Ausgabe 
12.8.1936
 
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Nr. 18 7 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhellen)Mittwoch, U.August 1936

Wehr und Waffen.

Amerikas Heer.

Don Oberstleutnant a. D. Benary.

(afp.) Die Wehrverfassung eines Volkes hot ihre Wurzeln in der erdräumlichen Lage des Lan- des und dem kämpferischen Charakter der Veoölke- Hing.Amerika, du hast es besser...", dies alte Wort scheint geradezu auf die wehrpolitische Lage der Vereinigten Staaten gemünzt zu sein. Sie sind der Sorgen um einen überraschenden Angriff auf ihre Grenzen, die den europäischen Staaten soviel Kopfzerbrechen machen, enthoben. Zwei Meere schützen im Osten und Welten ihre Küsten, zwei rüstungsschwache Staaten lassen sie im Norden und Süden ruhig schlafen. Das amerikanische Volk ist ein Kolonialvolk. Es ist unter schweren Kämpfen arotz geworden, von denen ein Abglanz in unseren Jugendbüchern lebt. Es ist durchaus kämpferisch bestimmt Aber es liebt die persönliche Freiheit, um deretwillen seine Vorfahren einst die Enge Euro­pas verließen. Es lehnt jeden militärischen Zwang ab Es wird ohne Zögern, wenn das Vaterland in Gefahr ist, zu den Waffen greifen. Aber es über­läßt in ruhigen Zeiten die Sorge um die Sicherheit des Landes den Berufssoldaten und faßt, soweit es sich überhaupt für den Waffendienst im Frieden vorbereitet, ihn als Sport, als körperliche Aus­spannung in der Hast des Geschäftslebens auf.

Die Vereinigten Staaten haben darum als ersten Schild ihrer Grenzen, als Rahmen eines zukünfti­gen Massenheeres, als Versuchs- und Lehrtruppe ein Berufsheer: die Reguläre Armee und als Wechsel auf die Zukunft die Miliz in ihren zwei Gliederungen: der Nationalgarde und die organisierten Reserven.

Die Reguläre Armee, das Instrument der Bun­desregierung, ist mit 13 000 Offizieren und 135 000 Mann in 9 Infanterie- und 3 Kavallerie-Dimsio- nen über die ganze Weite des amerikanischen Raumes verteilt, so daß häufig Kompanien eines Bataillones auf Hunderte von Kilometern vonein­ander getrennt sind. Die Offiziere (meist Schuler der altberühmten Kadettenanstalt in West-Point, aber auch bewährte Unteroffiziere) und Unteroffi­ziere werden für ihre Tätigkeit als Lehrer der Miliz und der Jugend der höheren Schulen sorg­lich oorgebildet.

Der Dienst in der Miliz, zu der im Kriegsfälle alle Amerikaner vom 18. bis 45. Lebensjahre ver­pflichtet sind, ist im Frieden freiwillig.

Die Nationalgarde, das Instrument der Bundes­staaten, ist mit 18 Infanterie- und 4 Kavallerie- Divisionen der festere Teil der Gliederung. Sie zieht ihre Angehörigen allwöchentlich zu IVz Stun­den Kasernen- und Exerzierplatzausbildung, im Sommer zu einer 14tägigen Lagerübung heran.

Die organisierte Reserve, die Reserve des Bun­desheeres, besteht bei lediglich 5000 Unteroffizieren und Mannschaften im wesentlichen aus Angehöri­gen des Referoe-Offizierkorps (133 000 Offiziere aller Dienstgrade).

Die militärische Ausbildung an den Schulen ist sehr vielseitig: Fechten, Schießen und Reiten steht im Vordergrund. Dazu treten Marsch-, Gefechts- und Lagerübungen sowie Unterricht in den Wissenschaften der Spezialwaffen (Artillerie, Nachrichten, Flieger, Kraftfahrer). Die Schuler werden zu Truppenteilen Regimenter, Bataillone, Kompanien zusammengefaßt, die unter Leitung von aktiven Offizieren und Unteroffizieren mit Offi­zieren und Unteroffizieren besetzt sind, die aus der Zahl der Schüler selber entnommen werden. Die Universitäten setzen die Arbeit der Schulen fort. Die militärische Ausbildung der Berufstätigen erfolgt in den Bürgerausbildungslagern, die sich großer Beliebtheit erfreuen mit ihren drei Kursen für den Mann, Unterführer und Führer. Sie wenden sich an alle Amerikaner ohne Unterschied von Stand und Bildung vom 16. bis 36. Lebensjahre.

