Hr.36 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, (2. Februar 1936
Junge deutsche Nation.
Zungens an der Verusssront
„Die Leistung voriges Mal war prima", sagt Hanns.
„Dieses Jahr wird's noch besser", sage ich.
„Was meinst du, die Aufgaben? — Mensch, war das zackig in der Berufsschule. Dann in der Schreinerwerkstatt bei Wegmann, die lange Reihe der Hobelbänke ..."
„Ja, da kommt unsere kleine Werkstatt nicht mit."
„!Das war ein Hobeln und Stemmen. Ein Ab- sctzen der Zapfen und Ausstemmen der Zinken. Und geschwitzt habe ich dabei wie ..."
„Na", sage ich, „jetzt schwitzest du bestimmt nicht. Was soll das geben?"
Hanns blickt auf das Brett, das er abrichtet.
„Seitenteile für Nachtfpindchen. Schöne Fuge geleimt, was? Tja", und dabei lacht der Hanns über das ganze Gesicht, „der Meister wird nachher Augen machen, wenn er kommt. Sagen tut er ja nie was. Gefreut hat es ihn aber doch, als ich voriges Jahr Zweiter wurde."
Ich sehe auf Hanns und bin etwas neidisch.
„Du bist ja auch ein Jahr länger in der Lehre."
„Aber deshalb kannst du doch auch Sieger werden!"
„Werdens diesmal schon schaffen."
„Warum denn auch nicht? Weiß überhaupt nichts Schöneres als so eine bannige Gruppe von Stiften im Wettkampf. Eine Bankreihe an der andern. Ein zackiges Arbeitstempo und gute Leistungen bei den kritischen Augen der Prüfer. Das ist Freude."
Dabei saust der Putzhobel über die Fläche.
„Was werden wir diesmal machen?"
„Das kann ich doch nicht wissen", sagte Hanns, „aber die Hauptsache, nicht verblüffen lassen. Dann geht schon alles in Ordnung."
Wir arbeiten noch zwei Stunden. Der Meister kommt.
„Habt ihr euch zum Berufswettkampf schon angemeldet?" Dabei sieht er auf Hannsens Seitenteile zum Spind und mein gebeiztes, vor einer Viertelstunde mattiertes Regal.
„Aber sicher", antworten wir wie aus einem Munde. Und dabei stelle ich fest, daß Hanns strahlt, und bei mir ist's sicher nicht anders.
Immer sind wir dabei gewesen. Auch diesmal werden wir alles für unfern Beruf herausholen.
Ueber das Gesicht des Meisters huscht ein stilles Lächeln. H. H.
Pimpfs Schulterriemen.
Ich bin fast der kleinste Pimpf in meinem Fähnlein und marschiere immer ganz hinten. Aber trotzdem habe ich einen Schulterriemen, der an Größe hinter denen meiner Kameraden nicht zurücksteht. Ich bekam ihn einmal, als ich in das Jungvolk eintrat. Damals war ich auf ihn sehr stolz, denn er war mein erster, und ganz neu ...
Was hat dieser Schulterriemen aber bis jetzt schon alles mitgemacht! Auf jeder Fahrt, die wir mit unserem Fähnleinführer oder mit unserem Jungzugführer machten, begleitete er mich; so manchesmal spielte er da eine bedeutsame Rolle.
So waren wir einmal auf Großfahrt in Ulm an der Donau. Da hatten wir einem Fähnlein, das dort sein Lager hatte, schwer zugesetzt. Plötzlich überfielen sie nachmittags unseren Zeltplatz und wollten unsere Zelte einreißen. Wir aber setzten bei diesem Ueber- fall ihren Lagerkommandanten fest. Das war für sie natürlich unangenehm. Mit sämtlichen Schikanen wurde nun der „Häuptling" an einen Baum gebunden; es genügte ein Schulterriemen, um ihn hier festzuhalten.
