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tung dienenden öffentlichen Veranstaltungen dürfen nur dann stattfinden, wenn bei ihnen der diesem Tage entsprechende Ernst gewahrt wird. Für den Totensonntag sind ähnliche Bestimmungen er­gangen.

Tarifordnungen im Bekleidungsgewerbe.

Mit Wirkung vom 1. Dezember 1936 treten für die Herren-Ober-, die Berufs- und Knabenbeklei­dungsindustrie drei neue von dem Herrn Sonder­treuhänder der Heimarbeit im Deutschen Beklei­dungsgewerbe, Oberregierungsrat Körner, Berlin, erlassene Tarifordnungen in Kraft.

Die Tarifordnungen sind durch die Gaubetriebs­gemeinschaft Bekleidung bei den Gauwaltungen der Deutschen Arbeitsfront in Frankfurt a. M. und Kassel zu beziehen. Sie regeln die gesamten Ar­beitsbedingungen dieser Gewerbe und enthalten insbesondere Bestimmungen über die Höhe der Stundenlöhne und Akkordsätze in den Betrieben, als auch der Stückentgelte für die Heimarbeiter, Hausgewerbetreibenden und Zwischenmeister.

Der Treuhänder der Arbeit erwartet von sämt­lichen durch die Tarifordnungen erfaßten Betriebs­führern und Heimarbeit vergebenden Personen des Wirtschaftsgebietes Hessen die stritte Durch­führung der neuen Tarifordnungen.

In Anerkennung der Tatsache, daß die Ermitt­lung der im Bekleidungsgewerbe den Heimarbeitern zu zahlenden Stücklöhne oft recht schwierig ist, ist es empfehlenswert, die diesem Zweck dienenden Be­rechnungsstellen der Deutschen Arbeitsfront in An­spruch zu nehmen. Die Berechnungsstellen nehmen auf Antrag schon jetzt die Berechnungen der Stück­entgelte nach den neuen Tarifordnungen vor. Zu diesem Zweck sind den Berechnungsstellen die zu berechnenden Arbeitsstücke in einfacher Ausferti­gung, unter Beifügung einer genauen Stückbezeich­nung mit der Bitte um Berechnung zuzustellen. Die Berechnungsstellen werden die Arbeitsstücke baldmöglichst unter Beifügung eines Berechnungs­scheins und unter Erhebung einer geringen Gebühr den Einsendern wieder zustellen.

Der Bauftragte für Heimarbeit im Wirtschaftsgebiet Hessen:

Maschke.

Einsendung der Heimarbeiter-Listen.

LPD. Der Beauftragte für Heimarbeit im Wirt­schaftsgebiet Hessen teilt mit: Auf Grund meiner Anordnung vom 17. April 1936 haben alle diejenigen Personen, die Heimarbeit ausgeben, zweimal im Jahre die Liften der in der Heimarbeit Beschäftigten in doppelter Ausfertigung dem für sie zuständigen Arbeitsamt einzureichen. Die Einsendungstermine waren auf den 1. bis 15. November und 1. bis 15. Mai festgelegt. Es wird darauf aufmerksam ge­macht, daß damit die Listen zur Zeit wieder ein­zusenden sind. Ein Verstoß gegen die vorstehende Anordnung kann als Vergehen gegen das Gesetz über die Heimarbeit angesehen und auf meinen Antrag hin strafrechtlich gemäß § 34 HAG. verfolgt werden.

Kredit- und Abzahlungsgeschäfte mit Wehrmachtsangehörigen.

