Ausgabe 
11.3.1936
 
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Nachdruck verboten!

9. Fortsetzung.

schützt als bei Erhard von Hagen. Ihre Liebe zu Erhard war für sie ja mit so viel Angst und Un­ruhe verknüpft, daß sie nicht recht zum Frieden kam.

Und so war es, als ob ihr etwas genommen war durch Heßlings rätselhafte Abreise. Sie fragte die Tante deshalb. Die aber schnitt ihr jede Er­örterung darüber brüsk ab. Merkwürdig, wie un­freundlich die Tante plötzlich von Heßling sprach, beinah feindselig! Warum, begriff Mariella nicht Hatte doch Tante Annina Heßling in den letzten Monaten sichtlich bevorzugt. Aber sie kam nicht mehr dazu, lange darüber nachzudenken.

Die Sorgen um Erhard nahmen ganz Besitz von ihr. So erschrak sie beinah, als die Tante ihr eines Tages beim Frühstück sagte: .

Du wirst nun bald mündig, Mariella. Das ist ein bedeutungsvoller Tag im Leben eines jeden Menschen. Und so soll dein einundzwanzigster Ge­burtstag richtig gefeiert werden."

Mariella lächelte bitter. Dieser Ausspruch war wieder einmal recht Tante Annina. Nicht um ihr selbst eine Geburtstagfreude zu machen, dachte die Tante an eine festliche Feier. Sie dachte nur an das, was ihrem Ansehen nützen wurde. Wie wenig war ihr doch nach Feiern zumute. Aber als sie schüchtern zu widersprechen wagte, erklärte Annina zornig: , r .., . ,

Es ist mein Wunsch, und du hast dich danach zu richten. Es ist wirklich schrecklich mit dir- Em anderes Mädchen würde dankbar sein, daß man sich mit ihrem Geburtstag soviel Umstände macht. Aber du sitzt wieder da, als hätte man dir wunder was Schlimmes angetan." ~

Ich bin dir ja sehr dankbar, Tante Annina , brachte Mariella mit erstickter Stimme heraus.

Nun, dann beweise es dadurch, daß du mich bei den Vorbereitungen recht unterstützt. Ich habe be­reits eine Liste der Einzuladenden aufgestellt. An­nina legte einen Zettel vor Mariella hin.Also mit Erlaucht Wiesenstein sind wir dreiundvierzig Personen, rechnete Annina. Und in einem Anfall von Großmut fügte sie hinzu:Hast du in deinem Freundeskreis irgend jemanden, den du noch dazu bitten möchtest? Uns fehlt noch eine Tischdame für den jungen Kammacher."

Mariellas Züge belebten sich. Für einen Augen­blick hatte sie ihre traurige Lage vergessen. Leuch­

Oie Tippgräfin.

Roman von Klothilde v (Stegmann

Urheberrechtsschutz: Auswärts-Verlag, Berlin, SW 68.

Rüddingshausen.

Spo. Schweinsberg I FC. Rüddingshausen I 5:2 (2:0).

Rüddingshausens I. Mannschaft trat am Sonn- tag gegen den Meister der I Kreisklasse, vom Be­zirk Marburg, den Spv. Schweinsberg in Schweinsberg an. Beide Mannschaften lieferten ich einen schnellen spannenden Kampf, den Schweinsberg verdient mit 5:2 gewann. Schweins­berg ging bald nach Beginn durch einen unhaltbaren Schuß in Führung. Ein Lattenschuß verhinderte den Ausgleich. Bis zur Pause gelang Schweinsberg der 2. Treffer. Nach dem Wechsel war das Spiel vollkommen offen. Rüddingshausen verkürzte auf 2:1. Ein weiterer Lattenschuß verhinderte den Aus­gleich. Dann erhöhte Schweinsberg in kurzer Zeit auf 5:1. Kurz vor Schluß gelang Rüddingshausen der 2. Treffer.

Die Jugend verlor gegen die körperlich stärkere Schweinsberger Jugend unverdient hoch mit 3:0 Toren.

Fußball im Turnverein Großen-Linden

Zum fälligen Aufstiegspiel weilte Großen-Lindens Jugend in Rodheim. Die Jugend von Großen-Linden gewann mit 1:3 Toren. Der Schiedsrichter befrie­digte wenig.