Wir hatten unseren Platz geräumt, nachdem wir uns mit dem Fähnlein wieder vertragen hatten, und waren in eine Jugendherberge gezogen. Alle hatten schon bei unserem feinen Leben das Erlebnis mit dem fremden Fähnleinführer und dem Schulterriemen vergessen, als mir plötzlich aufstößt, daß ich ja meinen Schulterriemen, nachdem wir den Kom
mandanten unter dem Gejohle unserer Jungen losgebunden hatten, an einen Baum in der Nähe gehängt und ihn dort bis jetzt vergessen hatte. In der Nacht, unser Fähnleinführer hatte uns schon lange „Gute Nacht" gewünscht, brannte ich mit Sellus durch, das heißt, wir schlichen uns in Trainingsanzügen aus der Jugendherberge zu der bewußten Stelle in dem naheliegenden Wäldchen. Es war verdammt finster, und der Wind pfiff schrecklich durch unsere dünnen Anzüge; aber wir hielten durch und hatten selbst in dem stockdunklen Walde keine Angst. Wir fanden den Schulterriemen und brachten ihn glücklich, vorbei an dem sonst so wachsamen Fähnleinführer, auf unser Zimmer. —
Das war einer von vielen Fällen, die ich mit meinem Schulterriemen erlebte ... Einer fällt mir jetzt auch noch ein. Wir waren im Herbst auf Rügen, mit Rädern diesmal. Dä ging Micki, meinem rechten Nebenmann, die Kette total kaputt. Was nun tun? Da kommt so von ungefähr ein Auto an, das sich auf unsere Bitten bereit erklärt, den Micki mit seinem Rad zur nächsten Jugendherberge zu schlep- > pen. Wir konnten nicht anders handeln; denn wir |
bekamen ihn nicht fort, dazu waren wir zu klein; wir hatten es immer wieder versucht.
Also „bauten" wir Micki an das Auto. Zuerst kam wieder mein Schulterriemen und dann seiner. Wieder war mein Schulterriemen in den Brennpunkt des allgemeinen Interesses gerückt. Würde er halten? Und er hielt! Allerdings wurden anfangs große Anforderungen an ihn gestellt. Denn kaum hatte sich Micki auf das Fahrrad geschwungen und den Schulterriemen in die Hand genommen, da zog das Auto auch an und — der mutige Fahrer lag unten. Das ging so einige Male. Aber schließlich hatte er den Bogen doch spitz. So sahen wir ihn denn in weiter Ferne langsam verschwinden. Er kam auch gut in der Jugendherberge an, wie er uns später erzählte.
Und wenn nun in diesem Jahr alle neuen Jungvolkbuben sich einer Leistungsprüfung unterziehen, müssen, bei deren Bestehen sie als äußeres Zeichen den Schulterriemen verliehen bekommen, so werde ich immer meinen verbogenen Karabinerhaken sehen und denken: Ob die Schulterriemen dieser Jungen auch soviel erleben werden wie meiner? G. W.
Erstürmung Der feindlichen Schanze.
(Reichsbildstelle der HI.)
SKipatrouille.
Die Jungen saßen um das Feuer und sangen. Rot zuckte der Schein über ihre Gesichter und über die Wände der Hütte. Dunkle Akkorde der Klampfe spielten in die Weise hinein. Da klangen vor der Hütte Stimmen auf, Schier wurden zu« sammengeschlagen, dann öffnete sich die Tür. Kurt und Hans traten herein.
„Schi-Heil!"
Die Jungen grüßten und setzten sich. Ihre Mel« düng war klar und gut, so konnte Gerhard, der Scharführer, gleich seinen Plan fassen.
*
Die Morgensonne strahlte aus dem offenen Blau des Himmels. Grün ragten die Fichten aus dem Schnee und warfen dunkle Schatten auf das Weiß. Vor der Schihütte standen die Jungen und schnallten die Schneeschuhe an. Der Spähtrupp griff schon zu den Stöcken und klapperte in den Wald davon. Kurt führte die kleine Gruppe. Ihr Weg lief erst am Ufer des Waldsees entlang, dann überquerten sie seinen vereisten Spiegel und stiegen durch t)en Wald bergauf. Kurt sah noch zurückblickend, wie die anderen gemächlich den See überquerten, dann verschwand er mit seiner Gruppe hinter der Bergkuppe. Steil führte der Weg bergab. Der Schnee war nicht mehr gut. Ein harte Harschdecke zerbrach unter den Brettern und erschwerte die Schiführung. Die Jungen hatten mit der rechten Hand den lin- chen Stock über den Teller gefaßt und bremsten stark rechts. Der Schnee rauschte auf. Es glückte. Sturzfrei brauste die Gruppe die erste Hälfte des Berges hinab und bog südlich ein. In tiefer Hocks ging es weiter bergab. Für einen Augenblick öffnete sich der Wald. Die Schneise gab weit den Blick über die Berge und Täler frei. Unten stieg ein« Rauchsäule in den offenen Januarhimmel. Dort hinter dem Walde mußte die Hütte der Gegner sein. Aber dort untpn lagen die Wege und Wiese» schneefrei. Das Tauwetter der letzten Woche hctttt böse gewirkt.
