Achtung! Ettern und Erzieher herhören!
Nachdruck verboten!
35 Fortsetzung.
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Gloria-Palast, Selterswe> recht" — ■
der Starke".
alast, Seltersweg: „Um das Menschen- Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „August
Oie Tippgräfin.
Vornan von Klothilde v. Stegmann.
Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Derlag, Berlin, SW 68.
~ Seife 15u.25Pfg
Gesunde Haut
der provlnzialhauptstadt
Ostern.
n Propst Knodt, Gießen
Ach, wie unsagbar schwer war alles zu tragen, wenn man so mutterseelenallein auf der Welt stand, wie sie selbst!
„Nummer 138 möchte sofort zu der Frau Direktor kommen! Ich soll Sie gleich mitbringen/
Die Sekretärin der Gefängnisleiterin sollte — ohne weitere Aufsicht — eine Gefangene durch das Gebäude transportieren? Wahrhaftig, ein seltener Fall! ri
Klopfenden Herzens trat Mariella vor bte strenge, aber gütige Frau, die auf ihrem schweren Posten niemals die Menschlichkeit außer acht ließ. Mit freundlichem Lächeln sah ihr die Vorgesetzte entgegen und ging auf Mariella zu.
„Sie sind frei, Prinzessin, und ich freue mich die erste zu sein, die Sie beglückwünschen darf , sagte sie warm. „Ihr mutiges Eintreten für Nummer 15 hat Ihnen die Freiheit gebracht. Ich gratuliere Ihnen herzlich, Prinzessin! Nun fängt das neue Leben an. Wenn Sie fe meiner Hilfe dabei bedürfen — ich werde immer für Sie da sein."
Mariella beugte sich tief über die gütige Hand und zog sie an ihre Lippen. Da umfaßte die altere Frau sie liebevoll und sagte:
„Nun Kops hoch, Kind! Wir kennen die Menschen besser, als Sie denken. Und von Ihnen weiß ich, daß Sie im tiefsten Grunde nicht so schuldig sind, wie das Gesetz annehmen mußte. Nun kommen Sie einmal mit. Da drin ist eine lieber» raschung für Sie."
Lächelnd öffnete sie die Tür zum Nebenzimmer.
Das erste, was Mariella sah und hörte, war ein gewaltiger Schäferhund, der sie in seiner Freude umzuwerfen drohte und bellte, daß das Haus dröhnte. Dann erst — nach der stürmischen Begrüßung durch Jago — fiel ihr Lore um den Hals und herzte und küßte die Freundin, als wollte sie sie nie wieder loslassen.
„Rasch umgezogen!" kommandierte sie, um ihrer Rührung Herr zu werden. „Und dann los! Halt! Ehe ich es vergesse!" rief sie lachend, und übergab Mariella einen großen Karton. „Der Inhalt dieser Kiste wird übergestreift! Rechts um kehrt! Marsch! — In einer halben Stunde bist du wieder hier unten!"
Ganz so rasch ging es nun doch nicht. Denn Nummer hundertachtunddreihig hatte noch um die Erlaubnis gebeten, sich von einigen ihrer Mitgefangenen verabschieden zu dürfen, darunter auch von Hilde Zischke. Die hielt sie am längsten zurück.
„Willst du mir denn auch jetzt beim Abschied nicht sagen, wie du heißt?" schluchzte sie. „Aber wahrscheinlich bist du 'ne ganz Feine, die sich hinterher schämt, einer Person, wie mir, das Leben gerettet zu Hafen, und die froh ist, wenn sie mit einer, die im Gefängnis gesessen hat, nichts mehr zu tun haben braucht!"
„Du törichtes Ding!" Mariella mußte lachen. „Habe ich nicht ebenso gesessen wie du? Also ich bin Mariella di Bonaglia, und du erreichst mich immer durch meinen Verteidiger, Doktor Hart...
„Allmächtiger Gott! Die italienische Prinzessin! — Dann fließt also jetzt fürstliches Blut in meinen Adern! O Gott!"
Hilde Zischke war ganz fassungslos.