Die amerikanische Wehrmacht kann bei der erd­räumlichen Lage des Landes auf eine lange An­laufzeit bei Kriegsausbruch rechnen. Sie kann daher in Ruhe alle militärischen Erfindungen der Technik im Truppenversuch erproben, sich nnt per Beschaffung weniger Lehrstücke begnügen und rm übrigen ihre serienweise Herstellung im1 falle vorbereiten. Die amerikanischen Kriegsmobil machungsvorbereitungen.verlegen daher auch ihren Schwerpunkt auf die rustungstechnische und wirt­schaftliche Vorbereitung des Krieges Ein eigenes Kriegsmaterialamt ist für sie verantwortti^ Das Kriegsamt erfaßt listenmaß.g dle fur ^e Kriegs arbeit in Frage kommenden Fabriken (etwa 20 0W mb bereitet fie für ihr- Mutgaben Dor OTan if übeneuqt dah d-r Grundsatz der Aushebung au, das Mat rial und den Dollar ebenso angewandt werden mutz wie auf den Menschen denn es ge­nital nicht" s° schreibt der Leiter des Rustungs- bestes °°n St. Franzisko. ..daß unser Land über eine aroße Menge von Menschenreserven, über eine große Intelligenz verfügt, wenn wir 'hm nicht die nötigen Waffen sichern. Unsere Aufgab« ist es, unserem Verstände etwas Schießpulver hinzuzu-

Die Motorisierung und Mechanisie- r u n q hat alle Teile des Heeres erfaßt Bei der Infanterie sind die Maschinenwaffen: Maschinen­gewehre, Minenwerfer und Infanterie-Geschütze in den Vordergrund gerückt. Sie sind aber wertlos, wenn auch ihnen nicht der Motor die großttnog- liche Beweglichkeit verleiht. Auch für den Klein­kampfwagen, der dem Infanteristen das.Unter­laufen der feindlichen Sperrfeuerzone ermöglichen soll, ist Beweglichkeit Trumpf, die allem es ihm gestattet, der Vernichtung durch feindliche Tanks auszuweichen. Die gesamte mittlere, schwere und Flakartillerie, ein Teil der Feldarttllerie unb bie nicht fest eingebauten oder nicht ^^bahnbewegten Batterien der Küstenartillerie sind motorisiert. Ebenso sind die Pioniere und Nachrichtentruppen motorisiert oder wenigstens Mit motorisierten G rätekolonnen ausgestattet. Dagegen hinkt die ame rikanische Armee mit der Aufstellung größerer motorisierter und mechanisierter verbände hinter­her. Vor der Hand stehen nur zwei Kampfwagen- regimenter mit rund 1000 Kamp wagen zur Der- füqung. Zwei Gasreaimenter bilden ihre Ange hörigen für den chemischen Krieg aus.

Die Küstenartillerie nimmt wie es .bet den tanggestreckten Meeresgrenzen nicht anders zu erwarten ist, eine Vorzugsstellung eiw Sie ver­fügt über die neuesten bis 36 und 44 an Kaliber schießenden Geschütze von großer Durchschlagskrast. In letzter Zeit erwächst ihr m der Luftwaffe

ein Rivale, der immer mehr die Gunst der Bevöl­kerung für sich gewinnt. Sie zählt bei 2000 Offi­zieren und 15 000 Unteroffizieren und Mannschaf­ten nicht gerechnet die Luftstreitkräfte der Marine in 66 Staffeln rund 2000 Flugzeuge und soll nach dem letzten Rüstungsprogramm durch­weg neue, hochwertige Maschinen erhalten.

