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Meine politische Nachrichten.

Das Reichsministerium des Innern in Berlin hat mitgeteilt, daß die Arbeitskameraden, die die Kraft durch Freude "-Reise nach Ma­deira vom 15. bis 30. März mitmachen, in die­sen Tagen schon ihre Stimmscheine aus­geh ändigt bekommen können. Jeder Madeira­fahrer wendet sich an das für ihn zuständige Wähl­amt und nimmt dabei als Ausweis seine Schiffs­karte mit. Sollten irgendwo Schwierigkeiten auf­treten, so wende man sich an den nächsten DAF- Walter oder KdF.-Wart. *

Reichsluftfahrtminister General Göring besich­tigte die Anlagen und Einrichtungen der Jun­ker s w e r k e in Dessau. Gelegentlich des Mit­tagessens im Kreise der Belegschaft der Junkers- werke in der Kantine sprach der Reichsluftfahrt- Minister den Arbeitern und Angestellten seinen Dank für die bisherigen Leistungen aus und forderte sie auf, im alten Geist weiter für Führer, Volk und Vaterland zu schaffen. Die Ansprache fand bei den Werkangehörigen begeisterten Widerhall.

Zum 80. Geburtstage des Generals der Jnfan- terie a. D. Freiherrn von Soden sandte der Führer und Reichskanzler dem General ein herz­lich gehaltenes Schreiben, in dem die großen Ver­dienste des Heerführers um die deutsche Wehrmacht in Krieg und Frieden in Dankbarkeit gewürdigt werden. Weitere Glückwunschschreiben gingen u. a. von Generaloberst von Blomberg, Reichsaußen­minister Freiherrn von Neurath und von General der Artillerie Freiherrn von Fritsch ein. Der Ober- bürgermeister von Stuttgart ließ den Platz bei der Rotebühl-Kaserne Freiherr-von-Soden-Platz benen­nen. *

Im Reichsgesetzblatz vom 11. März wird eine Verordnung des Führers und Reichskanzlers über die Gestaltung des Hoheitszeichens des Reiches veröffentlicht. Das Hoheitszeichen des Reiches zeigt das Hakenkreuz, von einem Eichen­kranz umgeben, auf dem Eichenkranz einen Adler mit geöffneten Flügeln. Der Kopf des Adlers ist nach rechts gewendet.

Aus aller Welt.

Verurteilung eines jugendlichen Elternmörders.

Das Große 3ugenbgerid)t in Lyck (Ostpr.) verur­teilte den 15jährigen Heinz Rode aus Rostken, der am 30. November 1935 feine Eltern in bestialischer Weise getötet hatte, wegen Mordes in einem Falle und wegen Totschlags in einem zweiten Falle zu einer Gesamtstrafe von zehn Jahren Gefängnis. Gleichzeitig wurde die Fürsorgeerziehung angeordnet. Der jugendliche Angeklagte legte ein volles Geständnis ab. Um Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen, die die Entdeckung einer Veruntreuung von 30 bis 40 RM. mit sich bringen mußte, faßte er den Plan zur Ermordung seines Vaters, des Gen» därmeriehauptwachtmeisters Rode aus Rostken. Kaltblütig schlachtete der Sohn, das einzige Kind seiner Eltern, mit einem Seitengewehr zuerst den Vater und darauf die vom Tatort fliehende Mut­ter hin. Bei der Strafzumessung waren dem Ge­richt durch das Jugendgerichtsgesetz insofern Schranken auferlegt, als gegen jugendliche Verbre­cher auch bei Mord auf eine höhere Strafe als zehn Jahre Gefängnis nicht erkannt werden kann.

Explosion in einer Tankstelle.

In einer Tankstelle in Wiesbaden erfolgte eine Explosion. Durch den Druck wurden die Fenster und die Tür auf die Straße geschleudert. Die Klei­der des Tankwärters und feines Gehilfen standen sofort in Flammen, wurden aber von einem zufällig vorübergehenden Polizeibeamten und Nach­barn erstickt. Trotzdem hatten beide schon schwere Brandwunden im Gesicht und an Annen und Beinen erlitten.

Mordprozeh Heidrich in Würzburg.

Vor dem Schwurgericht in Würzburg findet setzt eine schwere Bluttat ihre Sühne, die im Herbst v. I. beträchtliches Aufsehen erregte. Damals war der 74 Jahre alte Gärtner Otto Müller in seiner Wohnung tot aufgefunden worden. Die näheren Umstände ließen auf ein Verbrechen schließen. Die Ermittlungen führten zur Festnahme des 29 Jahrs alten, vorbestraften Robert Heidrich. Heidrich hatte von Müller wiederholt Geld bekommen, das er stets in luftiger Gesellschaft verjubelte. Heidrich

Zerstörungs- General-

n i ch t

furt a.