Da innerhalb der Wehrmacht verschiedene Auf­fassungen über die Berechtigung der Soldaten zum Abschluß von Kredit- und Abzahlungsgeschäften bestanden haben, hat der Reichskriegsminister, wie die Wirtschaftsgruppe Einzelhandel mitteilt, in einem Runderlaß an die drei Wehrmachtsteile auf die Beachtung folgender Richtlinien beim Abschluß von Kredit- und Abzahlungsgeschäften mit Soldaten hingewiesen:

Soldaten unter 25 Jahren dürfen Kredit- und Abzahlungsgeschäfte nur mit Genehmigung ihres Disziplinaroorgesetzten abschließen. Diesem steht es frei, die Altersgrenze von Fall zu Fall zu erhöhen. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn Persön­lichkeit und wirtschaftliche Lage des Antragstellers nicht die Gewähr für ordnungsmäßige Erfüllung feiner Verpflichtungen bieten. Geschäftliche Verbind­lichkeiten aus dem Zivilberuf (z. B. bei Soldaten der Ergänzungstruppenteile) fallen nicht unter die Bestimmungen des Erlasses. Gegen Geschäftsleute, die Soldaten Kredit gewähren, kann ein Verfahren auf Grund des § 112 StGB. (Aufforderung xum Ungehorsam) nur dann anhängig gemacht werden, wenn der Geschäftsmann nachweislich von einem auf Grund dieser Richtlinien erlassenen Verbot der Kreditgewährung Kenntnis hatte. Durch diese An-

Oer Kreis Wetterau in der DAF.

Im Kreis Wetterau wurden im vergangenen Monat 41919 Mitglieder der Deutschen Arbeits­front betreut. Von diesen gehören 23 985 zum früheren Kreis Gießen.

An Unterstützungen wurden 5 937,10 Mark aus- bezahlt, und zwar 277,85 Mark für Erwerbslofen- unterstützung, 2255,40 Mark für Krankenunter­stützung, 2936,05 Mark an Jnvalidenunterstützung, 52,80 Mark für einmalige Jnvalidenunterstützung, 125 Mark für Heiratsunterstützung, 35 Mark für Notfallunterstützung, 195 Mark für Sterbeunter, stützung, 60 Mark für Arbeitsopfer. Außerdem ge­langten 132,10 Mark für Jnvalidenunterstützung, 100 Mark für Heiratsunterstützung und 15 Mark für Notfallunterstützung an Angestellte zur Aus­zahlung.

Die Kreiswaltung besuchte im Laufe des Mo­nats 84 Betriebe, Bei diesen Besuchen wurden Fragen der Urlaubsgewährung, des Tarifs, der Lehrlingsausbildung und Entlassungen geklärt. Außerdem wurden 56 Ortswaltungen besichtigt.

Bei der Rechtsberatungsstelle der DAF. sprachen 465 Volksgenossen vor. 342 Auskünfte wurden er­teilt, 47 arbeitsrechtliche Streitfälle waren zu be­handeln, 46 Güteverhandlungen fanden statt, 48 Vergleiche wurden geschlossen, deren Wert 18 227,23 Mark betrug. Vor dem Arbeitsgericht wurden 15 Klagen erhoben, der Streitwert belief sich auf 941,05 Mark. Die Rechtsberater nahmen 41 Ter­mine wahr. Vier zufprechende Urteile wurden er­zielt, 9 Verhandlungen wurden geschloffen mit einem Vergleich, und zweimal wurde die Klage zurück­genommen. In zwei Fällen mußte die Zwangs­vollstreckung vorgenommen werden.

Die Sozialversicherungsabteiluna bearbeitete 8 Un­fälle, 11 Invaliden- und 11 Ärbeitslofenversiche- rungsfälle.

Die NSG.Kraft durch Freude" führte 6 Ver­anstaltungen durch, bei denen zusammen 9560 Be­sucher zugegen waren.

Die Abteilung für Berufserziehung und Be­triebsführung fetzte ihre Vorbereitsarbeiten für die Winterarbeit 1936/37 fort und eröffnete das Win­terhalbjahr mit dem Beginn einer großen Anzahl

betrieblicher und überbetrieblicher Berufserziehungs­maßnahmen. Die Erösfnung weiterer Lehrgänge für alle Reichsbetriebsgemeinschaften erfolgt lau­fend. Außerdem wurden Laufbahnberatungen durchgeführt und fanden Besprechungen in verschie­denen Betrieben über die Lehrlingsausbildung statt. Am 2. Oktober 1936 fand je eine Kundgebung in Gießen und in Friedberg mit dem ThemaEr­tüchtigung durch Berufserziehung, eine national­sozialistische Verpflichtung" statt.

