Nr. 8b Erstes Blatt
18b. Jahrgang
Samstag, N. April 1936
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Osterglocken läuten über Deutschland.
Ofler-Spaziergang.
Befreit vom Eise sind Strom und Bäche... was nicht nur für die österliche Natur in unseren Breitengraden zutrifft, sondern auch politisch und sozial für das deutsche Reich. Wenn es auch einmal für Europa der Fall sein wird, sowie für alle Gefahrenherde politischer und sozialer Art, so wird das gewiß ein Segen sein für die Menschheit. Das deutsche Volk hat in dieser verheißungsvollen österlichen Zeit den Weg zur Höhe hinauf beschritten, um in der Ahnung, daß es Schicksal und Bestimmung ist, auf das, was es nach schweren Kämpfen und Niederlagen, nach Irrungen und Wirrungen erreicht hat, als das Ziel zu erkennen: d i e Nation. Wenn das deutsche Volk um diesen Wiederaufstieg beneidet wird, wenn dieser Neid sich äußert in kleinlichen und gehässigen Anwürfen, so kann und darf uns das nicht anfechten, fo kann und darf uns nichts daran hindern, den Weg bis zum Ziel weiterzugehen. Was feit drei Jahren mit uns und um uns geschehen ist, das ist so groß und gewaltig, daß die Menschen wohl ein Recht haben, von einem deutschen Wunder nicht nur zu reden, sondern fest davon überzeugt zu sein, daß sich ein solches Wunder begeben und vollzogen hat.
Als das deutsche Volk sich vor drei Jahren auf den Weg machte, als es dem Führer und Reichskanzler folgte, der sich bei dieser Aufgabe auf nichts anderes stützen konnte als auf feine innere Berufung, da hat das deutsche Volk zunächst auch nur glauben und vertrauen können. Nach drei Jahren sehen und erleben wir heute, daß der Glaube gerechtfertigt war, daß das Vertrauen sich bewährt hat, denn der innere Aufbau der deutschen Nation hat sich mit einer fo unwiderstehlichen, aber auch mit einer so überlegenen Kraft vollzogen, daß wir alle wissen, daß dieser innere Aufbau, daß die Schöpfung der deutschen Nation für uns das Schicksal ist, das uns allein weiter zur Höhe geleiten kann.
In dieser österlichen Zeit können wir noch einmal die Ereignisse der drei Jahre an uns vorübergehen lassen, um nun auch richtig zu verstehen, wie bedeutsam und unausweichlich es war, daß, um die Nation zu schaffen, zerbrochen und vernichtet werden mußte, was dieser Schöpfung entgegenstand. Ob das, was zerschlagen wurde, uns nahestand oder nicht, das kümmert uns heute nicht mehr, denn wir wissen, daß es ohne die Zertrümmerung der parlamentarischen Demokratie, ohne die Ausräumung aller Ueberbleibsel der Kleinstaaterei und Viel- staaterei keine Möglichkeit gegeben hätte, eine nach innen und außen starke Nation aufzubauen. All die Eisrinden mußten gesprengt werden, die sich wie Panzer fest und geschlossen um unser geistiges und seelisches Fühlen und Denken gelegt hatten. Denn wer eine Nation bauen und aufrichten will, kann dies nicht nur im politischen Bereich, er muß das auch mit geistigen und seelischen Kräften untermauern.
Was dieser Werdegang zur Nation, was diese Schöpfung heute schon für uns ausmacht, das haben wir sehr eindrucksvoll in diesen Tagen erlebt, als der deutsche Friedensplan veröffentlicht wurde, veröffentlicht zu dem Zweck, auch die Völker um uns vorn Eise und von den Fesseln der Versailler Politik zu befreien. Es liegt fast wie ein Anerkenntnis darin, daß die öffentliche Meinung in allen Ländern den deutschen Friedensplan als eine Grundlage auffaßt, ohne die es eine neue Ordnung und Befriedung Europas nicht geben kann und wird. Ein Volk, das es fertiggebracht hat, sich von den Wirrungen und Irrungen politischer Parteien zu befreien, ein Volk, das soziale Klassengegensätze überwunden hat, das für den Aufbau einer Volksgemeinschaft, in der sich jeder auf alle und alle auf jeden verlassen kann, neue Formen gesucht und gefunden hat, ein Volk von dieser einziggearteten Größe der Leistung, trägt in sich auch die' Bestimmung, den Völkern das zu geben, wonach sie im Unterbewußtsein mit leidenschaftlicher Kraft verlangen: den Frieden in Ehren.
