dabei den Eindruck, daß das Oel für jeden technischen Bedarf in feinen Umwandlungsprozeffen zu einer deutschen Wertarbeit wird. Weiter wurden die deutschen Jndustriewerke der Shell gezeigt und ihre Arbeitsmethoden dargestellt. Sehr aufschlußreich waren die statistischen Zeichnungen über die große handelspolitische Bedeutung der Mineralöl-Ein- und Ausfuhr und ihre günstigen Auswirkungen für den deutschen Devisenmarkt. Den Abschluß bildete eine Autofahrt, die die Besucher im Filntbild durch die schönsten deutschen Gaue führte.
^unOfunfprogramm.
Dienstag. 14. Januar.
6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.15: Gymnastik. 10.15: Schulfunk: „Wenn das Spinn
rad schnurrt und der Brummtopf summt." Hörszenen über ostpreußisches Volkstum von Will Kramp. 11.30: Bauernsunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. Schneeberichte. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen Zwei und Drei. 15: Wirtschaftsbericht: Die Zukunft der deutschen Aktie. 15.15: Die deutsche Frau. 16: Nachmittagskonzert. 1. Aus Hessens musikalischer Vergangenheit (2). 17.30: Nach getaner Arbeit... Eine Hörfolge. 18: Unterhaltungskonzert. 19.50: Die olympischen Winterdisziplinen und ihre Wertung. 20: Nachrichten. 20.10: Neue deutsche Unterhaltungsmusik. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Volksmusik und Musik nach Volksweisen. 24 bis 2: Nachtkonzert.
Aufgaben und Ziele des hessischen Handwerks im neuenZahr.
NSG. In einer Arbeitstagung der Handwerkskammern für den Treuhänderbezirk Hessen unter dem Vorsitz des L a n d e s h a n d - werksmeisters Hessen wurden die Aufgaben behandelt, die der Förderung und Belebung des Handwerks im Landeshandwerksmeisterbezirk Hessen im neuen Jahr dienen.
Im Vordergrund stand die Frage der Arbeitsbeschaffung für das Handwerk. Der Landeshandwerksmeister behandelte hier insbesondere die Frage der Kleinsiedlungen und der Eigenheime, die von den Gauheimstättenämtern in diesem Jahre besonders stark gefördert werden sollen. Weiter wurden die Möglichkeiten einer verstärkten Berücksichtigung des Handwerks bei den Aufträgen der Wehrmacht und der Reichsautobahn behandelt. Die Mitwirkung des Handwerks bei der Schaffung von Eigenheimen für bäuerliche Handwerker und Landarbeiter wurde eingehend geprüft und in engster Gemeinschaft mit dem Reichsnährstand eine weitere Werbung für den Silobau, der für die Sicherheit der Ernährung des deutschen Volkes so außerordentlich wichtig ist, für notwendig erachtet. Die von verschiedenen Stellen unter Mithilfe einzelner Handwerkszweige bereits eingeleiteten Bestrebungen zur Schaffung von arteigenem Hausrat für Kleinsiedlungen und neue Bauerndörfer erfuhren eine eingehende Prüfung zwecks nachhaltiger Unterstützung durch alle in Frage kommenden Organisationen des Handwerks.
Der Landeshandwerksmeister unterrichtete über den insbesondere in den letzten Monaten eingetretenen Fortschritt der Landes-Lieferungs
genossenschaften und über deren weitere bedeutungsvolle Aufgaben. Eingehend wurde der Erlaß des Reichsfinanzministers vom 19. Dezember vorigen Jahres über die praktische Handhabung der Bauvergebung durch die behördlichen Dienststellen besprochen, der zweifellos zur Beseitigung mancher ungesunden Erscheinungen im Vergebungswesen beiträgt.
Zu all diesen Arbeiten der Arbeitsbeschaffung und Gewerbeförderung werden die Handwerkskammern im neuen Jahr in verstärktem Umfange herangezogen werden.
Der Landeshandwerksmeister beabsichtigt, in Zusammenarbeit mit den zuständigen Dienststellen der Partei sowie den Kammern eine einheitliche Schulung der Obermeister und Jnnungs- warte durchzuführen, um damit die beste Erledigung dieser Berufsstandsaufgaben im Dienste und zum Wohl der Volksgemeinschaft zu gewährleisten.
