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Große Ereigniffe im Schwimmstadion
400-Meter-Rücken der Krauen
Jack Medica. Bis 200 Meter lag der kleine
ster
(1:21) den zweiten
S u ■
(Scherl Bilderdienst - M.)
drei Be- Die
Oie Sieger in der 4><200-m-Giaffe1
Przywara belegten in diesem schweren nen nur den fünften und sechsten Platz.
Im Endlauf der 4X200« Meter-Staffel konnten die Japaner bei ungeheurer Spannung des ganzen Stadions einen neuen Weltrekord erzielen und die Goldene Medaille gewinnen. Unser Bild zeigt die fabelhaften japanischen Schwimmer der Staffel; von links nach
gira, Arai und Ta- guchi.
rechts Yusa,
aber hat auf den letzten 20 Metern nicht mehr die Kraft, das Unmögliche möglich zu machen. In der verhältnismäßig schwachen Zeit von 3:03,6 Minuten schlägt Maehata etwa einen halben Meter vor Martha Genenger an, die mit 3:04,2 sichere Zweite vor der kleinen Inge Soerensen (Dänemark) (3:07,8) wurde. Hanni Hölzner (Deutschland) und die Holländerin Waalberg liefen in 3:09,5 gemeinsam auf dem vierten Platz ein. Storey (England) folgte in 3:09,7 sicher vor der holländischen Meisterin Kastein in 3:12,8.
400-Meter-Kraul-Zwischenläufe.
Die Deutschen ausgeschieden.
Nach einer längeren Pause wurde im Anschluß an das Kunstspringen der Männer mit dem ersten der beiden Zwischenläufe zum 400-Meter-Kraul- schwimmen der Männer begonnen. Von vornherein stand es fest, daß die Entscheidung in diesem Lauf zwischen den Japanern Uto und Negami und dem Amerikaner Flanagan liegen würde. Dom Start weg ging Uto in Front und gewann in 4:48,4 seinen Lauf unangefochten vor Flanagan in 4:54,9, Negami in 4:55,4 und dem dritten Amerikaner Macionis, hinter dem der Deutsche Freese mit 4:58,5, eine für ihn durchaus gute Zeit einkam.
Medica und Makino im toten Rennen.
Der zweite Zwischenlauf brachte ein Rennen zwischen Makino-Japan und dem amerikanischen Mei-
Heißer Kampf über 4 x roo-Meter Freistil. Japans Staffel siegt in Deltrekordzeit.
Der deutsche Starter Gaedecke hatte Mühe, sich vor dem Start zur 4 X 200-Meter-Freistll-Staffel Ruhe zu verschaffen. Die in drangvoller Enge stehenden Menschen kamen erst nach einer energischen Aufforderung zur Ruhe; als dann der Starter sein Kommando gab, herrschte wie mit einem Schlage atemlose Stille. Auf den Startplätzen von eins bis acht standen die ersten Schwimmer der einzelnen Mannschaften in folgender Reihenfolge: Plath-Deutschland, Ausa-Japan, Borg- Schweden, Grof-Ungarn, Flcmagan-USA., Pirie- Kanada, French-Williams-Großbritannien und Nakache-Frankreich. Mit einem langgestreckten Sprung sind alle acht Schwimmer im Wasser, der Japaner ist gleich vorne, mit raschen Beinschlägen peitscht er das Wasser. Der Japaner beendet seine Strecke in 2:13,4 vor Flanagan in 2:15,4 und Gros, der auf den letzten Metern den Deutschen überspurtet. Bereits jetzt erkennt man. daß der Ausgang nur zwischen Japan und USA. liegen kann. Sugiura geht mit Vorsprung vor dem Amerikaner Macionis ab. Dahinter spritzen Lengyel und Heimlich ins Wasser. Mit allem Stimmaufwand feuern die deutschen Besucher unseren zweiten Mann an. An der Spitze vergrößert der vorzügliche Sugiura seinen Vorsprung'ständig und mit 2:11,9, der überhaupt besten Einzelzeit des Kampfes, beendet er mit deutlichem Vorsprung vor Macionis, Lengyel und Heimlich feine „Reise". Als Taguchi, Japans dritter Mann, in die Flut schießt, hat er bereits einen Vorsprung von 10 Meter vor dem dritten Amerikaner Wolf. Um den dritten Platz liefern sich weiterhin Deutschland und Ungarn einen mörderischen Kampf. Ungarn hat aber den Vortritt. Arai folgt als letzter Japaner, und da er mit 2:13,2 eine prächtige Zeit schwimmt, erringt er für seine Mannschaft in ganz überlegenem Stil die Goldmedaille. Der mit kraftvollen Armzügen schwimende letzte Amerikaner Medica spurtet verzweifelt, aber er vermag den etwa 12 Meter betragenden Abstand zu dem Führenden nicht zu verringern. Ungarns dritter Platz ist durch Olympiasieger Csik gesichert. Deutschland büßt noch seinen vierten Platz ein, da auf der Außenbahn Taris mächtig aufgekommen ist und im Ziel den deutschen Meister Fischer noch abfangen kann.
