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Kr. 291 Zweiter Blatt

(SieBgner Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag. -2. Dezember (936

Stille Stunde an einem Abend im Advent

WM- H

Aufnahme: E. Hase, Frankfurt a. M

Der Blick des kleinen Mädchens ist ernsthaft und gesammelt auf das schwebende Wunder einer Pup­penschaukel gerichtet; die Kinderhand tastet behut­sam nach dem einfachen Spielzeug, dessen Mechanik es noch nicht durchschaut, und dessen sinnbildliche Kraft es noch nicht ahnen kann: ihm genügt voll­kommen das einfache Vergnügen an dem Auf und Nieder, an der bemalten Waage, die der Finger für eine Sekunde im Gleichgewicht zu halten ver­mag, ... und im Bruchteil einer Sekunde den Spannungsreiz zu erleben, nach welcher Seite sie sich senken wird, welcher von den beiden bunt lackierten, hutbekrönten Schaukelmännern diesmal schwerer sein wird; und es ist lustig zu betrachten, wie die beiden Gesichter, stumm und rund und pausbackig, im unermüdlichen Wettstreit sich an- starren, als ob dies kein Spaß und Zeitvertreib wäre, sondern ein ernstlicher Zweikampf, ein ge­schnitztes Turnier: auf und nieder, auf und nieder, roter Rock und gelbe Hose, rote Hose, gelber Rock ..

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Der Blick der Mutter aber, die ihr kleines Mäd­chen auf dem Schoß hält, hat sich an den steifge­reckten Tannenbäumchen inmitten des Spielzeugs verfangen und an dem winzigen, hölzernen Engel­reigen'rundum; in ihrem Ohr summt noch die zarte Melodie der alten Weihnachtsmusiken nach, die an

diesen dunklen Adventsabenden wieder einen ganz neuen Klang bekommen. Sie sieht die kleinen, höl­zernen Figuren, die sich da unermüdlich rundum bewegen, mit ihrem inneren Auge, in der Phanta­sie lebendig und rosig verwandelt, in den Himmel erhoben, geflügelt und musizierend mit kleinen Flö­ten und' Geigen auf einem goldenen Wolken­saum ... Altdorfer, denkt die Mutter in ihren Weihnachtsgedanken und erinnert sich flüchtig und ungewiß, Dürer Cranach die Flucht nach Aegypten

Sie sicht nun auch die steifen Spielzeugtannchen erst in einen altdeutschen Wald und dann in schlanke, wehende Palmenbäume verwandelt; sie sieht den bärtigen Mann und sieht die zarte Frau in sich zusammengekauert auf dem geduldigen Eselchen rei­ten, und weich und weit, in großen, bauschigen Falten vom blonden Haupt bis über die Füße her­abwallend, umschließt der dunkelblaue Madonnen­mantel beide Mutter und Kind.Hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor" . Und über dem Engelchor steht, eine silbern strahlende, weg­weisende Helle ausgießend über das weite stille Land, der Weihnachtsstern

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Die Mutter in ihren versponnenen Gedanken empfindet mit einem Male die lebendige Wärme des eigenen Kindes auf ihrem Schoß, das da so weltvergessen und hingegeben spielt, und sie erlebt in dieser träumerischen Stunde ganz neu und ganz nah die alte Weihnachtsgeschichte, wie sie der Evan­gelist Lukas ausgezeichnet hat im zweiten Kapitel. Ihr Blick gleitet ab, über den Engelreigen weg ins dunkle Grün des Adventszweiges, spiegelt und fängt sich in der stillen, goldenen Kerzenflamme, die sie unbewußt als ein Sinnbild der Erneuerung, der Geburt und der Wiederkehr des Lichtes entzündet hat, als der Kranz mit roten Bändern und silber­nem Engelshaar geschmückt war.

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging" ... so klingt es wie eine ferne Schulerinnerung in ihr nach, und sie erlebt auf einmal die Geschichte von Geburt und Flucht und Verkündigung an die Hirten auf dem Felde mit all den Einzelheiten, die sie so oft und meist gedankenlos vor sich hingesagt, gehört ober

gelesen hat: .. mit Maria, seinem vertrauten Weibe" denkt die Mutter und empfindet wie nie zuvor die innige Sprachgewalt der lutherischen Ver­deutschung: wie anders könnte diese Maria genannt werden. Und so weiter, Wort für Wort und Vers um Vers:... wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge ..."

