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Montag, 12. Oktober 1936

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

ur. 239 Drittes Blatt

I Die Landmaschinenlehrschau in Friedberg. (Aufnahme: Landesbauernschaft Hessen - Nassau JVC.)

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Heute beginnen wir in den Gießener Familien- blättern mit einer neuen großen Erzählung: Wilhelm Schäfer, Meister des Wortes, zumal der Anekdote und Novelle, gibt hier den dichte­rischen Bericht jener Halsbandgeschichte, welche als ein erregendes und höchst abenteuer­liches Vorspiel der französischen Revolution gelten kann. Schäfer wollte nicht einen historischen Noman schreiben,sondern ein Stück Weltgeschichte auf seine Weise erzählen, und wir folgen feiner Schilderung aufs äußerste gespannt und gefesselt wie einem fun­kelnden Theaterspiel in großerhistorischer Szenerie.

ationallieder.

Ein Gang durch die Ausstellungen

wo er auch nur hinblickt. In jedem Augenblick ster­ben Tausende von zu Ende gelebten Tieren. Wo sind sie? Warum sieht man so selten eine Tierleiche? Das ist das Werk der Fliegen und einiger Käfer. Im Ernst: eine heilige, schreckliche, verantwor­tungsvolle Rolle hat ihnen der Schöpfer zugeteilt. Insektenlarven verzehren alle toten Tiere. Milliar­den von Larven ziehen das Tote in den Boden und nagen und schlürfen. Wer da forscht, erlebt ein Theater, wie er noch nie ein Kinostück gesehen.

Eine Meise mit vier Jungen kann in einem Som­mer sechs Zentner Raupen vertilgen. Die fünftau­send Arten von Singvögeln, die es auf Erden gibt, fressen in jedem Jahr einen Riesenberg schädlicher Insekten weg. Man hat beobachtet, wie ein Schwal­benpaar binnen einer Stunde 125 Insekten seinen Jungen zum Rest brachte. Die Haustaube ist eine eifrige Unkrautvertilgerin; ein Naturforscher fand im Kropf eines einzigen Tieres an 3500 Samen der Vogelwicke. Der Maulwurf befreit uns von den schädlichen Engerlingen, er frißt davon drei- bis viermal soviel, als sein eigenes Gewicht beträgt, und die Fledermaus verzehrt bei einer Mahlzeit zwölf erwachsene Maikäfer. Eine Spitzmaus kann, obschon sie das kleinste unserer Säugetiere ist, nicht fünf Minuten ohne Futter leben. Unermüdlich läuft die­ses Tierchen den Heuschrecken, Käfern und Grillen nach, und man hat von ihm mit Recht gesagt, es sei ein wahres Glück, daß die Spitzmäuse nicht Löwengröße haben; sie würden die ganze Erde ent­völkern mit ihrem Appetit und schließlich verhungern müssen.

Man rechne doch nur einmal die Bedeutung aller dieser Jnsektenjäger von den Singvögeln bis zu den Spitzmäusen zusammen, und man wird finden, daß wir ohne sie nicht leben könnten, ein solcher In- sektenschwarm würde unser Land überschwirren und verwüsten. Sind doch die sechsbeinigen wieder die Wundergeschöpfe der Fortpflanzung; ein einziger Falter legt an 30 000 Eier. Und dennoch müßte .uf dem Denkmal desBefreiers" von der Insekten­plage ein anderer abgebildet sein, nämlich die Schlupfwespe. Sie ist es, die das Hauptverdienft in Anspruch nehmen kann, daß wir von Insekten nicht aufgefressen werden. Sie legt ihre Eier den Rau­pen in den Leib und diese verzehren das werdende Tier, sowie es lebt und kriecht, und vertilgen sie in astronomischen Ziffern.

Das Unsichtbare, den Menschen Unbekannte ift der Herr aller Dinge. Unsichtbare Kleintiere erhal­ten in einem wunderbaren Kreislauf die Fischwelt in Meer und Süßwasser, von der doch ein Drittel aller Europäer lebt; unsichtbare Kleinwesen bilden im Meer Kalkritte und werdende Gebirge, sowie die unsichtbaren Algen, die die stehenden Gebirge abtragen. Wir erzählen uns nur die Histörchen, daß

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der Barsch so große Fische verschlingen kann, als er selber ist, vergessen aber das eigentliche Wunder, daß punktgroße Geschöpfe die unausdenkbare Tier­welt der Weltmeere erhalten.

