Ausgabe 
11.7.1936
 
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Neuer französischer Vüstungskredit.

Paris, 10. Juli. (DNB.) Die K a m m e r hat im

über die Eröffnung eines neuen Kredites für

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Furcht vor der Mennig Frankreichs

Paris nach der Aufkündigung des Mittelmeerabkommens.

Die deutschen Chemiker, die in München zu ihrem diesjährigen großen Reichstreffen versammelt sind, haben einen neuenBaum" entwickelt, der streng genommen allerdings nur auf dem Papier steht, dessen Zweige aber lebendige Wirklichkeit gewor­den sind in dem großen Kampf, den die Chemie heute um die

Versorgung unseres Landes mit Rohstoffen führt. Zu dem bekanntenT e e r b a u m", der die Entstehung der zahlreichen chemischen Erzeugnisse, die heute aus dem Teer unserer heimischen Stein­kohle gewonnen werden, versinnbildlicht, ist jetzt der sogenannteA c e t y l e n b a u m" hinzugekommen. Das Acetylen kennt jeder, der seine Fahrradlaterne einmal mit Karbid betrieben hat als jenes Gas, das sich bei der Einwirkung von Wasser auf das Kar­bid bildet und das mit weißglühender Flamme brennt. Dieses Acetylengas hat heute in zweifacher Beziehung besondere Bedeutung gewonnen. Ein­mal weil es

aus rein heimischen Rohstoffen

gewonnen wird; denn Karbid läßt sich aus heimi­scher Kohle und heimischem Kalk mit heimischer elektrischer Energie' Herstellen. Zweitens aber besitzt das Acetylen die Fähigkeit zu vielfältigen chemi­schen Umsetzungen. Es ist daher wie kaum ein anderer Stoff geeignet, den A u s g a n g s st o f f für die chemische Synthese neuer Stoffe zu bilden.

ferner zu befürchten, daß die englischen Gegner der französischen Politik die Gelegenheit be­nutzen würden, um gelegentlich der Brüsse­ler Konferenz ein verhältnismäßig unab­hängiges Vorgehen vorzuschlagen.

Wenn diese Ratschläge angenommen würden und wenn Eden, der an sich eine Zusammenarbeit mit Frankreich wünsche, sich ihnen beugen müßte, so würde es besser sein, die Zusammenkunft der Locarnomächte auf unbestimmte Zeit zu vertagen.

Die außenpolitische Mitarbeiterin desOeuvre" wirft der französischen Regierung ebenfalls vor, etwas übereilt gehandelt zu haben, nur um gegenüber Italien eine freundliche Geste zu machen. Die französische Regierung laufe jedoch Ge­fahr, sich nie mehr aus einem späteren Mittelmeer­pakt auszuscheiden, während wahrscheinlich England und die Türkei die Pfeiler eines solchen Paktes sein würden.

DasJournal" ist nach wie vor optimistisch. Man brauche nur danüber nachzudenken, so schreibt das Blatt, was geschehen wäre, wenn die zweideu­tige Lage fortbestanden hätte.

Frankreich wäre dann Gefahr gelaufen, aller

Vorteile aus dem römischen Abkommen ver­lustig zu gehen. Diese Abkommen garantierten aber die französische Sicherheit in den Alpen und erlaubten es Frankreich, feine ganzen Au- stregungen auf die Ostgrenze zu richten.

Sie garantierten ferner die Ruhe in Tunis und sicherten die französische Stellung in Dschibuti.

nie.

iprudj.) Wie arlament 'ien gehen, nentritts W worden, i, daß veide wird bei der den können, . hält.

für das System der kollektiven Sicherheit entschieden hätten. Dann richtete Cot gegen de Kerillis den Vorwurf, daß er diese Angelegenheit vor die Kam­mer gebracht habe, ohne sich um die Rückwirkungen auf das Ausland zu kümmern. Derartige Ausein­andersetzungen in der Kammer könnten den Ein­druck im Ausland erwecken, daß ein Militär­bündnis zwischen Frankreich und Sowjetrußland bestände. Ein derartiges Bündnis fei aber nicht vorhanden.

C o t stellte dann einen Vertrauensantrag gegen die Anfrage des Abgeordneten de Kerillis, worauf die Kammer mit 403 gegen 162 Stimmen der Regierung ihr Vertrauen aussprach.