Noch eine Weile ging es gut, dann mußten fi< abschnallen. Sie waren an der Schneegrenze am gelangt. So gut es ging, tarnten sie ihre Schiel und schritten weiter, — und schlichen weiter, den» in geringer Entfernung vor ihnen sahen sie de» Rauch der Hütte durch die Wipfel steigen.
Kurt wandte sich den Jungen zu:
„Wenn wir entdeckt werden: Sammeln an dem Schiversteck!"
— Jetzt lagen sie vor der Hütte. Fröhliche Stimmen schallten heraus. In den Fensterscheiben blinkt die Morgensonne.
Der Spähtrupp beobachtete scharf die Hütte. Aber das Rauschen des nahen Baches ließ sie nicht das Nahen eines Jungen hinter ihnen hören. Der setzte erschreckt seinen Wassereimer auf das Moos, schlug einen großen Bogen, und es währte nicht lange, da verstummte der Lärm in der Hütte, und aus allen Türen und Fenstern quoll eine gefährliche Menge heraus. Kurt und die Kameraden fuhren auf und wandten sich zur Flucht, und sie hatten gut laufen, denn die Feinde waren ihnen dicht auf den Fersen.
Atemlos langten sie an der Schneegrenze wieder an. Hinter ihnen brachen die Verfolger durch den Wald. Doch als der erste von diesen herbeistürzte, war der Spähtrupp schon auf den Schiern und davon.
Die Jungen gaben die Verfolgung nicht auf. In großer Anzahl liefen sie durch den in der Höhe wieder stärker werdenden Schnee.
Da geschah etwas...
Der Wald wurde in ihrer Flanke plötzlich lebendig. Ueberall brausten Jungen auf Schneeschuhen durch die Stämme, auch der Spähtrupp ward wieder sichtbar. Unglücklicherweise waren die Verfolger zu sehr verstreut. Ein Hagel von Schneebällen prasselte auf die einzelnen nieder, die tief im hohen Schnee steckten. So wurden sie Schritt für Schritt zurückgetrieben und fanden, als sie erschöpft die Hütte erreichten, diese besetzt und gaben sich endgültig geschlagen. W o 1 f g a n g K u m m e r.
Die Franken retten einen Zungen.
Graue Wolken liegen über der weißen Schneefläche, die das Tal und die Berge bedecken. Kalter Wind heult darüber hinweg und treibt feinen Schnee vor sich her. Aus einer Hütte, abseits vom Dorf, bringt Licht durch das Fenster auf den Weg, der von Schneespuren durchfurcht ist. Drinnen in der Hütte fitzen Jungen einer Jungenschaft am Tisch und unterhalten sich über den Langlauf, den sie gegen die Jungen des Dorfes verloren haben.
„Das ist ja ganz klar, daß wir da nichts werden konnten. Die fahren ja alle schon viel länger Schi, und wir dachten natürlich, daß wir hier wieder mal was zeigen könnten."
„Klar. Der Georg vor allem, pfundig konnte der fahren. Als er nach Neudorf den Weg hinunter brauste, bei dem eine Kurve an der anderen liegt, da habe ich vor Staunen bald selbst das Fahren vergessen. — Uedrigens ist es schon um 11 Uhr Schluß für heute — Schlafengehen."
Langsam gehen die Jungen auf den Schlafboden und legen sich ins Stroh. Sie hören den Sturm um die Hütte fegen, und dabei denken sie an den Anmarsch zur Hütte, der dieses Jahr so schwer war. —
„Klaus, hörst du es? Klaus, was ist denn das?" "Wie . was meinst du denn? Ach so, das Blasen unten im Dorf. Ist das nicht die Feuerwehr ..." Nach einer Weile steht Klaus auf: „Du, ich fahre mal rein in den Ort, will sehen, was da los ist.
Vor der Hütte schnallt der Jungenschaftsführer seine Bretter an und fährt über die glitzernde kchneefläche dem Dorfe zu.