Anschließend lieferten sich die zweiten Mannschaf- ten beider Vereine ein schönes und spannendes Spiel, das unter der umsichtigen Leitung des Torhüters der ersten Elf von Rodheim mit einem klaren Sieg (0:4) für die Gäste endete.

Die 2. Jugend trat auf eigenem Platze der 1. Ju­gend von Allendorf mit nur 10 Spielern gegenüber und unterlag mit 2:4 Toren.

HandballimKreisLahn-Oill(GauXU)

Bezirksklasse.

Das einzige Spiel der heimischen Staffel in der Bezirksklasse nahm den erwarteten Ausgang. Heu­chelheim gelang es auf eigenem Platz, feinen Geg­ner aus Roth knapp 5:4 (3:2) aber vollkommen verdient niederzuringen. Der Sieg wiegt um so schwerer, als die Spielstärke der Gäste als gut angesprochen werden kann. Darüber hinaus hatte Heuchelheim zahlreichen Ersatz in seinen Reihen, der sich sehr gut in die Mannschaft einfügte und der an dem Erfolg vollen Anteil hat. Leider kommt die gute Form der Platzbesitzer etwas reichlich spät.

Freundschaftsspiele.

Eine ganze Reihe von Spielen mußte durch das Ausbleiben der Soldaten abgesagt werden. Im­merhin stand noch ein sehr interessantes Programm auf dem Spielplan.

To. Krofdorf Tv. Dorlar 10:12 (3:5): Die Krofdorfer, die lange Zeit ausgesetzt hatten, traten erstmalig wieder an. Ihrer Mannschaft fehlt es zwar noch an Uebung, sie hat aber gezeigt, daß man noch mit ihr rechnen muß. Denn gegen die eingespielte Elf von Dorlar ein so ehrenvolles Er­gebnis herauszuholen, will schon etwas heißen.

Tv. Groß-Rechtenbach Tv. Duten­hofen 4:4 (2:1): Eine sehr gute Partie lieferte Dutenhofen in Groß-Rechtenbach. Die Spielstärke der Platzbesitzer ist als eine der Spitzenmann- schäften der 1. Kreisklasse bekannt. Um so über­raschender kommt das gute Abschneiden der Gäste.

Annina erhielt. Annina warf Mariella vor, daß sie ihr neben den hohen Pensionskosten auch noch die Ausgaben für das Hospital aufgebürdet und wieder einmal vergessen hatte, aus wessen Tasche das alles ginge.

Mariella war ganz gebrochen. Wenn sie auch von Tante Annina nicht allzu viel Liebe gewöhnt war ein gütiges Wort, einen kleinen Ausdruck der Freude, daß sie dem Tode entronnen war, hatte sie doch erwartet. Lore Ankermann hatte da- bei sehr gut gesehen, daß der Brief aus der Hei- mat Mariella unsagbar weh tat. Behutsam hatte sie die Freundin nach dem Grunde ihres Kummers gefragt.

Lies selbst", hatte Mariella bitter gesagt.

Lore las. Ein nachdenklicher Ausdruck erschien auf ihrem zarten Gesicht.

Das begreife ich nicht, Mariella", erklärte sie. Noch heute bei Tisch hat unsere liebe Pensions­mutter, Frau Aeschi, uns gesagt, daß deine Krank­heit glücklicherweise deiner Tante keinen Pfennig koste. Wir Pensionärinnen seien alle gegen Unfall und dergleichen versichert, und die ,Sueoia' zahle einfach alles für dich."

Vielleicht wußte Tante das nicht?" sagte Ma­riella mit etwas hoffnungsvoller Stimme.

Doch! Das ist es ja gerade", bemerkte Lore empört.Frau Aefchi hat ihr das in dem gleichen Schreiben mitgeteilt, das ihr deine Ueberführung in das Hospital meldete. Aber weißt du was, Ma­riella, gräm dich nicht weiter über die dumme Lieb­losigkeit deiner Tante", tröstete die gutherzige Lore, die, ähnlich wie ihre Freundin, als elternlose Waise bei ihrem Großvater aufwuchs. Mit dem Unter­schied freilich, daß der Oberforstrat Ankermann seine schöne, kleine Enkelin vergötterte.