Auftakt zum Wahlkampf im Gau Seffen-Aassau

Oer Gauleiter spricht auf der Frankfurter Führertagung.

Zweck eine einberufen

die Bereit-

fallen, wobei die gesamte Inneneinrichtung, einschließlich der Druckmaschinen, der Zerstörungs­wut des Pöbels zum Opfer fiel. Der General­streik ist von den marxistischen Arbeiterverbänden als Antwort auf die Verhängung des Kriegszustan­des verlängert worden. Die Madrider Regierung unterdrückt durch die Pressezensur sämtliche Nach­richten, die über Unruhen und kommunistische Sa­botageakte aus der Provinz gemeldet werden.

als Mitglied des Dölkerbundsrates Oder schlägt er vor, daß zu diesem internationale Konferenz wird?

Ich glaube, daß der Abschluß der von der deut­schen Regierung vorgeschlagenen Richtangriffs- pakte am zweckmäßigsten von den betref- fendenRegierungendirekt vorgenom­men wird. D. h. also, im Falle der Pakte zur Sicherung der Grenzen zwischen Deutschland einerseits und Frankreich und Belgien und unter Umständen Holland andererseits von den zu­ständigen Regierungen und den zur Unterzeich­nung einer Garantie eingeladenen Mächte, England und Italien. Es wäre vielleicht gut, wenn die Länder, die durch diese Pakte ge­sichert werden, zunächst einmal mit ihren zukünftigen Garanten in Fühlung treten würden. Die Nichtan­griffspakte mit den übrigen Staaten würden ähnlich wie einst zwischen Polen und Deutsch­land verhandelt werden, d. h. immer von Regierung zu Regierung. 3m übrigen würde sich Deutschland sicherlich nur freuen, wenn z. B. eine andere Macht sagen wir England als unparteiischer Mak­ler praktische Vorschläge zur Lösung dieser Fragen machen würde.

Frage: Wird der Führer der Welt sagen, warum er diesen speziellen Weg wählte, um seinen Zweck zu erreichen? Wenn er e r ft seine Vorschläge gemacht und als die von Deutschland geforderte Gegenlei - st u n g die Remilitarisierung des Rheinlandes ver­langt hätte, würde die Welt mit Begeisterung zu- gestimmt haben. Besteht ein besonderes Motiv für die Schnelligkeit der Aktionen des Führers?

Antwort: Ich habe mich schon in meiner Rede vor dem deutschen Reichstag darüber eingehend ge­äußert. Ich möchte daher nur ganz kurz die Be- merkung behandeln, daß die von mir gemachten Vorschläge begeistert begrüßt worden wären, wenn ich sie nicht mit der Remilitarisierung der entmiü-

rückzubringen, so daß die Vorschläge, die er gemacht hat, von dem Völkerbund behandelt werden können und Deutschland dabei seinen vollen Platz einnimmt?

Antwort: Ich habe für Deutschland

Willigkeit erklärt, sofort in den Völkerbund ein­zutreten unter der Erwartung, daß im Laufe einer vernünftigen Zeit die Frage einer kolonialen Gleichberechtigung und die der Tren­nung des Völkerbundes von dem sog. Friedensvertrag geklärt wird.

Der Führer erläutert seine Friedensvorschläge

Unterredung mit einem englischen Journalisten.

München, 11. März. (DNB. Funkspruch.) Der Führer und Reichskanzler hat dem be­fanden englischen Journalisten Ward P r i c e eine Unterredung gewährt, in deren Verlaus er eine Reihe von Fragen, die sich auf die historische Reichs­tagsrede vom 7. März beziehen, beantwortete.

1. Frage: Schließt das Angebot des Führers zu einem Nichtangriffspakt an alle Nachbar­staaten von Deutschland auch Oesterreich ein? Wird die Tschechoslowakei als Staat an Deutschlands Ostgrenze gerechnet? Antwort: Ich habe meinen Antrag auf Abschluß von Nicht­angriffspakten im Westen und Osten Deutschlands allgemein aufgestellt, d. h. ohne j e d e A u s - nähme. Dies gilt demnach sowohl für die Tschechoslowakei als auch für Oe ft er- reich.

