Ausgabe 
11.7.1936
 
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begonnen hat, immer Grundsatz gewesen, zu tun, was dem Volksganzen nützt.

rungen dDir hatten den Mut, unsere Arbeit in aller Heim- ferur lichkeit vorzubereiten und dabei anständig zu

ort# bleiben. Es ist leicht, ins Rampenlicht zu treten und Dinge zu behaupten, die man einmal durchfüh- ren wolle und von denen man von vornherein die Undurchführbarkeit kennt. Es ist viel schwieriger, in aller Heimlichkeit oorzubereiten und an die Macht gekommen herauszutrcten und nun anständig zu bleiben, d. h. nun alles durchzuführen, was man vorher versprochen hat.Ich muß bestehen können, auch wenn es die Öffentlichkeit nicht sieht, vor mir, meinem Gott, und meinem Volk."

Der Reichsbauernführer knüpft Gedanken über nationalsozialistisches Führertum an und leitet zur Weihe des Dorfes Riedrode über. Nach dem Ein­setzen des neuen Ortsbauernführers Z ü n n e l gab er ihm und damit dem Dorf den Weihespruch:

haltet lebendig die Irene zu unserem Führer Adolf Hitler: denn ihm verdanken wir alles."

haltet rein euer Blut; denn nur ihm ver­

dankt ihr, daß ihr als Deutsche heute noch durch die Jahrhunderte besteht."

haltet heilig die Scholle! Laßt die Scholle eures Dorfes zu eurem heiligen Land werden." Möge Riedrode in die Jahrtausende bestehen und ewig künden von uns und unserem Wirken. U n - ser Führer, dem wir alles verdanken, durch den wir alles sind, und dem wir immer treu folgen wollen, unser Führer: Sieg-Heil!

Die nationalen Lieder des deutschen Volkes steigen mächtig zum Himmelsbogen empor.

Landesbauernführer Dr. Wagner beruft die neuen Gemeinderäte. Bürgermeister Schwei er dankt dem Reichsbauernführer für sein Kommen und gibt den ersten Beschluß des Gemeinderates bekannt, durch den Reichsminister Darr 6 zum Ehrenbürger von Riedrode ernannt wird. Sichtlich bewegt nimmt dieser die Ehrung entgegen.

Zum Schluß übergibt der Reichsstatthalter von Hessen Gauleiter Sprenger im Namen der Staatsregierung das neue Gemeindehaus als Ge­schenk. Der Weiheakt ist damit beendet.

Die Meldung an den Führer.

Aach dem Weiheakl sandle der Reichsstatthalter von Hessen, Gauleiter Sprenger, folgendes Telegramm an den Führer und Reichskanzler: Mein Führer!

Ich melde die endgültige Aebergabe des Lrbhof- dorfes Riedrode durch die hessische Landesregierung. Die feierliche Dorfweihe ist durch Reichsbauern- führer Darre soeben oorgenommen worden.

heil! Sprenger."

Die Gründungsurkunde.

NSG. Die vom Reichsstatthalter verliehene künst­lerisch und handwerklich gleich hochstehende Grün­

dungsurkunde des Erbhöfedorfes Ried­rode ist als Gemeinschaftsarbeit der Werkstätten der Offenbacher Kunstgewerbeschule entstanden. Das Urkundenblatt ist auf deutschem Kalbpergament geschrieben-, das Futteral in Röh­renform ist in deutschem Schweinsleder von beson­ders schöner Naturnarbung (Haut eines alten Ebers) hergestellt. Das angehängte Hoheitszeichen ist auf Leder geprägt und sitzt in einer ganz schlich­ten Kapsel von oxydiertem Silber, das die Metall­fachklasse lieferte.

Die vom Bürgermeister in Riedrode in erste Amtshandlung verliehene Ehrenbürgerrechtsurkunde ist gleichfalls an der Offenbacher Kunstgewerbe- schule von Studierenden gefertigt.

Eindrücke bei der Besichtigung von Riedrode.