Auch alle Maßnahmen zur betriebswirtschaftlichen und betriebstechnischen Gewerbeforbe- r u n g werden im Jahre 1936 besondere Beachtung finden. Buchführung, Kalkulation und Fachkurse, insbesondere Kurse über wichtige Werkstoffe, wie Aluminium, Förderung fachlicher Ausstellungen und Unterrichtung neuer Arbeitsweisen, so der neuzeitlichen Schweißtechnik, planmäßige Aufklärung über die Sammlung der Abfallstoffe, zweckmäßige Verwendung von Rohstoffen sowie Filmvorführungen zur lebendigen Gestaltung der Jnnungsoer- sammlunaen, stehen im Vordergrund.
Heber Verwaltungsfragen der Innungen wurde eine einheitliche Linie sestgelegt.
Ein Abend der alten Soldaten.
Stiftungsfest der Kriegerkameradschast 1874.
Das 62. Stiftungsfest der Kriegerkameradschaft 1874 Gießen sand am Samstagabend im Saale des Caf6 Leib statt. Die alten Traditionsfahnen und die Kyffhäuserfahne schmückten den vollbesetzten Saal, in dem der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter der Leitung von Musikzugführer Herrmann mit schneidigen Marschklängen die Festveranstaltung eröffnete.
Kameradfchaftsführer T r ü m p e r t entbot in feiner Begrüßungsansprache besonderen Gruß dem Vertreter des Standartenführers, Obersturmbannführer und Standartenadjutant M ü n k e r, ferner den zahlreichen Vertretern der Regiments- und Sol- datenoereine, an ihrer Spitze Kamerad Müller vom Gießener Soldatenbund, sowie den Vertretern der Wehrmacht. Er gab seiner Freude über die kameradschaftliche Verbundenheit der alten und der jungen Soldaten mit den politischen Soldaten Adolf Hitlers Ausdruck. Die alten Soldaten habe es erfreut, daß an Stelle des Mufikkorps des Gießener Infanterie-Regiments der Musikzug der SA.-Standarte unter der Stabführung von Musikzugführer Herrmann die musikalische Ausgestaltung der Feier übernommen habe. Weiterhin übermittelte er die Glückwünsche und Grüße des Bezirks- und Kreisverbandsführers Oberst a.D.K ö t t- schau, der für die glänzend aufgenommene und durchgeführte Kyffhäuser-Filmveranstaltung dankte
und dem stellvertretenden Kameradschaftsführer Hugo Hartmann besondere Anerkennung aussprach. In kurzem Rückblick auf die Vergangenheit erinnerte Kamerad Trümpert an die langjährige Zugehörigkeit des Vereins zur „Hastia"-Krieger- kameradschaft und zum Deutschen Reichskriegerdund, dessen soziale Einrichtungen ungezählten alten Soldaten zugute tarnen. Dieses Gute in der Soldatenbewegung sei auch vom Führer und Reichskanzler anerkannt worden, der der Kyffhäuserfahne an Stelle des bisher geführten Kyffhäufer-Denkmals das Hakenkreuz verlieh. Die Anbringung des Hakenkreuzes an den alten Fahnen soll durch einen feierlichen Akt im ganzen Reich zu gleicher Zeit und in gleicher Stunde erfolgen. Die alten Soldaten hätten sich ehrlich bemüht, nicht nur die Erinnerung an ihre Militärzeit wachzuhalten, sondern auch die militärischen Tugenden zu pflegen, um im Volke den soldatischen Geist lebendig zu erhalten. Im Weltkriege hätten in diesem Geiste Millionen deutscher Soldaten in der Front und in der Heimat ihre Schuldigkeit gegenüber Volk und Vaterland getan. Derer, die für Heimat und Vaterland auf dem Felde der Ehre fielen, der 15 aus dem Verein, die nicht mehr heimgekehrt sind, und der für Deutschlands Erhebung gebliebenen Kameraden der SS., SA. und des Stahlhelm, sowie der 17 im letzten Jahre gestorbenen Kameraden gedachte der Redner in ehrenden Worten, während der Musikzug das Lied vom guten Kameraden spielte. Zu der Freude der alten Soldaten über die Wiederherstellung der Wehrhoheit und die Schaffung der
mit solchen überbürdet war. Am 9. Juni 1878 in Gießen als Sohn von Christian und Wilhelmine Reinhard, geb. Stoll, geboren, besuchte Herr Reinhardt die Volksschule und die Fortbildungsschule in der alten Heimat und kam am 7. Juli 1895 nach Amerika, um sich in Baltimore niederzulassen. Im selben Monat begann er das Bäckerhandwerk zu erlernen und machte sich im Jahre 1904 selbständig. Zur Zeit ist Herr Reinhardt Besitzer von zwei Backereien, eine befindet sich an der Scott Straße, die andere 3108 West North Av., — die Geschäfte werden umsichtig und fachmännisch geleitet.
