Hr.fiO Drittes Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger sür VberheMn)
Mittwoch,».Mörz Mb
Aus der Pwuinzialhauptftadi.
Der Schutzraum.
Er hat angefangen eine Rolle zu spielen. Man hört immer mehr von ihm. Vorträge, Besichtigungen, praktische Schulung haben die Aufmerksamkeit geweckt und das Verständnis gefördert. Allerorten beginnen die Volksgenossen auszuhorchen. Die vom Reichsluftschutzbund aufgeworfene Frage läßt keinen mehr los.
Warum geschieht dies alles? Weil die Leistungsfähigkeit des modernen Flugzeugs zu umfassenden Schutzmaßnahmen für die Zivilbevölkerung zwingt. Es gilt, ein ganz neues Feld zu beackern. Baufachleute haben Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Handwerker finden neue Erwerbsmöglichkeiten. Die Industrie hat sich seit langem der Bedürfnisse des Luftschutzes angenommen. Behörden schalten sich ein. Mancher Bauherr weiß darum. Hausbesitzer- und Mietervereine beschäftigen sich mit der für die Sicherheit und den Bestand des Volkes so wichtigen Angelegenheit. Alle Einsichtigen und Klarblickenden haben den hohen Ernst erkannt.
Freilich machen sich viele Volksgenossen von dem Sinn und Zweck des Schutzraumes eine ganz falsche Vorstellung. Bei dem starken Personalbedarf, der in Zeiten kriegerischer Verwicklungen zu befriedigen sein wird, kann mit Sicherheit gesagt werden, daß nur Greise, Kinder und Kranke die Insassen der Schutzräume sein werden. Alle anderen stehen entweder im Selbstschutz des Hauses, oder haben außerhalb der Wohnung einen bestimmten, der Allgemeinheit dienenden Pflichtenkreis. Dies gilt nicht nur für die Männer, sondern auch für Frauen und Mädchen.
Im Tone des Vorwurfs kann man hören, die Schutzräume feien ja doch nicht bombensicher herzurichten. Das soll auch nicht geschehen, weil ,cs keinen Schutz gegen alle Angriffsmöglichkeiten zugleich gibt. Aber schützen soll und kann der zweckmäßig gestaltete Raum gegen chemische Kampfstoffe, gegen Spreng- und Splitterwirkung. Und hiermit ist unendlich viel erreicht.
Diele meinen, die Einrichtung der Schutzräume sei Sache der Behörden. Dies ist ein Irrtum. Zwar überwacht die Baupolizei die Arbeiten; Erstellung und Einrichtung aber ist Sache der Hausbewohner. Natürlich entstehen hier schwer zu lösende Fragen, vor ollem finanzieller Art. Aber sie müssen gelöst werden, weil die Zukunft von Millionen Volksgenossen sonst gefährdet ist.
daß Fisch nicht satt mache und darum gerade für den fchwer Arbeitenden nicht tauge. Nun, darüber kann uns ein Versuch leicht eines besseren belehren! Wird nämlich der Seefisch richtig zubereitet, d. h. nicht einfach gekocht und das Kochwasser gar noch fortgetan, sondern im eigenen Saft gedünstet, gedämpft, gebraten oder in Tunke gar gemacht, damit Saft und Nährstoffe erhalten bleiben, dazu womöglich noch mit Erzeugnissen des eigenen Gartens — seien es nun Mohrrüben oder Sellerie, Wirsing oder Weißkohl — zubereitet, so erhält man nicht nur ein äußerst schmackhaftes, sondern vor allem auch nahrhaftes und durchaus sättigendes Gericht.
Beim heutigen Stand der Transportmöglichkeiten braucht die Hausfrau auch nicht zu befürchten, daß der Fisch nicht frisch genug in ihre Küche gelangt. Die Transporteinrichtungen sind heute derart mustergültig, daß sogar die fernste Kleinstadt schon 40 bis 50 Stunden nach der Landung frische, sorgfältig in Eis verpackte Seefische vom fernen Fischereihafen erhält.
