Ausgabe 
11.4.1936
 
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Deutsche Auferstehung.

Nichts läßt sich besser gegenüberstellen, als der Friedensplau der deutschen Reichs- regierung, der mutig in die Zukunft sieht, der dem politischen Neuaufbau Europas die­nen will, mit den Denkschriften, die nach rückwärts gewandt von der französi­schen Regierung in Genf überreicht worden sind. Die Natur hat ihr festliches Gewand angelegt, um so auch auf die Stimmung der Völker einzu­wirken, um sie empfänglich zu machen für die groß­zügige Aufbauarbeit, zu der sich Deutschland bereit- erklärt hat. Die Völker, die guten Willens sind, wissen, daß für das neue Deutschland die Auf­erstehung nicht nur eine festliche Überschrift, son­dern eine vollendete Tatsache ist, die zu schaffen, Arbeit und nochmals harte Arbeit bedeu­tet. Diese Auferstehung Deutschlands hat keinem anderen Volke Europas irgendein Leid zugefügt, hat sich gegen kein anderes Volk Europas gerichtet, auch dann nicht, wenn diese Auf­erstehung zwangsläufig auch die Sicherung und Verteidigung des neuen Deutschland vorzusehen verpflichtet war. Nach dem Versailler Gewaltfrie­den, der für Europa eine Neuordnung bringen sollte, aber nicht gebracht hat, nach diesem Gewalt­frieden hat es eigentlich immer Krieg gegeben, wenn nicht in Europa, dann in einem anderen Erd­teil.

Deutschlands Auferstehung ist ein Werk des Friedens, aus einer Gesinnung und einem Ge­fühl geboren, die einen Frieden in Ehren für sich und alle anderen Völker, die guten Willens sind, zu sichern und zu gewährleisten suchen. Das neue Deutschland hat sich nicht um den Zank und Streit da draußen bekümmert, es hat sich nicht an Straf- maßnahmen des Genfer Völkerbundes beteiligt, aber es hat für die Verkehrsentwicklung in Europa durch den Bau der wundervollen Reichskraftoerkehrsstra- ßen großzügige und großgeartete Vorarbeit ge­leistet. Das neue Deutschland hat nicht geschnüffelt, um herauszubekommen, was in den Rüstungsbe­trieben Englands und Frankreichs geschieht, wie es auch nicht geschnüffelt und gerüffelt hat, um jeden Schritt und jede Handlung irgendeiner anderen Regierung als der heimlichen Aufrüstung dienend zu bezeichnen.

Das neue Deutschland hat dafür offen und ehrlich Maßnahmen für die Arbeitsbeschaffung eingeleitet und durchgeführt, denn das neue Deutschland fand bei der Machtergreifung sieben Millionen Krisen­opfer vor, die nicht nur das System, sondern auch die Ruchlosigkeit und Niederträchtigkeit der Ver­sailler Politik erzwungen und hinterlassen hatte. Das neue Deutschland war gewillt, seine gesamten finanziellen Mittel aus Steuern, Abgaben und Zöl­len in den friedlichen Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft einzusetzen. Es war gewillt, aus jede Aufrüstung zu verzachten, es war bereit, den letzten Soldaten und das letzte Ma­schinengewehr abzurüsten. Das neue Deutschland hat mehr als einmol offen und ehrlich nach der Ausräumung der Saarfrage Frankreich die Hand zur Verständigung geboten, um vom an- Deren Ufer die Antwort zu erhalten, die Europa, die die Geschichte seitdem als den Beistandsvertrag zwischen Moskau und Paris kennt.

Das neue Deutschland, das wieder groß werden will, groß, schön und stark, ohne andere Völker und Länder zu verletzen, ohne den Ehrgeiz und der Macht, den anderen Völkern und Regierungen in den Weg zu treten, dies neue Deutschland hat für sich Sicherheit nur deshalb gefordert, um seinen Wiederaufbruch, um seine Wiederauferstehung in Ruhe und Ordnung durchzuführen. Das neue Deutschland ist ruhig und zuversichtlich geblieben, stets bereit, sich zu verständigen, wenn es auf dem anderen Ufer Ereignisse und Reden gab, die die offene Hand Deutschlands zurückwiesen. Wir denken nicht an die Sonntagsreden P o i n c a r s , die schon seit Jahren zurückliegen, wir denken vielmehr an die Politik und an die Reden des französischen Außenministers B a r t h o u, die, wenn sie ein deut­scher Staatsmann geleistet und gehalten hätte, in