NSG. Der äußere Rahmen des Feiertages über­deckt für den, flüchtigen Beobachter oft die unge­schminkte Erscheinungsform der Vorgänge bei dem Aufbauwerk in Deutschland und den ernsten Hinter­grund. Gehässige Hetzstimmen im Ausland glauben sich hierauf stützen zu können, indem sie vorgeben, all die Feierstunden, die unser Schaffen für das im Nationalsozialismus geeinte Volk unterbrechen und verschönen, sei nur Fassade, hinter der eine wahre Leistung nicht zu finden sei.

Diese Menschen hätten sich leicht von der Unwahr­heit ihrer Behauptungen überzeugen können, soweit sie überhaupt daran glauben, wenn sie bei der Be­sichtigung von Riedrode zugegen gewesen wären. Wie leuchteten da die Augen der deutschen Bauern in wahrer Freude, denen hier ein eigener Hof und eigenes Land übergeben wurden, als H e i m für ihre Familie und als Burg des Friedens für unser Volk.

Dem Sumpf wurde hier der Boden dank des Tatwillens von Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger und seiner Männer entrungen.

26 Erbhöfe von je 30 Morgen Land sind be­kanntlich in einem Landstrich entstanden, der früher dem Ackerbau nicht zugänglich war, einige Stellen für bäuerliche Handwerker sind durch je 15 Morgen zugehörigen Landes frijenfeft ge­macht und weitere 200 Morgen stehen noch als Landesreserve zur Verfügung.

Wir sind nicht nur zur offiziellen Feier gegangen, bei der wir die Bedeutung der Schaffung dieses ersten hessischen Erbhöfedorfes aus dem Mund des Reichsstatthalters Sprenger und des Reichs- Ministers Darre vernahmen. Unser Weg führte uns auch zu den einzelnen neuen Häusern, wo uns stolz das schmucke Heim, die Scheunen, Ställe, Futtersilos und Felder gezeigt wurden.

Junge Menschen haben hier ihr Heim und ihre Schaffensstätte gefunden, die eben erst den Bund für das Leben geschlossen haben, und ältere, deren Arbeitsweg neuen Zielen unter gesteigerter Eigen­verantwortung zugeführt worden ist.

Ueberaö durften wir Freude finden darüber, daß die Sorgen und die Ungewißheit von diesen Aeubauern gewichen ist und daß sie nun aus eigener Kraft sich ihre Zukunft gestalten dürfen.

Was der Schmuck der Straßen und der Häuser uns bereits verkündete, was stolz aus den Worten der Redner bei dem feierlichen Weiheakt geklungen hatte, im ungezwungenen Gespräch mit den Volks­genossen, die in ihre neue Heimat in Riedrode ein­gezogen sind, fanden wir es allerorts bestätigt: Hier hat der Tatwillen und der Wagemut deutscher Menschen durch den Nationalsozialismus die Hilfe gefunden, die es möglich macht, daß

ein neues Geschlecht festverwurzelt mit seinem Boden heranwächst

und bereit ist, in guten Zeiten und in Gefahr seinen Mann zu stehen.

Vauernsest.

NSG. Die glückliche Zusammensetzung der Be­wohner von Riedrode es sind vorwiegend Oberhessen bietet trotz der Neuschaffung dieser Gemeinschaft bereits heute die Grundlage für ein gleiches Denken und F ü h l e n, das Zutiefst wurzelt in Art und Brauchtum des ge­schlossenen Kreises der rhein-mainischen Bevölke­rung. So war denn auch das bäuerliche Fest, das zum Abschluß dieses denkwürdigen Tages in Ried­rode noch viele frohe Stunden brachte, getragen von einer. Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit, wie wir es von allen ungetrübten Feiern im Kreise unseres deutschen Bauerntums kennen. Da saß der Bauer neben dem Städter, der Gruppen­führer neben dem SA.-Mann, der Soldat bei dem Arbeitsdienstler und dem Mann der SS. Da ver­wischte das Gemeinsame alles Trennende. G e - meinsam freuten sich alle über das vollbrachte Werk, das den Anlaß dieses Feiertages gab.

Die Reichstagung des RSLB.

Oie Aufgaben der deutschen Erzieher.

