Ausgabe 
11.12.1936
 
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Ausführliche Erklärung des Premierministers im Unterhaus

sich

Churchill,

Die englische preffe zum Thronwechsel

wahrt der Politik dieses Landes io die Beständig feit Dem verdankt England es, daß es die Krise ohne sichtbare Wirren überwunden

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liegen ] Äufopfe seine Fi

daß und

Unter eisigem Schweigen des Hauses erhob hierauf

der Verkehr völlig stockte. Als der neue König in den späten Abendstunden vor seinem Hause ein­traf, bereitete ihm die Bevölkerung einen herz­lichen Empfang. In die Nationalhymne, die jemand anstimmte, fielen sofort Hunderte von Menschen ein, die das Gebäude umlagerten und zum Teil das Geländer des Hauses undandere Aussichtspunkte" erklettert hatten, um den neuen König sehen zu können. Immer wieder wurden Rufe laut wieWir wollen Albert!",Lang lebe der König!".

Abends kam es auch in der Nähe des Bucking­ham-Palastes sowohl auch wie in der Downingstreet

erschütternden Ereignissen tief beeindruckt waren. Als die Entscheidung bekannt gegeben wurde, zer­streute sich die Menschenmenge in völliger Ruhe und ging ohne jeden Zwischenfall auseinander. Auch vor dem Hause der Königin-Mut­ter hatten sich viele Hunderte angesammelt. Als die Königin den Palast verließ, um den Herzog von Bork aufzusuchen, wurde sie st ü r m i s ch be­grüßt.

Vor dem Hause des Herzogs von Dort, das am Picadilly liegt, der bekannten Londoner Geschäftsstraße, sammelten sich immer wieder neue Menschenmassen an, so daß schließlich

hat, so daß es in etwa sechs Monaten ebenso fest dastehen wird, wie vorher. Wenn wir in Frankreick mit unserer politischen und sozialen Unsicherheit Dom etwas ähnliches von uns sagen könnten?

Ere Nvuvelle" hält für besonders bezeichnend, daß man nicht einen Augenblick den Eindruck einer Krise in England gehabt habe. Alles habe sich ein« fach und normal gemäß der großen Heber« lieferung und den Gesetzen abgespielt. Diese Achtung vor dem Gesetz, das der König bis in die intimsten Einzelheiten seines Privatlebens zu seiner Richtschnur mache, schaffe nicht nur die Größe, sondern auch die Stärke der englischen Nation. Das Blatt des Ministerpräsidenten, derP o p u l a i r e", begrüßt die Lösung der Krise, die die einzig mög­liche und die bestmögliche sei. Die Freunde Englands und der Demokratie könnten sich über die Tatsache nur freuen, daß die Krise schnell abge­schlossen wurde.

Baldwin über die Gründe des Thronverzichis.

es in diesem Augenblick nicht einfach sei, die Stim­mung der englischen Nation wiederzugeben: Tie­fes Bedauern und einige Mißstimmung, verbunden mit der nicht zu bestreitenden Erleichterung, daß die Spannung vorüber sei und schließlich die Ent­schlossenheit, den Nachfolger auf dem Thron loyal zu unterstützen. Auch die News Chronicle" versichern dem scheidenden Mon­archen ihrer tiefsten Sympathie. Man dürfe ver­sichert sein, daß auch der neue König sich voller Aufopferung seiner Aufgabe widmen werde. Auch seine Frau werde eine volkstümliche Königin sein.