Der Reichsnährstand betreut auch die Fischwirtschaft und hat bis zum heutigen Tag fehr zielbewußte und erfolgreiche Arbeit geleistet. Durch den Bau von 15 modernen Fischdampfern, die durch erhöhte Geschwindigkeit den Lieferweg der Seefische erheblich verkürzen, durch die Oualitätsförde- rungsmaßnahmen, insbesondere in Zusammenarbeit mit der Reichsbahn, sowie durch die Regelung des Arbeitseinsatzes unserer Fischereiflotte verfügen wir heute über weit größere Mengen an Seefischen, als es früher um die gleiche Jahreszeit der Fall war. Das ist um so wichtiger, als der Seefisch eine zweckmäßige Ausgleichskost für Fleisch darstellt, die für jeden Haushalt ohne Unterschied geeignet ist. Opferschießen für dasWinterhilfswerf.
Wie im vorigen Jahre, so wollen auch in diesem Jahre die Schützen die Not der hungernden Volksgenossen lindern helfen, und so ist für das ganze Reichsgebiet der Sonntag, 15. März, für das O p f e r f ch i e ß e n für das Win-- terhilfswerk bestimmt worden.
Die beiden hiesigen Schützenvereine, die Schützengesellschaft 1926 Gießen e. V. (Schießstand neben dem Militärschießstand 1) und der Schützenverein Gießen (Schießstand am Schützenhaus) haben sich selbstverständlich in den Dienst der guten Sache gestellt. Bei beiden Vereinen wird ab 8 Uhr früh bis zur Dunkelheit geschossen. Die erste Einlage von 35 Pf. (einschl. 5 Pf. Sportgroschen) ist so niedrig bemessen, daß es allen Volksgenossen möglich ist, sich an dem Schießen zu beteiligen. Es wäre daher sehr zu wünschen, daß den Bemühungen der beiden Vereine auch ein schöner Erfolg durch eine recht rege Beteiligung beschieden fein möge, denn das vorjährige Ergebnis soll nicht nur erreicht, sondern nach Möglichkeit noch Überboten werden.
Aus parteiamtlichenBekanntmachungen
Die NS.-Frauenschaft der Ortsgruppen Gießen-Mitte und Gießen-Nord versammelt sich zu ihrem gemeinsamen Ortsgruppenabend am morgigen Donnerstag, 12. März, 20 Uhr im Haus der Deutschen Arbeitsfront, Schanzen-
Reue Giraßenzüge in unserer Stadt.
An verschiedenen Stellen unserer Stadt, insbesondere im Osten, sind im Laufe der jüngsten Zeit ganze Straßenzüge entstanden. Hier ist besonders die F r ö b e l st r a ß e zu nennen, an der im Laufe der vergangenen Monate eine stattliche Anzahl von Zweifamilienhäusern entstanden ist. Selbst der Winter (der allerdings in diesem Jahre sehr mild ausgefallen ist) konnte der Bautätigkeit keinen Abbruch tun. Mit dem Frühjahr wird diese Bautätigkeit eine weitere erhebliche Steigerung erfahren; alle Anzeichen deuten darauf hin, daß ein Bauplatz nach dem anderen aufgeschlossen wird. Auch an der Curtmannstraße werden demnächst einige Häuser entstehen.
Eine weitere neue und schöne Straße entstand da, wo bisher das „Klewwergäßche" am Nahrungsberg am Alten Friedhof entlang hinaufführte. Die Häuser sind durchweg in geräumigen Abständen voneinander gebaut, so daß Licht und Luft von allen Seiten Zutritt haben. Weitere neue Wohnhäuser werden oben am Wartweg errichtet und voraussichtlich bis zu Sommersanfang bezogen werden können. *
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Zu unseren Bildern:
R e ch t s: In einer herrlichen Lage sind in der Fröbelstraße (parallel der Kaiser-Allee) viele neue Wohnhäuser entstanden.
Unten links: Die neue verlängerte Bergstraße stellt ein völlig neues Straßenbild am Nahrungsberg dar. Ursprünglich führte hier das „Klewwergäßche"zwifchen Gärten hinauf.
Unten rechts: Ein prächtiges repräsentatives Straßenbild hat sich in der nunmehr fast völlig ausgebauten Memeler Straße ergeben, die in ihrem Blickpunkt wirkungsvoll durch den neu verputzten Hauptbau der Provinzial - Pflegeanstalt abgeschlossen wird.
Sornofi^n.
Tageskalender für INittwoch.
NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Nord: 20.15 Uhr im Cafe Leib Appell der Parteigenossen. — NSG. „Kraft durch Freude": ab 20.30 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum. — Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr: „Hilde und 4 PS". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Karl May: Durch die Wüste". — Licbtspielhaus, Bahnhofstraße: „Eine Nacht an der Donau". — Hubertus: 20.30 Uhr: Hauptversammlung im „Hessischen Hof".