Aber genug ... Ein DutzendNaturwunder" sind hier aufs Geratewohl herausgegriffen und aus hundert und tausend besteht die Wirklichkeit. Man braucht nicht ins Exotische abzuschweifen, nicht in die Tropen zu reisen und dem Außerordentlichen nachzujagen, das Wunder lebt bei uns selbst, auf allen Wegen mitten im Alltagsleben der Natur sitzt es. Man braucht, um es zu erleben, nur eines: offene Augen und den Wunsch, die Dinge nicht bloß oberflächlich, sondern in ihren inneren Zusammen­hängen zu verstehen.

Was die Münchener Pinakothek gekostet hat.

Am 16. Oktober blickt die weltberühmte Münche­ner Pinakothek auf das hundertjährige Bestehen ihres Hauses zurück. Der große Kunstfreund König Ludwig I. hat es für den unter seiner För­derung auf etwa 7000 Gemälde angewachsenen Bilderschatz errichtet. Wie dieser Reichtum in etwa 250 Jahren zusammengeströmt ist, erzählt im Oktoberheft von Belhagen L Klasings Mo­natsheften Eugen Kalkfchmidt in einem Beitrag, der eine lange Reihe der berühmtesten Gemälde der Pinakothek in farbiger Wiedergabe zeigt. Er berichtet auch Über die Entstehung des Baues, der damals zum Spott der Münchner un­erreichbar weit draußen lag. Ursprünglich sollte er 800 000 Gulden kosten, was den ländlichen Ver­tretern der Stände unerhört vorkam. Als dann gar der Baumeister Klenze, wohlweislich nach der Grundsteinlegung, rund 1,5 Millionen Gulden for­derte, streikten die Volksvertreter, und der König mußte zunächst eine halbe Million aus eigenen Mitteln vorstrecken, damit der Bau vorwärts gehen konnte. Der Außenbau war 1830 vollendet. Der innere Ausbau der Säle und Kabinette dauerte länger, weil der König sich hier kaum genug tun konnte.Großartig, schön, prachtvoll sollen die Säle werden, welche die herrlichste Gemäldesammlung auf Erden einst enthalten", schrieb Ludwig. Damalt- tapeten aus Lyon wurden trotz lebhaftem Wider­spruch von Kammern und Künstlerschaft verwendet und kosteten 35 000 Gulden. Die Loggien der Süd­seite erhielten über der Balustrade 24 Standbilder von Künstlern nach Schwanthalers Modellen. Nach dem Vorbild von Raffaels Loggien im Vatikan sollte Peter Cornelius hier denGang der Kunst­geschichte" in Wandbildern darstellen. Die Ausfuh- rung seiner kleinen Vorzeichnungen erforderte von 1830 bis 1840 über 150 000 Gulden,

eine solche der Löhne im Gefolge, und umgekehrt führe dies wieder zu einem Vakuum an Geld, für das keine Deckung vorhanden ist. Daraus ergebe sich eine Abwertung des Geldes, an deren End­punkt die Gefahr der Inflation stehe. Der deutsche Bauer weiß aus Erfahrung, was eine Inflation für ihn bedeutet. Von dieser Warte aus müssen die Fragen der Preisbildung und der Löhne betrachtet werden, damit die Bedürfnisse von Bauer und Ar­beiter in gleicher Hinsicht berücksichtigt und dadurch dem ganzen Volke gedient würde. Der Bauer habe vom Nationalsozialismus wohlerwogene Preiser­höhungen zugestanden erhalten. Es sei eine der Auf­gaben der Örtsbauernsührer im kommenden Win­ter, darauf hinzuweisen, daß jede weitere Preis­erhöhung dem deutschen Bauern vielleicht für eine kurze Zeitspanne hilft, daß sie letzten Endes aber ihm doch selbst zum Schaden gereicht.