DerDaily H e r a l d", das Blatt der Arbeiter­

partei, sagt: Es sei nichts geschehen, was den Thron zu einer gefährlicheren oder weniger geach­teten Stellung für diejenigen machen werde, die berufen seien, ihn zu besetzen. Die Zuneigung, die das demokratische Volk Englands für seinen König verspüre, rühre lediglich daher, daß der König nicht

zu Kundgebungen für König Eduard VIII. Am Buckinghampalast versuchten zwei Personen Flug­blätter zu verteilen, doch wurde ihnen hierbei ein so unfreundlicher Empfang zuteil, daß die Polizei sie abführen mußte. In Whiteh all bildete sich ein etwa 1000 Mann starker Zug, der auch Bilder des Königs Eduard VIII. mitführte. Später dräng­ten Polizeiverftärkungen den Zug nach dem Tra­falgarplatz ab und lösten ihn dort auf. Nach 22 Uhr wurde um die Downingstreet eine starke Polizei­kette gelegt und berittene Polizisten säuberten die Hauptstraße des Regierungsoiertels. Sechs Verhaf­tungen wurden vorgenommen.

Nach der Verlesung der Abdankungsbotschaft des Königs stellte Premierminister Baldwin im Unterhaus den Antrag, die Botschaft des Königs zu beraten und gab anschließend eine längere E r - k l ä r u n g ab, in der er eine Darstellung seiner Verhandlungen mit dem König gab. Er wolle da­bei feststellen, daß der König, als er noch Prinz of Wales gewesen sei, ihn viele Jahre hindurch mit einer tiefen Freundschaft geehrt habe, die er hoch- schätze. Er wolle dem Hause mitteilen, daß bei dem Abschied in Fort Belvedere Dienstagnacht sowohl der König als er selbst gewußt und gefühlt hätten, daß ihre Freundschaft durch die Besprechungen in den letzten Wochen keinen Schaden genommen habe, sondern im Gegenteil enger geworden sei und das ganze Leben hindurch dauern werde.

Baldwin erinnerte Daran, daß er im August und September habe Erholungsurlaub nehmen müssen, und fuhr dann fort:

..Als ich zurückkam. beunruhigten mich zwei Dinge. 3n mein Amt strömten zahlreiche Briefe, vor allem von britischen Untertanen und ameri­kanischen Staatsbürgern britischer Herkunft und auch einige aus den Dominien, in denen Be­stürzung und Besorgnis über die Veröffent­lichungen der amerikanischen Preffe zum Ausdruck kamen. Damals wurde mir klar, daß eine Scheidungsangelegenheit in Ausficht stand. Ich war der Ansicht, daß jemand den König aufsuchen sollte, um ihn vor der schwierigen Lage zu war­nen, die sich später ergeben könnte, wenn die­ser Art von Geschwätz und Kritik Nahrung ge­geben würde. Unter den gegebenen Umständen konnte nur ein Mann diese Angelegenheit mit dem König besprechen, der Premier­mini st er. Ich beriet mich mit keinem meiner Kollegen. Deshalb teilte ich dem König mit, daß ich ihn völlig privat im Schloß Bel­vedere zu sprechen wünsche. Wir trafen uns dort am Dienstag. 20. Oktober. Der Berater der Krone ist für seinen Herrn ohne jeden Wert, wenn er ihm nicht jederzeit die Wahr­heit so sagt, wie er sie sieht, ob diese Wahr­heit nun willkommen ist oder nicht.

Ich sagte Seiner Majestät, daß ich in doppelter Richtung große Besorgnisse hegte, erstens wegen der andauernder Kritik, die zur Zeit in der ameri­kanischen Presse, in den Dominien und besonders in Kanada laut wurde, und zweitens wegen der Wirkung, die diese auf England selbst haben würde. Weiter erinnerte ich ihn an das, was ich ihm und seinem Bruder in den vergangenen Jahren gejagt habe, daß die britische Monarchie eine einzig­artige Einrichtung ist. Der englischen Krone seien Jahrhunderte hindurch viele ihrer Vorrechte genommen worden. Aber heute stehe sie viel höher da, als zu irgendeiner Zeil. Es stehe außer Frage, daß es von wesentlicher Bedeutung sei, sie un­versehrt zu erhalten. Denn sie sei nicht nur das letzte übriggebliebene Bindeglied innerhalb des Empire, sondern sie sei für England, solange sie besteht, auch die Garantie dafür, daß das Land vor vielen Hebeln bewahrt bleibe, die viele andere Län­der erfaßt und geschädigt haben. Diese Ansicht hinge sehr weitgehend an dem Respekt, der in den letzten drei Generationen der Monarchie entgegengebracht wurde. Angesichts der Kritik, der die Krone aus­gesetzt worden sei, könne die Macht der Krone schnel­ler vergehen, als sie gewachsen sei.