Paris und in Genf, tn Prag und in Bukarest alles ins Schäumen gebracht hätten. Was hat denn das neue Deutschland seit der berüchtigten Pariser Note vom 16. April 1934 anders getan, als friedlich und friedfertig für den innerwirtschaftlichen Aufbau sowie für den inneren sozialen Ausgleich zu arbeiten. Diese friedliche Arbeit hat Früchte getragen, denn es ist so, daß der Wiederaufstieg Deutschlands auf so fester und gesicherter Grundlage vor sich gegangen ist, daß es keinen Einsturz und keinen Niederbruch geben kann und wird.

Das neue Deutschland wird den Weg des Frie­dens und der Arbeit inEhren weitergehen, wird an seinem Wiederaufstieg arbeiten, wird sich unablässig mühen, alle deutsche Volksgenossen nicht nur in den Wirtschaftsprozeß wieder einzureihen, sondern auch eine dauernde Heimstätte für sich und die kommenden Geschlechter zu schaffen. Darum ist auch im neuen Deutschland heute di§ Dfterfreube, die Freude an der Wiederauferstehung so echt und stark, daß sie auch nicht durch die häßlichen Schatten beeinflußt werden kann, die von Genf her das Fest der Auferstehung zu verdunkeln suchen.

Die Feiertage mögen einmal die friedliche Arbeit unterbrechen, denn es ist gut für das deutsche Volk, daß es in festlicher Stimmung einmal stehen bleiben kann, um vorwärts zu sehen, aber auch um zurück­zuschauen nach dem, was glücklich hinter uns liegt.

Ueberall im ganzen Reiche Feiert man nun Osterzeit. In Berlin tut man das gleiche Mit besondrer Fröhlichkeit.

Alldieweil der Osterhase, Immer treu und unentwegt, Mit dem Spürsinn seiner Nase Uns ein Osterei gelegt, Das mit größtem Wohlbehagen Wir uns zu Gemüts zieh'n.

Dieses heißt, um's kurz zu sagen: Autobahn Berlin Stettin"! Davon will ich nun berichten, Denn es hat die Autobahn Zwischen Seen, Kiefern, Fichten Ganz Berlin es angetan.

Mitten auf dem oerkehrsumtosten Alexanderplatz in Berlin steht feit wenigen Tagen ein riesengroßes Schild, das das Entzücken und den Gesprächsstoff der Reichshauptstadt bildet. Drei Worte enthält dieses Schild nur, aber die haben es in sich: Reichsautobahn Berlin Stetti n". Der pfeilförmige Zuschnitt des Schildes zeigt an, in welcher Richtung man fahren muß, um über die Greifswalder Straße und den Ortsteil Weihensee die Landstraße nach der Hussitenstadt Bernau zu erreichen, die in denBerliner Ring" der Reichs­autobahn einmündet. Wahrlich! Es konnte keine größere Dfterfreube für Berlin geben, als die Er­öffnung der 45 Kilometer langen Teilstrecke dieser Autobahn, die bis zu dem historischen Städtchen Joachimsthal führt, das zwischen verträumten märkischen Seen, dem Werbellinsee und dem Grimmnitzsee, gelegen ist. Zehntausende von Kraft­wagen und Krafträdern aller Art sind seit dem Er­öffnungstage des 4. April bereits über diese Mär­chenbahn dahingerollt. Zum Osterfeste aber werden es noch viel, viel mehr werden. Denn an diesem Osterfeste werden weder der Grünewald, noch die Müggelberge, noch der Tegeler Forst, noch Havel, noch Spree, noch sonst einer der vielen hundert Ausflugsplätze rund um Berlin die Ber­liner Osterfpazlergänger anlocken können. Alles wird zur Reichsautobahn wallfahrten, und sei es mit dem Kinderroller!