Wenn ich erst meine Hühnerfarm auf der Geyer- bürg habe", fuhr Lore fort,so mußt du zu uns kommen und mir helfen, Mariella. Ich kann ohne dich einfach nicht existieren, und du sollst mal sehen, wie glücklich wir miteinander leben werden. Auch für dich wird es gut fein. Denn dann ist deine Tante dich los. Du bist selbständig, verdienst di» deinen Lebensunterhalt und bleibst so lange bei uns, bis der schrecklich reiche Mann kommt, der sich bestimmt in dich verliebt und dann heiratet!"

(Fortsetzung folgt!)

+ Grünberg, 10. März. Dieser Tage hielt der hiesige Männerchor im HotelZum Hirsch" seine Hauptversammlung ab. Nach dem Gesang des SängerspruchesDeutsch das Lied, deutsch der Wein, deutsch das Herz am freien Rhein" eröffnete der Vereinsführer, Uhrmachermeister Rich.Jöckel, die Versammlung und wies beim Gruß an den Führer auf dessen Tat vom 7. März hin. Die Ehrung des im vergangenen Jahre verstorbenen Ehrenvor­sitzenden Georg Möller wurde in der üblichen Weise vorgenommen. Nach dem Jahresbericht zählt der Verein (gegr. 1834) zur Zeit 53 aktive Sänger, 14 Ehrenmitglieder und 70 passive Mitglieder. Der Verein wirkte bei vielen öffentlichen Veranstaltun­gen im Laufe des Jahres mit, außerdem nahm er am Wertungssingen des Ohm-Lumda-Kreises in Lehnheim teil. Das alljährlich übliche Konzert in der Turnhalle brachte diesmal als Neuerung ein offenes Singen. Der Besuch der Singstunden war durch­schnittlich gut. Bei 46 abgehaltenen Singstunden zeigten Heinrich Werner II. und Hermann Ger­hardt die volle Zahl, 45 Singstunden besuchten: Wilhelm Lehmann, Georg Schombert, Karl Frank, Rud. F u l d a t, Emil F u l d a t und Aug. Becker, 44 Stunden: Rud. Trinkaus, 43 Stunden: Rich. Jöckel, Karl Brune und Walter Repp. Für 30jährige aktive Sangestätig­keit erhielten folgende Mitglieder Diplome: Hein­rich Werner II., Wilhelm Lehmann und Karl R e e h. Als Prefsewart wurde Aug. Becker be­stimmt. Das Singen bei der Trauung eines Mit­gliedes soll künftig nur noch erfolgen, wenn eine Mitgliedschaft von mindestens einem Jahre vorliegt. Der Kassenabschluß ergab einen kleinen Ueberschuß. Es folgte noch eine rege Aussprache über das Auf­gabengebiet der Männerchöre in der heutigen Zeit. Chorleiter Fritz Leib (Gießen) und seine Musik­schüler Walter Gerhardt verschönten den Abend durch musikalische Darbietungen. Mit dem Gesang des SängerspruchesEinig im Lied, treu im Ge­müt" wurde die Versammlung geschlossen.

00 Klein-Linden, 10. März. Am Sams- fnnnbenb hielt der G e i l ü g e l z u ch t v e r e, n Klein-Linden im Caf6 Lutz eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Bei der am kommenden

klärt sich aus der Tatsache, daß die Schweinezucht in Lang-Göns schon seit Jahren auf beachtlicher Höhe steht und in Fachkreisen bekannt ist.

Lich, 9. März. Nach einer Mitteiluna der Provinzialdirektion Oberhessen soll noch im Laufe dieses Monats mit den Vorarbeiten zur Herstellung einer Topekadecke in der Hungener Straße in Lich begonnen werden. Die Provinzialdirektion weist alle Anlieger der Hungener Straße vom Bahnübergang bis zum Pfarrwiesenweg, die in ab­sehbarer Zeit Hausanschlüsse an das Wasserleitungs- oder an das Kanalisationsnetz der Stadt Lich Her­stellen oder abändern lassen wollen, darauf hin, daß diese Arbeiten vor Beginn der Straßenbauarbeiten vorgenommen werden müssen. Die Anträge zur Her­stellung der Anschlüsse bzw. der Aenderungen sind deshalb sofort an die Bürgermeisterei zu stellen. Später gestellten Anträgen wird die Genehmigung von der Provinzialdirektion versagt werden.