Baldwin erklärte dann, er habe den König dar­auf hingewiesen, daß bei einer Scheidung der Dame seiner Wahl, Frau Erneste Simpson, von ihrem bisherigen Gatten die Angelegenheit nach dem Urteil für einige Zeit würde in der Schwebe bleiben müssen. Diese Schwebezeit könne verhängnisvoll werden, weil dann jedermann die Möglichkeit haben würde, zu reden. Denn eines Tages würde die Presse beginnen, sich mit der An­gelegenheit zu beschäftigen, und dann würde eine äußerst schwierige Lage für den König und den Ministerpräsidenten entstehen, und es würden viel­leicht bestimmte Gefahren heraufbeschworen, wie man es auch erlebt habe.Das war einer der Gründe", so erklärte Baldwin,warum schnell gehandelt werden mußte. Es bestand die Ge­fahr, daß die Leute in einer Frage Partei nahmen, in der in England keine Parteien existieren dürften. Ich bat den König, alles zu erwägen, was ich ge­sagt hätte. Ich habe in keiner Form auf irgend eine Antwort gedrängt, und habe versprochen, alles zu erwägen, was der König sagen würde.

Das nächste Wal sah ich den König am Mon­tag. dem 16. November, im Buckingham-palast. nachdem das Scheidungsurteil gefällt worden war. Der König halte mich ausdrücklich zu sich gebeten, und wir sprachen etwa 20 Minuten üher die Frage einer etwaigen Hei- r ä t. Das Kabinett war in meine Verhand­lungen nicht eingeweiht. Ich berichtete nur vier meiner Kollegen über meine Besprechungen im Fort Belvedere. Ich erklärte dem König, ich fei der Ansicht, daß diese heirat im Lande keinerlei Billigung finden weÄ^. Ich wies darauf hin. daß die Gemahlin des Königs von England eine andere Stellung habe als die Ehefrau irgendeines englischen Bürgers und daß bei der Wahl einer Königin die Stimme des Volkes gehört wer­den müsse. Von der Wahl, die der König treffe, hinge die Sicherheit und das Wohlergehen des Staates ab. Der König erklärte mir daraufhin ich sage dies mit seiner ausdrücklichen Ge­nehmigung :Ich werde Mrs. Simp­son heiraten, und ich bin bereit zu

Oer Vorsitzende

der Oppositionsliberalen

wies ebenfalls auf die vielen Bande hin, Mt Eduard VIII. mit feinem Volk verbunden hätten. Das Ende dieser Beziehungen sei für alle schmerz- lich. Besonders schmerzlich aber müsse das für seine Minister fein und besonders für den Pre- mierminifter (lebhafter Beifall), der die be­sondere Sympathie des Hauses verdiene, sowie die Dankbarkeit aller für die schwere, klare, aber Herz- bewegende Erklärung, die er abgegeben habe. Es gelte nunmehr, sich weise zu zeigen, indem man jeden Versuch ablehne, das Land in dieser Frage zu spalten. Dank der Zurückhaltung des Königs und seiner Anerkennung der Stellung des Parla­ments und der verfassungsmäßigen Verantwortlich­keit der Minister sei die Krone nicht in den Königs st reit verwickelt worden. Die Krone sei über dem Streit erhaben geblieben. Das schnelle Handeln des Königs habe zweifellos dazu beige- tragen, das Land vor Schaden zu bewahren.

Französische radikale Partei."

Eine Neugründung gegen Marxismus und Reaktion.