Der Mannschaftsmangel macht sich nach wie vor im regulären Heere und in der Miliz schmerzlich geltend. Die Wehrmacht hat sich nicht zuletzt deshalb mit Nachdruck der Unterbringung der Arbeitslosen im Arbeitsdienst angenommen und seine Aufstellung erst durch die Mitarbeit von aktiven Offizieren und Unteroffizieren ermöglicht. Sie hofft, ihn mit der Zeit zu einer Vorschule der Wehrmacht auszubauen. Auch sonst läßt sie es an Propaganda für sich selber und für die Wehrertüchtigung des Volkes nicht fehlen. Alle Dienststellen der Wehrmacht haben besondere Propagandaämter errichtet, die der Presse mit uner­müdlichem Eifer Berichte und Bilder liefern. Man scheut nicht vor drastischer, uns Deutschen fremder

Reklame, zurück, wenn man schreibt:Die Schön­heitspflege kostet der Damenwelt Amerikas schät­zungsweise 1825 000 000 Dollar im Jahre, d. h. lediglich die Ausgaben für Puder, Lippenstifte, Par­füms, Haarwellen, keineswegs für Bekleidung und dergleichen. Die Landesverteidigung kostet dem Steuerzahler nur 680 000 000 Dollar im Jahre, das find 37 o. H. von dem, was die Damenwelt für gutes Aussehen ausgibt. Puder und Schminke sind für die Damen, Pulver und Blei für die Landes­verteidigung. Könnten schöne Augen töten, wären wir das beftgerüftete Land der Welt."

Die leitenden Staatsmänner unterstützen in ihren Reden vor dem Parlament und der Oesfentlichkeit die Werbung der Wehrmacht. Sie denken wie der Präsident der Universität Washington:Unserem Land tut militärische Ausbildung not, selbst wenn wir hundert Jahre lang keinen Krieg führen müßten. Sie ist notwendig zum Schutze unseres Landes, aber auch zur körperlichen und moralischen Ertüchtigung unserer Bürger."

Soldalenliebe...

Von Albert Lehsten.

Ehen werden im Himmel geschlossen. Der Mensch soll sie nicht scheiden. Der Soldat ist ein Ketzer. Er schließt Ehen auf Zeit. Er löst sie, wenn es ihm gefällt und geht neue ein ohne Gewissensbisse. Er fühlt sich nicht wohl allein. Er muß einen Gefähr­ten sein Eigen nennen von der Stunde an, da er den feldgrauen Rock anzieht, bis zu Dem Tag, da er die Reservistentroddel an seinen Stock hängt, oder, alt und grau geworden, in den wohlverdienten Ruhestand tritt.

Da ist der Herr General. Er hat die Erfah­rung von 30 Dienstjahren und vier Kriegsjahren. Er hat die Brust voller Orden und den Kopf voller Gedanken. Er verlangt viel von sich, aber auch viel von der Truppe. Er ist erhaben über die kleinen Freuden des Daseins und glaubt, auch andere leben nur dem Dienst. Da ist aber auch der A d - j u t a n t. Auch er ist klug, auch er ist voll Eifer. Wie hätte ihn sich sonst der General als Gefährten ersehen! Aber er ist jünger. Er kennt die Jugend, er kennt die Truppe. Er gleicht aus. Er lenkt un- merklich wie eine gute Ehegattin den hohen Herrn. Er drängt seinen Rat nicht auf. Er widerspricht nicht, aber er lächelt fein, wenn der General be­ginnt:Zu meiner Zeit ..."

