manchmal auch ganz bitterer Humor. Es geht da bei diesem ländlich- patriarchalischen Familienfeiertage, wenn der Aus­druck gestattet ist, sehr natürlich und menschlich zu, ein wenig idyllisch, ein wenig romantisch sogar; manchmal kann man glauben, in ein gemütliches Dolksstück versetzt zu sein; aber das Gewitter, das sich schon in der ersten Szene ankündigt, kommt nicht von ungefähr und ist von tieferer Bedeutung als der seit alters her beliebte und gebräuchliche Natureingang".

Es wetterleuchtet auch hier in allen Szenen, in allen Gemächern dieses Edelsitzes. Und wenn es sich darum handelt, daß einer fein Haus bestellen und sein Testament machen will, dann pflegen auf der Bühne (und nicht nur auf der Bühne) die Masken zu fallen. Die einzige Schwester des alten wunder­

lichen Herrn kommt angereift, und sie kommt keines­wegs, um zu gratulieren (wie sie vorgibt), sie hat auch ihren Sohn mitgebracht, um dabei zu fein, wenn der reiche Besitz vermacht wird. Aber der Alte tut ihr den Gefallen nicht, denn die Geschwister halten es miteinander wie Hund und Katze, und Seiner Gnaden einzige Erbin wird einmal seine uneheliche Tochter Blenda werden, die munter und unbekümmert wie ein junges Fohlen auf dem kammerherrlichen Alterssitz heranwächst.

Die Geschichte dieses Testamentes hat Bergman in aller Fülle vor dem Beschauer ausgebreitet. Er beginnt mit einem Domestikengespräch in der Küche, das sogleich die Vorgeschichte aufrollt und in die Familienverhältnisse einführt. Das geht alles un- pathetisch, mit herzlicher Offenheit und patriarcha­lischer Selbstverständlichkeit vor sich. Die Liebe der jungen Blenda zum jungen, ebenfalls unehelichen Sohn des Tafeldeckers und der verwitweten Haus­hälterin; die Morgentoilette und das Frühstück Seiner Gnaden; das Geburtstagsständchen; die Eifersucht zwischen den beiden jungen Männern, die sich in einer kräftigen Prügelei Luft macht und am Ende, da Blenda, schnell verwirrt in ihrem jugendlichen Gefühl, ihre Neigung zu wechseln droht, mit einem zum Glück ungefährlichen Schrot­schuß besiegelt wird; dasFestessen" zu dreien; die Verhandlungen mit dem notariellen Hausfreund des Kammerherrn; die jähe Demaskierung schwester­licher Empfindungen bei der Dompropstin bis zum wiederum symbolischen letzten Aktschluß und Vorhangfall ein Panorama von Gesichtern, Ge­stalten, Charakteren, die Bergman mit einem heite­ren und einem tränenden Auge auf seiner Bühne vorüberziehen läßt.

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Dieses bunte und vielgestaltige Ringelspiel eines ländlichen Lebensabends ließ der geschickte Bühnen­bildner Löffler auf der Drehscheibe am Zu­schauer oorüberwechseln von der Küche bis zum Schlafzimmer, vom Schlafzimmer zur Bibliothek, von der Bibliothek in den Garten und von da hinauf in die Jagdhütte, wohin das Liebespaar unter der Obhut des alten Bedienten Iohnsfon vor dem Geburtstagsbesuch aus der S^odt sich flüchtet

Herr Geißler führte Regie; er war bestrebt, in einer breit und naturalistisch ausgespielten Sze­nenfolge alle Töne zum Klingen zu bringen, die Bergman in seinen drei Akten angeschlagen hat: die echten und die falschen, die komödiantischen und die ungeschminkten, die bolbtragischen und die ro­mantischen. In diesem Wechsel der Farben, der

Lautstärke und der Stimmungen kam er, wie wir glauben, den Absichten des Dichters am nächsten.

Herr v. Gschmeidler spielte Seine Gnaden, den Kammerherrn, und er hatte sich, wie man spüren konnte, wirklich in die Figur hineingelebt: knurrig und polternd, witzig und trocken, nicht ohne gute Witterung für Menschen und Zustände um ihn herum, am Leben hängend und der Jugend zuge­tan, seiner eigenen nachträumend, aber in Alters­weisheit und Ironie auch Oberfläche und Maske­rade unbarmherzig durchschauend; mll einem Wort: eine runde Charakterfigur, halb rührend, halb komisch.

Frau S t i r l gab scharf pointiert in allen ihren Szenen die dompropstliche Schwester, eingebildet, hysterisch, geschmeidig und schmeichlerisch, triefend von erheucheltem Gefühl und falscher Freundlichkeit, dann wieder völlig unverstellt und unbeherrscht in entfesselter Angst, in Enttäuschung und Haß eine Gestalt, die aus dem Gespenstersonaten-Arse- nal Strindbergs zu kommen schien.