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Und eben in dem Augenblick, wo das kleine Mäd­chen auf ihrem Schoß müde geworden ist vom Spiel und feine gesammelte Aufmerksamkeit abzu­schweifen beginnt von den beiden hölzernen Reitern, die sich auf der Waage gemessen haben, ist auch die Mutter mit ihrer Weihnachtsgeschichte am Ende angelangt:... große Freude" klingt es in ihrem Ohr undFriede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen!" Und ein heller, warmer Schein fällt von der Kerze auf die beiden Gesichter, auf Mutter und Kind, die in dieser stillen Stunde, jedes für sich, einen Glanz und eine Vorahnung des nahen Weihnachtsfestes empfangen haben. hth.

MderSchleswigHolflem"aujSchulschiffsreise

Von Friedrich Karl Birnbaum, Kapiiänleuinani.

IV*.

3n See von den Kanarischen zu den Kap Serbischen Znseln.

6. November. Unentwegt, nur langsam heißer und unbarmherziger, strahlt die Sonne vom ewig blauen Himmel. Dankbar begrüßen wir deshalb den Befehl zum Sonnensegelsetzen, die seither nur im Hafen Schatten spendeten, und die Einführung des Tropenanzuges für die Besatzung: Kurze weiße Hose, Sporthemd. Ein anderes unscheinbares Klei­dungsstück beginnt jetzt seine Notwendigkeit unter Beweis zu stellen: die wollene Leibbinde, die des Abends anzulegen ist. Die ersten Magen- und Darm­katarrhe treten mit der für die Tropen typischen Heftigkeit auf und geben den Unbelehrbaren einen empfindlichen Denkzettel mit.

Fliegende Fische schwärmen in immer dich­teren Scharen um den Bug, liegen zu Dutzenden des abends schnappernd auf dem Seitendeck. Alles glauben sie uns, die Lieben in der Heimat, wenn wir nachher unser Garn spinnen,haushohe" Wel­len, Seeschlangen und Ungeheuer nur die harm­losen Fischlein, die mit ihren buntschillernden Flü­gelflossen wie Libellen über das Wasser flitzen, Hunderte und mehr Meter durch die Luft, die glaubt man uns nicht! Dabei bevölkern sie zu Mil­lionen die tropischen Meere und schmecken sogar vorzüglich, wenn man sie zu fangen und zuzuberei­ten versteht. Eifrig späht das Signalpersonal und jeder, Der seine wöchfreie Zeit in der frischen Luft an Oberdeck verbringt, nach den tückischen Rücken­flossen aus, die den gefürchteten Seeräuber H a i verraten, wenn er ums Schiff streicht. Und wirklich begleitet uns ein stattlicher Pirat, taucht unter und wirft sich spielend auf den Rücken, für Sekunden den weißen Leib und das gefährliche Maul zeigend. Der Kommandant entschließt sich, nachdem das sonnabendliche große Reinschiff be­endet ist, einen ersten Versuch mit unserer kunst­gerecht ausgebrachten Haiangel zu machen Ein mächtiger Fleischbrocken wird als Köder auf den gewaltigen Angelhaken gespießt, und unter der Backsspier, wenige Meter versenkt, gefahren. Das Schiff läuft nur geringe Fahrt und wiegt sich in der langen Dünung, die der sich immer stetiger durchsetzende Nordostpassat vor sich herschiebt. Doch die Burschen beißen nicht, obwohl noch verschiedent­lich die scharfen Flossen gesichtet werden, und in dem

* Teil I im Gießener Anzeiger Nr. 262, Teil II in Nr. 285, Teil III in Nr. 286.

schnell hereinbrechenden Abend schießt einer, wie zum Spott, zwischen Bordwand und Köder durch, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. War­tet nur ihr Bestien, im Hafen wird schon einer dran glauben müssen!