5 Lich, 10. März. Die letzte Eintopf- s a m m l u n g des Winterhalbjahres 1935/36 ergab in unserer Stadt das stattliche Ergebnis von 281,45 Mark gegenüber dem Ergebnis der letzten Eintopf­sammlung im Vorjahr von 261,65 Mark. Als einer der ersten Frühlingsboten traf gestern nachmittag Freund Adebar von feiner Süd- reise in unserer Stadt wieder ein und nahm wieder von seinem alten Stammsitz auf der Marienstifts- kirche Besitz. Die Doppel kurve Brau­gas s e - U n t e r st a d t, in der sich in den letzten Monaten zahlreiche Verkehrsunfälle ereigneten, wird zur Zeit durch Einlegung einer die Straße teilenden, nach beiden Richtungen weisenden Lime (weiße Kopssteine) gekennzeichnet.

Große Girafkammer Gießen.

Wegen versuchten Verbrechens im Sinne des § 176, Abs. 3 RStGB. wurde der A. B. aus Effol­derbach zu fünf Monaten Gefängnis ver­urteilt. _,

Gegen die Anna Dietrich aus Schwalheim wurde die Sicherungsverwahrung aus­gesprochen. Die Angeklagte, bei der es sich um eine geistig anormale Person handelt, war als landwirtschaftliche Arbeiterin tätig. Im Laufe des Vorjahres zündete sie in drei Fällen, und zwar in Schwalheim, sowie im Odenwald Scheunen an, die vollkommen niederbrannten. Als Motiv der Tat gab sie verwirrte Erklärungen ab. Da die Gefahr besteht, daß die Angeklagte ihr asoziales Treiben fortsetzt, mußte die Sicherungsverwahrung ausge­sprochen werden.

Schulungskursus der Fußbatt-Zungführer in Gießen.

Am morgigen Donnerstag, 12. März, beginnt :n Gießen ein Fußball-Jungführerkursus, dessen Lei­tung in den Händen des Bundessportlehrers ßeinb erger, der aus feiner früheren Tätig­keit in Gießen kein Unbekannter mehr ist, liegt. Aus insgesamt 75 Vereinen des Sportkreises Gießen sind die Jungführer zusammengerufen. Der Arbeitsplan beschränkt sich nicht darauf, nur technische Fragen des Fußballs den Jungführern nahe zu bringen, sondern will darüber hinaus auch die Jungführer soweit bringen, daß sie geeignet sind, das ihnen an- vertraute Amt eines Jungführers innerhalb der Vereine in gedachtem Sinne auszufüllen. Es ist klar, daß bei der Fülle der dem Kursus gestellten Aufgaben die intensive Mitarbeit eines jeden Jung­führers Voraussetzung für das Gelingen des Kur­sus ist. Für diese Anstrengung haben die Jungführer auf der anderen Seite die Genugtuung, alles Wissenswerte vom Fußball in seinem Aufbau ge­lernt zu haben. Der Kursus selbst wird durch den Kreis-Fachamtsleiter Huao Henkel-Gießen er­öffnet. Im Rahmen des Kursus wird der Gruppen­leiter Michel- Gießen einen Vortrag über das ThemaQuer durch die Fußballregeln" halten. Gerade durch diesen Vortrag soll den Jungführern ermöglicht werden, innerhalb der Vereine für das Schiedsrichterwesen zu werben und aufklärend zu wirken. Man hofft, daß auf diese Weise, in den Vereinen die Stellung des Schiedsrichters, die leider nur allzu oft verkannt wird, die richtige Würdigung erfährt. .

Als Abschluß des Kursus ist für Samstag, den

Hangern geboten. Die Ligareserve von VfB.-R. Gießen wartete mit schönen technischen Leistungen auf und konnte Mitte der ersten Halbzeit durch ein Kabinettstückchen des Halblinken in Führung gehen. Die Platzmannschaft ging nun stärker zum Angriff über, konnte aber bis zur Pause den längst ver- dienten Ausgleich nicht erzielen.

Kurz nach Wiederbeginn wurde das Spiel durch eine Schweigeminute anläßlich des Heldengedenk- tages unterbrochen. Eine Umstellung der Klein- Lindener (Verstärkung der Läuferreihe) wirkte sich ehr vorteilhaft aus. Der Sturm wurde mit schönen Vorlagen bedacht, die dann auch zum Erfolg führ- ten. Im Anschluß an eine schöne engmaschige Kom­bination des Jnnensturmes schoß der Mittelstürmer zum Ausgleichstreffer ein. Kaum eine Minute spä­ter konnte Balser im Gießener Tor einen flachen Schuß gerade noch abwehren. Immer wieder mußte Balser, der einen guten Tag hatte, die schwierigsten Situationen klären. Doch dann muß er sich ge­schlagen bekennen. Bei der Abwehr eines aus näch- ter Nähe getretenen Balles fiel ihm das Leder aus der Hand, der nachsetzende Halblinke drückte zum Siegestor ein. Bis zum Schluß drängte Klein- Linden, ohne aber das Resultat erhöhen zu können.