Der Hauptmann und sein Oberwacht- meister! Die Ehe ist enger; denn die gemein­samen Sorgen sind größer. 125 Mann und 80 Pferde, die wollen betreut fein. Der Hauptmann als Vater hat Ehrgeiz. Seine Kinder sollen die schmucksten, seine Batterie die stolzeste im ganzen Regiment sein. Er gibt ihnen sein Bestes. Er be­lehrt, er erzieht, er drillt, er schult. Er will aus jedem das Beste herausholen, jedem gerecht wer­den. Er lobt gern, er [traft ungern, kennt aber keine Rücksicht, wenn der Dienst es fordert. Der Wachtmeister, als Mutter, hat noch mehr Ehrgeiz. Er ist noch fester mit der Batterie, in der er groß ward, verwachsen als sein Brotherr, der sie erst vor Jahresfrist übernahm. Er kennt jedes seiner Schäfchen bis in den innersten Winkel des Herzens. Er hilft ihnen, wo er kann, aber er hat auch den Bleistift zur Hand, unverbesserliche Sünder als An­wärter für eine Sonntagsstallwache in fein Notiz­buch einzutragen. Er hält dasHauswesen" in Schwung, sieht jedes Stäubchen auf dem Kleider­spind, jeden Fleck auf der Ausgehhose, ist überall und nirgends. Er hält aber auch dem Ehegatten den Kopf frei, bringt nicht jeden Kleinkram vor den Hauptmann. Wenn Vater und Mutter, Haupt­mann und Oberwachtmeister, im tiefen Gespräch über den Kasernenhof wandeln, drücken sich die Kanoniere vorsichtig um die Ecke:Man kann nicht

wissen!" Aber nach 20 Jahren, wenn sie sich auf dem Regimentstag wiedertreffen, stoßen sie an und loben:Unser Alter, unser Spieß! Das waren doch Kerle!"

Der Leutnant! Er ist noch unbeschwert. Ihm winkt das Leben. Er wirft die Sorgen hinter sich, wenn der Dienst zu Ende. Er träumt vom Sieg auf dem grünen Rasen, im Wettlauf der Motore. Er träumt von blonden und braunen Mädchenköp­fen. Der Bursche holt ihn auf die Erde zurück. Er weckt ihn am Morgen. Er legt ihm am Abend die bessere Garnitur bereit. Er mahnt ihn an die Wirklichkeit des Dienstzettels und stellt mit einer Tasse schwarzen Kaffees sein inneres Gleichgewicht her, wenn die Nacht einmal blank war. Leutnant und Bursche, nicht Herr und Diener, sondern Ka­meraden verschiedenen Dienstgrades, jeder an seiner Stelle, jeder nach seinen Gaben, getreu ihrer Pflicht!

Der Reiter und sein Pferd! Der denkende Mensch und die stumme Kreatur. Eine Ehe ohne Worte, die darum nicht unglücklicher ist. Einer lebt dem anderen. Der Reiter achtet den Dienst an seinem Pferd nicht gering, striegelt, futtert, tränkt es zu feiner Zeit. Das Pferd dankt es ihm, trägt ihn über jeden Graben, über jedes Koppelrick, durch Grasschwaden, durch Trommelfeuer. Freilich die Seelen müssen zusammenschwingen. Der Reiter muß in seinem Weggenossen das lebende Wesen sehen, das Freude und Schmerz empfindet wie er. Vergäße er dies je, die Ehe wäre gesprengt: das Pferd aus der freudig dienenden Gattin in die hämische alte Jungfer verwandelt.

Der Rekrut und fein Gewehr! Bei Lichte besehen, ist dies noch keine Ehe. Sie kennen einander noch zu wenig. Der Rekrut fragt zaghaft: Wirst du treffen?" Das Gewehr mault spröde: ,,Wenn du genau zielst und ruhig abkrümmst!" Der Rekrut umwirbt es. Er wischt und putzt es nach jedem Gebrauch, er müht sich, den Flug seines Geschosses nicht durch Verkanten und Mucken zu stören. Das Gewehr ziert sich nicht lange. Es gibt sich zu eigen. Und das Kind aus dieser Ehe?Eine Zwölf!"

Die Mädel nun, die dies lesen? Sie werden die Nasen rümpfen und das Lied trällern:Vom Reiter ohne bleibendes Quartier", das Lied:Vom Scheiden und Meiden." Sie werden sagen:Seht, jetzt haben wir es schwarz auf weiß, was es ist mit der Soldatenliebe: Ehen auf Zeit!" Aber am Abend, dann werden fie sich eines Besseren beson­nen haben und rechtzeitig zur Stelle sein, wenn der Mond aufgeht, die Nachtigallen schlagen oder im Winter die Ballgeige lockt und der Gefreite am Torweg wartet.

Die Reiter bei den O-yinpischen Spielen.