Der Landesbauernführer befaßte sich dann mit dem Mangel an Arbeitskräften auf dem Lande und kündigte an, daß Mittel und Wege zur Lösung die­ses Problems gefunden würden. Vor allem müsse das Bauerntum selbst Erziehungsarbeit insofern leisten, daß es die Töchter auf dem Lande behalte. Weiter würden die Verhältnisse der Landarbeiter in steigendem Maße verbessert und auch dadurch ein weiterer Weg zur Behebung des Arbeitermangels auf dem Lande beschritten. So würde alles getan, und des Erfolges könne man gewiß sein. Die Er­zeugungsschlacht müsse auch im nächsten Jahre wie­der ausgenommen werden. Zu den Erfordernissen der Marktordnung kündigte der Landesbauernführer eine straffere Erfassung des Absatzes landwirtschaft­licher Erzeugnisse an. Der Landesbauernführer wandte sich dann der Arbeit der Örtsbauernsührer zu. Der Glaube an den Führer, die innere Stär­kung an dem Idealismus dieses Mannes gebe dem Örtsbauernsührer die Kraft, seine Pflicht zu erfüllen. Er müsse immer an sich arbeiten und seinen Charak­ter bilden. Der Landesbauernführer zeigte weiter den Kampf auf, den der Kommunismus in allen Ländern entfacht. In jedem Lande gebe es Par - teien, die für oder gegen den Kommunismus feien. Der Führer ist uns Garant, daß das Le­bensrecht und der Lebenswille des deutschen Vol­kes gesichert werden, und dabei soll er gewiß sein, : daß 'der letzte deutsche Volksgenosse zu ihm steht, : wie es deutscher Männer würdig ist.

Nach einem Schlußappell des Kreisbauernführers Ott an die Mithilfe jedes Einzelnen wurde die Sitzung mit dem Sieg-Heil auf den Führer ge- schloffen.

Oie Arbeitstagungen der Haupt­abteilungen

waren sehr stark besucht. Zunächst begannen unter der Leitung des Landesobmannes Seipel die Vorträge der Hauptabteilung IIID er Mark t", wobei der Stabsleiter Dr. Fabian überDie Marktordnung und die Ernährungs­wirtschaft" sprach. Er wandte sich dagegen, daß in den Zeiten der Verknappung Einzelpersonen für sich persönliche Vorteile herauszuholen bestrebt seien und kündigte neue Maßnahmen zur Unter­bindung solchen Vorgehens an. In der kommenden Abteilungsvorstand Dr. Leber über das Thema Der Hof in der Erzeugungsschlacht" sprach, wobei

markt und Bauerntag diene.

Im Namen des erkrankten Bürgermeisters er­klärte Ortsgruppenleiter Brose den Herbstmarkt für eröffnet. Unter den Klängen des Marktmarsches stieg die Marktfahne am Fahnenmast hoch. Das Sieg-Heil auf den Führer und Reichskanzler und der gemeinsame Gesang der Nationallieder schlossen die Feier ab.

Von den berittenen Herolden mit der Standarte der Stadt Friedberg umgeben, verlas ein Bürger in historischer Tracht den Marktspruch, der in lau­nigen Versen die Bedeutung des Marktes, den Ge­danken der Volksgemeinschaft und den nationalsozia­listischen Aufbauwillen heroorhob. EinOrtspolizift" mit einer riesigen Schelle gab eine humorvolleBe- kannmachung über die Marktregeln" zur Kenntnis.

Oer Landesbauernfübrer vor den OrlSbouernfübrern.

Im Kasino-Saal eröffnete Kreisbauernführer Ott die Arbeitstagung der Landesbauernschaft. Er wies auf die Notwendigkeit solcher Aussprache für den Örtsbauernsührer hin, die ihn die Größe und tiefe Bedeutung des Aufbauwerkes begreifen lassen, aus der heraus er die Kraft und den Mut schöpft, das von der Führung Geforderte auch vom Bauern zu verlangen und für die genaue Durchführung zu sorgen.