Bayreuth, 10. Juli. (DNB.) Aus allen Him­melsrichtungen strömte schon am Freitagvormittag der Zug der Zehntausende von Erziehern aus ganz Deutschland zur Reichstagung des NSLB. nach Bayreuth. Um 11 Uhr traten die bis dahin eingetroffenen Erzieher vor dem auf der Berg­kuppe hochragenden Flaggenmast an, und unter den Klängen des Horst-Wessel-Liedes stieg die Hakenkreuzflagge über dem Festplatz empor..

Um 17 Uhr empfing der Reichswalter des NSLB. (Bauleiter Wäch tler die Pressebericht­erstatter und Pressereferenten in dem großen neuen Hörsaal des Hauses der Deutschen Erziehung. Bei dem Empfang dankte Gauleiter W ä ch t l e r den anwesenden 150 Schriftleitern und Pressereferenten zunächst für ihr zahlreiches Erscheinen und schilderte dann den Kampf, den der NSLB. seit der Grün­dung in Hof im Jahre 1929 als Stoßtrupp der deutschen Erzieher zu führen hatte und wie aus einer kleinen Schar glaubensstarker Männer in immer stärkerem Umfange die alleinige, umfassende Erzieherorganisation Deutschlands entstanden sei.

Nach ehrenden Gedenkworten für H. Schemm, dem ersten Reichswalter und Begründer des NSLB., erläuterte Gauleiter Wächtler die Aufgaben der deutschen Erzieher. In erster Linie fei eine Erziehungsarbeit an den Erziehern selbst erfor­derlich, um die Gewähr für eine im wahren Sinns nationalsozialistisch erzogene Jugend zu bieten. Um so bedeutsamer sei dabei die Mitarbeit der Presse. Die Tageszeitungen könnten in gleicher Weise wie die 70 Erzieher-Ieitschriften des NSLB. daran Mit­wirken, die innere Bindung zwischen den 325 000 Mitgliedern des NSLB. zu festigen, und auch die Brücke zwischen Erzieherschaft und Elternschaft zu schlagen.

Die Reichstagung des NSLB., so schloß Gauleiter Wächtler, werde drei Kernpunkte enthalten, nämlich das Bewußtsein des Rassegedankens, die Pflege des Wehrgedankens und die Mit­arbeit an der Erhaltung des Friedens, der die Voraussetzung aller systematischen Aufbau­arbeit bilde. Ehre, Freiheit und Friede solle daher die Parole dieser Reichstagung sein.

Or. Steinacher an den RSLB.

Bayreuth, 10.Juli. (DNB.) Der Leiter des Volksbundes für das Deutschtum im Auslande, Dr. Hans S t e i n a ch e r , sandte an Hauptamtsleiter Gauleiter Wächtler folgendes Telegramm:

Zur Tagung des Nationalsozialistischen Lehrer­bundes und zur Weihefeier des Hauses der deutschen Erziehung gedenken wir dankbar des unermüdlichen Einsatzes der deutschen Erzieher für die völkische Schutzarbeit. Wir grüßen Sie als den Führer der geeinten deutschen Erzieherschaft in Verbundenheit zum Dienst am deutschen Volkstum und wünschen der Tagung reichen Erfolg. Möge vom Haus der deutschen Erziehung ein Strom deutschen Geistes­lebens ausgehen in die Welt und in die Grundlagen unseres gesamten Volkstums."

Graf Volpi in Berlin.

Berlin, 10. Juli. (DNB.) Graf Volpi, der Leiter der gewerblichen Wirtschaftsorganisation Ita­liens, ist in Berlin angekommen, um mit den Spitzen öer deutschen Wirtschaftsor­ganisation in Verbindung zu treten. Graf Dolpi und Frau waren Donnerstagabend bei dem Reichswirtschaftsminister, Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht und Frau zu Gast.

Ständiger Leiter

des Reichsberufswettkampfes.