Die Jugendspiele gegen 1900 Gießen kamen lei­der nicht zum Austrag.

Und nun saßen am Abend die drei Bundesgenos­sen auf der steinernen Terrasse, die sich weit in den riesenhaften Park des Palazzo hineinzog. Feu­riger italienischer Wein leuchtete in den weißen Kristallpokalen, in denen sich das Licht der Wind­lampe spiegelte. Der Herzog hob fein Glas:

Auf unsere Reise, auf unseren Erfolg und dar­auf, daß wir Giovanni finden!"

Wenn er wirklich noch lebt", warf Pepito ein.

Mein Gefühl sagt mir, daß es so ist", meinte der Herzog.

Und mir die Hoffnung, die ich im Herzen trage, dachte Heßling bei sich.

Noch einmal hob der Herzog sein Glas:

Auf deine Rettung, Freund Giovanni auf das Glück deiner kleinen Mariella!"

Amen!" schloß Walter Heßling leise. Drei Glä­ser klangen rein zusammen.

9. Kapitel.

O selig, o selig, ein Kind noch zu sein!

Mariella war sehr betrübt, als sie von Doktor Heßlings rätselhafter Abreise hörte. Don allen Men­schen, die ins Haus ihrer Tante kamen, war er ihr der sympathischste. Er hatte eine so gütige, ritterliche Art, mit ihr umzugehen. Sie hatte sich in seiner Nähe immer so selig geborgen gesuhlt. Ab und zu war es ihr gewesen, als ob seine ernfien Blicke noch von mehr sprachen als von freundschaft­licher Fürsorge. Als ob seine guten Augen mit einem Ausdruck der Frage und der Bitte auf ihr ruhten. Und vielleicht wäre Erhard von Hagen nicht gekommen, so hätte sie darüber nachgedacht, was hinter Doktor Heßlings Wesen stände. Aber die fanatische Liebe zu Hagen hatte sie gefühllos für alles andere gemacht, was vielleicht ihr Herz berühren konnte. Doch dieses Gefühl der Geborgen­heit in Heßlings Nähe war geblieben. Ja, sie fühlte sich eigentümlicherweise bei ihm mehr be­

14. März auf dem Waldsportplatze des VsB- Reichsbahn ein Fußballspiel der 22 besten Jugend­lichen vorgesehen. Dieses Spiel soll den Beweis über die geleistete Arbeit darstellen.

Die Jungführer werden während der Dauer des Kursus in der Jugendherberge an der Hardt unter­gebracht. Wenn die Zeitspanne auch kurz ist, so dürfte doch gerade durck die gemeinschaftliche Unter­bringung auch der Gedanke der Gemeinschaft und Freundschaft eine starke Förderung erfahren.

Die praktische Arbeit untabie Vorträge finden auf dem Waldsportplatz statt, der durch die Schönheit seiner Lage ein ideales Uebungsgelande abgibt. ,

Ergebnisse der Bezirksklasse am Sonntag.

Sportverein 05 Wetzlar Frohnhausen 3:0. Naunheim Sinn 4:2.

Die Wetzlarer befanden sich in guter Verfassung und konnten bis zur Halbzeit einen 3:0-Sieg heraus­holen, in der zweiten Halbzeit konnten sie aber trotz starker Ueberlegenheit die oft sehr zahlreich verteidigenden Frohnhäuser nicht mehr schlagen.

Die Naunheimer ließen sich auch von Sinn, ob­wohl für sie nichts auf dem Spiele stand, nicht schlagen. Die Form der Naunheimer berechtigt zu der Hoffnung, daß sie auch in den Aufstiegspielen unfern Kreis würdig vertreten.

Spielabteilung 5fo.l889 Klein-Linden.

Klein-Linden I VfB.-R. Liga-Res. 2:1 (0:1).