Ein großer Kampf, wie man ihn in der Geschichte des Schimmsports selten gesehen hat, ist beendet. Japan hat seinen Triumph von Los Angeles wiederholt. Das scharfe Rennen brachte mehrere Rekorde. Mit 8:51,5 stellte Japan nicht nur einen neuen olympischen, sondern auch einen neuen Weltrekord auf. Alle National-Staffeln, darunter auch die deutsche, schwammen neue Landesrekorde, und Ungarn verbesserte dabei noch die Europa-Bestzeit. Maehata gewinnt die 200-Meter-Brust
Hatte der Kampf der Staffeln schon eine unerhörte Steigerung der Spannung gebracht, so übertraf doch der Zweikampf zwischen der japanischen Weltrekordlerin Maehata und der Deutschen Martha Genenger alles bisher bei Olympischen Spielen Erlebte. Es war das Rennen des Tages. Der Lautsprecher gibt die Startplätze bekannt: Storey (Großbritannien), Waalberg (Holland), Soerensen (Dänemark), H ö l z n e r (Deutschland), Kastein (Holland), Maehata (Japan) und Genenger (Deutschland). Auf den Zuschauer-
Die 21 Rückenschwimmerinnen waren in Vorläufe eingeteilt. Von ihnen kamen die vier sten jedes Laufes in die Zwischenentscheidung, deutsche Meisterin Christel R u p k e war gesundheitlich nicht ganz auf dem Posten und belegte in 1:23,7 nur den fünften Platz. Damit kam sie für die weiteren Kämpfe nicht mehr in Frage. Die zweite deutsche Schwimmerin Anni S t o l t e - Düsseldorf, hatte etwas mehr Glück und erreichte im ersten und gleichzeitig schnellsten Dorlauf in 1:23.1 Min. als Vierte das Ziel. Hier hatte die junge Holländerin Dina Senff mit 1:16,6 in ihrem ersten internationalen Meisterschaftsrennen auf Anhieb den von der Amerikanerin Holm-Jarrett mit 1:18,3 gehaltenen olympischen Rekord in Los Angeles stark verbessert. Die auch über 100-Meter-Rücker^ startende holländische Meisterin Rie M a st e n - broek begnügte sich im dritten Vorlauf mit 1:22, eine Zeit, die ihr hinter der Amerikanerin Motridge Platz sicherte.
Japaner stets um eine Länge zurück, dann aber machte er sich frei und führte bei 350 Meter fast mit einer Länge vor Medica. Taktisch klug erprobte der Amerikaner nun sein Spurtvermögen. Auf den letzten 100 Meter ließ Medica wieder etwas nach und in 4:48,2 schlugen der Japaner und der Amerikaner gleichzeitig an. Taris-Frankreich und Leivers-Enaland, der mit 4:55,7 einen neuen britischen Rekord schwamm, endeten auf den Plätzen. Die beiden Deutschen Heinz Arendt und i Ren-
LISA. stellt Weltklasse im Kunstspringen
Alle Medaillen an Amerika.
rängen fiebert man. Gewinnt die Deutsche, oder wieder eine Japanerin?