Herr Kühne machte eine feine und belebte Studie aus dem alten Haushofmeister, dessen ge­messene Würde und korrekte Sicherheit in allen schwierigen Situationen (an denen es hier nicht mangelt) immer wieder von der menschlichen Milde und Wärme eines alten, treuen Dieners und Haus- kameraden durchbrochen und überrannt wird.

Mit der älteren und alten Generation kontra­stierte lebendig und ftifch, burschikos und herzlich, trotzig und ritterlich das Terzett der Jugend: Char­lotte Krause als Blenda und die Herren Schorn und Frickhoeffer als rivalisierende Liebhaber.

Aus den Regionen der Küche und der Jagdhütte erhob sich der alte Iohnsson zur plastischen Fülle eines Originalfaktotums, das in solchem Umkreise prächtig gedeihen mußte: ihn gab Herr Geiger mit biederer Offenheit, gutmütig lärmend, räuspernd und spuckend, aber als eine Seele von Mensch, aui die in schwierigen Fällen Verlaß ist.

Herr V v l ck als alter Hausjurist von aufgeräum­ter, beflissener Bonhommie. Fräulein Gerhard als die verwitwete Haushälterin mit jugendlichem Fehltritt, und Herr Nieren als forscher Land­säger seien noch genannt.

Das Publikum wohnte der Familienfeier mit Vergnügen bei und rief mit herzlichem Beifall zu­letzt Spielleiter und Darsteller an die Rampe.

Dr. Hans T h y r i o t.

früchte, es gibt Wasser in Hülle und Fülle, es glbf ausgedehnte Wälder.

In fast allen Flußläufen wird Gold gewa­schen. Vor einigen Jahren waren die Goldminen von Uollega ziemlich bekannt, aber es genügte, daß der Vorsitzende der Gesellschaft starb, um die mo- bcrnen Einrichtungen zum Verfall zu bringen. Die Regierung in Addis Abeba hatte eben nur Inter­esse an den Konzessionsgebühren, selber mochte sie sich nicht an die Arbeit machen. Als die ersten rei­chen Platinlager aufgefunden wurden, verteilte der Negus wieder Schürfungsbriefe. Unter den damit Bedachten war auch ein Italiener, Albert P r a f f o , dessen Konzession im Jahre 1933 rund 2300 Kilo weißen Goldes ergeben haben soll. Nach der Förde­rungsstatistik einer arabischen Zeitung sieht die Sache allerdings weit bescheidener aus: 1926 habe ganz Abessinien 22 Kilo geliefert, 1929 bas Fünf­fache, 1933 rund 190 Kilo. Wie man sieht, steht das Platinfieber in seinen Halluzinationen dem Goldfieber Kaliforniens nicht nach. Die Konzession Prasso ging zum Teil in englische Hände über, in die Birbir Mines Ltd.

Ein Engländer, der Ingenieur Robertson be­hauptet, daß die Eingeborenen allein im Gebiet des Tanasees (hört, hört!) mit ihren urwüchsigen Mit­teln 350 Kilo im Jahr fördern, aur'ben Kubik­meter Erde dürfe man mit mindestens einem halben Gramm Platin rechnen. Sollte es sich bei der Sache mit dem Tanasee also doch nicht bloß um das Wasser handeln?

Bis zum heuttgen Tage hat es jedenfalls von Plattnjägern in Westabessinien gewimmelt, ohne daß jemand zu sagen wüßte, wo derSilbersand hingeraten ist. Mit einer Handvoll Fälschung, ge­mahlenem Aluminium oder sonst ähnlichen Metallen, wurden leichtgläubige Reisende, Abenteurer, For­scher schon in Dschibuti an der Landungsstelle ge­ködert und der Handel mit Scheinkonzessionen blühte. Italien macht ihm nun ein jähes Ende, die Wissen­schaft folgt den Spuren der Geschütze und tue schwarzen Platinwäscher sollen ordentlich bezahlt werden. Bisher bereicherten sie durch ihre Arbeit vor allem die zahllosen Zauberer und die Häupt­lings-Unternehmer, die freilich ihrerseits wieder nicht kleine Tribute in Addis Abeba zu entrichten hatten.

Noch empfindlichere Abgaben fordert die Natur: ihre Vögte heißen Malaria, schwarzes Fieber, Tsetsefliege. Ja, wenn man nicht im Wasser und Sumpf stehen müßte, wenn man's so hätte wie der König mit dem blechbedeckten Haus", wie die Galla- von dem weißen Aufseher, fingen. Taler hat er wie Maiskörner!