Im Vereinswesen ist Herr Reinhardt fast seit seiner Einwanderung tätig. Von 1912 bis 1915 war er Vizepräsident, dann von 1915 bis 1918 Präsident des Arion Gesangvereins. Von 1919 bis 1927 fungierte er als Finanzsekretär dieses Vereins und in 1934 bis 1935 war er wiederum Präsident. Als Präsident der Vereinigten Sänger von Baltimore leitet Herr Reinhardt die Sitzungen dieser Spitzenorganisation mit Takt und Umsicht. Bereits vorher hatte er mehrere Termine als Finanzsekretär und Schatzmeister dieser Körperschaft fungiert: von 1916 bis 1926 als Finanzsekretär und von 1926 bis 1927 als Schatzmeister.
Auch gehört Herr Reinhardt als angesehenes Mitglied und Sekretär der „Retail Bakers Association" an, ist Präsident des Scott Straßen Leih- und Sparvereins und Vizepräsident der Deutsch-Amerikanischen Demokratischen Organisation. Der glücklichen Ehe mit Frau Charlotte Reinhardt, geb. Weber, entsprossen em Sohn und eine Tochter, die eine echt deutsche Erziehung genossen haben und der deutschen Muttersprache mächtig sind. Das Deutschtum der Stadt besitzt in Herrn C. W. Reinhardt einen energischen, taktvoll-liebenswürdigen und rastlosen Vorkämpfer."
Herr Reinhardt steht mit seinem hiesigen früheren Lehrer, dessen er stets in Dankbarkeit gedenkt, in regelmäßigem Briefverkehr und interessiert sich lebhaft für alles, was sich in feiner Vaterstadt ereignet. Schon zweimal — 1912 und 1928 — hat er fein liebes Gießen aufgesucht, und er hofft, auch in dem Jahre, in dem er fein 60. Lebensjahr erreicht, noch einmal die Reise über ben Ozean zu machen und einige Wochen mit seinen Bekannten und Altersgenossen in Gießen zu verbringen. Möge ihm dieser Wunsch erfüllt werden.
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** Neuer Pressedezernent beim Oberhessischen Landgericht in Gießen. Der Präsident des Landgerichts der Provinz Oberhessen in Gießen hat als Nachfolger des zum Oberstaatsanwalt beförderten Landgerichtsrats und bisherigen Pressedezernenten K n a u ß den Landgerichtsrat Dr. Kalbfleisch zum Pressedezernenten bei dem Landgericht in Gießen bestimmt.
** Seinen 75. Geburtstag feiert am morgigen Dienstag, 14. Januar, der städtische Oberamtsgehilfe i. R. Philipp Mandler, Asterweg 27 wohnhaft. Herr Mandler stammt aus Kinzenbach. Don 1881 bis 1884 genügte er feiner Militärpflicht bei den 88ern in Mainz. Dann trat er in die Dienste der Stadt Gießen ein. Als Amtsgehilfe im Wohlfahrtsamts versah er früher das Hospital, das erst im Seltersweg war und dann in den Afterweg verlegt wurde. Während der Kriegsjahre machte sich der Jubilar besonders um die Arbeiten zugunsten der Unterstützungsbedürftigen verdient. Nach dem Kriege übernahm er die Betreuung der Jugendherberge, die von ihm in sorgsamster Weise geführt wurde. Seit mehr als 50 Jahren gehörte er dem Evangelischen Arbeiterverein an, und heute noch ist er trotz seines hohen Alters aktives Mitglied des Westerwald-Vereins. Bei feinen früheren Dienstoorgesetzten und Arbeitskameraden, wie auch in weiten Kreisen der Bevölkerung erfreut sich Herr Mandler der besten Wertschätzung.