Die Berufskartei wurde weiter vervollkommnet, insbesondere auch durch die Auswertung der Fach­arbeiter- und Kaufmannsgehilfenprüfungen. Außer­dem fanden vorbereitende Besprechungen in Gie­ßen und in Friedberg über die Organisation des Reichsberufswettkampfes 1937 statt.

Umschreibung und Beitragsanrechnung der OAI.

Der Gaukafsenwalter der Deutschen Arbeitsfront gibt folgendes bekannt:

Die Deutsche Arbeitsftont ist nunmehr dazu übergegangen, die Mitgliedsausweise unter An­rechnung der an die Deutsche Angestelltenschaft und die früheren Verbände gezahlten Beiträge umzu­schreiben. Diese Umschreibung muß bis zum 15. De­zember 1936 beendet fein, alle Bücher müssen bis spätestens 30. November 1936 durch die Verwal­tungsstellen nach Hamburg, den Sitz der DAF.» Umschreibeabteilung, gesandt werden.

Alle Mitgliedsunterlagen, die noch nach dem 30.11.1936 abgeliefert werden, können nicht mehr umgeschrieben und demzufolge die alten Beiträge nicht anerkannt werden. Die alten Mitgliedsaus­weise, die vor Uebernahme in die Deutsche Arbeits­front von den Angestelltenverbänden ausgestellt wurden, verlieren nach dem 30. 11. 1936 ihre Gültigkeit.

Nach diesem Datum wird die Umschreibung der Beiträge, sowie die Ausstellung eines DAF.-Mit- gliedsbuches von Seiten der Deutschen Arbeits­front verweigert.

ordnung gelten alle früheren Erlasse zu dieser Frage als aufgehoben. Für den Kaufmann ist besonders der Hinweis auf die Anwendung des § 112 StGB, von Wichtigkeit. Nach den früheren Anordnungen konnte auf Grund dieses Paragraphen gegen ihn bereits ein Verfahren eingeleitet werden, auch wenn er nachweislich mit Wehrmachtsangehörigen gehan­delt hatte. Demgegenüber fordert der neue Erlaß den Nachweis, daß der Geschäftsmann von dem Verbot Kenntnis gehabt hat.

Arbeitsgemeinschaft »Volksschule^ des NSLB.

In der gestrigen Versammlung der Arbeitsge­meinschaftVolksschule" des BezirksGießen-Land" des NSLB. wurde die Vortragsreihe über das bäuerliche Wesen" fortgesetzt. Lehrer Hofmann (Lang-Göns) gab einen ausführlichen Bericht über dieSeele des Bauern". Im ersten Teil feines Vor­trages ging er auf die Hauptpunkte des Buches Die bäuerliche Seele" von Universitäts-Bibliothe­kar i. R. Prof. Dr. Koch (Gießen) näher ein. Er betonte, daß hier ein Werk vorläge, das von gro­ßer Sachkenntnis und der sichersten Beobachtungs­gabe zeuge. Prof. Koch fei ein Kenner der Volks­seele. Das Buch selbst sei eine Zusammenstellung von Vorlesungen, die einst an der Universität Gie­ßen gehalten wurden. Auf Wunsch des Verlages wäre dann noch ein Schlußteil, der in die Gegen­wart führt, angefügt worden. Prof. Koch wolle in feinem Buch vom Bauerntum alter Art sprechen, wie es früher war. Aus der Fülle der Gestalten will er den Typus Herausstellen. Er will ein Bild geben, wie man es sieht, wenn man durch ein Fern­glas schaut. Das Gemeinsame soll festgestellt wer­den. Bauer sei Bauer, sagt er, der im Osten ist wohl von dem im Westen verschieden, aber alle Bauern haben etwas Gemeinsames. Im folgenden wurden dann einzelne Kapitel näher beleuchtet: die Sachverbundenheit des Bauern, feine Heimatoer- bundenheit und feine Stellung zu der Religion. Be­sonders ausführlich wurde der Schlußteil, in dem die religiösen Gegenwartssragen aufgerollt werden, behandelt.