2. Frage: Ist der Führer bereit, Deutschland unmittelbar in den Völkerbund zu-

reich solche Militärbündnisse abschließt, dann nicht ein so volkreiches und wirtschaftlich wich­tiges Grenzgebiet des Deutschen Reiches wehr- und schutzlos gelassen wer­den kann. Dies ist die primitivste Reaktion auf ein solches Vorgehen. 3m übrigen glaube ich, daß vielleicht auch in England nicht jedermann wissen wird, daß die bisherige sogen,ent­militarisierte" Zone ungefähr genau so viele Menschen besitzt, als die Einwoh­nerzahlen z. V. des tschechoslowakischen Staates oder 3ugoslawien ausmachen.

Dieses Gebiet erhält nunmehr seine Frie­densgarnisonen, genau wie auch das gesamte übrige Reich, nicht mehr und nicht weniger. Von Anhäufungen einer Streitmacht für offensive Zwecke kann schon deshalb nicht geredet werden, weil Deutschland

1. Von Frankreich nichts mehrzu fordern hat und nichts fordern will;

2. ja, selbst den Adscbluß von Nichtan­griffspakten vorgeschlagen hat mit dem Wunsche einer Garantieunterzeichnung durch Eng­land und Italien und weil dann

3. eine solche Anhäufung auch rein militä­risch gesehen nicht nur unnötig, sondern auch unvernünftig wäre!

F r a n k f u r t a. M., 10. März. (NSG.) In Anwesenheit des Gauleiters trat der Gau Hessen-Nassau heute nachmittag um 16 Uhr mit der angekündigten Führertagung im Hippodrom zu Frankfurt am Main in den Wahlkampf ein. Der stellver- tretende Gauleiter, Staatsrat Reiner, eröffnete die Tagung, die zu einer Kundgebung wurde und hieß die politischen Leiter, die Führer und Führe­rinnen der Gliederungen der NSDAP, und des Arbeitsdienstes willkommen. Sodann wurde dem Gaupropagandaleiter Müller-Scheld das Wort erteilt, der die Richtlinien für die kommende Wah­len ausgab, die der Welt die unzerreißbare Ge­schlossenheit ganz Deutschlands vor Augen führen wird. Heute mehr denn je soll der Führer wissen, daß sein Volk bedingungslos zu ihm steht.

Dann ergriff der Gauleiter kurz das Wort, um an den Anfang seiner Ausführungen das Be­kenntnis zu stellen, daß wir als Deutsche auf der Welt sein wollen, um dem Frieden zu dienen.Laßt uns also alle beweisen, daß wir täglich als Nationalsozialisten zu handeln geson-

Jm übrigen soll es ja die Aufgabe der Zukunft sein, dafür zu sorgen, daß sich die beiden Länder gegenseitig nicht mehr bedroht fühlen. Wenn Herr Sarraut erklärt, nicht zusehen zu können, daß die Festung Straßburg durch deutsche Ge­schütze bedroht wird, dann sollte man e r ft recht verstehen, daß aber auch Deutschland

' ' gern seine offenen Städte Frank- ,_____M., Freiburg, Karlsruhe usw. von den

Kanonen der französischen Festungen bedroht sehen will. Dieser Bedrohung wäre am ehesten vorzubeugen, wenn die Frage einer demili­tarisierten Zone von beiden Seiten gleich­mäßig gelost würde.

zum Gegenstoß vor, aber die deutsche Aufklärungs­gruppe, die SchiffeMainz",Köln" undAri­adne" verlor. In der Seeschlacht vor dem Skager­rak standen sich zunächst die deutschen Kreuzer unter Vizeadmiral Hipper und die Streitkräfte Beattys gegenüber. Beatty wurde bald danach Befehlshaber der Großen Flotte und 1919 Oberbefehlshaber der gesamten 'englischen Flotte, an deren Spitze er als Erster Seelord bis Ende Juli 1927 blieb. 1919 war er bereits zum Discount Borodale of Wexford, und später zum Earl of the North Sea and of Brooksby erhoben. Bei feinem Abschied aus dem Dienst wurde er Mitglied des Geheimen Staatsrats. Im Juli 1930 besuchte Beatty auf einer englischen Motor­jacht den Kieler Hafen als Gast der deutschen Ma­rine.

Kommunistenterror in Granada.

Generalstreik und Kriegszustand.