Ungewöhnlich lange wartet Gaedecke mit dem Startkommando. „Auf die Plätze!", ein lang gezogenes „Aachtung", und mit dem gewaltigen Knall der Startpistole springen die sieben Mädel ins Wasser. Die Japanerin Maehata liegt durch fünf kraftvolleUnterwasserzüge gleich knapp in Front. Bei 40,2 Sekunden wendet sie knapp vor der ruhig ziehenden deutschen Europameisterin. Auf der zweiten Bahn kommt die Rheinländerin mächtig auf. Bei 100 Meter wenden beide in 1:27,1 und dann fällt völlig unerwartet die Entscheidung, zwischen dem 120. und 140. Meter hat sich die kleine Japanerin einen Meter Vorspruna erkämpft. Martha Genenger, etwas verdutzt, reißt sich zusammen. Aber vergebens. Mit geschlossenen Augen schwimmend, die Stöße so kurz wie nur möglich, strebt Maehata dem Ziele zu. Martha Genenger
Einer der schönsten, aber auch langwierigsten Wettbewerbe des olympischen Schwimmprogramms ist zweifellos das Kunstspringen der Männer. Bereits am Montag, während der harten Kämpfe in den Pflichtübungen, baute sich in beiden Gruppen eine Spitzenklasse, die auch am Dienstagmorgen nicht versagte und mit kaum zu übertreffenden Kürsprüngen schon gegen 9 Uhr 18 000 Zuschauer restlos begeisterte. Die beiden Amerikaner Green und Wayne, Shibahara und Koyanagi, Japans überraschend starke Springer, und die Deutschen Erhardt Weiß, Leo Esser und Winfried Mahraun waren sich durchweg gleichwertig. Daß auch in Berlin die sieben Sprungrichter sich eindeutig für die Springart der Amerikaner entschieden, war das Pech der Japaner und der europäischen Spitzenklasse.
Der Amerikaner Dick Degener war in überzeu
gender Form; sein Olympiasieg stand auch bereits nach dem ersten Kürsprung fest. Green aber war nicht besser als Shibahara und Weiß.
Olympiasieger Dick Degener (USA.)
Bereits nach den Pflichtsprüngen lag der amerikanische Meister und Dritte von Los Angeles, Dick Degener, mit 74,86 Punkten klar an der Spitze des 24köpfigen Feldes. Daß Degener alles kann, zeigte er am Dienstagmorgen, als er einen Sprung schöner und vorbildlicher als den anderen machte. Er stellte erste Weltklasse bar. Mit 19,55 für den Schraubensalto und 7,85 für den Zweieinhalb- Salto, hatte der Amerikaner in der Gruppe I die bestbewertetsten Sprünge.
Den Olympiasieg hatte er verdient.
Marshall Wayne führte bereits nach den Pflichtsprüngen die zweite Gruppe an und in der
Kür wuchs dieser schlanke Amerikaner über sich hinaus. Bei ihm ist es vor allem sein eigenartiger Sprungstil und die Ausführung. Sein am besten bewerteter Sprung war der IV2 Auerbach mit Anlauf, für den er 19,09 Punkte erhielt. Sein zweiter Platz war jedenfalls verdient.
Al Greene, der dritte Amerikaner, der sich die Bronze-Medaille holte, gefiel lange nicht so gut wie seine Landsleute. Er wurde zu gut bewertet.
Weiß, Esser und Mahraun zeigten durchaus gutes Können. Daß sie von den sich stets uneinigen Sprungrichtern nicht immer ihrer Leistung entsprechend bewertet wurden, war ihr Pech. Erhardt Weiß zeigte mit seinem IVr-Schraubensalto einfach einen Klassesprung. Zwischen 6 und 8V2 schwankten die Sprungrichter, die schließlich als Gesamtpunktzahl 17,71 herauskam. Für seinen IV2 Salto gegen das Brett gehechtet erhielt der deutsche Meister nur 15,96 Punkte. Leo Esser, unser Europameister, behielt von unseren Springern am meisten die Nerven. Sein IV2 Schraubensalto brachte ihm 17,71 Punkte ein. Hinter Degener erhielt er für diesen Sprung die beste Note.
Winfried Mahraun war leicht nervös, wurde aber zum Schluß überaus sicher und elegant.
Von den beiden Japanern hielt sich Shibahara auch in der Kür überraschend gut. Trotz seiner kleinen, gedrungenen Figur gefiel er wieder, zeigte aber nicht immer die Sicherheit, die ihm bei der „Pflicht" so viel Beifall eingebracht hatte.
Zwischenrunde im Wasserball.
Am Dienstagmorgen wurden die beiden ersten Spiele der Wasserball-Zwischenrunde im Schwimm- Stadion ausgetragen. In der Gruppe 1 trennten sich Holland und England 4:4 unentschieden, nachdem die Holländer bei der Pause noch mit 3:1 eine klare Führung hatten. Ungarn erkämpfte einen glatten 3:0°(2:0-)Sieg über Belgien.