*

DasE ch o de Paris" nimmt zu den Erklä­rungen des französischen Luftfahrtministers Pierre C o t in der Kammer Stellung. Das Blatt richtet ungemein scharfe Angriffe gegen den Luftfahrt­minister, dessen Rücktritt es fordert. Weder der Ober st e Kriegsrat, noch der O b e r st e Rat der Militärluftfahrt, so schreibt das Blatt, seien vorher um ihre Meinung befragt worden.

Neustoffe aus Kohle und Kalk

Meisterleistungen der deutschen Chemie.

die nationale Verteidigung in Höhe von 500 Millionen Franks angenommen.

Italienische Journalisten verlaffen die (Schweiz.

Bern, 10. Juli. (DNB.) Der Bundesrat stellte fest, daß die acht italienischen Jour­nal i st e n , die kürzlich den Zwischenfall in der Völkerbundsoersammlung verursacht haben, und des­halb mit Polizeigewalt aus dem Sitzungssaal ent­fernt werden mußten, die Schweiz nach ihrer Freilassung verlassen haben. Damit kann der Zwischenfall in der Hauptsache als erledigt betrachtet werden. Den in Frage stehenden Journalisten ist die Rückkehr nach der Schweiz untersagt wor­den, bis sich die Völkerbundsinstanzen über ihre weitere Zulassung in die Räumlichkeiten des Völker­bundes ausgesprochen haben.

Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement wird beauftragt, im Benehmen mit dem Politischen Departement allgemein die Beziehungen der Bun­desbehörden zum Völkerbund in Bezug auf die Wahrung des Hausrechtes im Völkerbundsgebäude näher zu prüfen und darüber zu berichten.

triebe mit 380 gegen 180 Stimmen auf einen späteren Zeitraum vertagt.

Zum Antrag des Rechtsabgeordneten beKeril- l i s wegen der geplanten Ueberlasiung der Pläne der neuen französischen Flugzeugka­none 23 an die Sowjetunion wünschte der Luftfahrtminister Pierre C o t im Namen der Re­gierung die sofortige Aussprache. De Kerillis erklärte darauf, daß er keine politische, sondern le­diglich eine technische Aussprache gewünscht habe, und verwahrte sich gegen den Vorwurf, daß er die zwischen Frankreich und Sowjetruhland bestehenden Geheimabkommen aufgedeckt habe. (Cot rief dazwischen:Es bestehen gar keine!") Er wies dann darauf hin, daß

ständig sowjekrufsifche Kommissionen nach Frankreich kämen

und forderte zum Schluß seiner Ausführungen, daß der Luftfahrtausschuß der Kammer mit der Unter­suchung seines Antrags betraut werden möge.

Anschließend ergriff Luftfahrtminister Perre C o t

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Paris, 11. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der Optimismus, der in einem großen Teil der Pariser Presse im Zusammenhang mit der Aufkündi­gung des englisch-französischen Mit­te lmerabfo m m ens durch Frankreich zum Ausdruck gekommen war, hat jetzt einer sehr viel zurückhaltenderen Beurteilung Platz gemacht. Während einige Blätter, wie beispielsweise das Journal", nach wie vor der Ansicht sind, daß nun­mehr der Weg für eine englisch-französisch-italie­nische Zusammenarbeit vorbereitet sei, befürchten andere, wie dasEcho de Paris" und dasOeuvre", daß

durch den französischen Schrill gerade das

Gegenteil von dem erreicht werde, was be­zweckt worden fei, nämlich eine Isolierung

Frankreichs.

Der Außenpolitiker desEcho de Pari s" weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die französische Regierung das Mittelmeerabkommen in dem Gedanken gekündigt habe, auch die englische Regierung werde in allernächster Zeit die entspre­chenden Abkommen mit der Türkei, Jugoslawien und Griechenland aufgeben. Diese Hoffnung habe sich aber nicht erfüllt, sondern London wünsche im Ge­genteil, dieses Abkommen als den Kern des von ihm angestrebten Mittelmeerpaktes beizubehalten.

Ls fei daher zu befürchten, daß England feine Stellung im Mittelmeer ausbaue, ohne daß die Zusammenarbeit mit Frankreich dadurch den Platz einnehme, den man erhofft habe. Es fei

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Wiederher- wendig. So che PoIj. wiederher« m nahen !