Madrid, 11. März (DNB.) Die spanische Regierung hat wegen schwerer politischer Ausschrei­tungen in Granada über die Provinz Granada den Kriegszustand verhängt. Den ganzen Tag über fanden Schießereien zwischen politischen Gea- nern statt, wobei 32 Personen verletzt worden sind. Kommunistische Gruppen durchzogen brandschatzend die Straßen. Ein Theater, mehrere Parteibüros, Kaffeehäuser, deren Wirte als rechtsstehend bekannt waren, eine Apotheke und eine Schokoladenfabrik wurden vollständig z e r« ft ort und in Brand geftedt. Der kommuni­stische Pöbel schleppte ferner aus zahlreichen Woh­nungen rechtsstehender Personen die Möbel aus die Straße und zündete sie an. Die ka­tholische ZeitungI d e a l", ein Schwesterblatt der MadriderEl Debate", wurde ebenfalls über»

nen sind, dann marschiert Deutschland vorwärts, aufwärts und in feine Ewigkeit hinein, und die andern werden uns einst folgen."

General Dollmann beim Gauleiter.

(NSG.) Frankfurt am Main, 10. März. Der KornrnandierendeGeneraldes IX. Ar­meekorps, General Dollmann, stattete mit feinen Begleitern Generalleutnant Lüdtke und Oberst Gallenkamp am heutigen Vormittag dem Gau­leiter Sprenger einen Besuch im Adolf-Hitler- Haus zu Frankfurt a. M. ab. General Dollmann gab feiner Freude darüber Ausdruck, daß nun endlich Der Tag gekommen fei, an dem auch die bisher entmilita­risierte Zone wieder mit deutschen Truppen belegt ist. Der Gauleiter versicherte dem General namens der gesamten Bevölkerung, daß alle Beziehungen zur Wehrmacht von demselben Geist getragen werden, den die Bevölkerung beim Einzug der von ihr so heiß ersehnten Truppen gezeigt hat. Nun erst fühlt das Volk den wahren Frieden, da es in Sicherheit feiner Arbeit nachgehen kann.

Der Reichsminister der Luftfahrt weist darauf hin, daß der Nachwuchs an D er f e b r s <= flugzeugführern nur aus den Rechen der Flugzeugführer genommen werde, die t n D e r Luftwaffe gedient haben. Besondere private Verkehrsfliegerschulen beständen daher nicht. Auch seien Bewerbungen an die bisherige Deutsche Ver­kehrsfliegerschule G. m. b. H. zwecklos. Bewerbern, die sich zum Flugzeugführer ausbilden lassen woll­ten und die die entsprechende Eignung Nachweisen könnten, we.che anheimgestellt, sich bei den zustän­digen örtlichen Wehrbezirkskommandos zum frei­willigen Dienst in Der Luftwaffe zu melden.

Güdflawien nach dem Atten­tat auf Gtojadinowitsch.

Außenminister Freiherr von Neurath hat dem jugoslawischen Ministerpräsidenten S t o j a d i n o - witsch aus Anlaß des glücklichen Verlaufs des Attentats in der Skuptschina die Glück­wünsche der deutschen Regierung ausgesprochen. Schüsse in dem jugoslawischen Parlament sind keine Seltenheit, aber noch immer wurde mit solchen ae» waltsamen Methoden des innenpolitischen Kampfes das Gegenteil dessen erreicht, was die Atten­täter beabsichttgten. So ist es auch in diesem Falle gewesen. Im Handumdrehen hat Stojadinowitsch, der sich um die Einigung des jugoslawischen Staates bereits große Verdienste erwarb, eine neue Regierung auf die Beine gestellt, die noch wesentlich stärker erscheint als das vorher von ihm geführte Kabinett. Nicht nur wurde ihre parlamen­tarische Basis durch die Hereinnahme neuer Mini­ster verbreitert, sondern es wurde auch die Mög­lichkeit von Unstimmigkeiten innerhalb der Regie­rung dadurch vermindert, daß der Posten des Kriegsministeriums mit einem Manne besetzt wurde, der fachlich hervorragend geeignet ist, aber einen politischen Ehrgeiz nicht besitzt. Denn im Gegensatz zu seinem Vorgänger General Zivkowitsch hat sich der Generalstabschef und jetzige Kriegsminister Mariisch stets bemüht, feine unabhängige Stel­lung gegenüber den inneren Problemen des Lan­des und des Parteienkampfes insbesondere zu wahren.