Im zweiten Teil des Vortrages ergänzte Lehrer

Hofmann die Ausführungen von Prof. Koch, indem er vor allem die letzten Jahrzehnte, davon besonders das Eindringen der Parteipolitik in die Dörfer und die unheilvollen Einwirkungen der In­flation, näher schilderte. Er sagte: Wenn wir alle Umwälzungen der letzten Jahrzehnte überschauen, so müssen wir erkennen, daß sie sehr starke Spuren auch im Bauernstand hinterlassen haben. Es ist vie­les zugeschüttet worden. Freilich lassen wir uns den Glauben nicht nehmen, daß der deutsche Bauer in seinem innersten Wesen noch der alte ist. Die Dör­fer sind immer noch der Jungborn unserer Kraft, und wenn die Städter einige Generationen zurück­gehen in ihrer Ahnenforschung, dann stoßen sie auf ihre Urheimat, das Dorf. So müssen wir uns auch an dem bäuerlichen Wesen, an seiner Arbeitsfreu- digkeit, seiner Unverdrossenheit und seinem Ernst, überhaupt an allen Lichtseiten, ein Vorbild nehmen. Der deutsche Bauer ist der Urahne von allen deut­schen Menschen, das wollen wir nicht vergessen. Und auch weiterhin soll das Dorf die Quelle fein, aus der immer wieder neue Kräfte strömen und das ge­samte Volk stärken.

Einen besonderen Raum nahmen die Ausfüh­rungen über die Stellung des Landlehrers ein. Daß die meisten Lehrer gerade dem Bauernstand ent­stammen, wurde als besonders glücklich bezeichnet. Denn dadurch ist es möglich, daß sie das bäuerliche Wesen ganz verstehen. Es sei niemals so gewesen, wie heute manchmal behauptet werde, daß die Land­lehrer die städtischen Verhältnisse auf das Dorf hätten übertragen wollen. Die ernste Arbeit aller Land­lehrer, die sich nirgends auf den Schulunterricht allein erstrecke, verdiene volle Anerkennung. Sie wären von jeher Vermittler gewesen zwischen Bauern und den anderen Volksgenossen, und so sollten sie auch in Zukunft wirken und Weiterarbeiten, damit auch der Bauernstand voll und ganz in der deutschen Volksgemeinschaft aufginge.

Dem Vortrag wurde reicher Beifall zuteil. Die Versammlung wurde dann in üblicher Weise ge­schlossen.

Gießener TBodjenmarffpreifc.

* Gießen, 12.Nov. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: D. f. Molkereibutter, kg 1,57 Mk., f. Molkereibutter 1,52, Landbutter 1,42, Markenbutter

1,55 bis 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, kg 6 bis 7 Pf., 50 kg 4,50 bis 5 Mk., Weißkraut, % kg 4 bis 5 Pf., 50 kg 3 bis 3,50 Mk., Rotkraut, % kg 6 bis 7 Pf., 50 kg 5,50 bis 6 Mk., gelbe Rüben, % kg 8 bis 10 Pf., rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Römischkohl 6 bis 8, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 80 bis 90,' Zwiebeln 7 bis 8, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3 bis 3,40 Mk., Aepfel, kg 15 bis 25 Pf., 50 kg 15 bis 25 Mk., Tafeläpfel, kg 25 bis 35 Pf., 50 kg 25 bis 35 Mk., Birnen, kg 10 bis 20 Pf^ Hähne 1 bis 1,10 Mk., Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1 Mk., Tauben, das Stück 50 Pf., Blumenkohl 35 bis 55, Salat 8 bis 10, Endivien 5 bis 10, Lauch 5 bis 15, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15 Pf.

♦♦ Ein Siebzigjähriger. Am morgigen Freitag, 13. November, kann der frühere Gaswerk­arbeiter Heinrich Lang, Kleine Mühlgasse 5 wohn­haft, seinen 70. Geburtstag begehen.