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Antrag

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habe, gerade dem Ziel zuwider, das man sich gesteckt habe. Anstatt aufzubauen, habe man gerftört, und jetzt heiße es wieder zusammen- gufüden. Die Frage sei nur, ob dies ebenso leicht sei.

DieRöpublique" weist auf die Tätigkeit Les marxistischen Gewerkschaftsver- Landes hin und die Beunruhigung, die darüber n Reg^rungskreisen bestehe. Während die Politi- ler bemüht gewesen seien, auf ideellem und mate­riellem Wege die Verteidigung der demokratischen Freiheit und die Reformen vorzubereiten, die ge­eignet seien, das Land von den Uebergriffen des Kapitalismus zu befreien, habe sich eine mächtige Bewegung durchgesetzt und aufgedrängt, die an Bedeutung das Werk der Politiker übertreffe.

heraus ergebe sich die geheime Beunruhi­gung der Regierung gegenüber den Wirren in den Fabriken. Ls gebe heute nicht nur die aus den Wahlen hervorgegangene Volksfront, son­dern in erster Linie die gewerkschaftliche Be­wegung, der gegenüber die politische Bewe­gung der Linken zu verblassen scheine. Der Gewerkschaftsführer Leon I o u h a u x, der ge­stern bat, könne heute fordern.

Man werde eines Tages vor einer Gewerkschafts­bewegung stehen, die sich nicht darauf beschränken werbe, Reformen zu fordern, sondern die für sich ie Ehre in Anspruch nimmt, die wirtschaftliche Struktur umzuformen. Nur die Unwissenden wür­den dann überrascht sein.

,Wieder lebhafte Unzufriedenheit,

Paris, 11. Juli. (DNB.) Funkspruch.) Der sog. Ausschuß der Linken veröffentlicht eine lange Erklärung, in der er zunächst die Ausführungen des Innenministers über das zukünftige Vorgehen gegen ' ie Besetzung von Betrieben durch Streikende billigt nd die Arbeiter auffordert, nichts zu un- isrnehmen, was zur Ergreifung von Zwangs- naßnahmen durch die Regierung führen könnte, gleichzeitig fordert der Ausschuß die Regierung auf, uch die Arbeitgeber an die Verpflichtungen n erinnern, die sie durch die Unterzeichnung des Abkommens im Ministerpräsidium durch Arbettneh- ~ier und Arbeitgeber übernommen haben. Da in gewissen Betrieben bereits wieder lebhafte Unzufriedenheit herrscht, weil sich die Ar- eiter angeblich nicht an diese Verpflichtungen ge­halten haben, findet im Laufe des heutigen Sams- ngs unter dem Vorsitz des Innenministers eine Lesprechung zwischen den Vertretern beider Par­sten statt.

Kommunistischer Parteitag in Paris.

Frankreichs Rüstung und die Sowjets

Um die Pläne der französischen Flugzeugkanone 23.

:s h-ißt Sw« Beschluß aul , ien aus dm )d) nicht klar,; tabschmtt der ! , der Zuruck' ; ls vorhanden

Paris, 11. Juli. (DNB.) Der kleine Parteitag inet französischen Kommunistischen 18 artet, der mit dem großen Parteitag zweijähr- hch abwechselnd stattfindet, ist in Paris zusammen- petreten. Die Rede des kommunisttschen Abgeordne- jjn Thorez in der ersten Sitzung war vor allem ein Bekenntnis zur Volksfront.

2San dürfe, so erklärte er, die Zukunft der Volksfront nicht durch allzu schnelles Vorwärts- stüemen in Frage stellen. Wenn die Kommu­nisten von der Uebernahme von Ministerposten für sich abgesehen hätten, so sei das geschehen, um in Frankreich keine Bestürzung hervorzu­rufen.

Nichtsdestoweniger würden die Kommunisten die Regierung mit größter Loyalität unterstützen.

Lhiappe kandiinett erneut.

Paris, 11. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der srü- hrre Pariser Polizeipräfekt C h i a p p e, dessen Wahl zum Abgeordneten von der Kammer für um kultig erklärt worden war, hat jetzt endgültig feine ji a nbibatur in einemPariserStadtbe- zir k aufgestellt. Der Wahlausschuß dieses Bezirks hat die Kandidatur angenommen, so daß Chiappe runmehr versuchen wird, den durch den Tod des ehemaligen Finanzministers und Abgeordneten d e !-asteyri freigewordenen Platz in der Kammer emzunehmen.