** Werbefilm der Shell. Gestern vormittag wurde vor zahlreichen Besuchern im Gloria- Palast ein Werbefilm der Shell (Rhenauia-Ossag, Mineralölwerke AG.) gezeigt, der für die vielen Kraftfahrer von großem Interesse war. In einer Rahmenhandlung wurde zunächst auf die Schäden hingewiesen, die sich aus schlechtem Oel und schlechtem Betriebsstoff im Motor ergeben können, bann in geschickter Ueberleitung der Weg des Rohöls bis zum feinsten Oel für jeden Gebrauch in Technik und Wirtschaft gezeigt. In einer Fülle interessanter Bilder konnte man den Weg des Oeles in den Destillationseinrichtungen, den Filtern und in den Qualitätsprüfungseinrichtungen verfolgen und gewann Nicht müde werden, Annelies!
DRotnan von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin.
32. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Er brachte seinen Bekannten mit herunter, wie Annelies mit einiger Verwunderung bemerkte. Brennecke, ein jovialer alter Herr, begrüßte sie freundlich, beinah herzlich. Korbinian Sartorius suchte indessen mit einem forschenden Blick ihr Gesicht. Er stellte mit tiefer Befriedigung fest, daß ihr gedrücktes Wesen verschwunden war. Die Fahrt hatte ihr also wirklich gut getan. Gott sei Dank!
„Also, Chauffeur", sagte er humorvoll, „Sie werden uns jetzt in irgendeinen gemütlichen Biergarten fahren. Können Sie uns einen geeigneten Vorschlag machen?"
«In einen Biergarten? Oh, diese Jugend!" lachte Annelies leise. „Na ja, das machen wir schon noch. Aber es kostet natürlich ein Extratrinkgeld, verehrter Herr!"
„Versteht sich. Und es wird darin bestehen, daß wir dich einladen, ein zünftiges Glas Bier mit uns zu trinken. Meinetwegen kann es auch ein Kaffee ober eine Schokolabe fein. Das ist boch nobel — nicht?"
„Schrecklich nobel! Es geht beinah über die Taxe. Aber ..." — sie sah nachdenklich vor sich hin, „... das möchte ich boch lieber nicht, man wirb zu Hause auf mich warten!"
„Mag man ruhig. Es ist kein Fehler. Man muß nicht nur immer selber warten, man muß auch mal auf sich warten lassen. Die anderen werden sonst zu sehr verwöhnt, und man darf sie nicht zu üppig werden lassen. Auch das gehört mit zur Erziehung."
Sie verstand, was er meinte, aber sie war noch Immer unentschlossen.
„Lust hätte ich schon, aber ..
„Es gibt kein Aber!" erklärte Korbinian Sartorius jetzt energisch. „Du kommst mit, ober ich kün- bige bir bie Freunbschaft. Im übrigen übernehme ich die Verantwortung und werde gewissen Leuten
schon den Kopf zurechtsetzen, wenn es ihnen etwa einfallen sollte, sich beleidigt zu fühlen oder gar zu opponieren. Also los, kleiner Chauffeur!"
Annelies gab nach. Wenn Onkel Korbinian es sagte, was es schon richtig. Und ja, man fyatte sich heute glücklich losgelöst von aller Schwere, man sollte wirklich den Augenblick ausnützen. Vielleicht gab das neue Kraft für die kommenden Tage, wie der Sonntag Kraft für bie neue Woche gab.
Sie fuhren zu einem vielbesuchten Biergarten im Innern ber Stabt. Annelies trank auf Onkel Korbinians Zureben wirklich ein Glas Bier, obgleich sie sich sonst nicht viel baraus machte. Sie fand, baß es heute vorzüglich schmeckte, unb gestanb es offen zu.