Zwar für diesesunmotorisierte" Verkehrsmittel ist die Autobahn nicht freigegeben, auch nicht für Pferdefuhrwerk und Fahrräder; aber längs der

Vor uns ist der Weg, der uns den Frieden in Ar­beit und Ehre sichert, ein Weg, auf dem es gewiß noch Hindernisse gibt, aber Hindernisse, die wir mit der starken Kraft des Willens zur Seite räu­men werden. Wenn die Völker Europas mit uns gehen wollen, so wird es wirklich ein neues Europa geben, in dem alle Völker gleichberech­tigt sind, in dem es kein Volk wagen darf, unter Schaumschlägerei für sich eine Vorherrschaft heraus- zuholen.

Das neue Deutschland hat das Haus, in dem das deutsche Volk wohnt, rein und sauber gemacht, so daß es ein Frevel ist, vom deutschen Volke zu ver­langen, auf diese Reinhaltung und Sauberkeit zu verzichten. Nicht verstaubte und veraltete Ver­träge, die aus dem bösen Geist des Unfriedens, des Haffes und der Furcht geboren waren und find, können die Sicherheit der Völker gewährleisten, son­dern nur ein neuer Geist der Versöhnung und Verständigung, ein Geist, der nicht Vor­rechte für sich will, sondern ein Geist, der daran denkt und danach handelt, daß gerade in Europa noch viel soziale Not und viel soziales Elend aus­zuräumen und zu lindern ist. Für diese Aufer­stehung und diese Neugliederung Europas will sich das neue Deutschland mit aller Kraft des Hirns und des Herzens einsetzen.

45 Kilometer Reichsautobahn wird sich Berlin auf­pflanzen, um zu sehen, wie andere, die mindestensihre 100 bis 110 drauf" haben, in den Ostersonntag ober Ostermontag hineinflitzen. Der Berliner ist nicht neidisch. Hat er heute noch kein Auto, so hat er's morgen. Der Führer wird ihm schon zur rechten Zeit den Volkswagen bescheren, und die Autobahnen laufen nicht weg; sie sind für Jahrhunderte, für Jahrtausende gebaut. Um so weniger wird sich der Berliner mit seinem Sach­urteil zurückhalten! Denn das ist Ehrensache: hat man selbst feineKaffeemühle", so hat man doch genügendPferdekraftverstand", um sogar den mit allen neuesten Errungenschaften ausgeftetteten Rennwagen kritisch mustern und begutachten zu können. Berlin wird allen kleinen und großen Hans Stucks" auf die Finger und den Gashebel sehen.

Die Freude an der neuen Reichsautobahn ist um so größer, als wir Berliner bisher die Reichsauto­bahnen nur vom Hörensagen kannten. Nichts ist ärgerlicher für den Berliner, als nicht mit = reden zu können! Doch nun hat Berlinseine" Reichsautobahn und nichts fehlt mehr am Oster- alück des Jahres 1936. Mag fein, daß andere Reichsautobahnen später berühmter werden, weil sie an stolzen Strömen, Burgen und Schneegipfeln vorüberführen: die stille Poesie der Autobahn Ber­linJoachimsthal werden sie nicht kennen: Mär - kische Heide! Märkischer Sand! In ihnen ruhen die Wurzeln der Kraft des Reiches, denn hier schlug das Herz Preußens zuerst.

Fassungslos in des Wortes wahrer Bedeutung! standen die Ortschaften an der Autobahn am Tage ihrer Eröffnung dem ungewohnten Riefen­verkehr gegenüber. Zuletzt gab es keine Kaffee­bohne, keinen Kuchenkrümel mehr, weil die Berliner alles, aber auch alles, verzehrt und herunterge­schluckt hatten. Zum Osterfest aber wird man ge­rüstet sein! Dann wird sich ein Treiben, ein Dran­gen, ein Lachen, ein Jubeln auf und an der Reichsautobahn erheben, das seinesgleichen nicht hat. Denn auch die BVG. (die Berliner Verkehrs- gesellschaft) und die Reichsbahn werden ihre letzten Kraftwagen einsetzen, um alle osterbeglückten Ber­liner hinauf zu schaffen auf die neueste Straße Adolf Hitlers. Und dann werden die goetheschen Worte des Osterspaziergangs, die uralten Worte des Doktor Faust abermals (in kleiner Abänderung) wach werden:

Ich höre schon Berlins Getümmel, Hier ist des Volkes wahrer Himmel. Zufrieden jauchzet groß und Hem: Hier bin ich Mensch, hier darf ich's fein! Berlins Osterspaziergang wird Berlin entvölkern. Es wird leer werden in Berlin. Wer kennt die Berliner Innenstadt, wenn sie abends ober feier­tags leer ist? Nur wenige kennen sie. Hätte ich nicht einen neugewonnenen Freund, der seit- am genug! mitten in Berlin C, in einer der gro- hen Geschäftsstraßen hinter dem Berliner Schloß seine Wohnung aufgeschlagen hat, so wurde auch ich dieses leere, romantische Berlin nicht kennen. Ja! Romantisches Berlin! Es war ein Ostersamstagabend, als ich vor zwei Jah­ren zu ihm eingeladen wurde, um eine Schüssel bunter Eier verzehren zu helfen. Der Auto­bus trug mich über die Linden bis zur Schloß- drücke hin. Dort stieg ich aus. Der Autobus rollte fauchend weiter, bog um die Ecke und verschwand. Ich aber stand mutterseelenallein auf weiter Flur. Die Häuser, die Läden, die Kontore, die Büro- räume ringsum ruhten erschöpft von dem voran­gegangenen Ostergeschäftstrubel aus. Durch eine alte, ehrwürdige, schmiedeeiserne Gittertür wurde ich ins Haus gelassen, lieber eine knarrende Treppe ging's bis in den vierten Stock. Aber hier dann der Ausblick! lieber Giebel und Türme, Erker und Kuppeln, die der Mond verzaubert und ver­silbert hatte, schweifte das Auge über Berlin, das nun in ruhigen, stillen Pulsschlägen atmete.

Die Gedanken wandern zurück zu E. T. A. Hoffmann, jenem Romantiker Berlins, der in Berlin noch träumen konnte. Noch träumen konnte? Man kann heute noch in Berlin träumen! Man muß nur das stille Berlin in stillen Stunden auf­suchen. Dann spürt man: unter dem rastlosen Trei­ben, Jagen, Eilen, Dahinstürzen, unter dem wirren Durcheinander, unter diesem (Betriebe von Geschäft, Beruf, Arbeit und Vergnügen schlägt heute noch ein Herz.

Warum wohnen Sie hier?" fragte ich meinen Gastgeber.

Ja sehen Sie! Ich bin doch bei der Reichs­bank, und muß für sie viel nach auswärts ver­reisen. Da hab ich's so bequemer, denn zum Fern­bahnhof Alexanderplatz sind nur wenige Schritte!" Ein gar seltsamer Fall! Ein Berliner wohnt ein paar Schritte vomHauptbahnhof" entfernt.

Und", fährt mein Freund fort, indem er das Fenster noch weiter öffnet,wohne ich hier nicht entzückend?"

Statt aller Antwort lasse ich die tiefe Abendstille des BerlinerZentrums" auf mich wirken. Der Mond steht noch immer wie eine Silberscheibe am Himmel. Eine Fledermaus erhebt sich flatternd aus dem Gemäuer des Dachfirstes und geht auf Jagd.

Ostervorabend in Berlin C ...

Hannes Deyben.

50 Jahre deutsche Seegeltung.

Vizeadmiral a. D. Staatsrat Adolf v o nTrotha kann am 16 April auf 50 Jahre der Arbeit für deutsche Seegeltung zurückblicken. Er trat am 16. April 1886 in die beutfdje Marine ein und hat seitdem ununterbrochen ein halbes Jahrhundert für die deutsche Seegeltung ge­wirkt: zunächst auf Auslandskommandos, im China- Feldzug und beim Boxer-Aufstand. 1901 wurde er in den Stab des damaligen Admirals von T i r pitz, des deutschenFlottenbaumeisters" und spä­teren Großadmirals, berufen. An der Vervollkomm­nung der Marine in Personal und Material hat er erfolgreich mitgewirkt. Im Weltkrieg hat Trotha sich als entschiedener Gegner einer zögernden Poli­tik des Flotteneinsatzes bewiesen. Als Stabschef Scheers war er an der Seeschlacht vor dem Skagerrak führend beteiligt. Nach dem Kriege schuf er als Chef der Admiralität den Kern der heutigen deutschen Wehrmacht zur See. 1933 wurde er von Ministerpräsident Goring in den Preußischen Staatsrat berufen. Er dient heute als Leiter des Reichsbundes Deutscher Seegeltung und als Ehren­führer der Marine-HI. der ihm vom Führer übertragenen Aufgabe: die Bedeutung der See­geltung im deutschen Volke zu verankern.