Von Spec ator.

Dierundzwanzig fremde Nattonen haben ihre Teilnahme für die vier Wettbewerbe der Reiter­kämpfe bei den Olympischen Spielen angemeldet. ImPreis der Nationen", dem schweren Jagd­springen, in derGroßen Dressurprüfung" und in derMilitary" (Vielseitigkeitsprüfung), bestehend aus Geländeritt, Dressurprüfung und einem Jagd­springen) werden sich die Besten der Welt in Mannschafts- und Einzelwettbewerben messen. Wir Deutsche werden uns bewußt sein müssen, daß wir alle Kraft anspannen müssen, um sie nicht nur ehrenvoll, sondern auch erfolgreich zu bestehen.

Zum erstenmal nach langen Jahren erscheint eine englische Mannschaft auf einem internatio­nalen Turnier auf dem Kontinent, denn in Eng­land kennt man einen Turniersport in unserem Sinne nicht. Man reitet dort Jagd, im Gelände, hinter der Meute. Dementsprechend beteiligen sich die englischen Reiter mit ihren durch große natür­liche Springanlage und vorzügliches Temperament ausgezeichneten Pferden auch nur am Jagdsprin­gen und der Military, nicht aber an der Großen Dressurprüfung. Sie werden beachtliche Gegner fein. Ihre Vettern von jenseits des großen Teiches, die Amerikaner, durften mit ihrem ebenfalls vor­züglichen Pferdematerial gute Aussichten haben. Bei der letzten Ausfcheidungsmilitary drüben erfüllten jedenfalls von 19 gestarteten Pferden nicht weniger als 18 die Prüfung vollkommen. Ebenso ist ihre Auswahl an Spring-Pferden und Reitern beinahe unbeschränkt. Für die Große Dressurprüfung stehen ihnen 5 Pferde zur Verfügung, darunter Ameri­can Lady", die mit Capt. Kitts die Ausschei­dungsprüfung im letzten Jahre gewann. Auch Capt. Tuttle darf hier als aussichtsreicher Vertreter gelten.

Sehr ernst zu nehmen sind auch die Vorbereitun­gen der nordischen Staaten. Dor allem die der schwedischen Reiter, die ausgedehnte Ersahrun- qen in allen drei Wettbewerben haben und über ausgezeichnetes Pferde- und Reitermaterial ver­fügen.^ Don den Pferden für die Große Dressurprü­fung stehen an erster StelleTeresina unter Obe^ leutnant Adlercreutz und der deutsche Wallach Diamant", die schon wiederholt aus großen Tur­

nieren in Deutschland erfolgreich waren. Nor­wegens bester Mann dürste Rittmeister Q v i st aufNotatus", einem Hannoveraner, sein. Aber auch die übrige, aus Militär- und Zioilreitern be­stehende Mannschaft läßt Gutes erhoffen. Däne­mark stützt sich unter Auslassung des Jagdsprin­gens auf die Vielseitigkeitsprüfung, für die u. a. Grey Frear", der Zweite aus der vorjährigen Gon^alnrobs in Döderitz aenannt ist. In der gro­ßen Dressurprüfung wirdHis Ex" unter Rittmeister Jensen gehen, dessen Auftreten im letzten Winter in Berlin eine Sensation bedeutete.