„Ich t)ab es boch gesagt", erroiberte Korbinian Sartorius. „Unb so ein alter, erfahrener Erbenbürger wie ich wirb wohl wissen, was so einem jungen Wurm gerade gut ist."
Er war in feinen guten Stunden ein amüsanter Plauderer. Brennecke gab ihm darin nichts nach, unb so unterhielt man sich ausgezeichnet. Annelies lebte förmlich auf. Mehr als einmal ließ sie ein herzliches Lachen hören, was Onkel Korbinian mit tiefer Befriebigung erfüllte.
So verging bie Zeit, bis Korbinian Sartorius mit einem Blick auf bie Taschenuhr feststellte, baß man aufbrechen mußte. Man bürste nichts übertreiben.
Vrennecke entschloß sich, noch zu bleiben. Er hatte Bekannte entdeckt, bie an einem ber weiter entfernt stehenden Tische saßen. Man verabschiebete sich also von ihm. Unb bann ging es in kurzer Fahrt nach Hause.
Annelies war gespannt, was für Gesichter man oorfinben würbe, aber Onkel Korbinian schob ihre Besorgnisse beiseite. In ber Diele kam ihnen bie alte Kathrin entgegen:
„Die Frau Senator hat schon Angst gehabt, baß etwas passiert ist."
„Ach, Unsinn, altes Mäbchen!" knurrte Korbinian Sartorius. „Was soll benn passieren!?"
Frau Eugenie atmete in ber Tat auf, als sie eintraten.
"Gott sei Dank, daß ihr wieder da seid! Ich dachte schon ..
„... es wäre was passiert — nicht wahr?" unterbrach Onkel Korbinian ihren Stoßseufzer. „Habt euch doch bloß nicht so! Ähr seid eben nichts ge
wöhnt, das ist der Haken. Wir haben mit Brennecke einen Schoppen Bier getrunken, das war natürlich sträflich leichtsinnig. Aber wir werden uns bei Gelegenheit bessern."
Günters Blick lag forschend auf Annelies, deren ganzes Wesen freier und lebhafter war als in ber letzten Zeit.
„Nun, bist du auf deine Kosten gekommen?"
Sie strich sich das Haar aus ber Stirn.
, „Ja! Die Fahrt war herrlich. Unb ber Leichtsinn hatte auch sein Gutes — meine beiden Beschützer haben mich vortrefflich unterhalten. Sogar ein Glas Bier habe ich getrunken — denk nur!"
„Na, da hast du ja alles gehabt, was bas Herz begehrt ...!"
Er sagte es härter und herber, als er vielleicht wußte. Annelies suchte seinen Blick. Sie las eine Frage in seinen Augen, aber es war noch etwas anderes darin, was ihr Herz einen jähen Schlag tun ließ.
Da sagte Korbinian etwas zu ihr. Sie hörte es wie aus weiter Ferne kommend, ohne es zu verstehen, unb mußte erst noch einmal fragen.
13. Kapitel.
Unten vor bem Hause ertönte bie Hupe. Annelies unb Günter waren schon bereit unb gingen hinunter. Mia Rechberg richtete sich mit auffallenb müder Bewegung aus dem Polster des Wagens auf unb reichte ihnen bie Hand. Ueber ihrem Blick lag es wie ein feuchter Schleier. Das Lächeln, das ihre feingeschwungenen Lippen formten, war anders als sonst. Wie ein Hauch von Schwermut lag es über ihrem ganzen Wesen.
Es war nicht zu erkennen, ob Günter bie Verärgerung, bie mit ihr vorgegangen war, bemerkte. Annelies aber fiel es sofort auf, unb sie hatte bie augenblickliche, wenn auch nicht ganz klare Empfindung, baß darin eine neue Gefahr lag.
Der Wagen zog an. Annelies wandte sich zur Seite unb ließ ben Blick über bas Haus hingleiten. Oben in seinem Wohnzimmer ftanb Onkel Korbinian am Fenster unb winkte herab. Ihr war es, als ob es gar nicht anbers sein könnte, Onkel Korbinian war immer ba, wenn es not tat. Ob es auch heute not tat? Vielleich!