Die Schwierigkeiten, mit denen jede Belgrader Regierung zu kämpfen haben wird, liegen darin begründet, daß der jugoslawische Staat aus drei verschiedenen Völkerschaften, den Ser­ben, Slowenen und Kroaten besteht, deren jede den ausschlaggebenden Einfluß auf die Regierungsfiih- rung ausüben möchte. Den Weg zur einheitlichen Nation zu finden, ist besonders schwer geworden, seitdem der starken Hand des in Marseille er­mordeten Königs Alexander die Zügel ent­glitten. Diele Staatsmänner haben seit jenem un­glückseligen Tag mit den verschiedensten Mitteln versucht, die Versöhnung des jugoslawischen Volkes zustande zu bringen. Die gegenwärtige Regierung Stojadinowitsch hatte bei diesen Bemuhun- gen unzweifelhaft den größten Erfolg. Sie hat auch Die außenpolitische Stellung Jugosla­wiens in beträchtlichem Maße stärken und feftigen können. So darf auch das Revolverattentat gegen den Ministerpräsidenten nicht als der spontane Aus­druck allgemeiner Unzufriedenheit, sondern vielmehr als ein Zeichen der ohnmächtigen Wut jener Kreise gewertet werden, deren eigennützige Polittk immer mehr an Bedeutung verliert.

AlleWarschauer Hochschulengeschloffen.

W a r s ch a u, 11. März. (DNB. Funkspruch.) In Warschau sind infolge stürmischer Kundgebungen der Studenten und Hochschüler gegen b i e Höhe der Universitätsgebühren alle Hoch­schulen mit Ausnahme der Akademie der Künste und der Volkshochschule geschlossen worden. Die Technische Hochschule ist durch rund 3500 Stu­denten besetzt, die sich weigern, die Gebäude zu verla sen. Die Polizei hat den Fußgängerverkehr in den Straßen um die Technische Hochschule völlig gesperrt, um die Versorgung der Studenten mit Lebensrnitteln zu verhindern. In Einzelfallen ge­lingt es dennoch, aus Droschken und Straßenbahnen Lebensmittel auf das Gelände der Technischen Hoch­schule zu werfen. Am Dienstagnachmittag warfen zwei Flugzeuge des Warschauer Aeroklubs die von Studenten geflogen wurdem Sa ck e mit Lebensrnitteln über der Technischen Hoch­schule ab. Straßenkundgebungen anderer Studen­ten, die einen Marsch zum Kultusministerium ver­suchten, wurden von der Polizei verhindert.

3. Frage: Es ist wahrscheinlich, daß keine franzo- ische Regierung, selbst wenn sie es mottte, noch vor jen im April stattfindenden französischen W a h l e n auf eine Erörterung ihrer Vorschläge ein­gehen kann. Ist Deutschland bereit, bis zu diesem Zeitpunkt sein Angebot aufrechtzu­erhalten? Wird Deutschland inzwischen nichts weiter unternehmen, was die augenblickliche Lage erneut ändern würde?

Antwort: Von der deutschen Regierung aus wird an der bestehenden Situation nichts mehr g e - ändert. Wir haben die Souveränität des Reiches wieder aufgerichtet und ein uraltes Reichsgebiet in den Schuh der ganzen Ration genommen. Wir haben daher von uns aus auch keine Ver­anlassung, irgendwelche Termine zu stellen. Rur eines möchte ich hier aussprechen: Daß sich die deutsche Regierung, wenn auch diese Vorschläge, so wie so viele frühere, wieder der einfachen 3gnorierung oder Ableh­nung verfallen sollten, Europa mit weiteren Anträgen nicht mehr wird aufdrängen können.

4. Frage: Wird der Führer, nachdem er das Prinzip von Deutschlands völliger Souveränität für ein ganzes Gebiet hergestellt hat, die Zahl der deutschen Truppen im Rheinland aus freiem Willen auf eine Streitmacht begrenzen, die offensichtlich für eine offensive H and - lun g gegen Fr a n kr e ich un zur e i ch end ist?

