Nr.187 Erstes Blatt
186. Jahrgang
Mittwoch, 12.August 1956
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Leistung, die wirklich olympischer Ehren wür- t. In 8:51,5 Minuten schwammen sie einen
mer und Osten. Er hob hervor, daß Jahn der nationalsozialistischen Idee so nahe stehe, als lebte er mitten in unserer Zeit. Jahn erschloß der Jugend seiner Zeit die unoersichbaren Quellen völkischen Lebens. Das Wiedererstehen dieses Denkmals soll davon künden, daß sein Lebenswerk heute Gemeingut unseres Volkes geworden ist. Das ist das alleinige und unbestreitbare geschichtliche Verdienst Adolf Hitlers. Die vom Führer in seinem Buch „Mein Kampf" festgelegten und mit der Jahnschen Idee übereinstimmenden Grundsätze sind es, auf denen sich die Leibesübungen im nationalsozialistischen Staat aufbauen. So gedenken wir an dieser Stätte zugleich in tiefer Verehrung und Dankbarkeit des Führers. Das Turn- und Sportwesen wird nie und nimmer den Weg der Volksverbundenheit verlassen. Das soll das Gelöbnis sein, das wir in dieser Weihestunde ablegen. Die Kraft unseres wiedererstarkten Volkstums soll alle Deutschen auf dem Erdball zusammenschließen. So grüße ich auch Sie, meine Kameraden aus dem deutschen Siedlungsgebieten des europäischen und des überseeischen Auslandes. Sie haben gezeigt, daß es sehr wohl möglich ist, getreuer und zuverlässiger Bürger des Staates zu sein, in dem man eine neue Heimat gefunden hat, und die Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten zu vereinigen mit der Erhaltung der eigenen Art und des eigenen Volkstums.
Der Reichssportführer schloß mit einem Sieghcil auf Volk und Führer und legte im Namen der gesamten Turn- und Sportgemeinde einen Kranz nieder. Unter den Klängen der Nationalhymnen folgten weitere Kranzniederlegungen der auslands- deütfchen Abordnungen.
Berlin, 11. Aug. (DNB.) Auf dem historischen Jahnturnplatz in der Hasenheide fand am Dienstagabend die feierliche Neueinweihung des Jahndenk- mals statt, das im Zusammenhang mit der Schaffung eines großen Aufmarschplatzes einen erhöhten und wirkungsvolleren Standort auf einem Hügel am Ausgang einer Waldschneise erhalten hat. Die 128 Gedenksteine, die zur Einweihung im Jahre 1872 von den deutschen Turnvereinen aller Länder der Welt zusammengetragen worden sind, umsäumen- nun im Halbrund das große erzene Standbild des Turnvaters.
Dem Festakt wohnten auch 300 deutsche und ausländische Turner und Turnerinnen bei. Ferner Abordnungen der Parteigliederungen, des Reichsbundes für Leibesübungen und zahlreicher auslandsdeutscher Vereinigungen. Zahlreiche Ehrengäste, Vertreter der Parteigliederungen, der Wehrmacht, der staatlichen und städtischen Behörden und der Turnerwelt wohnten dem stimmungsvollen Festakt bei.
Der Bürgermeister des Verwaltungsbezirks Neukölln verlas die neue Denkmalsurkunde. Sie hebt hervor, daß erst der Sieg des Führers über alle spaltenden und zerstörenden Kräfte dem Kampf und den Lehren des Turnvaters Jahn die gebührende geschichtliche Anerkennung verschafft habe. — Die Kassette enthält u. a.: Ein Programm der XI. Olympischen Spiele, die Bildwerke „Berlin" und „Deutschland" und Werke Friedrich Ludwig Jahns. Die Denkmalsurkunde schließt mit den Worten Jahns: „Ewig mahnt von Anbeginn des Werdens das heilige Wort Vollkommenheit!"