Ein schönes bis zum Schluß spannendes Spiel wurde in Klein-Linden den zahlreichen Sportan-

tenden Bildern gleich stiegen die sonnigen Jahre vor ihr auf, die sie im Kreise ihrer jungen Alters­genossinnen m dem Luzerner Erziehungsinstitut zu­gebracht hatte.

Sie sah sich neben der weizenblonden, blau­äugigen Lore Ankermann durch den Park tollen, der sich bis an das grüne Ufer des Vierwaldstätter Sees erstreckte. Das Töchterpensionat, mit dem poetischen NamenMaidlis Glück" besaß einen eigenen Badestrand, und die zwanzig Pensionärin­nen kannten kein größeres Glück, als nach ben Schulstunden sich im Sommer den erquickenden Fluten des blauschimmernden Sees anzuvertrauen.

Wie ein köstlicher, schimmernder Edelstein lag das Wasser da, umrahmt von den schneeigen Berg- ne|en, die um diese Jahreszeit nur selten ihre ehrwürdigen Häupter mit einer Nebelkappe ver­hüllen.

Wie oft hatten Lore und Mariella andachtsvoll an ben Ufern des Dierwaldtstätter Sees gestanden, wenn Alpenglühen die Gipfel in feuriger Lohe auf­funkeln ließ, und sie hatten sich, nach Art junger Mädchen, ewige Freundschaft gelobt.

Sie hatten dort einmal ihreBlutsschwestern- schaft" sogar nach romantischer Art bekräftigt. Mit Loras winzigem Taschenmesserchen brachten sie sich beide einen Schnitt am Unterarm bei und tranken dann den Blutstropfen aus der Wunde. Damit war ihreBlutsfreundschaft" besiegelt. Für Mariella hatte ihr heroisches Tun sogar noch sehr unange* nehme Folgen gehabt: Sie zog sich eine bösartige Infektion zu, Wundfieber trat ein, unb um em Haar wäre ihr rechter Arm ihrer kinblichen Spiele­rei zum Opfer gefallen. Sie mußte ins Kranken­haus, und zwei Tage lang fürchteten die Aerzte sogar für ihr Leben.

Mariella ahnte nicht, wie fieberhaft Annina von Gellern damals auf Nachricht von Mariella gewar­tet hatte. Im geheimen hatte Annina gehofft, daß Mariella nicht wieder genesen würde und sie selbst so ohne Schwierigkeiten in den ungeschmälerten Be­sitz der Erziehungsgelder gelangen würde. Als Ma­riella dann wieder selbst schreiben konnte und der Genesung entgegenging, war Annina geradezu ent­täuscht.

Es war ein böses, von Vorwürfen strotzendes Schreiben, bas bie kaum genesene Mariella von

> Lang-Göns, 9. März. Mit bem begin­nenden Frühjahr setzt auch hier die Arbeit der Kar­toffelzüchter ein. Zur Zeit werden die Saat­kartoffeln 06 gibt in der hiesigen Gemeinde rund 25 anerkannte Saatbaustellen verlesen, was teils mit der Hand, teils mit einer Sortiermaschine ge­schieht. Die kleinen und die ganz großen Knollen sind als Saatgut ungeeignet unb werben zurück­gelegt. Da die Saatkartoffeln von Lang-Göns einen guten Namen haben, finb auch die Bestellungen so zahlreich eingegangen, baß wieder nahem alles verkauft ist. In der Hauptsache werden hier die bekannten SortenIndustrie",Erdgold",Edel­traut" usw. aber auch verschiedene Sorten von Frühkartoffeln gezüchtet. Soeben wird mit dem Versand der bestellten Saatkartoffeln begonnen.

8 Lang-Göns, 9. März. Bei der S t r a ß e n- sammlung am 1. März, die für das WHW. von Mitgliedern der Deutschen Arbeitsfront durchgefuhrt wurde, kam hier ein Geldbetrag von über 141 RM. zusammen. Die Schweinezwischenzäh- lung vom 3. März ergab hier im ganzen 1319 Tiere (1. Dez. 1935: 1433). Zuchteber 38, Zucht­sauen 145, Ferkel und jüngere Tiere 890, ältere Schweine 246. Die große Zahl von Zuchttieren er­

ber Viehzucht, bie Behanblung bes Viehes unb die Jnstanbhaltung ber Ställe unb Dungstätten hin. Ferner sprach er über bie Vorzüge ber Rassevieh- Haltung. Am Montagabend hielt bie hiesige Verbrauchergenossenschaft bei starker Beteiligung im SaaleZum Hirsch" ihre biesjährige Generalversammlung ab. Herr Stork vom Ver­trauensrat der Verbrauchergenossenschaft gab einen Ueberblick über die Arbeiten in den jetzigen Ver- brauchergenossenschaften unb forberte bie Mitglie­der auf, weiterhin bie Treue zu halten. Mit einem gemeinschaftlichen kleinen Imbiß würbe ber erste Teil des Abends beschlossen. Im,zweiten Teil hiel­ten Verlosung, Musikvorträge, Gedichtvorträge usw. die Genossenschaftsfreunde noch lange beisammen.