Berlin, 10.3uli. (DNB.> Die R-ichsleiter Dr. Robert Ley und Baldur von Schirach haben den Leiter des Sozialen Amtes irt der Reichsjugend- führung, Obergebietsführer A x m a n n , in Anbe­tracht feiner Verdienste um die Berufswettkämpfe endgültig zum ständigen Leiter desReichs- berufswettkampfes der deutschen Jugend ernannt. Anläßlich dieser Bestätigung sprach Reichs- organifationsleiter Dr. L e y Obergebietsführer Axmann in einem persönlichen Schreiben seinen Dank für die bisher der Deutschen Arbeitsfront ge­leistete Arbeit aus.

Spaniens Vertreter

Ein umstrittener

Madrid, 11. Juli. (DAB.) Der spanische Der- treler in Genf, IHabariaga, Hal am Freitag in Madrid seinen Rücktritt als vülkerbunds- delegierter erklärt.

Der Rücktritt erfolgt, wie sich aus einer schrift­lichen Erklärung Madariagas ergibt, im Zusammen­hang mit einer vor der letzten Genfer Tagung ver­öffentlichten Role über angebliche Vorschläge des spanischen Delegierten zur Völkerbundsre­form. Diese Rote ist jedoch nur das Protokoll über eine Besprechung mehrerer neutraler Staaten ge­wesen, zu dessen Abfassung Madariaga damals be­auftragt worden war. 3m Zusammenhang mit die­sem fälschlicherweise als das Gedankengut des spa­nischen Delegierten ausgelegten Manifest wurden besonders in der spanischen Linkspresse scharfe An­griffe gegen Madariaga gerichtet. Der Außenmini­ster Barcia rückte sofort nach Bekanntwerden der Rote von deren Inhalt ab und erklärte, daß die Regierung von dem Schritt Madariagas nichts gewußt habe. Die hierdurch heroorgerufene Bloß­stellung des spanischen Völkerbundsdelegierten, die auch später durch eine berichtigende Erklärung Bar­cias nicht vollständig beseitigt werden konnte, hat nun seinen Rücktritt zur Folge gehabt.

in Genf tritt zurück.

Reformvorschlag. |

Eisenbahner- und Poststreik in Spanien in Gicht?

Madrid, 10. Juli. (DNB.) Der spanische Mi-, nifterrat beschäftigte sich in einer fünfstündigen Sitzung am Freitag mit der Möglichkeit eines be­vorstehenden Eisenbahner st reiks in ganz Spanien. Wenngleich von feiten der Eisenbahn- arbeiter bisher noch kein Zeitpunkt für die Nieder- legung der Arbeit angekündigt worden ist, so be<- steht doch große Geneigtheit unter ihnen, in den Streik zu treten.

Die Regierung ist, wie verlautet, fest entschlossen, mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln den Streik zu verhindern. Das treibende Element der Streikhetze ist der Anarcho-Syndika­listische Gewerkschaftsverband, dessen Agenten auch die Stillegung des gesamten Fernlast- oerkehrs auf den Landstraßen planen, um einem Eifenbahnerstreik größere Wirksamkeit zu geben. Ferner wird dafür Stimmung gemacht, auch die Post- und Telegraphenarbeiten für die.Niederlegung der Arbeit zu gewinnen. Diel Richtlinien für den Streik sind am Freitag den Eisenbahngesellschaften von den Gewerkschaften^ unterbreitet worden.

Die Amgaven der englischen polilik.

Ein Kommentar der »Times". »Klare Verständigung mit Deutschland."

London, 11. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die Time s" führt in einem Leitartikel die Nie­derlage des R egi e r u n g s k a n d i d a t e n in der Unterhausnachwahl für Derby hauptsächlich darauf zurück, daß die englische Politik in dem abessinischen Konflikt beim Volke den Eindruck der Wankelmütigkeit und U n - beftänbigteit gemacht habe. Die Wählerschaft von Derby habe gezeigt, daß sie es nicht liebe, wenn es der Regierung anscheinend an einer festen Füh­rung fehle.