Nach einem Gedenkspruch des Reichsdietwartes Münch sprach Reichssportführer von Tscham-
Dem Schöpfer deutschen Turnens.
Das Zahn-Denkmal in der Hasenheide wird neu geweiht.
erklärt.
Aus guten Gründen muß bei dieser unerfreulichen Angelegenheit darauf hingewiesen werden, daß Deutschland daran in keiner Weise beteiligt gewesen ist. Der Schiedsrichter bei dem ersten Fußballkampf Peru — Oesterreich war Christiansen (Norwegen), als Schiedsrichter zum Diederholungskampf war ein Italiener bestimmt. Auch dem Schiedsaericht des Internationalen Fuß- ballverbondes gehört kein Deutscher an. Der Präsident war ein Franzose, als Vizeprästdent fungierten ein Italiener und ein Belgier, als Beisitzer ein Tscheche und ein Schwede. Auch der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Graf B a i ll e t - L a t o u r, hat klargestellt, daß das IOK. an diesen Vorfällen ebenso wenig beteiligt sei wie das Organisations- Komitee für die XI. Olympiade in Berlin. Die Verantwortung für die schiedsrichterliche Entscheidung des sportlichen Streitfalles liegt also einzig und allein bei dem Internationalen Fußballver- band (FJFA.'i .
Aehnliche Zwischenfälle, wie sie jetzt bei dem Fußballkampf zwischen Peru und Oesterreich vor- gekommen sind, hat es auch schon bei früheren Olnmpischen Spielen gegeben. Solche Vorkommnisse dürfen nicht so tragisch genommen werden, wie sie den unmittelbar Beteiligten vielleicht im ersten Augenblick erscheinen. König Fußball pflegt die Be- geisterung seiner Untertanen oft auf hohe Temperaturen zu bringen, und wenn dann einmal in der Hitze des Gefechtes Uebergriffe geschehen, so sollten die streitenden Parteien doch nach dem Spiel De^ nunft und Ruhe genug aufbringen können, um sich wieder zu versöhnen und der großen Sache des Sportes weiterhin in gemeinsamer Arbeit zu dienen. So dürfen auch wir als die völlig parteilosen Gastgeber der XI. Olympischen Spiele hoffen, daß das peruanische Zwischenspiel die glänzende Harmonie der in Berlin vereinigten Sportvölker nicht beeinträchtigen wird. Denn, wie schon gesagt, dem Unterliegenden gebührt dieselbe Ehre und Anerkennung wie dem glücklichen Sieger.
Die Philharmoniker spielen im Olympischen Dorf.
Großer Tag der deutschen Turner.
Sieg im Zwölfkampf-Mannschafisturnen. — Große Erfolge der japanischen Schwimmer Auftakt bei den Ruderern in Grünau.
Frühstück, bei dem Konteradmiral G ö t t i n g, der Leiter des Marinestabes bei der Segelolympiade sie herzlich willkommen hieß. Am Nachmittag folgten sie einer Einladung zum Besuch des im Kieler Hafen liegenden italienischen 10 000-Tonnen-Kreuzers „G i r i z i a". Als Reichsinnenminister Dr. Frick in Begleitung des Kommandierenden Admirals der Marinestation der Ostsee, Admiral Albrecht, des Gauleiters Lohse und des Gruppenführers Meyer-Quade an Bord des italienischen Kreuzers gingen, feuerte das Schiff einen Ehrensalut. — Später kehrten die Gäste zur Bellevuebrücke zurück, wo inzwischen die Olympische Siegerehrung vorbereitet worden war. Nach olympischem Brauch wurden die Sieger durch Hissen ihrer Flagge und ihrer Nationalhymnen geehrt. Am Abend waren sie Ehrengäste im Kieler Rathaus.
LZ. „Hindenburg"
flog neuen Geschwindigkeitsrekord.