Zusammenstöße in Avignon.

-Streikende gehen gegen Kaufleute vor.

'Paris, 11. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der Matin" und einige andere Blätter veröffentlichen cassührliche Berichte über die Zusammen- Wße, die sich in Avignon zwischen Strei- kinden und Kaufleuten ereignet haben, ^mnad) hatten die Streikenden versucht, d i e mufleute zum Schließen ihrer Ge- lchäfte zu veranlassen. Bei diesen Zu- simmenstößen, die sich vor allem bei einem Um« i-jg der Kaufleute abspielten, die gegen das Bor- Wen der Streikenden proteftierten, wurde ein Schaufenster geplündert.

iDie Kommuni st ische Partei scheint, wie weiter berichtet wird, durch diese Zwischenfälle einigermaßen beunruhigt zu sein, denn sie ^röffentlicht eine Erklärung, in der sie das Vor- c'Öen der Streikenden verurteilt. Sie fordert ihre Anhänger auf, dafür zu sorgen, daß Iw derartige Fälle nicht widerholen, daß sie nur

tischen Tiit- \ Association ische Reuter- : nach Ansicht \ Ingewiß- lionen folgen nb bah daher igen Mond rofcbritonnien, islawien fort;» cherungen ei der betrog sdrücklich de ieser Länder Abmachungen

dazu beitragen würden, eine Spaltung zwi­schen dem Mittelstand und der Arbei­terklasse herbeizuführen. Die Einigkeit dieser beiden Klassen habe erst den Sieg der Volksfront ermöglicht.

Erhöhung der Metallpreise.

Paris, 11. Juli. (DNB. Funkspruch.) Wie Joumöe Industrielle" mitteilt, hat die franzö­sische Metallindustrie beschlossen, ihre Preise aus dem innerfranzösischen Markt um 12 bis 13 v. H zu erhöhen. Diese Preis­erhöhung soll im engen Zusammenhang mit der Angleichung der Löhne und der Erhöhung der Kohlenpreise stehen. Sie trage jedoch noch nicht der Einführung der 40-Stunden-Woche Rech­nung, da diese erst ab 1. August der Fall sein werde.

Praktisch stellt das Acetylen heute schon wie der Teer den Stamm eines weitverzweigtenBaumes" dar, der bereits über 150 verschiedene Früchte trägt.

Wie Dr. O. N i c o d e m u s in einem Hauptvor­trag des Reichstreffens ausführte, wird heute schon ein Fünftel des insgesamt in Deutschland erzeug­ten Karbids (600 000 Tonnen) für chemische Synthesen verwendet. Einer der wichtigsten Stoffe, die man dabei gewinnt, ist die Essigsäure, die jährlich in einer Menge von 35 000 Tonnen in Deutschland hergestellt wird, und $roar zu über 80 Prozent aus Acetylen. Aus der Essigsäure wiederum gewinnt man Lösungsmittel für die Lack- und Far­benindustrie, aber auch für die Film-, Leder-, Druck­farbenindustrie und andere Zweige. Auch die un­brennbaren Lacke, die hochwertigen Kunstseiden­sorten (Acetatseide) und gewisse Kunstpreßmassen verdanken der Essigsäure ihre Entwicklung.

Neuerdings hat nun die noch junge Chemie des Acetylens stch

eine Reihe ganz neuer Möglichkeiten erschließen können. Man hat nämlich erkannt, daß Abkömmlinge des Acetylens, die eine ganz be» stimmte Atomgruppierung aufweisen, sich leicht zu großen Molekülverbindungen zusammenlagern. Diese Borgänge sind denen ähnlich, die sich in der Natur abspielen, in der überall der Grundsatz vorherrscht, aus einfachen Bausteinen großmolekulare Verbin-

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Las Werk des sozialen Fortschritts, das man wahr- . -------------......... v.....

fcheinlich unter dem Druck der Ereignisse begonnen Verlaufe ihrer Freitagssitzung einen Gesetzentwurf

Paris, 10. Juli. (DNB.) Im Verlauf der I das Wort. Es handele sich darum, zu wissen, so Kammeraussprache am Freitag, in der der s führte er aus, ob Frankreich bei Sowjetrußland Zeitpunkt der Behandlung verschiedener Anträge den Grundsatz der technischen Zusammenarbeit an- oon Abgeordneten behandelt wurde, wurde zunächst wenden wolle ober nicht. Er sei entschlossen, diefen ein Antrag des Bürgermeisters von Reims und Grundsatz bei allen Ländern anzuwenden, die sich Vorsitzenden der Bürgermeister Frankreichs, Mar- ........

chandeau, wegen der Besetzung der Be-

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Radikalsozialistischer Borstoß gegen die Regierung Blum.