* Göbelnrod, 10. März. An Stelle des ver­storbenen ersten Beigeordneten unserer Gemeinde Hermann Velten II. wurde der seitherige zweite Beigeordnete Wilhelm Bötz berufen. Der Bauer Wilhelm Becker wurde zum zweiten Beigeord­neten ernannt. v

4- Grünberg, 9. Marz. Am Samstagabend hielt der hiesige Ob st - unb G a r t e n b a u v e r - ein im GasthausHessischer Hof" seine Hauptver­sammlung ab. Der Vorsitzende, Berufsschullehrer ©engnagel, erstattete ben Jahresbericht. Dabei wies er auf den durchgeführten Wettbewerb im Fenster- und Balkonblumenschmuck hin, ebenso er­wähnte er die Obstbaumbespritzung mit Karboli- neum durch Vereinsbaumwart Fuchs (Göbelnrod) und gab der Hoffnung Ausdruck, daß bie Baum- pstege unb die Schädlingsbekämpfung bald auch hier allgemein zur Durchführung kommen. Von der für vorigen Herbst geplanten Blumenausstellung mußte man aus verschiedenen Gründen Abstand nehmen, sie soll aber dieses Jahr in Verbindung mit einer Obstausstellung ftattfinben. Die von dem Rechner, Rentier Schweißguth, vorgetragene Rechnung ergab einen kleinen Ueberschuß. Hieraus hielt der Leiter ber hiesigen bäuerlichen Werkschule, Dr. D i e n st, einen VortragDer Kalk im Gar­ten". Die interessanten unb in anschaulicher Weise vorgetragenen Ausführungen bes Redners, die burch paffende Lichtbilber unterstützt würben, fan- ben allgemeinen Beifall. Ebenso ungeteilte Auf­merksamkeit fanb der vom Vorsitzenden gezeigte SchmalfilmDie Keimung ber Erbse". Weiterhin wurden in regem Meinungsaustausch noch manche Fragen über bie Düngung ber Gärten behandelt. Die Versammlung war gut besucht, besonders waren auch viele Frauen anwesend.

Sonntag in Gießen ftattfinbenben Kreisversamm­lung der Geflügelzüchter wird der Verein den An­trag stellen, die für den kommenden Winter ge­plante Kreisausstellung nach Klein-Linden zu legen. Ferner befaßte man sich mit ber Beschaffung ber A. R.-Ringe, ohne die Ausstellungstiere nicht mehr zur Schau zugelassen werden. An bem Photowett­bewerb der Reichsfachgruppe Ausstellungsgeflügel­züchter wollen sich einige Mitglieder beteiligen. Ein­gehend wurde über bie vom Reichsoerband ge­plante Futterversorgung gesprochen. Die Mitglieder nahmen das Anerbieten an unb bestellten bie ge­nehmigten Futtermittel. Der Antrag eines Vor­standsmitgliedes, unter den Mitgliedern des hiesigen Vereins eine Eiersammlung zugunsten bedürftiger hiesiger Volksgenossen vorzunehmen unb biese Eier der Ortsgruppenleitung der NSV. zur Verteilung zu übermitteln, fand die Zustimmung sämtlicher anwesenden Mitglieder. Mitglied Wilhelm S ch l o s- s e r erklärte sich bereit, diese Sammlung am kom­menden Freitag vorzunehmen.

Y Watzenborn-Steinberg, 9. März. Im verflossenen Jahre erstanden in unserer Gemeinde außer verschiedenen An- und Umbauten sechs neue Wohnhäuser. In diesem Jahre liegt erfreulicherweise bereits bie Meldung von fünf Wohnhaus-Neubauten vor. Mit ben Vorarbeiten zum Bau von zwei Schulfälen und des damit ver­bundenen Turnraumes wurde bereits begonnen.