An der Sammelstelle der Feuerwehr erfahrt er, daß ich der Schmiedel-Ernst im Wald verirrt hat. Er ist mit seinem Lehrer auf dem Scheibenberg gerne en und muß auf dem Rückweg einen falschen Weg eingeschlagen haben. Nun liegt er wahrscheinlich irgendwo im Wald und weiß nicht ein nod^ aus. „Können wir mit suchen?" fragt Klaus den Feuerwehrmann, der eben die weiteren Befehle geben will.
„Mil suchen? ... Ihr ... meinetwegen aber daß ihr euch nicht selbst verirrt ... Meinst nicht. Na, bann soll es mir recht sein. Ihr müßt aber nach den Essighäusern fahren, denn wir wollen nach dem Goldkämmerle. — Willst bn noch etwas wissen?
Nichts mehr, na dann könnt ihr ja anfangen mit Suchen. Hoffentlich ist es nicht ergebnislos."
Hastig und verschlafen springen die Jungen aus den Decken und ziehen sich an. Hans meint, daß das wieder mal was Anständiges für das Winterlager sei, und Den Jungen würden sie sicher finden. Das sei das Wenigste.
„Hast du eine Ahnung", erwidert Sepp, der schon mal so etwas im Gebirge miterlebt hat. „Vielleicht finden mir ihn überhaupt nicht. Oder wenn schon, dann als Leiche ..."
„Ach, rede nicht solches Zeug, den werden wir eher gefunden haben, als wir es vermuten."
„Beeilt euch", ruft Klaus den Jungen zu. Fünf Minuten find vorüber. Die Pimpfe stehen mit angeschnallten Brettern vor der Hütte und warten auf ihren Führer, der jetzt eben die Treppe heruntergepoltert komvit. Dann fahren die vierzehn Jungen über die weiße Fläche dem Walde zu. in dem sie nichts mehr vom Wind merken, der auf den Feldern so heftig sein Spiel treibt. „Auseinandergehen!" befiehlt' Klaus. „Seht euch vor, daß keiner von uns verlorengeht!"
In Abständen von fünf Meter fahren die Jungen m zwei Reihen durch den Wald. Obwohl Klaus erst das zweite Mal hier oben im Winterlager ist. kennt er die Gegend um die Essighäuser herum sehr gut. Immer weiter? Jetzt kann niemand ausruhen. Wenn der Schmiedl-Ernst heute nacht nicht gefunden wird, erfriert er. Von Zeit zu Zeit wirft Klaus einen Blick auf die Uhr.
„Schneller, schneller!" sagt der Jungenschaftsführer. „An den Essighäusern könnt ihr eine kleine Weile ausruhen. Zeigt einmal, daß ihr richtige Kerle seid."
Sie keuchen weiter, spüren die Kälte nicht mehr. Die Hemden sind naß. Die Jungen fahren und fahren, spähen nach dem kleinen Ernst, der vielleicht irgendwo unter einem Baum liegt. Aber nirgends ist er zu finden. Wie lange dauert es noch, ehe sie sich ausruhen können? Vor ihnen liegt eine Waldwiese. Die Jungen wenden sich der Unterkunftshütte zu. Sie alle hoffen, daß Ernst in dem Haus liegt. — Sicher. Er wird bestimmt eingesehen haben, daß er nicht mehr weiterkam und so hat er sich eben in die Hütte hineingelegt. Da ist es auch wärmer als irgendwo an einer Tanne. — In der Hülle ist es finster. Hans läuft von einer Ecke in
Die andere und sucht den Schmiedel-Ernst, findet ihn aber nirgends. Er sieht sogar unter die Bänke und Tische, Die an Der Wand stehen
„Nichts!" murmelte er enttäuscht.
Der Jungenschaftsführer treibt die Jungen immer wieder von neuem an. Doch je weiter sie in den Wald hineinkommen, desto mehr zweifelt Klaus daran, den Jungen überhaupt noch zu finden. So weit kann er ja gar nicht gefahren fein. Wer weiß, vielleicht liegt er doch am Goldkämmerle, und die Feuerwehr hat ihn schon längst gefunden.