Paris, 11. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Ver­bindung, die die R a d i k al s o z i a l i st i s che Partei durch ihre Teilnahme an der Volksfront mit den Kommunisten eingegangen ist, hatte zahlreiche Mitglieder und auch Kreise, die mit den Radikalsozialisten bisher sympathisierten, vor den Kopf gestoßen. Eine Reihe von Persönlich­keiten, darunter der frühere Generalsekretär Der radikalsozialistischen Partei Pfeiffer und der frühere Minister Gaston Gerard, haben deshalb eine neue Partei ins Leben gerufen, die durch ihre BenennungFranzösische radikale Partei" zum Ausdruck bringen will, daß Die alten Grundsätze Der Radikalsozialisten unverfälscht hochgehalten roerDen sollen.

In Der Parteierklärung heißt es u. a.: Die Mos­kowiter wollen uns in den Bürgerkrieg führen. Das Darf nicht zugelassen merDen. Das Parlament muß souverän bleiben. Die Drohung mit Der Diktatur Der Straße muß aufhören. Wir begreifen nicht, Daß ein MinisterpräsiDent die Fabrikbesetzung wohl tadeln und verurteilen kann, aber nicht soviel Macht besitzt, sie zu verhindern. Wir wollen nicht die dummen Opfer eines angeblichen Kreuzzuges Der Demokratien^ fein, bei dem w ir allein die Gekreuzigten fein würben. Gestern haben wir uns Den Nationalisten und Den Kanonenhändlern widersetzt, die Frankreichs Grenze

herrsche, sondern diene, daß er über Den Parteien stehe, und Der Vertreter aller sei. Aus die­sem Grunde könne Der Herzog von Port ver­trauensvoll eine glückliche Herrschaft als König und Kaiser erwarten als Das große Symbol Der großen JDee, Die jetzt allein Die Dominions und das Ver­einigte Königreich in einem geeinigten Gemein­wesen Zusammenhalte. Die gestrige Entscheidung müsse Dem König Das Herz zerrissen habe, aber diese Entscheidung werde ihm ehrliche Achtung und Sympathie sichern, Die vielleicht größer sei, als sie es bei einer anDeren Wahl gewesen wäre.. Das englische Volk werDe Den letzten großzügigen Wunsch, Den König Eduard vom Thron ausgesprochen habe, erfüllen: Der Herzog von Port werde Die Unter» stützung Des gesamten Empires erhalten. Nach einem Wort Der Sympathie für Die Königinmutter Mary schreibt Dann Das Labour-Blatt, daß dem Ministerpräsidenten Baldwin ein Dank gebühre. Der sich über alle ParteiunterschieDe hinweg setze.

Das Echo in Paris.

Paris, 11. Dez. (DNB. Funkspr.) Die Pariser Presse vertritt den Standpunkt, daß England sei­nen König verloren, aber Die Mon­archie gerettet habe. DerMatin" schreibt. Der Rücktritt Eduards VIII. werde einmütiges Be­dauern auslösen. Das englische Weltreich gehe eher vergrößert als verkleinert aus einer Prüfung, Die gefährlich werden konnte, hervor. Es habe in einer heiklen Stunde feinen Zusammenhalt bewiesen. Der rechtsstehendeJour" bemerkt:Der Monarch wech­selt, aber die Monarchie rettet England und he­

ge ben. Ich antwortete daraufhin:Sire, das ist eine äußerst schwerwiegende Mitteilung, und es ist mir unmöglich, darauf heute zu

antworten."

Der König teilte diesen Entschluß Dann Der Königin Mary, Dem Herzog von Port, Dem Herzog von Gloucester unD Dem Her­zog von Kent mit. Am 25. November bat er mich tnieDer zu sich. Inzwischen war bei mir an­geregt roorDen, einen Kompromiß zu schaffen. Nach diesem sollte Der König heiraten, unD Das Parla­ment sollte ein Gesetz verabschieden, nach dem Die Dame Gemahlin Des Königs sein könne ohne Die Stellung einer Königin zu haben.