Von stürmischen Beifall begrüßt ergriff der Lan- desbauernführer Dr. Wagner das Wort zu be­deutungsvollen Ausführungen, die vielfach von Beifall unterbrochen wurden. Der Redner begann mit einer Erörterung der gegenwärtigen Lage auf dem Lande. Er wies darauf Hin, daß bei der Be­trachtung dieser Dinge die Preis- und Lohnfrage als ein ausschlaggebendes Moment berücksichtigt werden müsse. Eine Steigerung der Preise habe

Burgkirche für sich, zu der neben vielem Privat- befitz auch Leihgaben aus dem Wetterauer Heimat­museum in Friedberg und dem Butzbacher Museum zur Verfügung gestellt wurden. Diese Ausstellung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die geradlinige Fortentwicklung der Bauerngeräte darzustellen

Auf dem Platz vor dem Kreisamt ist die Ma­schinenlehrschau der Kreisbauern­schaft Oberhessen-West aufgebaut, die eine große Anzahl zweckmäßiger und praktischer Ma­schinen und Geräte aufweist, die dem Bauern die Arbeit erleichtern und ihm in der Erzeugungs­schlacht wertvolle Unterstützung bieten sollen.

Die Lehrschauen zeigen interessante Aus­schnitte aus den Arbeitsgebieten der Hauptabteilun­gen IIDer Hof" mit einer Fülle von Modellen für die nutzbringende Verwertung, der Hauptabtei­lung IIIDer Markt" mit vielen statistischen Anga­ben und schließlich, in der Aufbauschule, die Schau Kampf dem Verderb", in deren Mittelpunkt die umfangreichen Ausstellungen des Veterinärhygieni­schen und des Tierseuchen-Jnstituts der Universität und der Hauptstelle für Pflanzenschutz Gießen stehen. In der AbteilungKampf dem Verderb" in Stadt und Land hat die NS.-Frauenschaft durch die Gegen­überstellung von falscher und richtiger Handhabung ein dankbares Feld der Betätigung und Werbung gefunden.

An den Rundgang durch die Ausstellungen schloß sich die Eröffnung des

Friedberger Herbstmarktes

in der Kaiserstraße an. Im Namen der Arbeits­gemeinschaft für Verkehrswerbung begrüßte deren Vorsitzender Jordis die Gäste. Er verwies auf die Verbundenheit zwischen Stadt und Land, deren dauernder Festigung auch dieser Friedberger Herbst-

l^ß die Umsicht und Sorgfalt erkennen, mit der eme lehrreiche Schau nicht nur für den Bauern, f nbem für alle Volksgenossen aufgebaut worden lt Am eindringlichsten spricht die W e 11 e r a u e r § eimatschauBlut und Boden" m der

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Nie Wunder daheim.

Von Dr. h c. X France.

Jugend fragt mich oft mit leuchtenden Augen mch dem Schönen und Gewaltigen, das ich doch clls Naturforscher, der die ganze Erdei bereist hat, cssehen haben müsse.Was war das Wunderbarste, ns Merkwürdigste, was Sie sahen? Und ich bin immer in einer leisen Verlegenheit, die begeisterten IZusfrager enttäuschen zu sollen, da sich das Merk­würdige und Bedeutende der Natur, m einem Kopf, i$r sie wirklich kennt, doch so 9,^5 anders spiegelt cls in den Vorstellungen, die alle Welt davon hat.

Der Naturfreund glaubt immer, die Schöpfung iDlle so gleichsam mit Donnergang dahin. In um s-rer Heimat, da sei alles klein, gewöhn ich un­interessant. Da sind die langweiligen Kartostelzeilen rnb Rübenäcker, das Ackerschachbrett der Nützlichkeit mb wenn es hoch kommt, der Wald, m dem man Sonntags wandern kann, alles ledern bekannt, loch nichts Wunderbares. Aber in ^emben Lan- liern, da breite das Leben gewaltiger die Sch - een, und mit atemlosem Erstaunen gerate man oon tinem Wunder ins andere. Da dieRiesenbaume in iien 'Urwäldern, dort sichtbar das Werden der Schöpfung in feuerspeienden Bergen m der bun­ten Märchenwelt der Korallenriffe; Giganten der Sierwelt kämpfen in Tropenglut einen Lampf ums Dasein, als je unstr Land ihmbieten tonn mit seiner allzu zahmen Na ur im Gleichmaß ihrer nur allzu ruhig dahinwellenden leiten. Und die Sehnsucht steht auf nach blauen Fernen, diese echt deutsche Reise- und Wandersuch loch dem Exotischen, den Tropen, dem Abenteuer lud dem Wunderbaren ...