** Doppeljubiläum. Am gestrigen Mitt­woch, 11. November, konnte der Photograph Engel­bert Bürck, Seltersweg 60, auf das Äjährige Bestehen seines Geschäfts zurückblicken. Gleichzeitig waren gestern 25 Jahre verflossen, seit Herr Bürck seinen Einzug im Hause von August Waag, Sel­tersweg 60, als Mieter hielt.

Große (Straffammer Gießen.

In der Strafsache gegen die Angeklagten Ehr. Pf. und O. Sch. aus Kirchhain wurde folgendes Urteil gefällt:

Die Angeklagten sind einer gemeinschaftlichen Un­treue schuldig und werden verurteilt:

Pf. an Stelle einer an sich verwirkten Gefäng­nisstrafe von 2 Monaten 3 Wochen zu einer Gelö­st ra fe von 750 Mark und zu einer weiteren Geldstrafe von 50 Mark, die im Uneinbringlich* keitsfalle mit 10 Tagen Gefängnis zu verbüßen sind.

Sch. an Stelle einer an sich verwirkten Gefäng­nisstrafe von 6 Wochen zu einer Geldstrafe von 400 Mark und zu einer weiteren Geld­strafe von 50 Mark, hilfsweise 10 Tage Gefängnis.

Die Angeklagten haben die Kosten des Verfahrens zu tragen.

Schöffengericht Gießen.

Der 24 Jahre alte H. N. aus Langsdorf hatte sich wegen schwerer Urkundenfälschung zu verant­worten. Den in feinem Besitz befindlichen Wander­gewerbeschein fälschte er dadurch, daß er eigen­mächtig die Wortesowie Schnelloerkauf" zufügte und dem Wandergewerbeschein insofern einen er­weiterten Inhalt gab. Der Angeklagte war sich der von ihm begangenen Rechtswidrigkeit bewußt. Er ist noch nicht vorbestraft und zeigte deutlich er­kennbare Reue. Es wurde ihm daher die Mindest­strafe von drei Monaten Gefängnis bei Kostentragung auferlegt.

Der bereits zwölf Mal vorbestrafte, am 10. Fe­bruar 1893 geborene August ßeuenburg aus Hannover war aus dem Gerichtsaefängnis Osna­brück oorgeführt und stand unter Anklage des Be­trugs und schwerer Urkundenfälschung. Die Haupt­oerhandlung ergab, daß der Angeklagte in den Monaten November und Dezember 1934 in Gie­ßen und Friedberg Versicherungsgeschäste tätigte und Versicherungsverträge bei seiner Ge- sellschaft einreichte, in denen die Unterfajriften der Versicherungsnehmer von ihm gefälscht waren. Der Angeklagte, der teilweise geständig war, wurde im übrigen in der gestrigen Hauptöerhandlung über- führt und zu einer ©efamtgefängnisftrafe von 1 Jahr und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt.

Schnellglanz

Dtenoi

für Ofen und Herdplalle

Kein Schmulz Kein Sja.ub Kein Geruch

Wege im Nebel.

Roman von Käthe Meiner.

(Copyright by Aufwärts-Verlag, Berlin SW 68.)

6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Einen Augenblick hielt Gerhard im Laufen inne, sah der zwischen den Stämmen langsam dahin­wandelnden Gestalt aufmerksam nach. Aber kein Zweifel war möglich!

Sie war es!

Sie, seine über alles geliebte Sanna ging dort vor ihm her! Das war ihr Gang, das war ihre schlanke, biegsame Gestalt! Und wie das blonde Haar im Spiel der Sonnenstrahlen leuchtete! Sanna war es, Sanna!

Vorsichtig hob er die Füße. Kein dürres Holz durfte ihn verraten.

Jetzt, hinter der dicken Fichte blieb er verhaltend stehen. Auch Sanna hielt in diesem Augenblick auf ihrem Wege an. Fast aum ©reifen nahe standen sie beieinander. Wie sehr mußte sie in Gedanken versunken sein, daß sie von der Wirklichkeit um sie herum so gar nichts hörte und sah!

Es zog ihn mächtig, zu ihr hinzustürzen, sie in die Arme zu nehmen! Aber er durfte sie nicht so erschrecken! Srgenbroie mußte sie vorbereitet sein.