Der König fragte mich, was ich Darüber dächte. Ich erklärte, wenn er über mein erstes Gefühl unterrichtet sein wolle, so könne ich ihm sagen, ich sei Der Heberzeugung, daß Das Parlament e i n Derartiges Gesetz niemals annehmen würde. (Beifall.) Weiter erklärte ich, ich würde das Gesetz formell prüfen lassen, falls Der König es wünsche. Als Der König diesen Wunsch aussprach, machte ich Darauf aufmerksam, daß Damit Die An­gelegenheit vor Das gesamte Kabinett ge­bracht werben mühte und daß Die Verbindung mit allen Dominien ausgenommen werden müsse. König Eduard erklärte mir, Dies sei sein Wunsch. Daraufhin versprach ich ihm, Diese Prü­fung vornehmen zu lassen. Am 2. Dezember er­klärte ich ihm, daß sein Vorschlag undurchführ­bar sei. Darauf erwiderte Der König, diese Ant­wort überrasche ihn nicht. Er kam nie wieder auf sie zurück; er benahm sich wie ein echter Gentleman."

Baldwin führte Dann weiter aus, er habe Dem König klar gemacht, daß er in eine Lage kommen müsse, in Der er in einem inneren Konflikt stehen würde: er müsse Dann entweder einen Plan auf­geben, an Dem sein Herz hing, und König bleiben, oder er müsse, wie er Das schon früher angedeutet habe, möglicherweise später Die Heirat Durchführen. Das Haus müsse bedenken, so fügte Baldwin ein, daß Der König kein Junge mehr sei. Er sehe zwar jung aus, und alle seien gewohnt, ihn alsunseren Prinzen" anzusehen. Aber er sei ein erwach euer Mann mit großen Lebenserfahrungen und großen Weltkenntnissen. Dem König schwebten immer Drei, wenn nicht vier Dinge vor. Einmal, wenn er ab­gehen hDÜrbe, wollte er in Ehren abgehen. Er wollte nicht eine Lage entstehen lassen, in Der er Das nicht mehr tun könne. Seinen Ministern und seinem Volk wollte er s o wenig Aufre­gung wie möglich bringen. Schließlich wünschte er, unter UmftänDen abzuoanken, Die seinem Bruder bei Der Thronbesteigung Die Denkbar geringsten Schwierigkeiten bereiteten.

Ich muß sagen. Daß Dem König feDer Gedanke an etwas, was manK ö n i g s p a r t e l" nen­nen könnte, schrecklich war. (Langer und an­haltender Beifall.) Er blieb weiter im Fort Belvedere, weil er sich der Huldigung der Massen so lange nicht aussehen wollte, wie diese Dinge noch zur Debatte standen. Ich achte und schätze ihn deswegen besonders. 3n diesem Zusammenhang möchte ich eine Notiz verlesen, die das haus besonders angeht und Die mir Seine Majestät heute morgen mit Der Ermäch­tigung gesandt hat, sie hier vorzulesen. Sie ist mit Bleistift geschrieben und lautet:Der Duke of Pork hat immer Die besten Beziehungen zu seinem Bruder gehabt. Als König aber habe ich das volle Vertrauen, daß der Duke of Jork Die Unterstützung Des ganzen Em­pires oerDienf unD sie auch erhalten roirD. Ich will nun noch ein ober zwei Worte zur Sage Des Königs sagen. Da er selbst nicht sprechen kann. Der König hat erklärt, er sehe keine Möglichkeit, Die beinahe untragbare BürDe Des Königtums ohne eine Frau an seiner Seite auf sich zu nehmen. Wir wissen Das. Meine Bemühun­gen waren Darauf gerichtet, ihn zu einer Entschei- Dung zu bringen, Die er nicht getroffen hat. Nie- manD ist unter uns, Der Diese Entwicklung nicht aus tiefstem Herzen bedauert. Aber es ist auch niemand unter uns, der richten möchte. (Beifall.) Wir sind keine Richter. Der König hat seine Entschei­dung mitgeteilt. "Ich glaube, wir müssen uns jetzt zusammenschließen. Heute abend werde ich mir noch erlauben, die notwendigen gesetzlichen Vorlagen selbst einzubringen. Das Haus wird morgen um 11 Hhr vormittags wieder zusammentreten. Es ist sehr wichtig, daß bereits morgen Der Entwurf Ge­setz wird. Wir wollen die gleiche Würde zeigen, wie sie der König in dieser Stunde Der Prüfung auch zeigt. Wie groß auch unser Bedauern über Den Inhalt Der Botschaft fein mag, so wollen wir doch Des Königs Wünsche erfüllen unD tun, was er fordert, unD zwar schnell. Wir wollen kein Wort sprechen. Das wir in einigen Tagen schon bedauern könnten, und wir wollen heute nicht Die verehrte und geliebte Persönlichkeit Der Queen Mary vergessen (Beifall), und was diese ganze Zeit für sie bedeutet hat. Wir wollen, wenn wir in Dieser Debatte sprechen, an sie Denken. Wir haben als Wächter Der Demokratie auf dieser kleinen Insel Dafür zu arbeiten, Die Unanta ft barfeit Der Monarchie aufrechtzuerhalten, Die jetzt Das einzige BanD unseres Weltreiches und der Hüter unserer Freiheit ist. Wir wol­len Den Blick vorausrichten, an unser LanD denken und Das Vertrauen rechtfertigen, das von unserem Lande Dem Unterhaus entgegengebracht worden ist. Wir wollen uns geschlossen hinter den neuen König stellen. (Langer, anhaltender Beifall.) Wir wollen uns hinter ihm zusammen- scharen und ihm helfen."