Antwort: Die sogen,entmilitarisierte Zone wurde besetzt, nicht weil hie Absicht eine offen­sive Handlung gegen Frankreich vor­zunehmen, besteht, sondern weil die Aufrechterhal­tung eines so ungeheuren Opfers einer Nation nur denkbar ist und verantwortet werden kann, wenn es auf Seiten des Vertragspartners auf ein entsprechendes, sachliches und politisches Verständnis und damit auf eine angemessene Würdigung stoßt. Nicht Deutschland hat Verträge gebrochen! Aber seit der Annahme des Waffenstillstandes auf der Grund­lage der 14 Punkte Wilsons hat sich m Europa folgende Gepflogenheit eingebürgert:

Wenn ein Sieger und Besiegter miteinander einen Vertrag schließen, ist der Besiegte ver­pflichtet, ihn zu halten, wahrend der Sieger sich seine Haltung nach eigenem Ermessen einrichten und auslegen kann. Sie werden nicht bestreiten, daß die 14 Punkte Wilsons und seine drei Ergänzungen ernst nicht gehalten worden waren, Sie werden auch weiter nicht bestreiten, daß d l e V e r p s l i ch - tuns zu allgemeiner Abrüstung von Öen Siegern ebenfalls nichtgehalt en wurde. Auch der Locarnopakt hat nicht nur die buchstabenmäßige, sondern eine politisch-sinngemäße Bestimmung. Hätte die am 2. Mai 1935 unterzeich­nete französisch-sowjetrussische Abmachung bet der Abfassung des Locarnopaktes schändest a n den, wäre selbstverständlich der Rheinpakt nie unterzeichnet worden. Es geht aber nicht, ; einem Pakt nachträglich ei n e anoere : Auslegung oder gar einen anderen Inhalt zu geben. In diesem vorliegenden Fall hat man sich aber nicht nur vom Sinn, sondern sogar vom Buchstaben öes Locarnopaktes ent- I f e r n f.

Der Abschluß des französisch - fowjelrussifchen > Militärbündnisses schasst für Deutschland eine

Lage, die es zwingt, auch seinerseits be- \ stimmte Konsequenzen zu ziehen, und nur d i e habe ich gezogen. Denn der Sinn der Konsequenz ist, daß, wenn schon Frcmk-

tarifierten Zone verbunden haben würde. Dies ist möglich. Leider aber nicht entscheidend. Denn ich habe z. B. einen Vorschlag von 300 000 Mann gebracht. Ich glaube, es war dies damals ein sehr vernünftiger Vorschlag. Er war ganz konkret und hätte sicher im Sinne einer Entspannung in Europa wirken können. Er wurde auch ohne Zweifel von sehr vielen Menschen gutgeheißen. Ja, selbst die englische und die italienische Regierung hatten ihn sich zu eigen gemacht. Allein er erfuhr trotzdem eine Ablehnung. Wollte ich also damals die deutsche Rüstungsgleichberechtigung deren mo­ralisches Recht wohl niemals bestritten werden konnte tatsächlich Herstellen, und damit endlich eine brennenoe Frage Europas beseitigen, so mußte ich wohl oder übel auf eigene Ver­antwortung handeln.

And dieses Mal wäre es nicht anders gekommen. Hätte ich diese Vorschläge erst der Welt unterbreitet, verbunden mit der Forde­rung einer endlichen Ausübung aller Sou­veränitätsrechte in der entmilitarisierten Zone, so würden sie vielleicht die verständnisvolle Zustimmung der Welt erhalten haben, allein ich glaube nach meinen Erfahrungen nicht mehr, daß wir jemals an den Verhand- lungslifch gekommen wären. Es ist aber nicht möglich, daß ein Vertragspartner gegen den Sinn und Buchstaben eines Ver­trages handelt, ohne daß auch der zweite dann seine Bindungen löst. And dies habe ich getan!

Jrn übrigen, wenn jemals ein britischer ober französischer Staatsmann das Unglück gehabt haben würde oder jemals haben sollte, ihr Volk in einem ähnlich tragischen Zustand zu finden, wie ich mein eigenes, dann würden sie, dessen bin ich überzeugt, unter gleichen Voraussetzungen genau f o gehandelt haben ober in ber Zukunft Han- deln. Das Urteil ber Gegenwart läßt freilich einer geschichtlichen Tat selten volle Gerechtigkeit zuteil werben.

Das Urteil ber Nachwelt aber wirb mir einmal nicht bestreiten, baß es anftänbiger unb auch richtiger war, eine unmöglich geworbene Span­nung zu beseitigen, um bann enblich einer ver­nünftigen, von allen ersehnten Ent­wicklung bie Tore zu öffnen, als aus irgenbwelchen Rücksichten entgegen bem eigenen Ge­wissen unb ber eigenen Vernunft einen nun einmal untragbar geworbenen Zustanb zu versuchen weiter aufrechtzuerhatten. Ich glaube, baß, wenn bie Vorschläge ber beutschen Reichsregierung akzep- tiert werben, nachträglich einmal festgestellt werben wirb, baß bamit Europa unb bem Frieben ein großer Dienst erwiesen würbe.