Ostern, das ist für das deutsche Volk bis in die Frühzeit seiner geistigen Geschichte hmem immer ein Fest gewesen, das mit Werden und Auf- erstehung verbunden war und ist. Wir wissen aus dieser geistigen Geschichte, daß wir mehr als einmal auf dem Wege gewesen sind, eine Nation zu werden, daß wir aber mehr als einmal diesen Werdegang selbst zerstört haben. Wir sind heute das große Volk, das die Nation verhältnismäßig spät, aber nicht zu spät gefunden hat, zimial in diesem Spät auch ein Schicksal und eine 53or= sehung enthalten sind, über die wir uns heute noch keine Rechenschaft oblegen können.
Nach einem politischen Winter von 17 Jahren, der nicht die kleinste Pflanze der Hoffnung m Eu- ropa keimen ließ, bezeichnen die großen Ereigni.se dieses Frühjahrs den Anbruch einer neuen Zeit, die „W andlung in Europa", wie man es tn England genannt hat. Der Umschwung selbst ist noch nicht da; nichts wäre falscher als sich selbst Ltwas vorzumachen. Aber auch der österliche Frühling in der Natur ist ja regelmäßig noch begleitet non kalten Tagen und Rückfällen in winterliches Gebaren mit Hagelschauern und Nachtfrösten, und die politische Entwicklung wird so wenig eine Stute überspringen wie die Jahreszeit in der Entwicklung
tn der Natur. Eine 17jähriae planmäßige Erziehung zum Haß, zur Feindschaft, zur grundsätzlichen Rechtsverweigerung, zur maßlosen Ueberheblichkeit kann sich nicht von heute auf morgen ms Gegenteil wandeln. Es braucht eine Übergangszeit. Diese Uebergangszeit aber ist vorbereitet und eingeleitet worden durch die unbeirrbare Friedensarbeit Deutschlands unter seinem Führer Adolf Hitler. Niemand sonst hat so viele und so handgreifliche Beiträge für die Befriedung Europas geliefert. Gewiß, Ostern ist noch nicht der Frühling selbst, sondern nur fein Anfang. Aber gerade auf den Anfang kommt es bei allem Tun an, er muß überhaupt erst einmal gemacht werden. Darin ist Deutschland allen anderen mit beschämendem Beispiel vorangegangen. Deutschland hat den Einbruch
in eine erstarrte Welt bloßer politischer Formeln des Unfriedens erzwungen.
Wir können aufatmen. Es wird noch manchen Sturm und manche Abkühlung geben, das ist noch in jedem Frühjahr so gewesen. Aber die 17 Jahre lange winterliche Hoffnungslosigkeit ist von uns genommen. Man sieht endlich, daß die Vernunft ganz allmählich sich gegen den sterilen Starrsinn durchzufetzen beginnt. Das ist wie die frohe österliche Botschaft von der Auferstehung. Laßt uns diese Auferstehung aus der dumpfen Gruft feiern, in die uns die Verblendung der „Sieger" zwang und aus der uns nun Adolf Hitler befreite! Und laßt uns froh seinen unerschütterlichen Glauben an unser Deutschland mit ihm teilen und ihn und diesen Glauben für die kommenden Dinge stärken.
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(Aufnahme: E. Hase, Frankfurt a. M.)