Schon ist es wieder Zeit, in der schnell herein- brechenden Dämmerung, wo man mit dem Sextan­ten die ersten auftauchenden Sterne auf die noch klare Kimmen herunterholen kann, das Abend- b e st e ck zu machen. Stets ergibt sich eine geringe Versetzung von wenigen Meilen nach Westen, die auf den Passat und die herrschende Strömung zu­rückzuführen ist. Ein beneidenswerter Kurs für jedes echte Seglerherz; Bagstagsbrise, zwei Strich von Achtern, Windstärke 3 bis 4, und dann voll Zeug!

Doch wir sind ja ein Kriegsschiff mit Panzer, Maschinen und Kanonen, und viel gibts zu lernen in diesen Seetagen für unsere angehenden Seeleute und Ingenieure. Beide Rettunaskutter werden zu Wasser gelassen, und die Kadetten lernen zum erstenmal in der hohen Dünung pullen, in der das Schiff mit ganz geringer Fahrt sich leise wiegend südwärts steuert. Ich habe Brückenwache, und die Gedanken eilen zehn Jahre zurück, wo ich selbst da unten im Kutter saß und an meinem Riemen holte. Die gute alteHamburg" verschwand bis auf die Mastspitzen hinter riesigen blaugrünen Wogenkämmen, so oft der Kutter von dem über­kämmenden Wellenberg hinabschoß zu Tal. Stück für Stück, Meter um Meter wurde aufgeholt, und wenn man glaubte, jetzt haben wir's geschafft, ging der W. O. wieder mit der Fahrt an, damals vor Sankt Thomas Einsatz und Durchhalten bis zum Letzten, männliche Eigenschaften erzieht der Bootsdienst und nicht zuletzt: Zusammengehörig­keitsgefühl und Kameradschaft; zuuu gleich! Hoool weg! Unser Kutter muß der Erste sein! Beim Boje-über-Bord oder beim Wettpullen im Hafen. So werden Höchstleistungen erzielt.

Gefechtsdienst, Entfernungsmessen, wozu unser BegleitdampferRudolf Albrecht" uns als Ziel dient, wechselt mit Einzel- und Divisionsausbildung, Brücken- und Signaldienst. UeberaU sieht man Gruppen beim Unterricht. Frische Gesichter haben sie bekommen, braun gebrannt und blanke Augen. Weit ist der Weg noch, wir stehen noch am Anfang

Ro«Äs

das beliebte Weihnachlgeschenk

Kleine Geschichten um Lenvach

Zum 100. Geburtstage des Malers am 13. Dezember.

Einechter Lenbach".

Der Vater, ein biederer Maurermeister, hatte für das Streben des kunstbegeisterten Sohnes nur wenig Verständnis. Sein Wunsch war, daß derFranzi einst wie er sich dem Baufach widmen sollte Be­reits im Alter von elf Jahren verließ der Knabe die Dorfschule im heimatlichen Schrobenhausen, um die Gewerbeschule in Landshut zu besuchen. Len­ba ch berichtet später selbst in seinen Erinnerungen, wie der Unterricht in Landshut ihn in denWis­senschaften" des Lesens und Schreibens, m denen er von der Dorfschule her nur schwache Anfangs­gründe erworben hatte-, erfreulich gefordert had^ Nur in der Religion aber wurde ich sehr schwach befunden", setzte er hinzu mit einem behaglichen Lächeln über einhöllisches Komplott , das er dem ehrenwerten, aber sehr wenig beliebten Religions- kbrer einst geschmiedet hatte.

Er zeichnete auf weichen Stoff die Sigur eines Esels schnitt sie aus und neb sie sorgfältig mit Kreide ein. Als nun der Lehrer sich wahrend des Unterrichts arglos an die Bank lehnte, auf der Len- bach saß drückte der übermütige Knabe dreimal die Cfclsfiqur auf den schwarzen Rack ab Mit diefen drei Gemälden jedes emechter Lenbach geschmückt, ging der ahnungslose Lehrer würdevoll durch die Straßen nach Hause, ohne zu verstehen, welchem Umstande er das Ehrengeleite der Lands­huter Straßenjungen zu verdanken hatte^ Der junge Lenbach dessen Erstlingswerk so wenig Anerken­nung fand, nahm die Vorbezahlung die: sich. am folgenden Tage auf die Verlängerung sES Ruckens entlud, für den gelungenen Scherz gern m Kauf.