LZ. „Hindenburg" landete am Dienstag um 22.28 Uhr von Lakehurst kommend glatt auf dem Flughafen Rhein-Main. Das deutsche Riesenluftschiff hat damit einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt; für die Fahrt von Lakehurst bis Frank- furt a.M. wurden nur 42 Stunden 53 Mi«
Strauß' „An der schönen blauen Donau" und aus der „Fledermaus". Den Beschluß machte der beliebte Radetzky-Marscb von Johann Strauß dem Aelteren. Die über alle Sprachkenntnisse hinaus verständlichen, völkerverbindenden und doch nationale Eigenart ausprägenden Klänge der Musik, von Deutschlands berühmtestem Orchester mit gewohnter Meisterschaft vorgetragen, fanden rasch den Zugang zu den Herzen der Zuhörer. Hauptmann Haagen, der Leiter der Unterhaltungsabteilung des Olympischen Dorfes, überreichte dem Dirigenten einen Kranz, dessen Schleife die Inschrift trug: „Das Olympische Dorf dankt Alois Melichar und feinen Künstlern."
Das Internationale Olympische Komitee in Kiel.
Kiel 11 Aug. (DNB.) Die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees, des Oraani- sationskomitees, des Deutschen Olympischen Ausschusses und der nationalen Olympüchen Komitees, die zusammen mit zahlreichen Diplomaten und Vertretern von Staat und Partei nach Kiel gekommen waren, waren zu einem Empfang im ftieler -Kat* Haus geladen. Oberbürgermeister Behrens betonte, daß Kiel mit besonderer Freude an die Losung
der ihr zugewiesenen Aufgaben herangegangen sei, um den Olympischen Spielen im Segeln jene äußeren Voraussetzungen zu geben, die nach dem Sinne der Olympischen Idee notwendig waren. Seit einer Woche lodert in Kiel die Flamme des Olympischen Feuers auf der Hansekogge. Wenn auch morgen abend die Olympische Flamme auf dem Wasser verlöscht, der Geist Olympias wird in den Herzen unserer Jugend weiterleben. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Graf de Baillet-Latour lobte die umfangreichen Vorbereitungen durch den Kieler Oberbürgermeister und den Führer des deutschen Seglerverbandes. Durch die Olympischen Spiele werde die brühmte Kieler Woche für die Zukunft einen neuen Auftrieb erfahren.
Am Morgen nach der Ankunft wurden die Gäste auf Schiffe der Kriegsmarine verteilt, die sie auf die Regattastrecke brachten. Sie hatten dort Gelegenheit, die spannenden Rennen des Tages, die sich bei herrlichem Wetter abspielten, beobachten zu können. Im Anschluß an die Regatten folgten die Gäste einer Einladung des Flott e n ch e f s zu einem Empfang an Bord der Kriegsschiffe. Nach dem Besuch der Kriegsschiffe gab der Kommandle- rende Admiral der Marinestation der Oltsee, Admiral Albrecht, den ausländischen Gästen em
Vierer „mit" gewann die Mannheim-Ludwigshafener Kombination den zweiten Vorkampf gegen Frankreich, Jugoslawien, USA. und Polen, im Zweier „ohne" holten sich die Mann- Heimer E i ch h o r st / S t r a u ß das dritte Vorren- nen gegen Argentinien, England und Oesterreich und im zweiten Vorlauf zum Einer blieb Gustav Schäfer überlegen vor Hasenöhrl-Oesterreich, Campbell-Kanada, Pearce-Australien und Barrow- USA. siegreich.
Im Degen-Einzelfechten fielen die ersten drei Plätze überlegen an Italien. Franco Riccardi wurde Olympia-Sieger vor seinen Landsleuten Saoerio Ragno und Cornaggio Medici. Vierter wurde der Schwede Drakenberg von De» beur-Belgien und Silveira-Portugal. Interessant ist, daß in dieser Fecht-Disziplin der Sieg nach Punkten entschieden wurde. Dadurch bekam Riccardi bei 5 Siegen und drei Unentschieden die Goldene Medaille vor seinen Landsmännern, die bei je sechs Siegen je einen Punkt weniger aufwiesen.