Und da soll man die hoffnungsvoll A jeder Phantastik bereiten Augen, die sich den Erzähler Wen, enttäuschen und soll sagen: Ach nein, -mgen und lieben Freunde, so ist das mit d Sropen und Exoten auch nicht Im Urwald sieh nan vor Moder und Düsternis und grünen Blut­ern auch zunächst nichts und noch lange dan ch Ncht viel mehr als daheim tn der Flußau. Und n den Wunderländern, die so exotisch nut frem t.en Namen auf der Landkarte prangen ba ift das meifte totlangweilige Steppe oder beklemmend ode Wüste oder auch Gebirge rote die unseren oder Suckerrohrfelder und gleichmäßige Plantagen, die uch nichts anderes sind als die Landwirtschaft bei «ns, wenn man sich nur erst gewohnt HA daß die raschelnden Besen nicht Mais, sondern Zuckerrohr, grünen Stauden nicht Lupinen, sonbern Mamoka Iber Tee, die zeilengraden Bäumchen nicht Apfel- ftäume, sondern Kaffeebäume sind.

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* Friedberg, 10. Okt. Friedberg im Fahnen- thmuck bot heute in der herbstlichen Sonne einen honen Anblick. Die Stadt steht anläßlich des Äauerntages der Kreisbauernschaft lberhessen-West und des Friedberger Herbst- liarktes im Blickpunkt der gesamten Landesbauern- haft Hessen-Nassau. In schlichter Art wurde am jamstagmorgen mit der

Eröffnungsfeier in der Burgkirche

iie Veranstaltung eingeleitet. Die feierlichen Klänge lusTannhäuser" leiteten über zu dem Willkom- nensgruß des Kreisbauernführers O 11.

Kreispropagandaleiter Schmelz (Gießen) über­wachte die Grüße des Kreisleiters Dr. H i l de­ca n d t und würdigte die Bedeutung der Bauern- ige und der damit verbundenen Ausstellungen. Diese usstellungen sollen zugleich eine Leistungsschau des lauern sein und jeden einzelnen erneut anspornen, as Beste zu leisten. Dem Bauern sollen sie Rüstzeug ur die kommende Arbeit sein. Der Bauerntag soll (ine geistigen Waffen schärfen für die Aufgaben der ukunst. Dieser Zukunftskampf ist dem deutschen olke nicht leicht gemacht, aber es hat darauf nur (ne Antwort: Geschlossen den Weg weiterzugehen | nter dem Führer Adolf Hitler!

j In Vertretung des erkrankten Bürgermeisters ent- fot Ortsgruppenleiter Brose die Grüße der Etadt Friedberg. Friedberg bekenne sich stolz als auernftabt und werde bemüht bleiben, das gute erhältnis zwischen Bauerntum und Stadtbevöl- irung in aller Zukunft zu erhalten.

Landesbauernführer Dr. Wagner betonte, alle e Fragen, die sich aus den Erfahrungen des tzten Arbeitsjahres und aus der veränderten Lage r bezug auf die Arbeitskräfte ergeben haben, wer- n auf den Arbeitstagungen des Kreisbauerntages ^gehend besprochen werden. Eins aber ist bei allen ümftigen Maßnahmen klar: je mehr die rote Flut n unsere Grenzen heran kommt, um so mehr :üssen wir uns auf die eigene Kraft besinnen und r den Wall der Volksgemeinschaft entgegenstel- n. Unsere Lage zwinge uns, alles aus unserem ioben herauszuholen; benn nur so werben wir c Werte schaffen, bie wir zum Leben brauchen, er Bauer wirb an ber Stelle, an die er hinge- »llt ist, seine Pflicht erfüllen. Die innere Größe des otionalsozialismus unb ber Jbealismus ber ampfzeit werben das Volk mit einem Geist er- llen, ber es veranlaßt, mit ben Gütern seines i-obens unb seiner Wirtschaft hauszuhalten. Auf Le Wetterauer HeimatschauBlut unb

Diese Entäuschung bringe ich meist nicht übers Herz, unb so pflege ich denn meinen wißbegierigen Freunben bei solcher Gelegenheit lieber bavon zu erzählen, wie wunderbar und unbekannt eigentlich auch unsere Natur sei unb wie ich bas Merkwür- bigfte unb Erstaunlichste bort sah, wo es jeber von ihnen sehen kann, nämlich baheim.