„Dom Eise befreit ..." Die erste Ahnung unü die erste Lust, den ewigen, im „Faust" verklärten Osterspaziergang der Deutschen noch einmal zu wandeln und nachzuempfinden, überkommt uns schon ein paar Wochen vor dem Fest. Eben hat es noch in dichten Flocken geschneit, und wie lange ist das her — war es nicht vorgestern erst? —, daß die dünne, gläsern spiegelnde Haut über einer Lache am Wege klingend unter unseren Fußen splitterte ... am frühen Morgen, auf dem Gang ins Geschäft. Aber am Mittag, wenn wir heimgehen, schwimmen eilige, kleine Lämmerwolken im blassen Blau des Himmels, und am Abend weht ein milder, südlicher Wind um unser Haus. Ein zarter, silberner Sichelmond steht überm First, wenn wir schlafen gehen, und wenn wir uns zuvor noch einmal übers Kinderbett beugen, sehen mir mit Staunen und Rührung, daß unser Kleinstes, rotbäckig und hingegeben schlafend, zwar sein rechtes Däumchen wie jeden Abend in den Mund geschoben hat, um tröstlich daran zu saugen .... mit dem linken Fäustchen aber hält es em elend zerzaustes, vom Zahn der Zeit und von den Wintersturmen des Kinderzimmers benagtes Häschen eng und innig an sich gepreßt. Dieses Häschen — mir kennen es wieder — ist noch „vom letzten Mal', vom vorigen Jahr. Es mar lange verschmunden und vergessen: es hat Haare gelassen, man kann es nicht leugnen, und auch sein eines Ohr ist leider ab: wer weiß, wo das blieb. Aber selbst ohne dieses fehlende Hasenohr wissen wir nun, nachdenklich unser Bett besteigend, Bescheid ... Und siehe, am andern Morgen entdecken wir, daß es über Nacht
geregnet hat, em wenig nur, aber es war genug, die ganze Welt österlich zu verwandeln: über den kahlen Bäumen liegt ein Hauch von lichtem Grün, von Silber und hellem Grau, und auf dem Heimweg am Mittag weht uns aus den Gärten auf einmal ein süß-herber Hauch von Veilchen und frisch gebrochener, duftender Erde an. Da müssen wir ja einen Augenblick stehenbleiben und mit unserer Nase und unferm Gemüt diesen Hauch in uns aufnehmen ... so recht mit Lust und Bewußtsein, denn es ist jedes Jahr aufs neue schön und beglückend, den jungen Frühling zu spüren. Zwar ist es noch ungewiß in diesen Tagen, ob „der alte Winter in seiner Schwäche" sich wirklich ein für allemal in rauhe Berge zurückgezogen hat. Und wenn wir auch inzwischen ein paar Tage ober Wochen weiter sind, schon im April, so ist es freilich nicht sicher, ob er uns nicht noch am Gründonnerstag vielleicht mit „ohnmächtigen Schauern körnigen Eises" heimsuchen wird. Es wäre ein Schmerz, wenn diese Heimsuchung unser neues Frühlingshütchen träfe; es wird doch nicht ... In den Gärten blühen mittlerweile die Magnolien, die Mandel- und Pfirsichbäumchen, neben den Veilchen stehen Krokus und Himmelsschlüssel in gelben Büscheln, die Kastanien sogar haben schon dicke, klebrig glänzende Knospen und die ersten zartgrünen Spitzchen angesetzt ... Unser Kleinstes aber und auch die Größeren zählen uns an rosigen Fingern vor, wie oft sie noch einschlafen und wieder aufwachen müssen, bis ihr ganzer Garten voll bunter Ostereier liegt. Und ein neues Häschen ist hoffentlich auch habet hth.
Neues Leben.
„Und wieder läuten die Wunderglocken Und locken die Sehnsucht in Traum und Licht; Umflattert von blonden, goldschimmernden Locken Lächelt uns freundlich Lenzprinzleins Gesicht: Ihr Klingen hallt durch die Weltenweiten: Ich trockne die Träne im Kummerblick, Ich bringe ja Freude und Seligkeiten, Ich wecke die Märchen vom Glück ... vom Glück ..
Wie ein Märchen ist es wieder über uns gekommen, das Wunder der lenzenden Natur und des neu erwachten Lebens. Wie ein Märchen vom Glück, wie wir es so schön nur im Traume kennen. So ist es uns in den vergangenen Jahren wohl manchmal ergangen. Aber jetzt wissen wir, es ist nicht bloß ein schöner Sehnsuchtstraum, es ist Leben, wirkliches Leben. Der Klang vom Leben ist in uns wieder fo stark und echt geworden, der Klang vom Leben, das den Tod soll zwingen, daß wir ihn bis in den tiefsten Herzschlag spüren, wenn die Osterglocken ' über die Lande läuten, neuen Lebens frohe Künder.