„Also bist du die zweite Blutsschwester, die ick besitze, Hilde!" erwiderte Mariella ernst. „Und ich möchte gern mit dir in Verbindung bleiben, wenn du wieder frei bist. Wir sind alle nur Menschen vor Gott. So ist es sehr töricht von dir, Unterschiede zu machen. Ich werde mich immer freuen, non dir zu hören, Hilde. Soll ich einmal deine Mutter aufiuchen und deinetwegen mit ihr sprechen?"
„Ach, wenn du das tun wolltest, Mariella!" sagte Hilde Zischke gerührt. Und als Mariella sich endlich von ihr verabschiedet hatte, dachte sie bei sich: sie ist wirklich gut wie ein Engel!
„Was möchtest du jetzt beginnen, Liebes?" fragte Lore, als Mariella umgekleidet neben ihr im Auto saß und das große rote Haus der Trauer nunmehr hinter ihnen verschwunden war.
Lore musterte die Freundin verstohlen. Wie un- endlich zart und durchgeistigt Mariella aussah! Aber dadurch vielleicht noch viel schöner. Das helle, lindenfarbene Seidenkleidchen mit dem kleinen Fichu aus Spitzen, den halben Aermeln, paßte so gut zu ihrer hauchzarten Erscheinung. Unter dem kleinen Seidenkäppchen quoll das tiefichwarze Haar in weichen Wellen hervor. Die sandfarbenen Schuhe mit den schwarzen Absätzen paßten genau zu der Tasche und den lichten Strümpfen.
„Gott sei Dank, daß du wieder aus der schauderhaften Tracht heraus bist!" sagte Lore und streichelte die Freundin. Mariella sah an sich herab, als ob sie sich selbst nicht mehr kannte. Wie lange war es her, daß sie dies Kleid nicht getragen hatte? Zum letzten Male, als sie mit Erhard im Tiergarten spazierengegangen mar
(Fortsetzung folgt!)
Laute Rufe, wie sie in den stillen Gängen des Gefängnisses, die ständig unter Bewachung der Aufseherinnen standen, durchaus ungewohnt waren, ließen sie auffahren. Ihre Zelle, die nicht mehr unter Verschluß stand, wurde aufgerissen, und ihre Nachbarin rief herein: .
„Hast du schon gehört, Nummer 15 hat sich beim Fensterputzen die Pulsadern aufgeschnitten!'
Nummer 15? Das war doch die Hilde, bte e^t vor zwei Stunden die Erzählung aus Doktor Heßlings Büro zum besten gegeben hatte! Während der Arbeit in der Gemeinschaftszelle war die Rede davon gewesen, daß sie später 3um Fensterputzen ab kommandiert worden war. Und nun sollte sie sich dabei so schwer verletzt haben? Wie war denn das nur möglich gewesen?
Eine Glocke rief die Gefangenen zum „Kaffee* fassen". Mit ihren Bechern stellten sie sich vor den Türen ihrer Zellen auf, während Kalfaktorinnen, begleitet von Den Aufsicht führenden Wachtmeisterinnen, aus großen Blechgefäßen die dünne, milchige Flüssigkeit mit Schöpfkellen in die Becher füllten. Eine der Wachtmeisterinnen sagte dabei zu Mariellas Nachbarin:
„Schrecklich, die arme Nummer 15! Nur eine Blutübertragung kann sie retten, aber die Aerztin hat noch niemanden dazu gefunden!"
Mariella gehörte zu den Gefangenen, die sich auf dem Gang, an dem ihre Zelle lag, frei bewegen durften. Kaum hatte sie den Becher mit Kaffee auf dem kleinen Tisch, der ihr gehörte, abgesetzt, lief sie auf die Oberwachtmeisterin zu, die in dieser Etage für Ordnung sorgte, und bat, sie sofort der Direktorin vorzuführen.
Die Wachtmeisterin schüttelte den Kopf, als sie hörte, warum Nummer 138 die Direktorin zu sprechen wünschte. Dieses dünne, abgemagerte Ge- schöpfchen mit den tiefen, leidvollen Augen und dem wehen Zug um den Mund wollte sich Blut abzapfen lassen? Das war ja der reine Selbstt mord, was die junge Person da vorhatte. Doch nach kurzer Untersuchung stellte die Aerztin fest,
Stabsarzt der Reserve befördert worden war, als Chefarzt des Reservelazaretts I in Gießen vom August 1914 bis März 1919 tätig. Am 1. Avril 1933 trat er auf fein Nachsuchen als außerordentlicher Professor unserer Universität in den Ruhestand.