Deutschland — Oesterreich 3:1.
Im ersten Wasserballtreffen des Nachmittags standen sich die in der Gruppe 2 stehenden Länder Deutschland und Oesterreich vor 25 000 Zuschauern im Schwimm-Stadion gegenüber. Die Deutschen legten es darauf an, einen für das Auge schönen und fairen Kampf zu zeigen. Daß Oesterreich diesem Vorsatz nur mit um so härterem Spiel begegnete, war für die Zuschauer nicht immer verständlich. So kam Deutschland nur zu einem 3:1- (2:0)-Erfolg, der aber nie gefährdet war.
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Im zweiten Kampf des Nachmittags kamen die Franzosen vor allem durch das immer noch überragende Können von Padou zu einem knappen 2:l-(2:0-)Sieg über Schweden.
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Mit den Zwischenspielen des M i t t w 0 ch ist auch die Zwischenrunde erledigt. Aus jeder Gruppe scheiden die beiden letzten Nationen aus und spielen in einer neuen Runde um den fünften bis achten Platz. Die beiden Ersten jeder Zwischengruppe spielen in einfacher Runde um den Olympiasieg. Olympischer Zeitplan für Donnerstag.
16 Uhr: Fußball: Entscheidungsspiel um den 3. und 4. Platz. Sieger-Zeremonien.
20 Uhr: Militärkonzert jeweils im Olympia-Stadion.
9 Uhr: Schwimmen: 400-Meter-Freistil, Frauen (5 Vorläufe); 1500-Meter-Freistil, Männer (2 Vorläufe).
15 Uhr: Wasserball. Entscheidungsrunde um den 5. bis 8. Platz; 1500-Meter-Freistil, Männer (2 Dorlaufe); 200-Meter-Brust, Männer (5 Vorläufe); 100-Meter-Rücken, Männer (Zwischenläufe); 100-Meter-Rücken, Frauen (Endlauf), Schwimmstadion.
8 Uhr: Reiten: Große Dressur-Prüfung. Dressurprüfung für die Vielseitigkeitsprüfung, Maifeld.
16.30 Uhr: Hockey-Turnier (Trostrunde), Hockey-Stadion.
16 Uhr: Basketball (Vorschlußrunde), Tennis- Stadion.
9 bis 20 Uhr: Fechten: Säbel-Mannschaftskämpfe (Vorschlußrunde); Säbel-Mannschaftskämpfe (Endrunde), Turnhalle im Kuppelsaal im Reichssportfeld.
15 Uhr: Boxen: 3. Runde, Deutschlandhalle. 9 Uhr: Rudern: Hoffnungsläufe, Grünau.
10.30 Uhr: Segeln, Kieler Förde.
EEH Puddingpulver
allgemein gelobt?
Unbekannte Fracht.
Roman von Krank K. Braun.
12. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Sie gingen an einen Konstabler heran. Noch konnte ihre Flucht ja unmöglich bekannt sein. John Schnakenbeck fragte den Beamten nach einem Seemannsheim und bekam Bescheid. Aber auf dem Wege dahin stiegen ihnen beiden Bedenken auf. Wenn der Kapitän sie suchen ließ, würde er sicherlich das Seemannsheim überholen lassen.
Sogleich einig, bogen die Ausreißer von der Hauptstraße ab und schwenkten wieder zum Wasser hinunter. Da gab es viele kleine Lokale, Schenken, Tanzstätten; einige Häuser zeigten auch Schilder, auf denen „Hotel" stand. Sie suchten das kleinste und kümmerlichste. Dort fielen sie ein wie müde Zugvögel, und John Schnakenbeck verlangte ein Zimmer. Der Wirt unterschied sich in nichts von den Besitzern ähnlicher Lokale in Bremen oder Hamburg. Er empfing sie hemdsärmelig und ließ sie erst ein, als er die prallen Seesäcke bemerkte.
John Schnakenbeck hatte zudem den guten Einfall, in der Hosentasche mit ein paar Münzen zu klimpern.
Sie bekamen ein Zimmer mit zwei Betten und weißer, etwas feuchter Wäsche. Aber das merkten sie nicht einmal; sie meinten, die Betten seien angenehm kühl.