Zu ganz überwältigenden deutschen Erfolgen gestalteten sich die Wettkämpfe der Turner. Nachdem Alfred Schwarzmann am Montag die Goldene und Matthias V o l z die Bronzene Medaille im T-urnen am Längspferd errungen hatten, gab es am Dienstag an allen Geräten mindestens einen Deutschen unter den ersten drei. Am stolzesten ist der Sieg der gesamten deutschen Mannschaft im Zwölf kampf-Mannschaf tstur- nen vor der Schweiz und Finnland, der durch einen Sturz Ernst Winters an seinem Spezialgerät, dem Reck, schon gefährdet schien. Konrad Frey wurde Erster am Barren und am Querpferd und Dritter im Zwölfkampf und in der Freiübung Einzelsieger im Zwölfkampf wurde Alfred Schwarzmann, der außerdem noch eine Bronze-Medaille am Barren holte. Matthias Volz wurde noch Dritter an den Ringen.
big ist. In 8:51,5 Minuten schwammen sie einen kaum glaublichen Welt- und Olympia-Rekord heraus und ließen damit USA. (9:03,0) ganz klar hinter sich. Dritter wurde Ungarn, das mit 9:12,3 Minuten einen neuen ungarischen und Europa-Rekord aufstellte, vor Frankreich, das mit 9:18,2 Minuten unter der eigenen Landesbestzeit blieb. Fünfter wurde Deutschland und auch an dieser Stelle noch wurde mit 9:19 Minuten ein neuer deutscher Rekord erreicht. Die weiteren Plätze dieses phantastischen Rennens belegten England, Kanada und Schweden. Das 2 0 0 - Meter- Bru st schwimmen der Frauen brachte den erwarteten großen Zweikampf zwischen der Japanerin Maehata und der deutschen Meisterin Martha ©enenger. In 3:03,6 Minuten schlug die Japanerin als Erste vor der Deutschen an, die mit 3:04,2 Minuten nur sechs Zehntelsekunden langsamer war. Dritte wurde — über drei Sekunden
Oesterreicher nicht unverdient mit 3:1 (1:0) und qualifizierten sich dadurch für das Endspiel gegen Italien, das am Samstag im Reichssportfeld aus- getragen wird. Polen spielt mit Norwegen am Donnerstag um den dritten und vierten Platz. Im Hockey-Stadion wurden vor 16000 Zuschauern zwei Spiele der Trostrunde , die ohne Wertung durchgeführt wird, ausgetragen. Die Schweiz besiegte Dänemark klar mit 5:1 (4:0), während Afghanistan ebenfalls nur wenig Mühe hatte, über Belgien mit 4:1 (2:1) siegreich zu bleiben. Im Basketball- Turnier wurde mit den Endrunden begonnen, die nach dem Pokalsystem ausgetragen werden. Aus sechs Spielen qualifizierten sich Italien, Kanada, Uruguay, Polen, Mexiko und die Philippinen für die nächste Runde, in der außerdem noch USA. und Peru, die diesmal Freilos hatten, stehen. Am Mittwoch spielen nun in zwei Gruppen USA. — Philippinen, Italien — Mexiko (Gruppe I), und Kanada — Uruguay, Polen — Peru (Gruppe II). Die Sieger aus den Spielen jeder Gruppe spielen dann am Donnerstag gegeneinander und die Gewinner aus diesen zwei Treffen bestreiten am Freitag das Endspiel.
Im Box-Turnier standen am Dienstag vier deutsche Vertreter im Kampf. Dabei gab es drei Siege und eine Niederlage, die Schmedes im Leichtgewicht durch den Philippinen P a d i l l a einstecken mußte. Die drei Siege errangen: M u - rach gegen Pack (England) im Weltergewicht nach Punkten, Baumgarten gegen Fl u r y (Schweiz) im Mittelgewicht nach Punkten und Vogt gegen Bolzan (Italien) im Halbschwergewicht ebenfalls nach Punkten.