Im Rahmen seiner akademischen Lehrtätigkeit erwarb sich Professor Dr. Walther besondere Verdienste durch seine segensreiche Wirksamkeit als Hebammenlehrer an der Hebammen-Lehr- anftalt, die nach seinem Uebertritt in den Ruhestand nach Mainz verlegt wurde. Neben der prak- ttschen Ausbildung der Hebammen war der Jubilar auf diesem Fachgebiete auch noch durch seinen „Leitfaden zur Pflege der Wöchnerinnen und Neugeborenen" erfolgreich für eine gute Hebammenausbildung tätig: dieser Leitfaden erschien auch in russischer, bulgarischer und japanischer lieber» setzung. In gleicher Weise segensreick für das allgemeine Wohl wurde fein Leitfaden der praktischen Geburtshilfe. Daneben entfaltete er eine umfangreiche schriftstellerische Tätigkeit durch seine Aufsätze in den verschiedensten Fachzeitschriften. In Anerkennung seiner Verdienste um die Ausbildung der Hebammen in Hessen wurde ihm bereits im Jahre 1912 der Titel „Medizinalrat" verliehen. Ferner wurde er 1933 zum Ehrenmitglied der „Vereinigung zur Förderung des Hebamm-nwesens" ernannt. Der hessische Hebammenverein ehrte ihn im Oktober 1934 gelegentlich einer Versammlung in Gießen durch die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden des Vereins.
Seine Mußestunden widmete der Jubilar in besonderem Maße der edlen Musik. Durch seine hervorragende Mitwirkung bei künstlerisch hochstehenden musikalischen Veranstaltungen hat er sich auch als Musiker einen Namen gemacht. Er spielt ausgezeichnet Violine und Bratsche im Orchester und namentlich Kammermusik, ferner ist er ein sehr guter Kenner der Quartettliteratur der Klassik und der Moderne. Für die Werke Brahms' und insbesondere Max Regers hat er sich mit besonderer Wärme eingesetzt und ihnen weitreichende Geltung auch im Musikleben unserer Stadt verschafft. Mit Mar Reger verbanden den Jubilar und seine Familie enge freundschaftliche Beziehungen. Dem Viola- Spieler Walther hat Max Reger neben dem bekannten Klavier-Quartett in a-moll op. 133 eine
daß im ganzen Frauengefängnis die kleine Prm- cipessa die einzig geeignete Blutspenderin sei. Sie gehörte der gleichen Blutgruppe an wie die Verunglückte, und eine andere kam für die Irans- ufion nicht in Frage.
„Nehmen Sie mich doch, bitte, bitte! flehte Mariella die Aerztin an. „Dann habe ich wenigstens das Gefühl, einmal im Leben zu etwas nützlich zu fein!"
Da sie immer weiter auf ihrer Bitte beharrte, sich für Hilde Zischke opfern zu wollen, und größte Eile geboten war, zögerte man nicht lange. Die Vorbereitungen wurden sofort getroffen. Und bald lagen Mariella und die Verunglückte, die fast am Verbluten war, auf dem Operationstisch nebeneinander.
*
Als Mariella drei Tage später nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnislazarett wieder ihre Zelle betrat, leuchtete von dem Tisch an der Wand ein Strauß Stiefmütterchen zu ihr herüber. Die bescheidenen Gartenblümchen kamen von ihren Lei- densgenossinnen, denen gestattet worden war, durch eine Wachtmeisterin die Blüten kaufen zu lassen. Für den Rest ihrer Gefangenschaft hatte die Aerztin beantragt, die überzarte kleine Principessa von jeder Arbeit zu dispensieren, damit sie sich gründlich erholen könnte.