Berlins Ostereidie Keichsantobahn.

Brief aus der Neichshauptstadt.

Oer Ostermorgen.

Ein Altarbild von Wilhelm «Scharrelmann.

Als die Sonne aufging und Maria heraustrat aus ihrer Kammer, fand sie die anderen Frauen nicht, denn sie waren schon hinausgegangen zum Grabe, Magdalena und Maria, des Jakobus Mut­ter, und Salome, daß sie den Leichnam Jesu salb­ten, wie sie verabredet hatten, und blickte in die Gaste zwischen die Mauern der Häuser und sah den Himmel in heiliger Stille über den Dächern, licht und klar, und die Erde in einem Schein, als wären die Dinge aus Nacht und Trauer empor­gehoben zu der reinen Hohe des Lichts und geseg­net und erquickt wie noch n i e nach einer Nacht. Und Maria steht von der Klarheit des Morgens umflossen, als wäre sie noch bekleidet mit dem Glanz des Traums, der um sie mar in der Nacht, und es ist ein Friede in ihr wie in den Tagen ihrer Kindheit, und sie wundert sich fast, daß sie geweint hat.

Da kommt Salome, atemlos von schnellem Laufe, und spricht: Der Stein ist vom Grabe, und der Leichnam des Herrn nimmer darin! Und nun er­schrickt sie doch, wie eine Traumwandelnde erschrickt, so man sie anruft, und fühlt eine Schwäche über sie kommen und muß sich setzen, denn die Knie versagen ihr. Salome aber eilt tiefer ins Haus, die Jünger zu rufen, und läuft die Treppe hinauf und klagt von neuem durch die Stille des Hauses: Der Herr ist nimmer in feinem Grabe!

Dann kommt auch des Jakobus Mutter, und Maria hört sie sprechen, wie Salome sprach.

Die aber findet nur Petrus und Johannes und Maria sieht beide vorübergehen und hort wie aus weiter Ferne die Worte Der beiden Frauen: Bleibe du hier, Maria. Wir aber wollen wieder hinausgehen, daß wir den Jüngern suchen helfen.

Dann ist sie wieder allein, und das Herz klopft ihr von einer Freude, die unaussprechlich ist, und findet keine Worte; vermag auch nicht, sich zu er­heben und sitzt da wie eine Entrückte, und eine Empfindung ist in ihr, als gehe ein Brausen durch die Halle des Hauses, da sie sitzt, wie damals, als der Engel von ihr schied ...

Danach kommen Petrus und Johannes wieder heim vom Grabe und sehen Maria noch an dem­selben Ort, versunken in sich, wie sie vorhin gesessen, und gehen in Scheu vorüber und mögen ihr nicht sagen, daß auch sie das Grab leer gefunden haben, denn sie meinen, daß es sie betrüben müsse, und gehen in die Kammer, die Markus ihnen gegeben, und sinken nieder und klagen: Wer hat nun dieses Neue über uns gebracht? Denn die Priester werden kommen und sagen, wir hätten seinen Leichnam weggenommen! und hören im selben Augenblick einen Ruf und ein Jauchzen in der Halle de§ Hau­

ses und erkennen die Stimme der Magdalena: Er ist auferstanden! und stehen, als hätte der Blitz sie getroffen, und hören abermals dasselbe Wort: Er ist wahrhaftig auferstanden und mir erschienen. Glaube, Maria, er lebt!

Da stürzen sie hinaus in die Halle und sehen Magdalena liegen im Schoße der Maria und hören ie schluchzen vor Freude, und immer wieder das eine Wort: Er lebt! Er lebt! und sehen die Hand der Maria auf dem Scheitel der Magdalena, wie man einem Kinde die Hand aufs Haupt legt, daß es ruhiger werde in übergroßem Glück. Und nun treten auch Salome und des Jakobus Mutter herein und wissen nicht, was der Magdalena ge- chehen ist, und sind außer sich wie sie und stam­meln: Wir haben ein Gesicht der Engel gesehen, die sagen, er ist auferftanben!