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Die Romanen bilden anders aus als die Deut­schen. Die schnellen, hoch im Blut stehenden Spring­pferde der Franzosen sind uns von den Ber­liner Turnieren als ganz hervorragend bekannt. Auch die im letzten Jahr nach Döberitz zur Auf­klärung des Terrains entsandten Military-Pferde verrieten eine sehr gute Ausbildung, waren aber doch wohl noch nicht das Beste, was die Reitschule Saumur im Stall hat. In der Dressurreiterei sind die Franzosen bisher weniger hervorgetreten, haben aber in Los Angeles inTaine" unter Capt. Le - sage den Sieger stellen können. Die französische Reitweise verlangt ein Pferd, das bei richtigem Sitz und unsichtbaren Hilfen mit langem Hals leicht am Zügel steht und sieht darüber hinweg, wenn die Anlehnung nicht so gleichmäßig ist, wie die deutsche es verlangt. Belgien folgt Frankreichs Spuren. Seine guten Durchschnittsleistungen haben es aber noch niemals zu olympischen Ehren gelan­gen lassen. Don den Mannschaften, die nur die Military" und denPreis der Nationen" genannt haben, find auch die italienischen Reiter in Deutschland nicht unbekannt. In ihrer Gemeinschaft befindet sich auch Graf Campello, der auf dem letzten Berliner Turnier mit Erfolg beteiligt war. Ihre ebenfalls sehr schnellen und springge­wandten Pferde geben ihnen Aussicht, mindestens im Jagdspringen auf der Liste der voraussichtlichen Sieger zu stehen. Die Schwierigkeiten für ihre erst­klassigen Pferde dürften in der Dressurprüfung Der Military liegen, da auch die Italiener über Diesen Ausbildungszweig eigene, von der Auffassung der meisten übrigen Nationen abweichende Ansichten haben.

Holland gehört mit Reitern wie Pahud de M o r t a g n e und d e K r u y s s zu den ersten An­wärtern auf den Sieg in der Vielseitiakeitsprüfung, die Pahud bereits zweimal gewann. Aber auch in der Dressur sind Maior Camerling aufWo­dan", L e H e u s e aufZonnetje" und Capt. D er­st e e g h aufAd Aftra" Vertreter, mit denen ge­rechnet werden muß. Die Reiter der Schweiz dagegen dürften Den meisten Widerstand in der großen Dressurprüfung finden, da die Zahl ihrer hierfür geeigntien Pferde geringer ist, als die für Die Military ustd Die Der Springpferde. Immerhin besitzen sie in Oberstleutnant Thumme einen Mann, der alles kann und der voraussichtlich auch in den drei Wettbewerben im Sattel fein wird, und in Leutnant Moser eine ausgezeichnete junge Kraft unter den zur Auswahl stehenden Reitern. Oesterreich hat sich durch feine aus Frankreich angekauften Pferde und die Auswahl feiner besten Reiter Chancen zu sichern gejucht. Für die Dressur­prüfung verfügt es über eine recht gute Mannschaft, in der Rittmeister Podhajsky sogar einer der Spitzenreiter sein könnte. Gut vorbereitet erscheint auch die Mannschaft der Tschechoslowakei, die für die Military und das Springen aus den Teilnehmern an dem diesjährigen internationalen Turnier in Nizza entnommen ist und die über sehr edle Pferde mit großem Galoppier- und Spring- oermögen verfügt. Auch die Pferde und Reiter für die Große Dressurprüfung sind bereits im Vorjahre in Budapest ausgefallen. Die Mannschaft dürfte in der vordersten Reihe der aussichtsreichen Bewerber stehen. Ein namhaftes Aufgebot vorzüglicher Spring-Reiter steht ebenfalls Polen zur Verfü­gung, von dem wir einen Teil gleichfalls auf dem Winterturnier in Berlin sehen konnten. Einigen ihrer Pferde fehlte damals noch die Routine über" die Hochweitsprünge innerhalb der Kombinationen doppelter und dreifacher Hindernisse. Auch in der Military, die in Polen große Vorliebe genießt, dürfte, wenigstens für die Dressurprüfung hier, noch größere Sicherheit notwendig feiiy Aehnlich dürften die Verhältnisse für bic "Ungarn liegen, die in Den letzten Jahren auffällig wenig hervorgetreten finD. Portugal, Spanien wie auch Mexiko zeichnen sich gleichermaßen durch sehr gute und schnelle Springpferde, meist anglo-arabischen Blutes aus. Ihre Vertreter haben in den internationalen Springprüfungen durch ihren Schneid häufig den Sieg an sich gerissen. Ob sie ihr und ihrer Pferde Temperament soweit zügeln können, daß sie den schwierigen Zweifach- und Dreichfach-Sprüngen des Olympiakurses gewachsen sind, bleibt abzuwarten.