Stadttheater Gießen.
Heute von 19.30 bis 21.45 Uhr das Lustspiel „Hilde und 4 PS" von Kurt Sellnick. Spielleitung: Wolfgang Kühne. Die Verstellung gilt zugleich als 21. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement.
Macht Seefisch satt?
In unseren Groß- und Provinzstädten, wo täglich Waggon auf Waggon mit frischen, in Eis verpackten Seefischen anrollt, aber auch in kleinen und kleinsten Orten an der Küste ist die Hausfrau gewöhnt, in ihren Küchenzettel den Fisch in vielerlei Zubereitungsarten als willkommene Abwechslung aufzunehmen. Anders liegt es in vielen kleinstädtischen oder bäuerlichen Haushaltungen unserer innerdeutschen Gaue, wo der Seefisch wohl als Festtagsgericht, hauptsächlich zu Karfreitag, bekannt ist, als wochentägliche Mahlzeit aber vollkommen fehlt. Hier herrschen noch alte Vorurteile von früher her, darunter vor allem die Befürchtung,
Eifrige Wohnungsbauarbeit wurde ferner in der Schwarzlach geleistet, wo der ganze Straßenzug zwischen Ederstraße und Asterweg auf einer Seite bebaut wurde. In den Schießgärten, jenseits der Lahn, wurden ebenfalls einige Zweifamilienhäuser fertiggestellt.
Erfreulichen Fortgang nahmen auch die Arbeiten auf dem Baugelände hinter dem Prooinzialpflege- heim, wo sich ein Haus zum anderen gesellt. Auch dort sind neue Straßenzüge im Entstehen. Der große Wohnhausbau an der Lessing st raße.
die neuen Häuser am Schiffenberger Weg und an dem Kreuz Gnauthstraße-Bismarckstraße- Nahrungsberg-Keplerstraße sind ebenfalls bald schlüsselfertig.
(Aufnahmen [3]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
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Onene wird alt.
Don H. G Althoven
Weit drunten am Ostabhang des flachen Mucolo- Berges weidete die Cahornbo-Herde. Sie mochte an^ vierhundert Häupter zählen. Die Büffel hatten sich weit zerstreut und zogen brummend dem Sanga- Flusse zu, den sie nach Sonnenuntergang erreichen wollten.
Sie hatten so von alters her ihre bestimmten Wechsel. Denn in der Kissama-Steppe waren sie nie von Feinden gestört worden. Stammten sie doch von den wilden, braunen Libollo-Büffeln ab, die vor langer Zeit von Osten her in das Land der Kissa- mas gewandert waren, weil sie vor den aus Chengue vordringenden grimmigen Schwarzbüffeln hatten weichen müssen.
Das war aber schon lange, lange her. Die Vorväter der Cahombo-Büffel streiften schon vor einigen hundert Jahren durch die Kissama-Steppe. Schon zu der Zeit, als der kriegerische Kissama- Häuptling Muene Kafusche das gegen ihn ausgesandte portugiesische Expeditionskorps bis auf den letzten Mann niedermachte.
Die unwirtliche Kissama-Steppe macht harte und kriegerische Menschen aus ihren Bewohnern. Deshalb waren auch die Büffel wild und unstet geworden.
Ihr jetziger Führer war Onene, der Große. Ein alter, mächtiger Bulle von fast schwarzer Farbe, dem eine rasende Wildheit aus den giftgrünen Sehern blitzte. Er war über und über von Narben bedeckt, und seine linke Hornspitze war vom letzten großen Kampf zersplittert. Don unberechenbarer Laune, blitzschnell im Angriff, war er in vielen Kämpfen unbesiegt. Jeder seiner federnden Schritte zeugte von strotzender Kraft, und unter seinem straffen Fell wogten die schwellenden Bündel der mächtigen Muskeln. Wenn sein dumpfes, grollendes „Mbu-u- u-ih!" dröhnte, wich jeder Rivale ihm aus. Hatte er doch gestern noch den starken gefürchteten Bullen Ngomo getötet. Nach einem fürchterlichen Kampf, der von der Morgenfrühe bis Sonnenuntergang gedauert hatte.
Und in der Nacht hatte Onene, der noch erschöpft von dem großen Kampf ausruhte, zum erstenmal in seinem langen Leben ein sonderbares Gefühl der Unsicherheit verspürt.