Und die Jünger sind wie Taumelnde, und die Worte der Frauen wie Schläge eines Hammers an der Wand ihrer Herzen. Und lauschen wieder den Worten der Frauen, und hören auch Magdalena wieder ruhiger erzählen, und erbeben unter dem Worte: Rühre mich nicht an! und stehen wieder und staunen ... und sind wie Kinder ... und ein Jubel bricht in ihnen auf und können doch noch nicht stehen in dem, was sie vernommen haben und in dem neuen Lichte dieser Stunde, als glitte jeder Gedanke in ihnen aus, wenn sie nur einen Schritt Damit wagen, und fallen wieder in Zweifel und jubeln doch im nächsten Augenblick wieder mit den Frauen, und denken plötzlich des Wortes, das er zu ihnen sprach: Des Menschen Sohn wird über­antwortet werden und am dritten Tage wieder auf erstehen von den Toten!

Und es durchschauerte sie.

Osterspaziergang des jungen Schiller.

Von Walter von Molo

Jauchzend klangen aus den sonnigen Gnaden­tälern die Osterglocken zur Hochebene empor; auf der grünen Bergeshöhe fang leise und freudig der Wind. Die Weiler rauchten bläuliche Fähnlein. Wie sauberes, spiegelblankes Kinderspielzeug schimmer­ten und glitzerten in der Sonne die kleinen Dörfer und Märkte. Mitten durch das fruchtbare Grün lief der silberne Neckar und empfing mit funkelndem Blitzen den Wärmeregen des segnenden Gestirns. Der Wein stand hügelab, hügelauf in duftender Blüte, lieber der neugeborenen Frühlingsherrlich­keit hing blau der ewige Himmel und predigte Glück und Freude.

Frohes Wandern war's mit erhobenen Herzen. Die Mutter erzählte ihren Kindern, im Schreiten, mit beweglichem Ton:

,.. und die zweie, so nach Emmaus wandel­ten. waren schwach und weibischen Herzens, sie

glaubten nicht, daß der Herr erstanden sei. Der Dritte aber, der sich unterwegs zu ihnen gesellt, war männlicher und klüger als sie und legte ihnen alle Schriften aus, Die von Jesum gesagt waren ..."

Mutter", sprach Phinele, bei großen Augen,es sicht wie bei uns: hat net unser Fritz auch g'rad vorhin uns zweien erklärt, wie die Geschichte der Griechenländer beschaffen fei?"

Starren, himmelzugewandten Blickes schritt Frau Schiller; sie fand im Blau des Firmamentes die Augen ihres Sohnes wieder, der tief versonnen und entrückt durchs wehende Berggras stelzte und bebend den Klang der Osterglocken in sich empfing.

.. und er sagte zu ihnen", erzählte die Mut­ter gläubig,Mußte nicht Christus solches leiden, um zu seiner Herrlichkeit einzugehen? Und da sie nahe zum Flecken Emmaus kamen, sprachen sie: Bleib bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget. Und er blieb bei ihnen."

Frau Dorothea nahm ihre Kinder an den Hän­den.Und als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er Das Brot, Dankte, brach's und gabs ihnen. Da er­kannten sie ihn ..."Mutter!" schrie Fritz Schiller auf unb fiel ihr um Den Hals.Ach sag'? Ich weiß ja: er war unser Herr? Gelt? Herr Jesus Chri­stus? Gelt, er war's?" Seine Blicke flehten die bejahende Antwort herbei.

Mit nassen Augen nickte ihm die Mutter zu; sie umschlang die mageren, sehnenden Leiber ihrer Kinder. ,,Ja", sagte sie,es war unser Herr, Herr Jesus Christus, Der unerkannt unter Den Menschen wanDelt!"

Die Menschensehnsucht unD Ehrfurcht zwang Die Drei auf Die Kniee. Sie knieten; in Der Mitte Die Mutter. Sie beteten aus tiffter Seele:Vater unser, Vater unser, der Du bist im Himmel .. "

Im Tale sangen geruhsam Die Osterglocken; der Neckar fuhr mit großer Gelassenheit seinen glitzern­den Bogen weiter durchs grünende Land.