Da ist vor allem bas eine große Wunber, von dem ich nie in meinem ganzen Leben losgekommen bin: baß bie eigentlichen großen, welterhaltenben unb umgestaltenben Naturbinge unb Wirkungen alle klein, sozusagen unsichtbar sinb.

Da stehen die Riesenberge eines Alpentales vor den Fenstern des Zimmers, in dem ich dies schreibe. Diese Berge, die oben im Sommer Schnee tragen unb an benen bie blauen Spalten ber Gletscher leuchten, sinb wie eine erhabene Ruine. Man sieht beutlich, wie sie zerfallen unb verwittert sind. Welche Riesenmacht hat das bewirkt? Gar kein Riese, fonbem ber geringste Zwerg unter allen Zwerggeschöpfen. Winzige Pilzfäben unb blaugrüne Kugelalgen, bem freien Blick nur als grüner Farb- fleck erkennbar, am Felsen, wenn sie zu Zehn- taufenben barauf sitzen, bie zersetzen ben härtesten Fels auf ber ganzen Erbe unb leiten ben Verfall unb bie Verwitterung ein. Aber ba ist bas grüne Walbkleib all biefer Berge, in beutschen Lanben zum Glück immer noch auf 46 v. H. bes beutschen Bobens. Nicht ein Jahr könnten diese Wälder mehr grünen, wenn bas Winzige oerschwänbe, bas sie im Leben erhält. Da brunten in ber Walberbe ein tausenbfaches, unsichtbares Dasein von Bobenbak- terien unb Bobenpflanzen, unb barauf bas schwel- lenb grüne Moospolster, bas man achtlos mit bem Fuß tritt. In ihm, zerteilt in Milliarben Tropfen, steckt ber Regen bes ganzen Jahres, festgehalten von ben Moosblättern, unb täglich abgegeben an bie Baumwurzeln, soviel, als was bavon bie Bäume brauchen. Jeber gebilbete Förster wirb es euch bestätigen: ohne Moosteppich kein Walb.

Da läuft ber Winb über bas reifenbe Kornfelb. Unb als ich mit geschultem Auge hinsehe, glitzert es fuchsrot auf biejen fpielenben Wellen. Man tritt näher, man beugt sich: richtig, ba sitzt er auf bem Halm unb allen Blättern: ber Getreiberost. Ein win­ziger Pilz, ber bem Korn bie Lebenskraft aussaugt, bamit er leben kann. In einemRostjahr" kann biefer Schaben an fünfhunbert Millionen Mark be­tragen: in Amerika brüben waren es auch schon 1500 Millionen. Was könnte man alles kaufen unb schaffen in Deutschlanb in einem Jahr um biefe halbe Milliarbe; man benke sich bas aus, unb man wirb etwas erfühlen von ber Dämonie bes Wört­chens Getreiberost ...

Wer bie Natur kennt, sieht überall gleich an­ziehende oder auch erschütternde Zusammenhänge.

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8 o Ö e n" eingehend, dankte der Landesbauern- ss hrer ber Stabt Friebberg für das Verständnis, jdis die Bestrebungen des Reichsnährstanbes hier pyfunben haben. Sein befonberer Dank galt Pro- iffor Dr. Blecher, ber mit viel Liebe unb lkühe biefe Schau aufgebaut hat. Der Lanbes- nuernfübrer eröffnete bie Ausstellungen mit ben Porten: Mögen bie Entscheibungen fallen wie sie vollen, wir werben auch in Zukunft mit Liebe zur E«Holle stehen unb in Derbunbenheit mit ihr bie ('«ukunft bes beutschen Volkes aufbauen. Hell unb .eubig klang ber Gruß an ben Führer burch ben aum, ber bann erfüllt war von bem Gesang ber

Bauemiag der Kreisbauernschafi Oberheffen-West

Friedberger Herbstmarkt.

(Eigener Äericht des Gießener Anzeigers.)