Doch damit kam sie bei Mariella an die ver- kehrte Adresse. Arbeiten wollte und mußte sie. Aus ihrer Pensionszeit entsann sie sich noch mit Freuden der Monate, in denen sie kochen gelernt hatte. So meldete sie sich zum Küchendienst. Dabei verging die Zeit, und man brauchte nicht nachzudenken: man konnte vergessen, wie ungerecht und grausam das Leben war.
Aber auf die Dauer durste sie nicht vergessen. Das Leben außerhalb der Gefängnismauern würde für sie wieder beginnen. Dann durfte es für sie nur eine Aufgabe geben, sich ihr Dasein neu aufzubauen. Zunächst mußte sie sich dabei freilich noch von Renate Trotha und Lore unterstützen lassen. Aber sie wollte alles daransetzen, nicht nur Annina, sondern auch dem Juwelier Gerbweiser den Schaden zu vergüten, den sie ihnen zugefügt hatte. Das war freilich ein großes Beginnen. Denn es waren etwa dreißigtausend Mark — genug, um sie ihr ganzes weiteres Leben nur an dieser einen Ausgabe arbeiten zu lassen. Ob sie es überhaupt > je schaffte, diese große Summe hereinzubringen? , Leben mußte sie doch schließlich auch.
alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit diese Jugend so gesuiw, so aufrecht und eyrliebend, so wahrhaft, so wehrhaft, so tapfer und so mutig werde, daß sie wirklich die Zukunft garantieren kann.
Wenn manche Eltern in den vergangenen Jahren noch mit gewissen Bedenken der Jugendorganisation gegenüberstanden, so war dies hier und da wohl einmal nicht unberechtigt. Heute aber müssen wir erkennen, daß der gute Wille, der Fleiß, Zucht und Disziplin Mängel und Fehler beseitigt haben, daß die Führerauslese und die Führerschulung recht beachtliche Erfolge gehabt haben, und daß heute schon die Forderung berechtigt ist, endlich einmal überängstliche Bedenken beiseite zu stellen, Vertrauen zu fassen und zu tun, was die Pflicht gebietet. ,, . . ..
Diese Pflicht aber, die nicht befohlen wird, die aber jedem vom Nationalsozialismus erfaßten Deutschen wie ein kategorischer Imperativ ins Gewissen geschrieben ist, heißt:
IHein Junge, mein Mädchen gehör! in die Jugendorganisation, die voll Stolz des Führers Namen tragt.
Bis zum 20. April 1936 sollen alle, die jetzt die Grundschule verlassen haben, in die Hitler-Jugend eingegliedert sein. Wenn alle Eltern, Lehrer und Erzieher fleißig bei der Werbung mithelfen, dann wird am 20. April die Reichsleitung der HI. dem Führer als schönstes Geburtstagsgeschenk melden können:
Ein frischlebendiger Jahrgang deutscher Jungens und Mädels sind in die Gefolgschaft des Füh- rers eingetreten, um sich schulen, lehren und erziehen zu lassen, um einst, erfüllt von heißer Liebe zu Volk und Vaterland, voll Mut und Kraft Träger der deutschen Zukunft zu werden.
Nebeling, Schulrat.
Bratschensuite op. 131 gewidmet. Für sein tatstohes Eintreten für Regers Schaffen wurde der Jubilar zum Mitglied des engeren Ausschusses der Max- Reger-Gesellschast ernannt. Damit erfolgte auch diS Ehrung Walthers für sein hervorragendes musikalisches Wirken überhaupt. Als langjähriges Vorstandsmitglied des Gießener Konzertvereins und des Akademischen Gesangvereins hat er sich auch um das Schaffen dieser Vereine, wie um den hohen Stand des Gießener Musiklebens überhaupt Mei- bende Verdienste erworben. .
Als Hochschullehrer, Arzt, warmherziger Freund und Förderer der Musik, wie auch als allezeit hil s- bereiter, liebenswürdiger und charaktervoller Mensch kann sich Prof. Walther der besten Wertschätzung weitester Volkskreise erfreuen. Sein bisheriger Lebensweg war erfüllt von guten Werken für die Allgemeinheit und vorbildlichem Dienst zum Wohle der Volksgemeinschaft. Möge dem 3ubi= lar ein weiteres segensreiches Wirken und etn schöner Lebensabend beschieden sein.
Äornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Tageskalender für Ostersonntag.
Stadttheater Gießen: 19—22 Uhr: „Tiefland". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Um das Menschenrecht". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „August der Starke".
Tageskalender für Ostermontag.
Stadttheater Gießen: 15—17.30 Uhr „Krach im Hinterhaus". — 19 bis 22 Uhr: „Die blaue Mazur". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Favorit Der Kaiserin". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die unmögliche Frau". — Gießener Radfahr-Ver- ein v. 1885 e. V., 15 Uhr auf dem Waldsportplatz: Bahn-Radrennen.
Der Spielplan des Gießener Stadttheaters vom 12. bis 19. April.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Ostersonntag, 12. April, von 19 bis 22 Uhr zum ersten Male „Tiefland", Oper von Eugen d'Albert. Musikalische Leitung: Paul Walter: Spielleitung: Paul Wrede. Die Vorstellung ist außer Abonne- ment. — Ostermontag, 13. April, von 15 bis 17.30 Uhr als Vorstellung der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude": „Krach im Hinterhaus". Lustspiel von M. Böttcher. Spielleitung: Heinrich Hub. Freier Kartenverkauf. Don 19 bis 22 Uhr zum letzten Mal „Die blaue Mazur" Operette von Fr. Lehär. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. Spielleitung: Paul Wrede. Tänze: Thery Schultheis. Die Vorstellung ist außer Abonnement. —Osterdiens- tag, 14. April, von 20 bis 23 Uhr als 26. Vorstellung im Dienstag-Abonnement „Tiefland", Oper von Eugen d'Albert. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Paul Wrede. — Mittwoch, 15. April, von 19.30 bis 22.15 Uhr „Der tolle Christian", ein Drama aus dem Dreißigiahn- qen Krieg von Th. Hnerten. Spielleitung: Der Intendant. 26. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. — Freitag, 17. April, von 20 bis 22.30 Uhr zum ersten Mal „Towarisch", Komödie von Jacques Deval; bearbeitet von Curt Goetz. Spielleitung: Wolfgang Kühne. 26. Vorstellung im Freitag-Abonnement. — Samstag, 18. April, von 20 bis 23 Uhr „Undine". Romantische Zauberoper von Lortzing. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Paul Wrede. Vorstellung der NS.- Kulturgemeinschaft Deutsche Bühne. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen an der Abendkasse. — Sonntag, 19. April, von 11.30 bis 12.30 Uhr: 4. Morgenfeier. Alte Musik. Von 19 bis 22 Uhr zum letzten Mal „Undine", romanttfche Zauberoper von Lortzing. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Paul Wrede. Die Vorstellung ist außer Abonnement.
Autounfall im Gießener Gtadtwald.
Am gestrigen Karfreitag ereignete sich auf der Landstraße Reiskirchen—Gießen in der Nähe der Straßeneinmündung von Annerod her ein Auto- Unfall, der zum Glück noch verhältnismäßig glimpflich verlief. An dieser abschüssigen Stelle der Land-
im „Faust" in unvergänglicher heimatlicher Schönheit gedichtet ist: den Osterspaziergang — und dieser Osterspaziergang wird mit dem, was drum- und dranhängt, für viele Volksgenossen den Hauptinhalt von Ostern bilden. —
Wir Deutschen sind ein merkwürdiges Volk! Dies alles, das unfern Sinnen, unfern vielgehetzten und gequälten Sinnen ach so wohltut, dies alles bahnt zwar Ostern an und rahmt es ein — aber dies alles ist noch nicht Ostern! Wir aber nehmen den Rahmen für das Bild und begnügen uns mit dem Vorspiel zum Gesamtwert. Wir Deutschen haben die Osterbotschaft des christlichen Glaubens so tief verstanden und ausgenommen, wie kaum ein anderes Volk. Ein Bild, wie das des auferstandenen Heilandes von Meister Matthias Grünewalds Jsen- heimer Altar bezeugt das. Dieses Volk kann sich nicht zufriedengeben mit einem Ostern, bei dem das Neuerwachen des natürlichen Lebens in Blut und Boden Selbstzweck wird und seinen tiefen Gleich- nischarakter verliert. Denn dies alles hat keinen Sinn ohne die Deutung, die es aus dem Öfter» eoangelium erhält. Darum fei nicht die Losung: Osterlust oder Osterbotschaft! sondern: Osterlust, weil Osterbotschaft! Es war nicht Goethes Lebenssumme: „Die Botschaft hör ich wohl, allem mtr fehlt der Glaube", sondern es war sein Ausgangspunkt, und immer reiner lernte er die Botschaft der Osterglocken hören und immer tiefer wuchs fein
Die Heimat liegt im Glanz der Ostersonne Tausende wandern in diesen Tagen hinaus, Auge und Herz zu weiden an den inbrünstig grünenden Wiesen im Grund, an den gelben Sträuchern und den rosa Pfirsichblüten, an den schönen weichen Linien des Hangelsteins und des Lollarer Kopfs, an den malerischen Burgkronen des Gleibergs und Schiffenbergs und am geheimnisvollen geisterhaften Rücken des Dünsbergs. Sie alle werden wieder neu und von neuem in Leben umsetzen, was
In einmütiger Geschlossenheit hat sich am 29. März 1936 das deutsche Volk zu seinem Führer bekannt.