Sie winkte zurück. Nein, Onkel Korbinian, Annelies wird nicht roieber schwach und müde! Jetzt nicht mehr!
Mia hatte gleich im ersten Moment festgestellt,
Volksgemeinschaft geselle sich die Achtung vor den erfolgreichen Taten des Führers, ber bem Volke. neue Jbeclle gegeben unb hohe Ziele gewiesen habe. Im Hinblick barauf mache es Freube, ein solches Fest zu feiern, unb in biefem Sinne wünschte ber Rebner ben zahlreichen Volksgenossen einen frohen Abenb.
Der SA.-Musikzug erfreute, wie immer, mit ausgezeichneten Konzertdarbietungen, von denen besonders das Piston-Solo von A. Schwarzlose und zwei Heroldsmärsche hervorgehoben seien.
Aus Anlaß des Stiftungsfestes nahm Kamerad» schaftsführer T r ü m p e r t die Ehrung einiger verdienter Kameraden vor. Ausgezeichnet wurden für 44jährige Mitgliedschaft: Karl Weller; für 25- jährige Mitgliedschaft: Konrad Bender, Waldemar Denninghoff, Johannes Köhler, Franz Kramer, Rudolf L e i ß l e r, Wilhelm Rau, Georg Saum, Heinrich Schmitt und Heinrich Stumpf.
Kreisschießwart Albin Klein überreichte den Schützen Heinrich Lutz für besondere Leistungen mit 136 Ringen und Karl Motz für eine solche mit 127 Ringen die silberne Kyffhäuser-Ehrennadel und hob dabei bie ausgezeichneten Erfolge des Kreises Gießen hervor, ber in bezug auf Leistung unb Beteiligung beim Schießen mit an erster Stelle in Deutschlanb stehe. Als einziger Kyffhäuser-Kreis- oerbanb weise er zwei Besitzer ber Kyfshäuser- Silberplaketten auf, bie Willi Georg unb Georg Schilling sen. ber Gießener Kamerabschast errungen haben. Von 4000 Mitgliedern des Kreis- verbandes seien 2000 Schützen. Als erste Kameradschaft habe Gießen von nahezu 400 Mitgliedern 130 Schützen. Im Jahre 1935 habe ber Kreis Gießen bei ben Wettkämpfen allein 78 000 Schuß abgegeben.
In kamerabschaftlicher Weise saßen alte unb junge Solbaten beieinander, und flotter Tanz hielt bie große Gemeinschaft noch manche frohe Stunbe bei- einanber.
Kameradschastsabend des Reichstreubunbes.
Der Reichstreubunb ehemaliger Berufsfolbaten hielt am Samstag im „Aquarium" feinen ersten Kamerabschaftsabenb in biefem Jahre ab.