Baldwins Schlußsätze waren. Da er selbst inner» lich sehr erregt war, kaum zu verstehen. Als er

der einleitend erklärte, nichts sei gewisser, als man jetzt keine Vorwürfe mehr erheben dürfe Daß Auseinandersetzungen mehr schaden als nutzen würden. Was geschehen und was unterblieben sei, gehöre der Geschichte an. Er werde an diese Dinge nicht rühren. Er gedachte hierauf in allerherzlichsten Worten des abgeDantten Königs, Der freiwillig ein Opfer für Die Ruhe und Die Kraft feines Reiches gebracht habe. Er fei Damit viel weiter gegangen, als Die Verfassung es erfordere. Er erkenne an, daß Die Entscheidung Des Königs freiwillig unD spontan erfolgt sei und so, wie es Der König selbst gewünscht habe. Er bedauere Diesen wehmütigen Abschluß aufs tiefste, Der gerade durch Die so selte­nen edlen Eigenschaften Des Königs herbeigeführt worden sei. Nachdem in der Hnterhaussitzung noch einige Abgeordnete der Linken gesprochen hatten, nahm das Hnterhaus in erster Lesung das Gesetz über Die Abdankung Des Königs an und vertagte sich auf Freitag.

London, 11. Dez. (DNB. Funkspruch.) Tiefes menschliches Mitgefühl für den scheidenden Mon­archen, hoffnungsfreudige Worte Der Begrüßung für Den neuen König und schließlich Das Bewußt­sein, daß Die britische Monarchie als Staatseinrichtung aus den Ereignissen un- erschüttert hervorgegangen ist, Das ist Die Note, die am Freitagmorgen Die Leitartikel Der gesamten englischen Presse kennzeichnet.

Der konservativeDaily Telegraph" schreibt: König Eduard hat seine Wahl getroffen. Die Welt weiß, daß er diese sowohl für ihn selbst wie für Das Reich so schicksalvolle Entscheidung nicht überstürzt getroffen hat. Der König hat be­schlossen, seinem Herzen zu folgen und an Die erste Stelle Das zu setzen, was nach seiner Ansicht seine einzige Hoffnung auf ein glückliches Privatleben ist. Der Zwang eines so starken Sentiments er­fordert, gleichgültig, ob es richtig ist oder nicht, die Achtung auch Derjenigen, Deren Urteil es nicht ver­mocht hat, ihn zu überreden. Aber Der Verzicht versetzt Die Welt in Erstaunen." Das Blatt schließt mit Der Feststellung, daß Die britische Ver­fassung nicht einen Augenblick lang gefährdet gewesen sei, was König Eduard ebenso zugute gehalten werden müsse. Die Inte­grität Der Krone bleibe unangetastet.