Der Wille des Führers und das Wollen des Volkes haben sich zufammengefunden und sind nun untrennbar miteinander verbunden. Damit ist Deutschland die starke und feste Grundlage gegeben, auf der unser Führer seine heroische Staatsführung aufbauen kann.
In Deutschlands E'nheit sind die Kräfte gegeben, die es braucht, feine Ehre und seine Gleichberechtigung nich nur für die Gegenwart wiederherzustellen, sondern auch, um sie auf immer bis in die ferne Zukunft erfolgreich zu behaupten.
Es genügt nun aber nicht, die wahrhaft historische Größe des Augenblicks zu erkennen und in Ehrfurcht und Bewunderung bei ihm zu verweilen, sondern diese Größe und Erhabenheit unserer Zeit verpflichtet uns, bereits heute für die Sicherung der Zukunft zu sorgen. Diese Sorge kann und muh wohl wirtschaftliche Dinge umfassen, sie kann ver- kehrstechnische Maßnahmen einschließen, darf wehrpolitische Bedingungen nicht vernachlässigen, aber bei allem Wichtigen und Notwendigen darf nie die Sorge um die Träger der Zukunft unseres Volkes zu kurz kommen. Diese Sorge aber ailt der deutschen Jugend, die mit Stolz von sich sagt:
Wir sind die Garanten der Zukunft!
Diese Garanten der Zukunft sind gemeint, wenn jetzt die Jugendorganisationen des Führers wieder zum Eintritt ins Jungvolk und zu den Jungmädels werben. Neben das Elternhaus und die Schule hat der Wille des Führers diese Organisation gestellt, daß sie helfe, die Erziehungsarbeit von Vater und Mutter und der Schule zu ergänzen und zu vervollständigen. Nicht ersetzen oder verdrängen soll sie diese Arbeit, nicht gegen, nein, mit ihr soll sie wirken und schaffen, um
ihrer eignen Zeugnisse Christus als ihren Herrn annahmen. Christus, der unter uns begraben scheint, muß wieder so überwältigend aufbrechen, wie am Dftermorgen. Wie das geschehen wird, das ist uns verborgen. Wir können es auch so wenig herbeiführen, wie den Frühling. Aber wir müssen darauf warten. Einem auf Befreiung wartenden Volke kam die ^Befreiung. In einer auf den lebendigen Christus wartenden Christenheit wird Christus auferstehen.
Medizinalrat Professor Dr. Walther TO Jahre alt.
Am morgigen Sonntag, 12. April, kann der in Gießen und weit darüber hinaus bekannte Frauenarzt und frühere außerordentliche Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität Gießen Dr. Heinrich Walther in ausgezeichneter Frische und Schaffenskraft feinen 70. Geburtstag begehen.