In Grünau begannen am Dienstag die olympischen Ruder-Wettbewerbe mit den Vorläufen zum Vierer „mit", Zweier „ohne" und Einer. Die deutschen Ruderer konnten sich in „ihren" Dorläufen jeweils mit Siegen durchsetzen. Im
Ein erlesener Kunstgenuß wurde am Dienstagabend den Bewohnern des Olympischen Dorfes zuteil. Zum zweiten Male stellte das Berliner Philharmonische Orchester sein hohes Können in den Dienst der Olympiade. Tausende von Olympiakämpfern hatten sich im Birkenring und dessen Umgebung erwartungsfroh eingefunden, als der Dirigent Älois Melichar im stimmungsvollen Schein der Fackeln zum ersten Stuck des Programms, B e r l i o z' „Ungarischem Marsch den Taktstock erhob. Unter wachsendem „Beifall folgten Wagners „Tannhäuser - Ouvertüre, B l z e t s leidenschaftlich bewegte Ouvertüre zu „Carmen und die einschmeichelnden Weisen von Johann
zurück — Sörensen (Dänemark) vor Anni H ö l z n e r (Plauen) und Frl. W a a l b e r g (Holland), die beide in 3:09,5 Minuten zugleich das Ziel erreichten.
In den Zwischenläufen zum 4 0 0 - Meter - Kraulschwimmen der Männer mußten die drei Deutschen Freese (5. im ersten Lauf), Arendt (5. im zweiten Laus) und Przywara (6. im zweiten Lauf) leider ausscheiden. Aus den Vorläufen zum 100- Meter-Rückenschwimmen der Frauen brachte Deutschland Anni S t o 11 e , die Vierte im ersten Lauf wurde, durch, während Christel Rupke als Fünfte im zweiten Dorlauf ausschied.
Im Kür-Kun st springen der Männer sicherten sich die drei Amerikaner De gen er, Wayne und Green in dieser Reihenfolge die olympischen Medaillen. Shibahara, der japanische Meister, wurde mit klarem Abstand Vierter vor den drei Deutschen Weiß, Esser und Mahraun. In der Wasserball-Zwischenrunde schlug Deutschland Oe st erreich mit 3:1 (2:0).
Das zweite Dorschlußrundenspiel des Fußball- Turniers sah Oesterreich vor 80000 Zuschauern im Reichssportfeld im Kampf mit Polen. Nach einem spannenden Treffen gewannen die
Im Mittelpunkt der Wettbewerbe im Schwimm- Stadion standen am Dienstag die Entscheidungen in der 4X200-Meter-Staffel der Männer und im 200-Meter-Brust schwimmen der Frauen sowie die vier Wasser- ballspiele der Zwischenrunde und das Männer-Kunstspringen. In der 4 X 200- Meter-Kraulstaffel der Männer gab es einen mitreißenden Kampf, bei dem die Rekorde ozusagen am „laufenden Band" fielen. Japans Schwimmer Pusa, Sugiura, Taguchi, Arai gewannen — wie erwartet — aber sie gewannen mit einer f
Schwimmen, Turnen, Boxen, Fechten, Fußball, Hockey, Rudern und Basketball füllten das Programm des 10. W e 11 k a m p f t a g e s der XL Olympischen Spiele wieder im reichsten Maße aus, so daß auch am Dienstag die Olympia-Schlachtenbummler kaum wußten, wie sie ihre Zeit einteilen, und wo sie überall zuschauen sollten. Jeder Olympiabesucher fand aber doch schließlich den richtigen Weg, und so kam es, daß wieder alle Wettkampfstätten hervorragende Zuschauerzahlen aufweisen konnten. Beim Fußball in der Reichssportfeld- Kampfbahn waren 80 000, das Schwimmstadion füllten 25 000, beim Turnen auf der Dietrich-Eckart- Bühne sah man 20 000 begeisterte Zuschauer, in der Deutschland-Halle verfolgten am Nachmittag über 5000 die interessanten Boxkämpfe, und bei den Fechtern, Basketballspielern, Hockeyern (16 000!), und in Grünau bei den Ruderern war ebenfalls die „Masse Zuschauer" groß vertreten. Man sieht also, das Interesse der Olympiabesucher hat auch nach Beendigung der Leichtathletik in keiner Weise nachgelassen.