^roas fiel ihm ein. Und schon legte er plötzlich d> ihle Hand an den Mund und pfiff leise das aLv Motiv aus dem Zigeunerbaron, mit dem sie sich einst immer verständigt hatten:Wer uns ge­traut ..

Da,--Sanne hatte es gehört! Säh sah er

sie aufblicken und sich wie suchend umfehen. Voll fiel die Sonne auf ihr schönes, wenn auch etwas bleiches Gesicht. Ein seltsamer Ausdruck von Hoff­nung und scheuem Erwarten schien in ihr aufzu- wachen.

Noch einmal ließ Gerhard den Pfiff ertönen, ein wenig lauter nun.

Und nun stand sie still, wie mit einem Ruck! Drehte sich um ...

Da war er schon bei ihr, hielt sie in seinen Armen.

Sanna, liebe kleine Sanna!" Smmer wieder sagte er es, während sie vor Glück und übergroßer Freude fast wie leblos in seinen Armen hing.

Sanft hielt er sie fest, streichelte sie, immer und immer wieder, bis sie die Augen voll zu ihm auf- schlug.

Nein, es war kein Traum, kein Hirngespinst! Wirklichkeit war es, herrlichste unaussprechlich wunderbarste Gewißheit! Gerhard lebte, war da, war zu ihr gekommen!

Sie meinte und lachte in einem, wußte sich nicht zu lassen in ihrer großen Freude.

Liebevoll strich Gerhard über das feine, blonde Haar. Aus feinen Augen strahlte die innigste Liebe für sie.

"Hab ich dich endlich wieder?! Ach Sanna, rote lange, wie lange hat es dauern müssen! Wie lange!..."

--Nicht reden---nicht reden---Es

ist ja fast zu viel, zu viel Glück!"

Sie gitterte. Mit kräftigen Armen hielt er sie fest, streichelte sie, erdrückte sie fast mit einer wild ausbrechenden Zärtlichkeit.

Aber nun komm, Sanna! Komm, Liebling! Du mußt erst ruhiger werden!"

Eng umschlungen gingen sie weiter, in seliger, unsagbar seliger Gemeinsamkeit.

Siehst du dort unten das einsame Haus liegen? Das ist die .Schweizer Hütte', dort können wir uns em paar Stunden ausruhen und ungestört mitein- ander plaudern."

Glücklich blickte Sanna zu ihm auf.

Sch kann es noch immer nicht fassen, Gerhard!"

Der Weg senkte sich jetzt, gab den Blick völlig frei auf das stille Tal, in dem dieSchweizer Hütte" eingebettet lag, so recht wie eine Zufluchts­stätte für müde und einsame Wanderer. Strahlen­der Sonnenschein lag darüber. Wolkenlos dehnte sich der Oktoberhimmel. Sanna war es, als ob die Welt sich mit einem Schlage verändert habe. So schon war sie! So schön!

Schon nach wenigen Minuten standen sie vor der Pforte des Gartens, der dieSchweizer Hütte" umgab, und in dem zu dieser Zeit noch alles still dahintraumte.

Sn einer verschwiegenen, von rotem Wein über­rankten Laube nahmen sie Platz. Eilferttg kam eine

freundliche Kellnerin in Schweizer Tracht, die ihnen den Tisch deckte, Kaffee und belegte Brote brachte.

Wie im Märchen!" sagte Sanna immer wieder.

Wie im Märchen! Ach, Gerhard, wenn es nur auch so gut ausgehen könnte wie im Märchen..."

Nicht an das Traurige denken jetzt, Sanna! Jetzt gehören wir nur uns selbst und dem herrlich schonen Augenblick. Wir haben doch ein Recht an­einander, wir beide, Sanna! Sch füyle doch, daß du mich liebst, wie einst!"

Mit Küssen verschloß er ihr den Mund, so daß ihr die Einwände vergingen, die sie ihm erwidern wollte.