Professor Dr. Walther stammt aus Groß- Gerau, wo er am 12. April 1866 als Sohn des Distriktseinnehmers Rendant Peter Walther geboren wurde. Im Anschluß an den Besuch des Gymnasiums zu Gießen studierte er an der Gießener Universität von 1885 bis 1890 Medizin und war hieraus nach seinen Examinas und der Doktorpromotion 1892 unter Geheimrat Professor Dr. Löh- lein Assistent in der Universitätsstauenklinik. Im Jahre 1893 unternahm er zu seiner weiteren gyna- kologischen Ausbildung wissenschaftliche Reisen, die ihn nach Jena, Halle, Berlin, München und Wien führten. 1893/94 wirkte er in Darmstadt als Frauenarzt, wo er auch als einjährig-freiwilliger Arzt im Leib-Dragoner-Rgt. Nr. 24 feiner Militärpflicht genügte. Im Oktober 1894 habilitierte er sich in Gie- ßen für Geburtshilfe und Gynäkologie, zugleich übernahm er die Tätigkeit als Hebammen-Lehrer an der Hebammen-Lehranstalt in der Universitätsfrauenklinik zu Gießen. Im Jahre 1899 erfolgte eine Ernennung zum außerplanmäßigen Professor der Universität, ab 1900 wirkte er als etatmäßiger außerordentlicher Professor seines Fachgebietes und zugleich weiterhin als Hebammenlehrer an der Heb- ammen-Lehranstalt, sowie als Mitglied der ärztlichen Prüfungskommission. Während des Krieges war er, nachdem er schon im Jahre 1905 zum
Glaube.
Was ist die Botschaft? Gott hat Jesus Christus von den Toten auferweckt! So lautet sie und nicht anders. Es mag sein, daß wir sie o nicht aufneh- men können, und es mag erst recht ein, daß mtr sie fo nicht aufnehmen wollen, daß ich alles in uns Dagegen sträubt, — aber so lautet sie! In ihrer ganzen unglaublichen Steilheit steht sie da, unglaublich, wie ein weißer Alpengipfel plötzlich fern und schreckhaft dasteht über dem Gezwerg der Dorberge. S t e i ft unglaublich, diese Botschaft. Sie ist es nur dann nicht, wenn wir sie abschwächen, wenn wir das Ereignis „Christus auferweckt von den Toten" uns irgendwie menschlich verständlich, glaubhaft, schmackhaft machen. Wer das tut, der versündigt sich. Er beraubt Ostern seines welterschütternden Inhaltes. Denn an Ostern wird sichtbar, was ja der Sinn auch von Weihnachten, von Pfingsten, der ganzen christlichen Offenbarung ist: daß der ferne Gott sich tunbgibt und zu uns kommt auf einem uns Menschen ganz unfaßbaren, uns ganz unzugänglichen Wege! Der gekreuzigte Gottessohn, an dem der Tod selber zu Schanden wird: das wirft alles über den Haufen, was des Menschen Hirn erdenken, des Menschen Seele fassen, des Menschen Wille bewältigen kann.
Das aber erträgt der moderne Mensck nicht. Der moderne Mensch muß alles erkennen, alles erfassen, alles gestalten können, was es gibt. Es darf im Himmel und auf Erden kein Gebiet fein, das er wenn nicht heute meistert, so doch morgen ober übermorgen meistern wird. Da ist für den Gott, per Wunder tut, kein Raum mehr. In Wirklichkeit aber ist es fo, daß bei dem lebendigen Gott, der Wunder tut, kein Raum mehr ist für den hochmütigen Men- schen! Er lernt die Grenze alles Menschenwestns er- kennen, er lernt glauben — ober er Zerbricht!
Es scheint, wir finb roieber auf bem Weg zum Glauben! Zwar, bas wissen wir noch nicht roieber, was Christusglaube ist, machen uns vielmehr em eignes unb barum falsches Zerrbilb davon. Aber wir fangen roieber an, bas Glauben überhaupt zu lernen. Wir begreifen allmählich roieber, daß der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von dem Wort aus Gottes Mund. Darum hat Gott unferm Volk auch ein Wiedererwachen geschenkt. Nun müssen wir doch wieder zu einem wirklichen Christusglauben zurückfinden, mit derselben Leiden- schäft, mit der unsere heidnischen Vorfahren laut