Rudolf Terbrügge schloß die Tür ab. Eine Anmeldung war von ihnen nicht verlangt worden. Sie sahen sich an, lachten und warfen dann in Hast die Kleider ab. Beide nackend stiegen sie in die Waschbecken, die sie an die Erde gestellt hatten und seiften sich ab. Das war besser, als unter den immer zu heißen Brausen im Waschraum der „Queen Elizabeth". Aber einmal genügte ihnen das nicht. Sie huschten auf den Flur, fanden den Wasserhahn und das Abflußbecken, holten frisches Wasser und wiederholten die Prozedur noch zweimal. Dann schienen sie sauber. Sie begutachteten einander, schlossen nochmals sorgfältig die Tür ab und warfen sich in die Betten.
„Gute Nacht, John."
„Gute Nacht, Rudolf, schlafe gut."
„Das ist das einzige, was ich ganz gewiß weiß!" Sie hatten das Gaslicht vergessen. Der achtsame Wirt ging noch einmal durch das Haus und sah den Lichtschimmer durch das Schlüsselloch und die Türritzen fallen. Er horchte. Die da drinnen schnarchten. Da drehte er auf dem Korridor den Haupthahn ab. Das Licht erlosch im ganzen Haus, auch in der Kammer der beiden Flüchtlinge. Sie schliefen und merkten nichts von der Veränderung; kein Kanonendonner hätte sie aufzuwecken vermocht.
5. Kapitel.
Sie erwachten am andern Morgen von einem Gepolter, als ob die Kohlen ins Rollen gekommen seien. Als sie in ihren Betten auffuhren und sich mit blinzelnden Augen zurechtfanden, merkten sie, daß jemand mit der Faust draußen gegen die Tür schlug. Sie erschraken; die Angst der Verfolgten ließ sie zunächst eine Weile schweigen. Aber die Fäuste schlugen stärker gegen das Holz der Tür. Es war ausgeschlossen, daß sie bei diesem Lärm denen vor der Tür einen festen Schlaf vortäuschen konnten. Rudolf Terbrügge entschloß sich denn auch. Sein Bett stand dem Eingang am nächsten.
„Es nützt nichts", sagte er lakonisch und stand auf. Er öffnete die Tür zu einem Spalt. Sein Herz klopfte. Standen draußen Konstabler, Hafenpolizisten, die sie beide an Bord der „Queen Elizabeth" zurückbringen würden?
Draußen stand nur der Wirt. Er setzte ein Lächeln auf. „Ich mußte Sie so früh aufwecken", sagte er, „wir wollen in der Küche mit Kochen an- fangen, auf Gas, versteht sich. Drehen Sie bitte den Hahn Ihrer Lampe zu."
„Wieso, ich verstehe Sie gar nicht..."
Der Wirt hielt es für einfacher, zu handeln, als diesem Schlaftrunkenen Erklärungen abzugeben. Er trat in das Zimmer und drehte den Gashahn an der Lampe aus. „So", sagte er. „Sie hätten heute nacht sonst das Licht brennen lassen, ich hatte den Haupthahn abgedreht." Er nickte freundlich. „In einer halben Stunde gibt es Frühstück. Das Speisezimmer befindet sich unten." Er ging wieder hinaus.
„Puh ...", machte John Schnakenbeck, „ein feines Hotel, du, wir find zum Breakfest geheten!"
Sie verzichteten auf weiteren Schlaf. John Schnakenbeck öffnete die Rollvorhänge. Das Fen
ster führte auf einen kleinen Hof; gegenüber lag die Seitenwand eines Nachbarhauses. Es war auch ein Hotel, wie Schnakenbeck sich erinnerte. Er stand einen Augenblick und atmete die frische Morgenluft ein. Vielleicht schaute er auch den Himmel an, wie das Wetter sich entwickeln werde. Jedenfalls entging es ihm anfangs, daß sich drüben ein Fenster geöffnet hatte und ein Mann, ähnlich wie er, den Tag begutachtete.
Der Mann drüben bemerkte sein Gegenüber sofort. Er stutzte; zog den Kopf zurück und streckte ihn wieder vor. Dann legte er, seiner Sache gewiß, beide Hände als Schalltrichter um den Mund und rief — für die kleine Entfernung viel zu laut —: „Hallo, John Schnakenbeck! Wie kommen Sie hierher!"