Dann erzählte er. Von sich, von seinem Leben. Wie er in aller Ferne immer an sie gedacht, aus den Gedanken an sie immer neue Kraft geschöpft habe, wenn die Verzweiflung sich seiner bemächtigen wollte. Erzählte ihr von jener Katastrophe, als das Flugzeug über den Wäldern des Amazonas abstürzte, ihn und den Freund unter sich begrabend. Wie Snbianer sich seiner angenommen, ihn ge­pflegt und bei sich behalten hätten. Wie dann fein geschwächter Körper, kaum genesen, aufs neue er­krankt und den tückischen Angriffen der Malaria fast erlegen sei. Wie ihn endlich nach langen Mo­naten Orchideenjäger, ein paar Spanier, die von fremden Snbianern geführt wurden, durch Zufall aufgefunden und in ihrem Flugzeug nach Per- nambuco zurückgenommen, in ein deutsches Kran­kenhaus gebracht hatten!

Regungslos fast, mit weitgeöffneten Augen, nahm Sanna Gerhards Bericht in sich auf. Nur an den Stellen, an denen er von den entsetzlichen Fieber­nächten tief im brasilianischen Urwald sprach, von Gefahren umgeben, mehr als einmal dem Tode uahe, griff sie erschüttert nach feiner Hand und hielt sie so fest, als könnte sie ihm jetzt noch entrissen werben. 1

"So, nun aber bist du an der Reihe, Sanna! Jcun mußt du erzählen! Auch wenn du es nicht gern tust! Sch fühle ja, daß du nicht glücklich bist'" fugte er dann leise hinzu.Alles will ich wissen Sanna! Alles! Habe nur Vertrauen zu mir jo kann noch alles gut werden!"

So erzählte denn auch Sanna, stockend zuerst, dann immer schneller und fließender, bis zuletzt

alles in deutlichen Bildern vor ihm stand,--

ihr sehnsüchtiges Erwarten und Hoffen, die Ver­zweiflung über feinen vermeintlichen Tod, dann der Schmerz über das Hinscheiden des geliebten Vaters, und wie sie auf beffen letzte Bitte Ralf Rammelts Werbung erhört hatte, dem sie so unend­lich viel Hilfe und tatkräftige Unterstützung zu ver­danken hatte.

Nie, nie habe ich dich vergessen, Gerhard! Nie! Und wenn ich dich auch tot glauben mußte, gestern erst^durch Olga Willnoff erfahren habe, daß du

(Gerhard runzelte leicht die Stirn.

Gestern hat sie es dir erst gesagt? Und ich hatte sie doch schon am .Tage meiner Ankunft, als ich sie traf, gebeten, dich zu benachrichtigen, dich scho­nend vorzubereiten...

Und wann war das?"

Schon vor zehn Tagen, Sanna! Mer nicht traurig fein, Sanna! Jetzt sind wir ja beieinander und wollen uns auch nie mehr verlassen! Nur vor Olga Willnoff freilich möchte ich dich noch warnen! Wie unehrlich sie handelt, davon hat sie uns ge­rade jetzt ja ein Beispiel gegeben! Aber komm nur, laß uns nicht mehr von trüben Dingen reden! Sieh, wie der Wald uns zum Wandern lockt!"

Arm in Arm verließen zwei glückliche Menschen den stillen Garten derSchweizer Hütte", der sich langsam zu beleben begann.

Hoch stand schon die Sonne am Himel, als der Wald sie von neuem aufnahm, und weicher Boden ihre Schritte bald verhallen ließ.

IV.

Fast um die gleiche Zeit trat wie gewohnt der Empfangschef in den gemeinsamen Salon, in dem Die Gäste gerade beim Mokka saßen. Höflich grü­ßend verbeugte er sich nach allen Seiten, erkundigte sich bei diesem und jenem Gast nach dem perfön- Ken Wohlergehen. Unruhig spähten dabei seine Icharsen Augen über die Gäste hin. Schon nach we- mgen Minuten war er wieder draußen, in der Portierloge.

Sagen Sie, Portier, welches Zimmer hatte doch gleich die Dame, die gestern abend mit dem Nacht- ^Jhatten?*0012 Unten ^eint fie nicht

(Fortsetzung folgt!)