Wo wäre ein Haus und eine Hütte, wo ihr lebensfroher Schall nicht hindränge, wo wäre ein Herz, noch fo granweröüftert von winterlicher Sorge und Not, aus dessen verborgenster Kammer nicht von neuem heimliches Hoffen und sehnliches Wünschen sich hervorwagte, wenn die Osterglocken über die Berge und Täler sich schwingen! Dann spürt es neue Kräfte sich regen, wundervolle, schaffende, heilende, helfende.
Und wenn bas Menschenherz tausend Tore hat, wie jene alte, sagenhafte Stadt Theben, durch die die Freude einziehen kann, dann hat auch das deutsche Herz wieder alle feine Tore geöffnet, um neue Lebensfreude einziehen zu lassen. Die Tore des Lebens stehen uns wieder offen, wir haben uns den verdienten Platz an der Sonne wieder erkämpft in Ehrhaftigkeit und Wehrhaftigkeit, wir haben des Grabes Riegel gesprengt und den schweren Stein, der davor lag, fortgewälzt. Und nun stehen wir wieder im Hellen Osterlicht neuen Lebens. Und alle Glocken der Ostern läuten uns.
So feiern wir diesmal die „Auferstehung des Herrn", denn wir sind selbst auferstanden Wir wollen es nicht vergessen, daß wir solch neues Leben immer nur aus feinem Leben erhalten und nehmen können, das uns nun die Fülle schenkt und ewige Keimkraft in unser Schaffen legt. Erst fo feiern wir recht das Fest neuen Lebens und fühlen in ahnendem Erschauern in Urtiefen unserer Seele eine ungeahnte, neue Kraftmöglichkeit erwachen, die nach Entfaltung drängt, wie das Samenkorn in der Erde.
So ist in unfern Herzen ein neues, schöpferisches Leben erwacht, das sich nicht mehr halten läßt in dunkler, dumpfer Enge, das zum Lichte strebt und zu höchster Lebensentfaltung. Ein neues Leben, das wie der Frühlingssturm über die Erde geht.
Das ist unser innerster Osterjubel, wenn uns diesmal die Osterglocken läuten. Und dies Klingen wollen wir tief in die Seele hinein und mit uns nehmen als den festen Grundton in des Tages Mühe und auf der Freude Sonnenhöhe, in manche schweren, kommenden Tage, wenn Haß und Neid uns wieder umdrängen und die Widersacher aufstehn, und in die Tage, da Gottes Sonne und Friede uns freundlich lacken.
Wenn ein jeder von uns sich das so vornimmt und getreu durchhält, dann wird auch niemand mehr unser Ostern schmälern oder gar nehmen können.
„Dann wird ja deiner Glocken Singen
Nimmermehr verklingen,
Und auch durch dich wird auf der deutschen Erden Noch Ostern werden ..."
Es war der fromme Philosoph Gottlieb Fichte, der in schwerer Zeit unser Volk tröstete mit der Verheißung: „Endlich einmal muß doch durchbrechen das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit ..." Nun, wir wissen und erleben es, daß es im Drechbrechen ist. Es liegt nur an uns. dem neuen Reich des Lebens überall zum Durchbruch zu verhelfen. Vor allem auch in uns selbst, in unserm eigenen Leben. Auch da müssen die Osterglocken neuen Lebens die alten Glocken der Selbstsucht, der Vereinzelung und Unbrüderlichkeit endlich und endgültig übertönen und ein neues Leben einläuten für jeden von uns.
Drum, Osterglocken, läutet über d i e deutschen Lande, wie ihr so oft geläutet habt, aber diesmal wirklich zu einem neuen, sieghaften Leben und Auferstehn! Weckt die letzten Schläfer und Träumer auf aus ihrem Winterschlaf, daß auch sie ans Osterlicht neuen Lebens kommen.
„Wacht auf, die ihr im Winterschlummer Noch müb* und bang und zagend lagt, Wacht auf aus Nacht und schwerem Kummer: Die heil'ge Osterfrühe tagt.
Empor, ihr Brüder und ihr Schwestern, Aus Haus und Hütte fern und nah, Hinweg das sorgendunkle Gestern, Der heil'ge Ost er tag ist da!"