Das Blatt fügt hinzu, daß die englische Regie­rung immer noch Gelegenheit habe, diesen Eindruck zu verbessern. Die Beschleunigung des A u f- rüstungsprogrammes zeige eine anerken­nenswerte Entschlußkraft. Sie fei aber nur ein Mittel zu dem Zweck, den britischen Einfluß für den Frieden wieder herzustellen. Die Re­gierung müsse ihre Pläne für die Erzielung einer besseren Atmosphäre in Europa deut­lich miteilen und energisch vorwärts dringen. Die öffentliche Meinung sei der Regierung schon lange Zeit voraus in ihrem Entschluß, die Aussichten auf

eine klare Verständigung mit Deutsch­land auszuprobieren. Auch auf anderen Gebie­ten seien unmittelbare Schritte zur Wiederher­stellung des englischen Ansehens notwendig. So müsse in Palästina eine energische P o l i- t i k verfolgt werden, um die Ordnung wiederher- zustellen und das britische Ansehen im nahen Osten und im Mittelmeer neu zu beleben. Auch in den Bemühungen um einen neuen Vertrag mit Aegypten dürfe nicht nachgelassen werden.

Gommerferien

des engliscren Parlaments.

London, 11. Juli. (DNB. Funkspruch.) Wie jetzt feststeht, wird das englische Parlament am 31.1uli in die Sommerferien gehen. Als Zeitpunkt des Wiederzufammentritts ist vorläufig der 2 7. Oktober festgesetzt worden. Vertagung ausdrücklich erklärt werden, daß oeide Wie schon seit einigen Tagen üblich, wird bei der Häuser schon früher einberufen werden können, wenn es die Regierung für notwendig hält.

Um den Milteimeer-Zeistandspakt.

Frankreich zieht sich zurück.England und die andern bleiben dauer'.

London, 10. Juli. (DRB.) Der französi­sche Botschafter in London sprach am Donnerstag im Außenministerium vor und erklärte, daß nach Ansicht der französischen Regie­rung die Garantieverpflichtungen Itn RNttelmeer z u bestehen auf gehört hätten.

Hierzu berichtet der diplomatische Berichterstatter von Reuter, daß diese Frage bereits vor Wochen in den Besprechungen zwischen der englischen und der französischen Regierung klargestellt worden sei, und zwar, als man über die Aushebung der Sank­tionen verhandelt habe. Es habe sich somit bei dem gestrigen Besuch des französischen Botschafters keineswegs um einen neuen Schritt gehandelt. Der französische Standpunkt sei einfach der, daß die rechtliche Grundlage für das Fortbe­stehen der Vereinbarungen auf gegenseitigen Bei­stand nicht mehr vorhanden sei, da diese Abreden ausdrücklich getroffen worden seien, um Länder zu schützen, die die Sanktionen gemäß Artikel 16 der Dölkerbundsfatzungen anwendeten. Nachdem die Sanktionen abgeschaftt seien, fehle also die recht- diche Grundlage. Diese Auffassung werde durch den Text des Artikels 16 Absatz 3 der Völkerbunds­satzungen gestützt.

Die Stellung der britischen Regierung zu der Frage, ob der sogenannte provisorische INittelmeerpakt für Großbritannien noch gilt, ist erneut dahin festgelegt worden, daß nach englischer Ansicht diese Garantien

bestehen geblieben sind, insoweit sie Großbritannien, Griechenland, die Türkei und Jugoslawien betreffen. Die Zusicherung gegen­seitigen Beistandes wird demnach zwischen diesen vier Ländern weiterhinvorläufig" als gültig angesehen und durch das von Frankreich ausgesprochene Erlöschen seiner Beistandsver- pflichlung nicht berührt.