Scharfe Preffekriiik an der Volksfront-Regierung.Anstatt aufzubauen habe man zerstört."

Paris, 11. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die R a - dikalsozialisten scheinen von den bisherigen Ergebnissen der Volksfront-Regierung immer weniger begeistert zu sein. Die beiden ra­dikalsozialistischen Parteiorgane, dieEreNou- o e l l e" und dieR e p u b l i g u e", bringen dies am Samstag erneut zum Ausdruck.

Besonders scharf nimmt dieE r e Nouoelle", das Blatt Herriots, gegen die sozialen Maßnahmen der Regierung Stellung. Die Re- igierung, so schreibt das Blatt, habe erklärt, mit der Wiederbelebung der Wirtschaft beginnen zu wollen, um sowohl die Lage des Haushalts, als auch die iber Arbeiter zu bessern. Die ersten Maßnahmen, die Isie ergriffen hätten, brächten aber

die Wirtschaft in Gefahr und bedrohten sowohl die öffentlichen Finanzen, als auch das Schick­sal der Arbeiterklasse, der kleinen Arbeitgeber und Erzeuger und ebenso das der kleinen

Kaufleute.

Als unausbleibliche Folge dieser Maßnahmen laufe

düngen aufzubauen, die uns allenthalben bei Pflanze und Tier als Hauptaufbaubestandteile be­gegnen z. B. als Eiweiß, als Cellulose, usw. Es ist nun deutschen Chemikern gelungen, aus Acetylen­abkömmlingen auf diesem Wege technisch

eine Fülle der verschiedensten Kunststoffe zu gewinnen, und zwar was noch wichtiger ist so, daß man die Eigenschaften dieser Stoffe, ihre Härte, ihre Dehnbarkeit, ihre Festigkeit, ihre Kälte- und Wärmebeständigkeit, ihren Wasser- und Säurewiderstand, ihre Lichtechtheit und elektrische Isolierfähigkeit durch entsprechende Gestaltung der Gewinnungsverfahren und Wahl der Ausgangs­stoffe

nach Wunsch und Willen beeinflussen und ver­ändern kann.

Man benutzt solche Stoffe heute als Tränkmittel für Mäntel und Zeltbahnen, als Kabelschutzmassen, als Isolierstoffe, insbesondere für Radioapparate, als künstliche Wachse, als Holzersatz, als Preßstoffe in Form von Knöpfen, Kämmen, Dosen usw., als unbrennbare Anstrichlacke für Fahrzeuge und Flug­zeuge, als Klebstoffe für Holzfurniere und endlich als sog.organische Gläser". Gerade diese Gläser sind besonders bemerkenswert; es sind völlig klar durchsichtige Massen, die man in jeder be­liebigen Form Herstellen kann und die voll­kommen unzerbrechlich sind. Ihre Härte ist zwar etwas geringer als die des Glases, aber ausreichend, um das Material auch für op­tische Zwecke zu verwenden. Brillen aus orga­nischem Glas, die 21/2 Jahre lang getragen wurden, sind heute noch vollkommen in Ordnung. Dabei wiegt das organische Glas weniger als die Hälfte des normalen Silikatglases. Das ist vor allem für Flugzeuge wichtig, wo man bei größeren Maschinen durch die Verwendung organischer Gläser zur Ver­glasung Gewichtsersparnisse von 30 Kilogramm er­zielen kann, die im Luftpostdienst einen Mehrtrans­port von etwa 51/? Tausend Leichtbriefen zu je fünf Gramm möglich macht.

Der wichtigste und bemerkenswerteste aus dem Acetylen gewinnbare Kunststoff ist aber der

künstliche Kautschuk.

