Ausgabe 
11.4.1936
 
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Oberverwalter Büchsenschüh, Lich t-

Plötzlich und unerwartet ist am Karfreitag im 67. Le­bensjahre der langjährige Oberverwalter derFürstlich Lichschen Gutsverwaltung in Lich Wilhelm Büchsenschütz aus seinem arbeitsreichen Leben abberufen worden. Der Verewigte ist seit über 42 Jahren im Dienste der Fürstlich Lich'schen Guts­verwaltung in Lich tätig gewesen. Nach mehr­jährigem landwirtschaftlichem Wirken in Rothen­burg a. d. Fulda und auf dem bekannten Hof Zw^falten (Vogelsberg) kam er am 4. November 1893 nach Lich als Verwalter und wurde nach dem Tode des Oberverwalters Erb zum Ober­verwalter ernannt. Unter seiner Leitung hat sich das Hofgut Lich zu einer Musterwirtschaft in un­serer Provinz Oberhessen und darüber hinaus ent­wickelt.

Auf Grund seiner reichen Erfahrungen und mit klugem Blick für die Aufgaben der Zeit hat der nunmehr Heimgegangene auf dem Gebiete der Landwirtschaft allezeit in bester Weise Dienst am deutschen Volke getan. Seine hohe Berufsauffassung, seine vorbildliche Pflichttreue und sein unermüd­licher Eifer in der Erfüllung seiner Berufsaufgabe, sowie seine vortrefflichen Eigenschaften des Charak­ters und sein freundliches, gefälliges Wesen haben ihm bei der Fürstlich Lichschen Familie, bei allen seinen Arbeitskameraden, seinen Berufsangehörigen und weit darüber hinaus auch bei den Volks­

genossen anderer Berufskreise hohe Wertschätzung eingebracht.

Das Andenken an den allezeit tatfreudigen, im vor­nehmsten Sinne des Wortes auf das Wohl der All­gemeinheit bedachten Mann wird für immer in hohen Ehren fortleben.

Hundertjahrfeier

der Technischen Hochschule Darmstadt.

Die Technische Hochschule Darmstadt begeht in der Pfingstwoche die Feier ihres hun­dertjährigen Bestehens. Bei der Bedeu­tung, die der Technischen Hochschule zukommt, und der Rolle, die sie im öffentlichen und im wirtschaft­lichen Leben der Stadt spielt, wird dieses Fest zu einem wichtigen Ereignis werden. Der Verein Deut­scher Ingenieure (VDJ) hat in Würdigung der Um­stände gleichzeitig seine Tagung anläßlicy des 80- jährigen Bestehens in Darmstadt angesetzt. Tausende von auswärtigen Gästen werden in den Tagen vom 27. bis 29. Mai in Darmstadt weilen.

Wettbewerb zur Erlangung einer Ehrenplakette der Stadt Frankfurt.

LPD. Frankfurt a. M., 9. April. Der Ober- bürgermerster Staatsrat Dr. Krebs veranstaltet einen Wettbewerb zur Erlangung einer Ehrenplakette der Stadt Frankfurt a. M. An dem Wettbewerb können alle im Gau

Hessen-Nassau ansässigen Künstler, und zwar Bild­hauer und Kunsthandwerker, teilnehmen, soweit sie der Reichskammer der bildenden Künste als Mit­glied angehören. Verlangt wird ein gußfertiger Gipsentwurf einer Ehrenplakette, die als Erinne­rungsgabe der Stadt Frankfurt a. M. Verwendung finden soll. Die Ehrenplakette soll einen Durchmes­ser bis zu 12 Zentimeter haben. Von den einge­reichten Entwürfen werden die sechs besten Lösun­gen mit Geldpreisen ausgezeichnet, und zwar sind zu diesem Zweck insgesamt 1200 Mark vorgesehen.

Zuchthaus

für jüdischen Sittlichkeitsverbrecher.

LPD. Marburg, 9. April. In einer bis in die späten Abendstunden andauernden Sitzung, die im Amtsgerichtsgebäude zu Gladenbach stattfand, beschäftigte sich das Schöffengericht mit einer Anklage gegen den 41 Jahre alten Juden Albert Bauer aus Gladenbach, dem Sittlichkeits­oerbrechen in zwei Fällen zur Last gelegt wur­den. Die strafbaren Handlungen liegen schon fünf bis sechs Jahre zurück und kamen erst jetzt zur An­zeige. Bauer sollte sich an zwei seiner Hausange­stellten in übler Weise vergangen haben. Er bestritt jedoch entschieden die ihm zur Last gelegten Ver­brechen und stellte die in Frage kommenden Mäd­chen als unglaubhaft und liederlich hin. In einem Falle, in dem der Angeklagte sich an ein erst fünf­

zehnjähriges Mädchen herangemacht und dieses auf die schiefe Bahn gebracht hatte, konnte er im Sinne der Anklage überführt werden. Straferschwerend für den Angeklagten war die gemeine Art, mit der er bei diesen Verbrechen zu Werke ging, sowie der Umstand, daß er seine Straftaten bis zuletzt abzu­leugnen versuchte. Das Urteil lautete auf zwei Jahre Zuchthaus.

Immer wieder Heiratsbeirüger.

LPD. Frankfurt a. M., 9. April. Wegen Heiratsbetrugs hat die Frankfurter Krimi- nalpolizei den 35jährigen Theodor Röllke fest- genommen. Röllke unterhielt mit verschiedenen Frauen gleichzeitig Beziehungen, versprach ihnen die Ehe und verlobte sich sogar. Er verstand es, von seinen Bekanntschaften erhebliche Geldbe­träge herauszuschwindeln, indem er angab, er wolle seine Schreinerei ausbauen, um das Geschäft rentabel zu gestalten und alsbald heiraten zu kön­nen. Einmal' wollte er das Geld zur Anschaffung von Werkzeugen, das andere Mal zur Beschaffung von ausländischen Holzarten verwandt haben. In Wirklichkeit hat er aber das Geld für sich ver­braucht. Ein Blick in die Werkstatt des R. ließ er­nennen, daß es ihm nicht so sehr darauf ankam, seine Existenz auszubauen, als vielmehr sich auf betrügerische Art und Weise in den Besitz von Geld­mitteln zu setzen.

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