Diese Tatsache wird vom diplomatischen Mit­arbeiter von Reuter, wie auch von Preß Association ausdrücklich b e ft ä t i g t. Der diplomatische Reuter- Korrespondent weist darauf hin, daß nach Ansicht der britischen Regierung die Zeit der Ungewiß­heit, die nach Aufhebung der Sanktionen folgen müsse, noch nicht beendet sei, und daß daher auch die Abmachungen auf aegenfeitigen Beistand gemäß Art. 16 Abs. 3 zwischen Großbritannien, Griechenland, der Türkei und Jugoslawien fort­dauern. Die Verlängerung der Zusicherungen sei zwischen Eden und den Vertretern der betroffe­nen Mittelmeerländer in Genf ausdrücklich be sprachen worden. Die Vertreter dieser Länder hätten dabei erklärt, daß sie diese Abmachungen weiter bestehen zu lassen wünschten. Es heißt zwar richtig, daß sich die Lage durch den Beschluß auf Zurückziehung der Flottenverstärkungen aus dem Mittelmeer geändert habe. Es sei jedoch nicht klar, ob die britische Regierung den Zeitabschnitt der , Ungewißheit auch noch nach Abschluß der Zurück­ziehung der Flottenverstärkungen als vorhanden

I ansehen werde.

England für ein Kompromiß in Monlrenx.

Oie Franzosen als Steigbügelhalter der Sowjets.

Montreux, 10. Juli. (DNB.) Der englische De­legierte Lord Stanley hatte am Freitag eine Un­terredung mit Paul-Boncour. In dieser Unter­redung brachte Lord Stanley, wie verlautet, zum Ausdruck, daß die brirtische Regierung sich der Be­deutung des sowjetrussischen Zusatzantrages über die Erfüllung der Völkerbundsverpflichtungen durchaus bewußt fei und sich bemühen werde, ein K o m p r o - m i ß zwischen den verschiedenen Auffassungen zu finden. In Konferenzkreifen sieht man in dieser Kompromißbereitschaft der Engländer eine Folge der nachdrücklichen Unterstützung, die Frankreich dem sowjetrussischen Standpunkt in der Durchfahrtsfrage angedeihen ließ, und die auf eng­lischer Seite den Wunsch erstehen ließ, eine wei­tere Zuspitzung der Konferenzlaae zu vermeiden. Man glaubt, daß dieser Umschwung in der englischen Haltung vor allem durch die Be­fürchtungen veranlaßt worden sei, daß die Mit­glieder der Balkanentente dem französischen Beispiel folgen und die mit England geschlossenen Hilfeleistungsabkommen gleichfalls kündigen könnten.

Italien hat keine Eile.

Rom, 10. Juli. (DNB.) In zuständigen ita­lienischen Kreisen wird die Ankündigung des Rückzuges der englischen Flotten- oerftärfungen aus dem Mittelmeer auch wei­terhin als ein günstiges Anzeichen für eine Ent­spannung begrüßt. Hingegen werden alle Ver­mutungen in der ausländischen Presse über die weitere Entwickelung unb über unmittelbar bevor­

stehende Entscheidungen Italiens als verfrüht bezeichnet.

Die Möglichkeit einer Teilnahme Italiens an der Dardanellen-Konferenz und an den geplanten Locarno-Besprechungen werde zur Zeit von der italienischen Regierung geprüft, doch war, wie in zuständigen Kreisen versichert wird, am Freitagabend noch keine Entschei­dung gefallen. Diese Entscheidung hänge, wie weiter betont wird, von der tatsächlichen Zurückziehung der englischen Flottenverstär- tungen und von der U n g ü 11 i g e r f l ä r u n g der von England im Mittelmeer getroffenen Flot­tenabmachungen ab. Man hofft, daß solche Erklärungen in den nächsten Tagen auch sei^ t e n s der kleineren beteiligten^ OT i t Ä telmeerlänber erfolgen werden, wolle aber" im übrigen aus der bis jetzt strikt beobachteten Zurückhaltung nicht heraustreten. Auch in bemg auf die an Rom gerichtete Einladung zur Teil­nahme an den Brüsseler Besprechungen der Lo­carnomächte und auf die Antwort Italiens, die zwar nicht mehr lange auf sich warten lassen werde, wird bei maßgebenden italienischen Stellen größtes Stillschweigen gewahrt.

England hebt die Sanktionen auf.

L o n d o n, 10. Juli. König Eduard VIII. unter! zeichnete am Freitag im Buckingham-Palast eine,' Verordnung, wonach die gegen Italien verhängtes S a n k t i o n s m a h n a h m e n mit dem 10. Jul) aufgehoben werden.