John Schnakenbeck empfing den Ruf wie einen elektrischen Schlag. Er starrte den Mann an. Ein Mensch fiel aus den Wolken! Sein Mund öffnete sich und blieb so stehen; dann wußte er sich keinen anderen Rat, er drehte sich um und lief vom Fen- ster weg.
Rudolf Terbrügge hatte den Ruf gehört; er sah seines Freundes schreckensbleiches Gesicht. „Wer ist dort?" fragte er gleichfalls sofort erschrocken.
John Schnakenbeck sank auf den Bettrand. „Es ist aus", stieß er hervor. „Der Oberheizer Durham, dem wir eben davongelaufen find, hat uns entdeckt!"
„Fliehen, komm, keine Sekunde ist zu verlieren!"
„Unsinn, Rudolf. Ehe wir richtig angekleidet find, ehe wir bezahlt haben, ist das Haus umstellt. Es gibt Telephone. Den Leuten von Bord der „Queen Elizabeth" hilft die Polizei. Es hat keinen Zweck mehr, davonzulaufen. Man kann sich auch nicht verstecken, Rudolf, ich sehe deine Blicke. Der Wirt kennt fein Haus natürlich besser als wir."
Rudolf Terbrügge starrte zu Boden. „Ziehen wir uns also wenigstens an", sagte er dann mit jener stoischen Ruhe, die ihn in Lagen überkam, an denen es nichts zu ändern gab. Plötzlich war er der Ruhigere und Gefaßte. „Nimm deine Jacke, John. Wir wollen doch nicht wie halbnackte Wilde zum Hafen getrieben werden."
Sie suchten chre Habseligkeiten zusammen und stopften alles in die Seesäcke. Als sie nach wenigen Minuten fertig waren, sahen sie sich an. „Und nun, John, wollen wir hier warten, bis man uns abholt?
Ich schlage vor, wir gehen hinunter und frühstücken. An Bord kommen wir immer noch früh genug."
Sie schulterten ihre Gepäckstücke und gingen in den Speiseraum im Erdgeschoß. Noch waren sie die einzigen Gäste. Der Wirt bat sie, sich zu gedulden. Sie setzten sich und warteten. Die Straße lag ganz ruhig, noch recht menschenleer um diese frühe Stunde.
„Wenn mir einfach davongingen, Rudolf, was kann uns passieren? Man hält uns an oder tut es nicht."
„Ich möchte nicht wegen Zechprellerei in Haft geraten."
„Natürlich nicht. Du hast den Zwanzigmarkschein. Lege ihn auf den Tisch und komm. Besser das Geld einbüßen als die Freiheit."
Einen Augenblick waren sie noch unschlüssig. Rudolf Terbrügge trat an das Fenster. Lauerten nicht doch schon irgendwo in der Nähe die Häscher? Er bemerkte keinen Menschen. „Vielleicht, John —"
„Mensch, komm, es ist die letzte Chance!"
„Zu spät, John, da kommt Durham." Rudolf Terbrügge setzte sich wieder. Auf der Straße vor dem Fenster tauchte der Oberheizer auf. Er kam aus dem Nachbarhaus und bog geradeswegs auf das Haus zu, in dem ihn die beiden Flüchtlinge erwarteten. „Keinen,Widerstand, John, es hat keinen Sinn und verschlimmert die Lage nur für uns!"
John Schnakenbeck nickte düster und traurig. Er foh auf feine Fäuste, dann steckte er sie unter den Tisch. Er war blaß. Seine Augen hoben sich in diesem Gesicht besonders ab, da sie dunkel waren. Sie schienen zornig und verwegen. Rudolf Ter- brügge legte ihm die Hand auf die Schulter.
Das war die Situation, als der Oberheizer Durham eintrat. Er mochte angeklopft haben; sie hatten es überhört. Jetzt stand er da, hatte den Türgriff m der Hand und blieb auf der Schwelle, jeden Fluchtversuch unmöglich machend.
„Morning", sagte er grinsend. „Ein so baldiges Wiedersehen ist überraschend, nicht wahr?"
Die beiden standen und starrten ihn an. Wenn er allein gekommen ist, dachte der rabiate Schnakenbeck, müßte man ihn niederschlagen wie jenen Matrosen am Laufsteg... Er fühlte Rudolf Ter- orugges warnenden Griff stärker auf seiner Achsel und hielt an sich.
(Fortsetzung folgt!)