Die konservativeM o r n i n g P o st" schreibt, es wäre mutig, Die Schwere Des Schlages zu verklei­nern, Der Das britische Volk und das britische Reich getroffen habe. Ein König, dem die Zuneigung und Die Hoffnung Der Nation gehört habe, habe Der Krone entsagt. Das Ereignis fei ohne geschicht­lichen Vorgang, denn diese Abdankung sei nicht erzwungen worden, sondern trotz der leiden­schaftlichen Ergebenheit seines Volkes der eigene Wunsch des Souveräns. Es wäre erstaun­lich, wenn ein derartiges, unvorhergesehenes Er­eignis nicht Mißstimmung und Störungen hervor­riefe. Die Stimmung aber, in der Das britische Volk Diese Krise Durchgemacht habe, sei ein hoffnungs­volles Vorzeichen dafür, daß sich aus diesem un­glückseligen Ereignis vielleicht doch noch etwas gutes ergeben werde. Das Blatt äußert Dann Worte Der Bewunderung für Baldwin und schreibt, daß sich kein anderer Ministerpräsident dieser schweren Aufgabe besser hätte entledi­gen können. Es müsse für Den Ministerpräsidenten ein Trost sein zu wissen, Daß er Durch Die Art in Der er Das ganze Probleme behanDelt habe, noch mehr als bisher Das Vertrauen Der Nation d e r D i e n e. Den neuen König erwarte Die Zunei­gung Der Nation in vollem Maße. Auch Der neue König sei für Die Größe Der Aufgabe wohl gerüstet, Denn er besitze viele Eigenschaften feines unvergeß­lichen Vaters. Man könne ihm vertrauen. Die Na­tion müsse sich um ihren König scharen.

Times" meint, was sich in Diesen Tagen in Lon­don abgespielt habe, sei eine erschütternde Tragödie, denn König Eduard habe Die meisten Eigenschaften besessen, die aus ihm einen großen verfassungsmäßi­gen Monarchen gemacht haben würden. Wenn der erste Schock über die Entscheidung König Eduards überwunden fei, werde fraglos seinem Bruder Die überroältigenDe Sympathie Des Volkes gehören. Die Times" spricht ihre Heberzeugung aus, daß sich der neue König feiner Aufgabe hervorragenD entieDigen werde. An der Mitarbeit des Volkes werde es nicht fehlen. Das Blatt versichert Der Königinmutter Mary Die grenzenlose Dankbarkeit und Sympathie weiter Kreise Der Bevölkerung.

Die liberaleNews Chronicle" bemerkt, daß

sich setzte, begrüßte ihn Das Haus mit starkem Beifall.

Oer Führer der Opposition, Attlee, gab feinem tiefen Gefühl für Den König Ausdruck, dessen Abdankung jedermann als einen persön­lichen Verlust empfinde. Kein britischer Monarch sei seinen Untertanen je so willkommen gewesen. Sein Mut und sein Mitleid mit den Leidenden seien besonders zu loben sowie seine Anteilnahme an Den Arbeitslosen und Der Bevölkerung Der not- leiDenDen Gebiete. Der König habe seine Ent- scheiDung getroffen. Es bleibe nichts übrig als sie anzunehmen. Das gesamte Volk wünsche ihm ein langes unD glückliches Leben. Attlee fand sodann einige besonders freundliche Worte für Baldwin. Er verdiene Die besondere Sympathie Des Landes. Das Land habe einen schweren Schlag erhalten, und es werde Zeit brauchen, sich von ihm zu er­holen. Alle würden helfen, um Dem neuen König seine Bürde leicht zu machen, die angesichts Der vielen dringenden Fragen im In- und Auslände nicht leicht fei. Er wünsche ferner, Der Königin- Mutter Mary feine tiefe Anteilnahme über­mitteln zu Dürfen.