Lenbach zu Fuß.

Nach des Vaters Tode erst konnte Lenbach, der es inzwischen bereits zum Maurergesellen gebracht, lebte dort im Dorfe Aresing von seiner Arbeit. E Ist kennzeichnend für seine Liebe zur Antike, su ol ihm'im^Äugsburg das «ßej m , daß er es zu Leistungen als Schnelläufer brachte, auf die er noch später stolz war.Von Schrob

nämlich die Angewohnheit, die Plätze an verschie­dene Aussteller zugleich zu vermieten, ohne sich um dis heillose Verwirrung, die er damit hervorrief, zu kümmern. Lenbach, der mit seinem heftigen Un­willen nicht im geringsten zurückhielt, ging in das Büro, um dem Direktor seine Meinung zu sagen. Dabei muß erwähnt werden, daß der Schluß der Ausstellung des gewaltigen Umfanges wegen durch ein Nebelhorn angekündigt wurde, das mit ohrenbe­täubendem Geräusch durch alle Räume klang. Als Lenbach nun Herrn von Senborn soeben auf seinem Büro in bayerischer Unverblümtheitden Marsch geblasen" hatte und sich fast am Ende feiner Kraft­ausdrücke fühlte, tönte markerschütternd das Nebel­horn durch die Hallen.Sie senborniertes Nebel­hornvieh, Sie werden mich noch kennen lernen", krönte Lenbach seineMeinungsäußerung", indem er das Büro verließ.

Diese Anrede schien wider Erwarten dem Herrn Direktor eher zu schmeicheln als ihn zu verletzen, denn er entschuldigte sich über und über in den gewähltesten und höflichsten Ausdrücken", berichtet der Maler später selbst mit schmunzelndem Be­hagen.

Maler und Kanzler.

Von dem Zusammentreffen mit Bismarck be­richtet Lenbach selbst, wie er bei seinem Aufent­halt in Gastein auf Drängen seiner Freunde in der Wohnung des Fürsten seine Karte abgab. Als er nach dem Essen das Hotel verließ, begegnete er dem Kanzler, der mit freundlichem Gruß auf ihn zutrat und dem Maler erklärte, er habe eben die Absicht, ihm seinen Gegenbesuch zu machen. ,.Da muß ein Irrtum vorliegen", zweifelte der stets schlagfertige Lenbach;Durchlaucht müssen mich da mit dem seligen Rubens verwechselt haben." Geistes­gegenwärtig verneinte erobwohl er sein Des­sert noch in den Zähnen spürte" die Frage des Kanzlers, ob er bereits gespeist fjabe und folgte gern der Einladung zum Mittagefsen. Bismarck, der in einer Laune war,jeden für einen Spitzbuben zu halten, der ihm nicht klar und deutlich das Gegen­teil beweise", erleichterte feine Stimmung ein wenig bei dem scherzhaften Versuch es Malers, ihm für feine Person das Gegenteil zu beweisen

ßenbacb hat dann eine lange Zeit im Hause Bismarck verkehrt. Er wehrt sich aber nachdrücklich gegen die irrige Auffassung, daß zwischen ihm und dem Kanzler etwas bestanden habe, was man im gewöhnlichen Lebenein freundschaftliches Verhält­nis" zu nennen pflegt Das Verhältnis Bismarcks zu ihm beschränkt sich nach seinen Worten darauf, daß ernach des Fürsten Ansicht nicht gerade ein Dummkopf und diskret sei, ihn aber sonst in keiner Weise geniere" ..Mir selbst aber", erklärt der Ma-

hausen bis München über Dachau zählt man neun I deutsche Meilen. Da bin ich unzählige Male", so | berichtet er in seinen Erinnerungen,zu Fuß ge­laufen und erreichte mein Ziel ohne Beschwerde in etwa zehn Stunden." Um vier Uhr morgens bricht er auf, hat ein unbändiges Vergnügen, bar­fuß im tauigen Grase zu laufen und erreicht die Hauptstadt des Mittags gegen zwei Uhr. Wenn der Anblick feinerLieblinge in der alten Pina-

(Scherl-Bilderdienst-M.)

kothek" das kunstbegeisterte Herz gesättigt hat, macht er sich auf den Rückweg achtzehn deutsche Mei- len ohne zu ruhen! ..Mit der Post hatte bas mel länger gebauert", fügte er selbst mit trockener Selbst- Verständlichkeit.