Mutter", sagte Fritz Schiller im bangenden Schluchzen, das ihn ganz erfüllte,ich werd' den Menschen predigen damit sie froh werden! Mutter o Mutter, ich muß so was werden; ich will oben stehen und sie leiten! Meinst', Mutter, daß ich so was werden kann? O, sag' bitte sag'!"

Das Phinele zupfte Frau Dorothea am farbigen Ueberrourf..

Der Fritz, Mutterle, hat schon ein lateinisches Versle g'macht; Mutterle, wunderschön, aber ich versteh's net."

In ein paar Jahren, Fritz," sprach die Mutter mild und streichelte ihres Fritz erschauernden Schei­tel,reicht du mir als Priester Den Leib Des Herrn und sättigst meinen Hunger aufs Seelenheil. Und wenn ich zu sterben komm', segnest du in Liebe und mit geweihter Hand mein Grab."

Mutter!" schrie Fritz Schiller entsetzt auf, er

starrte sie an. Er sah die Menschensterblichkeit an seinem Liebsten aufgezeiqt, Das störte Die helle Aus­sicht. Er wehrte sich:Mutter!! Was redest' Da?"

Die Welt, Fritzle, dreht sich um Tod und Liebe, bas eine helfet zum anderen; dem großen Schick­sal muß sich alles fügen."

Gehet's net anders?"

Nein, mein Fritz."

Englische Osterscherze.

Wie bei uns gibt es auch im englischen Volk verschiedene Osterbräuche, die sich aus sehr alter Zeit zum Teil bis auf den heutigen Tag erhalten haben. Sie sind oft sehr fröhlicher Natur, und Küsse spielen Dabei eine große Rolle.Am Oster­montag", so erzählt eine alte Chronik aus Dem Jahre 1290,Drangen sieben Hofdamen in König Eduards I. Schlafzimmer unb stießen unb rollten ihn so lange hin und her, bis er glücklich war, vierzehn Pfund für seine Freiheit zu bezahlen." Dieses Eindringen in die Schlafzimmer unb bas Erwachen bes Schläfers erinnert an ben bei uns jetzt noch üblichen Brauch besSchmackostems", das Schlagen mit Osterruten in der Frühe bes Ostermontags. In Englanb ist von ber eben er­wähnten Sitte jetzt nur basHeben" oberSchwen­ken" übrig geblieben: ein Hin- unb Herschwingen bes Opfers an Hänben unb Füßen, bis ber also Be- hanbelte bereit ist, eineSteuer" zu zahlen. Eine burchaus englische Osterspezialität aber finb bie bei ber Frauenwelt halb Beliebten, halb gefürchteten Tutti-Männer". Diese meist jungen Leute eines Dorfes oerabreben sich untereinanber unb bringen, große Blumensträuße in ben Hänben, merfroürbig verkleibet, in bie umüegenben Häuser. Dort haben sie bas Recht, jebe Frau, bie ihnen begegnet, zu küssen, was unter viel Gekreisch unb Gelächter vor sich geht. Auch in England spielt der Hase zu Ostern in manchen Gegenden eine Rolle, wenn auch nicht eierlegender Weise. Gelang es früher einem jungen Mann am Ostermontag in aller Frühe einen Hasen zugreifen", so durfte er ihn dem Pfarrer bringen, der für diese Gabe folgendes zu spenden verpflichtet war: einen Kalbskopf, hundert Eier und einen Heller. In Leicester gingen Oberbürgermeister unb Ratsherren in Amtstracht am Ostermontag auf Hasenjagb. Da aber um biefe Zeit bie jagbbaren Tiere rar finb, mußte in vielen Fällen unter dem Jubel des Volkes eine Katze herhalten. Ein anderer volkstümlicher Brauch in England ist das Entfernen von Eigentum, das bann roieber eingelöst werben kann. In Filey werben Hüte, in einer anberen Stabt Schuhe beschlagnahmt unb ben Eigentümer nur gegen ein Lösegelb her­ausgegeben. Die so gemachte Einnahme wirb nach­her zu einem gemeinsamenTansy-Kuchen"-Fest oerroenbet.