Ohne Sieg und Platz.
lieber 50 Nationen nehmen an den Olympischen Spielen in Berlin teil, aber nur 19 von ihnen konnten bisher eine Goldmedaille und 7 weitere eine Silberne oder Bronzene Medaille erringen. Es ist auch nicht wahrscheinlich, daß sich die Zahl der siegreichen Mannschaften bis zum Schluß der Spiele noch erheblich vergrößern wird. Zahlreiche Nationen müssen also damit rechnen, daß ihre Vertreter die Heimreise antreten, ohne sich einen Sieg oder Platz in irgendeiner Sportart erkämpft zu haben. Unter diesen Nationen wiederum wird es viele geben, die regelmäßig auch schon die früheren Olympischen Spiele beschickt haben — und zwar immer mit demselben negativen Ergebnis.
Aber bedeutet es wirklich einen Mißerfolg, wenn ein Volk noch niemals (eine Nationalflagge am olympischen Siegesmast hochsteigen sah? Ist die Rolle des „ewigen Verlierers", von dem die rekord- begeisterte Menge so wenig spricht und der nahezu unbeachtet seine Statistenrolle bei dem großen Völ- kerschauspiel spielt, wirklich so undankbar? Sicherlich nicht. Denn ganz abgesehen davon, daß diese Sportleute bei jeden Olympischen Spielen mehr von ihren stärkeren Gegnern lernen und so der Wahrscheinlichkeit eines späteren Siegers näherrücken, sind sie ja die eigentlichen Träger der olympischen Idee. Denn bei den Olympischen Wettkämpfen geht es in erster Linie nicht um den Sieg, sondern um die Teilnahme am Kampf und um die Ritterlichkeit der Kampfesweise. Man tut daher den Nationen, die nicht auf der täglichen Wertungsliste der Zeitungen erscheinen, nur Unrecht, wenn man sie aus diesem Grunde geringer achten und ihren sportlichen Geist geringer einschätzen wollte. Ohne Verlierer gibt es feine Sieger, und es ist oft schwerer und ehrenhafter, ein guter Verlierer als ein berühmter Sieger zu fein.
Zu den Staaten, die bisher keine Medaille erringen konnten, gehört auch Peru. Die peruanische Fußballmannschaft allerdings war der Geheimtip vieler Sportfachleute. Sie enttäuschte auch nicht die Hoffnungen und Erwartungen ihrer Anhänger, bis es dann zu dem Wettspiel mit Oesterreich kam, in dessen Verlauf bedauerliche Zwischenfälle entstanden, die für kurze Zeit die vollendete Harmonie des olympischen Völkertreffens zu zerstören drohten. Es ist nicht unsere Aufgabe als Gastland der Spiele, nach den Ursachen dieses rein sportlichen Konfliktes zu forschen. Jedenfalls hat der Internationale Fußballverband, als die einzig zuständige Stelle in dieser Angelegenheit, beschlossen, dem nach Beendigung des Spiels von den Oesterreichern eingelegten Protest stattzugeben und das Spiel wiederholen zu lassen. Aber die Peruaner, die das erste Spiel 4:2 gewonnen hatten, erschienen zu dem Wiederholungsspiel nicht. So wurde nach einer halbstündigen Wartezeit Oesterreich zum Sieger