Es mar, als er ums Morgengrauen den gewaltigen Topo nicht weit von sich stehen sah, der ihn nut trotzigem und wütendem Kampfblick maß. Was hatte Topo im Sinn? Dieser junge, unheimlich starke Bulle, der ihm schon oft zu schaffen gemacht
hatte. Ein leises Zittern ging über Onenes Rücken. War es Furcht vor dem Rivalen? Es spürte der urige Bulle zum ersten Male, daß er alt geworden war. Und er fühlte, daß auch Topo das wußte. Die Wildnisstiere haben feine Sinne für so etwas.
2)Ai ganzen Tag stand der jüngere Bulle im Schatten eines riesigen Baobabs, dessen gewaltigen Stamm er als Deckung benutzte, damit der verhaßte Onene ihn nicht sehen sollte. Topo äste den Tag über nicht. Böses führte er im Sinn. .Heute war die Stunde der Entscheidung da. Sein Herz war zum Bersten gespannt und Kampfeswut und Zorn gegen den alten Despoten. Er war fest entschlossen, das Zusammentreffen zu suchen. Heute oder nie! Tod oder Leben! Die anderen Bullen sollten vor ihm zittern. Vor ihm, und nicht mehr vor Onene, dem brutalen alten Diktator. Heute oder nie!
Topo war ein „Mörder".
Diese sogenannten „Mörder" sind eine besondere Abart der normalen Bullen. Sie kommen auch bei fast allen anderen Gehörnträgern vor. Es sind Bullen, die ein abnormes Gehörn tragen, das von der gewöhnlichen Art völlig abweicht.
Topas Gehörn war auf den ersten Blick fast schwach zu nennen. Denn es hatte nicht die breiten, gescheitelten, flach aufliegenden Stirnwulste, die für den afrikanischen Rot- und besonders den Schwarzbüffel typisch sind.
Beim normalen Gehörn der Buffelbullen ver,un- gen sich aus dem Wulst heraus die Enden allmählich und sind fast kreisförmig nach innen gebogen. Das Gehörn liegt bei hochaehobenem Haupt, zum Beispiel beim Witterungsnehmen, auf dem Nacken.
Topo aber hatte die Enden des Gehörns nicht nach innen gebogen. Seine Wehr lief in zwei wohl 40 Zentimeter langen dünnen Enden aus, die wie nadelscharfe Spitzen direkt nach oben ragten, wenn er witterte. Und wenn er das gewaltige Haupt zum Kampfe senkte, zeigten diese beiden fürchterlichen Dolche horizontal nach vorn.
Wenn solch todbringende Waffen von einem wütenden Bullen mit blitzartiger Schnelligkeit vorgetrieben werden, dann bleibt der überraschte Gegner auf der Walstatt, weil die langen Dolche tief in den Wildkörper einbringen und durch das darauffolgende „Schieben" und Schütteln gräßliche Wunden verursachen.
Es ist eine sonderbare, aber immer wieder gefundene Tatsache, daß solche „Mörder" ganz genau wissen, daß sie besonders gefährlich sind. Sie sind deshalb in der ganzen Herde als Raufbolde verschrien und gefürchtet.
---Und Topo stieß die rechte Spitze seines
blanken Gehörns tief in das weiße Fleisch des Baobab-Stammes. O, wenn es doch Onene wäre!
Gerne hätte er den Wutschrei der Herausforderung dröhnend zu dem Alten hinübergebrüllt. Doch feine Klugheit verbot es ihm. Nur durch blitzschnellen, unerwarteten Angriff konnte er feinen Rivalen überrumpeln, diesen lebenden Berg von Kraft und Wildheit.
Immer wieder wetzte er seine Gehörnspitzen an dem weichen Stamm, und der Sand flog unter den nervösen Schlägen der harten Hufe.
Während des ganzen Nachmittags lag Onene etwas abseits der Herde. Splendid Isolation. Für das letztemal! In seiner Nähe weidete eine schöne braunschwarze Kuh, die wegen ihrer Schönheit und des glänzenden Felles wegen Fogo, das Feuer, hieß. Sie war seit langem schon die Favoritin des alten Bullen und die einzige der Herde, die stets in seiner unmittelbaren Nähe sein durfte. Deshalb war sie verhaßt bei allen anderen Herdenmitgliedern.