Bayerische Grobheit

Im Jahre 1872 hielt Lenbach sich in Wien auf, wo er als Direktor her tu. k Gemäldegalerie m Aussicht genommen war. Damals hatte er den Kai­ser ftran? Joses porträtiert und mußte nun wegen öer Ausstellung dieses Bildes auf der Weltausste- lung oon 1873 einen heftigen Kampf mit dem Direk­tor einem Herrn von Schwarz-Senborn bestehen. Dieser geschäftstüchtige Leiter der Ausstellung batte

ler weiter,ist er interessanter als irgend etwas auf der Welt. Obwohl ich sonst ein ziemlich schlim­mes Raubtier bin, fühle ich mich in feiner Nähe wie ein Kaninchen. Oder um ein anderes Bild zu ge­brauchen: er ist eben wie glühendes Eisen neben Eis, man fühlt sich neben ihm zerfließen".

Besonders aern plauderte Lenbach mit der Für­stin, die für feine Bilder großes Interesse aufwies und ihn gern in ihrem Hause sah. Bei dembe­haglichen Verhältnis", das sich bald zwischen beiden herstellte, faßte Frau Johanna schnell Zutrauen zu dem Maler, hörte gern seine freimütig geäußerte Meinung und ließ ihn auch wohl an ihren kleinen Sorgen teilnehmen.Da habe ich nun meinen Mann geheiratet", klagte sie ihm eines Tages, als ihr Otto wieder einmal unabkömmlich war,und jetzt habe ich nichts von ihm, Tag und Nacht ar­beitet er auf feinem Büro. Da habe ich zwei Söhne, an denen ich mich zu erfreuen gedachte, und die find nun auch Tag und Nacht ins Geschirr gespannt." Ja, Durchlaucht", lächelte der Maler verstehend, warum haben Sie auch in eine solche Beamten­familie hineingeheiratet!"

Bescheidenheit.

Lenbach besaß unerschöpfliche Kenntnisse in den Malereien der alten Meister, die er ein langes Malerleben hindurchmit durstigem Enthusias­mus" studiert hat. Unter Örn Großen der Malkunft, denen er auch auf der Höhe feines Schaffens und seines Ruhmes stets in lernbeflissener Selbstverleug­nung nahte, stand Rubens seiner künstlerischen Auffassung am nächsten.Bei Rubens hätte ich mögen Kammerdiener sein", hat er einst in ver­ehrungsvoller Bescheidenheit geäußert.

Dr. Carstensen.

Der Kampf mit dem Gänserich.

In seinenLebenserinnerungen" erzählt Werner von Siemens, wie er schon als kleiner Junge die Erfahrung gemacht habe, daß es zweckmäßi­ger sei, drohenden (Befahren entgegen zu gehen, als vor ihnen zurückzuweichen. Er ging noch nicht ein­mal zur Schule, wohl aber die Schwester, die auf ihrem Schulweg täglich an einer (Bänfeherbc vor» über mußte, deren großer und starker Gänserich zischend auf sie losfuhr und ihr schreckliche Angsr einjagte. Der kleine Werner mußte sie darum be­gleiten. Natürlich hatte er selber Angst, ließ es üch aber nicht merken, sondern ging mit einer (Berte, die viel länger war als er selber, auf das böse Tier los und erlebte den Triumph, es in die Flucht zu schlagen. Dieser erst so drohende und dann flüch­tende Gänserich sei ihm noch bei mancher späteren Gelegenheit seines Lebens ins Gedächtnis gekommen.