Rom betrachtet nun alle Konzessionen als hin­fällig. Vermutlich wird die Gewinnung von Edel­metall in Abessinien als Staatsmonopol erklärt werden. Selbst die Mariatheresientaler, bis jetzt das einzige Zahlungsmittel in Abessinien, müssen der neuen Zeit weichen und schon in einigen Wochen wird das Plattn mit neuem römischem Jmperiumsgeld bezahlt werden.

CTfeine politische Nachrichten.

In Verfolg der Verfügung des Führers über die Durchführung der nationalsozialistischen Kampfspiele im Rahmen der Reichsparteitage hat der Stabschef mit den ersten vorbereitenden Ar­beiten begonnen. Um eine systematische und ein­heitliche Vorarbeit und Durchführung des pferde­sportlichen Teiles der Kampfspiele zu gewährleisten, hat der Stabschef den Reichsinspekteur für Reit- und Fahrausbildung, SA.-Obergruppenführer Litz- mann, damit beauftragt, die notwendigen Vor­bereitungsarbeiten in Angriff zu nehmen.

Waren Sie schon in der Blockstraße Nr. II9

Haben Sie fick schon die sehenswerte Schau vracbt- voller Tevviche und geschmackvoller svenller-Deko- rationen angesehen? Wenn nicht, dann geben Sie heute noch bin. Es lobnt sich, die'e sehenswerte Schau, die das Terwich- und Gardinenhaus Lud­wig, Geise und Pfaff- früher Brumlik-Haus, Frank­furt am Main, Liebfrauenstraße 1-3 veranstaltet, zu besichtigen. 70rsV

Zeitschriften.

Im Dezemberheft der ZeitschriftD a s Innere Reich" (Herausgeber: Paul Alverdes und K. B. v. Mechow; Verlag Albert Langen-Georg Müller, München) einen so gründlichen Denker wie Martin Heidegger überHölderlin und das Wesen der Dichtung" zu vernehmen, verspricht reichen Ge­winn und vertiefte Einsicht. Von den dichterischen Beiträgen dieses Heftes sind neben Gedichten von Hritting, Tumler, Claudius, v. d. Dring und Fried­rich Schnack vor allem zu nennen dieGestalten der Kindheit" von Paul Alverdes, Zeugnisse seiner künstlerischen Gestaltungskraft wie seines warmen Humors, der auch das Abseitige, ja, das Weh- mütige gütig zu verklären versteht, weiter von Friedrich Bischoff eine ErzählungDie Koppen- befteigung und einige Szenen aus Curt Sangen« Hecks BühnenspielDer getreue Johannes". Inter­essant ist in diesem Zusammenhang derEntwurf zu einem Theater", den Fritz Budde vorlegt. Die beiden Folgen:Landschaftsdarstellungen deutscher Dichter" undSelbstdarstellung bildender Künstler" werden fortgesetzt von Walter Bauer, der die mittel­deutsche Industrielandschaft alsDie treibende Un­ruhe" Deutschlands deutet, und von Adolf Schin- nerer, der zu gutgelungenen Wiedergaben seiner Ge­mälde und Zeichnuna-n besinnlich und überlegen aus seinem Leben erzählt.

Die Kun st", Monatshefte für Malerei. Plastik und Wohnkultur. 38. Jahrgang, Nr. 3, De­zember 1936. Verlag F. Bruckmann, AG..München, verdient Lob für die geschickte und sachkundige Aus­wahl der Aufsätze und der vielen prachtvollen Ab­bildungen. Der einleitende Aufsatz überCöianne" zur 30. Wiederkehr feines Todestages, von Benesch bereichert unser Wissen über die Kunst dieses gro­ßen Meillers der französischen Malerei. Reizvoll und aufschlußreich find ferner die Veröffentlichungen Nordwestdeutsche .Künstler" von Mitthaus,Zu den Bildern Daul Rosners" von Nafse und die un­terhaltsame Vloudere' ..Mündliche Künstlerurteile" von Schalcher. Von Meillern der Plastik und ihren Merken berichten die ArtikelEdwin Scharff" von W. Doede,Mar Lange" von Gebhardt undPla- llifche Landschaft" von M. Heydkamp. Vielseittg und reichhaltig ist auch der Teil des Heftes, der die Wohnkultur und das Kunstgewerbe behandelt. HeberNeue Porzellankunst" erzählt Mar Adolf Pfeiffer. Inneneinrichtungen mit schönen Bildbei- fmelen bespricht Fritz Hellwag.Zwei Häuser des Architekten Reg -Baumeister Daul Heim. Stuttgart" behandelt M H. Schilling. Ein großer Nachrichten­teil über olle Vorgänge im Kunllleben Ausstellun­gen. Auktionen u. dgl. beschließt die Schau.

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