Kameradschaftsführer Schwend er kam nach Erledigung einiger organisatorischer Fragen auf bie vom Führer befohlene Gründung des neuen Sol- batenbunbes zu sprechen. In einem längeren lieber» blick zeigte er bie Entstehung unb Entwicklung des Reichstreubunbes auf, ber ideell und materiell ben Mitgliedern reiche Vorteile gebracht hatte. Er erinnerte u. a. besonders an bie Betreuung ber Ka- meraben in der Nachkriegszeit, in der der Kampf um ihre Rechte besonders schwer war. Mit ber Einführung ber allgemeinen Wehrpflicht standen auch dem Reichstreubunb neue Aufgaben bevor. Diese haben nun zu ber Gründung bes Solbatenbundes geführt, besten Träger ber Reichstreubunb wurde. Es ist der Wunsch des Führers, daß, wer einmal Soldat war, es auch nach feiner Dienstzeit bleiben soll. Im ©olbatenbunb findet der ehemalige Soldat den kameradschaftlichen Anschluß, hier werden die soldatischen Tugenden gepflegt. Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist das rückhaltlose Bekenntnis zur nationalsozialistischen Weltanschauung. Der Sol- datenbund ist das Sammelbecken aller ehemaligen kurz gebienten Solbaten, währenb ber Reichstreubunb ber Zusammenschluß ber langgebienten Be- rufssolbaten ist. Mitglieber bes Reichstreubunbes sind zugleich Mitglieder des Soldatenbundes, aber nicht umgekehrt. Die Sonderstellung des Reichstreubundes besteht darin, daß er die Betreuung seiner Mitglieder fortsetzt. Es werden allerdings schon früher aus bem Heeresbienst ausgeschiebene Be- rufssolbaten, bie bem Reichstreubunb bisher nicht angehörten, nicht mehr aufgenommen. Der Zugang zum Reichstreubunb besteht in Zukunft nur noch aus den jetzt vom Heer abgehenden Berufssoldaten. Nach eingehenden Aufklärungen über die notwendige Aufhebung der bisher geführten Bestattungskostenbeihilfe wies Kameradschaftsführer Schwender darauf hin, daß alte Kameraden, bie ber neuen Versicherung nicht beitreten wollen bzw. bis zum 15. Januar 1936 ihre Anmelbung zur Versicherung nicht abgegeben haben, bennoch Mitglieber bes Reichstreubunbes unb damit auch bes Solbateubun- bes bleiben können. Von der Versicherung können auch solche Kameraden befreit werben, die in ausreichender Weise bei anberen Versicherungen vorgesorgt haben, ober auch im Bebürfnisfalle. Die Ueber- nahme ber Versicherung gibt bem Kameraden über die Versicherungssumme hinaus ein Anrecht auf
baß auch mit ber Rivalin eine Wanblung vor sich gegangen war. Annelies war offenbar ruhiger unb sicherer geworben, zuversichtlicher hätte man fast sagen können, wenn sie es auch nicht offen zeigte. Worauf mochte bas zurückzuführen sein? Hatte es eine Aussprache zwischen ihr unb Günter gegeben? Mit bem Erfolg, baß ... ?
Mia wagte ben Gedanken nicht zu Enbe zu beulen, aber sie hatte Mühe, bie angenommene Haltung zu wahren. Ein vorsichtig sorschenber Blick streifte Günters Gesicht, aber sie bemerkte nichts, was zu Befürchtungen Anlaß gegeben hätte. Unb boch wollten ihre Zweifel nicht schweigen.
„Würbet ihr böse sein, wenn ich euch umsonst bemüht hätte?" fragte sie mit mübem Lächeln, nach- bem man einige belanglose Worte gewechselt hatten Günter sah sie fragenb an.
„Es ist zu bumm!" fuhr sie fort. „Ich habe beinah bas Gefühl, als ob ich die Villa nicht kaufen sollte."
Er sah mit einem Achselzucken zum Wagen hinaus.
„Raten kann man ba erst, wenn man bas Grunb- stück gesehen hat!" Dann sah er sie roieber an. „Ober hast bu einen bestimmten Grund bafür?"
Sie schwieg einen Moment. Ihr Blick war un» burchsichtig, als sie bann erroiberte:
„Eben nicht. Das ist bas Merkwürbige. Es ist mehr Gefühlssache."
Stumm löste Günter seinen Blick wieder von bem ihren.
„Sinb Sie so sprunghaft in Ihren Entschlüssen?" fragte Annelies mit ruhigem Lächeln. „Von biefer Seite habe ich Sie eigentlich noch nicht kennengelernt."
„Das bin ich sonst auch wirklich nicht. Vielleicht ist es eben nur so eine Stimmung, bie einem selber unverstänblich ist. Vielleicht soll man aber auch wirklich manches nicht wollen, wenn man nicht ganz bestimmt weiß, baß es gut ist."
„Dem kann man sckon beipflidjten. Vorausgesetzt, baß biefer Gebaute nicht auch nur auf einer augenblicklichen Stimmung beruht."
Die Blicke ber beiden Frauen lagen einen Moment ineinanber.
„Nun, wenn nichts baraus wirb, ist es ja auch nichts weiter", sagte Günter mit fremd flingenber Stimme. „Dann machen wir eben nur eine Sva- zierfahrt." Fortsetzung soigL