Gerade auf diesem Gebiet ist von deutschen Che­mikern eine gewaltige und gründliche Arbeit ge­leistet worden, die erst in späteren Zeiten richtig gewürdigt werden kann. Wir haben heute vier ver­schiedene Kunstkautschuksorten in Deutschland zur Verfügung, die sich durch ganz verschiedene Merk- male wie Wärmebeständigkeit, Oelfestigkeit, Ab­reibefestigkeit usw. auszeichnen. Man begnügt sich aber nicht mit diesen Erfolgen, sondern wird die Ar­beiten sowohl in der Richtung auf eine Verbilligung der Herstellung, wie auch auf eine weitere Hochzüch­tung besonderer Eigenschaften des synthetischen Kautschuks auf das angestrengteste und mit großen Mitteln weiterführen.

Sie Koblenzer Prozesse

Koblenz, 10. Juli. (DNB.) Im Prozeß gegen die Franziskanerbrüder hatte sich am Freitag der frühere Bruder T a r c i f i u s zu ver­antworten. Das Gericht verurteilte ihn zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis. Bru­der Tareisius hatte in Waldbreitbach zunächst mit dem Bruder Emanuel Unzucht getrieben und kam später auch mit den Brüdern Linus, Gaudentius, Novatus und sogar mit zwei schwachsinnigen Zög­lingen zusammen. In seiner Vernehmung erklärte er, daß ihm das Treiben im Kloster zuwider war und er alles daran setzte, aus der Genossenschaft ausscheiden zu können. Er sei seinerzeit über die Verfehlungen so zerknirscht gewesen, daß er sie den Oberen Camillus und Pankratus mitteilte. Das einzige, was sie auf die Anklage zu sagen wußten, war die unglaubliche und kaum denkbare Entgeg­nung:Das ist ja alles nicht so schlimm, das kommt öfters vor". (!) Außerdem sagte man ihm, daß er nicht austreten könne, weil er ja die ewigen Ge­lübde abgelegt habe. 1932 gelang es ihm bann aber trotzdem, aus der Genossenschaft zu scheiden. Nach­dem er Arbeit gefunden hatte, freundete er sich mit einem Mädchen an, das er auch heiratete. Eine Woche nach seiner Hochzeit wurde er verhaftet. Der Angeklagte gab die von dem Zeugen geschilderten Verfehlungen zu. Der Staatsanwalt beantragte zwei Jahre Zuchthaus. Es kam bann zu dem oben erwähnten Urteil.

12 Todesopfer.

Rom, 10. Juli. (DNB.) Bei dem Ueberfall auf die italienische Fliegermission in Lekemti sind, wie die Agenzia Stefani meldet, ins» gesamt zwölf Angehörige der italienischen Luftwaffe umsßeben gekommen. Außerdem wur­den zwei Eingeborenendolmetscher getötet.

Fortschritte in den englisch-ägyptischen Verhandlungen.

Kairo, 11. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die Blätter berichten, daß ein gemischter Ausschuß die Ausarbeitung der bisherigen Ergebnisse beendete, die in den Verhandlungen zwischen England und Aegypten über die militärischen Fra­gen erzielt werden konnten. Der ausgearbeitete Text wird am Samstag von einer englischen und einer ägyptischen Abordnung geprüft werden. Falls der Text von beiden Seiten gebilligt werden sollte, kann man mit einem schnellen Fortschreiten der weiteren Vorverhandlungen in Kairo rechnen.

D rmstung führender Kommunisten in Rio de Janeiro.

Rio b e Janeiro, 10. Juli. (DNB.) Die Po- lizeibehörben von Rio be Janeiro verhafte- t e n in ber Nacht zum Freitag ben Vertreter des südamerikanischen Büros der Komintern bei der Kommunistischen Partei Brasiliens Jos6 Lago Molares, der als Nachfolger des berüchtigten Kommunisten Ewert die Aufgabe hatte, die bra­silianischen Kommunisten für ben bolschewistischen Aufstcmb auszubilben. Ferner würbe ber Sekretär bes Politischen Büros ber Kommunistischen Partei Brasiliens Roberto M o r e n a verhaftet,

Hauptschriftleiter Dr. Frlebrich Wilhelm Lange. Stellvertr. Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Ver­antwortlich für Politik unb für bie Silber i. V.: Ernst Blumschein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für ben übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. D. A. VI. 36: 9400. Druck unb Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.