Sie hatte vor einigen Wochen einem Kalb das Leben gegeben. Einem jungen Bullenkalb, Pacassa mit Namen. Noch nie hatte die Sonne im Kisifama- Land ein fo schönes Büffelkalb gesehen. Es verriet in seinem Habitus sofort den gewaltigen und starken Vater Onene. Trotz seiner Jugend sah man auf den ersten Blick, daß einst ein mächtiger Bulle und Kämpfer aus ihm werden sollte. Die starkknochigen Läufe trugen einen dunkelbraun behaarten gedrungenen Rumpf Und das breitstirnige Haupt mit dem kleinen Haarwirbel der Wildheit und mit den gerade hervorlugenden Gehörnspitzen trug der kleine Bulle mit dem Stolz der alten Väter. Lustig spielten die großen Lauscher im Abendlicht. Doch in seinen klaren Sehern lag schon der trotzige hellgrüne Schimmer der wilden Kampflust. Das Erbe der gefürchteten Libollo-Bullen.
Onene sieht mit Stolz nach seinem Sohn, dem kleinen Pacassa. Topo ist jung, irgendwann wird er siegen ... Aber Pacassa ist noch jünger — Onene wird gerächt werden ...
Zeitschriften
— „Ein Besuch bei Olaf G u l b r a n s s o n" ist das Thema eines Aufsatzes von Reinhard Piper im Märzheft der bekannten kulturpolitischen Monatsschrift „Deutsche Rundscha u". Durch seine Zeichnungen im Simplicissimus und letzthin auch durch sein eigenwilliges Buch „Es war einmal" ist Olaf Gulbranfson allenthalben bekannt. Es ist nun von besonderem Reize, einiges aus dem täglichen Leben dieses urwüchsigen Zeichners zu erfahren. Schon um dieses Beitrages willen lohnt sich
der Besitz dieses Heftes. Paul Fechter widmet dem toten englischen Dichter, Rudyard Kipling, einen Aufsatz „Imperialismus und Dichtung", in dem der Versuch gemacht ist, uns Deutschen die Gestalt Kiplings zu deuten. In Wort und Bild stellt Hans Stein die Verwandlung eines Tales in eine Talsperre dar. Hans Stein betrachtet mit wachen Augen und Sinnen die vorgehende Verwandlung, um aus der Erkenntnis des Nutzens und der neuen Schönheit ein gerechtes Bild zu entwerfen.
— W. K. v. Nohara, ein genauer Kenner ost- asiatischer Verhältnisse, schrieb im Zusammenhang mit dem Militärputsch in Tokio für das neueste Heft der „I11 u st r i r t e n Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig) einen fesselnden Aufsatz über die Gründe, die zu den blutigen Ereignissen in Japan führten. Der Verfasser schildert eindrucksvoll die im Lande herrschenden Spannungen und die Ziele der daraus entstandenen Bewegung der jungen Offiziere. — Das als Museum eingerichtete „Erme- ler-Haus" in Berlin, das in seinen Räumen eine glänzende Uebersicht über 150 Jahre deutscher Bürgerkultur bietet, wird im Rahmen eines lesenswerten Beitrages in Bild und Text ausführlich berücksichtigt. — Auch der Beitrag über die großzügige Sanierung der Hamburger Altstadt, des sog. „Gängeviertels", wird Interesse finden.
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Alfred H u e ck, Ordinarius für Deutsches und Bürgerliches Recht, Handels-, Verkehrs- und Arbeitsrecht an der Universität Jena, ist zum 1. April in gleicher Eigenschaft an die Universität München berufen worden.
Wegen Wegfalls ihres Lehrstuhls mit Ende September 1935 wurden an der Universität Köln von den amtlichen Verpflichtungen entbunden die ordentlichen Professoren Dr. jur. Ludwig W a l- decker (Oeffentliches Recht), Dr. jur. Franz H a v- m a n n (Römisches und Deutsches Bürgerliches Recht, Rechtsphilosophie, Privatversicherungsrecht), Dr. jur. Godehard Ebers (Staats-, Verwaltunas-, Völker- und Kirchenrecht), und Dr. jur. et pliiL Fritz Karl Mann (Finanzwissenschaft).
Der Dozent für Völkerrecht, Staatslehre, Staatsrecht, Internationales Privatrecht an der Universität Greifswald Amts- und Landgerichtsrat Dr. Walter Hamel ist beauftragt rooröen, an der Universität Köln im Sommersemester 1936 die Vertretung der freigewordenen Professur für Staatsrecht wahrzunehmen.