„Dort ist etwas Schwarzes. Das ist er!" ruft Gohle. Schnell gleitet Klaus über die weiße Decke hinweg zu dem schwarzen Bündel, welches unter einer Tanne liegt. Die Jungen freuen sich schon, daß sie den Ernst nun endlich gefunden haben.
Doch welche Enttäuschung, ein alter Rock ist es, den die Jungen für Ernst ansahen. „Es ist zwecklos, noch weiter zu suchen," murmelte er. „Zurück!"
Erschöpft und mißmutig fahren sie der Hütte wieder zu. Nur nehmen sie jetzt einen anderen Weg. Es könnte doch noch möglich sein ...
„Hier!" stößt Sepp plötzlich aus.
„Er ist es," rufen ein paar Jungen und bücken sich nieder. „Er ist nicht tot."
Klaus zieht Ernst seine Wolljacke an, damit er sich wieder erwärmen kann.
Indessen bauen Hans und Klaus einen Schlitten aus Brettern zusammen.
Der Schlitten ist fertig. Ernst wird darauf gelegt. Eine Jacke wird als Kopfkissen daraufgetan, und zwei Jacken als Decke.
Klaus zieht auf geraden Wegen den Schlitten. Im Dauerlauf geht es durch den Wald zurück ins Dorf. Ein Menschenleben ist in Gefahr. Die Essighäuser lassen sie links liegen. Den Weg zurück kürzen sie ab.
Dann fahren sie aus dem Wald heraus, und während die Jungenschaft ins Tal fährt, schiert Gohle am Waldrand entlang zum Markt. Er geht nicht erst ins Dorf und dann die Straße hinab zum Doktor, sondern schneidet die Ecke gleich ab. Gohle kommt dadurch 20 Minuten früher beim Arzt an.
Vor dem Schmiedel-Gut halten die Jungen an, und Klaus trägt Emst, der wieder eingeschlafen ist, ins Haus. Dann kommt auch schon der Arzt.
Als Klaus wieder aus der Haustür heraustritt, sagt er zu seinen Jungen: „Legt euch schlafen, wir haben unsere Pflicht getan. Ich fahre nochmals raus in den Wald, um die Feuerwehrleute ins Dorf zurückzuholen." F. K.
Früher Wmiermorgen.
Arn frühen und frostdurchstrahlten Morgen ziehen wir, ein Häuslein Schifahrer, durch die noch nacht- schummerigen Wälder, höher und höher unsere Spur in den weißen, weichen Schnee.
Durch die Stämme des hohen Fichtenwaldes ziehen Nebelfetzen in geisterhaften Gestalten, an freien Stellen, am offenen Hang, treibt der Wind die Schwaden davon, und langsam wird es heller.
Ein Wunder ist inzwischen geschehen. Ueberall blieb der Nebel in Todesstarre hängen, und schönster Rauhreif glänzt im ersten Sonnenstrahl.
Auf breiten, weichen Schneeschultern gleiten wir dahin. Aus kleinen Hügeln ragen Zacken aus Eis, von irgendeinem Reisig, wie mahnende Finger und werfen lange, schmale Schatten. An den Bäumen und Sträuchern glitzern und blitzen die kristallenen Gebilde, daß wir die Augen schließen müssen, hat man zu lange hingesehen.
Die Bäume werden kleiner und krüppliger, und als merkwürdige Gestalten aus weißem, lockigem Geflimmer stehen sie einsam, in Schweigen von Wind und Schneeststaub umweht.
Wir rutschen über Glatteis, brechen im Bruchharsch tiefe Bahnen und sind endlich nach stundenlangem Mühen oben auf der Höhe.
Wenn nicht Nebelwolken unten lagern, wenn der Wintermorgen in seiner ganzen Reinheit und Klarheit den Sonnenblick ins Land gestattet, überkommt uns hier oben ein Eindruck von unvergleichlicher Schönheit. Gewaltig und erhaben ist dieser schweigende Winter. All die weißen Kuppen, auf denen die Sonne ihr farbenfreudiges Spiel treibt, rücken näher, und ganz weit hinten leuchtet die Ebene, am Horizont sich mit dem dunstigen Blau des Himmel« mischend.
Wie eine Lawine sausen wir in schneller Fahrt zu Tal, daß der Schnee hoch aufstiebt und eine Wolk silbern hinter uns hersprüht.
Lachend und voller Kraft in den schönen Winterwald. Sepp Stritzke.