Die Rumänen haben in der letzten Zeit durch ihre ausgezeichneten Pferde eigener Zucht auf aus­ländischen und deutschen Turnieren überrascht. Ob fie schon den Anforderungen der Olympischen Prü­fungen genügen werden, wird die Zukunft lehren. Auch die Bulgaren haben sich durch reiterlichen Ehrgeiz und wachsendes Können einen gewissen Namen gemacht. Ihre beste Waffe wirdTrott" sein, das bekannte Spring-Pferd, mit dem der unvergeßliche Axel H o l st 'im vorigen Jahre töd­lich verunglückte. Die Türkei (wie übrigens auch Finnland) werden sich trotz der Schwierigkeiten ihrer Pferdezucht sie sind im wesentlichen auf den Ankauf aus dem Auslande angewiesen sicher­lich ehrenhaft schlagen. Olympische Siegerehren kannte aber doch wohl nur der Zufall bringen. Eine besondere Note werden die Reiterkämpfe durch Die Beteiligung Der japanischen Mannschaft er­halten. Unter Den Reitern befindet sich auch Ritt­meister Baron Nifhi, der überraschenderweise das Große Jagdspringen der Olympischen Spiele in Los Angeles gewonnen hat. Schon damals hat Ja­pan einen Beweis geliefert, welcher fanatische Sie­geswille in dem einzelnen Kämpfer ruht.

Die deutsche Mannschaft wird für denPreis der Nationen", das am Schlußtage ftattfindende Jagdspringen, Rittmeister von Barnekow auf Olaf" oderWotan", Rittmeister Brandt aus Tora" oderAlchimist" und Rittmeister M o m m aufBaccarat" stellen. In derMilitary" sind wir ebenfalls gerüstet, zumal die deutsche Ausbildung von Pferd und Reiter auch im Springen auf der Dressurmäßigen Durcharbeit beruht, hier also Schwierigkeiten nicht zu befürchten sind. Für die Große Dressurprüfung" stehen inKronos",Ad- synth",Gimpel",Fels" undBurgsdorf" und in Reitern wie Oberleutnant Pollay, Rittmeister von Oppeln-Br.onikowfki, Rittmeister Fiebig u. a. m. Pferde und Reiter zur Verfü­gung, die international erprobt find. Man kann deshalb wohl mit Sicherheit dcvnit rechnen, daß die deutschen Reiter, vor allem in den Mannschafts­wettbewerben, nicht zu den schlechtesten gehören werden.

Das Minyferd im

Auch das Pferd hatte in der Vorkriegszeit fein Militärmaß. Man ging ziemlich tief, bis 1,47 Meter Stockmaß, mit ihm herunter und war oft erstaunt, was so eine brave ostpreußische Husarenkatze mit Reiter, Sattel und Gepäck schleppen konnte. Aber selber war man noch stolzer, wenn man auf einem stattlicheren Streitroß saß, das feinen Kopf hoch über die große Menge trug. Im Kriege hat man sich umgestellt. Stolz und Schönheit hatten im ©ranann» Hagel nicht viel zu bestellen, und die großen Pferde waren nicht immer die besten und bequemsten. Sie brauchten, wenn sie leistungsfähig fein wollten, viel Futter, paßten im Osten und Südosten in feinen Bauernstall und waren in voller Kriegsbemalung schwer zu erklettern. Die vollrumpfigen, kurzbeinigen Pferde waren beliebter.

Aber auch ihnen machten um ein Haar die im Frieden von jedem Soldaten mit Verachtung an­gesehenen masurischen, litauischen und polnischen Kleinpferde, die Kunter, die P a n j e - P f e r d e des Weltkrieges, den Rang ftreitig. Zäh, genügsam, unermüdlich taten sie vor dem Wagen und unter dem Sattel, als Reit-, Zug- und Tragtiere ihre Pflicht. Schönheit drückte sie nicht. Säbelbeinig waren sie meist, aber die besten Kameraden, die man sich denken konnte. Noch kleiner als sie war Der Durchschnitt der T r a g t i e r e, die neben Den Maul- tieren Den Gebirgstruppen ihre schwere Kampfarbeit möglich machten. Bei den Oesterreichern lernten wir sie zuerst, die behenden Huzulonpferde aus Dftgali»